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ETHIK IM JOURNALISMUS bzw. ETHIK DER INFORMATION Prof. Golser Fakultät für Informatik 2006.

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Präsentation zum Thema: "ETHIK IM JOURNALISMUS bzw. ETHIK DER INFORMATION Prof. Golser Fakultät für Informatik 2006."—  Präsentation transkript:

1 ETHIK IM JOURNALISMUS bzw. ETHIK DER INFORMATION Prof. Golser Fakultät für Informatik 2006

2 1. Einige Hinweise zum heutigen Ethos des Journalismus Mord bzw. Selbstmord von Uwe Barschel Erschossene Söhne von Saddam Hussein Scheckbuch-Journalismus Unglück von Vermicino bzw. Grubenunglück in Steiermark Dokumentar-Film über Euthanasie Medienberichte über Gerichtsakte Interview von Plankensteiner (Bronzemedaille m Rodeln)

3 Pluralismus von Meinungen empirische Erhebungen (Befragung von Journalisten) 1980/ /1992 zwei Möglichkeiten: - binnenpluralistisches Modell: jedes Medium beschreibt jede Nachricht so ausgewogen als möglich - außenpluralistisches Modell: jedes Medium vertritt eigenen Standpunkt, die Benutzer haben die Möglichkeit, noch andere Medien heranzuziehen – Problem: viele benutzen nur ein Medium

4 Objektivität Kriterium: Fakten sind zu unterschieden vom Kommentar - Comments are free, facts are sacred Jedoch: Viele Möglichkeiten, im Bericht über die Fakten den eigenen Standpunkt einfließen zu lassen: - bestimmte Nachrichten gar nicht bringen, - durch Überschrift eine bestimmte Färbung geben -,im Bericht selbst gewisse Aspekte hervorheben, die den eigenen Standpunkt unterstützen, andere herabspielen - man kann in den Bericht selbst eigene Urteile einfließen lassen

5 Objektivität Erhebung unter Journalisten 1981/2: 70% der britischen Befragten für die neutrale Berichterstattung, hingegen nur 32 % der deutschen Befragten Erhebung 1991/2 aus 4 Ländern: kontinentaleuropäische Journalisten lassen in der Auswahl und in der Berichterstattung viel stärker den subjektiven Standpunkt mit einfließen (bei den Deutschen in 16 von möglichen 24 Fällen, bei den Italienern in 13 von 24 Fällen, während bei den US- Amerikanern nur in 7 von 24 und bei den Briten sogar nur in 6 von 24 Fällen).

6 2. Prinzipien für eine Ethik des Journalismus Pluralismus von Meinungen – Kriterium für Demokratie Ausrichtung an der Wahrheit Gerechtigkeit Verantwortlichkeit

7 Prinzipien für eine Ethik des Journalismus Der deutsche Pressekodex hat folgende Grundsätze: Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde Gründliche und faire Recherche Klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen Achtung von Privatleben und Intimsphäre Vermeidung unangemessener und sensationeller Darstellung von Gewalt u. Brutalität

8 Pluralismus von Meinungen Ein Medienmonopol ist typisch für Diktaturen – bewirkt auf Dauer eine innere Distanz Ein Staat, der demokratisch bleiben will, muss durch entsprechende Regelungen es verhindern, dass die Medien in der Hand einiger weniger Personen bzw. wirtschaftlicher Unternehmen konzentriert werden

9 Pluralismus u. Demokratie J. Habermas: Öffentlichkeit bzw. öffentliche Diskussionen, durch die sich verschiedene Meinungen konfrontieren, sind eine Form, politische Herrschaft zu begrenzen und sie dem Anspruch der Vernünftigkeit zu unterwerfen Die Begriffe, Öffentlichkeit und öffentliche Meinung sind gerade im 18. Jahrhundert entstanden, als man dabei war, die vormals absolutistischen Staatsformen in demokratische umzubauen, als über die Zeitungen, die ebenfalls damals entstanden und sich verbreiteten, die Bürger in den verschiedenen Lesezirkeln und Debattierklubs am öffentlichen Leben teilnahmen und so die Macht kontrollierten

10 Pluralismus u. Demokratie Indem der liberale Kapitalismus sich aber zum organisierten Kapitalismus umgewandelt hatte, wurde die Öffentlichkeit zunehmend das Feld der Interessenskonkurrenz Nun gibt es nicht mehr die öffentliche Diskussion im Gesamten des Staates, sondern die entsprechenden Interessensgruppen oder Lobbies versuchen jetzt, die eigenen Positionen durchzusetzen, indem sie sich der plebiszitären Zustimmung der Masse versichern.

11 Pluralismus u. Demokratie Diskussion verlagert sich vom Staat als Ganzen auf die Parteien und Organisationen, in denen aber demokratische Formen der Meinungsbildung erhalten bleiben müssen Dabei sind die Machtverhältnisse ständig fließend. Die Medien stehen im Dienste dieser Meinungsbildung. Es wird Medien geben, die mehr parteigebunden sind, und andere, das ist die Mehrzahl, die vor allem bestimmten Wirtschaftskräften bzw. sozialen Organisationen nahestehen, auch wenn sie sich öffentlich als unabhängig erklären.

12 Pluralismus u. Demokratie Es darf nicht vergessen werden, dass die Medien selbst ja auch ein Wirtschaftsfaktor sind: sie müssen verkauft werden, sie finanzieren sich auch durch die Werbung, sie sind eingebunden in eine ökonomische Rationalität. Wenn die Journalisten nun zur Rechtfertigung anführen, dass sie aus Konkurrenzdruck dazu gezwungen werden, ethische Regeln zu missachten, denn nur so kommen sie beruflich voran und tragen sie dazu bei, dass ihr Medium sich gut verkaufen kann, dann darf die wirtschaftliche Betrachtungsweise nicht der einzige oder wichtigste Faktor für das Handeln sein. Die Ethik als Dienst an Allgemeinheit steht höher.

13 Pluralismus u. Demokratie Die Massenmedien können als die vierte Gewalt im Staat angesehen werden (neben der Legislative, der Exekutive und der unabhängigen Justiz). Während die drei klassischen Gewalten aber eine klare Kompetenzbeschreibung haben, stehen die Massenmedien gleichsam außerhalb, sie sind schwer kontrollierbar. Die Politik jedenfalls, aber auch die anderen großen Entscheidungen für die Gesellschaft müssen sich gleichsam in den Massenmedien inszenieren.

14 Pluralismus u. Demokratie Zusammenfassend: Öffentlichkeit oder öffentliche Meinung hat immer ein Doppelgesicht: zum einen ist sie im Zuge auch eines aufklärerischen Optimismus eine Möglichkeit, am Geschehen der Gesellschaft teilzunehmen, Macht zu begrenzen, steht sie also im Dienste der Demokratie. Auf der anderen Seite können die Massenmedien auch im Dienste von Manipulation und Verführung stehen (systematische Einsatz totalitärer Regimes, von Hitler angefangen bis zu den kommunistischen Staaten) und von Suggestion stehen, so dass die Menschen außengelenkt werden, auch im Dienste gewisser wirtschaftlicher Interessen.

15 Kriterium der Wahrheit Die Medientätigkeit ist zuerst einmal ein Kommunikationsgeschehen Deshalb muss der Oberbegriff für die ethische Bewertung dieser Tätigkeit immer die Ausrichtung an der Wahrheit sein Eine Kommunikation, die gänzlich von dem Bestreben, wahre Kommunikation sein zu wollen, absieht, untergräbt die Basis der Kommunikation selbst, so dass am Ende keine Kommunikation mehr da ist, sondern ausschließlich Manipulation der Menschen zu den eigenen Zwecken.

16 Kriterium der Wahrheit Mediale Manipulation ist nicht nur gegen die Menschenwürde gerichtet, sondern untergräbt auch alle anderen Grundfreiheiten, unter denen der demokratische Meinungsprozess und auch der freie Markt stehen. Am Ende würde es dann bloß zynische Gewaltherrschaft geben.

17 Kriterium der Wahrheit Das Postulat einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung bedeutet nicht, dass Nachrichten und Bilder, die von den Medien vermittelt werden, die objektive Realität nur widerspiegeln oder photographisch festhalten. Auch wenn die meisten Nachrichten richtig sind, zeichnen sie schon durch ihre Auswahl ein bestimmtes Bild von der Realität. Gerade in der Auswahl und in der Platzierung einer Nachricht (ob wichtig oder weniger wichtig) und dann selbstverständlich im Kommentar besteht vor allem die Subjektivität der Berichterstattung.

18 Kriterium der Wahrheit Voraussetzung: die rechte Kunst des Sehens, also eine Ethik der Wahrnehmung Geschichte: Eine Gruppe erster Semester begibt sich an einem kalten Oktobertag auf einen Motorradausflug. Einer will sich vor dem beißenden Wind schützen und zieht seinen Pullover verkehrtherum an, so dass der Hals bedeckt ist und der Ausschnitt hintern sitzt. In einer Kurve kommt das Motorrad auf dem Herbstlaub ins Schleudern und prallt gegen einen Baum. Der nächste Kommilitone stoppt und eilt zu Hilfe. Was er später der Polizei erzählt, lautet so: Als ich bei ihm war, lebt er noch. Ich nehme ihm den Helm ab und finde, dass sein Gesicht infolge des Aufpralls nach hinten verdreht ist. Da war keine Zeit zu verlieren. Ich setzte ihm mit einiger Anstrengung den Kopf zurecht, aber es war schon zu spät...

19 Wahrheit - rechte Kunst des Sehens Was heißt dies für die Medienwelt? Die vielfältigen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technisch- wissenschaftlichen Lebenszusammenhänge sind heute nicht mehr durchschaubar. Innerhalb von 24 Stunden erreichen täglich deutsche Nachrichtenredaktionen zwischen und Worte umfassende aktuelle Ereignismeldungen und Berichte. Daraus sollten die Journalisten eine Information machen. De facto müssen sie vereinfachen und produzieren so eine Art sekundäre Öffentlichkeit. Es gibt also kaum mehr genuine Erfahrungen, sondern nur medialisierte Ereignisse.

20 Wahrheit – sehen und auswählen Die Auswahl ist zuerst einmal von der persönlichen Erfahrung und von eigenen Interessen her gesteuert ist. Dies ist schon der Fall, wenn die Journalisten direkt am Tatort sind, erst recht, wenn sie selber aus der Flut der Ereignismeldungen auswählen sollen. Der Blick richtet sich dann auf die möglichen Rezipienten, indem gefragt wird, was dies interessiert. Hier schon tut sich eine große Palette von Manipulation auf. Dann ist es so, dass man vor allem die Neugier wecken will, denn man möchte ja, dass man gelesen wird, dass die Aufmerksamkeit geweckt. Aus dem Ereignis wird so eine Story gemacht.

21 Wahrheit – sehen, auswählen u. präsentieren Man greift zu stereotypen Klischees, weil dies der Vereinfachung hilft. Politische Nachrichten werden nach einem bestimmten Muster berichtet (Staatsbesuche, Parlamentsdebatten, Streit, Proteste, Demonstrationen usw.), genauso sportliche Ereignisse, kulturelle und religiöse Vorgänge usw. Man schafft so eine öffentliche Meinung. Es fällt da auf, dass zunehmend eine Personalisierung stattfindet, d.h. die Probleme werden an bestimmten Personen festgemacht, die USA an G.W. Bush, die Katholische Kirche am Papst usw. All das schafft dann eine Gewöhnung.

22 Wahrheit – sehen, auswählen u. präsentieren Das meiste, was auf der Welt passiert, berichten die Agenturen nicht. Das meiste, was die Agenturen berichten, wird nicht gedruckt und nicht gesendet. Das meiste, was gedruckt und gesendet wird, wird nicht gehört und nicht gelesen. Und das meiste, was gehört und gelesen wird, wird nicht verstanden. Es gibt einen Informationsmüll. Trotzdem glauben wir, informiert zu sein.

23 Wahrheit – sehen, auswählen u. präsentieren doppelseitige Selektivität in der Wahrnehmung der durch die Medien übermittelten Wirklichkeit (die Journalisten wählen unter den Nachrichten aus, der Nutzer wählt wiederum aus und ordnet es in eigenen Gesamtzusammenhang ein). Fazit: Die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung steht zwar in allen berufsethischen Kodizes der Journalisten, aber sie ist oft eine wirkungsschwache Leerformel.

24 Wahrheit – sehen, auswählen u. präsentieren Manche haben es aufgegeben, Wahrheit von der Berichterstattung zu verlangen, sondern sie begnügen sich mit dem Einhalten gewisser Spielregeln: Unterparteilichkeit, Fairness und Ausgewogenheit; wieder andere möchten den Anspruch der Wahrheit nicht aufgeben und sind überzeugt, dass es möglich sein muss, wenn auch schwierig, den Dingen auf den Grund zu gehen und sie in sorgfältiger Recherche und sachgerechter Kommentierung so aufzubereiten, dass die Einsichtsfähigkeit der Leser in komplexe Sachgerechtigkeit gestärkt wird.

25 Wahrheit im Journalismus - Beispiel Sentenza 23366/04 della III Sezione civile della Cassazione, depositata il 15 dicembre Per cui il cronista che si limita a riferire parole effettivamente dette dall'intervistato senza modificarle e senza esprimere commenti, non è detto che possa evitare la responsabilità civile per danni. Infatti, affinché possa parlarsi di legittima espressione del diritto di cronaca, sottolinea la III sezione civile della Cassazione, devono sussistere i seguenti elementi: "la verità (l'intervistato ha effettivamente esposto le affermazioni in questione); verità che non è rispettata quando, pur essendo vere le affermazioni riferite, ne siano, dolosamente o anche soltanto colposamente, taciute altre, idonee a mutare pesantemente il significato delle prime; ovvero quando, con il ricorso ad accostamenti suggestionanti di singole affermazioni dell'intervistato capziosamente scelte e/o a mutamenti dell'ordine di affermazione delle medesime, si pervenga ad una presentazione dell'intervista oggettivamene idonea a creare nella mente del elettore, od ascoltatore, una rappresentazione della realtà dell'intervista medesima falsa in tutto o in parte".

26 3. Kriterium: Gerechtigkeit Dazu gehört eben die Unparteilichkeit, auch der Respekt der Rechte der anderen, z.B. ihrer Intimsphäre, dazu gehört auch ein faires Verhalten gegenüber den eigenen Interview- Partnern und vor allem auch die Verantwortlichkeit für die Folgen zu beachten. All dies gilt für das Kommunikationsgeschehen im Gesamten der Gesellschaft.

27 3. Kriterium: Gerechtigkeit Eine Voraussetzung, um fair zu sein, wäre es, vor jedem Interview sich zu fragen: Was sind meine Interessen, was sind die Interessen des Menschen, den ich jetzt befrage? Es wäre auch korrekt, dass man vor der Publikation dem Interviewten den Text nochmals zuschickt, damit er ihn überprüfen kann – dies sollte der Interviewte auch immer verlangen. Problematisch ist es, wenn – wie es leider immer wieder geschieht, nicht nur wegen Zeitmangels – bloß telephonisch bestimmte Leute um ihre Meinung gefragt werden und dann ihre Äußerungen in einen Kontext gegeben werden, mit dem sie keineswegs einverstanden sein können..

28 3. Kriterium: Gerechtigkeit Das Gleiche geschieht bei Fernsehinterviews, wobei auf einem längeren Gespräch nur ganz bestimmte Aussagen herausgeschnitten werden, die in das Konzept hineinpassen, dass sich der/die Redakteur/in von der Sendung gemacht hat. Es wäre korrekt, wenn man die Interviewpartner auch über das Konzept der Sendung selbst informiert, in die dann aufgenommen werden.

29 3. Kriterium: Gerechtigkeit Die Gerechtigkeit in der Medien bezieht sich auch darauf, dass man bewusst Gerechtigkeitsprobleme aufgreift: Soziale Fragen im eigenen Land (auch wenn diese nicht im Interesse der Medieninhaber sind) Die großen Probleme der internationalen Gerechtigkeit Hintergrundrecherchen – vor allem auch zu verdrängten und ins Abseits geratenen Gebieten

30 Gesamtrahmen für Medienethik Speziell auf die heutigen Medien angewandt, müsste man drei große Ebenen unterscheiden: a) Die Individualethik für Journalisten - dies ist der Bereich, den wir uns hier besonders betrachtet haben. b) Die Ethik für die Rezipienten der Medien, hier wäre alles zu besprechen, was unter den Oberbegriff der Medienpädagogik fällt; c) Die Ethik für die Medienunternehmen.

31 Ethik für die Medienunternehmen Hier wäre eine ganze Wirtschaftsethik zu entfalten, also einzugehen auf die Fragen eines fairen Wettbewerbs, auf Regeln für die Werbung, auf den gesellschaftlichen Gesamtrahmen, in dem Medien tätig werden. Da Medien eine öffentliche Aufgabe für die Demokratie selbst zu erfüllen haben, ist es auch Aufgabe des Staates, einen entsprechenden gesetzgeberischen Rahmen zu schaffen, der Monopolbildungen im Medienbereich verhindert und der den Vorrang der freien Meinungsäußerung vor wirtschaftlichen Interessen garantiert. Das heißt auch, dass die innere Pressefreiheit gegeben ist, dass der Respekt vor der Gewissensfreiheit der einzelnen Journalisten gewährleistet wird.

32 Allgemein: Medienethik Es herrscht innerhalb der Medienethik eine Diskussion, ob im Grunde die Medien die Wirklichkeit erst erfinden, so eine Bild der Wirklichkeit konstruieren (Konstruktivismus – was nicht in den Medien vorkommt, existiert nicht, und es existiert nur so, wie es eben medial vermittelt ist) oder ob es nicht einen kommunikationswissenschaftlichen Realismus gibt, der daran festhält, dass es die Aufgaben der Medien ist, zuerst einmal über die Realität zu berichten, die sich wirklich ereignet hat, bei allem Bewusstsein, dass der Bericht immer dann auch über die Selektionsmechanismen von einer Portion Subjektivismus geprägt wird.

33 Individualethik für die Journalisten Die Prinzipien in berufsständischen Regelungen. Beispiele: Pressekodex des deutschen Presserats(letzte Fassung 2003), Codice deontologico emesso dal Consiglio Nazionale dellOrdine die giornalisti (1998), Prinzipien, die unter dem Patrozinium der UNESCO von internationalen Berufsorganisationen ( Journalisten vertreten), erstellt wurden. Eines aber sind diese berufsständischen Regelungen, die - wie es auch bei anderen Berufen vorkommt - von den im Beruf selbst Tätigen oft gar nicht gekannt werden, etwas anderes ist die konkrete alltägliche Realität, mit der sich ein Journalist herumschlagen muss.

34 Mögliche Sanktionen gegen Journalisten Beschwerdeanleitung des Deutschen Presserats: Wenn Sie der Ansicht sind, dass ein Artikel oder eine Abbildung gegen den Pressekodex verstoßen, senden Sie uns einen Brief, in dem Sie Ihre Beschwerde begründen. Der Presserat besitzt vier Sanktionsmöglichkeiten: die öffentliche Rüge (mit Abdruckverpflichtung) die nicht-öffentliche Rüge (auf Abdruck wird verzichtet, z.B. aus Gründen des Opferschutzes die Missbilligung den Hinweis Der Beschwerdeausschuss kann trotz begründeter Beschwerde auf eine Maßnahme verzichten, wenn das betroffene Presseorgan den Fall in Ordnung gebracht hat (z.B. durch den Abdruck eines Leserbriefes oder eine redaktionelle Richtigstellung).

35 Individualethik für die Journalisten Neben dem allgemeinen Regeln für Medienethik vor allem Professionalität verlangt. Zwar gibt es eine Staatsprüfung, damit man in das Album der Journalisten aufgenommen werden kann, aber die Professionalität muss man sich im Laufe der eigenen Tätigkeit erst erwerben, und sie macht sich auf lange Sicht auch im Berufsleben selbst bezahlbar.

36 Professionalität In unserer Provinz, wo es eben keine hoch spezialisierten Medien gibt, müssen die Journalisten sich über die verschiedensten Gebiete, von der Gentechnologie über Fragen der Wirtschaft zu Fragen der Ökologie, zum Sport usw. dokumentieren, um darüber zu schreiben bzw. eine Sendung zu machen. Dabei zeigt sich auch die Bedeutung, welche bestimmte Sektoren heute haben, so korrekte Berichte über Sport, während bei Berichten über religiöse und kirchliche Themen es nur so von Fehlern wimmelt.

37 Professionalität –Ernsthaftigkeit der Recherchen Es ist für ein Medium ungünstig, wenn man davon leben muss, jede Woche irgend welche Skandale oder politischen Hintergründe aufzudecken. Manchmal bringen gewisse Berichte, die auf einseitigen Prämissen aufgebaut sind, momentan wirtschaftliche Vorteile, aber auf die Dauer verliert das Medium an Prestige, wenn die Seriosität der Recherchen nicht gesichert ist.. Gerade der sogenannte investigatorische Journalismus erliegt leicht der Gefahr, aus den Fakten nur jene auszuwählen, welche dann zur Story passen, die man im Kopf hat.

38 Professionelle Kriterien von britischen Journalisten formuliert: Aktualität und Neuheit Bekanntheit und Nähe Konflikte und Unglücke: bad news are good news Normverletzungen Darstellungen von Personen Das Bizarre Quantitative Zahlenangaben

39 Professionelle Kriterien Von daher eine Reihe von Selektionsmechanismen: Alternative positive Meldungen, Hintergrundberichte haben es viel schwerer, in Medien aufgenommen werden, welche das breite Publikum ansprechen. Selbstverständlich gibt es daneben auch spezialisierte Medien, eine alternative Presse usw. Journalisten, besonders solche, die in ihren Beruf erst einsteigen und sich behaupten wollen, müssen sich mehr oder weniger an die oben genannten Regeln halten.

40 Professionelle Kriterien Journalisten wissen, dass der heutige Leser selten einen ganzen Artikel liest, sondern zuerst einmal die ersten 5-7 Zeilen - diese müssen schon so verfasst sein, dass die Aufmerksamkeit geweckt wird. Durch reißerische Überschriften wird versucht, die Neugier der Leser anzustacheln - diese Überschriften stammen selten vom Verfasser des Artikels, sondern von Redaktion. Immer mehr verlegt man sich auf die Bildersprache, und gerade hier sind die Manipulationsmöglichkeiten recht groß.

41 Kriterium der Gerechtigkeit Ein Journalist muss sich auch der Folgen bewusst sein, welche sein Beitrag auslöst (Kriterium der Gerechtigkeit): Folgen für einzelne Personen, denen dadurch berufliche, aber auch familiäre und soziale Nachteile erwachsen können, die sich so in ihrer Ehre verleumdet wissen, bis hin zu den Auswirkungen einer bestimmten Berichterstattung für Wirtschaft, Parteien, für den Staat als solchen (Beispiel: Vogelgrippe).

42 Kriterium der Gerechtigkeit Wenn durch eine bestimmte journalistische Praxis das Vertrauen in die staatlichen Organe ganz allgemein untergraben wird, wenn nichts mehr heilig ist - auch nicht mehr die Justiz, nicht mehr die Religion usw., dann ist dies äußerst gefährlich für ein freiheitliches und demokratisches Zusammenleben (Beispiel: Cartoons von Mohammed) Der Ruf und das Verlangen nach einem starken Mann, der endlich der Korruption ein Ende macht, kann gefährlich ansteigen und - wie die Erfahrung lehrt - langfristig verheerende Folgen haben.

43 Kriterium der Gerechtigkeit Selbstverständlich können dazu Journalisten bemerken, dass die Krise des Staates nicht ihre Schuld ist, dass sie nur ihrer Informationspflicht nachkommen, dass der Hinweis auf diese Verantwortlichkeiten sie überfordere. Es stellt sich hier sicherlich das ethische Problem: Welche Folgen habe ich zu verantworten und welche nicht? Gerade wer die Verantwortlichkeit für die Folgen überdreht[, kann den Effekt erzielen, dass dann die einen sich überhaupt nicht mehr engagieren wollen - nicht nur für die Politik, auch der Journalismus kann als schmutziges Geschäft angesehen werden - oder dass andere in einem gewissen Zynismus sich generell nicht mehr um die Folgen kümmern, wenn nur die Kasse stimmt.[

44 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 1. Zivilcourage: Um der verbreiteten Passivität des Medienkonsumenten entgegenzuwirken und um gerade so einen Kommunikationsprozess zu ermöglichen, wird der Journalist oft provozieren müssen, oft den Mut haben sollen, gegen die öffentliche Meinung der Mehrheit der Bevölkerung zu schreiben. Selbstverständlich könnte es dann sein, dass bestimmte Nummern beschlagnahmt werden oder dass man gar als Journalist die Stelle verliert.

45 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 2. Orientierung geben: Der durchschnittliche Medienkonsument findet sich überschwemmt von einer Vielzahl von Nachrichten, zwischen denen er oft keinen Zusammenhang herstellen kann. Der Journalist sollte sich deshalb bemühen, Hintergrundinformationen zu geben und Querverbindungen aufzuzeigen. Die Qualität der Nachricht hat so Vorrang vor der bloßen Quantität der Nachrichten.

46 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 3. Kontinuität: Die Tendenz, bloß brandneue und sensationelle Nachrichten zu bringen, erzeugt beim Konsumenten die verzerrte Auffassung von Diskontinuität in der Gesellschaft, als ob man immer wieder auf Unvorhergesehenes und noch nie Gewesenes gefasst sein müsste. Das erzeugt aber Angst und Unsicherheit. Der Journalist wird sich deshalb bemühen, auch aufzuzeigen, was trotz allem bleibt, er wird auch langfristige Entwicklungen beschreiben.

47 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 4. Im Dienste eines Grundkonsenses: Wenn immer nur von Konflikten und von Streit berichtet wird, kann der Eindruck entstehen, als ob nun alles zur Diskussion stehe, als ob es keinen tragenden Boden mehr gebe. Es wird deshalb nötig sein, von Zeit zu Zeit auch auf den Grundkonsens hinzuweisen, der in Bezug auf so viel Werte noch in unserer Gesellschaft vorhanden ist.

48 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 5. Die gute Nachricht: Angesichts des ungeschriebenen Gesetzes, dass vor allem schlechte Nachrichten die Menschen interessieren, entsteht besonders bei älteren Menschen die Meinung, es gehe nur mehr abwärts in unserer Welt. Es kann sich Resignation oder sogar Depression einstellen. Der verantwortliche Journalist wird sich deshalb bemühen, immer wieder auf das hinzuweisen, was trotz allem in unserem Leben gelingt, auf die vielen positiven Dinge, die keineswegs Selbstverständlichkeiten sind. Oft muss man eigens einen Event kreieren, z. B. eine Preisverleihung, um dann auch auf gute Leistungen hinweisen zu können.

49 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 6. Aufbauende Kritik: Der Journalist hat zwar die Aufgabe, Fehler in unserem System aufzuzeigen, manches in Frage zu stellen und immer wieder Kritik zu üben. Trotzdem wird es auch nötig sein, immer wieder darauf hinzuweisen, dass in der Wirtschaft, im Staatswesen, auch in der Kirche es so und so viel Menschen gibt, die jeden Tag ihre Pflicht erfüllen, die sich im Kleinen und im Großen auch vorbildlich einsetzen. Werthaltungen und auch das Interesse für den Einsatz werden nur geweckt durch entsprechende Vorbilder.

50 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 7. Respekt vor der Freiheit: Es gibt heute so viele Möglichkeiten, über die Medien die Menschen zu manipulieren und sie in ihren Entscheidungen zu beeinflussen. Unser Zusammenleben basiert aber zuerst auf dem Respekt vor der Freiheit und dem Gewissen der Menschen. Der Journalist muss bei den Möglichkeiten der Manipulation, die ihm in die Hand gegeben sind, dies immer wieder in Erinnerung behalten. Nicht einmal zum Guten darf man die Menschen zwingen oder manipulieren.

51 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 8. Subjektivität und Objektivität: Gewisse Medien, vor allem das Fernsehen, treten oft mit dem Anspruch des nur objektiven Berichts auf. Der Journalist sollte demgegenüber auch herausstellen, dass sein Zugang zu den Fakten immer ein subjektiver ist, dass er eben seine subjektive Meinung und Sicht bringt und so immer auch wieder der Korrektur unterworfen bleibt. Eine solche Haltung würde langfristig dem Prestige des Journalisten nur dienen.

52 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 9. Verantwortlichkeit: Jede vermittelte Nachricht hat auch ihre Auswirkungen. Wenn z.B. eine bestimmte Nachricht (z.B. Güterknappheit, oder Infektionsgefahr, Verletzung religiöser Gefühle) zu voraussehbaren negativen Reaktionen der Menschen führt, dann wird der Journalist sorgfältig abwägen, welchem Wert, dem der freien Information bzw. dem der Vermeidung sozialen Schadens, er den Vorrang einräumt. Dabei wird auch ein Zusammenwirken aller für das öffentliche Leben Verantwortlichen angezeigt sein.

53 10 Vorzugsregeln für einen guten Journalismus 10. Respekt vor der Intimsphäre: Es besteht teilweise sogar ein krankhaftes Interesse der Leser an Enthüllungsgeschichten, an der Mitteilung bislang verborgener Informationen auf den verschiedensten Ebenen. Der Journalist, der in den Besitz dieser Informationen kommt bzw. auch aus Karrieregründen sich diese zu verschaffen versucht, sollte folgende Regeln beachten: Der Schutz der Privatsphäre des Bürgers hat Vorrang vor dem Informationsbedürfnis. Das Gemeinwohl aber hat Vorrang, soweit zu seinem Schutz die Offenlegung eines Geheimnisses aus dem Privatleben wirklich nötig ist.

54 Wahrung der Intimsphäre -Beispiel Die Kammer 2 des Beschwerdeausschusses des Deutschen Presserats sprach auf ihrer Sitzung am eine öffentliche Rüge gegen die BILD- Zeitung aus. Die Zeitung hatte über den Suizid eines Polizisten berichtet. Dieser wurde durch ein Porträtfoto identifizierbar. Mit der Veröffentlichung des Bildes der Leiche ließ BILD die in Richtlinie 8.5 geforderte Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbsttötung vermissen. In Richtlinie 8.5 – Selbsttötung heißt es: Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.

55 Die Macht des Wortes - Vaclav Havel (1989): Das Wort kann wie ein Lichtstrahl aber auch wie ein vergifteter Pfeil sein und, was noch schlimmer ist, manchmal beides zugleich sein kann. Die Worte selbst können von guten sich in böse verwandeln, wie Sozialismus (für Havel nun praktisch ein Synonym für Gummiknüppel) oder Friede (vom Kommunismus missbraucht). Es ist dann immer so schwierig, diesen Worten den demütigen Sinn des Dienstes zum Wohle der Menschheit wieder zu geben. Nach Havel haben alle Bedrohungen der Welt, vom Atomkrieg bis zur totalen ökologischen Katastrophe, ihren letzten Ursprung in einer verderblichen Wandlung des Sinnes unserer Worte.

56 Journalist und sein Wort Ulrich Saxer, ein anderer großer Experte der Journalismus, hat das dem Journalisten anvertraute Wort mit einer Chimäre verglichen: vorne ist es ein Löwe (die Journalisten haben oft den Mut, sich mit den Mächtigen dieser Erde zu messen), in der Mitte ist es eine Ziege (oft wissen die Journalisten nichts anderes, als dauernd über jene Kleinigkeit zu meckern), im Hinterteil ist es aber eine Giftschlange (mit ihren Enthüllungen können die Journalisten manchem Mächtigen in die Ferse stechen und ihn zu Fall bringen).

57 Aufgaben für Studierende 1) Das Problem der sogenannten Ausschwitzlüge – die Bedeutung des Holocaust und die herunterspielenden Vergleiche damit – ein Bericht über politische Rechtsgruppen, aber auch über die besondere Sensibilität des jüdischen Volkes. Wie wird dies in den Medien dargestellt? 2) Die Frage der Lüge der Politiker – Unterschiede zwischen Aussagen im Wahlkampf und vor parlamentarischen Untersuchungskommissionen. Wie werden Beispiele davon in den Medien gehandhabt? 3) Die Berichterstattung über Gerichtsprozesse, z.B. über Fälle von Pädophilie


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