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Jetzt spricht seine Lehrerin Von Kaye Anthon und Nicole Freudiger | Aktualisiert um 08:14 | 05.06.2009, Aus: Blick, 5.6.09 1 Finnland Info 460, Einseitige.

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1 Jetzt spricht seine Lehrerin Von Kaye Anthon und Nicole Freudiger | Aktualisiert um 08:14 | , Aus: Blick, Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

2 Jetzt spricht seine Lehrerin Von Kaye Anthon und Nicole Freudiger | Aktualisiert um 08:14 | , Aus: Blick, Drei Jahre lang sass André Reithebuch bei Vroni Kamber im Unterricht. Doch er ist nicht der einzige, der einen Bogen um Bücher macht, weiss seine Reallehrerin. 2 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

3 Jetzt spricht seine Lehrerin 3 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

4 Jetzt spricht seine Lehrerin Text aus Blick vom Sie kennt die schulischen Stärken und Schwächen von Mister Schweiz André Reithebuch so gut wie sonst kaum jemand: Reallehrerin Vroni Kamber aus Luchsingen GL. Von 1999 bis 2002 drückte der Schöne bei ihr die Schulbank. Anmerkungen H. Joss 4 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

5 Jetzt spricht seine Lehrerin «Ich habe André in allen Fächern ausser Buben- Turnen unterrichtet», so die Glarnerin. «Deutsch war überhaupt nicht sein Lieblingsfach, er war eher mathematisch begabt», sagt die Lehrerin. Bei Realschülern sei aber eine einseitige Begabung ganz normal – sonst wären sie in der Sekundarstufe. So einfach und klar ist das. Zwischen dem aktuellen Forschungs- stand (Die systematische Zufälligkeit des Bildungserfolgs, Kronig, Haupt 2007) und dem Wissen der Reallehrerin lassen sich grosse Unterschiede feststellen. Die Einschätzung der Lehrerin trifft bestenfalls teilweise zu. 5 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

6 Jetzt spricht seine Lehrerin Es geht mir nicht darum, den Wissensstand der Lehrerin in Frage zu stellen. Sie steht stellvertretend für viele Lehrpersonen, welche ihre Meinung teilen. Denn: auf der Oberstufe sind kaum mehr individuelle Sprach- förderungen vorgesehen. Folglich auch keine Sprachstanderhebungen, welche durchaus möglich und sinnvoll wären, z.B. zu Beginn der 7. Klasse. Schüler mit einseitigen Begabungen werden in die Realschule abgescho- ben. 6 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

7 Jetzt spricht seine Lehrerin Einseitige Begabungen sind bei Realschülern normal Erkannte Vroni Kamber damals die Lese- und Schreibschwäche ihres Schülers? «Nein. Er war schon schlecht – aber nicht auffällig schlecht. Ein Wechsel in die Oberschule stand nie zur Diskussion.» Aber sie wisse nicht, was er nach der Schule gemacht habe. Lesen und Schreiben vergesse man wieder ohne Übung. Ich gehe davon aus, dass Frau Kamber ihre scheinbar klare Einschätzung den begrenzten Möglichkeiten anpasst, die auf der Oberstufe bestehen. Er war schon schlecht-aber nicht auffällig schlecht. Was soll eine solche Einschätzung eines Oberstufenschülers? Meine Kritik richtet sich weniger gegen Frau Kamber als vielmehr gegen eine selektive Schulstruktur, welche diesen Irrtum vertritt. Dass sie nicht wisse, was er nach der Schule gemacht habe, 7 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

8 Jetzt spricht seine Lehrerin hängt wiederum mit unserem Schulsystem zusammen. Anstatt Uebergänge haben wir Schnittstellen, Verantwortung kann immer wieder abgeschoben werden. In erster Linie an die Lernenden. 8 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

9 Jetzt spricht seine Lehrerin Dass André an Illettrismus leidet (siehe unten), kann und will Kamber einfach nicht glauben. Und dass er bisher nur ein Buch gelesen hat (im BLICK), sei gar nicht so aussergewöhnlich: «Das ist halt so. André ist kein Einzelfall. Internet und Fernsehen sind eben viel spannender für die Jungen.» Das Erstaunen von Frau Kamber kann damit erklärt werden, dass sie viele Schüler hat, welche ähnliche Sprachprobleme haben wie André. Die Sprachkompetenz ist das zentrale Selektions- kriterium in unseren Schulstruk- turen. Der Begriff einseitig Begabte löst bei mir gemischte Gefühle aus. Immerhin verlassen jedes Jahr % der Lernenden die obligatorische Schulzeit mit ungenügenden Sprachkompeten- zen. 9 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

10 Jetzt spricht seine Lehrerin Nach neun Jahren resp. rund Stunden Unterricht. Frau Kamber macht sicher gute Arbeit im Rahmen ihrer Möglich- keiten. Bestimmt hat sie A. Reithebuch nicht blossgestellt vor der Klasse. So dass er ein konstruktives Selbstkonzept aufbauen konnte. Auch wenn die Begründung für seine Schwierigkeiten Ich habe oft zum Fenster hinaus geschaut kaum zutrifft. 10 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

11 Jetzt spricht seine Lehrerin So ist A. Reithebuch auch heute noch bereit, sich vermehrt mit Lesen und Schreiben auseinander zu setzen. Bei den Vereinen Lesen und Schreiben für Erwachsene gibt es tausende von Personen, welche dazu nicht mehr bereit sind, nie mehr bereit sein werden, weil die erlittenen Kränkungen, Beschämungen und psychischen Verletzungen zu gross waren. 11 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

12 Jetzt spricht seine Lehrerin Vroni Kamber ist trotzdem stolz auf ihren Ex-Schüler, der jetzt Mister Schweiz ist. Sie glaubt, dass er es weit bringen kann: «André war schon in der Schule ein Mädchenschwarm. Er hat sich unglaublich gemacht in den drei Jahren!» Der Armee sei dank - sie hat die Lese- und Schreibschwäche von A. Reithebuch erkannt- und umgehend konkrete Massnahmen in die Wege geleitet – wenn auch nicht uneigennützig. Schade, dass A. Reithebuch 20 –jährig werden musste, um zu erfahren, dass seine Schwäche weniger mit dem zum Fenster hinaus schauen zu tun hat, sondern mit einer Schulstruktur, welche nicht zuletzt aus finanziellen Gründen über solche gravierenden Schwierigkeiten bei einseitig begabten Lernenden hinwegschaut. 12 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

13 Jetzt spricht seine Lehrerin Und dass er die Folgen dieses Versäumnisses der Schule nachholen muss. Höchste Zeit, dass A. Reithebuch auf den seit Jahren bestehenden Handlungsbedarf in unserem Bildungswesen hinweisen kann. 13 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

14 Jetzt spricht seine Lehrerin «Illetristen sind nicht dumm» Was ist Illetrismus? Rosita Della Morte, Expertin des Vereins Lesen und Schreiben, gibt Auskunft. Blick: Frau Della Morte, André Reithebuch nennt seine Leseschwäche Illettrismus. Was ist das? Rosita Della Morte: Illettrismus ist der wissenschaftliche Begriff für Menschen, die mit einer Lese- und Schreibschwäche zu kämpfen haben. Die Betroffenen sind keine Analphabeten, sie haben Lesen und Schreiben gelernt. Sie haben aber oft Mühe, sich im von Schrift geprägten Alltag zurechtzufinden. 14 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

15 Jetzt spricht seine Lehrerin Wer ist davon betroffen? In der Schweiz etwa Personen. Wichtig ist, dass die Schreibschwäche nichts mit Intelligenz zu tun hat. Die Betroffenen sind weder dumm noch faul! Noch haben sie zu viel aus dem Fenster geschaut. 15 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

16 Jetzt spricht seine Lehrerin Was sind die Ursachen? Eine Leseschwäche resultiert immer aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie Schwierigkeiten in der Familie oder Probleme in der Schule. Oder aber blinde Flecken im Hirn, die verhindern, dass Kinder richtig lesen lernen. Was kann man dagegen tun? Mit Früherkennung könnte viel aufgefangen werden. Für Erwachsene bieten wir Kurse an, in denen jeder gezielt seine Wissenslücken angehen kann. Das grosse Problem liegt darin, dass trotz guten und preiswerten Angeboten nur wenig Betroffene davon Gebrauch machen. Aus den oben erwähnten Gründen. Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf, das Problem Illettrismus ganzheitlich anzugehen. Ab Früherkennung bei 3-jährigen Kindern, über Frühförderung und Begleitung während der ganzen Schulzeit. Denn: unbestritten ist, dass eine Demokratie nur funktionieren kann, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger Lesen und Schreiben können. 16 Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal,

17 Fazit Die bestehende selektive Schul- struktur wird dem Phänomen Illettrismus nicht gerecht. Dieser Sachverhalt war in den Diskussionen um André Reithebuch kein Thema. Es ist ein Tabuthema. Die Schuldzuweisung des selektiven Systems hat er akzeptiert und verinnerlicht: Ich schaute zu viel zum Fenster hinaus. Für die Oeffentlichkeit beinhaltet das: Von Illettrismus Betroffene sind selber schuld. Faul, bequem und dumm. Auch die Lehrperson hat ihre Alltagstheorie betreffend Illettrismus. André war schlecht, aber nicht auffällig schlecht. Interessant zu wissen, woran Frau Kamber diesen Unterschied erkennt und definiert. Das Gravierendste besteht darin, dass schlechte Oberstufenschüler einseitig begabte Schüler sind, (eine Bezeichnung, die schon beinahe zynisch und heuchlerisch wirkt), deren Defizite nicht mehr angegangen werden. Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal, 17

18 Fazit Diese sprachlichen Defizite nimmt dann die Schweizer Armee auf, nach abgeschlossener Berufslehre im Rahmen von Lesen und Schreiben in der Armee (LUSIA). Was vom Kindergarten bis zum 9. Schuljahr ungenügend oder nicht möglich war, wird beim 20-jährigen Berufsmann mit erfolgreichem Lehrabschluss wieder aktuell: Ein Verständnistest und anschliessende gezielte Sprachübungen während der Rekrutenschule. Grund: Weil André Reithebuch in der Armee sich und andere gefährden könnte mit seiner sprachlichen Schwäche. Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal, 18

19 Fazit Die Wahrscheinlichkeit, dass das von der Armee aufgedeckte alarmierende Problem Illettrismus Rückwirkungen auf die Volksschule haben könnte, bleibt leider verschwindend klein. Ein bildungspolitischer Konsens lässt auf sich warten. Umso mehr, als es um Milliardenbeträge geht, die vorläufig teilweise gespart werden können. Denn: 1,1 Milliarden Franken werden schon heute jedes Jahr für Folgekosten bezahlt (BASS-Studie). Die Armee untersteht einem andern Departement als die Volksschule. Das ist seit Jahrzehnten so. Auch bei den Rekrutenprüfungen im letzten Jahrhundert. Finnland Info 460, Einseitige Begabungen sind normal, 19


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