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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche.

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Präsentation zum Thema: "Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche."—  Präsentation transkript:

1 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 1 Prof. Dr. Heiner Keupp Vortrag bei der Veranstaltung 4. Zukunftsraum von Kinder in die Mitte – Miteinander der Generationen Chancen für Kinder und Jugendliche am 29. April 2011 in Feldkirch

2 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 2 2 Quelle: Der SPIEGEL vom

3 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 3 3 Quelle: DIE ZEIT vom

4 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 4 4

5 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 5 5

6 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche Der Katastrophen-Guru: Dr. Michael Winterhoff

7 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 7 7

8 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 8 8 Was wollen wir unter gelungener Entwicklung verstehen? Wir stellen uns Heranwachsende vor, die sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln und ihren eigenen Weg finden konnten. Wir sehen Kinder und Jugendliche, die ihr Leben produktiv bewältigen können. Aber lässt sich die Frage nach gelingender Lebensbewältigung unab- hängig vom jeweiligen gesellschaftlichen Kontext beantworten? Wenn wir uns in der jungen Geschichte von Erziehungsberatung und psychol- ogischer Lebenshilfe umschauen, dann begegnen uns sich wandelnde Vorstellungen von gelingender Entwicklung oder gelingendem Leben und den dazu erforderlichen Ressourcen. Diese Vorstellungen sind Resul- tat eines historisch variablen Konstruktionsprozesses.

9 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 9 9 Kurze Einblicke in die Geschichte der Vor- stellungen gelingender Entwicklung

10 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 10 Bernhard Christoph Faust (1755 – 1842)

11 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 11 Einblicke in die Geschichte (1): Bedingung für ein seiner "Bestimmung gemäßes Lebens" sei "freye Selbstthätigkeit" und "beständige und leichte Uebungen des Körpers und der Sinne in Gesellschaft mit Kindern" (S. 24). Wie soll man die Lebenskompetenz von Heranwachsenden fördern? "Dass man die Kinder in Gesellschaft mit Kindern und in freyer Luft froh und selbsthätig seyn, und Körper und Seele üben lasse" (S. 25). Quelle: Faust, B.C. (1794). Gesundheits-Katechismus zum Gebrauch in den Schulen und beym häuslichen Unterrichte. Bückeburg: Johann Friedrich Althans.

12 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 12 Einblicke in die Geschichte (2): "Der Wille des Kindes muss ge- brochen werden, d.h. es muss lernen, nicht sich selbst, son- dern einem anderen zu folgen." Quelle: "Enzyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens" (1887).

13 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 13 Adolf Matthias ( )

14 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 14 Einblicke in die Geschichte (3): "Wer den rechten Gehorsam hat, hat eine treffliche Mitgift fürs Leben. Im Grunde ist auch Gehorsam ein Bedürfnis der Kindesnatur. Recht glücklich und zufrieden fühlt es sich erst dann, wenn diesem Bedürfnis Befriedigung ge- währt wird. Hast Du Deinen Benjamin erst an rechten und echten Gehorsam gewöhnt, hat Du diesen ihm zur anderen Natur gemacht, dann hast Du den besten und schwierigsten Teil der Erziehung hinter Dir. Du kannst ihn dann ruhig der Zukunft überlassen. Viel Sorge wird er Dir dann kaum noch machen." Quelle: Adolf Matthias (1911). Wie erziehe ich meinen Sohn Bejamin?

15 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 15 Adele Schreiber ( )

16 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 16 Einblicke in die Geschichte (4): "Die neue Erziehung lehnt die alte Unter- würfigkeit ab und den alten Gehorsam, den das Kind verpflichtet war gedan- kenlos zu üben." Quelle: Schreiber, Adele (Hg.): Das Reich des Kindes (1930).

17 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 17 Johanna Haarer (1900 – 1988)

18 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 18 Einblicke in die Geschichte (5): Johanna Haarers deutsche Erziehung: Vorüber sind die Zeiten, wo es erstes und oberstes Ziel aller Erzie- hung und Aufzucht war, nur die Eigenpersönlichkeit im Kind und Menschen zu vervollkommnen und zu fördern. Eins ist heute vor allem not, nämlich dass jeder junge Staatsbürger und Deutsche zum nützlichen Gliede der Volksgemeinschaft werde, dass er neben der höchst möglichen Entwicklung all seiner guten Anlagen und Fähig- keiten lerne, sich einzuordnen in eine Gemeinschaft und um ihret- willen eigene Wünsche und eigene Bestrebungen zurückzustellen." Quelle: Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind (1936).

19 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 19 Einblicke in die Geschichte (6) "Wie herrlich war es, Erziehungsberater sein zu dürfen, in einer Zeit, wo der Grundsatz galt: jedem Deutschen sein eigenes Erziehungsziel!" – "Mag auch die Fassung im Einzelfall verschieden sein und anders ausfallen, der Kern des Erziehungsziels ist immer der gleiche: Erziehung zur Volksgemeinschaft, Erziehung zum deutschen Menschen, der körperlich und seelisch ge- sund, geistig entwickelt, sittlich gefestigt, beruflich tüchtig, rassebewusst in Blut und Boden verwurzelt ist und sich Volk und Reich verbunden fühlt" (S. 20). Quelle: Otto Kersten (1941). Praxis der Erziehungsberatung. Ein Handbuch mit Bibliographie.

20 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 20 Einblicke in die Geschichte (7) "Das Hauptziel der Erziehungs- beratung liegt nicht in der Eliminierung der Spannungen und Konflikte, Gewissensre- gungen und Schuldgefühle, sondern in der Lebens- und Leidenskraft. Quelle: Heinz-Rolf Lückert (Hg.) (1964) Handbuch der Erziehungsberatung.

21 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 21 Das Aufwachsen in der Spätmoderne ist riskant geworden Kinder und Jugendliche wachsen in eine Gesellschaft hin- ein, die immer weniger als einbettende Kultur anzu- sehen ist, die Begleitschutz für das Erwachsenwerden bietet. Diese Gesellschaft ist hohem Maße in den Grund- fragen verunsichert, welche Lernerfahrungen und Kom- petenzen notwendig sind, um Lebenssouveränität zu erlangen.

22 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 22 Mehr Chancen für gesundes Aufwachsen Gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe BT-Drucksache 16/12860 Internet: d/16/128/ pdf oder

23 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 23 Bezugspunkt: Ottawa Charta der WHO "Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaf- fen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entschei- dungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensum- stände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die allen ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen."

24 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 24 Gesundheitsressourcen Gesundheitsförderung Salutogenese Gesundheitsrisiken Prävention Pathogenese Gesundheit Aktivitäten zur Verbesserung der Gesundheit

25 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 25 Aaron Antonovsky

26 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 26

27 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 27 Kohärenz ist das Gefühl, dass es Zusammenhang und Sinn im Leben gibt, dass das Leben nicht einem unbeeinflussbaren Schicksal unterworfen ist. Der Kohärenzsinn beschreibt eine geistige Haltung: Meine Welt erscheint mir verständlich, stimmig, geordnet; auch Pro- bleme und Belastungen, die ich erlebe, kann ich in einem größeren Zusammenhang sehen (Verstehbarkeit). Das Leben stellt mir Aufgaben, die ich lösen kann. Ich verfüge über Ressourcen, die ich zur Meisterung meines Lebens, meiner aktuellen Probleme mobilisieren kann (Handhabbarkeit). Für meine Lebensführung ist jede Anstrengung sinnvoll. Es gibt Ziele und Projekte, für die es sich zu engagieren lohnt (Bedeutsamkeit). Kohärenzfördernd sind die Widerstandsressourcen: Individuelle, soziale, gesellschaftliche und kulturelle Ressourcen.

28 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 28 Generalisierte Widerstandsressourcen Im Individuum: organisch-konstitutionelle Widerstandsressourcen, Intelli- genz, Bildung, Bewältigungsstrategien und Ich-Stärke, die nach Antonovsky eine der zentralen emotionalen Widerstandressourcen darstellt, als emotionale Sicherheit, als Selbstvertrauen und positives Selbstgefühl in Bezug auf die eigene Person. Im sozialen Nahraum: Zu den Widerstandsressourcen zählen aber auch wesentlich die sozialen Beziehungen zu anderen Menschen. Diese be- inhalten das Gefühl, sich zugehörig und verortet zu fühlen, Ver- trauen und Anerkennung durch für einen selbst bedeutsame Andere zu erfahren und durch die Beteiligung an zivilgesellschaftlichem En- gagement sich als selbstwirksam erleben zu können. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich Unterstützung und Hilfe von anderen Menschen zu holen und sich auf diese zu verlassen.

29 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 29 Generalisierte Widerstandsressourcen Auf gesellschaftlicher Ebene: Widerstandsressourcen entstehen durch die Erfahrung von Anerkennung über die Teilhabe an sinnvollen Formen von Tätigkeiten und ein bestimmtes Maß an Sicherheit, mit diesen seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können (Verfügbarkeit über Geld, Arbeit, Wohnung….). Auf der kulturellen Ebene: Widerstandsressourcen vermitteln auch der Zugang zu kulturellem Kapital im Sinne tragfähi- ger Wertorientierungen (bezogen aus philosophischen, poli- tischen, religiösen oder ästhetischen Quellen).

30 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 30 BegründerInnen des Befähigungs-(Capability)-Ansatzes: Amartya Sen und Martha C. Nussbaum

31 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 31 Unter Verwirklichungschancen (capabilities) versteht Amartya Sen die Möglichkeit von Menschen, bestimmte Dinge zu tun und über die Freiheit zu verfügen, ein von ihnen mit Gründen für erstrebenswert gehaltenes Leben zu führen. Amartya Sen (2000). Ökonomie für den Menschen

32 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 32 Verwirklichungschancen Die basalen Capabilities umfassen die Ausbildung von spezifi- schen körperlichen Konstitutionen, sensorischen Fähigkeiten, Denkvermögen und grundlegende Kulturtechniken, die Ver- meidung von unnötigem Schmerz, die Gewährleistung von Ge- sundheit, Ernährung und Schutz, die Möglichkeit und Fähigkeit zur Geselligkeit bzw. zu Bindungen zu anderen Menschen, an- deren Spezies und zur Natur, zu Genuss, zu sexueller Befriedi- gung, zu Mobilität und schließlich zu praktischer Vernunft und zur Ausbildung von Autonomie und Subjektivität. Quelle: Martha C. Nussbaum (1999). Gerechtigkeit oder Das gute Leben

33 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 33 Positive Jugendentwicklung: Gedeihen (Thriving) Die positive Entwicklung lässt sich allerdings nicht als ein naturge- steuertes Ablaufgeschehen begreifen, in dem sich eine innere Anlage entfaltet, sondern im Zentrum steht ein Modell von Entwicklung, das in einem transaktionalen Sinne als dynami- sches Austauschsystem zwischen den heranwachsenden Sub- jekten und den unterschiedlichen sozialen Systemen (wie Fami- lie, Schule, Peers, Nachbarschaft und Gesamtgesellschaft) ver- standen wird.

34 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 34 Quelle: Richard M. Lerner: Die 6 Cs der positiven Jugendentwicklung

35 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche Gesundheitsrelevante Entwicklungsthemen Unter 3-Jährige: Bindung und Autonomie 3- bis unter 6-Jährige: Sprechen, Bewegen und Achtsamkeit 6- bis unter 12-Jährige: Aneignen und Gestalten, Beziehungen eingehen und sich bewähren 12- bis unter 18-Jährige: Körper spüren, Grenzen suchen, Identität finden 18- bis 27-Jährige: Sich entscheiden, Intimität leben, Verantwortung übernehmen

36 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 36 Neue Morbidität Veränderung des Krankheitsspektrums: von akuten zu chronischen Erkrankungen und von somatischen zu psychischen Störungen Untermauert durch die aktuellen Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts.

37 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 37 Quelle: Robert-Koch-Institut: KIGGS Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Probleme (Ausprägung auffällig) der 3- bis 17-Jährigen (Prävalenzen in %). Quelle: Robert-Koch-Institut: KiGGS

38 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 38 Quelle: Robert-Koch-Institut: KIGGS

39 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 39 Heranwachsende aus sozial benachteiligten Familien bzw. mit Migra- tionshintergrund – auch sonst gesundheitlich benachteiligt: Sie sind motorisch weniger leistungsfähig sie ernähren sich ungesünder und bewegen sich weniger ihr Medienkonsum ist höher sie haben häufiger mehrere Gesundheitsprobleme und geringeres Wohlbefinden, sie verfügen über weniger persönliche, familiäre und soziale Ressourcen geschlechtsspezifische Differenzen ergeben sich verschärft sie zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten (ADHS; v.a. Jungen), sie haben häufiger psychische Probleme und Essstörungen (v.a. Mädchen). (Quelle: KiGGS-Daten; nach Angaben der Eltern und der Jugendlichen)

40 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 40 Befähigungsgerechtigkeit Heranwachsende brauchen die Chance, Zugang zu den Ressourcen gewinnen, die sie zu einer souveränen Handlungsbefähigung benötigen. Die institutionellen Angebote des Bildungs-, Sozial- und Gesundheits- ystems müssen Heranwachsende in ihrer Handlungsbefähigung syste- matisch unterstützen. Es sind professionelle Empowerment-Strategien zu entwickeln, die auf dieses Ziel ausgerichtet sind. Heranwachsende müssen über Partizipationsmöglichkeiten in ihren Selbstwirksamkeitserfahrungen gefördert werden. Solche Erfahrungen sind vor allem auch dann zu unterstützen, wenn die eigene Handlungsfähigkeit durch Behinderung eingeschränkt ist.

41 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 41 Besonderer Förderungsbedarf bei Aufwachsen in Armutslage Kindern und Jugendlichen mit Migrationshinter- grund Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen Kindern von psychisch, sucht- und chronisch erkrankten Eltern Traumatisierten Kindern und Jugendlichen

42 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 42 Empfehlungen Gesundheitsförderung in der frühen Kindheit durch ein integriertes System früher Förderung Frühe Hilfen müssen als umfassendes Unterstützungsangebot für Eltern von der Schwan- gerschaft über die Geburt bis zu den ersten Lebensmonaten/-jahren organisiert werden. Familienhebammen sind hier ein mögliches Angebot, allerdings bedürfen sie einer sozialdiagnostischen Qualifizierung. Am besten geeignet scheinen Early-excellence-Projekte, Kinder-Tages-Zentren (KiTZ), Haus für Familien, Mütter- und Familienzentren und Mehr-Generationen-Häuser, die sozialraumbezogen ausgerichtet sind und ein komplexes Angebot machen können. Frühe Hilfen dürfen nicht unter einer Kontrollperspektive wahrgenommen werden, sondern als abrufbare Assistenz und als Orte, an denen sich Familien treffen und austauschen und damit auch selbst organisieren können.

43 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 43 Empfehlungen Gesundheitsförderung im Schulalter Die steigenden gesundheitlichen Belastungen (Ernährungsprobleme, Überge- wicht, chronische Erkrankungen wie Allergien und psychosoziale Probleme wie ADHS) dürfen nicht medikalisiert werden. Weil in der Schule alle Kinder erreicht werden können, bedarf es einer verbes- serten Kooperation von gesundheitsförderlichen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe und der Schule durch den Ausbau der Schulsozialarbeit. Speziell in den Ganztagesangeboten ist die systematische Förderung von alters- spezifischen Gesundheitsthemen relevant. Förderung der Elternselbsthilfe (etwa durch Projekte wie Elterntalk)

44 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 44 Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM 2008 Erwerb von Methylphenidat (z.B. Ritalin) durch Apotheken

45 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 45 Quelle: DER SPIEGEL 34/2010, S. 132

46 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 46 Empfehlungen Gesundheitsförderung im Jugendalter Dringend erforderlich ist eine stärkere fachliche (und politische) Aufmerksam- keit für die gesundheitlichen Herausforderungen und Risiken des Jugendalters (vor allem psychosoziale Probleme wie Sucht, Essstörungen, Depressionen). Notwendig ist die Unterstützung bei der Erarbeitung realistischer und erreich- barer Lebensziele und der identitären Grenzziehung. Diese sind Voraussetzung für Gewinnung von Lebenskohärenz. Unterstützung ist vor allem bei der Bewältigung von Übergängen (z.B. Schule – Beruf) relevant. Jugendliche in ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen zu Erziehung bedürfen einer genügend intensiven, aber an ihre Lebenswelt anschlussfähige, nicht ausgrenzende und mit dem Gesundheitssystem vernetzte Hilfen.

47 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 47 Verwirklichungschancen 1. Urvertrauen zum Leben 2. Dialektik von Bezogenheit und Autonomie 3. Lebenskompetenz braucht einen Vorrat an Kohärenz 4. Schöpfung sozialer Ressourcen durch Netzwerkbildung 5. Materielles Kapital als Bedingung für Beziehungskapital 6. Demokratische Alltagskultur durch Partizipation 7. Selbstwirksamkeitserfahrungen durch Engagement

48 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 48 Verwirklichungs- chancen in und durch Familien

49 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 49 Familie als Beziehungsgemeinschaft Eine gute Beziehung ist eine von Gleichberechtigten, in der jeder Partner gleiche Rechte und Pflichten hat. In einer Beziehung respektiert jeder den anderen und wünscht sein Bestes. Die Be- ziehung beruht auf Kommunikation, daher ist das Verständnis für den Standpunkt des anderen von wesentlicher Bedeutung. Gespräch und Dialog sind die Grundlagen ihres Funktionierens. Beziehungen funktionieren dann am besten, wenn die Partner offen aufeinander zugehen – gegenseitiges Vertrauen muss man sich erarbeiten; man kann es nicht einfach als gegeben annehmen. Und schließlich ist eine gute Beziehung frei von willkürlicher Machtausübung, Zwang und Gewalt. Quelle: A. Giddens: Entfesselte Welt. Wie die Globalisierung unser Leben verändert (2001)

50 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 50 Demokratie der Gef ü hle in Familienbeziehungen Eine Demokratie der Gefühle erscheint mir für die Verbesserung unserer Lebensqualität ebenso wichtig wie die Existenz einer demokratischen Öffentlichkeit. Eltern-Kind-Beziehungen brauchen als Basis eine prinzipielle Gleichbe- rechtigung – was nicht im Widerspruch zur elterlichen Autorität steht. Disziplin und Respekt bedürfen der Grundlage einer vernünftigen Begründung. Demokratie bedeutet ebenso die Anerkennung von Pflichten wie von gesetzlich verankerten Rechten. Der Schutz der Kinder muß die erste Aufgabe von Gesetzgebung und Politik sein. Quelle: A. Giddens: Entfesselte Welt. Wie die Globalisierung unser Leben verändert (2001)

51 Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie « Verwirklichungschancen für Kinder und Jugendliche 51 Maßnahmen zur Herstellung von Befähigungsgerechtigkeit Gesundheitsförderung als fachlicher Standard in der Jugendwohlfahrt Ausrichtung der Fördermaßnahmen an den spezifischen Bedürfnissen Heranwachsender ausrichten (von der Anbieter zur Nutzerperspektive) Orientierung an lebenslaufspezifischen Entwicklungsthemen Frühe Förderung von Familien und Kindern nicht als soziale Kontrolle Hilfsangebote für Kinder chronisch und psychisch kranker Eltern verbessern Mehr Aufmerksamkeit für traumatisierte Kinder (Traumasensibilität) Verbindliche Netzwerke für die Kooperation von Jugendwohlfahrt, Gesund- heitssystem und Behindertenhilfe Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Schule Gezielte Unterstützung junger schwangeren Frauen ohne stabile Partnerschaft Die Verringerung ungleicher Gesundheitschancen als politische Zielvorgabe


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