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Piaget revisited. Piagets Entwicklungstheorie erneut betrachtet 32. Pädagogiklehrertag 19. September 2012 1.

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1 Piaget revisited. Piagets Entwicklungstheorie erneut betrachtet 32. Pädagogiklehrertag 19. September

2 1.Zu Besuch bei Piaget – die besondere Persönlichkeit 2.Piaget heute – eine Umschau 3.Komplikationen im Verstehen 4.Ausgangs- und Ankunftspunkte der Genese 5.Piaget heute – ein Plädoyer 2

3 qKrm5ibnWoo/T58Co4y4shI/AAAAAAAABVw/cxVAEbrES64/s1600 /Jean+Piaget.jpg, Jean Piaget Laut Whos Who erhielt Jean Piaget weltweit mehr als 30 Ehrendoktorwürden.

4 1. Zu Besuch bei Piaget – die besondere Persönlichkeit 4

5 5

6 Damals [vor Studenten in Baltimore] habe ich über die Kreativität beim Kind gesprochen, das war selbstverständlich, aber die Studenten wollten wissen, wie ich meine eigenen Ideen finde. Die Frage machte mich ziemlich verlegen, denn damit hatte ich mich wenig beschäftigt. Immerhin, nach einigem Nachdenken habe ich ihnen gesagt, daß ich mich an drei Verfahren halte. […] 6

7 Erstens: nichts über das Gebiet lesen, mit dem man sich gerade beschäftigt. Die Lektüre kommt erst danach. Zweitens: so viel wie möglich über die Nachbargebiete lesen. Für das Studium der Intelligenzentwicklung sind das einerseits die Biologie und andererseits die Mathematik und Logik, aber auch die Soziologie usw., kurz, alles, was irgendwie mit dem Thema, über das man forscht, zusammenhängt. Drittens: man braucht ein rotes Tuch. Mein rotes Tuch ist der logische Positivismus. Jean-Claude Bringuier (1996): Jean Piaget. Im allgemeinen werde ich falsch verstanden. Übers. von Enrico Heinemann und Reinhard Tiffert. Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe von May Widmer- Perrenoud. Hamburg [Paris 1977], S. 189f. 7

8 Heinz von Foerster erinnert sich an seine Begegnung mit Piaget an dessen 80. Geburtstag: Es war gerade eine Hitzewelle, wie man sie in Genf überhaupt noch nie erlebt hatte. Es müssen 45˚ im Schatten gewesen sein. Alle waren in Hemdsärmeln und schwitzten, niemand hatte eine Krawatte. Und der Piaget erschien mit einer Weste, mit einem schwarzen Sakko, mit dicken Hosen, einem Leinenhemd und hatte hohe Stiefel an, mit Hakenverschnürung die halbe Wade hinauf. So ist er dagesessen und hat den Gentleman gespielt. Heinz von Foerster – Ernst von Glasersfeld ( ): Wie wir uns erfinden. Eine Autobiografie des radikalen Konstruktivismus. Unter Mitarbeit von Hans Rudi Fischer. Heidelberg, S

9 Ernst von Glasersfeld zu Heinz von Foerster: Piaget hat in dem Buch, das von der Geburtstagsfeier veröffentlicht wurde, geschrieben, deine Ausführungen seien ein schönes Geschenk für ihn gewesen, denn sie hätten ihm bestätigt, daß die physischen Gegenstände nichts seien als Hindernisse, an die der Organismus sich anpassen muß. Heinz von Foerster – Ernst von Glasersfeld, Wie wir uns erfinden, a. a. O., S

10 Charles Taylor äußert sich 1975: Die genetische Psychologie wird von der Gestalt Piagets beherrscht, und kein Philosoph kann ohne eine gewisse Befangenheit seine Gedanken zu diesem Thema vortragen, da die ätzenden, wenig schmeichelhaften Bemerkungen des großen alten Mannes über die Philosophen als solche ihm noch im Ohr klingen. Taylor, Charles (1975): Erklärung und Interpretation in den Wissenschaften vom Menschen. Frankfurt am Main, S

11 Piagets veröffentlichte Schriften 11 Kohler, Richard (2009): Piaget und die Pädagogik. Eine historiographische Analyse. Bad Heilbrunn, S. 9.

12 Piaget blieb bis ins hohe Alter wissenschaftlich tätig. Im Jahre 1976 [also mit 80 Jahren] etwa verteidigte er vor einem Kolloquium von Mitarbeitern, Kollegen und Studenten seine Äquilibrationstheorie in einer Art informeller Prüfung, da er in seiner Laufbahn, obschon er zu einem der einflußreichsten Psychologen dieses Jahrhunderts geworden war, nie ein psychologisches Examen abgelegt hatte. Scharlau, Ingrid (1996): Jean Piaget – zur Einführung. Hamburg, S

13 2. Piaget heute – eine Umschau 13

14 Piagets pädagogische Schriften nehmen nur einen sehr kleinen Teil seines Werks ein. Mit zunehmendem Alter distanzierte er sich von pädagogischen Fragestellungen. Das Lernen hat er stets der Entwicklung untergeordnet und ihm keine besondere Rolle beigemessen. 14

15 Piagets Einfluss in der Psychologie war immens: 1969 wurde in der entwicklungspsychologischen Literatur am häufigsten auf ihn Bezug genommen […] war er der am häufigsten zitierte Psychologe […], und im Jahr 2002 nahm er nach Burr[h]us F. Skinner noch immer den zweiten Platz in den USA ein […]. Kohler, Piaget und die Pädagogik, a. a. O., S

16 Nach Piagets Tod im Jahre 1980 ist es eher still um ihn geworden. Insbesondere seine genetische Epistemologie, die ihm am Herzen lag, ist in den Hintergrund gerückt. Was den pädagogischen Diskurs anlangt, so beherrscht heute die Hirnforschung das Feld. 16

17 Sabina Pauen, Psychologin an der Universität Heidelberg, äußert sich in einer Sendung zu Jean Piaget: Piaget hat sehr viel an geistigen Leistungen daran festgemacht, wie sich Kinder aktiv motorisch verhalten. Das tun wir heute nicht mehr. Wir gucken, worauf die Babys länger schauen, oder wir messen ihre Hirnströme. Manuskript der Sendung ZeitZeichen, WDR 5+3, 9. August 2011, S

18 Die kognitive Entwicklung des Kindes beginnt nach neuesten Befunden viel eher als zuvor im Anschluss an Piaget angenommen. Die Übertragung von Sinneserfahrungen von einem Sinnesgebiet (Modalität) in ein anderes und die Kategorisierung des Wahrgenommenen tritt bereits ab der vierten Woche auf, bald gefolgt von dem Verständnis für einfache Addition und Subtraktion. Mit drei Monaten ist der Säugling fähig, zwischen möglichen und unmöglichen physikalischen Erscheinungen zu unterscheiden (z. B. dass losgelassene Gegenstände zu Boden fallen und nicht etwa aufsteigen). Roth, Gerhard (2011): Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt. Stuttgart, S

19 Beim Laufenlernen – dies ist nicht minder erstaunlich als der Spracherwerb –, so notiert Manfred Spitzer, schätzen sie [scil. die Kleinkinder] die Gravitationskonstante ab, erfinden die Hebelgesetze und erarbeiten sich Dutzende von Differentialgleichungen zum Ansteuern der Muskulatur. Spitzer, Manfred (2010): Medizin für die Bildung, Heidelberg, S

20 Der gemeinsame Fehler dieser Interpretationen [scil. des Empirismus, Positivismus, aber auch der Introspektion] […] besteht darin, die Aktivität des Subjekts erst vom reflektierten, klaren und intellektualisierten Denken an einsetzen zu lassen, als ob die Vernunft des erwachsenen, zivilisierten und normalen Menschen, der überdies den Lehren der Philosophie zugänglich ist, in Potenz im Kind und im Fetus, im Primitiven oder in der Hierarchie der Lebewesen enthalten wäre, in einer Hierarchie, die sogar manchmal als unbeweglich betrachtet wird. 20

21 Das klarste Resultat der genetischen Forschungen besteht aber in der Einsicht, daß das rationale Denken in der Entwicklung des Subjekts einen Ankunftspunkt und nicht etwa einen Ausgangspunkt bildet. Der reflektierten und begrifflichen Intelligenz geht die praktische und sensomotorische Intelligenz voran, […]. Piaget, Jean (1975): Die Entwicklung des Erkennens III. Das biologische Denken. Das psychologische Denken. Das soziologische Denken. Übers. von Fritz Kubli. Stuttgart [Paris 1950], S. 258f., (Herv. von Käte Meyer-Drawe). 21

22 Das Kind, das gehen lernt, macht nicht einen Kursus in Bewegungsphysiologie durch, setzt sich nicht wie ein Konstrukteur seiner eigenen Maschinerie in Gang, sondern versucht, seinen Leib als ein Ganzes in fortschreitender Richtung zu bringen, und zwar durch einfache in dem Verhältnis seines Leibes zur Umgebung vorgezeichneten Aktionen. Plessner, Helmuth gemeinsam mit Buytendijk, Frederic Jacobus Johannes (1982): Die Deutung des mimischen Ausdrucks. Ein Beitrag zur Lehre vom Bewußtein des andern Ich (1925). In: Helmuth Plessner. Gesammelte Schriften. Hg. von Günter Dux, Odo Marquard und Elisabeth Ströker unter Mitwirkung von Richard W. Schmidt, Angelika Wetterer und Michael-Joachim Zemlin. Band VII. Ausdruck und menschliche Natur. Frankfurt am Main, S , hier: S

23 3. Komplikationen im Verstehen 23

24 -Sprachliche Komplikationen (Beispiel: lintelligence, Differenz von la chose und lobjet) -Genetische Epistemologie (Entwicklung der Erkenntnis) -Mathematische Strukturen (INRC-Gruppe)* -Interdisziplinarität (Biologie, Philosophie, Psychologie, Mathematik, Physik, Kybernetik) *I= Identität; N= Negativität (inverses Element); C= Composition (Kommutativität und Assoziativität); R= Reziprozität 24

25 4. Ausgangs- und Ankunftspunkte der Genese 25

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27 Piagets biologische Erkenntnistheorie rückt die Embryologie der Vernunft in den Mittelpunkt und meint die Entstehung des objektiven Wissens als eine Art kontinuierliche Neuschaffung (Epigenese) des Denkens. Vgl. Piaget, Jean (1975): Die Entwicklung des Erkennens I. Das mathematische Denken. Mit einer Einführung von Hans Aebli. Übers. von Fritz Kubli. Stuttgart [Paris 1950], S

28 28 Die kognitive Entwicklung wird mit Hilfe von Piagets Stufenschema der Entwicklung der Erkenntnisfähigkeit erläutert. Dabei geht die Entwicklung von einem Zustand der Nichtunterschiedenheit vom Kind und seiner Welt aus und endet in einem abstrakten Denken nach dem Vorbild der Mathematik. Entwicklung

29 Objektpermanenz 29

30 30 Quelle: Zimbardo, Philip G.: Psychologie. Deutsche Bearbeitung von Siegfried Hoppe-Graff, Barbara Keller und Irma Engel. Hrsg. der deutschen Ausgabe: Siegfried Hoppe-Graff und Barbara Keller. Berlin/Heidelberg/New York , S. 76. Das Mengenerhaltungsexperiment

31 31 Quelle: Zimbardo, Philip G.: Psychologie. Deutsche Bearbeitung von Siegfried Hoppe-Graff, Barbara Keller und Irma Engel. Hrsg. der deutschen Ausgabe: Siegfried Hoppe-Graff und Barbara Keller. Berlin/Heidelberg/New York , S. 76.

32 32 Quelle: Zimbardo, Philip G.: Psychologie. Deutsche Bearbeitung von Siegfried Hoppe-Graff, Barbara Keller und Irma Engel. Hrsg. der deutschen Ausgabe: Siegfried Hoppe-Graff und Barbara Keller. Berlin/Heidelberg/New York , S. 76.

33 33 Der Drei-Berge-Versuch

34 34 Der Pendelversuch

35 Egozentrismus 1.Sensomotorische Phase 2.Konkret-operative Phase 2.1 Teilphase der präoperativen Vorstellungen 2.2 Teilphase der konkreten Operationen 3. Formale Operationen Dezentrierung 35 Schema der Entwicklung der Erkenntnis

36 Lopération meint im Sinne Piagets eine verinnerlichte Handlung. Im Unterschied zur konkreten Handlung kann die Operation im Denken umgekehrt, also rückgängig gemacht werden (Reversibilität). 36

37 Äußerst wichtige mathematische Gebiete […] haben keine Entsprechung in der physischen Realität, und alle mathematischen Techniken führen zu neuen Kombinationen, die die Realität bereichern. Fatke, Reinhard (Hg.) (1981): Jean Piaget über Jean Piaget. Sein Werk aus seiner Sicht. Mit einer Einführung von Reinhard Fatke. Übers. von Hainer Hober. München [New York 1970], S

38 Die Entwicklung wissenschaftlichen Denkens ist ein Prozess, in dem Konflikte zur Reorganisation der Vorstellungen führen. Dabei stößt man nach Piaget im kindlichen Denken überall auf algebraische Strukturen, deren Prägung er unter dem Einfluss der Kybernetik als in neuronalen Netzen verankert betrachtet. Vgl. Piaget, Jean (1992): Einführung in die genetische Erkenntnistheorie. [New York/London 1970], S. 35 und S

39 Es herrscht kontinuierlich ein dynamisches Gleichgewicht (Äquilibration) zwischen der Assimilation und der Akkomodation. Bei der Assimilation wird die Realität den Erfahrungsstrukturen angepasst. Bei der Akkomodation wird umgekehrt die Erfahrung der Realität angepasst. 39

40 5. Piaget heute – ein Plädoyer 40

41 Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Lernen von den Entwicklungsmechanismen abzuhängen und nur stabil zu werden scheint, insoweit es bestimmte Aspekte dieser Mechanismen verwendet – nämlich jene Quantifizierungsinstrumente, die sich auch im Lauf spontaner Entwicklung herausgebildet hätten. Fatke, Piaget über Piaget, a. a. O., S

42 Das Kind als Wissenschaftler? 42

43 Das Kind als Philosoph? 43

44 Piaget – ein Konstruktivist? J.P.: Das Objekt ist ein Grenzwert im mathematischen Sinn. Man nähert sich der Objektivität ständig an, ohne das Objekt selbst je zu erreichen. Das Objekt, das man zu erreichen glaubt, ist stets das von der Intelligenz des Subjektes repräsentierte und interpretierte Objekt. 44

45 J.Cl.B.: Ist das Idealismus? J.P.: Nein, denn das Objekt existiert ja. Aber man entdeckt seine Eigenschaften nur durch eine sukzessive Annäherung. Bringuier, Jean-Claude, Jean Piaget, a.a.O., S

46 Es ist unmöglich, in der Handlung eines Subjekts eine ständige Grenze zu finden zwischen dem, was aus seiner eigenen Aktivität herrührt, und dem, was von äußeren Objekten herstammt. Piaget, Jean, Die Entwicklung des Erkennens III, a. a. O., S

47 Assimilation meint, sich vom Sinne der Dinge zu ernähren. (Jean Piaget) Diese Formulierung stammt von Piaget. Er äußert sie in einem Gespräch mit Jean-Claude Bringuier. Leider findet sie sich nicht in der schriftlichen Version der Videoaufzeichnung: Jean-Claude Bringuier, Jean Piaget. Im allgemeinen werde ich falsch verstanden, a. a. O. 47

48 Hans Aebli, einer der berühmten Schüler Jean Piagets, bemerkt zu dessen Theorie: Piagets Kinder sind mit einer Problemsituation konfrontiert, sie sind ihr nicht von vornherein gewachsen, empfinden Widerspruch, mangelnde Kohärenz, kurz kognitiven Konflikt. Sie suchen diesen zu bewältigen, indem sie handeln und denken. Das ist die Einsamkeit des Max Weberschen Calvinisten, des Rousseauschen Emile, es ist das Auf-sich-selber-angewiesen-Sein des darwinschen Lebewesens im Kampf ums Dasein und der Ratte im Labyrinth. 48

49 Wir erinnern uns an zwei Dinge: Piaget ist mit Calvin und Rousseau ein Genfer Protestant, mit Daniel Defoe ein Calvinist und mit Darwin ein protestantischer Biologe, und er hat seine Ideen in den ersten drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts [scil. des 20. Jahrhunderts] ausgebildet, in einer Zeit, in der wie heute emanzipatorische Ideen, eine Rousseau-Renaissance und die Lebensphilosophie und -pädagogik ihren Einfluß ausübten. Kein Wunder also, daß in diesem Entwicklungsmodell kein Platz für den Erwachsenen, für Verhaltensvorbilder und für Anleitung ist, für Kultur, Tradition und für die sie vermittelnde, prägende und von ihnen geprägte Sprache. Aebli, Hans (1978): Von Piagets Entwicklungspsychologie zur Theorie der kognitiven Sozialisation. In: Steiner, Gerhard (Hg.): Piaget und die Folgen. Entwicklungspsychologie. Denkpsychologie. Genetische Psychologie. Die Psychologie des 20. Jahrhunderts. Band VII. Zürich, S , hier: S

50 Maurice Merleau-Ponty ( ), der Vorgänger Jean Piagets auf dem Lehrstuhl für Kinderpsychologie an der Sorbonne, entwickelt seine Konzeption in unermüdlicher Auseinandersetzung mit Jean Piagets Schriften. 50

51 Er fasst zusammen: Piaget geleitet das Kind zum Alter der Vernunft, als genügten die Gedanken des Erwachsenen sich selbst und höben alle Widersprüche auf. In Wirklichkeit muß das Kind in gewisser Weise gegen die Erwachsenen – oder gegen Piaget – Recht behalten, muß das wilde Denken des frühen Kindesalters als unentbehrlicher Erwerb auch dem des Erwachsenen zugrundeliegen bleiben, wenn es für den Erwachsenen eine einzige und intersubjektive Welt geben soll. Merleau-Ponty, Maurice (1966): Phänomenologie der Wahrnehmung. Übers. und durch eine Vorrede einführt von Rudolf Boehm. Berlin [Paris 1945], S. 407, (Übersetzung geändert, K.M-D.). 51

52 Ein Golfschläger und ein Golfball kosten zusammen 120 Dollar. Der Golfschläger kostet 110 Dollar mehr als der Golfball. Wie viel kostet der Golfball? 52

53 Selbstkritisch merken die Hirnforscher an: Nach welchen Regeln das Gehirn arbeitet; wie es die Welt so abbildet, dass unmittelbare Wahrnehmung und frühere Erfahrung miteinander verschmelzen; wie das innere Tun als seine Tätigkeit erlebt wird und wie es zukünftige Aktionen plant, all dies verstehen wir nach wie vor nicht einmal in Ansätzen. Mehr noch: Es ist überhaupt nicht klar, wie man dies mit den heutigen Mitteln erforschen könnte. 53

54 Die Methoden messen nur sehr indirekt, wo in Haufen von hundert Tausenden von Neuronen etwas mehr Energiebedarf besteht. Das ist in etwa so, als versuchte man, die Funktionsweise eines Computers zu ergründen, indem man seinen Stromverbrauch misst, während er verschiedene Aufgaben abarbeitet. Elger, Christian E. u.a. ( ): Das Manifest. Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung. In: Könneker, Carsten (Hg.): Hirnforscher, Psychologen und Philosophen im Dialog. Frankfurt am Main, S , hier: S. 78f. 54

55 Piaget sieht in der Entwicklung des Erkennens nur die Interaktion zwischen Kind und Versuchsanordnung. Der Versuchsleiter und seine Maßnahmen gehen nicht in die Analyse ein. Weil er seine eigenen Versuche mit den Augen Rousseaus betrachtete, konnte und wollte er nicht sehen, wie didaktisch sie in Wirklichkeit waren und wie sehr die Entdeckungen seiner kleinen Versuchspersonen durch die Fragen der Versuchsleiter (und die mathematisch-physikalische, kulturelle Tradition, aus der heraus er sie stellt) vorstrukturiert waren. Aebli, Von Piagets Entwicklungspsychologie zur Theorie der kognitiven Sozialisation, a. a. O., S

56 Beispiel: Die Länge der Kordel 56

57 Piagets Versuch, in der genetischen Epistemologie Philosophie und Biologie zu verbinden, kann eine ermüdende Debatte unterbrechen, welche die populäre Hirnforschung darin am Leben erhält, dass sie den alten Gegensatz von Natur- und Geisteswissenschaften auffrischt. 57

58 Alfred Lorenzer: Niemand, der sich mit frühkindlicher Entwicklung beschäftigt, kann an Jean Piaget vorbei. Hommage à Jean Piaget – zum achtzigsten Geburtstag, a. a. O., S


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