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Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 25.11.2010 Prof. Dr. Oliver Niebuhr.

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2 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 1 Ist es ein / / ? Kontrastive Untersuchungen zur Sibilantenassimilation im Französichen und Englischen Gastvortrag SFB Mehrsprachigkeit Universität Hamburg,

3 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 2 Es ist lange bekannt und gut erforscht, dass im Französischen bei angrezenden Konsonanten eine Assimilation der Stimmeinstellung stattfindet (voice assimilation). –Cest un groupe zulu /p// z/ [bz] Die stimmliche Assimilation ist regressiv. Sie ist stärker von stimmlos zu stimmhaft als von stimmhaft zu stimmlos… …, und sie ist stärker, wenn sie nicht zu lexikalischen Ambiguitäten führt (Snoeren et al. 2006, 2008). Sie variiert mit dem Grad der syntaktischen Grenze (Kohler 2002). Assimilation im Französischen

4 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 3 Aber wie sieht es mit Assimilation des Artikulationsortes (place assimilation) aus? Diese Frage wird in der Literatur zur französischen Phonetik und Phonologie weitgehend ignoriert (Armstrong 1932; Batt 1960; Malmberg 1969; Price 1991)… …, oder es wird explizit behauptet, Ortsassimilation seinon-existent in French (cf. Fagyal et al. 2006:49) Ramus (2001:208): English children […] must learn how place assimilation works in English […] if they were in a French environment, they would need to learn that there is no place assimilation, but that there is voicing assimilation Darcy (2002) performed word monitoring experiments in French and English that examined the role of context in processing […] regressive place assimilation (which occurs in English but not French) (Gow 2003: 492) Assimilation im Französischen

5 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 4 Als eine der wenigen Ausnahmen weisen Fagyal et al. (2006:49) mit Bezug auf Léon and Carton (1983) and Gadet (1992) auf einen Sonderfall hin: After schwa deletion in Northern Metropolitan French, sibilant + sibilant fricative sequences do show anticipatory assimilation of place. For instance in quinze juin June fifteen […] the two adjacent sibilants form a homorganic consonant cluster […] when the schwa is deleted D.h., Ortsassimilation kann unter speziellen Bedingungen doch auftreten: –Bei Sibilantensequenzen… –…die durch Schwaelision… –( )…in der Varietät des Northern Metropolitan French entstehen. –Die hier auftretende Assimilation ist regressiv –…und läuft in Zielrichtung postalveolar ab. Kohler (2002:19) äußert sich ähnlich (aber nicht identisch!): There are very few examples of place assimilation of consonants in the data. The succession of postalveolar and alveolar fricatives […] with schwa elision […] may result in […] [ :] Assimilation im Französischen

6 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 5 Ist Ortsassimilation wirklich so stark beschränkt? –Je sais… = –Je suis… = In der Spontansprache sind diese Ortsassimilationen in Sibilanten- sequenzen – und die damit einhergehenden Reduktionen – der Regelfall. Z.B. Je (ne) sais pas = Corpus of Interaction Data, CID, 8h Dialoge, 16 Sprecherinnen und Sprecher südfranzösischer Varietäten (Bertrand et al. 2006) Die Ortsassimilationen sind auch in die Schrift eingedrungen, was zeigt, dass sie im metaling. Bewusstsein der Sprecher repräsentiert sind. : : plus regr. voice Assimilation im Französischen

7 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 6 Assimilation im Französischen

8 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 7 Aber sind das nicht besondere Fälle/Formen? –Hochfrequente Funktionswörter weak forms in der Terminologie von z.B. Jones (1969) oder Kohler (2001) – D.h., sind chai(s), chui, etc. tatsächlich das Resultat allg., prod. Prozesse? –Oder sind sie zu feststehenden Ausdrücken geworden? – D.h., ist es tatsächlich angemessen chai, chui, etc. als reduzierte/assimilerte Varianten von je sais, je suis, etc. zu behandeln? je sais/suisquinze juin : (postalv.) : (postalv.) Assimilation im Französischen

9 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 8 –Mit quinze jours wurden im CID zwei zu quinze juin ([ : ], Fagyal et al. 2006) sehr ähnliche Fälle gefunden… –…und zwar für südfranzösische Sprecher, die nicht dem Northern Metropolitan French angehören. –Daneben wurden eine Reihe weiterer Beispiele für progressive und regressive Assimilationen in Sibilantensequenzen gefunden, die in Richtung der postalveolaren [ ] oder [ ] gehen. je sais/suisquinze juin passe chezavantage cestmange sur : (postalv.) : (postalv.) Assimilation im Französischen

10 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 9 Zudem war die alveolar-zu-postalveolar Assimilation in den Sibilantensequenzen offensichtlich nicht in allen Fällen vollständig. Die unterschiedlichen Assimilationgrade betreffen den Zeit- und Frequenzbereich. ss Unvollst. spektrale Assimilation Scotch sur la bouch Unvollst. temporale Assimilation s recherche cest Assimilation im Französischen

11 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 10 Die bis hierin zusammengefassten Beobachtungen waren der Ausgangspunkt für eine systematische akustische Analyse mit gezielt erhobener Lesesprache… …auf Basis der folgenden Hypothesen: –(1) In Sibilantensequenzen des Französischen können Assimilationen des Artikulationsortes prinzipiell vorkommen. –(2) Diese Ortsassimilation ist sehr viel verbreiteter als in der Literatur angenommen. Sie tritt über schwache Formen und feststehende Ausdrücke wie je suis und je sais hinweg auf. –(3) Die Zielqualität der Assimilation ist postalveolar Sie tritt progressiv und regressiv auf, je nach der Position des postalveolaren Sibilanten in der Sequenz –(4) Der Assimilationsprozess ist insgesamt graduell und reicht von fehlender, über teilweise, bis zu vollständiger Assimilation der Sibilantenqualitäten. Aufgenommen wurden 6 Sprecherinnen aus Aix-en-Provence und Umgebung; insg Sätze wurden gelesen und segm. annotiert. In Satzkontexte eingebettet wurden (a) hoch kontrollierte Pseudonamen (Bas Chafe) und (b) und echte Wortpaare (classe chargée). Assimilation im Französischen

12 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 11 Kurzzusammenfassung der Ergebnisse: Ortsassimilation trat in beide Richtungen – regressiv und progressiv – auf, aber stärker in regressiver Richtung. Grad und Domäne der Assimilation war klar sprechabhängig –ABO und IVI stark bei progr.+regr. Assim. –MTE stark regr. und schwach progr. –CDL schwach in beide Richtungen Grundlage: / m/, /sm/ und alle 8 möglichen Sib.-Sequenzen Assimilation im Französischen

13 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 12 Kurzzusammenfassung der Ergebnisse: Wenn Ortsassimilation nicht vollständig, dann war postalveolarer Abschnitt länger als alveolarer. Gilt v.a. für ABO und MTE, schwächer auch für CDL Auch hier sprecherind. Effekte: –ABO: komplementäre Längung/Kürzung –MTE: Längung/Kürzung des 2. Sibilanten –CDL: Längung/Kürzung des 1. Sibilanten –Ergo: bei MTE und CDL verschiebt sich ebenf. die Gesamtdauer der Sibilantensequenz Assimilation im Französischen

14 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 13 Fazit: Niebuhr et al. ( accepted JPhon) haben erstmals in einer systematisch-phonetischen Analyse gezeigt, dass im Französischen Assimilation des Artikulationsortes vorkommt. Am Beispiel alveolar-zu-postalveolar im Bereich der Sibilanten Im Deutschen und Englischen findet sich hier regressive Assimilation. Im Französischen ist die Zielqualität postalveolar der bestimmende Faktor. D.h., die Assimilation kommt in regressiver und in progressiver Richtung vor. zurück (velar) zurück (postalveolar, / /) Have you seen Barbaras shoes ? msh Ich muss es bis zum Bus(ch?) schaffen! Assimilation im Französischen

15 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 14 Eine parallele Studie zur Ortsassimilation von Sibilantensequenzen im Englischen hat gezeigt, dass die Assimilation dort… –…deutlich weniger sprecherübergreifend variiert und –…insgesamt zu weit mehr Fällen führt, die anhand unserer CoG-Messungen als vollständig /s,z/ [ ] assimiliert gelten können. Perzeptorische Kompensation im Kontext ENGLISCHFRANZÖSISCH RegressivSee how the glass shines STARK-VOLLSTÄNDIG Cetait une classe chargée SCHWACH-STARK ProgressiveShe likes the British south NICHT EXISTENT Tu te cache sous le lit SCHWACH-STARK Zielqualität s ( s) s

16 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 15 Viele Wahrnehmungsstudien zeigen übereinstimmend, dass Hörer über Wortgrenzen hinweg Ortsassimilationen kompensieren bzw. Zurücknehmen können, wenn der lautliche Kontext eine Assimilation wahrscheinlich macht. lean bacon und leam bacon leam gammon Perzeptorische Kompensation im Kontext ENGLISCHFRANZÖSISCH RegressivSee how the glass shines STARK-VOLLSTÄNDIG Cetait une classe chargée SCHWACH-STARK ProgressiveShe likes the British south NICHT EXISTENT Tu te cache sous le lit SCHWACH-STARK Zielqualität s ( s) s

17 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 16 Darüber hinaus gibt es Anzeichen, dass dieses Kompentationsvermögen durch die jeweilige Sprache geformt wird und somit sprachspezifisch ist (vgl. Gaskell 2003; Darcy et al. 2007). Würden also englische und französische Hörer Sibilantensequenzen anders wahrnehmen? Perzeptorische Kompensation im Kontext ENGLISCHFRANZÖSISCH RegressivSee how the glass shines STARK-VOLLSTÄNDIG Cetait une classe chargée SCHWACH-STARK ProgressiveShe likes the British south NICHT EXISTENT Tu te cache sous le lit SCHWACH-STARK Zielqualität s ( s) s

18 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 17 Wahrnehmungsexperiment auf der Basis von Pseudowortpaaren …aus einem zuvor gelernten künstlichen Lexikon Probanden lernen Substantive (Formen) und Adjektive (Texturen) Diese werden kann in einem interaktiven Experiment anhand auditiver Instruktionen einander zugeordnet Messungen dabei: –Augenbewegungen (Eye-Tracking) –Knopfdruck –Reaktionszeit zu Knopfdruck nach Revill et al. (2008) Perzeptorische Kompensation im Kontext

19 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 18 Wahrnehmungsexperiment auf der Basis von Pseudowortpaaren …aus einem zuvor gelernten künstlichen Lexikon Perzeptorische Kompensation im Kontext Render the nalip shinnow please cavees caveesh pidas tamash nalip remop samal shamal sival shinnow pagoon pentuf Formen Texturen Wort 1 Wort 2 Rendez le nalip shinnow sil vous plait

20 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 19 Wahrnehmungsexperiment auf der Basis von Pseudowortpaaren …aus einem zuvor gelernten künstlichen Lexikon Perzeptorische Kompensation im Kontext Render the nalip shinnow please cavees caveesh pidas tamash samal shamal sival shinnow Formen Texturen Rendez le nalip shinnow sil vous plait / ʃ / /s/ Es wurden über Praat akustische Kontinua für die Sibilanten in den Zielwörtern erzeugt.

21 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 20 Aufgabe wurde von 26 französischen und 25 englischen Muttersprachlern durchgeführt, die nur Grundkenntnisse der jew. anderen Sprache hatten Durchführung über 2 Tage: 1. Training mit isolierten Wörtern (120 Min.); 2a. Kontrolle (20 Min.) und VPn filtern; 2b Experiment (60 Min.) Perzeptorische Kompensation im Kontext Render the nalip shinnow please cavees caveesh pidas tamash samal shamal sival shinnow Rendez le nalip shinnow sil vous plait / ʃ / /s/ Es wurden über Praat akustische Kontinua für die Sibilanten in den Zielwörtern erzeugt.

22 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 21 Ergebnisse Knopfdruck: Z.B.: Perzeptorische Kompensation im Kontext Render the cavee... control shinnow sival / ʃ / /s/ Französische Hörer Statistik (logistic mixed effects model):Effekt des folgenden /s/ vs. /sh/ * Interaktion mit Hörer/Sprache *** Statistik (logistic mixed effects model):Effekt des folgenden /s/ vs. /sh/ * Interaktion mit Hörer/Sprache *** Ab kleinstem [ ]-Indiz in caveesh erzeugt nachfolgendes shinnow [s]-Wahrnehmung = Assim.-Kompensation Bei engl. Hörern zeigt sich diese Kompensation nur bei klarem [ ] in caveesh Sonst: unklare Misch- formen werden bei nachfolgend klarem [ ] öfter auch als [ ] gehört. Englische Hörer

23 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 22 Ergebnisse Augenbewegungen: Z.B.samal – shamal nach dem caveesh-Kontext Perzeptorische Kompensation im Kontext Augenbew.- Verzögerung (200 ms) / / aus caveesh Kontext Französische Hörer Es wird sofort zu samal geguckt, wenn eindeutiges /s/ vorliegt Für unklare Mischformen UND die klare [ ]-Form finden Augenbewegungen deutlich verzögert statt Englische Hörer zeigten kein asyn- chrones Verhalten; Kein Erwägen von progressiver Assi- milation nach caveesh nötig!

24 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 23 Die sprachspezifischen Assimilationsmuster sind im Verhalten der Hörer einer Sprache reflektiert. Der kognitive Umgang mit Assimilationen wird erlernt und ist keine sprachuniverselle Verdrahtung. Regressiv: –Im Englischen ist Sibilantenassimilation eher kategorial. Englische Hörer kompensieren [ ] /s/ nur bei eindeutigem [ ]. –Im Französischen führt Sibilantenassimilation eher zu Mischformen. Franz. Hörer kompensieren [ ] /s/ NICHT nur bei eindeutigem [ ], sondern AUCH bei Mischformen. Progressiv: –Im Englischen gibt es keine progressive Sibilantenassimilation. Der zweite Sibilant der Sequenz kann nach / / direkt phonetisch dekodiert werden. – Im Französischen wird der zweite Sibilant nur bei eindeutigem [s] direkt phonetisch dekodiert; für Mischformen und klare [ ] wird progressive Assimilation in Betracht gezogen. Verzögert gezielte Augenbewegungen; wirkt sich allerdings nicht nachweislich auf Kopfdruckverhalten aus. Perzeptorische Kompensation im Kontext

25 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 24 Durch die bidirektionale Assimilation zeichnen sich französische Sibilantensequenzen durch ein hohes Maß an potentieller Ambiguität aus: –Z.B. [ :] /s /, / s/, /z /, / s/, und / / Aber ist das tatsächlich der Fall? Es ist ein Axiom, dass Wortfolgen nicht Sequenzen diskreter Einzelsegmente sind. Vielmehr drückt jedes Segment seinem Umfeld seinen Stempel auf (= Koartikulation) Hinterlassen die (vollständig) assimilierten alveolaren Sibilanten Spuren in den umliegenden Vokalen? Assimilationsresistentes phonetic detail

26 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 25 Beispiele für solche assimilationsresistenten Spuren, die dann auch als Identifikationssignale (= acoustic cues) für den Hörer fungieren, gibt es bereits. –Nolans (1992) EPG-Studie über alveolar-zu-velar Assimilation in Plosiven (/dg/ [gg] wie in bad girl vs. bag girl). –Selbst wenn die Assimilation aufgrund der EPG-Kontaktmuster als vollständig beschrieben werden kann, stellt Nolan fest, dass auditorily, it seems that the vowel allophone before the lexical velar is slightly closer than before the lexical alveolar (Nolan 1992:272) –Seine Hörer, die in der Lagen waren, die laut messphonetischen Kennzahlen ambigen Fälle zu als z.B. /dg/ und /gg/ zu erkennen, weisen auf die perzeptive Relevanz dieser Beobachtung hin. –Nolans impressionistische Bemerkung wurde später durch akustische Analysen seiner Daten durch Local (2003:329) bestätigt. Assimilationsresistentes phonetic detail

27 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 26 Hawkins & Smith (2001:10) obwohl die /z /-Sequenz in whos sharpened spektral annähernd mit der / /-Referenz in who sharpened übereinstimmt, sind die vorausgehenden /u/ - besonders in puncto F2 und F3 klar verschieden. Auch in unsere Fran- zösischen Daten weisen erste Beobachtungen auf assimilationsresistente vokalische Details hin. Assimilationsresistentes phonetic detail

28 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr ms 43ms 65ms 21dB vs. 17dB /s / Assimilationsresistentes phonetic detail

29 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr ms 150ms 49ms 57ms 18dB vs. 16dB /s / Assimilationsresistentes phonetic detail

30 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 29 Ausgangspunkt für eine systematische akustisch-phonetische Analyse Durchgeführt für einen kleineren Datensatz des Gesamtkorpus, den Pseudonamen wie Bas Chafe im konstanten Trägersatz Jai vu ___ hier Dabei: (a) /s /, / s/ (Assimilations-Bedingungen) (b) /sm/, / m/ (Referenzbedingungen für alveolar und postalveolar) Innerhalb der 3 symmetrischen Vokalkontexte: /a__a/, /i__i/, /u__u/ Gemessen wurden… …Vokaldauer (ms), …Intensität (dB) in der Vokalmitte, nahe dem Intensitätsmaximum …und jeweils für Beginn+10ms, Mitte und Ende-10ms im Vokals: –Amplitudendifferenz der ersten beiden Harmonischen H1-H2 als Repräsentant der Stimmqualität (Grad der Behauchung) –Die ersten beiden Formanten F1 und F2 Assimilationsresistentes phonetic detail

31 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 30 Vokaldauern –Die Vokale waren signifikant länger (im Durchschnitt 15-20ms, aber bis zu 60ms), wenn der nachfolgende Sibilant ein postalveolares / / war. –Gilt für Referenz- und für (assimilierte/neutralisierte) Sequenzbedingungen. –Für Sequenzen sogar stärker. Assimilationsresistentes phonetic detail

32 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 31 Vokalintensitäten (in Vokalmitte nahe I-max mit Praat) –Die Vokale, die Postalveolaren / / vorausgingen, waren signifikant leiser (< Intensität in der Vokalmitte). Der Intensitätsunterschied beläuft sich im Durchschnitt auf 2-3dB, kann aber bis 5dB betragen. –Gilt für Referenz- und für (assimilierte/neutralisierte) Sequenzbedingungen. –Für Sequenzen sogar stärker. Assimilationsresistentes phonetic detail

33 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 32 Stimmqualiät (Grad der Behauchung des Vokals): –Die Vokale waren signifikant behauchter (>H1-H2 Differenz) vor / /. –Gilt für Referenz- und für (assimilierte/neutralisierte) Sequenzbedingungen –Dafür fand sich vor /s/ oft kurze [h]-Phase (Präaspiration) –Die generelle Behauchung ebenso wie der Behauchungsunterschied nehmen zum Sibilanten hin eher zu. Assimilationsresistentes phonetic detail

34 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 33 Vokalqualität (in Form von F1 and F2): –Kleiner, aber insgesamt konsistener Effekt des nachfolgenden Sibilanten –Unabhängig von der Assimilation hat der Vokal vor / / ein F2, der dem entsprechenden Kardinalvokal näher kommt (/i,a/ > F2, /u/ < F2) –Aber: die F2-Unterschiede werden zum Sibilanten hin zunehmend egalisiert! Assimilationsresistentes phonetic detail

35 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 34 Weitere prüfstatistische Auswertung Es wurden 2 Diskriminanzanalysen durchgeführt, je eine auf Basis der Sibilantenmessungen (CoGs) und der Vokalmessungen. Diskriminanzanalysen versuchen, anhand der Messwerte, mit denen sie gefüttert werden, vorherzusagen, ob es sich um einen /s /- oder einen / s/-Fall handelt. Auf Basis der Sibilantenmessungen war keine signifikante Vorhersage/ Klassifikation möglich. Korrekte Zuordnungen zwischen 40-60% = Zufall. Auf Basis der Vokalmessungen war hingegen eine signifikante Zuordnung möglich. –Rangfolge der akustischen Parameter: Dauer > Stimmqualität > F2 > Intensität > F1 –Vorhersage war geringfügig schlechter für /i/ Trefferquote 73%. –Anhand der akustisch-phonetischen Eigenschaften von /a/ und /u/ wurden 85-95% der Sibilantensequenzen korrekt als /s / oder / s/ vorhergesagt. Assimilationsresistentes phonetic detail

36 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 35 Für das Englische haben wir wiederum eine parallele Studie zu assimilationsresistenten Vokalunterschieden durchgeführt. Ebenfalls für kontextualisierten Pseudonamen aus dem Korpus mit den stimmlosen Sibilantensequenzen in 3 symmetrischen Vokalumgebungen 2 Referenzbedingungen: /ss/, / / 1 Assimilationsbedingung: /s / 3 Vokalumgebungen / _ /, / _ /, / _ / –Viss SimleyVish ShimleyViss Shimley –Vass SabsonVash ShabsonVass Shabson –Voss SomdonVosh ShomdonVoss Shomdon Wir sind zu gleichen Ergebnissen gelangt, wie im Französischen Vokale vor Sequenzen, die mit postalveolarem / / beginnen, waren länger, behauchter und leiser (F2-Effekte waren nur in der Tendenz vorhanden), unabhängig davon, inwieweit die Sequenzen mit initialem /s/ eine regressive /s/ [ ] Assimilation aufwiesen. Assimilationsresistentes phonetic detail

37 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr ms, 72.8dB 90ms, 78.9dB Wer ist hier denn nun der echte Voss Shombdon? Die Sibilantensequenzen /s / und / / haben ähnliche CoG-Werte (5.2kHz, 1kHz) und Dauern (155ms) Assimilationsresistentes phonetic detail

38 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 37 Assimilationsresistente Spuren in benachbarten Lautsegmenten können dazu beitragen, den Prozess der Assimilation in einem segmentübergreifenden Licht neu zu konzipieren und weitere Zweifel an der Existenz vollständiger Assimilation zu sähen. Moreover, they have important implications for psycholinguistic theory, where debate continues about the processes underlying the perception of assimilated speech; all models focus on the consonants involved in assimilation. Clearly, if preceding vowels contain disambiguating cues then there is the potential to advance this theoretical debate. (Gaskell 2009:3) Perzeptionsexperimente mit Stimuli auf Basis der Pseudonamen im Französischen und Englischen Assimilationsresistentes phonetic detail

39 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 38 Perzeptionsexperiment zum Englischen 5 experimentelle Bedingungen aus /v/+Vokal und Sibilanten-sequenz: Referenz 1: /v/+Vokal + schwach assimiliertes /s / (= orig.) Referenz 2: /v/+Vokal + unassimiliertes, originales / / (= orig.) Target 1: /v/+Vokal + stark assimiliertes /s / (in Diskriminanzanalyse als / / für die Sprecherin fehlklassifiziert(= orig.) Target 2: /v/+Vokal aus Referenz 2 ersetzt entsprechenden Abschnitt in Target 1 (= manip.) Target 3: /v/+Vokal aus Target 1 ersetzt entsprechenden Abschnitt in Referenz 2 (= manip.) Jeweils mit allen 3 Vokalenumgebungen /,, / = 15 Stimuli 15 Stimuli für 2 Sprecherinnen, die stärker/schwächer assimiliert haben Alle 30 Stimuli (orig.+manip.) wurden in ihrem originalen Äußerungs- kontext präsentiert. Äußerungskontexte wurden über die 30 Stimuli annähernd ausbalanciert. Assimilationsresistentes phonetic detail

40 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 39 Perzeptionsexperiment zum Englischen Die 15 Stimuli der beiden Sprecherinnen bildeten separate Experimente. In jedem Experiment kamen die Stimuli je 10 Mal in insgesamt randomisierter Reihenfolge vor = 150 Stimuli pro Experiment. 20 VPn haben am Experiment teilgenommen, aufgeteilt in 4 kleinere Gruppen von 4,4,5,7 Personen. Alle Muttersprachler des Britischen Englisch, seit Kurzem berufstätig / studierend in Kiel. Jeweils 2 VPn-Gruppen mit Experimentreihenfolgen A+B und B+A. Eine komplette experimentelle Sitzung aus A+B dauerte ca. 45 Minuten (inkl. Vorlauf und Pause zwischen A+B). Die VPn wurden instruiert und bekamen 9 Übungsstimuli vor dem eigentlichen Experiment. Assimilationsresistentes phonetic detail

41 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 40 Perzeptionsexperiment zum Englischen Quintessenz der englischsprachigen Instruktion: Es gibt eine englischsprachige Region auf der Welt, in der die Vornamen einem bestimmten System folgen. Die Namen der Frauen enden auf, die Namen der Männer hingegen auf. Nachfolgend hören Sie Ausschnitte aus Dialogen, in denen sich Sprecherinnen über Menschen aus dieser Region unterhalten. Hören Sie gut zu und urteilen Sie anschließend: Wird über eine Frau oder über einen Mann gesprochen? Es wurden nicht Sprachlaute, sondern Personen/Geschlechter identifi- ziert. = kein phoneme monitoring Urteile wurden durch Knopfdruck abgegeben. Taste 1 =, Taste 2 =. Es wurden Urteile und die dazugehörigen Reaktionszeiten erfasst und automatisch derandomisiert, aufbereitet (mittels RMG3, IPdS). Assimilationsresistentes phonetic detail

42 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 41 Perzeptionsexperiment zum Englischen Quintessenz der englischsprachigen Instruktion: Assimilationsresistentes phonetic detail Vpn bekamen 5 Minuten, um sich die 9 Personen in Ruhe anzuschauen.

43 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 42 Perzeptionsexperiment zum Englischen Ergebnisse der Urteile: Die originalen Bedingungen werden klar als / / (Ref2) oder /s / (Ref1+Target1) identifiziert. Target 2 erreicht klar mehr / / als das bis auf /v/+Vok. identische Target 1 Target 3 erreicht weniger / / als die bis auf /v/+Vok. identische Referenz 2 Assimilationsresistentes phonetic detail

44 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 43 Perzeptionsexperiment zum Englischen Ergebnisse der Urteile: Die insgesamt ist die /s /-/ /-Differenzierung für /i/ geringer als für /, / passt dazu, dass Sibilantensequenzen auch in der Diskriminanzanalyse wegen kleiner Vokalunterschiede für /i/ schlechter separiert wurden. Stark assimilierte Target 1 erreicht mehr / / als schwach assimilierte Referenz 1 Assimilationsresistentes phonetic detail

45 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 44 Perzeptionsexperiment zum Englischen Ergebnisse der Reaktionszeiten: Immer gerechnet ab Beginn des /v/ des Vornamens Wenn die akustischen Signale der Vokale und Sibilanten in unterschiedliche Richtungen weisen, ist die Reaktionszeit deutlich größer (= Target 1 + 3) In Target 2 entsteht ein solcher cue-Konflikt nicht. Assimilationsresistentes phonetic detail

46 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 45 Perzeptionsexperiment zum Englischen Ergebnisse der Reaktionszeiten: Insgesamt kaum Unterschiede zwischen den Vokal-/Äußerungskontexten Die Sprechgeschwindigkeit war in den Stimuli von JOD ca. 1-2 Sil./Sek. schneller als für CLA, und für JOD sind auch die Reaktionszeiten ms kürzer (obwohl die Dauern für /v/+Vok. + Sibilantensequenz nicht kürzer sind! Warum?) Assimilationsresistentes phonetic detail

47 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 46 Perzeptionsexperiment zum Englischen Fazit: Die phonetischen Details des Vokals haben einen erheblichen Effekt auf die Identifikation des darauf folgenden Sibilanten als alveolaren /s/ oder postalveolaren / /. Dieselbe vollständig assimilierte /s /-Sequenz kann (fast) eindeutig als [s ] oder [ ] identifiziert werden, je nachdem, welche Eigenschaften der vorangehende Vokal hat. Sogar ein originales / / kann als /s /-Sequenz interpretiert werden, wenn ein Vokal aus einem ursprünglichen /s /-Kontext vorausgeht. Wahrnehmungsmodelle können Assimilation nicht nur Basis des Paares aus assimilerendem und assimiliertem Laut behandeln. Die Befunde verstärken den Zweifel daran, ob es vollständige Assimilation überhaupt geben kann. Wahrnehmungsexperimente zum Französischen folgen im Februar Assimilationsresistentes phonetic detail

48 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 47 Auch das Französische kennt regionsübergreifend das Phänomen der Ortsassimilation, allerdings weniger kategorial als im Englischen, dafür jedoch regressiv und progressiv. Die Unterschiede in Richtung und Grad der Assimilation bilden sich in einem sprachspezifischen Hörverhalten ab. Sowohl im Französichen als auch im Englischen gibt es vergleichbar ausgeprägte assimilationsresistente Unterschiede in den Vokalen vor dem bzw. den Sibilanten- Hörer können diese Details nutzen, um den nachfolgenden Sibilanten als alveolar oder postalveolar zu identifizieren. Entsprechend kann man in einer suprasegmentellen Perspektive nicht von kompletter Assimilation reden. Gesamtfazit Vielen Dank für Ihre lange Aufmerksamkeit !

49 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 48 Wodurch entstehen die sibilantenspezifischen vokal. Details? Erster, vorläufiger Erklärungsansatz als Koartikulation: Stimmlose Sibilanten involvieren zwei Gesten eine supraglottale (artikulatorische) Bildung der Friktionsenge eine glottale (phonatorische) Abduktion der Stimmlippen zur Herstellung der Stimmlosigkeit Die artikulatorische Geste verursacht die Formantunterschiede Die phonatorische verursacht die übrigen Unterschiede langsamere Abduktion vor / / schafft Behauchung mit kleinerer Energie als Nebenprodukt und nahtlosen Übergang vom Vokal in den Sibilanten (ohne Präaspiration), wodurch der Vokal zudem länger wird. Assimilationsresistentes phonetic detail

50 Analyse gesprochener Sprache Allgemeine & Vergleichende Sprachwissenschaft Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Prof. Dr. Oliver Niebuhr 49 Wodurch entstehen die sibilantenspezifischen vokal. Details? Erster, vorläufiger Erklärungsansatz als Koartikulation: Ggf. erfordern die unterschiedlichen aerodynamischen Be- dingungen von /s/ und / / das abweichende artikulatorische- phonatorische Timing Bei der (regressiven) Assimilation /s/ [ ] wird nur die artikulatorische Geste angeglichen, die phonatorische bleibt. Erklärt auch, warum die F2-Effekte insb. gegen Vokalende weniger robust waren als die der Dauer, Intensität und Behauchung Eine umgekehrte, gestenspezifische Assimilation ist implizit für die Stimme bereits bekannt (Snoeren et al. 2006; Kohler 2002; Kuzla 2009; Myers 2010) Assimilationsresistentes phonetic detail


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