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2. Teil: Wenn Kinder und Jugendliche trauern Trauerbegleitung als Praxisfeld der Schulpastoral.

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Präsentation zum Thema: "2. Teil: Wenn Kinder und Jugendliche trauern Trauerbegleitung als Praxisfeld der Schulpastoral."—  Präsentation transkript:

1 2. Teil: Wenn Kinder und Jugendliche trauern Trauerbegleitung als Praxisfeld der Schulpastoral

2 Übersicht: Schritte Tod und Trauer im Kontext von Schule – Aufgaben und Kompetenzen von Religionslehrkräften Tod und Trauer im Kontext von Schule – Aufgaben und Kompetenzen von Religionslehrkräften Maßnahmen bei Bekanntwerden der Todesnachricht Maßnahmen bei Bekanntwerden der Todesnachricht Wie Kinder und Jugendliche trauern Altersstufen, Phasen, Ausdrucksformen, unverzichtbare Elemente Wie Kinder und Jugendliche trauern Altersstufen, Phasen, Ausdrucksformen, unverzichtbare Elemente Was in der Trauerbegleitung zu tun ist – Begleitung von einzelnen und in der Klasse Was in der Trauerbegleitung zu tun ist – Begleitung von einzelnen und in der Klasse Trauerrituale Trauerrituale

3 Tod und Trauer im Kontext von Schule – Aufgaben und Kompetenzen von Religionslehrkräften

4 Schule als Ort der Trauer? Trauer gesellschaftlich nur am Rande und für begrenzte Zeit zugelassen Trauer gesellschaftlich nur am Rande und für begrenzte Zeit zugelassen Unterdrückte Trauer sucht sich eigene, auch pathologische Wege Unterdrückte Trauer sucht sich eigene, auch pathologische Wege „Der Unfähigkeit zu trauern entspricht die Hilflosigkeit zu trösten“ „Der Unfähigkeit zu trauern entspricht die Hilflosigkeit zu trösten“ Umso mehr Notwendigkeit, in der Schule Raum für Trauer zu geben – nicht zuletzt angesichts zunehmender Zeit, die dort verbracht wird Umso mehr Notwendigkeit, in der Schule Raum für Trauer zu geben – nicht zuletzt angesichts zunehmender Zeit, die dort verbracht wird Schule und RU haben auch kompensatorische Funktion gegenüber Familie; Schule als „zweites Zuhause“ Schule und RU haben auch kompensatorische Funktion gegenüber Familie; Schule als „zweites Zuhause“ Entwicklung einer schulischen Trauerkultur Entwicklung einer schulischen Trauerkultur

5 Religionslehrkräfte alsTrauerbegleiter? Kinder und Jugendliche in Trauer zu begleiten, ist nicht in erster Linie Angelegenheit von Experten, sondern von Familie und Umfeld (dazu gehört wesentlich die Schule) Kinder und Jugendliche in Trauer zu begleiten, ist nicht in erster Linie Angelegenheit von Experten, sondern von Familie und Umfeld (dazu gehört wesentlich die Schule) Verarbeitung von Trauer geschieht nicht primär durch Therapie, sondern durch die Auseinandersetzung mit der Situation im Alltag Verarbeitung von Trauer geschieht nicht primär durch Therapie, sondern durch die Auseinandersetzung mit der Situation im Alltag Kinder und Jugendliche sind dabei dringend auf Unterstützung angewiesen Kinder und Jugendliche sind dabei dringend auf Unterstützung angewiesen Lehrer/innen können hier mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln viel erreichen Lehrer/innen können hier mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln viel erreichen

6 „Der erste Trost, den wir als Erwachsene einem Kind geben zu können, ist traurig sein zu dürfen.“

7 Tod in verschiedenen Kontexten – unterschiedliches Handeln Unmittelbarer Schulkontext: Tod von Klassenkamerad/in bzw. Mitschüler/in Klassenkamerad/in bzw. Mitschüler/in (Klassen)lehrer/in (Klassen)lehrer/in Personal (Hausmeister, Sekretärin etc.) Personal (Hausmeister, Sekretärin etc.) Extremfall: Tod in der Schule (z.B. beim Sport, Unfall) Extremfall: Tod in der Schule (z.B. beim Sport, Unfall) ► Zwangsläufig Thema in der Schule Muss darum in Schule/ Klasse aufgegriffen werden Muss darum in Schule/ Klasse aufgegriffen werden Familiärer Kontext der Schüler/innen: Tod von Eltern bzw. Elternteil Eltern bzw. Elternteil Geschwisterkind Geschwisterkind Tod von Großeltern, anderen Angehörigen, Tod von Großeltern, anderen Angehörigen, Freund/in, auch Haustier Freund/in, auch Haustier ►Ansprechen in Absprache mit Betroffenen

8 Verschiedene Todesarten – unterschiedliches Handeln Tod nach längerer Krankheit Plötzlicher Tod bzw.Unfalltod Tod durch Gewaltverbrechen Suizid

9 Trauer ist nicht verallgemeinerbar! Auf das Individuum und seine Bedürfnisse achten! Auf das Individuum und seine Bedürfnisse achten! Grenze aller Handreichungen zur Trauerpastoral Grenze aller Handreichungen zur Trauerpastoral Beziehung zum Verstorbenen im Blick behalten - prägt Art und Intensität der Trauer Beziehung zum Verstorbenen im Blick behalten - prägt Art und Intensität der Trauer

10 Anzustrebende Kompetenzen von Religionslehrkräften Auf eine (unverhoffte) Todesnachricht im Kontext Schule angemessen reagieren können Auf eine (unverhoffte) Todesnachricht im Kontext Schule angemessen reagieren können Sensibel werden für verschiedene Ausdrucksformen von Trauer bei Kindern und Jugendlichen Sensibel werden für verschiedene Ausdrucksformen von Trauer bei Kindern und Jugendlichen Verständnis für befremdlichen Reaktionen entwickeln Verständnis für befremdlichen Reaktionen entwickeln Einzelne trauernden Schüler/inne/n begleiten können Einzelne trauernden Schüler/inne/n begleiten können Mit Trauer in der Klassengemeinschaft umgehen können Mit Trauer in der Klassengemeinschaft umgehen können Über ein Repertoire von Ritualen verfügen Über ein Repertoire von Ritualen verfügen Wissen, wann und wo professionelle Hilfe einzuholen ist Wissen, wann und wo professionelle Hilfe einzuholen ist

11 Frage nach dem eigenen Rollenverständnis „Wer anderen die Tränen abwischt, macht sich die Hände nass.“ „Wer anderen die Tränen abwischt, macht sich die Hände nass.“ Begleitung von trauernden Schülern verändert eigenes Rollenverständnis: Begleitung von trauernden Schülern verändert eigenes Rollenverständnis: Ein Stück weit Aufgabe der professionellen Berufsrolle Ein Stück weit Aufgabe der professionellen Berufsrolle Offenlegen von eigenen Gefühlen, eigenen Erfahrungen, eigener erlebter Trauer Offenlegen von eigenen Gefühlen, eigenen Erfahrungen, eigener erlebter Trauer Tod löst auch bei der Lehrkraft Trauer, Angst, Verunsicherung aus Tod löst auch bei der Lehrkraft Trauer, Angst, Verunsicherung aus

12 Nicht ohne persönlichen Zugang! Begleitung von anderen in Trauerprozessen erfordert von Lehrkräften eigene persönliche Auseinandersetzung mit Endlichkeit des Lebens, Todeserfahrung und Trauer

13 Warum „schulpastorales Praxisfeld“? Umgang mit trauernden Schüler/inne/n ist Aufgabe des Religionsunterrichts Umgang mit trauernden Schüler/inne/n ist Aufgabe des Religionsunterrichts Gleichzeitig Schnittstelle zwischen Religionsunterricht und Schulpastoral Gleichzeitig Schnittstelle zwischen Religionsunterricht und Schulpastoral

14 Nicht institutionalisierte Form von Schulpastoral Schulpastoral hat unterschiedliche Gestalt: Institutionalisierte Form – nicht explizit wahrgenommene und dennoch relevante Formen Schulpastoral hat unterschiedliche Gestalt: Institutionalisierte Form – nicht explizit wahrgenommene und dennoch relevante Formen Beispiele: „Offenes Ohr“, Krisengespräche, Gottesdienste etc. Beispiele: „Offenes Ohr“, Krisengespräche, Gottesdienste etc. Trauerbegleitung ist ein Aspekt davon Trauerbegleitung ist ein Aspekt davon Ein Engagement, das Religionslehrkräfte in aller Regel schon vorher gezeigt haben, bekommt einen Namen! Ein Engagement, das Religionslehrkräfte in aller Regel schon vorher gezeigt haben, bekommt einen Namen!

15 Adressat/inn/en Pastorales Handeln in der Schule konzentriert sich nicht nur auf Schüler/innen, sondern alle Beteiligten am Schulleben sind im Blick Pastorales Handeln in der Schule konzentriert sich nicht nur auf Schüler/innen, sondern alle Beteiligten am Schulleben sind im Blick Dennoch: Im Folgenden stehen die Lehrer- Schüler-Interaktionen im Blickpunkt Dennoch: Im Folgenden stehen die Lehrer- Schüler-Interaktionen im Blickpunkt Begleitung von Kolleg/inn/en etc. nur am Rand im Blick Begleitung von Kolleg/inn/en etc. nur am Rand im Blick Gespräche mit Eltern als eigenes Thema (vgl. 3 Teil)! Gespräche mit Eltern als eigenes Thema (vgl. 3 Teil)!

16 Abgrenzung von Krisenintervention Besonders nötig in Situationen wie Betroffenheit einer Schule durch Naturkatastrophen, Unfall, Amoklauf etc. Besonders nötig in Situationen wie Betroffenheit einer Schule durch Naturkatastrophen, Unfall, Amoklauf etc. Nicht durch einzelne/n leistbar, sondern erfordert Zusammenwirken vieler Nicht durch einzelne/n leistbar, sondern erfordert Zusammenwirken vieler Klare Absprachen (Wer informiert wen? Wer entscheidet was?), Erstellung von Krisenplan, Krisenmanagement Klare Absprachen (Wer informiert wen? Wer entscheidet was?), Erstellung von Krisenplan, Krisenmanagement

17 Notwendigkeit: Professionelle Hilfe Schulpsycholog/inn/en Schulpsycholog/inn/en Notfallseelsorger/innen Notfallseelsorger/innen Psychologische Beratungsstellen Psychologische Beratungsstellen Bestattungsinstitute Bestattungsinstitute

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19 Maßnahmen bei Bekanntwerden der Todesnachricht

20 Angemessene Information Möglichst rasche und sachliche Information ans Kollegium bzw. die unterrichtenden Lehrer und die betroffene Klasse Möglichst rasche und sachliche Information ans Kollegium bzw. die unterrichtenden Lehrer und die betroffene Klasse Verhindert unnötige Spekulationen, Gerüchte und auch Ängste Verhindert unnötige Spekulationen, Gerüchte und auch Ängste Klare Information auch bei Suizid! Klare Information auch bei Suizid! Bei Grundschulkindern: U.U. Benachrichtigung der Eltern Bei Grundschulkindern: U.U. Benachrichtigung der Eltern

21 Todesfall als „Unterbrechung“ des Alltags akzeptieren Unterbrechung des normalen Tages- bzw. Unterrichtsablaufs durch: Gespräch in der Klasse, Gespräch in der Klasse, Gedenkminute Gedenkminute Gefühlen Raum geben Gefühlen Raum geben Gemeinsam nachdenken, wie die Klasse mit dieser Situation umgehen möchte Gemeinsam nachdenken, wie die Klasse mit dieser Situation umgehen möchte

22 Die Lücke benennen und gestalten, die der Tod hinterlässt Bei Tod von Mitschüler/in Platz im Klassenzimmer gestalten: Foto, Blumen, Kerze, Kreuz Bei Tod von Mitschüler/in Platz im Klassenzimmer gestalten: Foto, Blumen, Kerze, Kreuz Kurzes Gebet, Vaterunser Kurzes Gebet, Vaterunser

23 Die Angehörigen nicht vergessen Trauerkarte Trauerkarte Persönliche Briefe Persönliche Briefe Kondolenzbuch Kondolenzbuch

24 Weiteres Vorgehen klären Nötige Absprachen treffen, besonders bei Tod von Mitschüler/in oder deren Angehörigen auch mit Familie: Teilnahme an Beerdigung, späterer Besuch am Grab, eigene Trauerfeier in der Schule, Nötige Absprachen treffen, besonders bei Tod von Mitschüler/in oder deren Angehörigen auch mit Familie: Teilnahme an Beerdigung, späterer Besuch am Grab, eigene Trauerfeier in der Schule, Gemeinsam klären: Ort der Trauer und Erinnerung gestalten, Wunsch nach eigenen Ritualen Gemeinsam klären: Ort der Trauer und Erinnerung gestalten, Wunsch nach eigenen Ritualen

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26 Wie Kinder und Jugendliche trauern

27 Vorschulalter bis zum Beginn der Grundschulzeit Solange kein Verständnis für die Endgültigkeit des Todes: Trauer einerseits nur begrenzt möglich – andererseits massive Verlusterfahrung Solange kein Verständnis für die Endgültigkeit des Todes: Trauer einerseits nur begrenzt möglich – andererseits massive Verlusterfahrung Traurigkeit über Zerbrechen von Spielzeug auf gleicher Ebene wie über Tod des Großvaters Traurigkeit über Zerbrechen von Spielzeug auf gleicher Ebene wie über Tod des Großvaters Haltung gegenüber Tod wirkt auf Erwachsene oft eigentümlich unemotional Haltung gegenüber Tod wirkt auf Erwachsene oft eigentümlich unemotional Reaktion auf Verlusterfahrungen: Unterschiedliche Irritation Reaktion auf Verlusterfahrungen: Unterschiedliche Irritation

28 Grundschulzeit Begegnung mit Tod zunehmend affektiv besetzt Begegnung mit Tod zunehmend affektiv besetzt Zunehmend zu Trauer fähig Zunehmend zu Trauer fähig Aber: Kinder leben stark in der Gegenwart, sind leichter ablenkbar – kürzere Zeit, in der sie sich intensiv mit erlittenen Verlust beschäftigen Aber: Kinder leben stark in der Gegenwart, sind leichter ablenkbar – kürzere Zeit, in der sie sich intensiv mit erlittenen Verlust beschäftigen

29 Grundschulzeit Bedürfnis, andere Trauernde zu trösten Bedürfnis, andere Trauernde zu trösten Trauerbewältigung im Spiel Trauerbewältigung im Spiel Versuche, die verstorbene Person zu imitieren, ihre Vorlieben zu übernehmen oder ihr auf andere Weise nah zu sein Versuche, die verstorbene Person zu imitieren, ihre Vorlieben zu übernehmen oder ihr auf andere Weise nah zu sein

30 Ab dem 10. Lebensjahr Kinder zeigen jetzt mehr und mehr Trauerreaktionen, die denen von Erwachsenen entsprechen Kinder zeigen jetzt mehr und mehr Trauerreaktionen, die denen von Erwachsenen entsprechen Bisweilen Beschützerinstinkt der Kinder ihren Eltern gegenüber: Damit die Eltern/Bezugspersonen nicht noch trauriger sind, halten sie ihre tatsächlichen Empfindungen zurück. Bisweilen Beschützerinstinkt der Kinder ihren Eltern gegenüber: Damit die Eltern/Bezugspersonen nicht noch trauriger sind, halten sie ihre tatsächlichen Empfindungen zurück. Typisch für Kinder: Abrupter Wechsel von tiefer Trauer und überschäumender Lebenslust – dringend nötig, um wieder Lebenskraft zu gewinnen! Typisch für Kinder: Abrupter Wechsel von tiefer Trauer und überschäumender Lebenslust – dringend nötig, um wieder Lebenskraft zu gewinnen!

31 Trauer von Jugendlichen Pubertät als Zeit besonderer Verletzlichkeit und Empfindsamkeit Pubertät als Zeit besonderer Verletzlichkeit und Empfindsamkeit Häufig Verbergen der eigenen Trauer: um „cool“ zu wirken oder um „tapfer“ zu sein und das System Familie möglichst aufrechtzuerhalten Häufig Verbergen der eigenen Trauer: um „cool“ zu wirken oder um „tapfer“ zu sein und das System Familie möglichst aufrechtzuerhalten „Aufschieben“ der Trauer auf später „Aufschieben“ der Trauer auf später Starke Gefühlsschwankungen Starke Gefühlsschwankungen Verarbeitung von Todeserfahrungen oft weniger in Elternhaus und Schule, sondern stärker in Freundeskreis/ Gruppe Verarbeitung von Todeserfahrungen oft weniger in Elternhaus und Schule, sondern stärker in Freundeskreis/ Gruppe Angst vor „Trauerzwang“ und verordneten Ritualen Angst vor „Trauerzwang“ und verordneten Ritualen Nicht zur Tagesordnung übergehen! Nicht zur Tagesordnung übergehen!

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33 Trauerphasen

34 Unterschiedliche Phasen Schock: Nicht-Wahrhaben-Wollen, Fassungslosigkeit, Verdrängung; Empfindungslosigkeit bis Verzweiflung Schock: Nicht-Wahrhaben-Wollen, Fassungslosigkeit, Verdrängung; Empfindungslosigkeit bis Verzweiflung Aufbrechende Emotion (bei Erwachsenen: „Kontrollierte“ Phase – vielfach bis zur Beerdigung): Allmählich Anerkennung der Realität, verzweifelte Sehnsucht und Hoffnung auf Wiedersehen Aufbrechende Emotion (bei Erwachsenen: „Kontrollierte“ Phase – vielfach bis zur Beerdigung): Allmählich Anerkennung der Realität, verzweifelte Sehnsucht und Hoffnung auf Wiedersehen Regression: Suchen und Sich-Trennen (schwierigste Phase): Heftiger Schmerz, Gefühlschaos, Abschied von alten Handlungsmustern – Neues zeigt sich noch wenig konkret Regression: Suchen und Sich-Trennen (schwierigste Phase): Heftiger Schmerz, Gefühlschaos, Abschied von alten Handlungsmustern – Neues zeigt sich noch wenig konkret Adaption: Neuer Selbst- und Weltbezug: Allmähliche Neuorientierung und Bewältigung der Situation, neue Ziele, Verstorbener als innere Begleiter; Rückfälle in überwunden geglaubte Trauer Adaption: Neuer Selbst- und Weltbezug: Allmähliche Neuorientierung und Bewältigung der Situation, neue Ziele, Verstorbener als innere Begleiter; Rückfälle in überwunden geglaubte Trauer

35 Ein „Trauerweg“ Vorsicht: Phasen sind kein festes Ablaufschema! Vorsicht: Phasen sind kein festes Ablaufschema! Rede von „Phasen“ insofern auch irreführend, da oft ineinander übergehend und sich überlappend Rede von „Phasen“ insofern auch irreführend, da oft ineinander übergehend und sich überlappend Trauer kein linearer Prozess mit einem bestimmten Anfang und Ende, sondern zyklisch verlaufend: Phasen müssen nicht zwangsläufig aufeinander folgen und können wiederholt auftreten Trauer kein linearer Prozess mit einem bestimmten Anfang und Ende, sondern zyklisch verlaufend: Phasen müssen nicht zwangsläufig aufeinander folgen und können wiederholt auftreten Eher Spirale denn Stufe! Eher Spirale denn Stufe!

36 Wie lange hält die Trauer an? Keine allgemeinen zeitlichen Vorgaben, sondern jeder Mensch braucht seine individuelle Zeit Keine allgemeinen zeitlichen Vorgaben, sondern jeder Mensch braucht seine individuelle Zeit Trauer um Angehörige keine Angelegenheit von Tagen und Wochen, sondern von Monaten und Jahren Trauer um Angehörige keine Angelegenheit von Tagen und Wochen, sondern von Monaten und Jahren

37 Ausdrucksformen der Trauer

38 Deutlich erkennbar Traurigkeit, NiedergeschlagenheitW einen Traurigkeit, NiedergeschlagenheitW einen Rückzug in sich selbst Rückzug in sich selbst Reizbarkeit Reizbarkeit starke Stimmungsschwan- kungen starke Stimmungsschwan- kungen

39 Scheinbarer Ausfall von Trauer Sehr rasche Rückkehr zur Normalität, Verhalten, als sei nichts geschehen Sehr rasche Rückkehr zur Normalität, Verhalten, als sei nichts geschehen Nach außen hin kalter und gefühlloser Eindruck Nach außen hin kalter und gefühlloser Eindruck Extreme Aufgedrehtheit, Herumalbern Extreme Aufgedrehtheit, Herumalbern Hintergrund: Form von Selbstschutz Hintergrund: Form von Selbstschutz (nicht zu nah an sich ranlassen), (nicht zu nah an sich ranlassen), Bedürfnis nach „normalem Leben“,Stabilisierung des Gewohnten, Verdikt der „coolness“ Bedürfnis nach „normalem Leben“,Stabilisierung des Gewohnten, Verdikt der „coolness“

40 Körperliche Reaktionen Häufig deutliche psychosomatische Reaktionen - gerade bei scheinbarer emotionaler Unberührtheit Schlafstörungen, zugleich große Müdigkeit (95%) Schlafstörungen, zugleich große Müdigkeit (95%) Kopfschmerzen (80%) Kopfschmerzen (80%) Verändertes Essverhalten Verändertes Essverhalten Kreislaufstörungen Kreislaufstörungen Gesteigerte Infektanfälligkeit Gesteigerte Infektanfälligkeit Magen-, Darmbeschwerden Magen-, Darmbeschwerden Mangelnde Energie, Kraftlosigkeit Mangelnde Energie, Kraftlosigkeit Konzentrationsschwierigkeiten Konzentrationsschwierigkeiten

41 Verhaltensauffälligkeiten … Entwicklungsrückschritt: Kinder verfallen in Baby-Rolle, geben sich extrem hilfsbedürftig; Rückkehr von bereits abgelegten Verhaltensweisen (z.B. Daumenlutschen, Bettnässen), Entwicklungsrückschritt: Kinder verfallen in Baby-Rolle, geben sich extrem hilfsbedürftig; Rückkehr von bereits abgelegten Verhaltensweisen (z.B. Daumenlutschen, Bettnässen), Übermäßige Reife: Kinder/ Jugendliche übernehmen zu Hause die Rolle des/der Verstorbenen (als Familienoberhaupt, Partner, Bezugsperson der Geschwister) Übermäßige Reife: Kinder/ Jugendliche übernehmen zu Hause die Rolle des/der Verstorbenen (als Familienoberhaupt, Partner, Bezugsperson der Geschwister) Rückzug in Vergangenheit, Schein- oder Traumwelt Rückzug in Vergangenheit, Schein- oder Traumwelt

42 … und speziell in der Schule Schüler/innen werden plötzlich verhaltensauffällig und stören den Unterricht Schüler/innen werden plötzlich verhaltensauffällig und stören den Unterricht Gegenteil: Kinder ziehen sich total in sich zurück und beteiligen sich gar nicht mehr Gegenteil: Kinder ziehen sich total in sich zurück und beteiligen sich gar nicht mehr Häufig: Plötzliches Schulversagen Häufig: Plötzliches Schulversagen

43 Begleitende Reaktionen: Gefühlschaos Zorn, Wut (bisweilen auch Zerstörungswut), Aggression - gegen den Verstorbenen, sich selbst, den anderen Elternteil, die Ärzte, gegen Gott – als Protest gegen die Realität des Todes Zorn, Wut (bisweilen auch Zerstörungswut), Aggression - gegen den Verstorbenen, sich selbst, den anderen Elternteil, die Ärzte, gegen Gott – als Protest gegen die Realität des Todes Schuldgefühle (besonders bei Kindern):Fühlen sich für Tod verantwortlich (falsches Verhalten, Streit, nicht „brav“ gewesen) Schuldgefühle (besonders bei Kindern):Fühlen sich für Tod verantwortlich (falsches Verhalten, Streit, nicht „brav“ gewesen) Angst (besonders bei Kindern): davor, dass anderes Familienmitglied oder sie selbst sterben könnten Angst (besonders bei Kindern): davor, dass anderes Familienmitglied oder sie selbst sterben könnten

44 Was in der Trauerbegleitung zu tun ist

45 Was Kinder und Jugendliche in ihrer Trauer brauchen Verlässliche Beziehungen (zu einem oder zwei Lehrer/inne/n) Verlässliche Beziehungen (zu einem oder zwei Lehrer/inne/n) Verständnis und Toleranz Verständnis und Toleranz Gespräch und Schweigen Gespräch und Schweigen Möglichkeiten, die Trauer auszuleben Möglichkeiten, die Trauer auszuleben Auch „trauerfreie Zonen“ Auch „trauerfreie Zonen“

46 Aufgaben der Begleitenden Grundhaltung: Akzeptieren, dass trauernde/r Schüler/in Recht hat, auf je eigene Art mit Schmerz umzugehen Grundhaltung: Akzeptieren, dass trauernde/r Schüler/in Recht hat, auf je eigene Art mit Schmerz umzugehen Wahrnehmen, aushalten, nicht urteilen Wahrnehmen, aushalten, nicht urteilen Agression nicht persönlich nehmen Agression nicht persönlich nehmen Abweichendes Verhalten nicht als gewollte Störung des Unterrichts verstehen Abweichendes Verhalten nicht als gewollte Störung des Unterrichts verstehen ►Haltung der Toleranz, aber nicht Gleichgültigkeit

47 Notwendige Elemente des Trauerns Akzeptanz des Todes als Realität – sonst kein Trauerprozess Akzeptanz des Todes als Realität – sonst kein Trauerprozess Durchleben des Abschiedsschmerzes – statt ihn unterdrücken zu versuchen Durchleben des Abschiedsschmerzes – statt ihn unterdrücken zu versuchen Sich-erinnern und verinnerlichen, was war – statt möglichst rasch zu vergessen Sich-erinnern und verinnerlichen, was war – statt möglichst rasch zu vergessen Neuorientierung und Entwicklung einer neuen Identität Neuorientierung und Entwicklung einer neuen Identität

48 Aufgaben für die Begleitenden „Durchleben“ und „Ausleben“ der Trauer zulassen und fördern: Abschied gestalten Abschied gestalten Angebote machen, um den unterschiedlichen Gefühlen Ausdruck zu verleihen Angebote machen, um den unterschiedlichen Gefühlen Ausdruck zu verleihen Über inneres Erleben sprechen Über inneres Erleben sprechen Orte, Zeiten und Formen der Erinnerung anzubieten, über die verstorbene Person miteinander sprechen Orte, Zeiten und Formen der Erinnerung anzubieten, über die verstorbene Person miteinander sprechen Quellen der Kraft und emotionalen Energie erschließen Quellen der Kraft und emotionalen Energie erschließen Neuaufbrüche unterstützen Neuaufbrüche unterstützen

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50 Individuelle Trauerbegleitung eines Schülers oder einer Schülerin

51 Erstbegegnung mit dem/der trauernden Schüler/in Von großer Bedeutung – daher bewusst gestalten Von großer Bedeutung – daher bewusst gestalten Behutsam Anteilnahme zeigen (angesichts der Angst, die Fassung zu verlieren) Behutsam Anteilnahme zeigen (angesichts der Angst, die Fassung zu verlieren) Offenheit für Gespräch signalisieren, aber nicht aufdrängen (viele wollen erst mal nichts sagen) Offenheit für Gespräch signalisieren, aber nicht aufdrängen (viele wollen erst mal nichts sagen) Unterstützende Maßnahmen anbieten Unterstützende Maßnahmen anbieten Form: Gespräch oder auch kurzer Brief Form: Gespräch oder auch kurzer Brief

52 Hilfreiche Formulierungen „Ich weiß nicht, wie Du dich fühlst, aber ich kann mir denken, dass es Dir jetzt sehr schlecht geht.“ „Ich weiß nicht, wie Du dich fühlst, aber ich kann mir denken, dass es Dir jetzt sehr schlecht geht.“ „Wenn ich jetzt oder auch später etwas für Dich tun kann, gib Bescheid.“ „Wenn ich jetzt oder auch später etwas für Dich tun kann, gib Bescheid.“ „Deine Situation kann ich nicht ändern, aber wir können überlegen, wie es für Dich in der Schule etwas leichter wird.“ „Deine Situation kann ich nicht ändern, aber wir können überlegen, wie es für Dich in der Schule etwas leichter wird.“

53 Begleitung im individuellen Gespräch Bereitschaft zum Zuhören, Erinnerung beleben, vom Verstorbenen und der gemeinsamen Zeit erzählen lassen Bereitschaft zum Zuhören, Erinnerung beleben, vom Verstorbenen und der gemeinsamen Zeit erzählen lassen Verschwiegenheit Verschwiegenheit Authentizität Authentizität

54 Unterstützung bei Schulschwierigkeiten Häufig Leistungsabfall Häufig Leistungsabfall Nötig: Gespräch mit Klassenlehrer, Nötig: Gespräch mit Klassenlehrer, Eltern, Beratungslehrer/in, ggf. Schulpsychologen Eltern, Beratungslehrer/in, ggf. Schulpsychologen Organisation von Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung, Nacharbeiten des Lernstoffs Organisation von Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung, Nacharbeiten des Lernstoffs Angemessene pädagogische Reaktion auf schlecht ausgefallene Klassenarbeiten Angemessene pädagogische Reaktion auf schlecht ausgefallene Klassenarbeiten

55 Unterstützende Angebote in und mit der Klasse Nicht alleinige Verantwortung der Lehrkraft Nicht alleinige Verantwortung der Lehrkraft Gemeinsam überlegen, wie Mitschüler/in nach Rückkehr unterstützt werden kann: durch Angebot besonderer Rückzugsmöglichkeiten, Rückhalt durch Freunde, Hilfe beim Lernen Gemeinsam überlegen, wie Mitschüler/in nach Rückkehr unterstützt werden kann: durch Angebot besonderer Rückzugsmöglichkeiten, Rückhalt durch Freunde, Hilfe beim Lernen Unterstützen und schützen – aber zugleich auch zumuten und befähigen! Unterstützen und schützen – aber zugleich auch zumuten und befähigen!

56 Fazit Trauernde Schüler/innen brauchen keine dauerhafte Sonderbehandlung – sonst Gefahr der Ausgrenzung bzw. Sonderrolle in Klassengemeinschaft Trauernde Schüler/innen brauchen keine dauerhafte Sonderbehandlung – sonst Gefahr der Ausgrenzung bzw. Sonderrolle in Klassengemeinschaft Sie brauchen jedoch eine behutsame und verständnisvolle Behandlung Sie brauchen jedoch eine behutsame und verständnisvolle Behandlung

57 Trauerbegleitung in der Klasse

58 Mögliche anzusprechende Themen Ängste bei Mitschülern vorm eigenem Tod oder Sterben von Familienmitgliedern: Offen aufnehmen als „normal“; z.B. durch Malen Ausdruck verleihen Ängste bei Mitschülern vorm eigenem Tod oder Sterben von Familienmitgliedern: Offen aufnehmen als „normal“; z.B. durch Malen Ausdruck verleihen Wut und Aggression: Raum dafür geben, z.B. durch Sport, Bewegung, Tanz Wut und Aggression: Raum dafür geben, z.B. durch Sport, Bewegung, Tanz Schuldgefühle: Unterscheidung zwischen realer Schuld und Gefühl hilfreich Schuldgefühle: Unterscheidung zwischen realer Schuld und Gefühl hilfreich Bei tatsächlichem kollektiven Schuldanteil bei Suizid (Ausgrenzung, Mobbing): Offen bennen, nicht uminterpretieren; ggf. Gespräch im kleinen Kreis Bei tatsächlichem kollektiven Schuldanteil bei Suizid (Ausgrenzung, Mobbing): Offen bennen, nicht uminterpretieren; ggf. Gespräch im kleinen Kreis Nötig: Geschützter Raum Nötig: Geschützter Raum

59 Formen der Aufarbeitung Baldige Wiederherstellung von Halt und gewohntem Rhythmus durch geregelten Tagesablauf Baldige Wiederherstellung von Halt und gewohntem Rhythmus durch geregelten Tagesablauf Gleichzeitig Orte und Räume ermöglichen, wo Schmerz ausgelebt und Erinnerung gestaltet werden kann Gleichzeitig Orte und Räume ermöglichen, wo Schmerz ausgelebt und Erinnerung gestaltet werden kann Suche nach geeigneten Ritualen Suche nach geeigneten Ritualen Grundsätzlich: Soweit als möglich die Schüler/innen mit ihren Vorstellungen, Bedürfnissen, Wünschen einbeziehen Grundsätzlich: Soweit als möglich die Schüler/innen mit ihren Vorstellungen, Bedürfnissen, Wünschen einbeziehen

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61 Mögliche Trauerrituale

62 Zum Sinn von Ritualen Orientierung geben Schwierige Situationen bewältigen trösten Vom Schweigen zum Wort, von der Lähmung zur Handlung Mit dem Unbegreiflichen besser umgehen Entlastung Loslassen üben

63 Den Schmerz leben

64 Der Erinnerung einen Ort geben

65 Der gemeinsamen Vergangenheit Ausdruck verleihen

66 Abschied gestalten

67 Zeichen der Hoffnung setzen

68 Später: Geburts- und Todestag als Gedenktage Gedenken durch Zeichen wie Blumen, Kerze bzw. Lebenskerze Gedenken durch Zeichen wie Blumen, Kerze bzw. Lebenskerze in Form einer kleinen Andacht in Form einer kleinen Andacht

69 Trauer hat viele Gesichter

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