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Folie 1 TU Dresden, 07.06.2012Gesundheitspsychologie.

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Präsentation zum Thema: "Folie 1 TU Dresden, 07.06.2012Gesundheitspsychologie."—  Präsentation transkript:

1 Folie 1 TU Dresden, Gesundheitspsychologie

2 Vorlesung VIII Veränderungsstadien Prof. Dr. Jürgen Hoyer Dresden, 07. Juni 2012

3 Folie 3 TU Dresden, Gesundheitspsychologie „Das Problem vieler Raucher scheint es zu sein, dass sie zwar heute rauchen wollen, nicht aber in Zukunft. Ist die Zukunft erst Gegenwart geworden, wollen sie erneut heute rauchen und in Zukunft nicht.“ (B.U.Wigger) Rauchen als Beispiel für zahlreiche andere schädliche Verhaltensmuster

4 Folie 4 TU Dresden, Gesundheitspsychologie

5 Folie 5 Wie lässt sich die Veränderung (bzw. Nicht-Veränderung) von gesundheitsrelevanten Gewohnheiten psychologisch gut beschreiben? TU Dresden, Gesundheitspsychologie

6 Folie 6 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Das Transtheoretische Modell von Prochaska & DiClemente Das in der Gesundheitspsychologie weltweit wichtigste Modell um die Veränderung von gesundheitsrelevanten Gewohnheiten zu beschreiben (nicht: „zu erklären und vorherzusagen“). James Prochaska: „among the 10 topmost influential authors in psychology“ „over $40M in research grants on prevention of cancer and other chronic diseases“

7 Folie 7 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Warum „Transtheoretisches“ Modell? Stand 1975: ca. 130 „unabhängige“ therapeutische Schulen aber: Was sind die allgemeingültigen Prozesse der Veränderung?

8 Folie 8 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Übersicht 1.Das Transtheoretische Modell 2.Ausgewählte Interventionsstudien 3.Konzeptuelle Kritik 4.Motivational Interviewing

9 Folie 9 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Veränderungsbereiche: Prinzipiell alle Problem- bzw. Gesundheitsverhaltensweisen Beispiele: Rauchen Alkohol- und Drogenkonsum Krebsvorsorge Diätverhalten Gewichtskontrolle Gesundes Bewegungsverhalten/Sport Phobien delinquentes Verhalten bei Jugendlichen Kondomgebrauch, etc. Das Modell soll gleichermaßen für selbstinitiierte wie für therapeutische angeleitete, willentliche Veränderungen gelten. 1. Das Transtheoretische Modell

10 Folie 10 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Drei Modellkomponenten 1.Stadien 2.Prozesse 3.Ebenen....der Veränderung 1. Das Transtheoretische Modell

11 Folie 11 TU Dresden, Gesundheitspsychologie 1. Stadien der Veränderung 1. Präkontemplation (Precontemplation) 2. Kontemplation (Contemplation) 3. Vorbereitung (Preparation) 4. Handlung (Action) 5. Aufrechterhaltung (Maintenance) 6. Beendigung (Termination) Verhaltensänderung wird nicht in Erwägung gezogen Ernsthaftes Abwägen einer Verhaltensänderung Absicht, das Problemverhalten aufzugeben Aktive Versuche, aufzuhören (Aktive) Beibehaltung einer positiven Verhaltensänderung Stabiler Zustand ohne Problemverhalten 1. Das Transtheoretische Modell

12 Folie 12 TU Dresden, Gesundheitspsychologie (Idealisierter) Zusammenhang zwischen Stadium und Self-Efficacy bzw. Temptation 1. Das Transtheoretische Modell

13 Folie 13 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Zusammenhang zwischen Stadium und Entscheidungsbalance in Bezug auf gesundheitsbewusstes Verhalten 1. Das Transtheoretische Modell

14 Folie 14 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Präaktionale Phase Bewerten Die Abbildung wurde leicht verändert übernommen aus Gollwitzer (1987, S. 180) MotivationVolition Motivation Intentions- bildung Intentions- initiierung Intentions- deaktivierung „Rubikon“ Den Rubikon überschreiten: die Phase der Ambivalenz verlassen WählenHandeln Analogie: Rubikonmodell (Heckhausen, Gollwitzer) Abwägen, Planen, Handeln, Bewerten: unterschiedliche Mind-sets 1. Das Transtheoretische Modell

15 Folie 15 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Rückfälle gehören dazu! – „Drehtürmodell“ Vorteil: durch ein solches dynamisches Modell werden frühere statische Vorstellungen von Therapiemotivation überwunden 1. Das Transtheoretische Modell

16 Folie 16 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Behandlungsquote höher bei Abhängigkeit (8%) als bei schädlichem Gebrauch (1%) Behandlung zumindest nur auf die schweren/späten Manifestationen ausgerichtet!

17 Folie 17 TU Dresden, Gesundheitspsychologie entnommen aus Prochaska, J. O., Norcross, J. C. & DiClemente, C. C. (1994). Changing for Good. New York: Morrow.

18 Folie 18 TU Dresden, Gesundheitspsychologie From Contemplation.. 1. Das Transtheoretische Modell

19 Folie 19 TU Dresden, Gesundheitspsychologie.. to Action 1. Das Transtheoretische Modell

20 Folie 20 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prozesse der Veränderung

21 Folie 21 Gesundheitspsychologie Prozesse der Veränderung I – kognitiv-affektive (Schwarzer, 2004; 1.Erhöhung des Problembewusstseins (consciousness raising) –Erhöhung der Wahrnehmung von Ursachen, Konsequenzen und möglichen Lösungswegen für das Problemverhalten (Aufklärung, Informationsgespräche, Bibliotherapie) 2.Emotionaler Bezug (dramatic relief) –Intensivierung von negativen Gefühlen bezüglich des Problemverhaltens, um eine emotionale Erleichterung im Falle einer Verhaltensänderung zu erzeugen (emotionsaktivierende Methoden) 3.Neubewertung der Umwelt (environmental reevaluation) –Veränderte Wahrnehmung des Einflusses des Problemverhaltens auf die Umwelt (z.B. strukturierte Tagebücher, Rollentausch/Empathie) 4.Neubewertung der eigenen Person (self-reevaluation) –Affektive und kognitive Neubewertung der individuellen Probleme und der eigenen Person (Ziel- und Wertklärung) 5.Soziale Befreiung (social liberation) –Entdecken und Stärken von nicht problematischen Verhaltensweisen in der sozialen Umwelt (Empowerment) 1. Das Transtheoretische Modell

22 Folie 22 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prozesse der Veränderung II – verhaltensorientierte (Schwarzer, 2004) 1.Hilfreiche Beziehungen (helping relationships) –Helfen der Person auf vielfältige Weise, z.B. durch emotionale Unterstützung und moralische Überzeugungen. 2.Verstärkermanagement (reinforcement management) –Sich selbst für erfolgreiche Veränderung belohnen oder für Rückfälle bestrafen, um die Auftretenswahrscheinlichkeit des neuen Verhaltens zu erhöhen. 3.Reizkontrolle (stimulus control) –Vermeidung oder Konfrontation mit Reizen, die Problemverhalten auslösen und Schaffung von Reizen für alternative Verhaltensweisen. 4.Gegenkonditionierung (counterconditioning) –Substitution des Problemverhaltens durch Alternativen (z.B. Entspannungstraining, positive Selbst-Instruktion) 5.Eigenverantwortung (self-liberation) –Die eigene Fähigkeit zu Veränderungen und die eigene Verantwortung dafür betrachten und stärken (Selbstverpflichtung, Entscheidungstraining). 1. Das Transtheoretische Modell

23 Folie 23 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Stadien der Veränderung und spezifische Veränderungsprozesse – processes of change (Prochaska et al., 1992) Precontemplation: Erhöhung des Problembewusstseins, „Dramatische Entlastung“, Neubewertung der Umwelt Contemplation: Abwägen der Vor- und Nachteile der Veränderung Vorbereitung: Neubewertung des Selbst Handlung: Eigenverantwortung realisieren Aufrechterhaltung: Verstärkermanagement, hilfreiche Beziehungen, Gegenkonditionierung, Reizkontrolle 1. Das Transtheoretische Modell

24 Folie 24 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Zusammenhang zwischen der Stufe und zwei Beispiel-Prozessen Consciousness raising Stimulus control PCCPRAM Stufe 1. Das Transtheoretische Modell

25 Folie 25 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Stage matched interventions “...interventions that are tailored to the particular stage of the individual improve their effectiveness” (Prochaska & Velicer, 1997) 1. Das Transtheoretische Modell

26 Folie 26 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Stadienspezifische Interventionen – Motivationsaufgaben des Therapeuten in Abhängigkeit vom Veränderungsstadium StadiumMotivationsaufgabe des Therapeuten PrecontemplationZweifel wecken – Erhöhung der Wahrnehmung von Risiken und Gefahren des aktuellen Problemverhaltens ContemplationBeeinflussen der Entscheidungsbalance – Gründe für Veränderung erfragen, Risiken bei Beibehalten des Problemverhaltens entwickeln lassen, Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung für Veränderung des aktuellen Verhaltens PreparationUnterstützen beim Herausfinden der besten Handlungsstrategie zur Erzielung positiver Veränderungen ActionUnterstützung des Klienten bei wichtigen Veränderungsschritten MaintenanceUnterstützung beim Finden und Implementieren von Strategien, um einen Rückfall zu vermeiden 1. Das Transtheoretische Modell

27 Folie 27 TU Dresden, Gesundheitspsychologie symptom/situational cognitive interpersonalBewusstheitsgrad family-systems intrapersonal 1. Das Transtheoretische Modell 3. Ebenen der Veränderung

28 Folie 28 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Website der University of Rhode Island group 1. Das Transtheoretische Modell

29 Folie 29 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Ausgewählte Interventionsstudien 2. Ausgewählte Interventionsstudien

30 Folie 30 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Abnehmen (Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992) A longitudinal comparison of stages of change scores for clients before (Week 1) and midway trough (Week 5) a behavioral program for weight reduction (N = 53): 2. Ausgewählte Interventionsstudien

31 Folie 31 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Profile von Abbrechern und Durchhaltern (Medeiros & Prochaska, 1989) „when we used stage-related variables like the pros and cons of therapy and the processes of change scales, we are able to predict 93% of the cases“ 2. Ausgewählte Interventionsstudien

32 Folie 32 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Fazit I Das Modell ist sehr „intuitiv“ und entspricht den Vorstellungen von Praktikern – aber auch Forschern: 2. Ausgewählte Interventionsstudien Prochaska, DiClemente & Norcross (1992): 2576 Zitierungen in WoS [12/2010]!

33 Folie 33 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Fazit II Aber: hält es der wissenschaftlichen Prüfung stand? Oder: „There can be no questioning the popular success of the TTM: it is established fact. But the scientific merit can be questioned.“ (Herzog, 2005, p.1040) 2. Ausgewählte Interventionsstudien

34 Folie 34 TU Dresden, Gesundheitspsychologie 3. Konzeptuelle Kritik: West (2005): Debatte zum TTM/SOC Außergewöhnlich zugespitztes Editorial gegen das Modell:  ein besseres Modell …wäre widerspruchsfrei (internally consistent, coherent) …würde besser zu Beobachtungen im Bereich der Verhaltensänderung passen (z.B. dass schon kleine Auslöser zu plötzlichen Veränderungen führen können) …würde bessere Vorhersagen erlauben  „Probleme sind so ernst, dass Modell Fortschritte im Feld der Gesundheitsförderung verhindert!“

35 Folie 35 TU Dresden, Gesundheitspsychologie 1.Stadien-Begriff selbst: willkürliche Grenzen 2.Menschen haben normalerweise keine in sich geschlossenen und überdauernde Pläne (z.B. 50% der Ex-Raucher einer Hausarzt-Patientengruppe ganz ohne Plan und Vorbereitung) 3.Verschiedene Dinge in einem Stadium vermischt (z.B. im Precontemplation-Stadium: Stärke der Abhängigkeit, Anzahl früherer Versuche, Gründe für mangelnde Veränderungsabsicht) 4.Betonung bewusster Prozesse („Kosten-Nutzen-Analysen“) – obwohl Motivation oft unbewusste Anteile hat (z.B. Belohnungs- und Bestrafungslernen, Assoziations-lernen, Automatisierung des Substanzkonsums, Entzugs-erscheinungen) 3. Konzeptuelle Kritik: West (2005): Debatte zum TTM/SOC

36 Folie 36 TU Dresden, Gesundheitspsychologie 5. Forschung zu Verhaltensänderung zeigt immer wieder, dass Einstellungs- und Verhaltensänderung verschiedene Dinge sind 6. Pseudo-Wissenschaftlichkeit („precontemplator“ vs. „someone who is planning on changing“; suggeriert Diagnose mit Indikationswert, vgl. „aristotelischer Modus“) 7. „Binsenweisheit“: wer darüber nachdenkt (oder versucht) aufzuhören, hört eher auf als jemand, der nicht darüber nachdenkt 8. TTM/SOC-Ansätze nicht erfolgreicher als traditionelle Ansätze 3. Konzeptuelle Kritik: West (2005): Debatte zum TTM/SOC

37 Folie 37 West (2005): Warum sollte TTM/ SOC verworfen und begraben werden? TU Dresden, Gesundheitspsychologie  „soft outcomes“ für Forschung irrelevant und für Praxis gefährlich („Wenn schon nichts am Verhalten geändert, dann wenigstens ein Stadium höher gebracht…“  angesichts üblicherweise eher schlechter Outcomes im Suchtbereich erklärt evtl. gerade dies den TTM-Erfolg)  Modell verhindert Interventionsmöglichkeiten! (z.B. „Person X ist noch nicht so weit…“; Bezeichnung „Precontemplator“ ist stigmatisierend)  selbst wenn neue Theorie noch fehlt, war die Zeit vor TTM immer noch besser (common sense: „Wollen Sie sich ändern?“, „Trauen Sie sich das zu?“) 3. Konzeptuelle Kritik: West (2005): Debatte zum TTM/SOC

38 Folie 38 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Alternativen: Zum Beispiel das Modell von Schwarzer Abraham (2008): Entscheidend sei, dass Kognitionen (Intentionen, Volitionen) geändert werden, eine Zuordnung zu Stadien sei „inadequately sophisticated“ (p.38). Abraham, C. (2008). Beyond stages of change: Multi- determinant continuum models of action readiness and menu-based interventions. Applied Psychology: An International Review, 57, Alternativen

39 Folie 39 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Dennoch: Es gibt kein Zurück zur Statusdiagnostik Prozessdiagnostik und Statusdiagnostik sollten sich in der Begründung therapeutischen Handelns ergänzen. „Statische“ und globale Motivationskonzepte („Der Pat. ist nicht motiviert“) haben sich überlebt. 3. Alternativen

40 Folie 40 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Dijkstra, DeVries & Bakker (1996) In einer großen epidemiologischen Studie in den Niederlanden zur Motivierung zum Nichtrauchen wurden Raucher, die noch in der Precontemplation-Phase waren, nur mit nüchternen Information versorgt (Vor- und Nachteile des Rauchens); Raucher, die bereits in der Planungsphase waren, wurden hingegen mit Informationen versorgt, die auch die Selbstwirksamkeitserwartung steigern („Du schaffst es!“). Dieses differentielle Treatment wirkte am besten im Vergleich zu anderen Kombinationen von Handlungsphase und Treatment Dijkstra, A., De Vries, H., & Bakker, M. (1996). Pros and cons of quitting, self-efficacy, and the stages of change in smoking cessation. Journal of Clinical and Consulting Psychology, 64, Ausgewählte Interventionsstudien

41 Folie 41 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Passung von Stadien und Interventionen reduziert Abbruchquote (empirisch noch nicht ausreichend belegt!) Kenntnis des „Stadiums“ des Patienten erlaubt dem Therapeuten selektives Handeln Entlastungsfunktion: Erfolge sind bei Patienten in frühen Veränderungsphasen nur eingeschränkt zu erwarten Insgesamt: als therapeutische Heuristik (noch) „nicht wegzudenken“ 3. Alternativen

42 Folie 42 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Literatur (Auswahl) Grawe, K. (1998). Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe. Heidenreich, T. & Hoyer, J. (2001). Stadien der Veränderung bei Substanzmißbrauch und -abhängigkeit: eine methodenkritische Übersicht. Sucht, 47, Hoyer, J. (2003). Stadien der Veränderung: Modell, Anwendungsbewährung und Perspektiven im Suchtbereich. Suchttherapie, 4, Hoyer, J., Fecht, J., Lauterbach, W. & Schneider, R. (2003). Stadien der Veränderung in der stationären Alkoholentwöhnungstherapie. Verhaltenstherapie, 13, Keller, S. (Hrsg.) (1999). Motivation zur Verhaltensänderung. Das Transtheoretische Modell in Forschung und Praxis. Freiburg: Lambertus. Miller, W., & Rose, G. S. (2009). Toward a theory of motivational interviewing. American Psychologist, 64, Prochaska, J. O., DiClemente, C. C. & Norcross, J. C. (1992). In search of how people change. American Psychologist, 47, West, R. (2005). Time for a change: putting the Transtheoretical (Stages of Change) Model to rest. Addiction, 100,

43 Folie 43 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Warum ist das Transtheoretische Modell für die Gesundheitspsychologie wichtig? (I) Statuskonzeptionen der Veränderungsbereitschaft werden zumindest teilweise überwunden Rückfälle und Rückschritte sind Teil des Modells Berücksichtigung des Veränderungsstadiums ist zentral für die Konzeption, Methode und Zielgruppe von gesundheitspsychologische Programmen als Heuristik gut, Verbindung mit etablierten Motivationsmodellen wäre aber überzeugender Beispiele in den nächsten Vorlesungen –Blutdruck-Compliance-Programm –Stressbewältigungsprogramme

44 Folie 44 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Warum ist das Transtheoretische Modell für die Gesundheitspsychologie wichtig? (II) TM hat die Entwicklung einer speziellen Gesprächsstrategie im Bereich der Suchtbehandlung stimuliert, des sog. Motivational Interviewing (Miller & Rollnick, 1991) Es ermöglicht Beratern, speziell mit wenig motivierten Patienten (Precontemplation, Contemplation) erfolgreicher umzugehen.

45 Folie 45 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Motivational Interviewing (Miller & Rollnick, 1991; Miller & Rose, 2009) Definition: MI ist eine klientenzentrierte, direktive Methode zur Verbesserung der intrinsischen Motivation für eine Veränderung mittels der Erforschung und Auflösung von Ambivalenz Anwendungsgebiete: Überall dort, wo Verhaltensänderungen verhandelt werden können/sollten/müssen: Alkohol, Rauchen, Bewegung, Ernährung, Stressmanagement, Kondomgebrauch, Glücksspielverhalten, Bewährungshilfe Motivational Interviewing

46 Folie 46 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prinzipien des Motivational Interviewing (II) (Miller & Rollnick, 1991) Empathie ausdrücken (express empathy) Widersprüche aufzeigen (develop discrepancy) Wortgefechte vermeiden (avoid argumentation) Nachgiebig auf Widerstand reagieren (roll with resistance) Selbstwirksamkeit fördern (support self-efficacy) 4. Motivational Interviewing

47 Folie 47 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prinzipien des Motivational Interviewing (III) (Miller & Rollnick, 1991) Empathie ausdrücken Akzeptanz fördert Veränderung; geschicktes Zuhören ist unabdingbar; Ambivalenz ist normal Widersprüche aufzeigen Klient soll Argumente für Veränderung (change-talk) liefern, nicht Therapeut; Diskrepanz zwischen gegenwärtigem Verhalten und persönlichen Zielen und Werten aufdecken Wortgefechte vermeiden 4. Motivational Interviewing

48 Folie 48 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prinzipien des Motivational Interviewing (IV) (Miller & Rollnick, 1991) nachgiebig auf Widerstand reagieren nicht für Veränderung argumentieren; neue Perspektiven einladen, nicht vorschreiben; Widerstand ist Signal, um Vorgehensweise zu ändern Selbstwirksamkeit fördern Glaube an den Patienten (self-fulfilling prophecy); Bedenken und Ängste ansprechen und Unterstützung anbieten 4. Motivational Interviewing

49 Folie 49 Aus Miller & Rose (2009) TU Dresden, Gesundheitspsychologie

50 Folie 50 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prinzipien des Motivational Interviewing (V) (Miller & Rollnick, 1991) Beispiel: „Ich trinke am Abend ein, zwei Bier. Ich weiß gar nicht, was alle von mir wollen!“ Antwortalternativen? 4. Motivational Interviewing

51 Folie 51 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Prinzipien des Motivational Interviewing (VI) (Miller & Rollnick, 1991) Anbiederung provoziert Wortgefecht und Widerstand provoziert W&W, untergräbt Vertrauen ungeübter Verhaltenstherapeut Hinterfragen, weckt evtl. Misstrauen Empathie Empathie, MI Klärung der Gesprächsvorauss. (immer angemessen) Beispiel: „Ich trinke am Abend ein, zwei Bier. Ich weiß gar nicht, was alle von mir wollen!“ Antwortalternativen? „Klar – mache ich auch“ „Erzählen Sie mir nichts – jeder Alkoholiker leugnet erst!“ „Ihre Frau hat aber was anderes gesagt“ „Lassen Sie uns das erst noch mal genau überprüfen!“ „Was meinen Sie, was die anderen von Ihnen wollen?“ „Das stelle ich mir unangenehm vor!“ „Ihr Problem ist eher, dass andere Sie nicht in Ruhe lassen (akzeptieren)?“ „Und was erwarten Sie hier, von dieser Behandlung?“ 4. Motivational Interviewing

52 Folie 52 Ist Motivational Interviewing wirksam? Zahlreiche Meta-Analysen verfügbar Umfassend: Lundahl et al. (2010) Lundahl, B. W., Kunz, C., Brownell, C., Tollefson, D., & Burke, B. L. (2010). A Meta-Analysis of Motivational Interviewing: Twenty-Five Years of Empirical Studies. Research in Social Work Practice, 20, Fazit: “synergistic effects with other treatment methods” (Miller & Rose, 2009) TU Dresden, Gesundheitspsychologie

53 Folie 53 TU Dresden, Gesundheitspsychologie

54 Folie 54 TU Dresden, Gesundheitspsychologie CANDIS – gezielte Therapie für Cannabisstörungen Ambulantes Entwöhnungsprogramm für ältere Jugendliche und Erwachsene 10 Sitzungen; 3 Module: 1.Motivationsförderung und -stabilisierung 2.kognitiv-behaviorale Therapie 3.psychosoziales Problemlösetraining 4. Motivational Interviewing Hoch, E., Zimmermann, P., Henker, J., Rohrbacher, H., Noack, R., Bühringer, G. & Wittchen, H.-U. (2008). Modulare Therapie von Cannabisstörungen. Das CANDIS-Programm. Göttingen: Hogrefe.

55 Folie 55 TU Dresden, Gesundheitspsychologie CANDIS: Waagschalenmodell (I) 4. Motivational Interviewing Zu Beginn der individualisierten Therapie: –Gründe für den Konsum (pro) –Gründe für Wunsch nach Veränderung (contra) jeweils 0 (nicht wichtig) bis 9 (sehr wichtig) Punkte Summe über 5 wichtigste Gründe: –Kategorisierung als Negativbilanzierer (stärkere Gründe für den Konsum) oder Positivbilanzierer Aktualisierung der Bilanz über Therapieverlauf

56 Folie 56 TU Dresden, Gesundheitspsychologie CANDIS: Waagschalenmodell (II) Ich konsumiere Cannabis, …Ich möchte meinen Cannabiskonsum verändern, … weil ich mich so gut entspannen kann.damit sich mein Gedächtnis verbessert. weil sich meine Stimmung und mein Wohlbefinden verbessert. weil ich so das Geld spare, dass ich sonst für Cannabis ausgebe. weil sich meine Wahrnehmung (z.B. von Musik) verbessert. weil ich mehr Energie und Antrieb haben möchte. weil neue Ideen und Einsichten entstehen.weil die Gefahr besteht, dass ich meinen Job verliere. weil ich dann kreativer bin.weil Kiffen nicht mehr zu meinem Selbstbild passt. wegen des Kontakts zu meinen Freunden.weil sich dadurch mein Selbstvertrauen verschlechtert hat. um mich von Normalbürgern abzugrenzen. … damit Familie oder Freunde aufhören, mich wegen Cannabis zu nerven oder zu kritisieren. … 5. Motivational Interviewing

57 Folie 57 TU Dresden, Gesundheitspsychologie CANDIS: Waagschalenmodell (III) 4. Motivational Interviewing Die Rolle von speziellen Motiven (Hoch, 2007): Zuordnung Positiv-/Negativbilanzierer mit eingeschränkter Aussagekraft hinsichtlich Therapieerfolg Bestimmte Motive für den Wunsch Konsum zu verändern = beste Prädiktoren CANDIS bezieht individuelle Motive/ Bedürfnisse mit ein und bietet psychoedukative Elemente an

58 Folie 58 TU Dresden, Gesundheitspsychologie CANDIS: Waagschalenmodell (IV) Ich konsumiere Cannabis, …Ich möchte meinen Cannabiskonsum verändern, … weil ich mich so gut entspannen kann.damit sich mein Gedächtnis verbessert. weil sich meine Stimmung und mein Wohlbefinden verbessert. weil ich so das Geld spare, dass ich sonst für Cannabis ausgebe. weil sich meine Wahrnehmung (z.B. von Musik) verbessert. weil ich mehr Energie und Antrieb haben möchte. weil neue Ideen und Einsichten entstehen.weil die Gefahr besteht, dass ich meinen Job verliere. weil ich dann kreativer bin.weil Kiffen nicht mehr zu meinem Selbstbild passt. wegen des Kontakts zu meinen Freunden.weil sich dadurch mein Selbstvertrauen verschlechtert hat. um mich von Normalbürgern abzugrenzen. … damit Familie oder Freunde aufhören, mich wegen Cannabis zu nerven oder zu kritisieren. … 4. Motivational Interviewing

59 Folie 59 TU Dresden, Gesundheitspsychologie CANDIS: Waagschalenmodell (IV) 4. Motivational Interviewing Ergebnisse: N=122 (16-44 Jahre, M=24.1), Wartekontrollgruppen- Design Therapie mit CANDIS-Programm, follow up nach 3 und 6 Monaten Für direkt behandelte Patienten: Abstinenzrate 41.1% nach Therapieende, 44.4% nach3 Monaten und 41.1% nach 6 Monaten Hoch, E., Noack, R., Henker, J., Pixa, A., Höfler, M., Behrendt, S., Bühringer, G. & Wittchen, H.-U. (2011). Efficacy of a Targeted Cognitive-Behavioral Treatment Program for Cannabis Use Disorders (CANDIS*). European Neuropsychopharmacology doi: /j.euroneuro

60 Folie 60 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Übrigens: Erfolgsraten in der ambulanten Behandlung sind bei Cannabisstörungen eher höher als bei anderen Substanzstörungen 4. Motivational Interviewing Magill, M., & Ray, L. A. (2009). Cognitive-behavioral treatment with adult alocohol and illicit drug users: A meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Studies on Alcohol and Drugs, 70,

61 Folie 61 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Motivational Interviewing: mehr Infos 4. Motivational Interviewing

62 Folie 62 TU Dresden, Gesundheitspsychologie Fragen Welche Stadien der Veränderung postuliert das transtheoretische Modell und wodurch sind diese Phasen gekennzeichnet? Welche kognitiv-affektiven und verhaltensorientierten Veränderungen postulieren Prochaska/Schwarzer als Grundlage veränderten Gesundheitsverhaltens? Beschreiben Sie sie! Nennen Sie mindestens 4 Kritikpunkte am Konzept des transtheoretischen Modells! Was ist Motivational Interviewing und wie heißen dessen 5 Grundprinzipien? Erläutern Sie das Element „Widersprüche aufzeigen“ im Rahmen des MI! Wie wirksam ist MI gemäß der Meta-Analyse von Lundahl et al. (2010) und wie ist die Effektstärke zu bewerten? Ist MI ausreichend?


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