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Präsentation zum Thema: "albaTours Reisen-GmbH"—  Präsentation transkript:

1 albaTours Reisen-GmbH
Goethe in Rom albaTours Reisen-GmbH Majoranweg 5 70619 Stuttgart Tel – Fax 0711 – Dies ist die knappe Zusammenfassung einer ausführlichen Dokumentation über Rom mit mehreren tausend Fotos, Karten, Texten, Audioführungen und Tondokumenten, die jeder Reisegast von albaTours kostenlos erhält. Albatours ist Spezialveranstalter für anspruchsvolle Studienreisen. Da zur Reise die gute Vorbereitung gehört, haben wir zu jedem Ziel Studienordner und jetzt Präsentationen erstellt. Hinweis: Durch Anklicken der Schriftrolle wird der Kommentar zum Bild sichtbar. Die abgebildeten Monumente, Themen, Kunstwerke und Sehenswürdigkeiten stehen bei der Reise „Mit Goethe in Rom“ im Mittelpunkt

2 > Goethe – Denkmal im Park der Villa Borghese
Goethe und Rom „Ich zähle einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt, von dem Tage, da ich Rom betrat." (IR 3. Dezember 1786) > Goethe – Denkmal im Park der Villa Borghese

3 Johann Caspar Goethe (1710 – 1782)
»Seine Liebe für die italienische Sprache und alles, was sich auf jenes Land bezieht, war sehr ausgesprochen.« Dichtung und Wahrheit, 1. Teil, 1. Buch Die ersten Vorstellungen von Italien empfing Goethe im Elternhaus am Großen Hirschgraben in Frankfurt: Ansichten von Venedig, Rom, Neapel an den Wänden, eine Gemälde- und Kupferstichsammlung, das Modell einer venezianischen Gondel, Abgüsse vom Laokoon-Kopf, einer Niobe u.a., Marmor- und Gesteinsproben, Bücher, Landkarten, Altertümer, vom Vater im Jahre 1740 aus Italien mitgebracht, beschäftigen den kleinen Wolfgang; die italienische Sprache und Musik werden daheim gepflegt. Der Vater, Johann Caspar Goethe, Dr. jur., Kaiserlicher Rat, war 29jährig zu einer Kavalierstour von acht Monaten nach Mailand, Venedig, Rom, Neapel, Genua aufgebrochen, von wo er nach Paris weiterreiste. Jahrzehntelang arbeitete er an einer Niederschrift seiner in italienischer Sprache abgefassten Reisenotizen mit Hilfe des italienischen Sprachmeisters D.A. Giovinazzi, eines abgesprungenen Dominikaners, der im Hause Goethe Italienischunterricht erteilte. Die lebhafte Phantasie seines Sohnes mit Schilderungen aus dem Süden zu beflügeln, wird der sonst einsilbige Vater Goethe nicht müde; er preist eine Fahrt dahin als Heilmittel für viele Übel.

4 Die Stiche von Piranesi
Von Rom der Vater die Kupferstiche im Stil Piranesis mitgebracht und auf dem Kaminsims aufgestellt, so dass Johann Wolfgang schon seit Kindesbeinen an mit Rom vertraut war, das er aber in einer idealisierten Form sah. In Dichtung und Wahrheit schreibt er: Innerhalb des Hauses zog meinen Blick am meisten eine Reihe römischer Prospekte auf sich, mit welchen der Vater einen Vorsaal ausgeschmückt hatte, gestochen von einigen geschickten Vorgängern des Piranesi, die sich auf Architektur und Perspektive wohl verstanden. [...] Hier sah ich täglich die Piazza del Popolo, das Palais, den Petersplatz, die Peterskirche von außen und innen, die Engelsburg und so manches andere. Diese Gestalten drückten sich tief bei mir ein. Johann Wolfgang Goethe: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche [‘Frankfurter Ausgabe’], 40 Bde.,

5 Die Flucht aus Karlsbad
Seit Ende Juli 1786 hielt sich Goethe, begleitet von Charlotte von Stein, dem Ehepaar Herder, dem Herzog Carl August und weiteren Mitgliedern der Weimarer Hofgesellschaft, zur Kur in Karlsbad auf, wo er am 28. August seinen 37. Geburtstag im engsten Freundeskreis feierte. Wenige Tage später brach er von dort heimlich nach Italien auf: ,,d. 3 Sept. früh 3 Uhr stahl ich mich aus dem Carlsbad weg, man hätte mich sonst nicht fortgelassen” - so beginnt sein für Frau von Stein bestimmtes Reisetagebuch. Die Vorbereitungen zu dieser fluchtartig angetretenen Reise hat Goethe in aller Heimlichkeit getroffen; zu sehr war er von der Furcht beherrscht, dieser langgehegte Plan könnte durch vorzeitige Verlautbarungen zunichte gemacht werden. ,,Hätte ich nicht den Entschluss gefasst, den ich jetzt ausführe, so wär ich rein zugrunde gegangen, schrieb er am 12. Oktober, und zwei Wochen später: ,,Ich habe nichts gewollt, als das Land sehen, auf welche Kosten es sei, und wenn sie mich auf Ixions Rad nach Rom schleppen, so will ich mich nicht beklagen.” Nur sein Diener Philipp Seidel war in die Pläne eingeweiht; er allein kannte Goethes Reiseziel sowie den Namen, unter dem der berühmte Dichter reisen wollte: „Kaufmann Jean Philippe Möller aus Leipzig. Den Weimarer Freunden gegenüber hatte er kein einziges Wort über sein Vorhaben verlauten lassen. Für Charlotte von Stein, Goethes langjährige engste Vertraute in Weimar, war sein heimlicher Aufbruch nach Italien ein böser Schock, ja eine persönliche Kränkung. Seinen Dienstherrn, Herzog Carl August, hatte der Weimarer Minister lediglich kurz vor seinem Aufbruch schriftlich um unbefristeten Urlaub gebeten, seine wahren Reiseabsichten aber nicht offengelegt. Von dieser Reise nach Italien, der weitesten, längsten und folgenreichsten seines Lebens, sollte Goethe erst fast zwei Jahre später wieder nach Weimar zurückkehren. Goethes Aufbruch nach dem Sehnsuchtsland Italien war aber vor allem auch ein Ausbruch aus seinen bisherigen Lebensverhältnissen, eine Flucht vor den unzähligen dienstlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Verpflichtungen, die ihm das Leben in Weimar zunehmend erschwert hatten. Der Dichter war 1775 mit großen Erwartungen an den Hof Herzog Carl Augusts gekommen, jetzt nach zehn Jahren Regierungsalltag im kleinen, verarmten Herzogtum jedoch ernüchtert und aller Illusionen über die Möglichkeit seiner Reformbemühungen beraubt. Seine umfangreiche amtliche Tätigkeit ließ ihm immer weniger Zeit für sein eigentliches, sein künstlerisches Schaffen. Vor Weimar hatte Goethe den Götz, den Clavigo, den Werther in kürzester Zeit geschrieben, in den zehn Weimarer Jahren hingegen fast nur Bruchstückhaftes zustande gebracht. Ein weiterer persönlicher Grund kam hinzu: Goethes unglückliche und sich zunehmend zwanghaft gestaltende Beziehung zu Frau von Stein. Der intensive geistige Austausch mit der verheirateten, sieben Jahre älteren, kränklich-zarten Charlotte von Stein war für den von Verpflichtungen geplagten Goethe lange Zeit nicht nur willkommene Ablenkung, sondern wichtigster Rückhalt gewesen. Immer mehr aber empfand er dieses platonische Verhältnis mit seiner übersteigerten Innerlichkeit und dem Verzicht auf sexuelle Erfüllung nur noch als Qual. ,,Ach liebe Lotte, - so schrieb Goethe am aus Rom - ,,du weißt nicht welche Gewalt ich mir angetan habe und antue und dass der Gedanke dich nicht zu besitzen mich doch im Grunde, ich mags nehmen und stellen und legen wie ich will aufreibt und auf zehrt. Der 37jährige steckte in einer tiefen Lebenskrise. Geplagt von Zweifeln an sich und seiner eigentlichen Bestimmung, hoffte er, durch eine radikale Veränderung seiner Lebensumstände den Sinn seiner eigenen Existenz erkennen und ,,wieder geboren” zurückkehren zu können. Herder Karl-August Charlotte von Stein

6 Die Reiseroute von Karlsbad nach Rom 1786
So macht sich Goethe im Herbst 1786 auf den beschwerlichen, rund Kilometer langen Weg nach Rom, wo er unter dem Inkognito eines Kaufmanns Möller wohnte. Das Inkognito und der Verzicht auf Reisebegleitung gewähren dem berühmten Deutschen den ersehnten Freiraum. Im Reisegepäck führt Goethe den ,,Volkmann”, den wichtigsten Italienreiseführer der Deutschen im 18. Jahrhundert. Seine Route führt ihn zunächst über den Brenner zum Gardasee, über Verona und Vicenza nach Venedig. Von Venedig geht die Fahrt weiter über Ferrara, Bologna, Florenz, Perugia und Assisi nach Rom. Damit folgt Goethe der Route, die schon sein Vater und die vor ihm die englischen Adeligen eingeschlagen hatten.

7 Rom, das Ziel Verona Venedig Gardasee
Rom - der Knabe träumt von der Stadt, deren berühmte Ansichten er täglich vor sich hat, der humanistisch gebildete Jüngling sehnt sich nach dem ehrwürdigen Boden der Kultur, der Mann erlebt dort glückliche Stunden; der Achtzigjährige bekennt rückblickend, in Rom habe sich die Grundlage seines späteren Lebens befestigt. Ob Italien, Antike, Griechenland, Homer, Schönheit, Freiheit, Größe, immer beginnen und enden diese Vorstellungen, Sehnsüchte und Wünsche bei Rom. Als er sich endlich auf den Weg macht, hält er bis unter die Porta del Popolo das Ziel geheim, in abergläubischer Angst, die leiseste Mitwisserschaft könnte noch zuletzt die Erfüllung dieses Lebenswunsches gefährden. Absichtlich werden in Venedig die ersten Stücke des Tagebuches in eine Kiste gepackt, damit sie auf langsameren Wegen als die Post die Heimat erreichen und das Geheimnis nicht vor seiner Ankunft in Rom preisgeben. Unterwegs bleibt links und rechts vieles liegen, nur um den einen Gedanken auszuführen, der fast schon zu alt für seine Seele geworden ist. Die Stationen sind sich selbst abgerungene Verzögerungen vor dem großen Moment: der Ankunft. Ob Bozen, Trient, Verona, Venedig, immer bleibt sein Blick auf Rom gerichtet und wenn er seiner Ungeduld folgte, er sähe auf dem Wege nichts und eilte nur geradeaus. In Bologna beruhigt er sich mit dem Entschluß, Florenz zu durcheilen; in Cittä Castellana verbringt er die letzte Nacht angekleidet, um nur ja nicht die Abfahrt zu versäumen, und bricht noch vor Tagesanbruch auf. „Morgen abend also in Rom! Ich glaube es jetzt kaum, und wenn dieser Wunsch erfüllt ist, was soll ich mir nachher wünschen?" (IR 28. Oktober 1786) Linkd das Goethe-Standbild in Malcesine, wo er als Spion verhaftet wurde. Gardasee

8 Der Eingang in die Ewige Stadt
Piazza del Popolo Christina von Schweden Die Grand Tour war eine kulturelle Pilgerfahrt und Rom war das eigentlich Ziel einer langer und mühsamen Wegstrecke. Jeder der die Erlebnisse der Kavaliersreise in Worte fasste, versuchte die Beschreibung des Betretens der Ewigen Stadt zu einer literarischen Glanzleistung werden zu lassen. So schrieb Edward Gibbon: “Selbst nach 25 Jahren kann ich die bewegenden Gefühle vergessen oder gar in Worte fassen, die mich überkamen, als ich mich der Ewigen Stadt näherte. Dabei betraten alle Reisenden aus dem Norden die Stadt an der Piazza del Popolo. Dabei durchschritt man die Piazza del Popolo, die ein Chigi-Papst anlässlich des Besuchs von Christina von Schweden von Bernini hatte erbauen lassen (Bild oben links). Christina von Schweden, Tochter von Gustav Adolf war zum Katholizismus übergetreten. Dies war der größte propagandistische Erfolg der Gegenreformation Der Eingang in die Ewige Stadt

9 Piazza del Popolo Am 29. Oktober 1786 kann Goethe - nach 56 Reisetagen - das Ziel seiner „unterirdischen" Fahrt mitteilen: „ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt." Aufatmend hält der Wanderer einen Augenblick still und blickt zurück. „Über das Tiroler Gebirg bin ich gleichsam hinweggeflogen... Die Begierde, nach Rom zu kommen war so groß, wuchs so sehr mit jedem Augenblicke, dass kein Bleiben mehr war und ich mich nur drei Stunden in Florenz aufhielt. Nun bin ich hier und ruhig, und wie es scheint, auf mein ganzes Leben beruhigt. Denn es geht, man darf wohl sagen, ein neues Leben an, wenn man das Ganze mit Augen sieht, das man teilweise in- und auswendig kennt. Alle Träume meiner Jugend sehe ich nun lebendig..." Endlich kann ich den Mund auftun und meine Freunde mit Frohsinn begrüßen. Verziehen sei mir das Geheimnis und die gleichsam unterirdische Reise hierher. Kaum wagte ich mir selbst zu sagen, wohin ich ging, selbst unterwegs fürchtete ich noch, und nur unter der Porta del Popolo war ich mir gewiss, Rom zu haben. Und laßt mich nun auch sagen, dass ich tausendmal, ja beständig eurer gedenke in der Nähe der Gegenstände, die ich allein zu sehen niemals glaubte. Nur da ich jedermann mit Leib und Seele in norden gefesselt, alle Anmutung nach diesen Gegenden verschwunden sah, konnte ich mich entschließen, einen langen, einsamen Weg zu machen und den Mittelpunkt zu suchen, nach dem mich ein unwiderstehliches Bedürfnis hinzog. Ja, die letzten Jahre wurde es eine art von Krankheit, von der mich nur der Anblick und die Gegenwart heilen konnte. Jetzt darf ich es gestehen; zuletzt durft' ich kein lateinisch Buch mehr ansehen, keine Zeichnung einer italienischen Gegend. Die Begierde, dieses Land zu sehen, war überreif: da sie befriedigt ist, werden mir Freunde und Vaterland erst wieder recht aus dem Grunde lieb und die Rückkehr wünschenswert, ja um desto wünschenswerter, da ich mit Sicherheit empfinde, dass ich so viele schätze nicht zu eignem Besitz und Privatgebrauch mitbringe, sondern dass sie mir und andern durchs ganze leben zur Leitung und Fördernis dienen sollen. (IR 1. November 1786)

10 Erste Eindrücke Nach der Ankunft am 29. Oktober 1786 hält kann der Wanderer aufatmend einen Augenblick still. Goethe geht nun auf Erkundigung. Das Aquarell von Louis Ducros ( ) zeigt das Innere des Colosseums. Bis 1780, als Papst Benedikt XIV die Arena dem Gedächtnis der christlichen Martyrer weihte, war die Anlage völlig zugewachsen, was dem Amphitheater ein besonderes romantisches Aussehen verlieh. Die Reinigung der Anlage und die Einrichtung eines Kreuzwegs missfiel sehr den Reisenden aus dem Norden. Der Engländer William Beckford hätte am liebsten die ganzen kirchliche Anbauten zusammengeschlagen und fragte sich empört: „Hätte sich Vespasian je vorstellen können, dass so Bau so zuschanden kommt?“ Ducros zeigt eine Gruppe eleganter Besucher des Colosseums; die Frau gibt einer Bettlerfamilie ein Almosen, während ihr männlicher Begleiter die großartige Architektur bewundert. Im Hintergrund eine Gruppe von Pilgern, die an einer religiösen Zeremonie teilnehmen. Papst Benedikt bestimmt, dass es für den Besuch des Colosseums einen vollkommenen Ablass gibt.

11 Denkt an mich als einen Glücklichen..
Staunend wandert er durch die Reste eines Riesenzeitalters unter freiem Himmel: Ja, Rom ist der Ort, wo sich das gesamte Altertum vereinigt und wie Homer sich nicht mit anderen Dichtern, so läßt sich Rom mit keiner anderen Stadt, römische Gegend mit keiner anderen Gegend vergleichen. Hohe Sonne, du weilst und du beschauest dein Rom! Größeres sahest du nicht und wirst nichts Größeres sehen, Wie es dein Priester Horaz in der Entzückung versprach. (Römische Elegien XV) Hier fühlt er sich zuhause, hier war er eigentlich schon immer zuhause. Goethe beginnt, sich Rom anzueignen: „Ich bin den ganzen Tag in einem Gespräch mit den Dingen..." Die Identitätskrise von 1786 ist überwunden. Nicht nur die Welt der Antike und der Renaissance lernt er kennen, auch sich selbst: „Ob ich gleich noch immer derselbe bin, so meine ich, bis aufs innerste Knochenmark verändert zu sein... Die Wiedergeburt, die mich von innen heraus umarbeitet, wirkt immer fort." (An Frau v. Stein, 20. Dezember 1786) Wie er früher Steine, Kräuter, Tiere betrachtete, so richtet er jetzt seine Aufmerksamkeit auf die Baumeister, Bildhauer und Maler, um sich in ihnen selbst zu finden. Von früh bis spät ist er unermüdlich auf den Beinen, um anzuschauen und mit der neuen Welt vertraut zu werden. Die großen Werke werden ein zweites und drittes Mal betrachtet und eingeordnet, die richtige Beurteilung und Einstufung aller anderen ergibt sich dann von selbst. Seine „Liebschaften" reinigen und entscheiden sich, von einigen werden Abgüsse angefertigt, um sie stets um sich zu haben. So gewinnt er die Klarheit, dem Großen und Echten mit gelassener Teilnahme entgegenzutreten. Nach knapp vier Monaten sind Herz und Gemüt übervoll und von erhabenen Eindrücken gesättigt. Goethe vollendet die 'Iphigenie' und gewinnt „Vorrat auf Jahre lang auszubilden, zu completieren." Die Dinge, nach denen er Jahre, ja Jahrzehnte Ausschau gehalten, erlebte er wie neu; seine gesteigerte Erwartung wurde durch die Erfüllung nicht enttäuscht. Goethe vermochte das glänzende Fest zu feiern, auf das er sich so lange gefreut hatte, ohne den Snobismus des gebildeten Mannes, der unbefangenen Freuden im Wege steht. Er kontrollierte nicht seine Vorstellungen und Kenntnisse - er fand Schätze, fand Leben, Ahnungen, Hoffnungen, Träume bestätigt: ein glücklicher Mensch, Goethe in Rom. „Es ist nur ein Rom in der Welt, und ich befinde mich hier wie der Fisch im Wasser... Wenn Ihr mein gedenkt, so denkt an mich als an einen Glücklichen." (IR Ende Juni 1787). Auch dieses Aquarell stammt von Louis Ducros und zeigt den Konstantinsbogen. Der Konstantinsbogen wurde nach dem Sieg Kaiser Konstantins über seinen Rivalen Maxentius im Jahre 312 errichtet. Er gehört zu den am meisten gemalten Motiven der Ewigen Stadt. Zu Goethes Zeit war der untere Teil des Monuments immer noch von Erde bedeckt. Erst ließ Pius VII den Bogen ausgraben und zum ursprünglichen Bodenniveau freilegen.

12 Die Wohnung Goethes erster römischer Aufenthalt währte vom 29. Oktober 1786 bis zum 22. Februar Die erste Nacht in Rom verbrachte er in der Locanda dell'Orso, am Tag darauf zog er zu dem Maler Tischbein in der Via del Corso 10. Die Wirtsleute sorgen für die Künstler wie für ihre Kinder. „Er begehrte von mir ein klein Stübchen, worin er schlafen und ungehindert arbeiten könnte, und ein ganz einfaches Essen. Da sitzet er nun jetzo und arbeitet des Morgens, um seine Iphigenie fertig zu machen, bis um 9 Uhr, dann gehet er aus und sieht die großen hiesigen Kunstwerke... Er lässt sich wenig von den großen Weltmenschen stören, gibt und nimmt keinen Besuch an außer von Künstlern", berichtet Tischbein am 9. Dezember 1786 an Lavater. Sparsam verbraucht Goethe in den 20 Monaten in Italien nur den Erlös seiner Bücher und sein Gehalt, das ungekürzt weiter bezahlt wird. Inkognito, ohne Personal, nach 15 Jahren zum erstenmal wieder frei, unabhängig und beneidenswert gesund, fühlt er eine gesteigerte Kreativität: die „Signatur der Schönheit" als Bilder- und Erlebniswelt, als Bildung ohne gelehrten Apparat. Hartnäckig verschanzt er sich hinter seinem Decknamen, er reist als Johann Philipp Möller und ist als Filippo Möller im Bevölkerungsregister Roms eingetragen. Einladungen und Versuche, ihn vor die Öffentlichkeit zu bringen, lehnt er beharrlich ab, denn nur in der Stille und Ordnung kann er wachsen und die gestellten Aufgaben erfüllen. „Ich scheue mich vor den Herren und Damen wie vor einer bösen Krankheit, es wird mir schon weh, wenn ich sie fahren sehe." Heute ist in Goethes Wohnung ein Museum eingerichtet.

13 Ausstellung in der Casa di Goethe
Goethe lebte in der Casa Moscatelli mit drei Künstlern zusammen. Sein Zimmer befand sich in der Wohnung Tischbeins im ersten Obergeschoss. Tischbein bewohnte hauptsächlich den Saal, in dem er sich ein Studio einrichtete. Dieser Raum umfasste 64,8 m2. Das Zimmer Goethes lag fast genau neben dem Studio. Zwischen den beiden Räumen lag nur noch eine Treppe und zwei Türen. Im Gegensatz zu Tischbeins Studio war Goethes Zimmer, das vor seiner Ankunft als Gästezimmer diente, nur 22,95 m2 groß. Trotzdem gefiel ihm sein neues Heim sehr gut. Für mich ist es ein Glück, dass Tischbein ein schönes Quartier hat, wo er mit noch einigen Malern lebt. Ich wohne bey ihm und bin in ihre eingerichtete Haushaltung mit eingetreten, wodurch ich Ruh und häuslichen Frieden in einem fremden Land genieße. Goethe suchte dort Ruhe, Konzentration und eine intime und lehrreiche Hausgemeinschaft, die er auch fand. Das Bild von Tischbein zeigt Goethe am Fenster seiner Wohnung. Ausstellung in der Casa di Goethe

14 Goethe am Fenster seiner Wohnung
Goethe lebte in der Casa Moscatelli mit drei Künstlern zusammen. Sein Zimmer befand sich in der Wohnung Tischbeins im ersten Obergeschoss. Tischbein bewohnte hauptsächlich den Saal, in dem er sich ein Studio einrichtete. Dieser Raum umfasste 64,8 m2. Das Zimmer Goethes lag fast genau neben dem Studio. Zwischen den beiden Räumen lag nur noch eine Treppe und zwei Türen. Im Gegensatz zu Tischbeins Studio war Goethes Zimmer, das vor seiner Ankunft als Gästezimmer diente, nur 22,95 m2 groß. Trotzdem gefiel ihm sein neues Heim sehr gut. Für mich ist es ein Glück, dass Tischbein ein schönes Quartier hat, wo er mit noch einigen Malern lebt. Ich wohne bey ihm und bin in ihre eingerichtete Haushaltung mit eingetreten, wodurch ich Ruh und häuslichen Frieden in einem fremden Land genieße. Goethe suchte dort Ruhe, Konzentration und eine intime und lehrreiche Hausgemeinschaft, die er auch fand. Das Bild von Tischbein zeigt Goethe am Fenster seiner Wohnung.

15 In der Künstlerkolonie
Ölgemälde von George Dance (1780) Morgenvergnügen vor dem Ausflug nach Tivoli. Vielleicht ging es in Goethes Künstlerkolonie ähnlich zu wie bei diesen englischen Malern in Roms Künstlerviertel am Corso. Beide Männer im Bett trinken aus Bechern, auf denen PUNCH geschrieben steht. Die Schrift sagt: `Will vou have any Punch this morning? because if you will, you had better order some, from one of the figures in bed.’ 'Come its time to set off for Tivoli' antwortet der stehende Mann. 1759 reiste George Dance zu seinem Bruder Nathaniel in Florenz; zusammen fuhren sie nach Rom, um Kunst und Architektur zu studieren. George Dance erstellte nach dem Tod seines Bruders ein Album mit Karikaturen. Dieses Bild spiegelt die Diskussion um den Nutzen der Grand Tour wider und die Frage, ob die Italienreise eher die Bildung oder das Lotterleben der Adeligen fördert. Sie zeigt auch, dass der Tagesausflug nach Tivoli zum festen Programm gehört.

16 Aber die Nächte hindurch..
Goethe erfuhr in Rom wahrscheinlich zum ersten Mal sexuelle Erfüllung. Nach Meinung des amerikanischen Psychiaters litt er an der Ejaculatio Praecox, worauf die schwärmerische Verehrung von Frau von Stein hinweist, mit der er kein körperliches Verhältnis hatte. Goethe lernte hier „Faustina“ kennen. In seinen Reiseberichten spricht er nicht von der Liebe. Erst am Ende seines Buches erwähnt er eine Episode mit einer schönen, bereits verlobten Mailänderin. Heute wissen wir, dass sie Maddalena Riggi hieß. Keine Nachricht, von vagen Spekulationen abgesehen, ist von der wahren Geliebten Goethes überliefert, die er in den "Römischen Elegien" Faustina nennt. Bis heute ist nicht sicher, ob es sich hier um ein und dieselbe Person handelte. Diese Zeichnung von Tischbein bezieht sich auf eine lose Beziehung mit der Tochter eines von den Künstlern besuchten Kneipe. Goethe hatte sich Hoffnung gemacht, dass das Mädchen zu ihm ins Zimmer komme. Doch vergeblich besorgt er sich ein zweites Kissen. Sie kam nicht, was den Spott der Freunde hervorrief. Die Zeichnung zeigt einen Teil seiner Einrichtung. Sein breites Bett, sowie sein Tisch mit einer Öllampe und einer Blumenvase standen wohl an der ca. 3 m langen Südwand seines Zimmers. An der westlichen Wand befand sich ein Brett auf dem er seine Gipsbüsten deponierte. Anfangs bewahrte Goethe seine Kleider wahrscheinlich noch in einem Koffer unter dem Bett auf. Über Goethes Bett hingen verschiedene Zeichnungen. Am Kopfende der einen Seite des Doppelbettes hing eine Skizze einer Frau, worauf man schloss, dass diese Seite Goethes Geliebten zur Verfügung stand. An der Ostwand seines Raumes muss sein Arbeitstisch gestanden haben, da die Beleuchtung dort am günstigsten war. Frühmorgens arbeitete Goethe dort an dem Pensum seiner Schriften, welche er vor dem Schlafengehen vorbereitete. „Alle Morgen eh ich aufstehe wird an der Iphigenie geschrieben [... ].“ Mittags speiste er an der großen, runden Tafel in Tisch beim Studio. Das verflixte zweite Kissen

17 Die schöne Mailänderin Faustina?
Ölbild von Angelika Kauffmann. Es ist nicht ganz sicher, ob dies Magdalena Riggi darstellt. Andere behaupten, das Mädchen aus den Römischen Elegien mit dem Pseudonym Faustina sei eine Wirtstochter aus der Nachbarschaft. Es heißt, Goethe habe sich in Christiane Vulpius (rechts unten) verliebt, da sie der Faustina ähnelte. Froh empfind ich mich nun auf klassischem Boden begeistert, Vor- und Mitwelt spricht lauter und reizender mir. Hier befolg ich den Rat, durchblättre die Werke der Alten Mit geschäftiger Hand, täglich mit neuem Genuß. Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt; Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt beglückt. Und belehr ich mich nicht, indem ich des lieblichen Busens Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab? Dann versteh ich den Marmor erst recht: ich denk und vergleiche, Sehe mit fühlendem Aug, fühle mit sehender Hand. Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages, Gibt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin. Wird doch nicht immer geküßt, es wird vernünftig gesprochen, Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir viel. Oftmals hab ich auch schon in ihren Armen gedichtet Und des Hexameters Maß leise mit fingernder Hand Ihr auf den Rücken gezählt. Sie atmet in lieblichem Schlummer, Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins Tiefste die Brust. Amor schüret die Lamp' indes und gedenket der Zeiten, Da er den nämlichen Dienst seinen Triumvirn getan. 5. Römische Elegie. Im 4. Venetianischen Epigramm denkt er voll Sehnsucht an Italien zurück: Christiane

18 Goethe ..und seine Malerfreunde
In Rom lernte Goethe neue Leute kennen, wie den Maler Wilhelm Tischbein, die schweizerische Malerin Angelika Kauffmann, Maler wie Georg Schutz, ebenfalls aus Frankfurt, den Bildhauer Trippel, den Musiker Kayser, den Schweizer Kunstkritiker Johann Heinrich Meyer, den er dann nach Weimar mitnahm. Mit einigen dieser Maler hielt er auch in Neapel Kontakt. Kniep begleitete ihn auf der ganzen Strecke nach Neapel und Sizilien. Rom war damals voller deutscher Maler, ca von ihnen kennt man mit Namen. Die Anziehungskraft von Rom ist unter anderem auch auf die engagierten Schriften von Piranesi zurückzuführen. In seinem Werk Della Magnificenza e Architettura de´Romani hatte er die römische Kunst gegen die französischen Rationalisten in Schutz genommen, die nur die Originalität der Griechen gelten ließen. Seine Stiche zeigten die Bauten der Römer in ihrer ganzen Pracht und machten sie so in Europa bekannt. Auch Goethes Vater besaß einige der Stiche von Piranesi. Die Zeichnung rechts stammt von Johann Friedrich Bury. Links unten: Die Peterskirche, Zeichnung von Goethe.  Goethe ..und seine Malerfreunde

19 Jakob Philipp Hackert Hackert, Jakob Philipp ( ). Der bedeutende deutsche Landschaftsmaler lebte und wirkte meist in Rom, und als Hoffinaler des Königs Ferdinand IV in Neapel und ab 1799 in Florenz. Goethe lernte ihn am kennen, als er ihn mit Tischbein in seiner Stadtwohnung in einem Flügel des Palazzo Francavilla (heute Palazzo Cellaniare) in Neapel besuchte. Ani besuchte Goethe ihn in seiner anderen Wohnung im alten Schloss von Caserta, bewunderte seinen Kunsteifer, seine Geselligkeit und persönliche Anziehungskraft (»Auch mich hat er mich ganz gewonnen, IR ) und wurde durch ihn bei Sir W. >Hamilton eingeführt. Hackert lenkte Goethes Zeichenstudien im Hinblick auf Bestimmheit. Sicherheit und Klarheit des Kunstwerks und erklärte ihm „Sie haben Anlage, aber sie können nichts machen“; nach 18monatigem Unterricht bei ihm könne er sich wesentliche Fortschritte versprechen (ebd und : zu Eckermann ). Nach der Sizilienreise sah Goethe ihn im Mai 1787 in Neapel und im Juni 1787 bei einem Aufenthalt in Rom wieder: zwei Wochen gemeinsamen Landschaftszeichnens in Tivoli unter Hackerts Anleitung bildeten den Höhepunkt von Goethes künstlerischen Bemühungen. Goethe erwog noch im August 1787, wieder nach Neapel zu gehen und »Hackerts Unterricht zu genießen (IR ), doch der Kontakt blieb nur brieflich und durch den Besuch Anna Anialias bei Hackert 1789 erhalten. Goethes Sammlung enthält mehrere Handzeichnuugen seines bedeutendsten Künstlerfreundes in Italien. Hackerts naturgetreue Veduten, topographische Ansichten und effektvoll inszenierte, harmonische Landschatten, die an den Fürstenhöfen Europas gefragt waren, beeinflussten zwar Goethes klassizistische Kunstauffassung in Italien, verhinderten jedoch nicht seine Vorliebe für idealisierend-poetische Landschatten wie die von Claude Lorrain oder Gaspard. In diesem Sinn besprach Goethe 1804 lobend zwei italienische, „neu nach der Natur gemalte Ansichten“ Hackerts, die für das Weimarer Schloss bestimmt waren (Zwei Landschaften von Philipp Hackert, in Jenaische Allgemeine Literaturzeitung, Nr.19 und 2)), 181)4). Im Brief vom regte Goethe Hackert zur Abfassung einer Autobiographie und deren Übersendung an ihn an. Nach Hackerts Tod am erhielt er laut dessen letztwilliger Verfügung am seinen literarischen Nachlass mit biographischen Aufzeichnungen, um seine Biographie zu schreiben. Diese, mehr Herausgeberarbeit und Redaktion als selbständige Biographie, bereichert um eine Abhandlung J. H. Meyers über Hackerts Kunstcharakter. entstand 1807 und besonders 1810 und erschien 1811.

20 Jakob Philipp Hackert Ölgemälde von Augusto Nicodemo
Hackert, Jakob Philipp ( ). Der bedeutende deutsche Landschaftsmaler lebte und wirkte meist in Rom, und als Hoffinaler des Königs Ferdinand IV in Neapel und ab 1799 in Florenz. Goethe lernte ihn am kennen, als er ihn mit Tischbein in seiner Stadtwohnung in einem Flügel des Palazzo Francavilla (heute Palazzo Cellaniare) in Neapel besuchte. Ani besuchte Goethe ihn in seiner anderen Wohnung im alten Schloss von Caserta, bewunderte seinen Kunsteifer, seine Geselligkeit und persönliche Anziehungskraft (»Auch mich hat er mich ganz gewonnen, IR ) und wurde durch ihn bei Sir W. >Hamilton eingeführt. Hackert lenkte Goethes Zeichenstudien im Hinblick auf Bestimmheit. Sicherheit und Klarheit des Kunstwerks und erklärte ihm „Sie haben Anlage, aber sie können nichts machen“; nach 18monatigem Unterricht bei ihm könne er sich wesentliche Fortschritte versprechen (ebd und : zu Eckermann ). Nach der Sizilienreise sah Goethe ihn im Mai 1787 in Neapel und im Juni 1787 bei einem Aufenthalt in Rom wieder: zwei Wochen gemeinsamen Landschaftszeichnens in Tivoli unter Hackerts Anleitung bildeten den Höhepunkt von Goethes künstlerischen Bemühungen. Goethe erwog noch im August 1787, wieder nach Neapel zu gehen und »Hackerts Unterricht zu genießen (IR ), doch der Kontakt blieb nur brieflich und durch den Besuch Anna Anialias bei Hackert 1789 erhalten. Goethes Sammlung enthält mehrere Handzeichnuugen seines bedeutendsten Künstlerfreundes in Italien. Hackerts naturgetreue Veduten, topographische Ansichten und effektvoll inszenierte, harmonische Landschatten, die an den Fürstenhöfen Europas gefragt waren, beeinflussten zwar Goethes klassizistische Kunstauffassung in Italien, verhinderten jedoch nicht seine Vorliebe für idealisierend-poetische Landschatten wie die von Claude Lorrain oder Gaspard. In diesem Sinn besprach Goethe 1804 lobend zwei italienische, „neu nach der Natur gemalte Ansichten“ Hackerts, die für das Weimarer Schloss bestimmt waren (Zwei Landschaften von Philipp Hackert, in Jenaische Allgemeine Literaturzeitung, Nr.19 und 2)), 181)4). Im Brief vom regte Goethe Hackert zur Abfassung einer Autobiographie und deren Übersendung an ihn an. Nach Hackerts Tod am erhielt er laut dessen letztwilliger Verfügung am seinen literarischen Nachlass mit biographischen Aufzeichnungen, um seine Biographie zu schreiben. Diese, mehr Herausgeberarbeit und Redaktion als selbständige Biographie, bereichert um eine Abhandlung J. H. Meyers über Hackerts Kunstcharakter. entstand 1807 und besonders 1810 und erschien 1811.

21 Heinrich Kniep Kniep lebte zuerst als Porträtmaler in Hamburg und machte dort die Bekanntschaft von Klopstock, den er bis ins hohe Alter verehrte. Im Dezember 1780 zieht er nach Berlin; auf dem Weg dahin besucht er in Kassel die Malerfamilie Tischbein. In Berlin macht er die Bekanntschaft des Fürstbischofs Krasicki, der ihm schließlich die Reise nach Italien ermöglicht haben soll. 1781 bis Ende Oktober 1785 wohnte er in Rom. Da er aber dort kein Geld mehr von Krasicki bekommt, muss er von der Porträtmalerei u.a. leben. Als Tischbein 1783 aus Neapel zurückkehrte, schloss sich Kniep dessen Kreis an, wodurch er zum deutschen Künstlerleben dort gehörte. Es gibt ein Urteil von Friedrich Münter (Tagebuch), dem Bruder von Friederike Brun: "Kniep. er muß durch Elend klug werden. Voll Kopfs u. Talent hat ers für besser gefunden, jämmerlich, u. ohne einen Heller zu leben, anstatt gut auskommen zu können. steckt über die Ohren in Schulden bey aller Welt, u. will doch nicht arbeiten, ob er gleich sehr gut Landschaften zeichnet und sehr gut sein Brod gewinnen könnte. Er will aber nichts anders machen, als sich selbst Studia zeichnen. sein Leichtsinn ist überall sehr groß. seine Zunge unbändig, besonders wenns über Religionssachen geht. Er hat überhaupt viel in seinem Leben aufgeschnappt u. ein gutes Gedächtnis, aber wenig gelesen u. über wenig nachgedacht. erzählt aber ganz angenehm u. urtheilt frisch fort." Ende Oktober 1785 übersiedlt er nach Neapel. Die mit Goethe 1787 unternommene Sizilienreise war für Knieps Bekanntheit entscheidend und für seine künstlerische Entwicklung ein bedeutendes Ereignis. Nach der Reise nahm er eine gemeinsame Wohnung mit Tischbein und Heinrich Meyer in Neapel. Dort besuchte ihn Herder 1788. Kniep wohnte über dreißig Jahre in Neapel. Da er keine Beziehungen zum königlichen Hof hatte und keine gesellschaftliche Stellung bekleidete, musste er bei der Revolution von 1799 nicht (wie Tischbein) aus Neapel fliehen. Allerdings führte die Unterbrechung des Italienreisestroms und der Positionsverlust des Adels in der Folge zu geringeren Einnahmen. gestorben in Neapel. Das Ölgemölde von 1806 zeigt eine ideale Landschaft. Die Ideallandschaft wird gewissermaßen mit mythologischer Staffage nach Auftraggeberwünschen aus Antikenzitaten und Landschaftselementen zusammengefügt.

22 Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Der Maler Johann Heinrich Tischbein erhielt seinen Beinamen "Goethe- Tischbein„ für seine herausragendste Leistung, das Portrait: "Goethe in der Campagna". Er zeigt als erster einen Gebildeten in einer Machtposition. Damit bestimmt er bis heute maßgebend die bildhafte Vorstellung Goethes. Zwar sind weitere Werke Tischbeins, unter anderem "General Bennigsen und sein Stab" und "Des Künstlers Tochter Angelika" noch heute in der Hamburger Kunsthalle ausgestellt, doch keines seiner Werke erlangte jemals die Berühmtheit des Goethe- Portraits. Am wurde Tischbein in Hessen als Sohn einer Künstlerfamilie geboren. So wies ihn sein Vetter Dietrich Lilly über Portrait- und Landschaftsmalerei hinaus den Weg zur Historienmalerei. Ein Stipendium der Kasseler Akademie brachte Tischbein ein erstes Mal nach Italien, wohin er 1787 zurückkehrte, um in Rom "Goethe in der Campagna" im Atelier auf Leinwand zu bannen. Zwei Jahre nach seiner Hochzeit mit Anna Martha Kietting zog es den 51 Jahre alten Tischbein nach Eutin. Hier arbeitete er als Hofmaler unter Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg, der ihm auch eine Pension gewährte. Nach 21 jährigem Aufenthalt verstarb er am in Eutin. Das berühmteste aller Goetheportraits, Tischbeins Ganzfigurenbild, das heute im Frankfurter Städel ausgestellt ist, hat Goethe nie vollendet gesehen. Die gemeinsame Reise von Goethe, Tischbein und Kniep nach Süditalien unterbricht die Arbeit an dem in den römischen Künstlerkreisen vielbesprochenen Gemälde, eine kontinuierliche Weiterführung gibt es offenbar nicht, denn das Gemälde ist entgegen Tischbeins Gepflogenheiten weder signiert noch datiert. [...] Goethe besaß außer der kleinen Skizze von 1786, kaum größer als ein Kartenblatt, eine kleinere Fassung des Tischbein-Gemäldes, eine aquarellierte Federzeichnung auf Papier. [...] Der uralte Heinrich Meyer, als Augenzeuge befragt, erinnert sich, daß die Aquarellzeichnung ein kollektives Werk sei: Ich glaube im Umriß W. Tischbeins Feder, in der Landschaft den G. Schütz aus Frankfurt zu erkennen, und ausgetuscht ist die Figur, wenn ich nicht sehr irre, von Fr. Bury aus Hanau; alle waren damals Hausgenossen von Kayser und Goethe. „Tischbein hat gar freundschaftlich für mich auch in Kunstsachen gesorgt und mir eine Reihe Studien an den besten Meistern gezeichnet und zeichnen lassen, die in Deutschland für mich einen großen Wert haben, und mein Zimmerlein zu einem Schatzkästchen machen werden." (Goethe an Herder 29. Dezember 1786)

23 Tischbein: Landvolk Tischbein z. B. sieht als Historienmaler die Landschaft ganz anders an als der Landschaftszeichner (erg.Hackert). Er findet bedeutende Gruppen und andere anmutige, vielsagende Gegenstände da, wo ein anderer nichts gewahr würde, und so glückt es ihm auch, manchen menschlichen naiven Zug zu erhaschen, es sei nun an Kindern, Landleuten, Bettlern und andern dergleichen Naturmenschen, oder auch an Tieren, die er mit wenigen charakteristischen Strichen gar glücklich darzustellen weiß und dadurch der Unterhaltung immer neuen angenehmen Stoff unterlegt. (IR )

24 Hackert: Pozzuoli ... Philipp Hackert, welcher höchst geschmackvoll die wirklichen Aussichten zu zeichnen und auszuführen wußte. Künstler und Liebhaber, Männer und Frauen, Alte und Junge ließ er nicht ruhen, er munterte jeden auf, nach seinen Gaben und Kräften sich gleichfalls zu versuchen, und ging mit gutem Beispiel vor. Diese Art, eine Gesellschaft zu versammeln und zu unterhalten, hat Hofrat Reiffenstein nach der Abreise jenes Freundes treulich fortgesetzt, und wir finden, wie löblich es sei, den tätigen Anteil eines jeden zu wecken. Die Natur und Eigenschaft der verschiedenen Gesellschaftsglieder tritt auf eine anmutige Weise hervor. (IR )

25 Angelika Kauffmann Die Sonntage in Rom verbringt Goethe mit Angelika Kauffmann ( ), einer damals berühmten Malerin. Goethe meint, “für ein Weib” habe sie erstaunliches Talent, und er scheint sich wohl zu fühlen im Umgang mit ihr. Sie ähnelt im Alter der Frau von Stein, doch erscheint sie sanfter, fügsamer, einfühlsamer. Es verbindet sie kein Jahrzehnt, indem die ältere Frau versucht hat, den jüngeren Mann, das Genie, zu erziehen. Auch hat sie keine Kinder, und ihr zweiter Mann ist ein venezianischer Maler, sicher nicht der ersten Klasse. Aber es ist sie, die so gut verdient, dass die beiden Kunst erwerben können. Goethe scheint viel von ihrem Urteil zu halten, was die Kunst betrifft. Mit ihr zusammen betrachtet er stundenlang Gemälde, ihr liest er die neu geschriebenen Stellen der Iphigenie vor. „Angelika ist gar lieb und gut, sie macht mich auf alle Weise zu ihrem Schuldner. Den Sonntag bringen wir zusammen zu, und in der Woche sehe ich sie abends einmal." (IR 7. Dez. 1787) „Angelika malt mich auch, daraus wird aber nichts; es verdrießt sie sehr, dass es nicht gleichen und werden will. Es ist immer ein hübscher Bursche, aber keine Spur von mir." (IR 27. Juni 1787) Für die Gesamtausgabe seiner Werke bei Göschen zeichnete Angelika Iphigenie, Klärchen, Egmont und die Musen an Goethes Büste. Auch von Weimar aus blieb Goethe später mit ihr in Verbindung. Sie genoss in Rom einen solchen Ruf, dass der dänische Botschafter 1781 aus London an Klopstock schrieb: The whole world is Angelica-mad" Herder hielt die weltberühmte Elsässerin für die "vielleicht gebildetste Frau Europas", und begeistert sprachen Zeitgenossen vom "Raffael unter den Künstlerinnen".

26 Goethe und Angelika Kauffmann
Angelika Kauffmann, wurde 1741 in Chur geboren, ist eine Doppelbegabung in Musik und Malerei. Durch den Einfluss ihres als Porträt- und Kirchenmaler tätigen Vaters entschloss sie sich zur Malerei. Bereits die 22-Jährige wird Ehrenmitglied von Akademien in Bologna und Florenz. Von 1766 bis 1781 arbeitete und lebte sie in London (Mitglied der Royal Academy). Sie heiratete, nach einer gescheiterten Ehe mit einem Heiratsschwindler mit 40 den um 15 Jahre älteren venezianischen Maler Antonio Zucchi. Von 1782 bis zu ihrem Tod (1807) lebte sie in Rom. Angebote einer gesicherten Stelle als Hofmalerin lehnte sie ab. Weltbekannt wurde sie zu Lebzeiten durch ihr umfangreiches malerisches Werk (ca Ölgemälde, Zeichnungen, Radierungen). Sie führte in London und Rom neben ihren unablässigen Auftragsarbeiten ein offenes Haus, ihre Begeisterung für Literatur und Musik wurde gerühmt. Ab 1788 hing ihr Selbstporträt in der florentinischen Galerie der Künstlerbildnisse direkt neben Michelangelo. Obwohl Porträts ihre Haupteinnahmequelle darstellten galt ihr eigentliches Interesse der Historienmalerei - ein damals für Frauen unübliches Genre, denn man war der Ansicht, Frauen eigneten sich besonders für Porträtmalerei aufgrund ihrer weiblichen Intuition, mit Hilfe derer sie die Persönlichkeit ihres Gegenübers besser zu fassen vermochten. Die Historienmalerei hingegen galt als das höchste Genre an den Akademien und war selbstverständlich den Männern vorbehalten. Doch Angelika Kauffmann wählte vor allem die tugendhaften Frauen, d. h. liebende, opferbereite Frauen wie Penelope, Andromache oder Cornelia, trauernde Frauen wie Dido, Ariadne und Kalypso aber auch Venus oder mit Amor spielende Nymphen der griechischen Mythologie als Protagonistinnen ihrer Historiengemälde. Rechts Angelika Kauffmanns Darstellung von Goethe. Links eines der vielen Selbstporträts.

27 Goethe von Johann Heinrich Lips gezeichnet
Johann Heinrich Lips, Goethe bereits aus der Schweiz bekannt, traf er in Rom wieder und berief ihn 1789 als Maler und Kupferstecher - bis nach Weimar. Mit seinem 1791 in Weimar entstandenen Porträt schuf Lips eine überzeugende Darstellung des „neuen" Goethe. Rechts ein Selbstporträt von Lips.

28 Goethe von Alexander Trippel
Der Bildhauer Alexander Trippel,1793 gest. in Rom, schuf die so genannte Apollobüste Goethes: „Meine Büste ist sehr gut geraten; jedermann ist damit zufrieden. Gewiss ist sie in einem schönen und edlen Stil gearbeitet, und ich habe nichts dagegen, dass die Idee, als hätte ich so ausgesehen, in der Welt bleibt," schreibt Goethe am 14. September 1787 aus Rom.

29 Karl Philipp Moritz Der genialische Schriftsteller Karl Philipp Moritz ( ), bekannt geworden durch seinen Roman „Anton Reiser", einer „Götterlehre" der Antike und den „Versuch einer deutschen Prosodie", hat Goethe durch seine Ästhetitk stark beeinflußt; er bereiste fast gleichzeitig mit ihm Italien. Er revidierte die Metrik der „Iphigenie", die Umarbeitung in Jamben. Moritz' Schrift „Über die bildende Nachahmung des Schönen" von 1788 schien Goethe so wichtig, daß er deren Hauptgedanken in seine „Italienische Reise" aufnahm. In Rom pflegte Goethe ihn wochenlang, als Moritz sich den Arm gebrochen hatte. „Er ist wie ein jüngerer Bruder von mir, von derselben Art, nur da vom Schicksal verwahrlost und beschädigt, wo ich begünstigt und vorgezogen bin", berichtete Goethe am 14. Dezember 1786 an Frau v. Stein. Von Dezember 1788 bis Februar 1789 hielt sich Moritz in Weimar auf, bis ihm Goethe eine Professur für Altertumskunde an der Kunstakademie in Berlin verschaffte. Karl Philipp MORITZ stammt aus ärmlichen, streng pietistischen Verhältnissen; Hutmacherlehrling. Der Versuch, Schauspieler zu werden scheitert. Studierte Theologie in Erfurt und Wittenberg und wurde von Basedow nach Dessau gerufen; verschiedene Lehrtätigkeiten an Gymnasien, 1786 zwei Jahre Italien Professor für Altertumskunde in Berlin. Lebensphilosoph und Ästhetiker ("Über die Bildende Nachahmung des Schönen"), Reiseliteratur (England, Italien). 4-bändiger autobiographischer psychologischer Roman: Anton Reiser. Herausgabe des 10-bändigen Werkes "Magazin für Erfahrungsseelenkunde" , empirisch orientierte Psychopathologie, ein Ausdruck Moritzens mit viel Beschreibung und Kasuistik.

30 Johann Winckelmann Mehr als alle Künstler brachte jedoch Johann Joachim Winckelmann die klassische Antike den gebildeten Europäern nahe. Er kam 1755 nach Rom und trat als Bibliothekar in die Dienste des Kardinals Alessandro Albani, dessen prächtige Villa in Frascati steht. Zwar schätzte auch Winckelmann die Leistungen der griechischen Kunst, doch stellte er dieser gleichberechtigt das römische Wesen gegenüber, das zwar griechische Wurzeln hatte aber ganz eigenständige Leistungen hervorbrachte. In seiner 1755 veröffentlichten Schrift »Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst« formulierte er eine Vorreiterrolle der griechischen Kunst in formal-stilistischer, aber auch ethischer Hinsicht und forderte von der Kunst seiner Zeit eine Rückkehr zum antiken Formenschatz. Seine Abwendung von der römischen und Hinwendung zur griechischen Kunst als Ideal bedeutete einen Paradigmenwechsel in der Kunstbetrachtung, der der intensiven Untersuchung griechischer Kunstwerke im 19. Jahrhundert voran ging. Im selben Jahr, 1755, konvertierte W. zum Katholizismus, wahrscheinlich um in Rom besser Fuß fassen zu können, wohin er 1755 übersiedelte.

31 Winckelmanns Schriften
Insgesamt reiste Winckelmann vier Mal nach Neapel und besuchte die neuentdeckten Vesuvstädte schrieb er »Nachrichten von den alten herculaneischen Stätten«. Papst Clemens XIII. erhob den mittlerweile international anerkannten Altertumsforscher 1763 zum Aufseher der päpstlichen Antikensammlungen in Rom. Seine antiquarischen Forschungen und Erkenntnisse faßte W. in seinem 1764 erschienen Hauptwerk »Geschichte der Kunst des Alterthums« (1767) zusammen. Diese Schrift wurde quasi zur Programmschrift des Klassizismus und beeinflusste maßgeblich die Entstehung von Archäologie und Kunstgeschichte als eigenständige Wissenschaften. In seinem letzten Werk, den »Monumenti antichi inediti« (1767), wandte er sich bis dato weitgehend unbekannten oder falsch gedeuteten Antiken zu, die er unter Heranziehung antiker Literatur und mit Hilfe von Formvergleichen zu deuten suchte.

32 Goethe gewöhnt sich in Rom ein
„Jetzt fangen erst die Bäume, die Felsen, ja Rom selbst an, mir lieb zu werden; bisher hab' ich sie immer nur als fremd gefühlt; dagegen freuten mich geringe Gegenstände, die mit denen Ähnlichkeit hatten, die ich in der Jugend sah. Nun muss ich auch erst hier zu Hause werden, und doch kann ich's nie so innig sein als mit jenen ersten Gegenständen des Lebens. Ich habe verschiednes bezüglich auf Kunst und Nachahmung bei dieser Gelegenheit gedacht.“ (IR ) Das Ölgemälde von Claude-Joseph Vernet zeigt ein Bootsrennen auf dem Tiber um Die Leitung des Wettbewerbs sitzt auf der Terrasse links oben.

33 In den Kapitolinischen Museen
Hubert Robert Zeichner im Kapitolinischen Museum (ca.1763). Kreidezeichnung. Das Museo Capitolino wurde eröffnet und wurde von Anfang an stark von Ausländern besucht eröffnete Benedikt XIV einen Saal für die Pinacoteca Capitolina, die erste öffentliche Gemäldeausstellung Roms. Dieses Museum gab den Bildungsreisenden die Möglichkeit, antike Kunstwerke zu zeichnen.

34 Im Quirunal - Hauskapelle
Das Andenken (der Allerseelen) feiert der Papst in seiner Hauskapelle auf dem Quirinal. Jedermann hat freien Zutritt. Ich eilte mit Tischbein auf den Monte Cavallo. Der Platz vor dem Palaste hat was ganz eignes Individuelles, so unregelmäßig als grandios und lieblich. Die beiden Kolossen erblickt' ich nun! Weder Auge noch Geist sind hinreichend, sie zu fassen. Wir eilten mit der Menge durch den prächtig geräumigen Hof eine übergeräumige Treppe hinauf. In diesen Vorsälen, der Kapelle gegenüber, in der Ansicht der Reihe von Zimmern, fühlt man sich wunderbar unter einem Dache mit dem Statthalter Christi. (IR ) Links die Kapelle Sant´Andrea al Quirinale, in der die Feier stattfand.

35 Goethe und die Päpste Über die Messe mit dem Papst im Quirinalspalast an Allerseelen schreibt Goethe: Die Funktion war angegangen, Papst und Kardinäle schon in der Kirche. Der heilige Vater, die schönste, würdigste Männergestalt, Kardinäle von verschiedenem Alter und Bildung. Mich ergriff ein wunderbar Verlangen, das Oberhaupt der Kirche möge den goldenen Mund auftun und, von dem unaussprechlichen Heil der seligen Seelen mit Entzücken sprechend, uns in Entzücken versetzen. Da ich ihn aber vor dem Altare sich nur hin und her bewegen sah, bald nach dieser, bald nach jener Seite sich wendend, sich wie ein gemeiner Pfaffe gebärdend und murmelnd, da regte sich die protestantische Erbsünde, und mir wollte das bekannte und gewohnte Meßopfer hier keineswegs gefallen. Hat doch Christus schon als Knabe durch mündliche Auslegung der Schrift und in seinem Jünglingsleben gewiß nicht schweigend gelehrt und gewirkt; denn er sprach gern, geistreich und gut, wie wir aus den Evangelien wissen. Was würde der sagen, dacht' ich, wenn er hereinträte und sein Ebenbild auf Erden summend und hin und wider wankend anträfe? Das »Venio iterum crucifigi!« fiel mir ein, und ich zupfte meinen Gefährten, daß wir ins Freie der gewölbten und gemalten Säle kämen. (IR ) Trotz seiner calvinistischen Erziehung war Goethe beeindruckt vom "Geschmack und Würde päpstlicher Zeremonien" in Sankt Peter und verfolgte mit Ergriffenheit die Gesänge der Karfreitagsliturgie. Hinterher meinte er: "Ich hätte in dieser Stunde ein Kind oder Gläubiger sein mögen." Das Ölgemälde zeigt Papst Leo X aus dem Hause Medici, gemalt von Raffael. 

36 Goethe und der Katholizismus
Obgleich in einer lutherischen Umgebung aufgewachsen, konnte sich Goethe von Jugend an durch die Vielseitigkeit der väterlichen Bibliothek über die katholische Kirche informieren. Auch war er mit Katholiken schon nach seiner Straßburger Zeit in Frankfurt in Berührung gekommen. Von ihnen ließ er sich manches von ihrer Kirche und kirchlichen Gebräuchen erklären. Bereits bei der Kaiserkrönung 1764 im Frankfurter Römer empfand er die religiöse Feier im Gegensatz zu der bilderlosen, sinnenfeindlichen Haltung des Protestantismus als beeindruckend. Auch zeigt der "Götz", dass sein Verfasser die katholische Welt schon recht gut kannte. Bruder Martins Klage über das Ordensleben stellt ein frühes kritisches Zeugnis dar. Doch seine Italienreise zeigte ihm die Fülle der katholischen Religion, in ihren Ritualen ebenso wie in ihrem Unsterblichkeitsglauben. In Vincenza notiert er am 23. September 1786 in sein Tagebuch: "Man müsste, wenn man hier leben wollte, gleich katholisch werden, um teil an der Existenz der Menschen nehmen zu können". Goethe bekennt, dass er sich "bei katholischen Naturen besonders wohl gefühlt" habe. In Italien wird seine Religionsauffassung sowohl durch die Begegnung mit dem Katholizismus als auch durch weitere Einsichten in die antike Mythologie vertieft. Denn sein Besuch in Italien schenkte ihm sowohl die überwältigende Präsenz der Antike als auch die Begegnung mit dem "Alltags-Genius" italienischen Volkslebens. Auf seiner Italienreise fühlte er sich mitunter zu sehr von Katholiken umgeben und meinte, dass "ein unförmiges, ja barockes Heidentum" auf ihm laste. Doch neigte er dem katholischen Glauben keineswegs voll und ganz zu, vielmehr gebrauchte er ihn als Mittel, um den ihm fremden Menschen nahe zu kommen, also zur Erweiterung seines Welt- und Menschenbildes. Er hat "überall das Gute zu finden und zu schätzen gewusst", heißt es nicht von ungefähr in "Wilhelm Meisters Wanderjahren". Sein unglaublicher Erkenntnis- und Erfahrungshunger und seine von Merck, Schiller, Lavater und Humboldt bewunderten Augen ließen ihn auch die sinnenfromme "Herrlichkeit" katholischer Ausdrucksformen verstehen. Seine Sehkraft verhalf ihm in Italien zu vielen Zeichnungen, und wenn er später auch einen spezifischen Abscheu gegen die Nazarenerkunst entwickelte, so wuchs ihm im Laufe der Jahre doch ein ehrfürchtiger Sinn für bedeutende Zeugnisse christlich inspirierter Malerei und Baukunst zu. Empfehlenswert: Zu beziehen über (bitte anklicken)

37 Goethe und der Barock Goethe hatte keinen Blick für die italienische Gotik eines Giotto und den italienischen Barock eines Bernini. Schließlich ist Goethe nicht unterwegs, um Kunstgeschichte zu studieren. Er macht sich eher Notizen über die Landschaft, das Leben der Völker und geologische Phänomene. Zwar war Goethe überzeugt, dass Gott sich auch und vor allem in der Kunst verberge und offenbare, aber ausgesprochene christliche Kunst als Ausdruck christlichen Glaubens war ihm unerträglich, und wo ihm der Katholizismus in barocker Überladung und kindlichem Aberglauben begegnete, verachtete er ihn als menschliche Geschmacklosigkeit von seinem rein ästhetischen Standpunkt aus. Nur die Renaissance fand mit Raffael und den Bauten Palladios noch Gnade vor seinen strengen Blicken und seinem Empfinden, während die Peterskirche und Michelangelo ihm nur widerwillige Bewunderung abzwangen.

38 Begräbnis der hl. Pedronilla von Guercino
Vorzüglich willkommen aber waren mir die Meisterstücke der Künstler, deren Art und Weise ich mir schon eingeprägt hatte. Ich sah mit Bewunderung die heilige Petronilla von Guercin, ehmals in St. Peter, wo nun eine musivische Kopie anstatt des Originals aufgestellt ist. Der Heiligen Leichnam wird aus dem Grabe gehoben und dieselbe Person neubelebt in der Himmelshöhe von einem göttlichen Jüngling empfangen. Was man auch gegen diese doppelte Handlung sagen mag, das Bild ist unschätzbar. (IR ) Guercino (Giovanni Francesco Barbieri, Cento Bologna 1666) Seppellimento di Santa Petronilla, Links Guercinos Sibylle (Sibilla Cumana, 1647)

39 Drei volle Tage war Fest auf Ara coeli wegen der Beatifikation zweier Heiligen aus dem Orden des heiligen Franziskus. Die Dekoration der Kirche, Musik, Illumination und Feuerwerk des Nachts zog eine große Menge Volks dahin. Unten rechts ist das wundertätige Bambino zu sehen, das in der Kirche verehrt wird. Die Kirche Ara Coeli

40 Das Kapitol Das nah gelegene Kapitol war mit erleuchtet und die Feuerwerke auf dem Platz des Kapitols abgebrannt. Das Ganze zusammen machte sich sehr schön, obgleich es nur ein Nachspiel von St. Peter war. Die Römerinnen zeigen sich bei dieser Gelegenheit, von ihren Männern oder Freunden begleitet, des Nachts weiß gekleidet mit einem schwarzen Gürtel und sind schön und artig. (IR )

41 Es ist ein saures und trauriges Geschäft..
Nun bin ich sieben Tage hier, und nach und nach tritt in meiner Seele der allgemeine Begriff dieser Stadt hervor. Wir gehn fleißig hin und wider, ich mache mir die Plane des alten und neuen Roms bekannt, betrachte die Ruinen, die Gebäude, besuche ein und die andere Villa, die größten Merkwürdigkeiten werden ganz langsam behandelt, ich tue nur die Augen auf und seh' und geh' und komme wieder, denn man kann sich nur in Rom auf Rom vorbereiten. Gestehen wir jedoch, es ist ein saures und trauriges Geschäft, das alte Rom aus dem neuen herauszuklauben, aber man muß es denn doch tun und zuletzt eine unschätzbare Befriedigung hoffen. Man trifft Spuren einer Herrlichkeit und einer Zerstörung, die beide über unsere Begriffe gehen. Was die Barbaren stehen ließen, haben die Baumeister des neuen Roms verwüstet. (IR ) Stich von Piranesi ( ) Blick auf den Campo Vaccino (Kuhfeld) um 1751 Dies war eines der beliebtesten Motive der Grand Tour. Diesen Blick vom Kapitol hatte Edward Gibbon vor Augen, als er sich entschloss “Den Untergang des Römischen Reiches” zu schreiben. Die Ruinen sind – von rechts – Der Bogen des Septimius Severus, die drei Säulen des Tempels von Vespasian und Titus, und Teil des Saturntempels.

42 Das Forum Wenn man so eine Existenz ansieht, die zweitausend Jahre und darüber alt ist, durch den Wechsel der Zeiten so mannigfaltig und vom Grund aus verändert und doch noch derselbe Boden, derselbe Berg, ja oft dieselbe Säule und Mauer, und im Volke noch die Spuren des alten Charakters, so wird man ein Mitgenosse der großen Ratschlüsse des Schicksals, und so wird es dem Betrachter von Anfang schwer, zu entwickeln, wie Rom auf Rom folgt, und nicht allein das neue auf das alte, sondern die verschiedenen Epochen des alten und neuen selbst aufeinander. Ich suche nur erst selbst die halbverdeckten Punkte herauszufühlen, dann lassen sich erst die schönen Vorarbeiten recht vollständig nutzen; denn seit dem funfzehnten Jahrhundert bis auf unsere Tage haben sich treffliche Künstler und Gelehrte mit diesen Gegenständen ihr ganzes Leben durch beschäftigt. (IR ) Auch dieses Bild von Giovanni Battista Busiri ( ) trägt den Titel Campo Vaccino und entstand um1740.

43 Man müsste tausend Griffel haben..
Und dieses Ungeheure wirkt ganz ruhig auf uns ein, wenn wir in Rom hin und her eilen, um zu den höchsten Gegenständen zu gelangen. Anderer Orten muß man das Bedeutende aufsuchen, hier werden wir davon überdrängt und überfüllt. Wie man geht und steht, zeigt sich ein landschaftliches Bild aller Art und Weise, Paläste und Ruinen, Gärten und Wildnis, Fernen und Engen, Häuschen, Ställe, Triumphbögen und Säulen, oft alles zusammen so nah, daß es auf ein Blatt gebracht werden könnte. Man müßte mit tausend Griffeln schreiben, was soll hier eine Feder! und dann ist man abends müde und erschöpft vom Schauen und Staunen. (IR ). Das Ölgemälde stammt von dem Holländer Jan Frans van Bloemen.

44 Der Palatin Heute war ich bei der Pyramide des Cestius und abends auf dem Palatin, oben auf den Ruinen der Kaiserpaläste, die wie Felsenwände dastehn. Hievon läßt sich nun freilich nichts überliefern! Wahrlich, es gibt hier nichts Kleines, wenn auch wohl hier und da etwas Scheltenswertes und Abgeschmacktes; doch auch ein solches hat teil an der allgemeinen Großheit genommen. (IR ).

45 Die Trajanssäule .. bestieg ich abends die Trajanische Säule, um des unschätzbaren Anblicks zu genießen. Von dort oben herab, bei untergehender Sonne, nimmt sich das Koliseum ganz herrlich aus, das Kapitol ganz nahe, der Palatin dahinter, die Stadt, die sich anschließt. Ich ging erst spät und langsam durch die Straßen zurück. (IR )

46 Die Colonna Antonina Diesen Abend sah ich den Platz der Antoninischen Säule, den Palast Chigi vom Mond erleuchtet, und die Säule, von Alter schwarz, vor dem helleren Nachthimmel, mit einem weißen glänzenden Piedestal. Und wie viel andere unzählige schöne einzelne Gegenstände trifft man auf so einer Promenade an. Aber wie viel dazu gehört, sich nur einen geringen Teil von allem diesem zuzueignen! Es gehört ein Menschenleben dazu, ja das Leben vieler Menschen, die immer stufenweis voneinander lernen. ( )

47 Die Medusa Rondanini Heute war ich mit Angelika in dem Palast Rondanini. Ihr werdet euch aus meinen ersten römischen Briefen einer Meduse erinnern, die mir damals schon so sehr einleuchtete, jetzt nun aber mir die größte Freude gibt. Nur einen Begriff zu haben, dass so etwas in der Welt ist, dass so etwas zu machen möglich war, macht einen zum doppelten Menschen. Wie gern sagt' ich etwas drüber, wenn nicht alles, was man über so ein Werk sagen kann, leerer Windhauch wäre. Die Kunst ist deshalb da, dass man sie sehe, nicht davon spreche, als höchstens in ihrer Gegenwart. Wie schäme ich mich alles Kunstgeschwätzes, in das ich ehmals einstimmte. Wenn es möglich ist, einen guten Gipsabguss von dieser Meduse zu haben, so bring' ich ihn mit, doch sie müsste neu geformt werden. Es sind einige hier zu Kaufe, die ich nicht möchte; denn sie verderben mehr die Idee, als dass sie uns den Begriff gäben und erhielten. Besonders ist der Mund unaussprechlich und unnachahmlich groß. (IR )

48 Die Juno Ludovisi Die Iuno Ludovisi gehört er zu den berühmtesten Denkmälern des Altertums. Goethe, Herder Winckelmann Schiller, Wilhelm von Humboldt haben den tiefen Eindruck den diese Schöpfung auf sie machte, in beredten Worten geäußert. Unten rechts die Gipskopie, die sich Goethe anfertigen ließ. Sie steht heute im Frankfurter Goethe-Museum. An der Wand Marons Winckelmann-Porträt. Die archäologische Wissenschaft des 19. Jhs. stand so sehr unter dem Eindruck dieser Bewunderung, den er bei den größten Geistern der deutschen Klassik hervorgerufen hatte, dass sie lange Zeit nicht fragte, ob er wirklich Hera (Iuno) darstelle, sondern nur danach, ob sein Vorbild ins 5. oder 4. Jh. vor Chr. gehöre hat der deutsche Archäologe A. Rumpf in einer eingehenden Untersuchung die wohl richtige Benennung auf die jüngere Antonia ausgesprochen. Die jüngere Antonia war die Tochter des Marc Anton und der Octavia, der Schwester des Augustus. Antonia war eine große und edle Persönlichkeit, durch “ihre Tugend und Schönheit gleichberühmt” wie die Schriftsteller berichten.

49 Zeus Otricoli Zeus von Otricoli, (Plan II,10) eine römische Kopie eines griech. Originals. Die Statue erlangte solche Berühmtheit, dass die Franzosen sie 1798 nach Paris verschleppten. Goethe war so begeistert, dass er eine Gipskopie von ihm kaufte. Er schrieb: Ich habe mich nicht enthalten können, den kolossalen Kopf eines Jupiter anzuschaffen. Er steht meinem Bette gegenüber wohl beleuchtet, damit ich sogleich meine Morgenandacht an ihn richten kann, und der uns, bei aller seiner Großheit und Würde, das lustigste Geschichtchen veranlaßt hat. Unserer alten Wirtin schleicht gewöhnlich, wenn sie das Bett zu machen hereinkommt, ihre vertraute Katze nach. Ich saß im großen Saale und hörte die Frau drin ihr Geschäft treiben. Auf einmal, sehr eilig und heftig gegen ihre Gewohnheit, öffnet sie die Türe, und ruft mich, eilig zu kommen und ein Wunder zu sehen. Auf meine Frage, was es sei, erwiderte sie, die Katze bete Gott-Vater an. Sie habe diesem Tiere wohl längst angemerkt, dass es Verstand habe wie ein Christ, dieses aber sei doch ein großes Wunder. Ich eilte, mit eigenen Augen zu sehen, und es war wirklich wunderbar genug. Die Büste steht auf einem hohen Fuße, und der Körper ist weit unter der Brust abgeschnitten, so dass also der Kopf in die Höhe ragt. Nun war die Katze auf den Tisch gesprungen, hatte ihre Pfoten dem Gott auf die Brust gelegt, und reichte mit ihrer Schnauze, indem sie die Glieder möglichst ausdehnte, gerade bis an den heiligen Bart, den sie mit der größten Zierlichkeit beleckte und sich weder durch die Interjektion der Wirtin noch durch meine Dazwischenkunft im mindesten stören ließ. Der guten Frau ließ ich ihre Verwunderung, erklärte mir aber diese seltsame Katzenandacht dadurch, dass dieses scharf riechende Tier wohl das Fett möchte gespürt haben, das sich aus der Form in die Vertiefungen des Bartes gesenkt und dort verhalten hatte. (Goethe, IR 25. Dez. 1786) In meiner Stube habe ich schon die schönste Jupiter-Büste. (Goethe an Herder, 13. Jan. 1787) Zeus Otricoli wurde so nach dem Fundort benannt . Es ist nur der Kopf einer kolossalen, thronenden Göttergestalt.

50 Die Via Appia Grabmal der Caecilia Metella
Heut' hab' ich die Nymphe Egeria besucht, dann die Rennbahn des Caracalla, die zerstörten Grabstätten längs der Via Appia und das Grab der Metella, das einem erst einen Begriff von solidem Mauerwerk gibt. Diese Menschen arbeiteten für die Ewigkeit, es war auf alles kalkuliert, nur auf den Unsinn der Verwüster nicht, dem alles weichen mußte. Recht sehnlich habe ich dich herzugewünscht. (IR ). Unten links die Rekonstruktion der Via Appia.

51 Die Aquädukte Die Reste der großen Wasserleitung sind höchst ehrwürdig. Der schöne, große Zweck, ein Volk zu tränken durch eine so ungeheure Anstalt! Abends kamen wir ans Coliseo, da es schon dämmrig war. Wenn man das ansieht, scheint wieder alles andre klein, es ist so groß, daß man das Bild nicht in der Seele behalten kann; man erinnert sich dessen nur kleiner wieder, und kehrt man dahin zurück, kommt es einem aufs neue größer vor. (IR )

52 „La Girandola“ auf der Engelsburg
Das große Fest St. Peter und Paul ist endlich auch herangekommen; gestern haben wir die Erleuchtung der Kuppel und das Feuerwerk vom Kastell gesehn. Die Erleuchtung ist ein Anblick wie ein ungeheures Märchen, man traut seinen Augen nicht. (IR ) Das Ölbild von Joseph Wright of Derby (c.1775) zeigt ein Feuerwerk über der Engelsburg (Castel Sant´Angelo). Es findet jedes Jahr am Fest von Peter und Paul am 29 Juni statt und wird von vielen Romreisenden begeistert beschrieben. Der Engländer William Beckford berichtet uns, dass man am 29 Juni 1787, also an dem Tag als Goethe zugegen war, Raketen abgeschossen habe. Diese wurden von einem riesigen drehenden Rad (Girandola) abgefeuert, nach dem das ganze Spektakel seinen Namen erhielt.

53 Mausoleum Augusti Heute war Tierhetze in dem Grabmal des August. Dieses große, inwendig leere, oben offene, ganz runde Gebäude ist jetzt zu einem Kampfplatz, zu einer Ochsenhetze eingerichtet wie eine Art Amphitheater. Es wird vier- bis fünftausend Menschen fassen können. Das Schauspiel selbst hat mich nicht sehr erbaut. (IR ). Bis zur Neuzeit erlitt das Mausoleum des Augustus ein bewegtes Schicksal. Die Adelsfamilie der Colonna formte das Mausoleum zur Burganlagen um. Der den Colonna feindlich gesinnte Papst Gregor IX erstürmte dann 1214 den Bau und zerstörte die Burg. Schon vorher waren die beiden Bronzetafeln verschwunden, die das Testament des Kaisers enthielten, denn das Mittelalter kannte vor diesem Dokument keinen Respekt und benötigte dringend Metall. Hier am Mausoleum entwickelte sich im Mittelalter eine kleine Ansiedlung, denn an dieser Stelle entluden die Flussschiffer ihre Waren wie Öl, Wein und Holz. An das Mausoleum bauten diese Leute ein Kirchlein mit Hospiz an. Nach den Geschlechterkämpfen nutzte man das Grabmal als Steinbruch und schließlich als Stierkampf-Arena. An festlichen Sommerabenden brannte man aus dem Inneren künstliche Feuerwerke ab zur Ergötzung der adeligen Gesellschaft. Im 19. Jh. fand der Umbau zur überdachten Konzerthalle statt (l’Augusteo) wurde das gesamte Gebiet von mittelalterlichen und barocken Resten freigelegt und das Gebäude bis auf das magere Gerippe abgetragen. Mussolini spielte übrigens eine Zeitlang mit dem Gedanken, sich einst im Mausoleum des Augustus beisetzen zu lassen. Rechts oben die Rekonstruktionszeichnung. Die Zeichnung stammt von Bartolomeo Pinelli.

54 Raffael, Die Schule von Athen
Die Loggien von Raffael und die großen Gemälde der »Schule von Athen« etc. hab' ich nur erst einmal gesehen, und da ist's, als wenn man den Homer aus einer zum Teil verloschenen, beschädigten Handschrift heraus studieren sollte. Das Vergnügen des ersten Eindrucks ist unvollkommen, nur wenn man nach und nach alles recht durchgesehn und studiert hat, wird der Genuß ganz. (IR ). An der Wand unterhalb der Allegorie der Philosophie hat Raffael die Schule von Athen gemalt. Eine große Gruppe von Männern sind versammelt, um nachzudenken, zu lehren und zu diskutieren. Im Bildhintergrund ein Bauwerk, das wahrscheinlich die Pläne Bramantes zur neuen Petersbasilika widerspiegelt. Die ganze Bildkomposition ist auf drei perspektivischen Ebenen angelegt. Das Bauwerk versinnbildlicht den Tempel der Weisheit, deren Beschützer Apoll und Minerva sind; ihre Statuen schmücken die beiden Nischen links und rechts an der Fassade. In der Bildmitte sehen wir die beiden Hauptgestalten Platon und Aristoteles. Der weite Raum rechts und links ist mit den Gründern verschiedener Philosophenschulen und deren Schülern ausgefüllt, die sich auf der weitläufigen Treppe versammelt haben. Der weißbärtige Platon trägt in der Linken seine Schrift “Timaios” und zeigt mit der Rechten zum Himmel. Deutlich trägt er die Züge Leonardo da Vincis. Aristoteles, hier ein kräftiger jüngerer Mann, hält in seiner Linken seine ,,Ethik” und deutet mit der Rechten zur Erde. In der Antike galt der Gegensatz zwischen ihren beiden Lehren gleichsam als Pfeiler der gesamten Philosophie. Rechts im Bilde unten sehen wir die Gestalt des Sokrates mit weißem Bart, hinter ihm seine Schüler. Links unten schreibt Epikur in ein Buch, daneben rechts schreibt der Mathematiker Pythagoras seinen Satz auf. Auf dem Stein vorne Mitte lehnt der Philosoph Heraklit (Alles fließt”) an einem Steinblock. Raffael hat ihm die Züge Michelangelos gegeben. Schräg hinter ihm liegt auf der Treppe halb ausgestreckt das antike Original Diogenes (“Geh mir aus der Sonne”) In der rechten unteren Bildhälfte Euklid und eine Gruppe Astronomen und Mathematiker, die auf einer Tafel auf dem Fußboden geometrische Figuren diskutieren. Gleich daneben hält der Geograph, Astronom und Mathematiker Ptolemäus einen Erdglobus in der Hand. Er ist von hinten in königlichem Gewand und mit Diadem dargestellt. Ihm gegenüber steht Raffael mit einem schwarzen Barett und hält ebenfalls eine Kugel als Zeichen dafür, dass der Künstler gern die Lehrer der großartigen Vergangenheit aufnimmt. Zu seiner Linken sein Schüler und Mitarbeiter Sodoma. Raffael, Die Schule von Athen

55 Raffael, La Fornarina Heute saß ich bei Angelika; es ist nun schon hergebracht, daß ich ihr Sonntagsgast bin. Vorher fuhren wir nach dem Palast Barberini, den trefflichen Leonard da Vinci und die Geliebte des Raffaels, von ihm selbst gemalt, zu sehen. Mit Angelika ist es gar angenehm, Gemälde zu betrachten, da ihr Auge sehr gebildet und ihre mechanische Kunstkenntnis so groß ist. Dabei ist sie sehr für alles Schöne, Wahre, Zarte empfindlich und unglaublich bescheiden. (IR ) Raffael starb am Karfreitag des Jahres 1520 im Alter von 37 Jahren und ist im Pantheon begraben. Auf einem Stein links vom Grab ist der Name der Maria Bibiena eingemeißelt. Sie war sechs Jahre lang seine offizielle Verlobte und starb schon vor ihm. Da sie die Nichte seines päpstlichen Beschützers war, war die Verlobung mehr von der Vernunft diktiert. In Wirklichkeit liebte Raffael ein Mädchen aus dem einfachen Volk, eine Bäckerin „la Fornarina“, die hier zu sehen ist. Als er im Sterben lag, verhinderten die Angestellten des Papstes, dass sie an sein Sterbelager vordrang. Nach seinem Tod wurde bekannt gegeben, dass er als Sterbender Reue über die “unwürdige Liebe" gezeigt habe. Daher die Ehrung für seine ”legale” Verlobte. Untenrechts Selbstporträt des Künstlers mit einem Freund (1517, heute Louvre).

56 Michelangelo Michelangelo Buonarroti (1475-1564).
Von dem großen, »übermenschlichen, aber auch die Menschheit gewaltsam überbietenden« (Über Kunst und Altertum 1,2, 1817) Bildhauer, Maler und Architekten der italienischen Renaissance sah Goethe in Rom zuerst am die Deckenfresken ( ) und das Altarwandfresko »Jüngstes Gericht« ( ) in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans und kehrte wiederholt zu deren überwältigendem Eindruck zurück (IR , 2. und , und , ). Ferner sah er am die Statue des »Moses« ( ) in S. Pietro in Vincoli, die sein Moses-Bild bleibend prägte (Antik und modern, 1818; Christus ..., 1830) und von der er eine kleine Bronzenachbildung besaß (zu Eckermann ), vielleicht auch die unvollendete »Pietà Rondanini«, Die Bauten (außer der Peterskirche) und weitere Skulpturen, etwa in Florenz (David, Medicäergräber), erwähnt die Italienische Reise nicht. Von der Größe seines Schöpferwillens überwältigt, erkannte Goethe bei Michelangelo Naturnähe, Kraft und Großheit (Weimarische Pinakothek, 1821), nicht aber Schönheit zu. In dem unter Kunstfreunden beliebten Rangstreit zwischen Raffael und Michelangelo, der vielen als »Verderber« der Kunst galt (zu Eckermann ), ergriff Goethe zwar am für Michelangelo Partei (Italienische Reise) und erwähnt ihn später auch in Gesprächen mit Anerkennung, kehrte aber bald zu den Griechen und Raffael als Vorbildern zurück.

57 Die Plätze Bis gegen Morgen sind immer Partien auf der Straße, die singen und spielen, man hört mancherlei Duette, so schön und schöner als in einer Oper oder Konzert. (IR )

58 Die Menschen von Rom – In einer Osteria von G. Bloch
Rom ist ein herrlicher Ort dazu. Nicht allein die Gegenstände aller Art sind hier, sondern auch Menschen aller Art, denen es Ernst ist, die auf den rechten Wegen gehen, mit denen man sich unterhaltend gar bequem und schleunig weiter bringen kann. Gott sei Dank, ich fange an, von andern lernen und annehmen zu können. (IR )

59 Das Cafe Greco Das Aquarell links stammt von David Allan und zeigt eine Szene in einem römischen Caffe um 1775. Oben rechts: Das Caffè Greco war im 19. Jahrhundert das Stammlokal der deutsch-römischen Künstlerkolonie, das auch von Goethe, Liszt, Gogol, Wagner, Schopenhauer u.a. häufig besucht wurde. Das Greco ist auch unter den Namen "deutsches Caffè" bekannt. Unten links die Dekoration des „Cafe degli Inglesi“ in Rom in ägyptischem Stil. Stich von Piranesi. Ca

60 Das Cafe Greco Das Caffè Greco war im 19. Jahrhundert das Stammlokal der deutsch-römischen Künstlerkolonie, das auch von Goethe, Liszt, Gogol, Wagner, Schopenhauer u.a. häufig besucht wurde. Das Greco ist auch unter den Namen "deutsches Caffè" bekannt.

61 Der Belvedere - Torso ”Wahrlich, das hat ein Mensch gemacht, der weiser war als die Natur! Ein Jammer, dass es ein Torso ist”, sagte Michelangelo. Seine Bewunderung spiegelt sich besonders in den Gestalten der Sixtinischen Kapelle wider. Diese Bewunderung Michelangelos drängte Winckelmann dazu, sofort nach seiner Ankunft in Rom das Werk aufzusuchen, „diese prächtige Eiche, welche umgehauen und von Blättern und Ästen entblößt wurde. Der erste Anblick wird dir vielleicht nichts als einen verunstalteten Stein entdecken; vermagst du aber in die Geheimnisse der Kunst einzudringen, so wirst du ein Wunder derselben erblicken, wenn du dieses Werk mit einem ruhigen Auge betrachtest. Alsdann wird dir Hercules wie mitten in allen Unternehmungen erscheinen, und der Held und der Gott werden in diesem Stücke zugleich sichtbar werden. Goethe hat den Torso im Nov gesehen: das Wunder der Kunst, der nie genug zu preisende berühmte Torso (IR Nov. 1787). Und durch jenen Torso eines Apolls oder Bacchus, dessen ich schon gedacht, scheint sein Wunsch, seine Prophezeiung erfüllt zu sein. Mein Auge ist nicht genug gebildet, um in einer so delikaten Materie zu entscheiden; aber ich bin selbst geneigt, diesen Rest für das Schönste zu halten, was ich je gesehn habe. Leider ist es nicht allein nur Torso, sondern auch die Epiderm ist an vielen Orten weggewaschen, er muss unter einer Traufe gestanden haben. ( ) Auf dem Felssitz steht in griechisch geschrieben ”Apollonius, Sohn des Nestor aus Athen hat ihn gemacht”. Da über dem linken Oberschenkel der Rest vom Kopf eines Tierfells liegt, glaubt man, dass es sich um die Gestalt des Herakles handelte. Der Torso ist seit dem 15 Jh. bekannt. Michelangelo behauptete von sich, ein Schüler dieses Torsos gewesen zu sein. Immer wieder fertigte er Skizzen von allen Seiten an und als er schon fast blind geworden war, tastete er ihn immer wieder ab. Das Werk ist schon von Michelangelo hoch bewundert worden. Künstler und Archäologen seit der Renaissance haben immer wieder versucht, das unauflösliche Rätsel der Darstellung zu ergründen. Die Sepia-Zeichnung eines unbekannten Künstlers von 1540 – 1550 zeigt zwei nackte Posaunenbläser, die die eine Phantasieform des Doppelaulos spielen.

62 Apoll von Belvedere Manchmal stehe ich wie einen Augenblick still und überschaue die höchsten Gipfel des schon Gewonnenen. Sehr gerne blicke ich nach Venedig zurück, auf jenes große Dasein, dem Schoße des Meeres wie Pallas aus dem Haupte Jupiters entsprossen. Hier hat mich die Rotonda, so die äußere wie die innere, zu einer freudigen Verehrung ihrer Großheit bewogen. In St. Peter habe ich begreifen lernen, wie die Kunst sowohl als die Natur alle Maßvergleichung aufheben kann. Und so hat mich Apoll von Belvedere aus der Wirklichkeit hinausgerückt. Denn wie von jenen Gebäuden die richtigsten Zeichnungen keinen Begriff geben, so ist es hier mit dem Original von Marmor gegen die Gipsabgüsse, deren ich doch sehr schöne früher gekannt habe. (IR ) Mengs sagt irgendwo vom Apoll von Belvedere, dass eine Statue, die zu gleich großem Stil mehr Wahrheit des Fleisches gesellte, das Größte wäre, was der Mensch sich denken könnte. Und durch jenen Torso eines Apolls oder Bacchus, dessen ich schon gedacht, scheint sein Wunsch, seine Prophezeiung erfüllt zu sein. Mein Auge ist nicht genug gebildet, um in einer so delikaten Materie zu entscheiden; aber ich bin selbst geneigt, diesen Rest für das Schönste zu halten, was ich je gesehn habe. (IR ) Rechts Gemälde von Louis- Gabriel Blanchet ( ). Der Gott steht in einer idealisierten griechischen Landschaft. Seit der Renaissance gehörte diese Statue zu den am meisten bewunderten. Kopien in Bronze, Marmor und Gips wurden in ganz Europa vertrieben definierte Winckelmann dieses Kunstwerk als das schönste, was menschlicher Genius schaffen kann. (Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke). Blanchet war ein Franzose, der aber hauptsächlich für Engländer arbeitete und mit dem englischen Künstler William Forrester nahe der Piazza di Spagna eine Wohnung hatte.

63 Ausflug nach Velletri In Albano kam Hackert zu uns; in Velletri speisten wir bei Kardinal Borgia und besahen dessen Museum, zu meinem besondern Vergnügen, weil ich manches bemerkte, das ich im ersten Mal übergangen hatte. (Tischbein an Goethe, Neapel, den 10. Juli 1787) Bild: Velitrae vulgo Blitri (Velletri), von Georg Hoefnagel 1583. Im Bild die „Athene von Velletri“ aus der Borgia-Sammlung, die Goethe sah.

64 Hackert, Tivoli Laßt mich auch wieder, meine Lieben, ein Wort zu euch reden. Mir geht es sehr wohl, ich finde mich immer mehr in mich zurück und lerne unterscheiden, was mir eigen und was mir fremd ist. Ich bin fleißig und nehme von allen Seiten ein und wachse von innen heraus. Diese Tage war ich in Tivoli und habe eins der ersten Naturschauspiele gesehen. Es gehören die Wasserfälle dort mit den Ruinen und dem ganzen Komplex der Landschaft zu denen Gegenständen, deren Bekanntschaft uns im tiefsten Grunde reicher macht. Am letzten Posttage habe ich versäumt zu schreiben. In Tivoli war ich sehr müde vom Spazierengehen und vom Zeichnen in der Hitze. Ich war mit Herrn Hackert draußen, der eine unglaubliche Meisterschaft hat, die Natur abzuschreiben und der Zeichnung gleich eine Gestalt zu geben. Ich habe in diesen wenigen Tagen viel von ihm gelernt. (IR ) Das Bild entstand 1769 und hängt heute in der Galleria Nazionale d’Arte Antica (Palazzo Barberini).

65 Doughet, Tivoli Offensichtlich hatte es der Wasserfall von Tivoli den Reisenden der Kavalierstour angetan. Hier sehen wir ein Ölgemölde von Louis Ducros aus dem Jahre 1782. Zu sehen sind der russische Großherzog Paul und die Großherzogin Maria. (Pavlovsk Palast-Museum, Russland). Zum Ausflug nach including gehörten der Temple der Sibylle, die Villa des Maecenas, die Villa Gregoriana und die Villa d' Este.

66 Galleria Colonna Ich war mit Hackert in der Galerie Colonna, wo Poussins, Claudes, Salvator Rosas Arbeiten zusammen hängen. Er sagte mir viel Gutes und gründlich Gedachtes über diese Bilder, er hat einige davon kopiert und die andern recht aus dem Fundament studiert. Es freute mich, daß ich im allgemeinen bei den ersten Besuchen in der Galerie eben dieselbe Vorstellung gehabt hatte. Alles, was er mir sagte, hat meine Begriffe nicht geändert, sondern nur erweitert und bestimmt. Wenn man nun gleich wieder die Natur ansehn und wieder finden und lesen kann, was jene gefunden und mehr oder weniger nachgeahmt haben, das muß die Seele erweitern, reinigen und ihr zuletzt den höchsten anschauenden Begriff von Natur und Kunst geben. Ich will auch nicht mehr ruhen, bis mir nichts mehr Wort und Tradition, sondern lebendiger Begriff ist. Von Jugend auf war mit dieses mein Trieb und meine Plage, jetzt, da das Alter kommt, will ich wenigstens das Erreichbare erreichen und das Tunliche tun, da ich so lange verdient und unverdient das Schicksal des Sisyphus und Tantalus erduldet habe. (IR )

67 St.Peter bei Nacht Es war ein schöner klarer Himmel und der Mond voll, dadurch ward die Erleuchtung sanfter, und es sah ganz aus wie ein Märchen. Die schöne Form der Kirche und der Kuppel gleichsam in einem feurigen Aufriss zu sehen, ist ein großer und reizender Anblick. (IR )

68 Castelgandolfo In Castel Gandolfo lernt Goethe die schöne Mailänderin Maddalena Riggi kennen, eine „Wahlverwandtschaft", der Goethe durch Abreise entsagt. Zwei Ölgemälde von Hektor Rössler Franz von Das rechte zeigt Castelgandolfo.

69 Skelton, Castelgandolfo
Dieses Aquarell von Jonathan Skelton (1758) zeigt Castel Gandolfo und den Albanersee. Der Blick geht vom südlichen Ortsrand von Castelgandolfo über den See zu den Albanerbergen um Frascati.

70 Albano „In guter Gesellschaft„, also mit Angelika Kaufmann, Meyer und Kayser besucht Goethe die so genannten Castelli Romani: Marino, Albano, Castello, Larici, Genzano, Nemi, Monte Cavo.

71 Der Akatholische Friedhof
“Man könnte sich in den Tod verlieben, wenn man an einem so lieblichen Ort begraben wird”. Shelley. Kamelien leuchten in schwermütiger Pracht unter Lorbeer und Geißblatt, die Myrten stehen in Blüte, und liebliche Rosen winden Girlanden um die Stämme der Zypressenbäume. Narzissen und Lilien sprossen aus dem hohen Gras hervor, und oben singt die Drossel dem sterbenden Tag ein trillerndes Sommerabendständchen. Schöner Garten, zu dem der Wanderer seine Schritte lenkt, sind das die Mohnblüten der Vergessenheit, die zwischen deinen Rosen blühen? Aus «Memories and Vagaries » von Axel Munthe, dem Verfasser des «Buches von San Michele «. Der Friedhof diente früher allen, die nicht katholisch waren, als Grabstätte: Orthodoxe, Protestanten, Atheisten. Sie duften nicht auf einem katholischen Friedhof beerdigt werden. Die Anlage liegt hinter der Cestius-Pyramide und besaß anfänglich weder Mauer noch Zaun, um ihn von der umgebenden Campagna, auf der damals noch die Schafe weideten, abzugrenzen. Da aber gelegentlich Trunkenbolde der benachbarten Lokale die Grabruhe störten und die Grabstätten schändeten, konnte man nach einigem Hin und Her mit den römischen Behörden die Grabstätten einzäunen. Leo XII. gestattete auch, dass die Anlage mit einem Graben umzogen würde. Die deutsche Botschaft hat 1894 weiteren Grund erworben. Berühmte Tote neben Goethes sind: Shelley, Keats, Wilhelm Waiblinger, Prof. Semper, die Söhne von A. von Humboldt, Malvida von Meysenbug. Das Ölgemälde links obenstammt von Jacques Sablet (1791) und nennt sich Roman Elegy. Zwei Reisende stehen an einem Grab des Friedhofs; im Hintergrund die Cestius-Pyramide.

72 Goethe Filius Auf die deutschen Dichter hat der Friedhof an der Pyramide immer eine besondere Anziehungskraft ausgeübt. Goethe besuchte ihn mehrfach während seines römischen Aufenthaltes 1787 und spielte offensichtlich mit dem Gedanken, sich hier bestatten zu lassen, denn er sagt in seinen «Römischen Elegien» 0, wie fühl ich in Rom mich so froh! (...) Dulde mich, Jupiter, hier, und Hermes führe mich später, Cestius Mal vorbei, leise zum Orkus hinab. Wenngleich nicht der Vater, so fand doch der Sohn hier seine letzte Ruhestätte. Julius August Goethe starb 1830 in Rom. Das Leben des jungen Mannes war gekennzeichnet von der Tragik, Sohn eines so berühmten Vaters zu sein. Er merkte bald, dass er den Ansprüchen seines Vaters nicht gerecht werden konnte und verfiel der Untätigkeit und dem Alkoholismus. Der Vater hoffte, dass ein Aufenthalt in Italien dem Sohn wieder neuen Schwung geben würde, so wie dies bei ihm und beim Großvater der Fall war. Diese Erwartungen erfüllten sich aber nicht. August Goethe kam hier vollende auf die schiefe Bahn und starb hier mit nur 40 Jahren. Die Obduktion ergab eine fünffach vergrößerte Leber. Das Portraitmedaillon auf Goethes Grabstein stammt von Thorvaldsen. Die Grabinschrift lautet: «Goethe filius, patri antevertens» (Der Sohn Goethes, dem Vater vorauseilend). 

73 In jeder großen Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn..
Abschied vom Kapitol „Lange vor seiner Abreise bedrückt Goethe der Gedanke, die Stadt zu verlassen: „Ich weiß noch nicht, wie ich mich von Rom los machen will. Ich finde hier die Erfüllung aller meiner Wünsche und Träume, wie soll ich den Ort verlassen, der für mich allein auf der ganzen Erde zum Paradies werden kann?" (an Kayser, 14. Juli 1787) Ab Januar 1788 bereitet er sich ernsthaft auf seine „Auflösung" vor. „In jeder großen Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn, man muss sich hüten, ihn nachdenklich auszubrüten und zu pflegen... Nach zerstreuenden, mitunter peinlich zugebrachten Tagen macht ich den Umgang mit wenigen Freunden einmal ganz allein. Nachdem ich den langen Corso, wohl zum letztenmal, durchwandert hatte, bestieg ich das Kapitol, das wie ein Feenpalast in der Wüste dastand. Die Statue Mark Aurels rief den Kommandeur in Don Juan zur Erinnerung und gab dem Wanderer zu verstehen, dass er etwas Ungewöhnliches unternehme. In jeder großen Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn..

74 Zum letzten Mal das Forum
Dessenungeachtet ging ich die hintere Treppe hinab. Ganz finster, finstern Schatten werfend, stand mir der Triumphbogen des Septimius Severus entgegen; in der Einsamkeit der Via Sacra erschienen die sonst so bekannten Gegenstände fremdartig und geisterhaft. (IR 1788)

75 Abschied vom Kolosseum
Als ich aber den erhabenen Resten des Koliseums mich näherte und in dessen verschlossenes Innere durchs Gitter hineinsah, darf ich nicht leugnen, daß mich ein Schauer überfiel und meine Rückkehr beschleunigte... (IR 1788)

76 Cum repeto noctem... Auf eine besonders feierliche Weise sollte jedoch mein Abschied aus Rom vorbereitet werden: drei Nächte vorher stand der volle Mond am klarsten Himmel, und ein Zauber, der sich dadurch über die ungeheure Stadt verbreitet, so oft empfunden, war nun aufs eindringlichste fühlbar. Die großen Lichtmassen, klar, wie von einem milden Tage beleuchtet, mit ihren Gegensätzen von tiefen Schatten, durch Reflexe manchmal erhellt, zur Ahnung des Einzelnen, setzen uns in einen Zustand wie von einer andern, einfachen, größern Welt... Und wie sollte mir gerade in solchen Augenblicken Ovids Elegie nicht ins Gedächtnis zurückkehren, der, auch verbannt, in einer Mondnacht Rom verlassen sollte. „Cum repeto noctem!" seine Rückerinnerung, weit hinten am Schwarzen Meere, im trauer- und jammervollen Zustand, kam mir nicht aus dem Sinn, ich wiederholte das Gedicht, das mir teilweise genau im Gedächtnis hervorstieg, aber mich wirklich an eigner Produktion irre werden ließ und hinderte; die auch später unternommen, niemals zustande kommen konnte. Wandelt von jener Nacht mir das traurige Bild vor die Seele, Welche die letzte für mich ward in der Römischen Stadt, Wiederhol' ich die Nacht, wo des Teuren so viel mir zurückblieb, Gleitet vom Auge mir noch jetzt eine Träne herab. Und schon ruhten bereits die Stimmen der Menschen und Hunde, Luna, sie lenkt in der Höh' nächtliches Rossegespann. Zu ihr schaut' ich hinan, sah dann kapitolische Tempel, Welchen umsonst so nah unsere Laren gegrenzt." (IR 1788)

77 © Alle Rechte vorbehalten
In Rom habe ich mich selbst zuerst gefunden, ich bin zuerst übereinstimmend mit mir selbst glücklich und vernünftig geworden (IR 17.März 1788) FINIS © Alle Rechte vorbehalten


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