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1 i Y IS LM Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff Universität Passau WS 2006/07 Z + - Monetäre Außenwirtschaft 9. Zur Gültigkeit der Zinsparität.

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1 1 i Y IS LM Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff Universität Passau WS 2006/07 Z + - Monetäre Außenwirtschaft 9. Zur Gültigkeit der Zinsparität

2 2 Literatur Jarchow, H.-J. und P. Rühmann (2000): S Isard, P. (1995), Exchange Rate Economics, Cambridge University Press: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht, Juli 2005: Chin, M. und G. Meredith (2004), Monetary Policy and Long-Horizon Uncovered Interest Parity, International Monetary Fund Staff Papers, Vol. 51(3), S :

3 3 Zur Effizienz des Devisenmarkts Ein Finanzmarkt wird als effizient bezeichnet, wenn der Marktpreis jederzeit alle für die Preisbildung relevanten Informationen vollständig widerspiegelt. Lassen sich aufgrund verfügbarer Informationen zusätzliche Gewinne erzielen, so wäre die Bedingung für Markteffizienz nicht erfüllt. Erst wenn sich auf einem Markt ein Preis bzw. Kurs einstellt, bei dem keine unausgenutzten Gewinnchancen mehr bestehen, reflektiert er sämtliche verfügbaren Informationen. Ein durchschnittlicher Anleger kann bei Gültigkeit der Effizienzhypothese nicht systematisch den Markt schlagen.

4 4 Unter diesen Annahmen führt die Kassaspekulation bei Ausschöpfung aller Gewinnmöglichkeiten zur ungesicherten Zinsparität. Dies impliziert, dass die in die Erwartungsbildung über den zukünftigen Wechselkurs eingehenden Informationen sich in dem aktuellen Wechselkurs widerspiegeln. Der erwartete Wechselkurs muss aber nicht identisch sein mit dem später sich einstellenden Kassakurs, denn der spätere Kassakurs verändert sich mit neuen Informationen.

5 5 Rationalität bedeutet, dass alle verfügbaren Informationen in die Bildung des erwarteten Wechselkurses einfließen: Der erwartete Wechselkurs wird aber abweichen von dem sich später tatsächlich einstellenden Kassakurs, wenn zwischenzeitlich unvorhersehbare und damit neuen Informationen auftreten. Diese bewirken einen Zufallsfehler: Allerdings bleibt der zukünftige Kassakurs hierbei ein unverfälschter Schätzer des vorherig erwarteten Wechselkurses.

6 6 Die erste Aufgabe bei einer empirischen Untersuchung besteht darin, eine passende Regressionsgleichung zu finden. Aus der ungesicherten Zinsparität folgt für Quartalswerte nach Logarithmierung: ln(1+i/400)-ln(1+i a /400)=ln(w erw )-ln(w t ). Bei rationaler Erwartungsbildung gilt w erw =w t+3.Ferner gilt für kleine Werte x: ln(1+x)=x. Damit folgt: ln(w t+3 )-ln(w t )=(i-i a )/400.

7 7 Dann lautet die Schätzgleichung für die Dreimonatsanleihen: ln(w t+3 )-ln(w t )=c(1)+c(2)(i t -i a t )/400+ t und wir erwarten die Koeffizienten c(1)=0, c(2)=1. Es resultiert aber tatsächlich das falsche Vorzeichen für c(2), und zwar auch noch signifikant. Dieses Ergebnis wird auch in diversen sonstigen Studien bestätigt. Was könnten die Gründe für diesen wiederholten Befund sein?

8 8 Im letzten Kapital hatten wir Risikoprämien als Begründung dafür angeführt, dass ein Anstieg des erwarteten Wechselkurses nur zu einem unterproportionalen Anstieg des Terminkurses führte und ein Anstieg der Zinsdifferenz den Kassakurs nur unterproportional beeinflusst. Diese Argumente legen c(2)<1 nahe, aber nicht c(2)<0. Risikoprämien dienen nur als ein Grund unter vielen für ein Abweichen von der Zinsparität. Vier weitere Gründe werden wir im Folgenden kennen lernen.

9 9 2.Peso-Problem Der mexikanische Peso war seit 1954 fest an den US-Dollar gekoppelt. Allerdings lag der Zinssatz in Mexiko während dieser Zeit stetig über demjenigen vergleichbarer Dollar-Einlagen. Hierbei bestanden somit Arbitragemöglichkeiten: Eine Verschuldung in den USA und Anlage in Mexiko versprach Gewinnmöglichkeiten, da der Kredit zum gleichen Wechselkurs getilgt werden konnte. Solche Arbitragemöglichkeiten können aber nicht dauerhaft bestehen bleiben.

10 10 Analog hierzu wurde der mexikanische Peso per Termin lange mit einem Abschlag gehandelt, obwohl er nicht (oder erst viel später, nämlich 1976) tatsächlich abwertete. Die Markterwartungen waren hierbei ex-ante rational. Aus den ex-post erhobenen Daten lässt sich diese Rationalität aber nicht ablesen. Da die Abwertung nicht unmittelbar mit ihrer Antizipation erfolgte, ist der Terminkurs, zumindest während eines beschränkten Zeitraums der Datenerhebung, ein verfälschter Prädiktor des zukünftigen Kassakurses.

11 11 In der Schätzgleichung impliziert dies einen verfälschten Koeffizienten c(2). Für die Schätzung von w erw wäre c(2)=1 gültig. Nun gilt aber: ln(w erw )-ln(w t )>ln(w t+3 )-ln(w t ) Hieraus folgt ln(w t+3 )-ln(w t )=c(1)+c(2)(i t -i a t )/400+ t mit c(2)<1, sofern das Peso-Problem mit einem höheren Zinssatz im abwertungsverdächtigen Land einhergeht.

12 12 3.Lerneffekte Marktteilnehmer kennen nicht die zukünftige Zentralbankpolitik. Die EZB entscheide sich, über 12 Monate hinweg i

13 13 Während hierbei der ex-ante erwartete Wechselkurs demjenigen gemäß UIP entspricht, weicht dieser Wechselkurs systematisch von dem sich später einstellenden Wechselkurs ab. Es gilt somit: Während der Anpassungsphase ergibt eine Auslandsanlage eine Überrendite. Geltung der UIP würde hingegen als Reaktion auf die dauerhaft expansive Zentralbankpolitik eine einen Anstieg von w erw erfordern und damit eine starke Aufwertung des Wechselkurses gepaart mit einer Abwertungserwartung.

14 14 4.Spekulative Blasen Ein Bestandteil der Effizienzhypothese besteht darin, dass ein Wertpapier mit seinen Fundamentalfaktoren bewertet wird: dem Gegenwartswert aller zukünftigen Auszahlungen. Rationalität kann auch mit der Vorstellung einhergehen kann, dass sich der Wechselkurs immer weiter von einem durch Fundamentalfaktoren bestimmten Gleichgewichtskurs entfernt. Wird nach einer Wechselkurserhöhung mit einer weiteren Erhöhung des Wechselkurses gerechnet, so werden zusätzliche Devisenkäufe induziert. Dies bewirkt einen weiteren Anstieg des Wechselkurses.

15 15 Hierdurch erfüllen sich die Wechselkurserwartungen selbst. Die Folge wäre ein sich selbst verstärkender Abwertungsprozess der heimischen Währung – wie auf einer wachsenden Blase (Bubble). Eine solche Entwicklung kann auch dann auftreten, wenn die Akteure den Fundamentalkurs kennen. Hierfür ist erforderlich, dass sie nicht wissen, wann die Rückkehr zum Fundamentalkurs erfolgt. Die Wirtschaftssubjekte ziehen zwei Möglichkeiten in Betracht. Mit Wahrscheinlichkeit 1- wird eine Bewegung auf dem Bubblepfad erwartet, mit der Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr zum Fundamentalkurs, also ein Platzen der Blase.

16 16 Der im Mittel für die nächste Periode erwartete Wechselkurs beträgt dann: Wird hier die ungesicherte Zinsparität berücksichtigt, so folgt:

17 17 Nehmen wir an, der Wechselkurs liege über dem Fundamentalkurs (w > w F ) und es liege eine positive Zinsdifferenz zum Ausland vor (i > i a ). Die Aufwertung der Auslandswährung auf dem Bubblepfad muss so stark ausfallen, dass sie eine Kompensation -für den Zinsnachteil des Auslands bietet und -für das Risiko, dass die Blase platzt.

18 18 Die Aufwertung auf einem Bubblepfad ist um so stärker, je mehr der Wechselkurs bereits von seinem Fundamentalkurs abweicht (je größer also w – w F ist) und je höher die Wahrscheinlichkeit des Platzens der Blase ( ) eingeschätzt wird. Das größer werdende Risiko des Platzens erfordert als Kompensation eine beschleunigte Aufwertung der Auslandswährung.

19 19 Rationale Blasen könnten ein Abweichen von der UIP begründen. Ein einmaliges Sinken des inländischen Zinssatzes könnte eine Bewegung auf einem Bubblepfad mit zunehmend sinkendem Wechselkurs auslösen. Der erwartete Wechselkurs sinkt weniger als der Kassakurs, da die Blase mit Wahrscheinlich platzt. Daher folgt: Als Folge könnte sich c(2)>1 einstellen. Erhöht sich aber der inländische Zinssatz wieder, so hätte dies kaum Auswirkung auf den Wechselkurs, der sich weiter auf dem Bubblepfad bewegt. Daher ist auch c(2)<1 möglich.

20 20 Während der ersten Hälfte der 80er Jahre ist die Entwicklung des Dollarkurses evtl. durch einen solchen Bubble zu erklären. Die damals vorliegende negative Zinsdifferenz (i

21 21 Problematisch in der Theorie spekulativer Blasen ist die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit für das Platzen eines Bubble unabhängig ist vom Ausmaß der Abweichung vom Fundamentalkurs. Zudem wird zumeist beobachtet, dass der Wechselkurs nicht schlagartig zum Fundamentalkurs zurückkehrt. Eine eventuelle Blase würde also in der Wirklichkeit nur langsam die Luft verlieren. Dies wiederum ist nur schwer mit der Existenz einer Blase in Einklang zu bringen.

22 22 Empirische Untersuchungen geben wenig Unterstützung für die Theorie spekulativer Blasen. Hierbei ist aber zu bedenken, dass jeder Test auf eine Wechselkursblase gleichzeitig Annahmen bezüglich des Fundamentalkurses macht. Zunehmende Abweichungen zwischen dem aktuellen Wechselkurs und dem Fundamentalkurs können auch auf falschen Annahmen bezüglich dieses Fundamentalkurses beruhen.

23 23 Von Vertretern der Effizienzhypothese wird gegen die Theorie spekulativer Blasen vorgebracht, dass der Einfluss von Bubblespekulanten durch gegenläufige Transaktionen vollständig neutralisiert wird. Sollte deren Engagement zu einem Kursanstieg führen, so würden sofort andere Anleger, die sich an den Fundamentalfaktoren orientieren, diesen Kursanstieg durch Verkäufe kompensieren.

24 24 5.Endogenität Der Zinssatz ist, entgegen der Schätzgleichung, evtl. nicht exogen, er wird vielmehr von der Zentralbank in Abhängigkeit vom Wechselkurs gesetzt. Ein unerwarteter, stochastischer Anstieg des Kassakurses verbessert die heimischen Exportchancen, erhöht die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und gleichzeitig das Inflationsrisiko. Ein steigender Wechselkurs bewirkt importierte Inflation. Als Reaktion hierauf wird die Zentralbank den Zinssatz erhöhen.

25 25 Empirisch wird ein solcher stochastischer Schock zum Zeitpunkt t durch t <0 erfasst. ln(w t+3 )-ln(w t )=c(1)+c(2)(i t -i a t )/400+ t Ein plötzlicher Anstieg des Kassakurses bewirkt somit eine von der UIP abweichende (Dollar-) Abwertungserwartung. Bei Geltung der UIP erwarten wir eine Anpassung des Kassakurses. Stattdessen würde nun aber die Zentralbank mit einem Zinsanstieg reagieren. Damit ist der Zinssatz nicht mehr exogen, sondern korreliert mit dem Störterm.


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