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Was motiviert zum politischen Engagement? Wolfgang Palaver.

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Präsentation zum Thema: "Was motiviert zum politischen Engagement? Wolfgang Palaver."—  Präsentation transkript:

1 Was motiviert zum politischen Engagement? Wolfgang Palaver

2 Mein (biographischer) Zugang Politisierung durch die Friedensbewegung gegen Rüstungswahnsinn; Pax Christi Begeisterung für politische Theologie Entdeckung der Kirche als andere Polis im Gegensatz zu konstantinischen Verschmelzungen von Thron / Partei und Altar, entdeckte ich die Kirche (n) als politische Kontrastgesellschaft (Yoder, Hauerwas) theologische Politik statt politische Theologie Der Schritt in die Lokalpolitik (2010) mein interreligiöses und interkulturelles Engagement führte mich vom Pfarrgemeinderat in den Gemeinderat von Jenbach

3 Motivation durch Visionen von einer besseren Welt religiös: Sehnsucht nach dem Reich Gottes wichtige Wurzel für Sozialismus … Utopie; Prinzip Hoffnung ( ; E. Bloch) politische Theologie, Theologie der Befreiung John Lennons Song Imagine (1971)Imagine Hymne der Friedensbewegung H.E. Richter mit J. Weizenbaum: politisches Engagement aus Sorge um die Welt die Rettung der Welt hängt von einer/einem jeder/jeden ab (in Gemeinschaft) Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen

4 John Lennon: Imagine a World With No Religion Imagine there's no heaven It's easy if you try No hell below us Above us only sky Imagine all the people living for today Imagine there's no countries It isn't hard to do Nothing to kill or die for And no religion too Imagine all the people Living life in peace You may say I'm a dreamer But I'm not the only one I hope someday you'll join us And the world will be one Imagine no possessions I wonder if you can No need for greed nor hunger A brotherhood of man Imagine all the people Sharing all the world You may say I'm a dreamer But I'm not the only one I hope someday you'll join us And the world will live as one

5 H.E. Richter: Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist. Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt, wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, d.h., die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen. Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr erlebt.

6 Stéphane Hessel: Empört Euch! S. Hessel (geb. 1917) französischer Widerstandskämpfer ruft zum Widerstand im Geist der Résistance auf; Erstaunen über die heutige Passivität; Tanz um das Goldene Kalb (Geld, Konkurrenz) gegen die sich immer weiter öffnende Schere zwischen ganz arm und ganz reich Menschenrechte und der Zustand unseres Planeten wider die Gleichgültigkeit; Aufruf an junge Menschen

7 andere Motive nicht übersehen … Macht (Ist Politik geil?) H. Kissinger: Macht ist das stärkste Aphrodisiakum. Geld (eine Form von Macht) aktuelle Lobbying-Affaire Berufspolitik (Beamte in Politik; Parteiwechsel um das Mandat zu erhalten; Monetarisierung der Lokalpolitik …)

8 Die Schattenseiten des Politischen sich auf die diabolischen Mächte des Politischen einlassen M. Weber, H. Plessner Freund-Feind-Unterscheidung Carl Schmitt; Dolf Sternbergers Kritik bleibt doch zu sehr an der Oberfläche die Feindschaft gegen Reagan (Bush …) motivierte die Friedensbewegung Kraft der Solidarisierung gegen gemeinsame Feinde (Sozialstaat; Entwicklungshilfe …)

9 Politik und Sündenböcke Politiker beherrschen die Logik des Sündenbocks oder fallen ihr selbst zum Opfer Könige sind verzögerte Sündenböcke Ödipus Kajaphas Canettis Machtfigur des Überlebenden opfert andere, um sich selbst zu erhalten

10 Politik und Opfer Moderne: Absage an das Opfer keine Sündenböcke mehr Kultur der Menschenrechte Absage an die Opferung kann die Hingabe, das Selbstopfer erfordern oft gibt es nur die Alternative zwischen Abschieben von Gewalt (Sündenbock) oder Ertragen von Gewalt (Hingabe) der gute Hirte (Joh 10) im Gegensatz zum Überlebenden S. Weil, Mahatma Gandhi

11 Vaclav Havel: Bereitschaft zum Lebensopfer ermöglicht ethische Politik J. Lennon: nothing to kill or die for S. Weil (1909–1943) Pazifismus vor 1939: verbrecherischer Irrtum Der Pazifismus kann nur dann Unheil anrichten, wenn er zwei Arten des Abscheus vermengt: den Abscheu vor dem Töten und den Abscheu vor dem Sterben. V. Havel; J. Patočka ( ); Charta 77 gegen lieber rot als tot Die Abwesenheit von Helden, die wissen wofür sie sterben, ist der erste Schritt zu den Leichenhaufen derer, die nur noch wie Vieh geschlachtet wurden. aber: kein politisches Projekt rechtfertigt einen einzigen unfreiwilligen Tod

12 Antipolitik: Perspektive der Opfer (G. Konrad) Antipolitik ist das Politisieren von Menschen, die keine Politiker werden und keinen Anteil an der Macht übernehmen wollen. Antipolitik betreibt das Zustandekommen von unabhängigen Instanzen gegenüber der politische Macht, Antipolitik ist eine Gegenmacht, die nicht an die Macht kommen kann und das auch nicht will. Die Antipolitik besitzt auch so schon und bereits jetzt Macht, nämlich aufgrund ihres moralisch-kulturellen Gewichts.... Antipolitik ist in anderen Dimensionen und anderen Gefilden tätig als die Regierung. Die Antipolitik ist weder Stütze noch Opposition der Regierung, sie ist anders. Antipolitik? Überprüfung der herrschenden politischen Philosophien, der ideologisch bestimmten Pseudorealpolitik, Verteidigung der Menschenrechte aus der Perspektive der möglichen Opfer.

13 Politisches Engagement lebt von außerpolitischen Quellen Politik bleibt auf Antipolitik verwiesen, will sie nicht ihren eigenen Versuchungen der Macht verfallen lebendige kirchliche Gemeinden als Gegenpol Johannes Paul II. als Vertreter der Antipolitik der Gegenpol der staatsfernen Gemeinschaften (Mennoniten, Bahai …) Zivilgesellschaft; Lebenswelt: nicht alles ist Politik, Politik darf nicht alles sein Habe ich ein antipolitisches Widerlager für mein politisches Engagement?

14 Mystik und Widerstand Religion – im weiten Sinn verstanden – ist für Widerstand wesentlich Gandhi: selbst Atheisten sind in ihrem Einsatz für moralische Grundsätze und für die Wahrheit ein Beleg für die religiöse Natur des Menschen (Wahrheit ist Gott) D. Sölle (Mystik und Widerstand, 1997); kritisiert Klerikalismus und vor allem auch die moderne Illusion eines religionsfreien Widerstandsreligionsfreien Warum Religion? Festhalten an Wahrheit und Liebe; Standpunkt außerhalb bloß vorherrschender Mehrheiten Bereitschaft, Leiden auf sich zu nehmen

15 Sölle über Widerstand und Religion Wenn es ein Grundirrtum des Klerikalismus ist, nur auf das Niederknien zu achten, so ist die moderne Illusion, den aufrechten Gang möglichst religionsfrei einzuüben, nicht viel besser dran. Die Abwesenheit des wahren Lebens verlangt nach Heil, nach Versöhnung, und jeder Traum vom guten Leben, jede Gestalt der utopischen Sehnsucht in den verschiedensten Kulturen ist religiös und zielt auf eine weitergehende Befreiung. Sie wird mit der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln ebenso wenig erfüllt wie mit der Errungenschaft freier Wahlen. Die Gefahr, Religion als das Opium des Volkes zu missbrauchen, scheint mir heute allerdings sehr viel kleiner als die andere, die Menschen der Sprache ihrer Sehnsucht und Ihrer Mystik entwöhnt und sie auf die Erfüllung materieller Bedürfnisse zusammenschrumpft.


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