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Geschichte der deutschen Lyrik vom 17. bis 21. Jahrhundert Prof. E. Geulen Neuere deutsche Literaturwissenschaft Sprechstunde: Dienstags 18-19.30 Uhr Modul.

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1 Geschichte der deutschen Lyrik vom 17. bis 21. Jahrhundert Prof. E. Geulen Neuere deutsche Literaturwissenschaft Sprechstunde: Dienstags Uhr Modul B3 Vorlesung 1 Einführung und 17. Jahrhundert I

2 Gegenstände der heutigen Vorlesung: 1.Allgemeine Einführung 2.Verbreitungsformen der Lyrik 3.Handwerkszeug der Lyrikanalyse 4.Das alltägliche Gedicht: Praktische Einübung ins Interpretieren anhand von zwei „Funden“ aus dem öffentlichen Raum 5.Gelegenheitslyrik vs. Erlebnislyrik 6.Grundzüge barocker Lyrik des 17. Jahrhunderts Teil I

3 ad 1) Gottfried Benn ( ) : Probleme der Lyrik, Rede in Marburg 1951 „Wenn Sie am Sonntagmorgen Ihre Zeitung aufschlagen, und manchmal sogar auch mitten in der Woche, finden Sie in einer Beilage meistens rechts oben oder links unten etwas, das durch gesperrten Druck und besondere Umrahmung auffällt. Es ist ein Gedicht. Es ist meistens kein langes Gedicht, und sein Thema nimmt die Fragen der Jahreszeit auf, im Herbst werden die Novembernebel in die Verse verwoben, im Frühling die Krokusse als Bringer des Lichts begrüßt, im Sommer die mohndurchschossene Wiese im Nacken besungen, zur Zeit der kirchlichen Feste werden Motive des Ritus und der Legenden in Reime gebracht –kurz, bei der Regelmäßigkeit, mit der sich dieser Vorgang abspielt, jahraus, jahrein, wöchentlich erwartbar und pünktlich, muß man annehmen, daß zu jeder Zeit eine ganze Reihe von Menschen in unserem Vaterland dasitzen und Gedichte machen, die sie an Zeitungen schicken, und die Zeitungen

4 ad 1) Gottfried Benn ( ) : Probleme der Lyrik, Rede in Marburg 1951 scheinen überzeugt zu sein, daß das Lesepublikum diese Gedichte wünscht, sonst würden die Blätter den Raum anders verwenden. Die Namen dieser Gedichthersteller sind meistens keine sehr bekannten Namen, sie verschwinden dann wieder aus den Feuilletons, und es wird so sein, wie mir Professor Ernst Robert Curtius, mit dem ich in freundschaftlichem Briefwechsel stehe, schrieb, als ich ihm einen seiner Studenten als recht begabt empfahl. Er schrieb: „Ach, diese jungen Leute, sie sind wie die Vögel, im Frühling singen sie, und im Sommer sind sie dann schon wieder still.“ Mit diesen Gedichten der Gelegenheit und der Jahreszeiten wollen wir uns nicht befassen, obschon es durchaus möglich ist, daß sich gelegentlich ein hübsches Poem darunter befindet. Aber ich gehe hiervon aus, weil dieser Vorgang einen kollektiven Hintergrund hat, die Öffentlichkeit lebt

5 ad 1) Gottfried Benn ( ) : Probleme der Lyrik, Rede in Marburg 1951 nämlich vielfach der Meinung: da ist eine Heidelandschaft oder ein Sonnenuntergang, und da steht ein junger Mann oder ein Fräulein, hat eine melancholische Stimmung und nun entsteht ein Gedicht. Nein, so entsteht kein Gedicht. Ein Gedicht entsteht überhaupt sehr selten – ein Gedicht wird gemacht. Wenn Sie vom Gereimten das Stimmungsmäßige abziehen, was dann übrigbleibt, wenn dann noch etwas übrigbleibt, das ist dann ein Gedicht.“

6 ad 2) Verbreitungsformen von Lyrik: die Zeitung der Gedichtzyklus (z.B. Rilkes “Duineser Elegien”, Heines “Deutschland ein Wintermärchen”) die Gedichtanthologie, z.B.: Der Musenalmanach im 18. Jahrhundert Kurt Pinthus (Hg.): Menschheitsdämmerung, 1919 (expressionistische Lyrik) Raoul Schrott (Hg.): Die Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten vier Jahrtausenden, 2003 die hundert beliebtesten Gedichte der Deutschen, 2004 Rudolph Borchardt (Hg.), Ewiger Vorrat deutscher Poesie, 1926 der Reader der Veranstaltung

7 ad 3) Handwerk der Lyrikproduktion und Lyrikanalyse 1. Prosodie ( Verslehre) / Metrik (die formalen Eigenschaften von Versen): kleinere Einheiten: Jambus (xX), Trochäus (Xx), Anapäst (xxX) Daktylus (Xxx) größere Einheiten: Pentameter, Hexameter Reimschemata (Paarreim, Schweifreim, umarmender Reim, Binnenreim) Strophenformen (Sonnett, Ode, Epigramm, freie Rhythmen) Literatur: Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Versschule; Alwin Binder et alia: Einführung in Metrik und Rhetorik

8 ad 3) Handwerk der Lyrikproduktion und Lyrikanalyse 2. Rhetorik (Lehre und Theorie der Rede): Aufbau der Rede: inventio (Erfindung), dispositio (Einteilung), elocutio (Ausarbeitung) Funktion der Rhetorik : persuadere (überzeugen), docere (belehren), delectare (erfreuen) Rhetorische Figuren: Aufzählung, Wiederholung, Antithese, Parallelismus, Chiasmus, Oxymoron Tropen: Metapher, Metonymie, Allegorie Literatur: Alwin Binder et alia: Einführung in Metrik und Rhetorik; Erich Lausberg: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft, 1960

9 ad 4) Das alltägliche Gedicht 1.Beispiel Leg alles still in Gottes Hände Den Schmerz, das Glück, Den Anfang und das Ende 2. Beispiel Der Tod ist groß. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.

10 Rainer Maria Rilke: „Schlußstück“ (in „Das Buch der Bilder“, 1906) Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns

11 ad 5) Gelegenheitsgedicht und Erlebnisgedicht (Lyrik als Gattungsbezeichnung erst seit dem 18. Jahrhundert, davor die einzelnen Gattungen durch Gelegenheiten, Anlässe und Themen bestimmt) Das Gelegenheitsgedicht (lat. Casualcarmen): das Begräbnisgedicht das Hochzeitsgedicht die Grabinschrift das Geburtstagsgedicht

12 ad 6) Lyrik des 17. Jahrhunderts (Barock): öffentlich-repräsentativ, rhetorisch, traditionalistisch, gelehrt Beginn volkssprachlicher Dichtung (Sprachgesellschaften) Martin Opitz, Das Buch von der deutschen Poeterey, 1624: Wortakzent und Versakzent müssen zusammenfallen, Füllungsfreiheit, Vermeidung von Fremdwörtern Lyrik ist öffentliches Sprechen (Rollenspiel) Traditionell an überkommenen Formen und Regeln ausgerichtet Ideal des poeta doctus (gelehrter Dichter) Reimlexika und Regelpoetiken (lat. praecepta und exempla) Interesse an den Möglichkeiten des Sprachmaterials: Echogedichte, Anagrammatik (Umstellen der Buchstaben zu einem neuen Wort) Stilideal der argutia (Spitzfindigkeit, Raffinesse) Emblematik (inscriptio, pictura, subscriptio) Thematisch: Spannung von Transzendenz und Immanenz (vanitas und carpe diem)

13 Für die nächste Sitzung vorzubereiten: Catharina von Greiffenberg, Reader Nr. 10 Paul Fleming, Gedancken über der Zeit, Reader Nr. 5 Hofmannswaldau, Reader Nr. 9 Kästner, Reader Nr. 24 Barthold Hinrich Brockes, Reader Nr. 13 Gellert, Die Biene und die Henne, Reader Nr. 23


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