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Projektmanagement 3. Der Lokalisierungsprozess Herbstschule Softwarelokalisierung an der Hochschule Anhalt Prof. Dr. Ursula Fissgus September 2010.

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1 Projektmanagement 3. Der Lokalisierungsprozess Herbstschule Softwarelokalisierung an der Hochschule Anhalt Prof. Dr. Ursula Fissgus September 2010

2 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 2 Ziele des Lernmoduls Aktivitäten, Methoden und Verfahren im Lokalisierungsprozess einordnen Kostenschätzung durchführen können Lokalisierungsspezifische Managementaktivitäten kennen lernen

3 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Aktivitäten und Kostenschätzung Aktivitäten, die zu einem Lokalisierungsprojekt gehören: –Projektvorbereitung –Übersetzung und Durchsicht –Entwicklung –Lokalisierung von Graphiken –Desktop Publication –Projektmanagement

4 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 4 Projektvorbereitung Projektvorbereitende Aktivitäten: –Rechner konfigurieren, anpassen –Quellmaterial testen –Quellmaterial vorbereiten –Referenzmaterial beschaffen –Übersetzungswergzeuge trainieren –vorhandenes übersetztes Material vorbereiten –Terminologierecherche –Aktivitäten sind sowohl sprachabhängig als auch –unabhängig Kostenabschätzung: auf Erfahrungswerte zurückgreifen

5 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 5 Übersetzung und Durchsicht Kostenschätzung: –auf Wort-Basis (später mehr) –Üblicherweise ein fester Einheitssatz für vorgegebene Sprachpaare (Quellsprache, Zielsprache) Anpassungen möglich, je nach Komplexität der Sprache oder des Textes –Sonderfälle Texte mit rechtlichen Auswirkungen, z.B. Lizenzbestimmungen oder Copyright, müssen u.U. von Fachleuten neu formuliert werden –Vorgehensweise mit dem Auftraggeber absprechen –Kosten werden extra berechnet

6 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 6 Entwicklung –Software Sprachliche Übersetzung Kompilierung (Übersetzung Programm -> lauffähiges Programm) Anpassung der Dialogboxen Test der Tastenkombinationen (hot key) Abschließender Test (cosmetic testing) –Online Hilfe Sprachliche Übersetzung Formatierung und Test

7 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 7 Entwicklung – Software Kostenfaktoren: –Plattform und Entwicklungsumgebung (Standard oder nicht) –Anzahl und Komplexität der Dialogboxen –Volumen der Anpassungstätigkeiten –Benutzung von automatischen Testwerkzeugen –Internationalisierungsniveau der Software –Softwaretyp (Systemsoftware, Anwendungssoftware, etc.) Kostenschätzung –Basis: Dialogbox Manche Lokalisierungswerkzeuge zählen die Ressourcentypen –Testkosten abhängig vom Niveau (kosmetisch, linguistisch oder funktional)

8 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 8 Entwicklung – Online Hilfe Kostenfaktoren: –Plattform und Entwicklungsumgebung (Standard oder nicht) –Komplexität der Dateiformate –Anzahl und Komplexität der Hilfethemen –Geforderter Testniveau –Benutzung von automatischen Testwerkzeugen (z.B. HtmlQA) –Anzahl der Hypertextverweise Kostenschätzung –Basis: Hilfethema –Unterschiedliche Komplexität mit Java-Komponenten oder HTML Dateien besser der Software zuordnen

9 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 9 Lokalisierung von Graphiken Kostenfaktoren: –Typ der Graphiken (bildschirmorientiert oder zeilenorientiert) –Komplexität des Layouts (Hintergrund, Font, Darstellung) –Trennung / keine Trennung Text – Graphik –Komplexität des Graphikeditors Kostenschätzung –Tatsächliche Anzahl der zur lokalisierenden Graphiken buttons oder icons müssen nicht lokalisiert werden wenn mehrere Versionen von einer Graphik existieren, z.B. farbig und schwarz- weiß, wird nur eine Graphik lokalisiert und dann automatisch konvertiert –Basis: Graphik, falls Graphiken ähnliche Komplexität haben Stunden, falls uneinheitliche Komplexität oder einfache Graphik + komplexe Graphik, falls uneinheitlich

10 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 10 Desktop Publication (DTP) Kostenfaktoren: –Plattform und Entwicklungsumgebung (Standard oder nicht) –Unterstützt die verwendete Software die Zielsprache? –Komplexität von Layout, Fonts, Graphiken –Konvertierung in andere Formate –Generierung von Dateien, die mehrere Sprachversionen enthalten Kostenschätzung –Basis: Seite –Asiatische Sprachen sind i.d.R. komplexer als nicht-asiatische

11 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Kostenschätzungen auf Wortbasis zur Abschätzung von Lokalisierungs- und Übersetzungsprojekten am häufigsten verwendet Notwendige Information zur Projektabschätzung: –Anzahl Wörter Problem: eingesetzte Werkzeuge liefern unterschiedliche Zählergebnisse –Interne Wiederholungen TM-Werkzeuge einsetzen (z.B. Trados) –Anteil der Wiederverwendungen (inklusive fuzzy matches) TM-Werkzeuge Evtl. zuerst TM-Datenbanken erstellen Unterschiedliche TM-Systeme liefern unterschiedliche Ergebnisse Werkzeuge erfassen keinen Text, der in Graphiken und Bilder vorkommt -> extra zählen

12 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 12 Software Text –In extra Dateien –In Quelldateien –In kompilierten Anwendungsdateien Außerdem in Betracht ziehen: –Zu lokalisierender Text auch in Installationsdateien, Reports und sonstigem Zubehör –Ist Text in Graphiken enthalten? –Texte können nicht aus ausführbaren Dateien (Anwendungsdateien) extrahiert werden -> Quelldateien notwendig

13 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 13 Online Hilfe Umfangreicher Text -> realistische Abschätzung notwendig Geeignete Werkzeuge verwenden: –TM tools –Editoren (Word für.rtf und.doc, FrontPage für html Dateien) –Online help Testwerkzeuge (HelpQA für WinHelp und HtmlQA für html) –PDFCount (früher Berücksichtigen mit welchen Werkzeug das Dokument generiert wurde -> TM tools entsprechend parametrisieren

14 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 14 HTML-Dateien Wortzählungen schwierig, Problem: HTML-Dateien enthalten –Text (zu übersetzen) und –Markups (bleiben unverändert) Text i.d.R. auf viele Dateien (=Seiten) verstreut kompilierte Dateien müssen dekompiliert (mittels HTML Help Workshop), übersetzt und wieder kompiliert werden Zu berücksichtigen: –Text in Meta-Tags (z.B. in Schlüsselwörter) –Buttons mit Text –Text, der beim Drüberfahren (mouseover) erscheint –Text in Scripten (bei dynamischen Seiten)

15 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 15 Dokumentation Quelldateien: Wortzählfunktion der verwendeten Editoren einsetzen.pdf Dateien: PDFcount verwenden –Achtung: es wird alles gezählt, z.B. Seitenkopftext wird für jede Seite gezählt

16 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 16 Web-Seiten Statische Web-Seiten: analog zu HTML-Dateien Dynamische Seiten: kombinieren statischen Text mit dem Inhalt von Textdatenbanken -> Text extrahieren (Spezialsoftware, Entwickler kontaktieren), übersetzen, einspielen (Spezialsoftware) Werden oft nicht vollständig lokalisiert, sondern kombinieren übersetzten Text und lokale (neu erstellte) Information Zu berücksichtigen: –Updatefrequenz: regelmäßig (z.B. täglich) sich ändernde Web-Seiten benötigen spezielle Werkzeuge oder Software zum Verwalten des multilingualen Workflows –Internationalisierung: können gängige Browser die verwendeten Zeichen (z.B. zwei-Byte Zeichen) auch darstellen? –Externe Provider: Information, die von Dritten geliefert wird -> klären, wer für die Lokalisierung zuständig ist

17 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Lokalisierungsprojektmanagement Aufgaben, Verantwortungsbereiche –Angebotserstellung –Projektaufbau und -start –Ressourcenmanagement –Zeitplanung –Budget –Qualitätsmanagement –Projektkommunikation Kostenschätzung Projektmanagement –Zusätzlich ca. 10% der Projektkosten

18 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Angebotserstellung Angebotsanfrage enthält –Projektbeschreibung –Komponentenübersicht –Angaben über den Anwendungsbereich –Projektumfang (geschätzt) –Quellprodukt (in Auszügen oder komplett) –Erwartete Dienstleistung –Erwarteter Lieferumfang –Erwartete Termine (für das Angebot und für das Projekt) Es gibt keinen Standard dafür Detaillierungsgrad: –Gesamtangebot für das Projekt –Detailliertes Angebot (einzelne Teilaufgaben und Aktivitäten)

19 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 19 Notwendige Information Zielsprache(n) Zu übersetzende Komponenten Zusätzliche Tätigkeiten Updates, Meilensteine während de Übersetzung Glossare gefordert Einsatz bestimmter TM Werkzeuge Auslieferung Software- / Hardwareeinschränkungen Kenntnisse / Erfahrungen aus dem Anwendungsbereich Referenzmaterial Zeitrahmen

20 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 20 Projektevaluation –in der Phase der Angeboterstellung oft vernachlässigt –Wird von der Verkaufsabteilung erstellt Vorteile einer vollständigen Projektevaluation: –Auftraggebersicht: das Projekt ist in guten (= professionellen) Händen –Auftragnehmersicht: Risiken werden minimiert Notwendige Parameter zur Projektevaluation für ein Angebot: –Identifizierung der zu lokalisierenden Komponenten –Identifizierung der durchzuführenden Aktivitäten

21 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 21 Projektevaluation – Entwicklung und Test / DTP Entwicklung und Test: Zeit, die für die Einbindung des übersetzten Materials in das Programm notwendig ist –Parameter: Übersetzungsvolumina (Anzahl Wörter) –Durchschnittswerte –Empfehlung: eine zweite, unabhängige Abschätzung einholen Desktop Publishing –Anzahl Seiten –Komplexität ist im Laufe der Zeit kontinuierlich gestiegen –Sicherstellen, dass alle geforderten Tätigkeiten berücksichtigt werden

22 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 22 Projektevaluation – Übersetzungsvolumina Das Projektmanagement benötigt folgende Information für die Evaluation der Übersetzungsvolumina: –Anzahl Wörter (Summe) –Trefferquote extern –Trefferquote intern Informationsgewinnung –Mit Hilfe von TM Systemen –Empfehlung: mit einem anderen TM System gegenprüfen Evaluationsdaten –Nach Komponententypen aufschlüsseln

23 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 23 Preisgestaltung Probleme: –Managementeinsicht, dass Lokalisierung >> Übersetzung –Konkurrenzsituation –Preisbewusstsein der Auftraggeber Preisgestaltung –Komponentenweise –feste Preissätze für Tätigkeiten –Bei komplexen Projekten: Preissätze anpassen

24 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 24 Wettbewerbsfähige Preisgestaltung –Abschätzungen der einzelnen Posten, statt allgemeiner Zeitabschätzungen –Feste Postenpreise, statt Preise auf Stundenbasis –Aufschlüsselung der Aktivitäten –Bei festen Kundenbindung kann man u.U. zu einer Projekt-Post- Kalkulation übergehen Kunden stellen immer öfter Angebotsformulare zur Verfügung –Erleichtert den Vergleich –Wichtig: vom Standard abweichende Tätigkeiten extra vermerken

25 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 25 Aufbau eines Angebots Benötigte Information –Aufschlüsselung der Kosten Anzahl Einheiten pro Posten/Tätigkeit Preis pro Einheit und pro Sprache Summe der Kosten –Lieferumfang (Auflistung) –Projektannahmen, -voraussetzungen –Zahlungsmodalitäten und -zeitplan –Vorläufiger Zeitplan –Vorläufiger Projektplan (Aufschlüsselung der Tätigkeiten) –Eventuell alternative Vorgehensweise –Firmeninformation

26 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 26 Aufschlüsselung der Kosten AktivitätKomponenteKostenbasis RechercheTerminologieStunde / Term ÜbersetzungSoftwareWort HTML / XMLWort Hilfe / DokumentationWort Einfache DokumenteStunde / Wort EntwicklungSoftwareDialogbox / Stunde TestSoftware (linguistisch)Stunde Software (funktional)Stunde HTML / HilfeElement / Stunde

27 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 27 Aufschlüsselung der Kosten (2) AktivitätKomponenteKostenbasis Desktop PublishingDokumentationSeite / Stunde ZusatzmaterialSeite / Stunde GraphikenSoftware Fenster / Stunde HTML / Hilfe / Dokumentation Fenster / Stunde Drucken / KonvertierenHTML / HilfeStunde DokumentationSeite / Stunde Projektstart und -vorbereitung alleStunde Projektmanagement alle % aus Projekt / Stunde

28 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 28 Lieferumfang Ziel: sicherstellen, dass Auftraggeber und -nehmer die gleichen Erwartungen haben Möglicher Lieferumfang: –Vollständig lokalisierte, kompilierte und getestete Online Hilfe Quelldateien und ausführbare Dateien –Vollständig lokalisierte, kompilierte und getestete Software Quelldateien und ausführbare Dateien –Vollständig lokalisierte und formatierte Dokumentation Quelldateien, PostScript und PDF Dateien –Translation Memory mit up-to-date Glossaren in allen Sprachen

29 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 29 Projektannahmen und -voraussetzungen Mögliche Projektannahmen und -voraussetzungen –Änderungen im Projektvolumen und –ziel haben Kosten- und Zeitrahmenänderungen zur Folge –Zeitrahmen basiert auf der Annahme, dass das Quellmaterial rechtzeitig zur Verfügung steht –Stilistische Änderungen sind im Lieferumfang nicht enthalten und werden u.U. extra berechnet –Projektarbeiten beginnen erst nach Vertragsabschluss –Meilensteine und Auslieferungstermine können nur rechtzeitig eingetroffenes Material berücksichtigen Beachte: Annahmen sollten die Sachlage klären und keine Projekteinschränkung sein

30 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 30 Zahlungsmodalitäten und -zeitplan Angaben darüber, wann und wie viel bezahlt wird Wichtig bei großen Projekten Beispiele: –50% bei Projektbeginn, 50% bei Projektvollendung –30% Anzahlung, 30% bei einem vereinbartem Meilenstein, 40% bei Vollendung

31 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 31 Vorläufiger Zeitplan Angebotsanfragen der Auftraggebers enthalten i.A.: –Gewünschten Projektstart –Gewünschtes Projektende Vorläufiger Zeitplan: –Vorläufigen Projektplan erstellen –Enthält Übersicht über die Teillieferungen Note beifügen: –Der Zeitplan ist vorläufig und kann sich ändern (z.B. in Abhängigkeit von der Qualität des Quellmaterials) –Zeitplan kann nur eingehalten werden, wenn das Material vom Auftraggeber rechtzeitig zur Verfügung steht

32 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 32 Vorläufiger Projektplan Übersicht darüber, wie das Projekt durchgeführt wird –Pro Komponente: Prozessübersicht, benutzte Werkzeuge Ressourcenplan –Ressourcen pro Komponente / Aktivität –Trainingsplan für Projektmitarbeiter –Kurzbiographie der wichtigsten Projektmitarbeiter –Aufstellung der benötigten Ressourcen (z.B. Lokalisierungskit), Alternativvorschläge –Mögliche Probleme und Lösungsvorschläge

33 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 33 Firmeninformation Darstellung der Firma: organisatorische Stärken, technische Infrastruktur, Ressourcen, das Besondere Firmeninformation: –Firmenprofil, Dienstleistungen –Qualität der Dienstleistungen –Rabatte bei Großaufträgen –Ressourcen –Kunden und Referenzen –Technische Fähigkeiten, Projektmanagementfähigkeiten –Benutzte Übersetzungswerkzeuge –Marketing –Formale Qualitätssicherungsmaßnahmen

34 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Projektstart Tätigkeiten zum Projektstart: –Genaue Evaluation für alle Komponenten –Projektordner anlegen –Zeit- und Ressourcenplan –Vorbereitende Tätigkeiten für die einzelnen Komponenten –Budget und Qualitätssicherungsmaßnahmen –Kommunikationsplan

35 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 35 Evaluation zum Projektstart Kostenschätzung bei Angebotserstellung durchgeführt –Kann, nach Durchsicht des verfügbaren Materials, genauer spezifiziert werden Zusätzlich: Evaluation des Quellmaterials –Vollständigkeit –Korrektheit

36 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 36 Projektordner Einheitliche, zentrale Ablage, zugänglich allen Projektbeteiligten Inhalt –Vollständige Quelldaten –Vollständige Zieldaten –Jeweils aktuelle Version –Referenzmaterial, Projektwerkzeuge –Style sheets und sonstige Vorlagen –TM Datenbanken, Glossare –Administrative Information (Zeitplan, Projektplan, etc.)

37 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 37 MyDocuments - ClientName - ProjectNumber - Admin - From Client From Supplier Glossaries Reference Material Schedule To Client To Supplier Translation Memories Ordnerstruktur für ein Lokalisierungsprojekt Source - TargetLanguage1 - TargetLanguage2 + Documentation - Cleaned Uncleaned Documentation Help HTML Software - Compiled Ressource Help HTML Software Compiled Ressource -

38 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 38 Ordnerstruktur bei Lieferung Lieferung(en): –Gleiche Struktur und Inhalt wie Quellmaterial –Nur aktuelle Version liefern alte Dateien entfernen –Elektronische Lieferungen durchnummerieren: dlink_hlp1.zip, dlink_hlp2.zip, … –Multilinguale Projekte: Name soll Verweis auf Sprachversion enthalten: dlink_hlp_de1.zip, dlink_hlp_fr1.zip, …

39 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 39 Zeit und Ressourcenplan Wird erstellt anhand der Projektevaluation detailliert Enthält: –Start- und Endtermin für jede Komponente und Aktivität –Ressourcenplan (Personal, etc. )

40 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 40 Vorbereitende Tätigkeiten Projektbeteiligte ausreichend und individuell informieren und mit Material versorgen: –Zeitplan –Erwartete Dienstleistungen –Zu übersetzendes Quellmaterial –Lauffähige Version der zu übersetzenden Anwendung –Information zu Werkzeuge, die einzusetzen sind, zu Prozeduren, die zu befolgen sind –Evtl. Nichtstandard Vorgehen –Referenzmaterial –Informationen zum Übersetzungsprozess

41 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Zeitplanung Verläuft ähnlich bei allen Projekten Kritisch: der Lokalisierungsprozess muss beginnen bevor die Entwicklung beendet wurde (um die gleichzeitige Auslieferung von allen Sprachversionen zu gewährleisten) Projektplanung in Lokalisierungsprojekten : –Reihenfolge der Vorgänge –Abhängigkeiten zwischen den Vorgängen –Aufwand und Dauer der Vorgänge –Ressourcen

42 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 42 Projektplanung Zu berücksichtigende Aktivitäten (Vorgänge) –Terminologiearbeiten, Glossare erstellen (inkl. Review) –Tätigkeiten zum Projektstart –Übersetzungstätigkeiten (inkl. Durchsicht) –Übersetzen und Testen der Software –DTP für Dokumentation, PostScript oder online Ausgabe –Qualitätssicherungsmaßnahmen –Finale Produktion Außerdem zu berücksichtigen: –Konvertierung in/aus TM Systemen –Datenaufbereitung für die Auslieferung

43 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 43 Vorgangsabhängigkeiten Lokalisierung Online Hilfe und Dokumentation endgültige Version der Software Überprüfung der Übersetzung Erfassung der Übersetzung Review (Kunde) Übersetzung und Erfassung der Übersetzung Kompilieren und Binden der Software Übersetzung Beispielfenster (screen shots) Software lokalisiert, kompiliert, gebunden und getestet DTP der Dokumentation und Testen der online Hilfe Beispielfenster extrahiert und Grafiken lokalisiert Konvertierung der online Hilfe in andere Formate Lokalisieren der online Hilfe, kompilieren, Binden, Testen Anhängigkeiten bereits bei Projektplanung benennen und berücksichtigen

44 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 44 Vorgangsbeziehungen Lokalisierungsprojekt Analysis of Source Material Kick-Off Preparation of Source Material Screen Captures Software Translation Online Help Translation Documentation Translation Pre-Sales Scheduling and Budgeting Terminology Setup Glossary Translation Software Engineering Engineering / Testing Desktop Publishing Software Testing Product QA and Delivery Project Closure

45 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Ressourcenplanung Zuweisung von Personal an Aktivitäten –Zuerst grob, nach Kategorien (Softwareübersetzer, etc.) und Sprachen –Danach Feinarbeit Externe Fachspezialisten Projektüberwachung beinhaltet auch die Überwachung der Ressourcenplanung

46 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 46 Ressourcenzuweisung Übersetzungen sollten von Muttersprachler durchgeführt werden Bei mehreren beteiligten Übersetzern einen Teamleiter vorsehen –Für Terminologiemanagement, Kontakt zum Kunden, Verantwortlich für einen einheitlichen Stil Anzahl der an einem Projekt beteiligten möglichst gering halten Übersetzer mit Erfahrung in dem Bereich Gute Mischung von angestellten und freien Mitarbeiter Lokalisierer = linguistische und technische Kenntnisse DTP am besten von einer Person quer über alle Sprachen durchführen lassen

47 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Finanzen Projektbudget: Finanzplan –Muss im Laufe des Projektes regelmäßig überprüft werden Budgetrelevante Projektänderungen müssen mit dem Kunden abgesprochen werden! Projektmanagementanwendungen bieten die Möglichkeiten der Projektüberwachung Wichtig: saubere Zeiterfassung im Laufe des Projektes

48 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 48 Faktoren für Budgetberechnung Erwartetes Volumen und Kosten für Außerhaus-Übersetzungen Ressourcenkosten (z.B. Stundensätze, Tagessätze) Erwartetes Arbeitsvolumen Zusätzliche Investitionen (z.B. Kauf oder Ausleihe von Software und / oder Hardware) Zusätzliche Kosten (z.B. Reise, etc.) Anteil für unerwartete Zusatzkosten (z.B. Überstunden) Projektmanagement- und Kommunikationskosten

49 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Projektalternativen Projekte verlaufen nicht immer so, wie sie geplant waren Änderungen müssen mit dem Auftraggeber abgesprochen werden –Buch führen über tatsächliche Arbeiten, Volumen, etc. Projektnachbearbeitung notwendig –Änderungen –Nachberechnung

50 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Qualitätsmanagement (QM) Qualitätsplan –enthält alle Aktivitäten zur Qualitätssicherung –muss im Projektplan integriert sein Ressourcen –Werden benötigt –QM setzt Erfahrung voraus ISO 900* zertifiziert den jeweiligen Prozess (nicht das Produkt!) –Müssen den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden

51 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 51 QM – linguistische Aspekte Eindeutigkeit und Konsistenz sind wichtiger als Stil Hilfsmittel: Liste mit häufigen Fehlern Automatisch generierte Komponenten müssen auch überprüft werden Problematisch –Terminologieänderungen im Laufe des Projekts

52 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 52 Qualitätsstandards Allgemeine Definition in ISO 8402, 1986 (www.iso.ch)www.iso.ch (nach translation quality suchen) (Automobilbereich) (nach subcommittee F15.48 suchen) –Aktuelles bei der Entwicklung eines Qualitätsstandards –Entwickelt von NFCL (National Foreign Language Center) und ATA (American Translators Association) –Unterstützt von ASTM (American Society for Testing and Materials) LISA QS-Modell (Localisation Industry Standards Association, wird häufig genutzt –Checklisten und Vorlagen für Qualitätsüberprüfungen DIN 2345 (www.din.de) definiert Aktivitäten in Übersetzungs- aufträgen

53 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess Kommunikation Interne und externe Kommunikation Kommunikationsplan muss beantworten: –Wer –Wann –Wie Projekte können scheitern wegen –Zuwenig Kommunikation –Zuviel Kommunikation

54 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 54 Kommunikationsplan Beantwortet folgende Fragen: Wo finde ich Projektinfo? Wer erhält wann welche Information? Wer kann spezifische Fragen beantworten? Wo gibt es ein FAQ? Wie wird kommuniziert? Wer ist bei Problemen zuständig? Wer hat bei Konflikten das letzte Wort? Wer kommuniziert mit dem Kunden? Wann werden Projektreports erstellt?

55 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 55 Interne Kommunikation In der Kommunikation: Sprache und Terminologie verwenden, die auch für Nichtmuttersprachler klar und verständlich ist Konflikte, die Terminologie oder Stil betreffen: –Vorher definieren, wer für welche Entscheidungen verantwortlich ist –Wer hat das letzte Wort Projekte, die mehrere Sprachversionen bearbeiten: Management von Problemen, die Änderungen quer über alle Sprachen nah sich ziehen –Zentral zugängliche Stelle für Fragen und Antworten

56 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 56 Externe Kommunikation Kundenerwartung: Probleme zeitnah ansprechen und Lösung suchen Probleme / schlechte Nachrichten persönlich oder per Telefon mitteilen (kein oder Fax) Beim Projektstart Kommunikation klar vereinbaren: –Welche Schritte (Kommunikation) bei Meilensteine, bei Updates, am Ende –Stausreports

57 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 57 Statusreport Wird in regelmäßigen Zeitabständen (z.B. wöchentliche) durchgeführt Inhalt: Projektspezifikation (Projektnummer, -name, Sprache) Geplantes und tatsächliches Anfangs- und Enddatum Abweichungen vom Zeitplan und vom Budget Gelöste und noch ausstehende Probleme Aktuelle Arbeiten Geplante Arbeiten für den nächsten Zeitabschnitt (z.B. Woche) Liste des erhaltenen Materials und der gemachten Lieferungen

58 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 58 Professionelle Reaktion auf Kundenklagen Nicht –Unmögliches Versprechen –Unendliche Entschuldigungen hervorbringen sondern offensiv mit dem Problem umgehen Problem aufnehmen Ursachenforschung Lösung suchen und durchführen Kunden informieren Meldung an Qualitätsmanagement

59 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 59 Ten reasons why projects fail 1.The goal of the project is not defined clearly. 2.The goal is defined properly, but changes to it are not controlled. 3.The project is not planned properly. 4.The project is not led properly. 5.The project is planned properly but then is not resourced as planned. 6.The project is planned such that it has not contingency. 7.The expectation of project participants are not managed. 8.Progress against the plan is not monitored and controlled properly. 9.Project reporting is inadequate or non-existent. 10.When project run into trouble, people believe that the problem can be solved simply, e.g. by working harder, extending the deadline, or adding more resources.

60 Prof. Dr. Ursula Fissgus HS Anhalt Projektmanagement Lokalisierungsprozess 60 Lernmodul Überblick […] the three important goals in managing a localization project: time, quality, and budget. Successful projects are completed on schedule, within budget, and according to previously agreed quality standards. (Bert Esselink, A Practical Guide to Localization)


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