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Kultursensible Pflege am Beispiel muslimischer Bewohner eines Pflegeheims Michaela Kops.

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Präsentation zum Thema: "Kultursensible Pflege am Beispiel muslimischer Bewohner eines Pflegeheims Michaela Kops."—  Präsentation transkript:

1 Kultursensible Pflege am Beispiel muslimischer Bewohner eines Pflegeheims Michaela Kops

2 Inhalt Einleitung Umfrage Handlungsleitlinie Umsetzungsempfehlungen Download

3 Einleitung Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund in Schwerte kommen aus der Türkei. Würde ein türkischer Bewohner in ein Pflegeheim einziehen, wüssten die meisten Mitarbeiter wohl nicht, welche Fragen sie bei der Aufnahme stellen sollten und welche Besonderheiten es bei der Pflege muslimischer Bewohner gibt. Unwissenheit und Ignoranz könnten zu schwerwiegenden Missverständnissen führen. Wenn man nicht weiß, welche Fragen gestellt werden sollen, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Daher wurde eine Umfrage bei türkisch-muslimischen Bürgern durchgeführt um zu erfragen, was diesen in einem Pflegeheim wichtig wäre.

4 Umfrage - Aufbau Allgemeine Informationen zur Person Ramadan Essen und Trinken Beten Moscheebesuch Medikamente Persönliche Pflege Informationsstand Wünsche

5 Umfrage – Allgemeine Informationen Fragebogen auf Deutsch und Türkisch in Papierform und Deutsch als Online- Variante Bildungs- und Kulturverein Schwerte, Moschee Hemer, Soziale Netzwerke 23 vollständig ausgefüllte Fragebögen 12x Online-Form, 5x deutschsprachiger Bogen, 6x türkischsprachigen Bogen. 15 der Probanden waren männlich, 8 weiblich. 18 Probanden gaben als Herkunftsregion die Türkei und 3 Deutschland an. 2 machten keine Angaben. Fast alle Probanden waren verheiratet, nur 2 waren verwitwet, 2 ledig und einer machte keine Angabe. 22 Probanden gaben als Glaubenszugehörigkeit ‚Sunniten’ an, nur ein Proband gab eine ‚Sonstige Glaubenszugehörigkeit’ an.

6 Umfrage - Ramadan Auf die Frage, ob die Probanden auch im Pflegeheim während des Ramadan keine Nahrung zu sich nehmen würden, antworteten 17 mit ja und 6 mit nein. Zwei gaben als Kommentar an, dass sie Fasten würden, so lange es der Gesundheitszustand erlauben würde. Von den 17 Probanden, die auch im Pflegeheim fasten würden, würden 13 keine wichtigen Medikamente wie Insulin oder Herzmittel zu sich nehmen. Nur 4 Probanden würden wichtige Medikamente während des Fastens einnehmen. Ein Kommentar war, dass man die Medikamente nicht nehmen würden, wenn es die Gesundheit nicht so stark beeinflusst, die Medikamente würden entsprechend vor bzw. nach Sonnenauf-/Untergang genommen. Von den 17 Probanden, die auch im Pflegeheim fasten würden, würden sich 16 die Zähne nicht mit Wasser putzen. Nur ein Proband würde dies tun.

7 Umfrage - Ramadan  Auch wenn im Krankheitsfall auf das Fasten während des Ramadan verzichtet werden darf, so ist die Durchführung vielen Muslimen dennoch wichtig, auch gehen die Verschiebung der Einnahmezeiten von Medikamenten und die veränderte Mundpflege damit einher.  Bei untergewichtigen muslimischen Bewohnern eines Altenheims sollte entsprechend hochkalorische Kost vor bzw. nach Sonnenauf- /Sonnenuntergang angeboten werden, auch auf eine ausreichende Flüssigkeitszunahme ist zu achten.  Gegebenenfalls sollten Ess- und Trinkprotokolle geführt und der Hausarzt über das Fasten während des Ramadan informiert werden.  Bei Einzug sollte daher gefragt werden, ob der Bewohner während des Ramadan fastet, ob er die Einnahme der Medikamente in Absprache mit dem Arzt verschieben und wie er die Mundpflege durchführen möchte.

8 Umfrage – Essen und Trinken Von den 23 Probanden gaben 21 an, sie würden sich immer an das Verbot von Schweinefleisch halten. Weitere Nennungen waren ‚Nie’ (1) und ‚Selten’ (1). Von den 23 Probanden gaben 20 an, sie würden sich immer an das Verbot von Alkohol halten. Weitere Nennungen waren ‚Nie’ (1), ‚Selten’ (1) und ‚Oft’ (1). 20 Probanden gaben an, dass der Koch des Pflegeheims neue Töpfen und Pfannen kaufen müsse, in denen garantiert noch nicht mit Schweineprodukten gekocht wurde. Nur 3 Probanden verneinten dies. Die Frage zur Gestaltung der Mahlzeiten wurde sehr uneinheitlich beantwortet. Sowohl bei Frühstück, Mittagessen, Kaffee/ Tee / Kuchen als auch Abendessen werden teils warme, teils kalte und teils warme und kalte Speisen serviert. Das Frühstück wird bei den Probanden zwischen 7:45 Uhr und 10:00 Uhr, das Mittagessen zwischen 13:00 Uhr und 15:00 Uhr, Kaffee / Tee / Kuchen zwischen 15:00 Uhr und 22:00 Uhr und das Abendessen zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr eingenommen.

9 Umfrage - Essen und Trinken  Beim Essen und Trinken legen die meisten Muslime sehr viel wert auf halales Essen und den Verzicht auf Alkohol. Dementsprechend sollte ein Pflegeheim entweder für diesen Bewohner ein spezielles Menü kochen, ein halales Wahlmenü zusätzlich für alle Bewohner einführen oder bereits bestehende vegetarische Menüs halal zubereiten. Hierbei ist nicht nur darauf zu achten, dass keine Schweineprodukte sondern auch kein Alkohol in Saucen oder Kuchen enthalten sind.  Ebenfalls sollten Pfannen und Töpfe verwendet werden, die noch nicht für Gerichte mit Schweineprodukten oder Alkohol benutzt wurden. Hier könnte man die Griffe der entsprechenden Pfannen, Töpfe, Messer etc. farblich kennzeichnen.  Bei nicht-religiösen Feiern wie dem Herbstfest könnten für alle Bewohner zu den alkoholischen Getränken auch alkoholfreie Bowlen oder Mischgetränke angeboten werden.  Die Gestaltung der Mahlzeiten war bei den Befragten sehr unterschiedlich und birgt wie bei den normalen Neueinzügen auch großes Konfliktpotenzial, wenn alte Gewohnheiten und der Pflegeheimalltag aufeinanderprallen. Hier gilt es, sensibel vorzugehen.  Gerade der Bereich Essen und Trinken führt schon bei Einzug eines einzelnen Muslims bei korrekter Durchführung für ein Pflegeheim zu großen Änderungen. Entsprechend sollte bei einem Einzug erfragt werden, ob der Bewohner sich strikt an das Verbot von Alkohol und Schweineprodukten hält, auf was bei Nahrungszubereitung besonders geachtet werden soll, mit welchen Gerichten man dem Bewohner einer Freude machen kann, wie der Bewohner normalerweise seine Mahlzeiten gestaltet und ob zwangsweise neue Pfannen und Töpfe verwendet werden müssen.

10 Umfrage - Beten Dass das Bett nach Mekka hin ausgerichtet ist – ohne dass die Füße in diese Richtung zeigen – ist 14 Probanden sehr, 4 gar nicht, 2 wenig und 3 mittelmäßig wichtig. Allen 23 Probanden ist es sehr wichtig, dass der Gebetsteppich nach Mekka hin ausgerichtet ist. Auf die Frage nach der Anzahl der täglichen Gebete machten 4 Probanden keine Angabe. Alle befragten Frauen gaben an, sie würden fünfmal täglich beten. Von den Männern betet einer dreimal täglich, alle anderen ebenfalls fünfmal täglich. Auf die Frage, zu welchen Uhrzeiten die Probanden im Regelfall beten gaben 16 an, sie würden nach den vorgegebenen Gebetszeiten beten, 2 gaben an, sie würden beten wenn sie frei hätten, 2 gaben an die Zeiten seien verschieden. 3 machten keine Angaben.

11 Umfrage - Beten  Das Beten als Religionsausübung gehört für viele der befragten Muslime zum Alltag. So ist der Hälfte der Befragten wichtig, dass das Bett nicht mit den Füßen nach Mekka hin ausgerichtet ist. Dies sollte für ein Pflegeheim schnell und problemlos umzusetzen sein. Auch die Ausrichtung des Gebetsteppichs – notfalls mithilfe eines Kompass oder einer Handy-App – stellt kein größeres Problem dar, wenn das Bewohnerzimmer groß genug ist. Bei Pflegeheimen mit kleinen Räumen, in denen der muslimische Bewohner keinen Platz zum Beten hat, sollte ein Ersatzraum gesucht werden.  Bei muslimischen Bewohnern mit einer Demenz sollte das Pflegepersonal auf die Gebetszeiten achten und dem Bewohner helfen. Hier könnte in dem Raum, in welchem der Bewohner betet für das Personal ein Pfeil in die Richtung von Mekka als Orientierungshilfe angebracht werden.  Ebenfalls sollte sich das Pflegeheim einen Kalender mit den wichtigen muslimischen Feiertagen sowie den Gebetszeiten besorgen.  Problematisch wird es, wenn Pflegekräfte den Bewohner bei der rituellen Waschung vor den Gebeten unterstützen müssen. Dies gilt als Religionsausübung und ist kein Bestandteil der Grundpflege, so das Sozialgericht Dortmund im Urteil vom (Az.: S 39 P 84/04).  Bei Einzug eines muslimischen Bewohners sollte man diesen fragen, ob er seinen eigenen Gebetsteppich mitbringt, zu welchen Uhrzeiten und an welchem Ort er beten möchte und ob er Hilfe bei der Bestimmung der Richtung braucht. Ebenso sollte mit dem Bewohner die Positionierung seines Bettes geklärt werden.

12 Umfrage - Moscheebesuch Von den Frauen geht nur eine regelmäßig zum Freitagsgebet in die Moschee, die restlichen 7 verneinen diese Frage. 3 Männer gehen ebenfalls freitags nicht in die Moschee, 12 geben an sie gingen zum Freitagsgebet in die Moschee. 20 Probanden würden auch im Rollstuhl zur Moschee fahren wollen, 1 Proband verneinte dies, 2 weibliche Probanden gaben an, sie würden dies wenn nur an religiösen Feiertagen machen. 19 Probanden bejahten die Frage, ob sie sich den Besuch eines Geistlichen im Pflegeheim wünschen würden, wenn sie selbst nicht mehr zum Besuch der Moschee in der Lage sein sollten. 3 Probanden würden dies nicht wünschen, einer machte keine Angabe.

13 Umfrage - Moscheebesuch  Besonders muslimischen Männern sollte die Fahrt zum Freitagsgebet der nächsten Moschee angeboten werden, da dies vielen Befragten wichtig war. Frauen unterliegen nicht der Pflicht zum Freitagsgebet. Dennoch sollten Moscheebesuche mit dem Bewohner und seinen Angehörigen geplant und abgesprochen werden.  Für den Fall, dass der Bewohner nicht mehr in die Moschee fahren kann und er dies wünscht, sollte der Kontakt zum Geistlichen hergestellt werden.  Ein Bewohner sollte bei Einzug gefragt werden, ob er regelmäßig die Moschee besuchen möchte und ob er selbst einen Fahrdienst dorthin organisiert, welche Feste und Feierlichkeiten

14 Umfrage - Medikamente 16 Probanden würden die Einnahme von Medikamenten verweigern, wenn in diesen Schweineprodukte oder Alkohol enthalten sind. 4 Probanden würden die Medikamente nehmen. 3 wählten die Option ‚Sonstiges’ und fügten als Kommentar hinzu, dass sie erst versuchen würden entsprechende Medikamente ohne verbotene Substanzen zu erhalten. Sollte es keine andere Möglichkeit geben, würden sie wirklich wichtige Medikamente mit Schweineprodukten oder Alkohol nehmen.

15 Umfrage - Medikamente  70% der Befragten würden die Einnahme von Medikamenten verweigern, wenn sie Schweineprodukte oder Alkohol enthalten.  Im Bereich Medikamente sollte das Pflegeheim daher eng mit Ärzten, wenn möglich muslimischen Ärzten, und Apotheken sowie dem muslimischen Bewohner zusammenarbeiten um Missverständnisse zu vermeiden.  Ratsam wäre es, die verschriebenen Medikamente zuerst durch die Apotheke auf Schweineprodukte oder Alkohol überprüfen zu lassen. Es könnte die Gefahr bestehen, dass Muslime Medikamente aus Angst verweigern, es könnten Schweineprodukte enthalten sein.  Folglich sollte man einen muslimischen Bewohner bei Einzug fragen, ob er mit seinem Arzt bereits über halale Medikamente gesprochen hat und wie er die Einnahme von Medikamenten während des Ramadan handhabt.

16 Umfrage – Persönliche Pflege Nach dem Toilettengang säubern 7 Probanden den Intimbereich mit Toilettenpapier, 18 mit der linken Hand und Wasser, 3 mit der linken Hand und Feuchttüchern. 20 Probanden nutzen als Methode der Rasur die Nassrasur, 3 einen Trockenrasierer, 1 die Fadentechnik, 1 die Pinzette und 1 Proband machte keine Angaben. Die Pflege durch einen gleichgeschlechtlichen Mitarbeiter ist 18 Probanden sehr, 3 ziemlich und 2 wenig wichtig. Allen weiblichen Probanden war die Pflege durch einen gleichgeschlechtlichen Mitarbeiter sehr wichtig. Bis auf einen männlichen Probanden möchten die restlichen 22 Probanden auch im Pflegeheim weiterhin Achsel- und Intimbehaarung rasiert haben wollen. Von den 8 befragten Frauen tragen 5 ein Kopftuch und 3 tragen keines.

17 Umfrage – Persönliche Pflege  Die Mitarbeiter der Pflege sollten in den Bereichen muslimischer Wäsche und ritueller Reinigung geschult werden.  Gegebenenfalls sollte das Pflegeheim Feuchttücher oder Kanne zur Verfügung stellen, da 75% der Befragten angaben, sich mit der linken Hand und Wasser oder Feuchttüchern nach dem Toilettengang zu reinigen.  Das Mittel zur Rasur ist auch bei Muslimen Geschmackssache. Den Umgang mit Nass- und Trockenrasierer sowie Pinzette kann man in der Pflege voraussetzen. Die Fadentechnik dürfte den meisten allerdings unbekannt sein. In diesem Fall könnte der Bewohner befragt werden, ob er auch mit Nass- oder Trockenrasur einverstanden wäre.  Im Vergleich zur normalen Pflege stellt die Rasur der Intim- und Achselbehaarung, welche 96% der Befragten wünschten, einen höheren pflegerischen Aufwand dar.  91% der Befragten wünschten sich die Pflege durch eine gleichgeschlechtliche Pflegekraft. Im Normalfall sollte die Pflege einer Muslimin durch eine weibliche Mitarbeiterin kein Problem darstellen, da meist mehr Frauen in der Pflege arbeiten als Männer. Problematisch wird es, wenn ein Muslim auf einen männlichen Pfleger besteht bzw. ein Muslim – egal ob männlich oder weiblich – mit zwei Pflegekräften versorgt werden muss. Hier kann es passieren, dass die Station eine Pflegekraft aus einer anderen Station anfordern muss, um die gleichgeschlechtliche Pflege zu gewährleisten. Wenn möglich sollte die Dienstplanung hierauf Rücksicht nehmen.  Mitarbeiterinnen sollten sich im Bedarfsfall von Angehörigen zeigen lassen, wie ein Kopftuch gebunden wird.  Es wäre ratsam, einen Muslim bei Einzug zu fragen, wie er den Intimbereich nach einem Toilettengang säubert und ob er außer Toilettenpapier weitere Hilfsmittel benötigt, ob er Achsel- und Intimbehaarung rasiert und womit und ob er Hilfe hierbei braucht sowie ob ihm gleichgeschlechtliches Personal sehr wichtig ist.

18 Umfrage - Informationsstand Mit dem Thema Demenz haben sich 11, mit Parkinson 8, mit Schlaganfall 11, mit Pflegestufen 5, mit Essen auf Rädern 5, mit Ambulanten Pflegediensten 7, mit zusätzlichen Betreuungskräften 5 und mit Pflegeheimen 3 Probanden beschäftigt. 11 machten keine Angaben, hiervon waren ein Proband weiblich und 10 männlich. Die Frage nach der Bereitschaft in ein Pflegeheim zu ziehen wurde wie folgt beantwortet: ‚Wenn ich bettlägerig bin’ (11), ‚Wenn ich eine außergewöhnlich belastende Erkrankung habe (z.B. Demenz)’ (9), und ‚Wenn ich mich nicht mehr selbstständig waschen und ankleiden kann’ (7). 1 Proband machte keine Angaben. 10 Probanden gaben an, dass sie gar nicht in ein Pflegeheim ziehen würden sondern von der Familie erwarten würden sie zu pflegen. Als Kommentar wurde zweimal angegeben, dass sie eine Pflege in der Familie bevorzugen würden. 6 Probanden von denen zwei weibliche und drei männliche aus Dortmund sowie ein männlicher aus Unna kamen gaben an, einen ambulanten Pflegedienst mit muslimischer Ausrichtung zu kennen, 2 gaben an keinen zu kennen und er sei auch unnötig, 14 gaben an keinen zu kennen sich aber einen zu wünschen. 1 männlicher Proband aus Dortmund gab an, Essen auf Rädern mit halalem Essen zu kennen, 3 gaben an keinen zu kennen und es sei auch unnötig, 18 gaben an keinen zu kennen sich aber einen zu wünschen. 2 Probanden, von denen ein weiblicher aus Viersen und ein männlicher aus Dortmund kamen, gaben an, Pflegeheime mit kompetentem Umgang mit Muslimen zu kennen, 2 gaben an, keines zu kennen und es sei auch unnötig, 18 gaben an keines zu kennen sich aber eines zu wünschen. 1 Proband machte zu diesen Fragen keine Angaben.

19 Umfrage - Informationsstand  Von den 23 Befragten haben sich zehn Männer und eine Frau noch mit keinem der genannten Pflegethemen beschäftigt. Das Thema Pflege scheint bei Muslimen hauptsächlich weibliche Aufgabe zu sein.  Alle Frauen, die den Fragebogen in Papierform ausfüllten, wählten den türkischsprachigen Bogen. Daher sollten Informationsunterlagen auf Türkisch übersetzt werden.  Türkischen Moscheen und Gemeinden könnten Pflegeschulungen auf Türkisch angeboten werden.  Bei der Frage nach einem Einzug in ein Pflegeheim zeigt sich eine prinzipielle Bereitschaft. Jedoch ist der Wunsch nach einer häuslichen Pflege durch Familienangehörige klar erkennbar.  Fast alle jüngeren befragten Frauen gehen einem Beruf nach, die drei Hausfrauen gaben ihr Alter einmal in der Kategorie Jahre, einmal in der Kategorie Jahre und einmal in der Kategorie Jahre an. Es könnte also passieren, dass die Pflege von Angehörigen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ähnlich wie in deutschen Familien immer stärker durch Pflegedienste und Pflegeheime übernommen wird, da die Kinder einem Beruf nachgehen.  Möglicherweise führt diese Sorge auch dazu, dass sich die meisten Befragen einen muslimischen Pflegedienst, halales Essen auf Rädern und Pflegeheime mit kompetentem Umgang mit Muslimen wünschen. Die Chance auf einen erweiterten Kundenkreis scheinen einige wenige Unternehmen in Dortmund, Unna und Viersen bereits genutzt zu haben.

20 Umfrage - Wünsche Auf die Frage, auf was ein Pflegeheim bei der Betreuung muslimischer Pflegebedürftiger besonders achten sollte antworteten die einzelnen Probanden wie folgt: „Liebe, lächelnde Gesichter, gute Pflege, einstellen auf viele Besucher (Stühle), nicht vergessen werden“ (übersetzt) „Alles aus Fragebogen sollte realisiert werden“ (übersetzt) „Gebetsraum, die Waschungen für Gebete, Reinheit, Menü sollte muslimisch sein“ „Gebetsraum, Essen“ „Am besten Pflegeheim extra für Moslems“ „Zimmergröße wegen Besuch, muslimische Festtage, kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede beachten, Wertvorstellungen respektieren“ „Gebetsraum, türkische Mahlzeiten, Besucherraum, türkische Pflegekräfte“ „Vernünftige Pflege, muslimisches Essen“ „Religiöse Pflege“ „Essen, Hygiene, Respekt vor Älteren, Akzeptanz“ „Gebetsraum, religiöse Waschungen, Essen“ „Gebetsraum, Waschungen, Essen“ „muslimische Mitarbeiterin, am besten mit Kopftuch“ „Die kulturellen und religiösen Eigenschaften sind sehr wichtig“ „Man sollte für die Religion, Kultur und Gewohnheiten sensibel sein, eventuell mit dem Patienten Situationen durchsprechen, gemeinsam die Entscheidungen treffen“

21 Umfrage - Wünsche  Hier zeigt sich, dass die meisten Muslime sich halales Essen und Gebetsräume wünschen. Auch der Wunsch nach einem respektvollen Umgang mit der Person und seiner Religion und Kultur wird sichtbar.

22 Handlungsleitlinie Im Rahmen der Masterarbeit wurden die Besonderheiten der Pflege muslimischer Bewohner in einer Handlungsleitlinie festgehalten. Diese ist nach den 13 AEDLs, wonach viele Pflegeheime arbeiten, aufgebaut. AEDL: Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des täglichen Lebens (nach Monika Krohwinkel)

23 Handlungsleitlinie - Beispiel

24 Umsetzungsempfehlungen Viele Muslime wünschen sich eine Pflege im Familienkreis. Sollte es doch zu einem Einzug in ein Pflegeheim kommen, sind halales Essen, die Möglichkeit der Religionsausübung und türkischsprachige Mitarbeiter von großer Wichtigkeit für die Betroffenen. In der Untersuchung selbst konnten keine Unterschiede in der Religionsausübung zwischen jüngeren und älteren Muslimen festgestellt werden. Die Werte und Moralvorstellungen scheinen relativ konstant zu sein. Jedoch könnte die Erwartungshaltung der älteren Generation, zu Hause von Angehörigen gepflegt zu werden mit der Berufsausübung der Kinder kollidieren und so in den nächsten Jahren zu mehr Muslimen in Pflegeheimen führen. Hierauf sollten sich die Pflegeheime einstellen und dabei sowohl die Wünsche, Sorgen und Ängste zukünftiger muslimischer Bewohner im Auge halten, als auch die der bereits im Pflegeheim lebenden Bewohner, die sich mit der muslimischen Kultur wahrscheinlich kaum auseinandergesetzt haben. Vorurteile sind sowohl auf Seiten der muslimischen Bewohner und Angehörigen als auch der Mitarbeiter und Bewohner des Pflegeheims zu erwarten und sollten frühzeitig angesprochen werden. Im Folgenden finden sich Umsetzungsempfehlungen, um eine kultursensible Pflege muslimischer Bewohner in Pflegeheimen besser gestalten zu können, direkte Auswirkungen der Masterarbeit und ein abschließendes Fazit:

25 Umsetzungsempfehlungen Ausbildung und Politik In der Altenpflegeausbildung wird das Thema ‚Kultursensible Pflege’ nur im zweiten Teil in dem Bereich ‚Unterstützung alter Menschen bei der Lebensentwicklung’ im Unterbereich ‚Lebenswelten und soziale Netzwerke alter Menschen beim altenpflegerischen Handeln berücksichtigen’ im Punkt ‚Ethniespezifische und interkulturelle Aspekte’ besprochen. Die acht Punkte im Unterbereich teilen sich eine Lehrzeit von 120 Stunden. Somit bleiben gerade einmal 15 Stunden für den Bereich der kultursensiblen Pflege, wenn man die Gesamtstundenanzahl gleichmäßig verteilt. Betrachtet man allein die interkulturellen Aspekte von Christentum, Islam, Hinduismus und Judentum, so bleiben nicht einmal vier Stunden pro Religion. Hier besteht seitens der Politik Handlungsbedarf.

26 Umsetzungsempfehlungen Kulturzentren Die Erstellung eines Konzeptes ist sicherlich zeitintensiv, so dass Pflegeheime sich vielmals erst mit dem Thema ‚muslimischer Bewohner’ beschäftigen, wenn ein entsprechender Einzug ansteht. Selbst im Internet finden sich kaum gute Seiten, in welchen die Mitarbeiter praktische Hinweise zur Pflege anderer Kulturen erhalten. Daher wäre es ebenfalls eine Möglichkeit, dass sich die einzelnen Kulturen selbst um eine Übersicht der kulturellen Besonderheiten bemühen und diese zum Download oder als Flyer anbieten. Die örtlichen Vertreter der Glaubensrichtungen wären sicherlich bereit, in den Pflegeheimen Vorträge über ihre Kultur und Religion zu halten.

27 Umsetzungsempfehlungen Pflegeberatungsstellen Die Pflegeberatungsstellen sollten in der Lage sein, die relevanten Informationen in verschiedenen Sprachen anzubieten. Die Informationsmaterialien sollten in den gängigsten Sprachen vorhanden sein. Kleine Städte, die nur einen Mitarbeiter in der Pflegeberatung anstellen, sollten mit Muttersprachlern kooperieren, um Pflegeberatung in der Muttersprache in der häuslichen Umgebung durchführen zu können.

28 Umsetzungsempfehlungen Essen auf Rädern Die Anbieter von Essen auf Rädern könnten ihre vegetarischen Mahlzeiten halal und koscher zubereiten, so dass weitere Kundenmärkte ohne größeren Kostenaufwand entstehen. Ambulante Pflegedienste und Haushaltshilfen Ebenso wie Pflegeheime sollten sich ambulante Pflegedienste konzeptionell mit dem Thema kultursensible Pflege beschäftigen, da meist erst ambulante Pflegedienste genutzt werden, bevor ein Einzug in ein Pflegeheim in Betracht gezogen wird. Dies gilt ebenso für Haushaltshilfen und Betreuungskräfte für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz nach §45 SGB XI.

29 Umsetzungsempfehlungen Pflegeheime – Leitungsebene Die Informations- und Anmeldeunterlagen der jeweiligen Pflegeheime sollten in mehreren Sprachen vorliegen. Hierzu zählen ebenfalls Skalen zur Schmerzerfassung, des Sturz- und des Dekubitusrisikos oder der Biografiebogen. Ein Fragebogen bei Einzug eines türkischsprachigen Bewohners in ein Pflegeheim könnte ebenso hilfreich sein. Bei einem Anmeldegespräch sollte auch hier bei Bedarf ein Muttersprachler hinzugezogen werden. Pflegeeinrichtungen sollten sich konzeptionell mit dem Thema ‚Kultursensible Pflege’ beschäftigen, in welchem die häufigsten Kulturen und Religionen versehen mit Handlungsempfehlungen in ihren gemeinsamen und verschiedenen Aspekten dargestellt werden. Gerade für größere Träger von Pflegeeinrichtungen sollte die Erstellung solcher Übersichten und Konzepte kein Problem darstellen, da ein Konzept für viele Häuser erstellt wird.

30 Umsetzungsempfehlungen Weiterhin sind interne Fortbildungen zur kultursensiblen Pflege ratsam. In vielen Einrichtungen sind Mitarbeiter unterschiedlicher Kulturen angestellt. Diese könnten über ihre Kultur berichten und so Denkanstöße liefern, ansonsten könnten auch die Vertreter der örtlichen Glaubensgemeinschaften zu Vorträgen eingeladen werden. Das Qualitätsmanagement muss flexibel ausgelegt werden dürfen. So hat es die Autorin erlebt, dass ein Mensch, in dessen Religion Milch nicht verzehrt werden darf dennoch Sondennahrung mit Milch erhalten musste, weil der vom Träger ausgewählte Kooperationspartner für Sondennahrung nicht über milchfreie Nahrung verfügte. Der von der Pflegedienstleitung herausgesuchte Hersteller von milchfreier Sondennahrung durfte seitens des Qualitätsmanagement nicht genutzt werden.

31 Umsetzungsempfehlungen Die Leitungsebene einer Einrichtung ist in der Pflicht, sich mit den häufigsten Kulturen des Standortes zu beschäftigen, die Mitarbeiter auf kulturelle Unterschiede in der Pflege aufmerksam zu machen und entsprechend zu schulen. In das Pflegeleitbild eines jeden Hauses sollte die Offenheit anderen Kulturen gegenüber implementiert sein und auch gelebt werden. Die Leitungsebene hat hier eine Vorbildfunktion. Die multikulturelle Kompetenz einer Einrichtung sollte dann öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt werden, um potenzielle Kunden über die Entwicklung in Kenntnis zu setzen.

32 Umsetzungsempfehlungen Pflegeheim – Pfleger Die Mitarbeiter der Pflege sind in den intimsten Momenten am nächsten am Bewohner. Daher sollten diese besonders für die kultursensible Pflege sensibilisiert werden. Sie sollten an entsprechenden Schulungen und Workshops teilnehmen. Pflegeheim – Küche Die Küchenmitarbeiter sollten ebenfalls über die verschiedenen Regeln in Bezug auf Essen und Trinken der Kulturen informiert sein. So wäre es ratsam, Kochbücher für koscheres und halales Essen zur Verfügung zu haben und für den Fall, dass ein muslimischer Bewohner einzieht, einen Satz Töpfe und Pfannen in Reserve.

33 Umsetzungsempfehlungen Pflegeheim – Sozialer Dienst Die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes eines Pflegeheims sollten sich ebenfalls mit den Kulturen beschäftigen, besonders sollten sie sich mit den jeweiligen Festtagen und den einhergehenden Bräuchen auseinandersetzen. Pflegeheim – Mitarbeiter allgemein Grundlegend ist jedoch die innerliche Haltung eines jeden Mitarbeiters. Fremden Kulturen sollten alle Mitarbeiter offen begegnen. Unwissenheit kann durch Interesse am Gegenüber ausgeglichen und so Wissen angeeignet werden. Hierzu muss der Mitarbeiter jedoch seine eigene Einstellung, seine Vorstellungen und Moral immer wieder hinterfragen und Neuem frei begegnen.

34 Umsetzungsempfehlungen Pflegeheim – Bewohner Viele Bewohner haben sicherlich Vorurteile gegenüber anderen Kulturen. Hier gilt es, die Bewohner über die Religionen und Kulturen zu informieren und für Verständnis und Offenheit zu werben, so dass ein multikulturelles Zusammenleben ermöglicht wird.

35 Umsetzungsempfehlungen Abschließendes Fazit Zieht ein Muslim in ein Pflegeheim und möchte dort seiner Kultur und Religion entsprechend gepflegt werden, entstehen für das Pflegeheim ein großer Organisationsaufwand und Kosten. Dennoch sollten sich die Pflegeheime vorsorglich mit der Kultur der Muslime – und anderen großen Kulturen – beschäftigen, um im Falle eines Einzugs angemessen reagieren zu können. Kultursensible Pflege muss Top-Down und Bottom-Up gelebt werden. Ist dieser Muslim im Pflegeheim zufrieden, wird er dies seinen Angehörigen und Freunden mitteilen. So kann es zu neuen muslimischen Bewohnern kommen. Je mehr Muslime das Angebot des Pflegeheims nutzen, desto geringer werden im Endeffekt die Kosten und der zusätzliche Aufwand und Integration wird gelebt. Zur gelungenen Integration sollte auch eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Vertretern der jeweiligen Glaubensrichtungen beitragen. Wünschenswert wäre nicht nur ein Umdenken in den Pflegeeinrichtungen sondern auch in der Organisationsleitung der Glaubensrichtungen.

36 Download Konkrete Umsetzungsempfehlungen für die Pflege, Ergebnisdarstellung der Umfrage, Handlungsleitlinie, Fragebögen und ausführliche Präsentation:

37 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit


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