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Leopold Kohr Akademie 2011 Denkmalschutz Grundlagen.

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Präsentation zum Thema: "Leopold Kohr Akademie 2011 Denkmalschutz Grundlagen."—  Präsentation transkript:

1 Leopold Kohr Akademie 2011 Denkmalschutz Grundlagen

2 Leopold Kohr Akademie 2011 Arten von Denkmälern Denkmale vs. Denkmäler Denkmäler → ursprüngl. ohne Erinnerungswert Denkmale → gewollter Erinnerungswert

3 Leopold Kohr Akademie 2011 Arten von Denkmälern  Bodendenkmäler  Archäologische Denkmäler  Gartenhistorische Denkmäler  Höhlendenkmäler  Klangdenkmäler  Musikinstrumente  Inschriften

4 Leopold Kohr Akademie 2011 Arten von Denkmälern Bewegliche Denkmäler -Bildhauerei -Malerei -Kunstgewerbe Architekturdenkmäler: -Profan -Kirchlich -Militärisch -Technisch-Industriell

5 Leopold Kohr Akademie 2011 Vom Einzeldenkmal zur Kulturlandschaft  Einzeldenkmal (Monument)  Denkmalgruppe (Ensemble)  Kulturlandschaft (Cultural Landscape) Diese Weitung des Denkmalbegriffes ist in den letzten Jahrzehnten europaweit zu beobachten. Noch bis in die späten sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts war in der Praxis vorrangig nur das Einzeldenkmal von Bedeutung.

6 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle: WEHDORN, Manfred, Bauen im historischen Kontext, in: Kulturpark Österreich, Wien 2000.

7 Leopold Kohr Akademie 2011 Ensembleschutz Aus wissenschaftlicher Sicht entstand zunächst der Gedanke des Ensembleschutzes Anfang des 20. Jahrhunderts; er ist untrennbar mit der Gründung des "Bundes Heimatschutz" in Dresden, 1906, verbunden. Bis zum Verstehen und Anerkennen des Begriffes "Ensemble" auf breiterer Basis war es jedoch noch ein weiter Weg.

8 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle: WEHDORN, Manfred, Bauen im historischen Kontext, in: Kulturpark Österreich, Wien Industrielle Denkmäler

9 Leopold Kohr Akademie 2011 Industrielle Denkmäler In den späten sechziger Jahren mit der Eröffnung des "lronbridge Museum Trust" in England, wurden weltweit die klassischen Denkmalarten in der Architektur - profanes, kirchliches, militärisches und archäologisches Denkmal - um den Begriff des "industriellen Denkmals" erweitert.

10 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle: Autor Fahrleitung Salzkammergutbahn

11 Leopold Kohr Akademie 2011 Kulturlandschaft Die bisher größte Weitung des Denkmalbegriffes, nicht zuletzt ausgelöst durch die oben genannte Aufnahme des "industriellen Erbes" in den Aufgabenbereich von Denkmalschutz und Denkmalpflege, erfolgte jedoch durch die Schaffung des Begriffes der "Kulturlandschaft", der die heutige regionale Betrachtungsweise der Denkmalpflege - vielleicht auch deren Grenzen - aufzeigt.

12 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle: Autor Chorinskyklause

13 Leopold Kohr Akademie 2011 Welterbe Als wesentlichste internationale Norm ist in diesem Zusammenhang die 1972 im Rahmen der Generalkonferenz der UNESCO in Paris beschlossene "Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" zu nennen, der Österreich erst 1993, mit mehr als zwanzigjähriger Verspätung beitrat. Mit dieser Konvention wurden weltweit erstmals gebaute und natürliche Umwelt im Sinne ihrer Denkmaleigenschaft als gleichbedeutend erkannt.

14 Leopold Kohr Akademie 2011 Situation in Österreich Im klassischen Sinn beschränkt sich Denkmalpflege auf die Erhaltung der wertvollen Originalsubstanz bedeutender Einzelobjekte, Ortsbild- bzw. Stadtbildpflege ausschließlich auf das zusammenhängende äußere Erscheinungsbild der historischen Zentren. In Österreich wird diese Trennung, die aus heutiger Sicht als widersinnig zu bezeichnen ist, noch dadurch verstärkt, dass Denkmalschutz in der Verwaltung des Bundes, Ortsbildschutz aber in jener der Länder bzw. Städte liegt.

15 Leopold Kohr Akademie 2011 Wertbegriffe im Denkmalschutz Die Frage, welcher Art die Werte sind, die bei der Erhaltung des kulturellen Erbes, beim Bauen im historischen Kontext, zu beachten sind, ist naheliegend. Die klassischen Denkmalwerte, die der Wiener Universitätsprofessor Alois Riegl weltweit erstmals 1903 formulierte, haben im Prinzip heute noch Geltung. RIEGL, Alois, Der moderne Denkmalkultus sein Wesen und seine Entstehung, Wien 1903.

16 Leopold Kohr Akademie 2011 Vergangenheitswerte nach Riegl Denkmal im ursprünglichen Sinn ist ein gewollt errichtetes Standbild welches nachfolgende Generationen an ein bestimmtes Ereignis; an eine Person erinnern sollte. (z. B.. Die Trajanssäule ist ein gewolltes Denkmal, es besitzt einen gewollten Erinnerungswert). Daraus ergibt sich, dass die Erhaltung oder Restaurierung eines solchen Denkmals dem ursprünglichen Konzept entspricht.

17 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle:

18 Leopold Kohr Akademie 2011 Vergangenheitswerte nach Riegl Jedes Denkmal besitzt unabhängig von einem eventuellen künstlerischen Wert historischen Wert. (z. B.. Schwartlingdisco aus dem letzten Drittel des 20. Jhs) Der Entwicklungsgedanke in der Geschichtswissenschaft besagt, dass jede menschliche Tätigkeit von der wir Zeugnis besitzen einmalig und unwiederbringlich ist. Damit sind alle historische Zeugnisse gleichwertige Glieder einer Entwicklungskette. Der historische Wert eines Denkmals ist objektiv, er wird mit wissenschaftlichen Methoden durch verstandesmäßige Reflexion gewonnen.

19 Leopold Kohr Akademie 2011 Kunstwerte nach Riegl Jedes Kunstdenkmal, wie immer man Kunst definieren mag, ist ein historisches Denkmal. Jedes historische Denkmal kann zum Kunstdenkmal werden. So würde die letzte erhaltene originale Schwartlingdisco ein unentbehrliches Zwischenglied in der kunstgeschichtlichen Entwicklung des 20. Jahrhunderts darstellen. Die Befriedigung aktueller geistiger Bedürfnisse erzeugt den (relativ modernen) Kunstwert eines Denkmals.

20 Leopold Kohr Akademie 2011 Kunstwerte nach Riegl Vor der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert glaubte man einen objektiven, immer gültigen Kunstkanon definieren zu können. (Vgl. analog dazu das Scheitern des Projekts principia mathematica von B. Russels) Im 20. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass nur ein subjektiv erfasster, relativer moderner Kunstwert festgestellt werden kann. Da dieser relative moderne Kunstwert sich im Laufe der Zeit ändern kann, zählt der Kunstwert zu den Gegenwartswerten eines Denkmals.

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22 Vergangenheitswerte nach Riegl Als zweite Gruppe neben den Gegenwartswerten eines Denkmals stehen dessen Vergangenheitswerte. Dazu zählt neben den bereits präsentierten gewollten Erinnerungswert und dem historischen Wert der Alterswert eines Denkmals.

23 Leopold Kohr Akademie 2011 Vergangenheitswerte nach Riegl Der Alterswert beruht auf den sichtbaren Spuren des Verfalls eines Denkmals. Dabei wird die Substanz eines Denkmals unwichtig, sein spürbares Alter löst beim Betrachter "fast religiöse" Gefühle aus. Eine bestimmte Bildung ist dazu nicht erforderlich. Beispiel: Der Ruinenkult des 17. Jahrhunderts; der Kultus des reinen Alterswertes hat kein Interesse am Erhalt eines Denkmals: Das Denkmal soll verfallen.

24 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle:http://www. wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/Wien_Schloss_Schoenbrunn_Park_Roemische.jpg

25 Leopold Kohr Akademie 2011 Vergangenheitswerte nach Riegl Der Alterswert steht mit dem gewollten Erinnerungswert in einem unauflöslichen Widerspruch. Existieren neben einem Stück von hohem Alterswert viele, nahezu gleichartige Stücke (Z. B.. römische Münzen) so ist deren historischer Wert dennoch gering.

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27 Gegenwartswerte nach Riegl Die Gegenwartswerte eines Denkmals entstehen wenn das Denkmal genauso wie ein modernes Gebilde aktuelle Bedürfnisse befriedigt. Die Befriedigung aktueller materieller Bedürfnisse erzeugt den Gebrauchswert eines Denkmals. Die Befriedigung aktueller geistiger Bedürfnisse erzeugt den (relativ modernen) Kunstwert eines Denkmals.

28 Leopold Kohr Akademie 2011 Gegenwartswerte nach Riegl Um diese aktuellen Bedürfnisse erfüllen zu können, muss ein Denkmal in seiner äußeren Erscheinung neu sein. So entsteht auch in diesem Bereich ein unauflöslicher Konflikt mit dem Alterswert, da man ein Gebilde welches man braucht, nicht verfallen lässt. Viele Denkmale besitzen auch gegenwärtig noch die Qualität praktischer Verwendbarkeit. (Z. B. Seeklause Steeg) Die gewohnte Benutzung ist ein wesentlicher Bestandteil eines Denkmals.

29 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle: Oö. Landesarchiv Linz

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31 Gegenwartswerte nach Riegl Der Kunstwert eines Denkmals besteht nur insoweit als es den Anforderungen des aktuellen Kunstwollens entspricht. Jedes Werk ist unmittelbar nach seiner Fertigstellung neu. Daher besitzt jedes Gebilde, wenn auch nur einmal Neuheitswert. Durch die Natureinflüsse und deren zerstörerische Wirkung kann kein Denkmal Neuheitswert besitzen.

32 Leopold Kohr Akademie 2011 Gegenwartswerte nach Riegl Der relative Kunstwert entsteht aus der Relation eines bestimmten Denkmals zum jeweils aktuellen Kunstwollen. Damit ist der relative Kunstwert subjektiv und veränderlich. Wenn ein Denkmal überwiegend dem modernen Kunstwollen entspricht sprechen wir von einem positiven relativen Kunstwert. In diesem Fall wird der überkommene Zustand erhalten werden. Fachausdruck: Restauratio in integrum. Diese Vorgehensweise führt zu einem Konflikt mit dem Alterswert.

33 Leopold Kohr Akademie 2011 Gegenwartswerte nach Riegl Wenn ein Denkmal überwiegend mit dem modernen Kunstwollen in Konflikt steht, sprechen wir von einem negativen relativen Kunstwert. (z. B.. Schwartlingdisco) Diese Anstößigkeit führt im Regelfall zur Forderung der Beseitigung des Denkmals. Auch die absichtliche Zerstörung eines Denkmals führt zu einem Konflikt mit dem Alterswert.

34 Leopold Kohr Akademie 2011 UNESCO - Denkmalwerte Innere kulturelle Werte  Authentizität des Materials  Authentizität der handwerklichen Ausführung  Authentizität der Konstruktion  Authentizität des Entwurfs  Authentizität des Standorts, der Lage

35 Leopold Kohr Akademie 2011 UNESCO - Denkmalwerte Äußere kulturelle Werte  Kulturelle Identität  Relativer künstlerischer / technischer Wert  Seltenheitswert

36 Leopold Kohr Akademie 2011 UNESCO - Denkmalwerte Gebrauchswerte  Erzieherischer Wert  Sozialer Wert  Funktionaler Wert  Wirtschaftlicher Wert  Politischer Wert

37 Leopold Kohr Akademie 2011 UNESCO - Denkmalwerte In diesem Sinn besitzt einer dieser Werte heute wieder eine besondere Bedeutung: nämlich jener, der das Denkmal als politisches Instrument kennzeichnet. Die derzeitige Situation könnte auf die - vielleicht etwas sehr simple, aber doch kennzeichnende - Formel "Bauen im historischen Kontext = Politik" gebracht werden. Aus dieser hohen politischen Bedeutung ist auch das breite öffentliche Interesse an allem, was im historischen Umfeld geschieht, abzuleiten.

38 Leopold Kohr Akademie 2011 UNESCO - Denkmalwerte In diesem Zusammenhang erhalten unsere Denkmäler und Altstädte eine neue Bedeutung, die man in Relation mit dem in Architektur und Design gebräuchlichen Begriff der "Corporate ldentity" als "Cultural ldentity" bezeichnen könnte.

39 Leopold Kohr Akademie 2011 Bauen im historischen Kontext Gebaute und natürliche Umwelt, Architektur und Natur haben dabei gleiche Bedeutung. Grundlage von Denkmalpflege, Regionalentwicklung und Stadtplanung muss die Funktionalität der Objekte und Ensembles sein. Bauwerke und Landschaften sind dabei nicht primär als Museum zu sehen

40 Leopold Kohr Akademie 2011 Bauen im historischen Kontext Die Originalsubstanz ist weitestgehend zu erhalten. Notwendige bauliche Eingriffe in die Originalsubstanz oder Zubauten haben sich einer authentischen Architektursprache zu bedienen. lmitationskitsch ist abzulehnen. Die Entscheidung im Zweifel heißt nicht Alt oder Neu, sondern gute oder schlechte Qualität.

41 Leopold Kohr Akademie 2011 Zur Begriffsbildung Jeder baulichen Eingriff in eine historisch wertvolle Bausubstanz wird als "Intervention" bezeichnet. Bauen im historischen Kontext kann heißen:

42 Leopold Kohr Akademie 2011 Bestandssicherung Sanierung historischer Bausubstanz wie zum Beispiel die Behebung von Abnützungserscheinungen, die Reparatur von Feuchtigkeitsschäden oder Eingriffe statischer Natur;

43 Leopold Kohr Akademie 2011 Umbau etwa für neue Funktionen im Zusammenhang mit einer Revitalisierung → z. B.. Dachausbauten Zu- oder Anbauten an Denkmäler und wertvolle Altbauten Neubauten im unmittelbaren Sichtbezug zu Denkmälern als eine der wesentlichsten Problemstellungen der Altstadterhaltung.

44 Leopold Kohr Akademie 2011 Methoden baulicher Interventionen Jedes Bauen im historischen Kontext - sei es die denkmalpflegerische Intervention oder der Neubau in der historischen Altstadt - hat von der wissenschaftlichen Inventarisation des Denkmals bzw. des bestehenden Umraumes auszugehen. International werden hierfür Kosten von durchschnittlich etwa 2 bis 3 Prozent der Bausumme als notwendig erachtet ‚ ein Prozentsatz, von dem wir - soweit es Bauforschung von Seiten des Bauwerbers in Österreich überhaupt gibt - noch weit entfernt sind.

45 Leopold Kohr Akademie 2011 Bildquelle: WEHDORN, Manfred, Bauen im historischen Kontext, in: Kulturpark Österreich, Wien 2000.

46 Leopold Kohr Akademie 2011 Methoden baulicher Interventionen In überschauender Form und noch heute gültig, wurden die Methoden der Denkmalpflege auf internationaler Ebene in der "Charta von Venedig" - sozusagen die "Bibel der Denkmalpflege" festgeschrieben. Die klassischen Methoden in diesem Sinn sind: Sicherung, Ergänzung, Freilegung, Rekonstruktion und Erneuerung

47 Leopold Kohr Akademie 2011 Sicherung Unter dem Begriff der "Sicherung" werden alle Maßnahmen, welche der Erhaltung eines Gebäudes dienen, umrissen. Die Sicherung ist streng genommen keine besondere denkmalpflegerische Maßnahme: Jeder Eigentümer eines Objektes sichert es im Allgemeinen - schon aus Gründen der Werterhaltung - gegen den Verfall. Zur Sicherung zählen daher statische Maßnahmen ebenso wie die Reparatur von Dächern, Gesimsen u.a.m.

48 Leopold Kohr Akademie 2011 Ergänzung Die "Ergänzung" im baulichen Bereich kann vielfältiger Natur sein: Sie reicht vom Schließen einer Fehlstelle, über die Teilrekonstruktion, bis zur Baulückenverbauung als Ergänzung im städtebaulichen Sinn.

49 Leopold Kohr Akademie 2011 Freilegung Die "Freilegung" geht vom historischen Bestand aus, der in späterer Zeit überbaut oder überformt wurde und durch die Entfernung dieser Zubauten wieder sichtbar gemacht werden soll. In diesem Sinn kann die Freilegung auch eine archäologische Maßnahme darstellen.

50 Leopold Kohr Akademie 2011 Rekonstruktion Die "Rekonstruktion" war in der Geschichte der Architektur und Denkmalpflege stets nur als Sondermaßnahme zu verstehen, hinter deren Anwendung meist nationale Anliegen standen. Nur aus dieser Sicht sind die großen Rekonstruktionen, wie die Wiedererrichtung des Campanile in Venedig nach seinem Einsturz 1902 oder die umfangreichen Rekonstruktionen in Warschau, Dresden und anderen Städten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, zu verstehen.

51 Leopold Kohr Akademie 2011 Rekonstruktion Die Wiedererrichtung der Brücke in Mostar, die Diskussion um die Rekonstruktion des Berliner Schlosses und viele andere rezente Beispiele zeigen, dass das nationale Anliegen als wesentlichste Triebfeder der Rekonstruktion heute noch Gültigkeit besitzt. Lokales Beispiel: Hallstatt, Tragwerk Gosauzwang.

52 Leopold Kohr Akademie 2011 Erneuerung Die "Erneuerung" ist im zur Zeit von besonderer Bedeutung: Neue Funktionen verlangen eine zeitgemäße Formensprache. Die wesentlichste Aussage zu diesem Thema auf internationaler Ebene wurde im Rahmen der 1991 formulierten "Berliner Erklärung zur Beziehung zwischen Architektur, Städtebau und Denkmalpflege" getroffen:

53 Leopold Kohr Akademie 2011 Erneuerung "Städtebau, Architektur und Denkmalpflege lehnen gemeinsam jegliches pseudohistorische Gestalten ab, weil es gleichermaßen sowohl Geschichte wie Moderne verleugnet. Ist auf der einen Seite das Geschichtsdokument in seiner Ursprünglichkeit zu bewahren, muss andererseits konsequent den Anforderungen der Moderne gefolgt werden. Beispiele zeigen dabei zur Genüge, dass im Nebeneinander von Baudenkmal und konsequenter Moderne eine übergreifende neue Gesamtwirkung von hohem ästhetischen Anspruch und sinnvoller Nutzbarkeit entstehen kann.“

54 Leopold Kohr Akademie 2011 Erneuerung Versucht man auf die entwurfsmethodischen Beziehungen zwischen Städtebau, Architektur und Denkmalpflege im Detail einzugehen, ist es zunächst - wie so oft - einfacher zu formulieren, was abzulehnen ist, nämlich:

55 Leopold Kohr Akademie 2011 Abgelehnt wird: Der Abbruch wertvoller historischer Bausubstanz, weil Fortschritt nicht durch Zerstörung von Geschichtlichem erreicht werden kann. Die bloße Verdrängung von Geschichte führt nur zu Verunsicherung und letztendlich zum Verlust der Identität.

56 Leopold Kohr Akademie 2011 Abgelehnt wird: Der fahrlässige Umgang mit der historischen Substanz und die Zerstörung ihrer Einzelelemente durch falsche Sanierungen und Modernisierungen. Zu oft wird heute das Wort "Revitalisierung" missbraucht; viele der Projekte, die unter diesem Begriff "verkauft" werden, sind eher einem Gebiet zuzuordnen, für welches der Ausdruck "Architekturrecycling" zutrifft.

57 Leopold Kohr Akademie 2011 Abgelehnt wird: Alle Arten von Gestaltungssatzungen und Geschmacksadministration. Vorgaben für Neubauten, wie sie in diesem Zusammenhang immer wieder gegeben werden, zum Beispiel für Dachneigungen und Fassadenausbildungen, sind wenig zielführend und der Entwicklung einer spannungsreichen und qualitätsvollen Architektur abträglich.

58 Leopold Kohr Akademie 2011 Abgelehnt wird: Die "geschmäcklerische" Anbiederung an die historische Architektur, beim Einzelobjekt ebenso wie beim Stadtraum.

59 Leopold Kohr Akademie 2011 In der entwurfstechnischen Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe ergeben sich innerhalb der klaren zeitgemäßen Gestaltung demgemäß drei Grundhaltungen:  Aufnahme der abstrakten Gestaltungskriterien mit dem Ziel der Geschlossenheit des Erscheinungsbildes,  Bescheidenheit gegenüber der historischen Bausubstanz, um deren Prägnanz nicht zu gefährden,  "authentisches Gestalten", das heißt, die spannungsvolle dialektische Auseinandersetzung zwischen Alt und Neu.

60 Leopold Kohr Akademie 2011 Danke für Ihr Interesse!


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