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Seite:1 Zum Tod von Lehrer Emanuel Wertheimer (1926) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1926: "Lehrer Emanuel Wertheimer – das Andenken.

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1 Seite:1 Zum Tod von Lehrer Emanuel Wertheimer (1926) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1926: "Lehrer Emanuel Wertheimer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Hardheim, 12. Oktober (1926). Überall, wohin die Kunde von dem Ableben des weit und breit bekannten Lehrers Wertheimer dringen wird, wird man ergriffen sein von unaussprechlicher Trauer und Wehmut. Ist doch mit ihm ein außergewöhnlicher Mensch dahingegangen, ein ganz seltener, wahrhafter Jehudi, ein Gottesfürchtiger, eine Zierde des Lehrerstandes. Ja, er war ein (hebräisch und deutsch:) Diener Gottes. Er ließ sich von keinen anderen Gesichtspunkten leiten, als denen des Guten, des göttlichen Willens, er war ein konsequenter, in sich gefestigter Charakter, ein Mann der Gottesfurcht und der frommen Tat. Sein Leben selbst war ein Vorbild und die beste Predigt, die er hätte halten können, dabei ein Heros der Bescheidenheit, der Anspruchslosigkeit für seine Person. Er freute sich des Lebens, er hatte ein selten feines Gefühl für alle Schönheiten der Natur, in der er sch täglich aufhielt, er liebte eine edle heitere Gesellschaft und tauschte gerne Worte des Scherzes, des edlen Witzes, gediegener fröhlicher Unterhaltung. Lehrer Wertheimer hatte einen selten großen Bekanntenkreis, in allen Gauen war sein Name bekannt. Und alle, alle wissen, wie er in Unschuld und Herzensreinheit gelebt und gestrebt hat, wie er rein und fromm war im leben und Sterben, rein und fromm bis zu seinem Tode, wie jede Falte seines Gemütes, das nun erkaltet, für Menschenwohl und Menschenheil erglühte, jede Faser seines Herzens, das nun ausgeschlagen hat, Gott und Menschen liebreich entgegenschlug, und jeder Winkel seiner Seele, die nun ihre Staubhülle verlassen und mit der Seele aller Welten sich vereinigt, von Gottes- und Menschenliebe erfüllt und durchdrungen war, Quellen: ^Die Synagoge in Hardheim (Neckar-Odenwald-Kreis) judaica.de/hardheim_synagoge.htm 10 von :04http://www.alemannia- judaica.de/hardheim_synagoge.htm Emanuel Wertheimer mit Frau Nanny Nendel.

2 Seite:2 wie jeder Zug in seinem Lebensbilde im himmlischen Glanze seiner Tugenden ausstrahlt. Selbst als des Lebens raue Winde und Stürme auch gegen ihn sich erhoben, auch ihn erschütterten, da hat er nur den Namen Gottes angerufen. Sein Gottvertrauen wurde weit und breit bewundert. Der Verblichene war in allem gut und ist nur reif geworden für ein Leben, das im Ganzen gut ist. Von frühester Jugend an bis zu seinem Ende war es ihm nicht um Erlangung irdischen Segens zu tun, sondern nur um die Veredlung seines Herzens und um die Erhebung seines inneren Seelenlebens. Einer edlen Lehrerfamilie entstammend - Vater und Großvater waren schon Lehrer – ging der Heimgegangene aus dem Würzburger Lehrerseminar hervor, und wurde dort schon von dem großen Würzburger Raw als ‚brävster Schüler’ bezeichnet. Sollen wir nun reden von seiner glühenden Liebe zur Tora, in der er fast buchstäblich Tag und Nacht forschte? Einen Mann, der mehr Liebe zur Tora besaß als er, dürfte es kaum geben, solche, die ihm vielleicht an die Seite zu setzen wären nur ganz wenige. ‚Wie habe ich dein Gesetz so lieb, ihm denk ich nach den ganzen Tag.’ Vom Frühstück angefangen, bei jeder Mahlzeit am Buch bis in die späte Nacht; bei Tag suchte er nicht die so genannte freie Zeit zum Lernen, sondern er nahm eben die Zeit. Auf dem Spaziergange, auf der Reise in der Bahn, überall las er, lernte er, forschte er, korrespondierte mit Talmide Chachomim (Gelehrten), und Rabbonim (Rabbiner) staunten über seine Belesenheit. Wer mit ihm zusammenkam, profitierte von seinem immensen Wissen und seinem überragenden Verstand; keine Versammlung, wo sein geistsprühendes Wort nicht zündete. An vielen Organisationen arbeitet er mit, für die‚ Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums’ hatte er seit Jahren eine Vorliebe und führte ihr viele Mitglieder zu. Und so wie er lernte, lehrte er. Es war ihm vergönnt, über 50 Jahre lang den göttlichen Samen des Guten in die Herzen der Kinder zu streuen. Der geborene Lehrer von Eifer, Geduld und Methode. Seine Schule war eine der besten des Landes, darf man sagen. An Anerkennungen maßgebender Faktoren fehlte es nicht. Und wie er lehrte in der Schule oder in der Öffentlichkeit so lebte er. Sollten wir schildern, wie überaus genau er die Gebote

3 Seite:3 eingehalten hat, wie er das Spendengeben im Verborgenen übte, wie er außerhalb seines Hauses fast nirgends etwas gegessen, wie er zeitlebens jeden Fastentag fastete, usw. usw. Und so war sein Leben ein fortwährender Kiddusch Haschem (Heiligung Gottes) auch in dem Sinne, als Lehrer Wertheimer in Hardheim und in der ganzen Umgegend von allen Nichtjuden in rührender Weise geschätzt und verehrt wurde, wegen seiner Gelehrsamkeit, wegen seiner Frömmigkeit, wegen seines Wohltuns, wegen seiner Werke menschlicher Liebe auch in nichtjüdischen Kreisen. Kam doch der Verblichene in seiner kindlichen Güte jedem mit dem Gruße zuvor, ob er jemand kannte oder nicht, ob es Kind oder Erwachsener, ob es Arbeiter oder ein sozial Hochgestellter war. Und immer überall selbstlos und opferbereit, kein Wunder, dass die Beerdigung und die Beisetzung sich zu einer hier noch nicht dagewesenen Kundgebung gestalteten. Von überall her waren Freunde, Verwandte und Kollegen geeilt. Viele Hunderte bildeten den Trauerzug. Zu beiden Seiten des Leichenwagens trugen Schüler vom Hause bis zum Friedhof das, was dem Heimgegangenen im Leben am liebsten war, seine Lieblingsbücher. Wie er keine irdische Reise unternahm, ohne ein Buch mitzunehmen, so sollte sich an ihm erfüllen, sollte die Tauroh (Tora) ihn bis zum Grabe begleiten. Einem letzten Wunsche des Verstorbenen entsprechend, musste man ihm das Sefer (Buch), aus dem er zuletzt gelernt – es war Mischnajot Seder Taharot – in den Arm geben, damit er, wie er ausdrücklich sagte, beim Erwachen gleich lernen kann. Und so bewegte sich denn der gewaltige Trauerzug durch die langen Straßen, vorbei an geschlossenen Läden, an der Synagoge, in welcher der Verstorbene bis ins hohe Alter seine Stimme ertönen ließ, eine Minute Halt machend. Auf dem Friedhof hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Greilsheimer von Mosbach einen groß angelegte

4 Seite:4 Trauerrede, in der Lehrer Wertheimer in seiner ganzen Größe lebendig vor Augen trat, als Mensch, als Jude, als Lehrer, als Erzieher, als Gelehrter, als Kollege und Mitarbeiter. Herr Moses Strauß würdigte als Vorstand der Gemeinde die großen Verdienste des Entschlafenen, Bürgermeister Seeber widmete dem angesehenen Mitbürger einen ehrenden Nachruf, Hauptlehrer Eisemann auf Würzburg rief dem guten Freund und Kollegen herzliche Worte nach, Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim, überbrachte die Abschiedsgrüße des badischen Lehrervereins, sowie des Lehrervereins für Bayern, Oberlehrer Rapp sprach im Namen des Volksschulkollegiums. Und als zum Schlusse ein Sohn des Verewigten, Herr Dr. Felix Wertheimer – Düsseldorf in einer ergreifenden Trauerrede in rührender Weise im Namen der engeren Familie Abschied von dem treuen und großen Vater Abschied nahm, da blieb kein Auge tränenleer. Möge der Allmächtige den Hinterbliebenen Trost geben und in ihnen die frohe Gewissheit erstarken lassen, dass der Entschlafene ihnen nicht verloren ist, sondern fortlebt bis zum Kommen des Erlösers. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.„ Zum Tod von Lehrer Emanuel Wertheimer (1926) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember "Lehrer Emanuel Wertheimer in Hardheim. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Ein Frommer hat vollendet. Wehe über die Verlorenen, die nicht wieder gefunden werden. Ein Frommer hat vollendet! Jammer und Klage über den unersetzlichen Verlust. ‚W’ozar b’milin mi juchol’, wer könnte mit Worten zurückhalten? wo ein schönes gottgefälliges Leben seinen Abschluss gefunden, wert, dass wir es andachtsvoll überblicken, würdig, dass wir es als Vorbild hinstellen. Hat die jüdische Lehrerwelt im allgemeinen – so hat die gesetzestreue Lehrerschaft im besonderen einen ihrer besten und edelsten Vertreter verloren, dessen Tage, Stunden und Sekunden ohne Ausnahme das Gepräge und die Weihe des heiligen hohepriesterlichen Berufes im Gottesdienste seiner Glaubensgenossen wie auch all seiner Mitmenschen unverkennbar an sich trugen. Der Lehrerberuf war ihm nicht nur Broterwerb, sondern eine Arbeit für den Himmel (d.h. für Gott) wie er ja auch jede seiner Handlungen als einen Gottesdienst auffasste, und auch die kleinste Tat mit einem Vers aus dem unversiegbaren, immer sprudelnden Quell seines reichen jüdischen Wissens begleitete. Ein selten aufrichtiger Kollege, ein allzu offener Charakter überhaupt, lag Wertheimer die Lehrersache stets am herzen.

5 Seite:5 Noch ist uns in Erinnerung, mit welch glühendem Feuereifer er einmal auf einer Generalversammlung des ‚Bundes gesetzestreuer Lehrer’ in Anwesenheit vieler Rabbiner in Frankfurt gesprochen hat. Mit immer jugendlicher Begeisterung war er nicht nur für die materielle und soziale Besserstellung der Lehrer bedachte, sondern er eiferte, wo er auch konnte, die Kollegen zum Lernen an. Seine Parole war ein Marbiz Tora zu sein. Ein gern gesehener Kollege, fehlte er bei fast keiner Lehrerversammlung und besuchte selbst benachbarte Lernkonferenzen, zu denen er bezirksmäßig nicht gehörte. Und wie lauschte man – Rabbiner und Kollegen – wenn Wertheimer anfing zu ‚darschenen’, zu erklären, oder in humorvoller Weise würzende ‚Diwre Tauroh’ (Worte der Tora) auszusprechen. War doch die Tauroh allezeit Kräftigung seinem Geiste, Labsal seinem Herzen. In des Wortes wahrster Bedeutung war er ein Schüler Ahrons, durchglüht von edler Menschenliebe war er, was doch die Hauptsache ist, wie selten einer. Schon im Würzburger Seminar war er nicht nur selbst einer, der es sehr genau mit den Geboten nahm, sondern rügte auch in offener, freier, aber nie verletzender Weise auch die kleinste Übertretung, die er bei einem Mitschüler bemerkte: ‚Verlässliche Weisung war in seinem Munde, und es wurde nicht Böses auf seinen Lippen gefunden. Er wandelte vor mir friedsam und aufrichtig und hielt viele von Sünden zurück’ (Maleachi 2,6). Dieses maleachische Prophetenwort ist auf den Verewigten anzuwenden, deshalb war sein Wirken überall erfolgreich, deshalb ließ man sich von ihm belehren und folgte seinem Beispiel. War doch sein Wort das treue Abbild seiner Gesinnung – beiden aber entsprach auch die Tat. Zahlreiche Schüler sind von dem Heimgegangenen im Verlaufe eines halben Jahrhunderts mit ansehnlichem Wissen ausgestattet worden und seine Schule atmete wahrhaft jüdischen Geist. Des Menschen Arbeitsfeld endigt nicht an den Grenzsteinen seines engen Berufes. Durch zahlreiche, unzählige Fäden war der Verewigte mit den Personen und Ereignissen seiner näheren und weiteren Umgebung verbunden. Gerade auf dem weiten Gebiet der Öffentlichkeit steht der Mensch in allen seinen Eigenschaften zur Schau, offen und frei zur allgemeinen Beurteilung. Überall empfand man für ihn: Achtung, Liebe, Verehrung. Man musste den Zauber, der von seiner Persönlichkeit ausging, miterlebt haben

6 Seite:6 Und er, dessen Herz die heilige Schauer der Gottesnähe stets empfand, trug unter dem Kleid ständig einen Gürtel und mit dem Worte und ihr sollt heilig sein auf dem Munde versäumt er keine letzte Waschung (Totenwaschung). So war er ein einzigartiger Frommer, ein unerreichter Mann guter Eigenschaften, keine normale Erscheinung. An ihm erfüllte sich buchstäblich, was wir täglich, wenn auch meist gedankenlos, im Gebete wünschen: ‚O Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen, dass sie nichts Trügerisches reden usw.’ Verpönt war ihm ‚Loschon hora’, ‚Lasset die Leute in Ruhe’ sein stehendes Wort. Wem ein Einblick in das geheimste Seelenleben des Gerechten vergönnt war und sich fragte: ‚Was siehst du?’, der darf, ohne zu übertreiben mit dem Bilde des Propheten antworten (hebräisch und deutsch): ‚Ich sehe einen Leuchter, aus Gold, ganz und gar, zwei Ölbäume daneben, mit reinem Öl die heiligen Flammen nährend.’ Bei ihm waren nur ‚Tage des Aufstieges’ zu verzeichnen, sein Streben machte nirgends Halt. So ward vom Aufgange seiner Lebenssonne bis zu ihrem Untergange durch ihn gepriesen der Name des Ewigen. Sind verstummt nun seine Lippen? Nein! Wer mehr als ein Menschenalter hindurch mit gewissenhafter Hingabe, mit seltener Begeisterung als Lehrer und Diener Gottes, dessen Wort verkündet, dessen reine Seele kann sich wohl vom Körper lösen, um, von irdischen Banden befreit, ins Reich der Ewigkeit einzugehen, dessen Name muss immer wieder genannt werden, dessen Wort muss immer wieder nachklingen, seine Lippen bewegen sich auch im Grabe. Und‚ um die Schönheit, die da im Grabe der Erde vorgeht’ weinen wir. Ausgelebt ist ein Leben voller Tauroh (Tora), Adwodoh (Gottesdienst), und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit); wer von ihm im Leben schied, nahm von ihm der Vorschrift gemäß ein gutes jüdisches Wort mit

7 Seite:7 Er selbst lernte ja so fleißig, sodass in allen seinen Büchern Bemerkungen, Zusätze und dergleichen – also seine Spuren zu sehen sind. ‚Seine Hände hielten fest und treu aus, bis seine Lebenssonne sich neigte’, und wir dürfen ohne weiteres sagen: ‚wenn ein solcher Mann stirbt, sind alle seine Verwandten’. Die gesetzestreue Lehrerschaft ganz besonders ruft schmerzvoll aus: ‚Man wird dich vermissen’, deine anspornende Persönlichkeit wird uns fehlen. Wie sehr der teure Verblichene selbst auf das Seelenheil seiner verstorbenen Kollegen bedacht war, geht aus dem Umstand hervor, dass auf seinen Vorschlag hin beim Ableben eines Kollegen in seinem Bezirke während der Schloschim von sämtlichen Kollegen ein Schiur gelernt wurde. Auf der letzten Konferenz führte er den Beschluss herbei, dass diese fromme Übung künftighin ohne weiteres Pflichtsache sei. Ein tragisches Geschick wollte es nun, dass sein Antrag gerade bei ihm als Ersten praktisch zur Anwendung kam. War der Heimgegangene für viele, viele Kollegen einfach ‚unser Wertheimer’, so nannten ihn die Kollegen seines großen Bezirks schon früher ‚unser Rabbe’. Einen schönen Lohn darf er mit ins Jenseits nehmen; denn ‚in Anerkennung der großen Gelehrsamkeit, der seltenen Frömmigkeit und der unvergänglichen Verdienste’ wurde dem teuren Verstorbenen zu seinem längst gehabten Chower-Titel nun auch der Morenu (Rabbiner-) Titel verliehen. Solche aber wie er war, möge es viele in Israel geben. Sein Verdienst komme uns zugute. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

8 Seite:8 Forschung: Helmut Berberich Schlussbestimmung: Die Verteilung erfolgt grundsätzlich über das Internet. Ausdrucke oder Digitale Dateien werden hinterlegt: - Denkmalamt Karlsruhe - Gemeindearchiv - Landesarchiv Bronnbach Bestellung von Ausdrucken beim Herausgeber: Helmut Berberich, Thüringer Str. 33, Hardheim, Telefon:


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