Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Nationenbau und Minderheiten in Osteuropa Europäistik Kurs 2004 / 2005 Albert F. Reiterer.

Ähnliche Präsentationen


Präsentation zum Thema: "Nationenbau und Minderheiten in Osteuropa Europäistik Kurs 2004 / 2005 Albert F. Reiterer."—  Präsentation transkript:

1 Nationenbau und Minderheiten in Osteuropa Europäistik Kurs 2004 / 2005 Albert F. Reiterer

2 Dimensionen sozialen / politischen Verhaltens Soziale Persönlichkeit Dimensionen Identität Interesse Wertorientierung (Materielle) Ansprüche (Orientierung in der Welt)Nutzung der Welt Politik als Kampf um HegemonieRessourcen

3 Nationenbau: Eine Skizze der Entwicklungslinien und Kontinuitäten

4 Nationenbau als internationaler Prozess Nationenbau findet statt als Prozess des Aufbaus eines politischen Weltsystems nach Zentrum und Peripherien Internationales System („Westfälisches System“) Nationenbildung Nationales Projektnachnationales Verständnis Nation in der globalisierten Welt

5 Das internationale System: „Völkerrecht“ Die Staaten müssen (sollen) sich an gewisse Regeln des zivilisierten Umgangs miteinander halten, die vom „Naturrecht“ – d. h. vom allgemeinen Verständnis der Zeit von Gerechtigkeit und Dezenz – vorgegeben sind. Hugo Grotius 1609: Mare Liberum Hugo Grotius 1625: De Jure Belli ac Pacis Samuel von Pufendorf 1672: De jure naturae et gentium Suche nach Gewissheit in einer säkularisierten Welt von Einzelstaaten, nach Sicherheit in der Beziehung zwischen partikularen Souveränitäten: «Vernunft» und «die Übereinstimmung Aller» (oder auch nur «Vieler») enthüllt Naturrecht und Naturgesetz: Die menschliche Gattung ist eine Einheit, daher gibt es ein allgemeines Recht. Europäischer Suprematismus: christliche Offenbarung legt ebenso Regeln fest wie das „Naturrecht“

6 Souveränität Der Staat wird zum autonomen System gegenüber und über der Gesellschaft: Ein Regierungssystem mit einer Bürokratie, das höchste Gewalt über Leben und Tod der Untertanen beansprucht? Wie kann er das rechtfertigen? Jean Bodin 1576: Les six livres de la Republique (Lateinische Fassung: De Republica libri sex): Staat („la republique“, respublica) ist „eine richtige Regierung in voller Souveränität über mehrere Haushalte sowie das, was ihnen gemeinsam ist“. Der „Staat“ ist also nicht eine Assoziation von Individuen, sondern von Kleingruppen. Problemstellung: In der fortschreitenden Entwicklung konstituiert sich die Autonomie des politischen Systems. Das führt zur bürgerlichen Emanzipation und Individualisierung. Herrschaft muss daher gerechtfertigt werden (Legitimationsproblematik). Aber wie? Jean Bodin sagt einfach: Die Bürger (francs subiects) sind dem Herrscher Gehorsam schuldig. Warum eigentlich?

7 Legitimität - der „Gesellschaftsvertrag“ Thomas Hobbes 1651: Leviathan Im Naturzustand herrscht ein Krieg Aller gegen Alle (Bellum Omnium contra Omnes) Das erfordert zum Überleben des Einzelnen eine Friedensordnung John Locke 1690, Zwei Abhandlungen über die Regierung Wenn die Herrscher ihre Verpflichtungen nicht einhalten, gibt es ein Widerstandsrecht Jean-Jacques Rousseau 1762: Der Gesellschaftsvertrag erzeugt einen Allgemeinwillen Staat und Gesellschaft entstehen also aus einem „Vertrag“, in dem die Bürger Teile ihrer ursprünglichen anarchischen Freiheit an eine Regierung abtreten. Dazu gehört insbesondere das Recht, ihre berechtigten Ansprüche selbst gegen andere durchzusetzen: Der Staat hat ein „Gewaltmonopol“. Der „Gesellschaftsvertrag ist keine Beschreibung eines wirklichen Geschehens, sondern ein Denkmodell mit normativem Charakter.

8 Volkssouveränität: Wo liegen die Grenzen des „Volks“? Gleichheit (egalité, equality): Egalitarismus ist nicht irgendein politisches Ziel. Es ist ein emphatischer normativer Begriff, welcher anthropologisch eine politische Strategie und die Grundlage des politischen Projekts der Moderne darstellt. Die Spannung zwischen dem utopischen Endgehalt des Begriffs und der nüchternen und umstrittenen Verwirklichung im politischen Alltag das Pathos der Nation. Weder Bodin noch die Kontraktualisten haben aber die Frage nach den richtigen Grenzen beantwortet. Nach außen werden Grenzen gezogen durch: das politische Projekt Sprache Religion, Weltanschauungethnische und nationale Identität Staatsbürgerschaft Wirtschaftssystem „Le desir d‘être ensemble“ (Ernest Renan 1882): Nation wird durch nationale Identität als Trägerin eines politischen Projekts zur abgegrenzten „Gemeinschaft“

9 Die Ausgeschlossenen von der Nation: Die Frauen Olympe de Gouges stellte der Männerrechtserklärung schon 1791 eine Erklärung der Frauen- und Bürgerinnenrechte (Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne) gegenüber. Überall, wo in der Menschenrechtserklärung "hommes" steht, setzt Olympe de Gouges "femme" oder "femmes et hommes" ein, je nach Kontext: "La femme naît libre et demeure égale à l'homme en droits.“ 1792 Mary Wollstonecraft, A Vindication of the Rights of Woman Eine intellektuell anspruchsvolle Abhandlung, womit die britische Autorin Gleichberechtigung einfordert. Das Wahlrecht für Frauen kam überall sehr spät: Neuseeland 1893 Finnland 1906 (der Reichstag hatte aber keinerlei Bedeutung) Sowjet-Russland 1917 Österreich 1918 Deutsches Reich 1918 Großbritannien in Etappen zwischen 1918 und 1956 Schweiz (auf Bundesebene) 1971

10 Ethnizität: Zugehörigkeit und ihre Mystik

11 Nationale Identität als Trägerin des Politisches Projekt Nation Aus einem Kampflied königstreuer preußischer Truppen 1848: “Das waren Preußen, schwarz und weiß die Farben … Da schnitt ein Ruf ins treue Herz hinein; ’Ihr sollt nicht Preußen mehr, sollt Deutsche sein.’ …Heil uns, sie wollen nicht mehr Preußen sein. Schwarz, Roth und Gold glüht nun im Sonnenlichte, der schwarze Adler sinkt herab entweiht … so treu wird keiner wie die Preußen sein.“ In der Revolution von 1848 standen sich Progressive und Konservativ-Reaktionäre gegenüber. Sie suchten jeweils nach anderen politischen Identitäten. Die Reaktionäre in Berlin, der Hauptstadt Preußens, nannten sich „Preußen“. Die Progressiven sprachen von sich als „Deutsche“. Die nationalen Identitäten symbolisierten also verschiedene politische Programme.

12 Die Sprache und die Sprachen Intellektuelle beginnen früh die Volkssprache zu nützen und zu reflektieren Dante Aleghieri: De vulgari eloquentia, um 1305 Joachim du Bellay : La défense et illustration de la langue française, 1549: Auch die Volkssprachen sind für Kultur und Literatur geeignet und « schön ». Die sprachliche Standardisierung, meist als Übersetzung heiliger Texte, war seit je das effizienteste Mittel der Sprachplanung. Übersetzung der Bibel in die Volkssprachen der frühen Neuzeit (zumindest das „Neue Testament“) 1382 (88) Englisch: John Wycliffe und Schüler 1522 (NT) bzw (AT) Deutsch: Martin Luther 1530 Französisch: Jacques Lefèbre d’Etaples 1548 Finnisch: Mikael Agricola Um 1585 Slowenisch: Jurij Dalmatin

13 Volkssprache – Nationalsprache J. G. Herder, Über den Ursprung der Sprache 1772: Es ist die ausgebildete Sprache, welche den Menschen vom Tier unterscheidet. Doch: Sprache gibt es in der Mehrzahl, es gibt Sprachen! Aber Herder ist Universalist: „In so verschiedenen Formen das Menschengeschlecht auf der Erde erscheint, so ist's doch überall ein und dieselbe Menschengattung.“ (Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1780 – 1790) Der Marquis de Condorcet (1743 – 1794), Aktivist der Französischen Revolution, wollte dagegen eine Universalsprache aufbauen. Sprache ist „quintessential symbol“ (J. Fishman) für die Nation und ihre Einheit. Die Nation wird daher im 19. Und 20. Jahrhundert praktisch überall (Ausnahme: Schweiz) zur Sprachnation. Junge Nationen glauben daher, sie müssten unbedingt eine eigene Sprache haben. Dies hat sich bis heute erhalten: Aus dem Serbokroatischen wurde im letzten Jahrzehnt: das „Serbische“ das Kroatische“ das „Bosnische“ Vergleiche auch: Bulgarisch – Makedonisch; Rumänisch – Moldawisch Dazu gab es Sprachwiederbelebungen: in Irland (Gälisch), in Israel (Iwrid).

14 Kleine und große Vaterländern Intellektuelle wollen riesige Nationen haben, nicht lokale Gesellschaften Ernst Moritz Arndt Was ist des Deutschen Vaterland? (1813, von 1841 stammt ein Zusatz) Was ist des Deutschen Vaterland? Ist´s Preussenland ? ist´s Schwabenland? Ist´s, wo am Rhein die Rebe blüht? Ist´s, wo am Belt die Möwe zieht? O nein, nein, nein! Sein Vaterland muß größer seyn. Was ist des Deutschen Vaterland? Ist´s Baierland ? ist´s Steierland? Ist´s, wo des Marsen Rind sich streckt? ist´s, wo der Märker Eisen reckt? O nein, nein, nein! Sein Vaterland muß größer seyn. Was ist das Deutsche Vaterland? So nenne endlich mir das Land! So weit die deutsche Zunge klingt Und Gott im Himmel Lieder singt, Das soll es seyn! Das, wackrer Deutscher, nenne dein. Das ist das Deutsche Vaterland, Wo Eide schwört der Druck der Hand, Wo Treue hell vom Auge blitzt Und Liebe warm im Herzen sitzt, Das soll es seyn ! Das, wackrer Deutscher, nenne dein. Das ist das Deutsche Vaterland, Wo Zorn vertilgt den wälschen Tand, Wo jeder Franzmann heißet Feind, Wo jeder Deutsche heißet Freund, Das soll es seyn ! Das ganze Deutschland soll es seyn!

15 Chauvinismus: Einmaligkeit und Außenfeind „Somit ist unsre nächste Aufgabe, den unterscheidenden Grundzug des Deutschen vor den andern Völkern germanischer Abkunft zu finden, gelöst. Die Verschiedenheit ist sogleich bei der ersten Trennung des gemeinschaftlichen Stamms entstanden, und besteht darin, daß der Deutsche eine bis zu ihrem ersten Ausströmen aus der Naturkraft lebendige Sprache redet, die übrigen germanischen Stämme eine nur auf der Oberfläche sich regende, in der Wurzel aber todte Sprache.“ „Naturgemäßheit von deutscher Seite, Willkürlichkeit und Künstelei von der Seite des Auslandes sind die Grundunterschiede.... Alle die Uebel, an denen wir jetzt zu Grunde gegangen, [sind] ausländischen Ursprungs.“ Der „ertödtende Geist des Auslands“, die ständige „Ausländerei“ ist die Wurzel allen Übels. Johann Gottlieb Fichte 1808: Reden an die Deutsche Nation Integraler Nationalismus existierte jedoch in allen europäischen Nationen: Frankreich: Maurice Barrès (1862 – 1923) und Charles Maurras (1868 – 1952) Italien: Giovanni Pascoli (1855 – 1912 ) und Enrico Corradini (1865 – 1931) Griechenland: Ion Dragoumis (1878 – 1920) und Athanasios Souliotis-Nikolaides (*1878) Norwegen: Knut Hamsun (1859 – 1952) Usw.

16 Nationenbau: ein Zentralisierungsprozess Nationenbau ist auch ein Zentralisierungsprozess bisher unverbundener lokaler und regionaler Kleingesellschaften, in politischer wie in sozialer Hinsicht. "Eine ungeheure Zentralgewalt [hat] in ihre Einheit alle Bestandteile von Einfluss und Autorität an sich gezogen und verschlungen... Nicht nur die Provinzen gleichen einander mehr und mehr, sondern es werden auch in jeder Provinz die Menschen der verschiedenen Klassen, zumindest alle diejenigen, die außerhalb der Masse des Volkes stehen, trotz aller Standesunterschiede einander immer ähnlicher... Durch die noch vorhandenen Verschiedenheiten schimmert die Einheit der Nation hindurch; die Gleichförmigkeit der Gesetzgebung lässt dies erkennen" (Tocqueville 1978 [1861], 25 und 87). "Es leuchtet ein, dass die Zentralisierung der Regierung eine gewaltige Macht erhält, wenn sie sich mit der Verwaltungszentralisierung verbindet. Solcherweise gewöhnt sie die Menschen daran, von ihrem Willen vollkommen und beständig abzusehen; nicht nur einmal und in einem Punkt, sondern durchwegs und täglich zu gehorchen... Sie gibt sie der Vereinzelung preis und bemächtigt sich daraufhin jedes Einzelnen in der allgemeinen Masse. Diese beiden Arten der Zentralisierung [der Regierung und der Verwaltung] stützen sich wechselseitig, sie ziehen sich gegenseitig an; aber ich kann nicht glauben, daß sie untrennbar sind." (Tocqueville 1978 [1861], 98 f.)

17 „Postnation“: Ziel oder Illusion? „Tod der Nation“? Die liberale Schule will zuerst Assimilation der „Unterentwickelten“ (J. St. Mill), dann eine universelle Gesellschaft, denn sie ist gegen „Partikularismus“. Der Marxismus stellt die Klassenidentität über die nationale Identität. Die neuere politische Theorie schließlich konstatiert ein Kongruenzproblem: Die Reichweite des nationalen Staats fällt nicht mehr mit der Regelungsnotwendigkeit für soziale und politische Probleme zusammen – es bedarf daher supranationaler Institutionen (Zürn). Problem: Kann ein Staat, auch ein supranationaler, für seine Legitimität, Kohäsion und seine Umverteilungsprozesse auf den gemeinschaftlichen Aspekt verzichten? Die politischen Identitäten sind auch in der westeuropäischen Integration (EU) noch vorrangig national bestimmt: Nationale und europäische Identität: EU-15, 2003 In der Nahen Zukunft, sehen Sie sich da... (in %)Gesamt... nur als (Nationalität)40... als (Nationalität) und als Europäer/in45... als Europäer/in und als (Nationalität) 8... nur als Europäer/in 4 weiß nicht 3 Zusammen100

18 Die „Dritte Zeitzone“ – der Balkan „Zeitzonen“ ist ein metaphorischer Ausdruck (Ernest Gellner 1994, 1997), welcher die langsame Verbreitung des politischen Modells Nation und ihren Ausbau sinnfällig machen soll: Der Balkan war die erste Großregion in Europa, in der „kleine Nationen“ nach nationaler Selbstbestimmung suchten und Staaten gründeten. Etwa gleichzeitig ging ein ähnlicher Prozess in Lateinamerika vor sich. „Balkanisierung“ wurde zum Schimpfwort, vergleichbar dem heutigen englischen „tribalism“. Die Großmächte und ihre Ideologen können und konnten in der nationalen Selbstbestimmung kleiner Nationen nur Rückschritt erkennen. Todorovna: „Die Erfindung des Balkan“ war ein Akt der Abwertung nichtwestlicher Nationen. Zur „Vierten Zeitzone“ wurde schließlich die Dritte Welt. Die arabischen Nationen, Indien, China erlebten eine nationale Debatte. Ab 1950 verbreitete sich der Nationalismus auch ins subsaharische Afrika.

19 Eine vornationale Struktur: Das Osmanische Reich Hintergrund des Prozesses war der Abstieg des Osmanischen Reichs. Das Osmanische Reich war keine Nation. Aber es kannte ethnisch-religiöse Strukturen mit Selbstverwaltung (milet). Der miletbaşi / Ethnarch der Orthodoxen Christen war der Patriarch von Konstantinopel / Istambul.

20 Polen gescheiterter Staatsaufbau - später Nationenbau Ein mittelalterliches „Reich“ von Mieszko (10. Jh.) bis zu Ladislaus Wasa (17. Jh.) Die „Goldene Freiheit“ des 17. Und 18. Jahrhundert ist Adelsanarchie und führt zu den Teilungen 1772, 1793 und 1795 zwischen Russland, Preußen und Österreich. Im 19. Jahrhundert entsteht eine polnische Nation im Protest gegen Russland und Preußen in einer kleinen Gruppe von Intellektuellen: „Until the very end of the [19 th ] century, the ‘Polish question’ convcerned only a minority of those we might categorize as Polish, with few peasants demonstrating any interest in independence “ (Porter, zit. in: Auer 2004). Die erste polnische Republik (von polnischen Historikern als „zweite Republik“ bezeichnet) von 1918 bis 1938 scheiterte in der pseudofaschistischen Militärdiktatur des Jozef Piłsudski, lang bevor die Nazis das Land überfielen und in Besitz nahmen. Die zweite polnische Republik (1952: Volksrepublik Polen) begann ihre Existenz 1945 in Abhängigkeit von den Sowjets, die jedoch im Land keine große Unterstützung hatten – eine Existenz in Abhängigkeit. Die dritte polnische Republik begab sich selbst in Abhängigkeit, und zwar in eine potentiell konfliktreiche, nämlich einerseits den USA (in der NATO) und andererseits der EU.

21 Die erste „kleine Nation“ des Balkans: Griechenland – eine neue Nation wird von Westeuropa erfunden 1814 In Athen und Odessa werden Geheimbünde (Filiki Etiria) gegründet und organisieren Aufstände gegen die Osmanen. Sie hoffen auf russische und britische Unterstützung Der Nationalkongress in Epidauros proklamiert die griechische Unabhängigkeit. Philhellenen im Ausland feiern diese Proklamation. Insbesondere Lord Byron wird dabei zur Symbolgestalt wird die vernichtende griechische Niederlage bei Misolunghi zum entscheidenden politischen Sieg für die Aufständischen. Die westeuropäischen Mächte Frankreich und Großbritannien greifen gegen die Massaker ein Sie schlagen die ägyptisch-türkische Flotte bei Navarino vernichtend Der unabhängige griechische Staat wird auf der Londoner Konferenz anerkannt Otto I., Sohn König Ludwig I. von Bayern wird zum König von Griechenland gemacht 14. Jänner 1844: Rede des Ioannis Kolettis in der Nationalversammlung: „Megali idhea“: Die Grundidee eines expansiven griechischen Nationalismus will Istambul wieder als Hauptstadt. Der griechische „Universalismus“ ist ein besonders weit gedehnter Herrschaftsanspruch. Die griechische Verfassung wird verabschiedet. Bis zum Ersten Weltkrieg dehnt Hellas sein Gebiet ständig aus. „Greece emerged from the Ottoman empire not as a Western nation with a long history but as a commercial class and a provincial peasantry in a Middle Eastern scheme of society“ (A. Toynbee, zit. in Spiliotis 1998, 67) Im 1. Balkankrieg gewinnt das Bündnis Serbien, Bulgarien, Griechenland, Montenegro gegen die Türkei. Die Türkei soll im Londoner Frieden 1913 alle ägäischen Inseln abgeben Nach einer vernichtenden Niederlage griechischer Truppen in Kleinasien wird der Vertrag von Lausanne geschlossen und ein „Bevölkerungsaustausch“, d. h. gegenseitige Vertreibung von Griechen und Türken vereinbart General Metaxas bildet durch einem Staatsstreich eine faschistische Regierung Das Deutsche Reich erobert Griechenland. Georg II. flieht nach London und gründet eine Exilregierung Die griechische Armee übernimmt in einem Staatsstreich die Regierung. General Papadopoulos wird Ministerpräsident. Doch die Obristenjunta bricht 1974 zusammen 1981 Griechenland wird Mitglied der Europäischen Gemeinschaft

22 Serbien, Bulgarien: „Historische“ Ethnonationen gegen die „Türken“ 1804 Befreiungskrieg der Serben des Georg Petrovič, genannt Karadjordje, gegen die Türken 1817 Serbien unter Miloš Obrenovič autonom, d. h. quasi-selbständig 1878 Serbien wird vom Berliner Kongress als unabhängig anerkannt – 1918 Als Sieger im Ersten Weltkrieg kann Serbien die Kroaten und die Slowenen vom Sinn eines gemeinsamen Staats überzeugen: Jugoslawien entsteht Der Aprilaufstand der Bulgaren wird von den Osmanen blutig nieder geschlagen 1878 Berliner Kongress: Ein Teil Bulgariens ist unabhängig, der andere untersteht völkerrechtlich weiterhin dem Sultan, wird aber 1885 von Zar Alexander II. an Bulgarien angeschlossen – 1913 Bulgarien besiegt in einer Koalition mit Griechenland, Serbien und Montenegro die Osmanen (Erster Balkankrieg). Bei der Aufteilung der Beute kommt es zum Streit. Im Zweiten Balkankrieg wird Bulgarien von seinen bisherigen Verbündeten geschlagen – 1918 Bulgarien schließt sich den Mittelmächten (Deutsches Reich, Habsburgerstaat) und gehört zu den Verlieren. Im Vertrag von Neuilly verliert es Gebiete und muss hohe Reparationen auf sich nehmen.

23 Rumänien und die Erfindung einer langen Tradition in Abhängigkeit 1861 Einigung der „Donaufürstentümer“ Moldau (Hauptstadt Iasi) und Walachei (Hauptstadt Bukuresti) unter Alexandru Ioan Cuza 1878 Auf dem Berliner Kongress unter Auflagen – Bürgerrechte auch für Juden – erklärt Karl von Hohenzollern erklärt sich zum König 1914 – 1918 Im Ersten Weltkrieg erleiden rumänische Truppen zwar eine schwere Niederlage. Doch sie stehen auf Seite der Sieger. 1918/19 können sie also ihr Ziel Großrumänien (mit dem Anschluss von Siebenbürgen, der Bukowina und der Moldau) durchsetzen. „Jene Deutung, wonach alle soziale Unruhe im Europa der Zwischenkriegszeit vom Versailler Vertrag ausgegangen sei, geht für Rumänien fehl“ (Heinen 1986, 40) Vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelt das Land mit der „Legion Erzengel Michael“ bzw. der „Eisernen Garde“ seinen eigenen Faschismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt das Land unter sowjetischen Einfluss. In einem zähen Bemühen kann es sich wesentlich mehr Handlungsfreiheit erringen als die anderen Sowjetsatteliten Als einziges Land der sowjetischen Einflusszone erlebt Rumänien eine Art Revolution. Der Staats- und Parteichef wird in einem Kurzprozess zum Tode verurteilt und, mit seiner Frau zusammen, erschossen.

24 Der Berliner Kongress: Das europäische Konzert der Großmächte Das internationale System Europas war auch im 19. Jahrhundert zwischenstaatlich stark reguliert: Der Berliner Kongress war eine Konferenz zwischen Vertretern des Deutschen Reiches, Russlands, Österreich-Ungarns, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und des Osmanischen Reiches vom 13. Juni bis 13. Juli 1878 in Berlin. Der habsburgische Außenminister Gyula Andrássy ergriff nach den Wirren am Balkan die Initiative und lud die europäischen Großmächte zu einer Konferenz. Den Vorsitz führte der deutsche Reichskanzlers Otto von Bismarck. Der Kongress ersetzte die in San Stefano festgesetzten Beschlüsse durch die Berliner Kongressakte, in der es Bismarck als „ehrlichem Makler” gelang, von Russland Zugeständnisse zu erhalten (Berliner Frieden vom 13. Juli 1878). Serbien, Rumänien und Montenegro erlangten ihre Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Das Gebiet, das ihnen im Vertrag von San Stefano zugesichert worden war, wurde jedoch erheblich verkleinert. Bulgarien wurde in ein autonomes Fürstentum im Norden und eine osmanische Provinz geteilt. Neben den armenischen Gebieten Batum und Kars erhielt Russland das rumänische Bessarabien (Moldau). Als Ausgleich wurde Rumänien das türkische Territorium des südlichen Dobrudscha zugesprochen. Die beiden osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina wurden Österreich-Ungarn, Zypern der britischer Verwaltung unterstellt.

25 Die Türkei: Kemalismus als Nationenbau von oben Nationalismus als „abgeleiteter Diskurs“ Mustafa Kemal „Atatürk“ ( ), General, nationalistischer Führer, führte den Widerstand gegen den Vertrag von Sévres, erster Präsident der Republik Türkei ( ). Den Namen Atatürk („Vater der Türken”) nahm er 1934 an. Die sechs Prinzipien des Kemalismus: Nationalismus Laizismus: Der Islam darf keine politische Rolle mehr spielen Republikanismus Populismus: Mobilisierung der Massen, Revolutionismus: gewaltsame wie gewaltfreie gesellschaftliche Umgestaltung Etatismus: Der Staat gibt ein politisches Entwicklungsprogramm vor und setzt es durch

26 Die Sowjetunion bis 1989: Ein a-nationaler Ansatz Sowjetunion (UdSSR) 15 Unionsrepubliken: RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) Ukraine, Weißrussland, Estland, Lettland, Litauen, Moldau; Kasachstan, Turmenien, Usbekistan, Kirgisien, Tadjikistan; Armenien, Georgien, Aserbaidjan. Darin inkorporiert, der Großteil in der FSFSR: 20 Autonome Sozialistische Republiken (16 davon in der RSFSR, eine in Usbekistan, 2 in Georgien und eine in Aserbaidjan); weiters 8 Autonome Gebiete und 10 Autonomen Bezirken. Art. 72 der (Breschniewistischen) Verfassung von 1977 stipuliert ein Sezessionsrecht: „Jeder Unionsrepublik bleibt das Recht auf freien Austritt aus der UdSSR gewahrt.“ Dieses theoretische Recht erscheint bereits in der Verfassung von 1924, mit welcher die Sowjetunion als föderale Struktur begründet wurde, und auch in der Stalin‘schen Verfassung von 1936.

27 Europa in der Zwischenkriegszeit: Die „kleinen Nationen“ werden selbständig Die übernationalen Gebilde werden durch ihre Niederlage im Weltkrieg zerschlagen: Habsburgerstaat, Zarenreich, Osmanisches Reich. Es entsteht eine größere Anzahl von Kleinstaaten, welche „nationale Homogenität“W anstreben und dazu zugespitzt nationalistische Politik betreiben: Finnland, die Baltischen Staaten, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn,... (in Westeuropa übrigens auch Irland. Im Lauf von ökonomischen Krisen übernehmen in den meisten dieser Staaten (Ausnahme: Tschechoslowakei, Finnland) durch Staatsstreiche und ähnliche Mittel faschistische Parteien und Diktatoren die Macht. Der Völkerbund (League of Nations) löste das „Europäische Konzert“ ab und sollte eine weltweite Friedensordnung garantieren. Er war zwar vom US-Präsident Wilson initiiert worden, doch aus kleinlichen innenpolitischen Motiven verhinderte der Kongress schließlich den Beitritt der USA. Als eine Reihe von Staaten faschistisch wurden und Angriffskriege zu führen begannen, traten sie aus dem Völkerbund aus (Italien, Japan, Deutsches Reich).

28 Europa nach 1945: Spaltung und globale Lager drängen nationale Politik in den Hintergrund Die meisten der Staaten aus der Zwischenkriegszeit (Ausnahme: Die Baltischen Länder) entstehen wieder. Doch sie sind nunmehr in die „Systemkonkurrenz“ eingebunden. Ihre Politik wird bestimmt von den globalen Hegemonialmächten, der „Supermächten“. Das System der UNO mit der zentralen Institution Vereinte Nationen und vielen Fachorganisationen, die organisatorisch selbständig sind (UNESCO, UNIDO, FAO, ILO,...) löst den Völkerbund ab und wird zum Ausdruck des internationalen Systems.

29 Europa nach 1989

30 Minderheiten MachtOhnmacht MehrzahlMEHRHEITUNTERWORFENE MinderzahlELITEMINDERHEIT "Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.... "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhaltes bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden" (Weber 1976, 28).

31 Osteuropa – eine Übersicht StaatMinderheitZahl 1998Anteil 1998, in % AlbanienGriechen ,5 BelarusslandPolen ,1 Russen ,2 BulgarienRoma ,9 T ü rken ,5 KroatienRoma ,8 Serben ,3 TschechienRoma ,6 Slowaken ,9 EstlandRussen ,7 UngarnRoma ,60 LettlandRussen ,40 LitauenPolen ,00 Russen ,70 MakedonieAlbaner ,90 Roma ,00 Serben ,40 MoldovaGagausen ,50 Slawen ,80 Rum ä nien Magyaren ,90 Roma ,30 SlowakeiMagyaren Roma ,30 JugoslawienKroaten1341,20 Magyaren ,00 Kosovaren / Albaner ,00 Roma ,00 Sandzak Muslime ,84

32 Minderheiten im Europa in der Zwischenkriegszeit „Völkerbundsystem“ Zum Minderheitenschutz werden durch Einzelbestimmungen in den Friedensverträgen vor allem die Kriegsverlierer, aber auch die neu entstandenen Staaten auf dem Gebiet des Habsburgerreichs und des Zarenreichs verpflichtet. Die Sieger selbst übernehmen keine Verpflichtungen. Trotzdem ist es ein vergleichsweise effizientes Minderheitenschutzsystem, wenn auch mit Lücken. Es wird überwacht durch den STIG (Ständiger Internationaler Gerichtshof).

33 Gibt es „die Russen“? Mittelasien: Kasachstan Georgien Mittelasien: Kasachstan Georgien Mittelasien: Azerbaijan Kasachstan Kirgisien Georgien Tadjikistan Turkmenistan Usbekistan Ukraine Wei ß russland?? Baltische Staaten: Estland Lettland Litauen Moldau Gesamt

34 (Ex-) Jugoslawien Sechs Republiken: Slowenien Kroatien Bosnien und Herzegowina Serbien, inklusive der Autonomen Republiken Kosovo Wojwodina Montenegro Makedonien

35 Sinti und Roma: Marginale als Minderheit „Roma“ ist ein Überbegriff, welche die diversen Gruppen selbst gewählt haben, um die diskriminierende Bezeichnung „Zigeuner“ („Schwarze“, gypsies,...) zu vermeiden. Es gibt viele Gruppen, welche ursprünglich wenig gemeinsam hatten als eine starke Diskriminierung durch die jeweiligen Mehrheiten seit Hunderten von Jahren: Roma Sinti Lovara Chalderasch u. a. Wie viele Roma gibt es in Europa? Die Zahlen sind ganz unzuverlässig, weil die Frage nicht beantwortet ist, wer ein Roma ist. Die Angaben schwanken zwischen 5 und 8 Millionen Menschen. Bulgarien: ? Rumänien: ? Slowakei: ? Früheres Jugoslawien: ? Tschechien: ?

36 Albanien und die Albaner Albanien wurde als Staat unabhängig 1913, fast gegen den eigenen Willen: Ein Großteil der Bevölkerung war damals noch auf das Osmanische Reich orientiert, einzigartig unter den Balkanstaaten und -völkern. Damals verblieb gut die Hälfte der albanisch sprechenden Bevölkerungsgruppen außerhalb der Grenzen des neuen Staates. Kosovo und angrenzende Gebiete: 1, Makedonien: Griechenland kleine Gruppen sowie Auswanderer Italien: Abareshe (Sprecher eines alten Albanisch in Süditalien) ?

37 Türken, Muslime Griechenland In Westthrakien gibt es eine über Personen starke Gruppe von im wesentlichen türkischer Umgangssprache, welche durch den Lausanner Vertrag völkerrechtlich geschützt sind, allerdings nicht als „Türken“, sondern als „Muslime“. Bulgarien Laut Volkszählung 2001 leben Türken in Bulgarien, dazu noch rund Pomaken, Menschen mit islamischen Wurzeln, aber bulgarischer Umgangssprache. Sonderfall Bosnien und Herzegowina (BiH) Die Muslime, manchmal nach historischem Muster Bosniaken genannt, sind die größte Gruppe dieser ehemaligen jugoslawischen Republik, haben aber keine Mehrheit. Sie waren früher die „Titularnation“ ihres Gebiets. Im heutigen BiH müssen sie die Macht mit den Serben und den Kroaten teilen.

38 Ungarn und „seine“ Magyaren Amtssprache in Ungarn war bis 1784 das Latein – die Sprache einer kleinen Oberschichtgruppe, des magyarischen Adels! Bis 1918 / 1919: Zu den „Länder der Stephanskrone“ gehörte auch Kroatien und Slawonien, die Slowakei (damals: „Oberungarn“), und Siebenbürgen (Transsylvanien) im heutigen Rumänien, weiters schließlich auch das heutige österreichische Bundesland Burgenland sowie das slowenische Gebiet Prekmurje. Im Friedensvertrag von Trianon wurde dieses alte Großungarn auf ein Drittel der Fläche reduziert. Es verblieben Millionen von Magyaren außerhalb der Grenzen des ungarischen Staats. Slowakei: rund Rumänien: 2, Serbien: Slowenien: In kleinen Zahlen auch in Österreich und in der Ukraine Heute: Ungarn führt gegen seine eigenen Minderheiten eine mustergültige Politik. Doch es geriert sich als Schutzmacht für die Magyaren Im Ausland. Hier sind seine Maßnahmen umstritten und werden mit Misstrauen betrachtet („Statusgesetz“)

39 Rumänien

40 Hidden Minorities oder Folklore? Aromunen Koutsovalachen (Megleno-Rumänen) Bunjewatzen Huzulen Czoernig 1857, VIII: "In keinem Gebietsteil der Monarchie haben sich im Verhältnis zu dem Umfange soviele Reste verschiedener Nationalitäten und von Abstufungen derselben noch mehr als in der Sprache, in der Kleidung und in der Sitte erkennbar erhalten, als in der kleinen Halbinsel von Istrien... Aber nicht allein die 13 ethnographischen Nuancen, welche der Unterzeichnete dasselbst festzustellen vermochte – Italiener (directe Nach- kommen der römischen Ansiedler und Venezianer), Romanen (Walachen), Albanesen, Slovenen (Savriner, Berschaner und Verchiner), Kroaten (Berg-, Ufer- und Inselbewoh- ner), Beziaken und Fucky, Serben (Uskoken, Morlaken und Montenegriner) und die rätselhaften Tschitschen – sind es, welche der ethnographischen Darstellung Verlegenheit bereiten, sondern insbesondere die Verschmelzung verschiedener Abtheilungen einander nahestehender, ja selbst der entgegengesetztesten Volksstämme." – Erst als die Welt nationalstaatlich strukturiert wurde, setzte sich auch in diesem Gebiet die ethnonationale Vereinheitlichung durch. In Westeuropa u. a.: Sprachinseln der Cimbern in Oberitalien

41 Kleinminderheiten: Der Fall der Ruthenen Slowakei laut Volkszählung 2001: „Ruthenen“ und „Ukrainer“; aber es gibt laut derselben Zählung Menschen, welche Ruthenisch als ihre Muttersprache angeben, wovon sich aber der Nationalität nach als Slowaken einordnen. Ukraine: Ruthenen werden offiziell zu den Ukrainern gezählt, vielleicht Ruthenische Nationalisten selbst geben phantastische Zahlen bis zu Köpfe an. Assimilation: Der Wechsel von Identitäten und (ethnischen) Zugehörigkeiten, meist von einer Minderheit zur Mehrheitsnation. Die ethnisch bewussten Sprecher der Minderheiten betrachten gewöhnlich Assimilation als Hauptgefahr ihrer Einheit und behandeln nicht selten die Assimilierten als „Verräter“. Doch Zugehörigkeit ist eine Frage auch der Option, der Wahlfreiheit. Ein ethisch-politisches Problem aus einer liberalen Sicht erhebt sich dort, wo Assimilation nicht freiwillig erfolgt, sondern unter politischem Druck vor sich geht. „When we compare the rubric ‚nationality‘ in census from different dates we find an incredible fluctuation: inhabitants of the same village are mentioned once as Rusyns, ten years later as Slovaks, a further ten years later as Russians, later still as Ukrainians, then again as Slovaks.“ Musinka 1992, 224

42 Immigranten und Migranten Einwanderer: Hauptproblem ist nicht der Spracherhalt und die Identität, sondern die Integration. Einwanderer stehen meist am Fuß der sozialen Pyramide.

43 Minderheitenschutz Die wichtigste Instanz für den Minderheitenschutz in Europa ist der EUROPARAT The European Convention on Human Rights Rome, 4 November 1950 Framework Convention for the Protection of National Minorities Strasbourg, 1. II Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen 1 Straßburg/Strasbourg, 5. XI UNO-Dokumente (nicht bindend)

44 „Symbolische Ethnizität“: Die Zukunft der Minderheiten? Der US-Kultursoziologe Gans 1985: „Da die strukturellen Funktionen von ethnischen Kulturen und Gruppen an Bedeutung abnehmen und Identität die hauptsächliche Weise ist, in der man ’ethnisch’ ist, bekommt Ethnizität eher eine expressive als eine instrumentale Funktion im Leben der Menschen, wird so mehr und mehr zu einer Freizeit-Aktivität und verliert an Relevanz z. B. für die Regulierung des Familienlebens oder den Lebensunterhalt. Expressives Verhalten kann viele Formen annehmen; es beinhaltet meist auch die Nutzung von Symbolen eher als Zeichen denn als verhaltensleitenden Mythen …“ Tatsächlich hat in den USA Ethnizität im Alltag, abgefragt unter der Bezeichnung „ancestry“, keine Bedeutung mehr. Die Sprachkenntnis geht meist schon in der zweiten Generation verloren. „Ethnizität“ heißt dann die Erinnerung an eine bestimmte Abstammung. Changes in Language Use of U.S.born south-centraleastern Eruopean Ethnics Born% report non-English% Currently speak non-English language non-English language home în childhood home before ,818, – ,214, – ,5 6, – ,9 4,3 after ,8 5,8 (Alba 1990)


Herunterladen ppt "Nationenbau und Minderheiten in Osteuropa Europäistik Kurs 2004 / 2005 Albert F. Reiterer."

Ähnliche Präsentationen


Google-Anzeigen