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Strafbarkeitsrisiken kommunaler Wahlbeamter Fallstricke des Korruptionsstrafrechts Von Prof. Dr. Mark Deiters.

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Präsentation zum Thema: "Strafbarkeitsrisiken kommunaler Wahlbeamter Fallstricke des Korruptionsstrafrechts Von Prof. Dr. Mark Deiters."—  Präsentation transkript:

1 Strafbarkeitsrisiken kommunaler Wahlbeamter Fallstricke des Korruptionsstrafrechts Von Prof. Dr. Mark Deiters

2 2 Übersicht 1.Begriff der Korruption – Einschlägige Strafgesetze – Thematische Beschränkung 2.Amtsträgerkorruption a)Amtsträgereigenschaft b)Bestechlichkeit und Bestechung c)Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung 3.Beispiele aus der Rechtsprechung a)Der Fall Kremendahl b)Der Fall Claassen c)Der Fall Wimmer 4.Risikominimierungsstrategien

3 3 Was ist Korruption? Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil. Von Transparency International zugrunde gelegte Definition siehe https://www.transparency.de/was-ist-korruption html ( )https://www.transparency.de/was-ist-korruption html

4 4 4 Korruption (Auswahl) Amtsträger- korruption Abgeordneten -bestechung Wirtschafts- korruption Wettbewerbs- beschränkende Absprachen UntreueBetrug Steuerhinter -ziehung Geldwäsche

5 5 5 Korruption (Auswahl) Amtsträger- korruption Abgeordneten- bestechung Wirtschafts- korruption Wettbewerbs- beschränkende Absprachen UntreueBetrug Steuerhinter -ziehung Geldwäsche

6 6 Zusammenfassung  Korruption ist nach gesellschaftlichem Vorverständnis geprägt durch Machtmissbrauch und Eigennützigkeit  Strafrechtlich kann korruptiven Verhalten eine Vielzahl von Strafgesetzen erfüllen  Im Kern ist zu unterschieden zwischen Amtsträgerkorruption (§§ 331 – 338 StGB) und Wirtschaftskorruption (§ 299 StGB)  Die Delikte gegen Amtsträgerkorruption dienen dem Schutz des Vertrauens in die Lauterkeit staatlicher Verwaltung  Schutzgut der Delikte gegen Wirtschaftskorruption (§ 299 StGB) ist der freie Wettbewerb (h.M.)

7 7 Übersicht 1.Begriff der Korruption – Einschlägige Strafgesetze – Beschränkung des Vortrags 2.Amtsträgerkorruption a)Amtsträgereigenschaft b)Bestechlichkeit und Bestechung c)Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung 3.Beispiele aus der Rechtsprechung a)Der Fall Kremendahl b)Der Fall Claassen c)Der Fall Wimmer 4.Risikominimierungsstrategien

8 8 Amtsträger im strafrechtlichen Sinne (1975 – 1997) § 11 StGB (1) [...] 2. Amtsträger: wer nach deutschem Recht  Beamter oder Richter ist,  in einem sonstigen öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis steht oder  sonst dazu bestellt ist, bei einer Behörde oder bei einer sonstigen Stelle Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrzunehmen.

9 9 Amtsträger im strafrechtlichen Sinne (seit 1997) § 11 StGB (1) [...] 2. Amtsträger: wer nach deutschem Recht  Beamter oder Richter ist  In einem sonstigen öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis steht oder  sonst dazu bestellt ist, bei einer Behörde oder bei einer sonstigen Stelle oder in deren Auftrag Aufgaben der öffentlichen Verwaltung unbeschadet der zur Aufgabenerfüllung gewählten Organisationsform wahrzunehmen.

10 10 Sonstige Amtsträger  Verwirrende Kasuistik  U.U. Organe und Mitarbeiter privatrechtlich organisierter Unternehmen: Tätigkeit im Rahmen öffentlich-rechtlicher Daseinsvorsorge „Verlängerter Arm“ des Staates (staatliche Steuerung) Keine Aufgaben-, sondern bloße Organisationsprivatisierung  U.U. Selbständige, wenn sie dazu bestellt sind, im Auftrag „des Staates“ Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrzunehmen

11 11 Rechtsprechung (Beurteilung stets einzelfallabhängig)  Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG Kein Amtsträger (BGH, Urteil v – 2 StR 486/03)  Angestellter der Deutschen Bahn Netz AG: Amtsträger (BGH, Beschl. v − 3 StR 312/10)  Kommunale Abfallverwertungsgesellschaft Keine „sonstige Stelle“ bei Sperrminorität eines Privaten (BGH, Urt. v – 5 StR 119/05)  Aufsichtsratsvorsitzender einer Stadtwerke AG: Amtsträger (BGH, Urt. v – 3 StR 389/05)  Geschäftsführer einer kommunalen Stadtwerke GmbH Amtsträger (BGH, Urteil vom StR 164/03)

12 12 Übersicht 1.Begriff der Korruption – Einschlägige Strafgesetze – Beschränkung des Vortrags 2.Amtsträgerkorruption a)Amtsträgereigenschaft b)Bestechlichkeit und Bestechung c)Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung 3.Beispiele aus der Rechtsprechung a)Der Fall Kremendahl b)Der Fall Claassen c)Der Fall Wimmer 4.Risikominimierungsstrategien

13 13 § 332 Bestechlichkeit ( Strafbarkeit des Amtsträgers bei Annahme pp von Vorteilen für eine pflichtwidrige Diensthandlung oder ihre Unterlassung (§ 336) § 334 Bestechung (Strafbarkeit des Externen bei Gewährung pp von Vorteilen für eine pflichtwidrige Diensthandlung oder ihre Unterlassung (§ 336) Bestechungsdelikte Amtsträger

14 14 Begriff des Vorteils  Vorteil ist materielle oder immaterielle, objektiv messbare Besserstellung, auf die der Begünstigte keinen rechtlichen Anspruch hat  Auch Anspruch aus einem gegenseitigen, wirtschaftlich ausgeglichen Vertrag  Sehr weiter Vorteilsbegriff  Prinzipiell jede Zuwendung kann riskant sein

15 15 Mögliche Vorteile (Beispiele aus der Rechtsprechung) Stundung einer Schuld auf unbestimmte Zeit Gewährung eines Darlehens Überlassung eines Leihwagens Vermittlung einer entgeltlichen (Neben-)Beschäftigung Einladung zum Essen oder Trinken Einladung zu kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen Einladung zu Kongress- oder Studienreisen Finanzierung der Weihnachtsfeier einer Behörde Angebot einer entgeltlichen Beschäftigung nach Ausscheiden aus dem Amt Gewährung und Verschaffung des Geschlechtsverkehrs

16 16 Drittvorteil § 332 StGB von 1975 – 1997 „(1) Ein Amtsträger [...], der einen Vorteil als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, daß er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder künftig vornehme und dadurch seine Dienstpflichten verletzt hat oder verletzen würde, wird [...] bestraft. [...] § 332 StGB von 1975 – heute (1) Ein Amtsträger [...], der einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, daß er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder künftig vornehme und dadurch seine Dienstpflichten verletzt hat oder verletzen würde, wird [....]

17 17 Unrechtsvereinbarung (Bestechung und Bestechlichkeit)  Vereinbarung, dass Vorteil Gegenleistung für bestimmbare und rechtswidrige Diensthandlung  Durchführung der Übereinkunft nicht erforderlich  Auch wenn Amtsträger sich pflichtgemäßes Handeln vorbehält

18 18 Diensthandlung Eine Handlung, die in den Kreis Obliegenheiten gehört, die dem Amtsträger übertragen sind, und die von ihm in dienstlicher Eigenschaft vorgenommen wird Vorbereitende, unterstützende und beratende Tätigkeit genügt Auch verbotene Handlungen, die dem Amtsträger aufgrund seiner Stellung möglich sind (Amtsmissbrauch)

19 19 Verletzung der Dienstpflicht  Diensthandlung verstößt gegen ein auf Gesetz, Dienstvorschrift oder Einzelanordnung beruhendes Verbot oder Gebot  Bei Ermessenshandlungen ausreichend, dass Amtsträger sich durch den Vorteil beeinflussen lässt

20 20 Übersicht 1.Begriff der Korruption – Einschlägige Strafgesetze – Beschränkung des Vortrags 2.Amtsträgerkorruption a)Amtsträgereigenschaft b)Bestechlichkeit und Bestechung c)Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung 3.Beispiele aus der Rechtsprechung a)Der Fall Kremendahl b)Der Fall Claassen c)Der Fall Wimmer 4.Risikominimierungsstrategien

21 21 § 331 Vorteilsannahme (Strafbarkeit des Amtsträgers bei Annahme pp von Vorteilen für die Dienstausübung oder ihre Unterlassung (§ 336) § 333 Vorteilsgewährung ( Strafbarkeit des Externen bei Gewährung pp von Vorteilen für die Dienstausübung oder ihre Unterlassung (§ 336) § 332 Bestechlichkeit ( Strafbarkeit des Amtsträgers bei Annahme pp von Vorteilen für eine pflichtwidrige Diensthandlung oder ihre Unterlassung (§ 336) § 334 Bestechung (Strafbarkeit des Externen bei Gewährung pp von Vorteilen für eine pflichtwidrige Diensthandlung oder ihre Unterlassung (§ 336) Bestechungsdelikte Amtsträger

22 22 „Gelockerte“ Unrechtsvereinbarung (Vorteilsannahme und -gewährung)  Vereinbarung, dass Vorteil Gegenleistung für irgendeine, nicht notwendig bestimmbare oder rechtswidrige Diensthandlung  „Anfüttern“ und „Klimapflege“

23 23 § 108e StGB Abgeordnetenbestechung  Annehmen und Gewähren eines (ungerechtfertigten) Vorteils als Gegenleistung für eine Mandatsausübung nach Auftrag oder Weisung  Gilt auch für kommunale Mandatsträger  Im Unterschied zu § 331, 333 StGB nicht erfasst: Belohnung vergangener Mandatsausübung Beeinflussung parteiinterner Entscheidungsprozesse Klimapflege und Anfüttern

24 24 Zusammenfassung  Jede beliebige Besserstellung kann unter Korruptionsgesichtspunkten riskant sein  Zuwendung muss nicht unbedingt den Amtsträger besser stellen  Eigennützigkeit keine notwendige Voraussetzung strafbarer Korruption  Vorteilsannahme / -gewährung setzt lediglich Zuwendung für unbestimmtes rechtmäßiges Diensthandeln voraus  Machtmissbrauch keine notwendige Voraussetzung strafbarer Korruption  Erheblicher Interpretationsspielraum für Staatsanwaltschaft und Gerichte

25 25 Übersicht 1.Begriff der Korruption – Einschlägige Strafgesetze – Beschränkung des Vortrags 2.Amtsträgerkorruption a)Amtsträgereigenschaft b)Bestechlichkeit und Bestechung c)Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung 3.Beispiele aus der Rechtsprechung a)Der Fall Kremendahl b)Der Fall Claassen c)Der Fall Wimmer 4.Risikominimierungsstrategien

26 26 Fall Kremendahl (BGHSt 49, 275)  Bauunternehmer C finanziert Wahlkampf des Oberbürgermeisters K  K ist kommunaler Wahlbeamter (Gemeindeordnung NW)  C will die investorenfreundliche Politik des Amtsinhabers fortgesetzt sehen  C hofft zugleich auf Unterstützung bei einem konkreten Bauvorhaben; davon weiß K nichts

27 27 Fall Kremendahl (Lösung des BGH)  Strafbarkeit entfällt nicht, weil Wahlkampfspende in Form einer ordnungsgemäßen Parteispende erfolgt (so noch erstinstanzlich LG Wuppertal, NJW 2003, 1405)  Aber: Grundsatz der passiven Wahlgleichheit verlangt verfassungskonforme Auslegung  Keine Strafbarkeit, wenn lediglich Wiederwahl ermöglicht werden soll, damit investorenfreundliche Politik fortgesetzt wird  Anders, wenn feststeht, dass Amtsinhaber in Zukunft über ein Projekt des Gebers entscheiden wird (so klarstellend BGH NStZ 2008, 33)

28 28 Fall Classen (BGHSt 53, 6; LG Karlsruhe, NStZ 2008, 407)  Vorstandsvorsitzender der EnBW AG versendet als Weihnachtspräsent WM-Tickets an Mitglieder der baden- württembergischen Landesregierung und einen Staatssekretär im BMU  EnBW AG ist Hauptsponsor der FIFA WM 2006  Repräsentation gehört zu den Dienstpflichten der Begünstigten  Minister hatten ohnedies freien Zutritt zum Stadion, allerdings nicht für die Loge der E-AG  EnBW AG hat wirtschaftliches Interesse an Entscheidungen der begünstigten Amtsträger

29 29 Fall Classen (BGHSt 53, 6) „Die […] Unrechtsvereinbarung setzt voraus, dass der Vorteilsgeber mit dem Ziel handelt, auf die künftige Dienstausübung des Amtsträgers Einfluss zu nehmen und/oder seine vergangene Dienstausübung zu honorieren, wobei eine solche dienstliche Tätigkeit […] nicht […] konkretisiert sein muss. Ob in diesem Sinne eine Unrechtsvereinbarung vorliegt, ist Tatfrage und unterliegt der wertenden Beurteilung des Tatgerichts, die regelmäßig im Wege einer Gesamtschau aller in Betracht kommenden Indizien zu erfolgen hat.

30 30 Fall Classen (BGHSt 53, 6) In die Würdigung fließen als mögliche Indizien neben der Plausibilität einer anderen Zielsetzung namentlich ein:  die Stellung des Amtsträgers und  die Beziehung des Vorteilsgebers zu dessen dienstlichen Aufgaben (dienstliche Berührungspunkte),  die Vorgehensweise bei dem Angebot, dem Versprechen oder dem Gewähren von Vorteilen (Heimlichkeit oder Transparenz) sowie  die Art, der Wert und die Zahl solcher Vorteile.

31 31 Fall Claassen (BGHSt 53, 6) Dass sich das LG trotz dieser belastenden Indizien nicht davon hat überzeugen können, dass der Angeklagte die Versendung der Gutscheine veranlasste, um etwaige dienstliche Tätigkeiten der bedachten Amtsträger zu honorieren oder zu beeinflussen, ist […] nach revisionsrechtlichen Maßstäben hinzunehmen. Dass eine gegenteilige Überzeugung möglicherweise ebenso revisionsrechtlich unbeanstandet geblieben wäre, ändert hieran nichts.

32 32 Fall Wimmer (OLG Karlsruhe NStZ 2011, 164)  W unterzeichnet 2001 als Bürgermeister der Gemeinde Ohlsbach Konzessionsvertrag zwischen Gemeinde und E- Werk Mittelbaden  Landratsamt hat Vertrag zuvor geprüft – Gemeinderat hat Vereinbarung beschlossen  E-Werk Mittelbaden will aus Anlass des Konzessionsvertrages 2898 DM für einen kulturellen Zweck spenden – W soll Empfänger vorschlagen  W schlägt örtlichen Fußballverein vor  Spende wird unmittelbar dem Fußballverein zugewandt; dieser finanziert davon Metallrutsche für örtlichen Kindergarten

33 33 Fall Wimmer – Verfahrensgang  2001 Abschluss des Konzessionsvertrages – Spende  2005: Strafbefehl gegen W und weitere 11 Bürgermeister des Ortenaukreises Bis auf W akzeptieren alle Betroffenen den Strafbefehl  2007 Amtsgericht verurteilt W zu vorbehaltener Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 200 EURO  2008 Landgericht Offenburg bestätigt Verurteilung im Wesentlichen: vorbehaltene Geldstrafe von à 160 EURO  2010: OLG Karlsruhe hebt Verurteilung auf  2011: Einstellung wegen Geringfügigkeit nach § 153 StPO

34 34 Zusammenfassung  Lockerung der Unrechtsvereinbarung und Einbeziehung von Drittvorteilen bewirken unkalkulierbare Strafverfolgungsrisiken  Auch gemeinnütziges Verhalten kann riskant sein  Bereits das Verfahren führt in der Regel zu erheblichen Belastungen  Das Ergebnis des Strafverfahrens ist wegen der Konturlosigkeit des Tatbestands der Vorteilsannahme bzw. der Vorteilsgewährung in Grenzfällen schwer vorhersehbar

35 35 Übersicht 1.Begriff der Korruption – Einschlägige Strafgesetze – Beschränkung des Vortrags 2.Amtsträgerkorruption a)Amtsträgereigenschaft b)Bestechlichkeit und Bestechung c)Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung 3.Beispiele aus der Rechtsprechung a)Der Fall Kremendahl b)Der Fall Claassen c)Der Fall Wimmer 4.Risikominimierungsstrategien

36 36 Risikominimierungsstrategien  Transparenz und Dokumentation  Klare – aber keine starren – verwaltungsinternen Richtlinien  In Grenzfällen Einholung von Rechtsrat  Bei komplexen Rechtsfragen Risikoprävention durch Rechtsgutachten  Für wiederkehrende Prozesse Etablierung festgelegter Prüfungsabläufe  Vier-Augen-Prinzip

37 Strafbarkeitsrisiken kommunaler Wahlbeamter Fallstricke des Korruptionsstrafrechts Von Prof. Dr. Mark Deiters


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