Sitzung: 18. Nov Klassiker der Soziologie

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Sitzung: 18. Nov. 2009 Klassiker der Soziologie Vorlesung: Einführung in die Soziologie – Wintersemester 2009/10 Prof. Dr. Ingrid Artus Sitzung: 18. Nov. 2009 Klassiker der Soziologie

0. Technisches, Anmerkungen, Wiederholung und Überleitung Vorlesung: Einführung in die Soziologie – Wintersemester 2009/10 Sitzung: 18. Nov. 2008 Gliederung: 0. Technisches, Anmerkungen, Wiederholung und Überleitung Emile Durkheim (1858-1917) Ferdinand Tönnies (1855-1936) Georg Simmel (1858-1918) Max Weber (1864-1920) Einige Übungsfragen….

Die Exzerpte: Termine 5.11. Text: Berger/Luckmann Die Abgabe eines Exzerptes ist Voraussetzung für die Zulassung zur Klausur. Abgabetermine der Exzerpte 5.11. Text: Berger/Luckmann 2.12. Text: Dahrendorf

Texte Lehrstuhlseite: www.soziologie.phil.uni-erlangen.de Rubrik: Lehre – Reader WS 2009/10 Einführung in die Soziologie Username: einfuehrungwiso Password: nuernberg

Power-Point-Folien Lehrstuhlseite: www.soziologie.phil.uni-erlangen.de Rubrik: Downloads VL Artus: Einführung in die Soziologie

Kurzzusammenfassung Die Soziologie ist als ‚Krisenwissenschaft‘ entstanden. Sie wollte die rasanten zeitgenössischen Veränderungen in der Gesellschaft erklären und dazu beitragen, die akuten sozialen Probleme zu lösen. Vorläufer der Soziologie waren z.B. Auguste Comte (1789-1857) und Karl Marx (1818-1883). Die frühen Soziologen waren „fachfremd“. Sie übertrugen daher häufig Methoden und Denkweisen traditioneller Disziplinen (v.a. der Naturwissenschaften) auf den neuen Gegenstand ‚Gesellschaft‘. Teleologische Geschichtsmodelle und Makrotheorien waren stark prägend Doppelte Tradition: aufklärerische, kritische Oppositionswissenschaft versus analytisch-systematische, wertneutrale Steuerungstechnologie

Emile Durkheim (1858 – 1917)

Emile Durkheim: Leben und Werk 1879-1882 Besuch der Ecole Normale Superieure; Studium der klassischen Sozial- und Moralphilosophie, Psychologie und Jurisprudenz; hatte dort Kontakt mit J.Jaures/sozialistischen Ideen Unterrichtstätigkeit an verschiedenen Lycees als Philosophielehrer 1885-86 Gastjahr an deutschen Universitäten, u.a. bei G. Schmoller 1887 erhält erste Stelle für Sozialwissenschaft und Pädagogik in Bordeaux, die in Frankreich existiert. 1893 Dissertation « De la division du travail social. Etude sur l’organisation des sociétés superieures » 1895 Die Regeln der soziologischen Methode 1897 Der Selbstmord. Eine soziologische Studie 1902 Wechsel an die Sorbonne 1912 Les formes élémentaires de la vie religieuse Ausserdem: Schriften zur Soziologie der Erkenntnis und der Moral; Gründung der Zeitschrift „Année sociologique“.

Durkheims Methode Soziologie als positive Wissenschaft Soziologie als Studium der „faits sociaux“ „Ein soziologischer Tatbestand ist jede mehr oder minder festgelegte Art des Handelns, die die Fähigkeit besitzt, auf den Einzelnen einen äußeren Zwang auszuüben“ Behandlung der „faits sociaux“ als „Gegenstände“ Betrachtung der sozialen Tatsachen „von außen“ unter Ausschaltung aller nicht-wissenschaftlichen Vorbegriffe Ein „fait social“ lässt sich nur durch einen anderen erklären

Durkheims Gesellschaftstheorie Zentrales Thema: Suche nach dem „lien social“ Das „conscience collective“ (Kollektivbewusstsein) und die Arbeitsteilung als Quelle gesellschaftlicher Solidarität sind zentral – in Abgrenzung z.B. zum Utilitarismus. Die frühere mechanische Solidarität (in segmentär differenzierten Gesellschaften) wird von einer organischen Solidarität (in funktional differenzierten Gesellschaften abgelöst. Das „conscience collective“ kann fragil werden: Der Selbstmord ist Ausdruck der Pathologie der modernen Gesellschaft und gesellschaftlicher Anomie. Religion ist ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor, da sie kollektives Bewusstsein unter den Individuen schaffen kann und den „lien social“ stärkt.

Durkheim: Würdigung und Kritik Durkheim entwickelt als erster eine genuin soziologische Perspektive, die auf den Zusammenhang von Arbeitsteilung, Solidarität und Moral zentriert ist. Durkheim hat Vertrauen in die „Selbstheilungskräfte“ der Gesellschaft. Seine optimistische Perspektive, wonach Klassenbildung, Ausbeutung und Entfremdung temporäre Krisenphänomene seien, scheint jedoch fraglich Er ist ein Wegbereiter einer integrationstheoretischen und funktionalistischen Soziologie, ein früher Modernisierungstheoretiker sowie ein später Erbe der französischen Aufklärung, der unbeirrt an die Perfektionsfähigkeit von Mensch und Gesellschaft glaubt.

Die verspätete Soziologie in Deutschland Vor dem 1. Weltkrieg gab es keinen Lehrstuhl für Soziologie in Deutschland Gründe: Spätes Einsetzen der industriellen Revolution Traditionelle Legitimation politischer Herrschaft bleibt lange Zeit intakt Keine so radikale positivistische Neuorientierung der Wissenschaft wie in England und Frankreich; stattdessen „deutsche Romantik“ und Idealismus => Die Soziologie als positive, moderne Wissenschaft hat erhebliche Etablierungsprobleme

Die Anfänge der Soziologie in Deutschland 1887 erschien „Gemeinschaft und Gesellschaft“ von Ferdinand Tönnies 1892 erste größere Studie des „Vereins für Socialpolitik“ über „die Lage der Landarbeiter in Ostelbien“, die u.a. von Max Weber durchgeführt wurde 1909 Gründung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Berlin. Präsident: Ferdinand Tönnies; Beisitzer: Georg Simmel; Kassenwart: Max Weber 1919 Die erste Professur in der neu ausgerufenen Republik Deutschland übernimmt Franz Oppenheimer

Ferdinand Tönnies (1855 – 1936)

Ferdinand Tönnies: Leben und Werk Großbäuerliche Herkunft in Nordfriesland Studium der Philologie, Philosophie, Geschichte und Staatswissenschaften in Jena, Leipzig, Bonn, Berlin und Tübingen 1881 Habilitation an der Universität Kiel 1887 „Gemeinschaft und Gesellschaft“ (2.Auflage 1912) War stets auch sozial engagiert; z.B. Studien zu den Ursachen des Hamburger Hafenarbeiterstreiks 1896/97 1909 Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) Ab 1909 zunächst außerordentlicher, dann ordentlicher Professor an der Universität Kiel 1930 Eintritt in die SPD; starke Kritik an der aufkommenden nationalsozialistischen Bewegung 1933 Amtsenthebung als Präsident der DGS durch den Nationalsoz. 1936 stirbt er verarmt in Kiel

Gemeinschaft und Gesellschaft Gemeinschaft und Gesellschaft als zwei zentrale Begriffe der deutschen Philosophie und Kulturgeschichte des 19.Jahrhunderts – sowie des nationalen Denkens. Versuch der Beschreibung des Übergangs von einer traditionell-feudalen Gesellschaftsordnung zu einer modern-bürgerlichen Expliziter Bezug auf Durkheim; er dreht jedoch dessen Begrifflichkeiten um: Organische Solidarität findet sich in der vorindustriellen Gemeinschaft, in der das Zusammenleben durch affektive Nähe, enge Verbundenheit und gemeinsame Überzeugungen bestimmt wird. Es handelt sich um (noch) nicht entfremdete Sozialbeziehungen Mechanische Solidarität kennzeichnet die moderne Gesellschaft mit Beziehungsstrukturen, die v.a. von äußeren Einflüssen bedingt sind. Das Handeln der Menschen ist nicht mehr ganzheitlich, sondern dient partiellen Zwecken und Tauschinteressen.

Tönnies: Würdigung und Kritik Sein Werk ist teils sozialwissenschaftliche Analyse, teils pessimistische Kulturkritik Es steht im Spannungsfeld deutscher Geisteswissenschaft und westeuropäischer Sozialwissenschaft; versucht zugleich an die deutsche Tradition von Romantik und Idealismus sowie an positivistische Ansätze anzuschließen Sein Werk war nutzbar auch für bürgerliche Kulturkritik sowie den Nationalsozialismus Seine Soziologie ist eher eine philosophische Disziplin als empirische Einzelwissenschaft

Georg Simmel (1858 – 1918)

Georg Simmel: Leben und Werk geb. 1858 in Berlin; zum Christentum übergetretene ehem. jüdische Familie; Erbe eines umfangreichen Vermögens Studium der Geschichte, Völkerpsychologie und Philosophie in Berlin Ab 1885 Privatdozent in Berlin; trotz großer Erfolge in der Lehre erhält er lange Zeit keinen Lehrstuhl 1890 „Über sociale Differenzierung“ 1900 „Philosophie des Geldes“ 1903 Aufsatz „Die Großstädte und ihr Geistesleben“ 1908 erscheint „Soziologie“; er soll auf Empfehlung von Max Weber einen Lehrstuhl für Philosophie in Heidelberg erhalten – wird dort jedoch nicht akzeptiert 1914 Berufung nach Straßburg, wo er 4 Jahre später stirbt; er hinterlässt ein umfangreiches Werk: ca. 30 Bücher und 250 Aufsätze

Gesellschaft als Resultat von Wechselwirkungen Er begreift Gesellschaft als Summe von Wechselwirkungen und als fortdauernder Prozeß Schon die zufällige Interaktion zwischen zwei Individuen ist für Simmel „Gesellschaft“ Er setzt an den statischen Begriff von Gesellschaft den dynamischen Begriff von Vergesellschaftung.

Simmels kritische Gesellschaftsdiagnose Individualisierungstheorie: Mit wachsender Differenzierung der Gesellschaft bildet sich die Individualität des Einzelnen stärker aus; die Bindungskräfte der sozialen Gruppe schwinden Entfremdungstheorie: Geld als Medium, durch das sich Tauschbeziehungen objektivieren lassen und ein neuer Grad an Arbeitsteilung möglich wird „Geld als Gott“ (Bsp.: Die Banken als Mittelpunkt der Städte) Kulturkritik: Die „Tragödie der Kultur“ ist die wachsende Diskrepanz zwischen den im Kulturprozess angehäuften Gütern und der subjektiven Kultur der Menschen Die Arbeitsteilung und vielfältigen Differenzierungsprozesse machen die menschliche Kultur überkomplex und undurchschaubar

Georg Simmel: Würdigung und Kritik Vielfache Anregungen, u.a. für die Stadtsoziologie und Konfliktsoziologie Seine „Philosophie des Geldes“ wird aktuell neu entdeckt. Prägt die Sichtweise, wonach Soziologie die Wissenschaft sozialer Interaktionen ist. Nimmt viele Elemente der Rollentheorie vorweg.

Max Weber (1864-1920)

Max Weber: Leben und Werk 1864 geb. in Erfurt; Sohn eines preußischen Abgeordneten/Mitglied d. dt. Reichstags 1882-86 Studium d. Rechtswissenschaften, Geschichte, Philosophie, Theologie in Heidelberg, Straßburg, Berlin, Göttingen 1891 Habilitation „Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht“ 1893 Lehrstuhl für Nationalökonomie in Freiburg 1896 Lehrstuhl für Nationalökonomie in Heidelberg „Nervenkrise“ / Krankheit 1905 „Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus“ 1909 Kassenwart der DGS; Austritt aus dem Vorstand 1912 Engagement in der Deutschen Demokratischen Partei; setzt sich u.a. gegen die deutsche Annexionspolitik sowie den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ein 1916/17 „Studien zur Wirtschaftsethik der Weltreligionen“ 1918 Mitglied im Heidelberger Arbeiter- und Soldatenrat sowie der deutschen Delegation in Friedensverhandlungen von Versailles 1919 gescheiterte Kandidatur f.d. Nationalversammlung; Ruf an die Universität München 1920 Tod durch Lungenentzündung 1922 (posthum) „Wirtschaft und Gesellschaft“

Max Webers Soziologie Soziologie als wertfreie Wissenschaft Wissenschaft als fachlich betriebener „Beruf“ mit strengen Regeln Anerkennung empirischer Tatsachen und Zurücknahme der eigenen Person Trennung von Wissenschaft und Politik: Wertungen sind nicht verboten, jedoch strikt zu trennen von Tatsachen und ihrer Erforschung; Es geht nicht um ‚absolute Objektivität‘, die unmöglich ist. Es geht um ein selbstreflexives Vorgehen, das die eigene Methode permanent überprüft

Die Methode des „deutenden Verstehens“ §1 „Soziologie (…) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.“ (…) => Soziologie will deutend verstehen und ursächlich erklären. => Die spezielle soziologische Methode zeichnet sich durch Sinnverstehen und die Suche nach generellen Regeln des sozialen Geschehens aus.

Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus Zentrale These: Der Protestantismus in seiner puritanischen Ausformung (Calvinismus, Pietismus, Methodismus) ist zentral für die Entstehung des ‚Geistes‘ des westeuropäischen Kapitalismus Empirie: Protestantisch geprägte Gegenden haben eine besonders rasante ökonomische Entwicklung Argumentation: Die Reformation schafft eine „diesseitigere“ Form des Glaubens. Dieser muss sich im Hier und Jetzt bewähren. Calvinismus = protestantische Ethik in Reinform; Präsdestinationslehre und Vorstellung der Gnadenwahl. Um göttlicher Gnade sicher zu sein bedarf es strenger Askese und systematischer Selbstkontrolle. Das innerweltliche Leben dokumentiert sich im Beruf Allmählich schwächt sich die religiöse Motivation ab, die rationale Lebensführung bleibt jedoch erhalten im bürgerlichen Berufsethos: Pflichterfüllung als höchste Stufe der Sittlichkeit. An die Stelle eines bewussten individuellen Glaubensaktes tritt eine mechanische Orientierung am bürgerlichen Lebensstil.

Der Prozess der Rationalisierung in den westlichen Gesellschaften Der Begriff der Rationalisierung bezieht sich nicht nur auf wirtschaftliches Handeln, sondern auf eine spezifische Lebensführung und Berufsauffassung. Das Individuum kann sich dem westlichen Rationalisierungsprozeß nicht entziehen. Die moderne Welt ist vom Prozeß der Entzauberung gekennzeichnet. Die Wissenschaft gewöhnt uns daran, in der äußeren Wirklichkeit nur ein Summe naturgesetzlicher Kräfte zu sehen, die wir unserer Verfügungsgewalt unterstellen können. In der entzauberten Welt gewinnt die rationale und bürokratische Organisation immer mehr die Oberhand. Es kommt zu einer rationalen Leitung des Staates durch Bürokratie sowie wirtschaftliche Unternehmungen.

Max Webers Wirkungsgeschichte Zwischen 1922 und 1947 wurden insgesamt nur rund 2000 Exemplare von „Wirtschaft und Gesellschaft“ verkauft. Erst nach dem 2.Weltkrieg wurde Weber allmählich als Klassiker entdeckt, v.a. durch den Einfluss von Talcott Parsons. 1964 versammeln sich die Größen der Zunft zum Soziologentag in Heidelberg - zum Gedenken an Max Weber. Er wird neben Marx und Durkheim zu einer der Säulen der internationalen „soziologischen Dreifaltigkeit“

Einige Übungsfragen Was zeichnet die Soziologie als „positive Wissenschaft“ (z.B. laut Auguste Comte und Emile Durkheim) aus? Wie definieren und benutzen Emile Durkheim und Ferdinand Tönnies – in jeweils unterschiedlicher Weise – die Begriffe „organische“ und „mechanische Solidarität? Welcher der beiden Begriffsverwendungen würden Sie eher zustimmen? Nennen Sie drei frühe deutsche Soziologen und beschreiben Sie in wenigen Schlagworten deren Themenschwerpunkte! Inwiefern unterscheidet sich die frühe französische und deutsche Entwicklung der Soziologie – und was sind die Gründe dafür? Nennen und diskutieren Sie kurz die Definition der Soziologie durch Max Weber! Diskutieren Sie die Stärken und Schwächen eines „Klassikers der Soziologie!

Relevante Literatur zur Vorlesung Henecka, Hans Peter (2006): Grundkurs Soziologie, 7.Auflage, Paderborn: UVK/UTB Kaesler, Dirk (Hg.) (2003): Klassiker der Soziologie, 2 Bde, 4. Aufl., München: Beck Kaesler, Dirk/Vogt, Ludgera (2000): Hauptwerke der Soziologie, Stuttgart: Kröner Korte, Hermann (2006): Einführung in die Geschichte der Soziologie, 8.Aufl., Wiesbaden: VS