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Deutsch Gymi-Prüfungen 2011 Aufbautraining 4 Engel im Kirschbaum.

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Präsentation zum Thema: "Deutsch Gymi-Prüfungen 2011 Aufbautraining 4 Engel im Kirschbaum."—  Präsentation transkript:

1 Deutsch Gymi-Prüfungen 2011 Aufbautraining 4 Engel im Kirschbaum

2 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 46 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Textblatt für die Sprachprüfung Lies zuerst den folgenden Text sorgfältig durch. Du brauchst ihn zur Lösung der folgenden Aufgaben. Die Reihenfolge darfst du frei wählen. Du hast zum Lösen sämtlicher Aufgaben 30 Minuten Zeit. Engel im Kirschbaum (1. Teil) 01 Als Sechsjähriger verlor ich alles: meinen Kopf, mein Herz, manchmal sogar den Schlaf. Denn 02 ich hatte auch etwas gewonnen: eine neue Nachbarin, gleich alt wie ich, mit rundem, rosigem 03 Gesicht und einem kastanienbraunen, rötlich schimmernden und fast immer zerzausten 04 Haarschopf. 05 Ich konnte mich nicht genug wundern: Das Mädchen glich wie kopiert einem kleinen Engel, 06 den ich voriges Jahr auf dem Herbstmarkt gesehen hatte. Wie bettelte ich darum, dieses En- 07 gelchen zu besitzen. Aber die Mutter hatte meinen inständigen Bitten mit dem unverständ- 08 lichen, aber verächtlich ausgesprochenen Wort «Kitsch» ein hartes Ende gesetzt. 09 Nicht, dass das Nachbarsmädchen, mit dem ich bald immer und überall zusammensteckte, un- 10 verwandt inbrünstig zum Himmel hinaufgeschielt hätte wie ein Engel. Im Gegenteil: Die Blicke 11 waren ununterbrochen und nach allen Seiten hin unterwegs. Und wenn die Augen einmal still- 12 standen, war dafür im nächsten Augenblick das ganze Mädchen in Bewegung, befand sich 13 gleich dort, wo es irgendetwas Neugiererweckendes ausgemacht hatte. Und genau das ge- 14 schah einmal mit dem Kirschbaum, der einem verbitterten Mann gehörte. Zur Reifezeit der 15 Früchte bewachte er den Baum hartnäckig und eifersüchtig. (weiter zu 2. Teil  )

3 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 46 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Engel im Kirschbaum (2. Teil) 16 Das Mädchen liess sich von meinen deutlichen Warnungen nicht abschrecken — schlimmer: Es 17 bestand darauf, dass ich mitginge, als der argwöhnische Mann einmal ausser Sichtweite war. 18 Im Handumdrehen erklomm es den Stamm, verschwand für eine Weile im Bauminnern, wäh- 19 rend ich unten geblieben war, angeblich als Wache, in Wahrheit aus Frucht und weil ich ein 20 schwerfälliger Kletterer war. Schon tauchte das rosige Gesicht mitten in der Krone auf, ganz 21 umgeben von Blättern. Dazu hatten die Kirschen den Mund des Mädchens wunderbar glän- 22 zend geschminkt. Also, das kam mir so unaussprechlich schön vor, dass ich selbstvergessen 23 guckte und guckte und bewunderte. Dann kam der Mann. Er rannte auf den Baum zu. Ein kur- 24 zes Zögern. Der rasch gefasste Entschluss, mir nur zu drohen, dafür Beine und den erhobenen 25 Stock schnurstracks dem Stamm entgegenzuschwingen. 26 In meiner Verwirrnis von Schrecken, Angst und Versagen entfuhren mir die Schreie: «Nicht! 27 Nicht! Ein Engel! Es ist ein Engel!» Die Verzweiflung oder was sonst in meiner überschnappen- 28 den Stimme gelegen haben mag, brachte den Mann zu verdutztem Stillstand. Dann wandte er 29 sich mir zu. Er näherte sich mit den zornig gekeuchten Worten: «Warte, dir treib ich den Engel 30 noch aus!» Ich will damit keineswegs behaupten, dass ich damals stellvertretend für das Mäd- 31 chen Prügel bezogen hätte. Denn laufen, sehr schnell weglaufen konnte ich weit besser als 32 klettern. Und als der um sein Opfer geprellte Mann mit einer abermaligen wilden Richtungs- 33 änderung sich wieder zum Baum hin herumwarf, war kein Mädchen mehr im Laub. Geschwei- 34 ge denn ein Engel. Nach Hans Manz. Aus Maar, Paul (Hrsg.): «Östlich der Sonne und westlich vom Mond. Die schönsten Kindergeschichten», Berlin, Aufbau-Verlag, 2006 (2791 Anschläge)

4 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 47 Das Mädchen...Trifft zu Trifft nicht zu Lässt sich aus dem Text nicht herauslesen ist zehn Jahre alt. ist lebhaft. schaut immer in den Himmel hinauf. kann schnell rennen. ist eifersüchtig. Das Mädchen... Trifft zu Trifft nicht zu Lässt sich aus dem Text nicht herauslesen findet das Mädchen schön. ist ein guter Kletterer. ist ängstlich. glaubt an Engel. bezieht stellvertretend für das Mädchen Prügel. 2.1 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Teil A: Textverständnis Auftrag 1: Frage zum Text beantworten Wie sehen die Haare des Mädchens aus? Nenne drei Adjektive. Auftrag 2: Aussagen zum Text beurteilen Welche Aussagen über das Mädchen und den Jungen lassen sich eindeutig aus dem Text herauslesen? Setze pro Linie jeweils ein Kreuz. a) kastanienbraun b) rötlich (schimmernd), schimmernd c) (fast immer) zerzaust X X X X X X X X X X 2.2

5 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 48 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Auftrag 3: Fragen zum Text beantworten 3.1 Warum nennt der Knabe das Mädchen einen Engel in seinem Ausruf: «Nicht! Nicht! Ein Engel! Es ist ein Engel!»? Begründe in ganzen Sätzen. 3.2 Was für Auswirkungen hat dieser Ausruf? Antworte in ganzen Sätzen. - den Hinweis auf die äussere Ähnlichkeit zwischen Mädchen und Marktengel - die Wichtigkeit/ Bedeutung des Mädchens für den Jun-gen/Schutz des Mädchens - Irritation des Mannes («verdutzter Stillstand») - Abbruch des Angriffs auf das Mädchen - Hinwendung zum Jungen - Fluchtmöglichkeit für das Mädchen

6 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 49 Teil B: Wortschatz Auftrag 4: Ober- und Unterbegriffe ergänzen Streiche das jeweils unpassende Wort, suche den Oberbegriff und ergänze durch einen weiteren passenden Begriff. OberbegriffBegriffeWeiterer Begriff Beispiel: Planeten Jupiter, Venus, Sonne, MarsUranus Kirschbaum, Tannenbaum, Apfelbaum, Aprikosenbaum Schrecken, Angst, Tränen, Freude Haarfarbe, Augen, Ohren, Beine klettern, rennen, schleichen, stehen Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Obstbäume oder Laubbäume Birnbaum, Mirabellenbaum oder Ahorn, Birke, Buche, Eiche, Linde Gefühle Trauer, Eifersucht, Wut, Ärger, Zorn Körperteile Arme, Nase... Fortbewegungs- arten, Bewegungen hüpfen, spazieren...

7 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 49 Auftrag 5: Synonyme unterstreichen Unterstreiche diejenigen Wörter der Reihe, welche das kursiv gedruckte ersetzen können, ohne dass sich die Aussage des Satzes verändert. Es können mehrere Wörter richtig sein. Beispiel: Sie zähmte den Tiger.bändigtetröstetezügelte Die Mutter hatte meinen inständigen Bitten ein Ende gesetzt. eindringenden eindringlichenbeschwörenden Das verächtlich ausgesprochene Wort lautete «Kitsch». abschätzigabfälligverwerflich Das Mädchen hatte etwas Neugiererwe- ckendes ausgemacht. erspähterfundenausgewählt Er bewachte den Baum hartnäckig.störrischbeharrlichausdauernd Das kam mir so unaussprechlich schön vor. unredlichunermesslichsprachlos Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining4 2008

8 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch der Sache ein hartes Ende setzen  2. Person Plural (Mehrzahl) Präsens 6.3 den Stamm erklimmen  1. Person Singular (Einzahl) Perfekt 6.4 den Stockdem Stamm entgegenschwingen  3. Person Plural (Mehrzahl) Futur Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Teil C: Grammatik Auftrag 6: Verbformen bilden Bilde mit den gegebenen verbalen Wortketten jeweils einen Satz in der verlangten Personal- und Zeitform. Beispiel: das Angebot ablehnen  3. Person Plural (Mehrzahl) Perfekt Ihr habt das Angebot abgelehnt. Du konntest dich wundern. Ihr setzt der Sache ein Ende. Ich habe den Stamm erklommen. Sie werden den Stock dem Stamm entgegenschwingen. 6.1 sich wundern können  2. Person Singular (Einzahl) Präteritum

9 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 50 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Auftrag 7: Wortarten bestimmen Bestimme die Verben und Adjektive des folgenden Satzes und trage sie in die Tabelle ein. Die Anzahl der Felder der Tabelle muss nicht mit der Anzahl der richtigen Wörter übereinstimmen. Das Mädchen liess sich von meinen deutlichen Warnungen nicht abschrecken —schlimmer: Es bestand klar darauf, dass ich mitginge, als der argwöhnische Mann einmal ausser Sichtweite war. Verben Adjektive liess (lassen)abschrecken Bestand (bestehen) deutlichen (deutlich) schlimmer (schlimm) argwöhnische (argwöhnisch) mitginge (mitging) war (sein)

10 Auftrag 8: Teilsätze verbinden Setze ein passendes Wort in die Lücke (natürlich nicht das fett geschriebene). Der Sinn der neuen Sätze muss gleich sein wie derjenige des vorgegebenen Satzes. 8.1 Sie wollte gleich gehen, als der argwöhnische Mann einmal seinen Wachposten verlassen hatte. a. ………………………………………………………………. der argwöhnische Mann einmal seinen Wachposten verlassen hatte, wollte sie gleich gehen. b.Der argwöhnische Mann verliess einmal seinen Wachposten, …………………………..……………………………………… wollte sie gleich gehen. 8.2 Es verschwand für eine Weile im Bauminnern, während ich unten geblieben war. Es verschwand für eine Weile im Bauminnern, …………………………………………………………………………………………….. war ich unten geblieben. 8.3 Der Junge verbrachte viel Zeit mit dem Mädchen, weil er es mochte. Der Junge mochte das Mädchen, ……………………………………………………………………… er viel Zeit mit ihm verbrachte. ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 51 Da/ Nachdem /Sobald /Wie also/ anschliessend/ da/danach/ dann/ darauf/ hierauf/ nachher derweil(en)/ indessen/ inzwischen/ unterdessen/ währenddem (ugs.)/ währenddessen/ zwischenzeitlich sodass (so dass)/ weshalb/ weswegen Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Achtung: der Schluss hat sich geändert!

11 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch Warum sie ihn mir nicht kaufe, fragte ich traurig. Auftrag 9: Indirekte in direkte Rede umformen Schreibe die beiden vorgegebenen Sätze ab und forme dabei die schräg geschriebenen Teilsätze in die direkte Rede um. Achte auf die Zeichensetzung. Die Reihenfolge der Teilsätze muss beibehalten werden. 9.1 Die Mutter antwortete, sie wolle mir diesen Engel nicht kaufen. Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Die Mutter antwortete: „Ich will dir diesen Engel nicht kaufen." „Warum kaufst du ihn mir nicht?", fragte ich traurig.

12 Aufsätze Aufträge Kommentare Hinweise

13 ZKM © Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 45 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Verfassen eines Textes Auftrag — Schreibe zu einem der drei Themen einen Text. — Schreibe mit Füllfeder oder Kugelschreiber. Bleistift ist nicht erlaubt. 1. Ich bin doch gross genug! Schreibe eine Geschichte, in welcher der oben stehende Satz in unveränderter Form vorkommt. 2. In der Küche Du kochst, bäckst oder hältst dich aus einem anderen Grund in der Küche auf. Beschreibe ausführlich, was du hier tust und wie du dich dabei fühlst. 3. ………… Wähle einen Gegenstand, und lasse ihn in der Ichform aus seinem Leben erzählen. Die Geschichte soll für ihn typisch sein. Setze einen passenden Titel, in dem der Gegenstand nicht genannt wird. Beispiele von Kindern und entsprechender Kommentar sind am Schluss dieser Übung!

14 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 52 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Verfassen eines Textes — Lösungshinweise Thema 1: Ich bin doch gross genug! Es braucht natürlich mehr Mut, bei einem solch persönlichen Thema von eigenen Erlebnissen zu berichten, als eine Geschichte zu erfinden. Entscheidend ist, dass der vorgegebene Satz unverändert übernommen wird und gut in den Kontext Zusammenhang/ Aufbau) der Geschichte hineinpasst — also nicht aufgezwängt wirkt. Raffiniert ist natürlich, wenn die Geschichte mit diesem Satz beginnt oder damit endet, anderseits kann er auch gut eingebaut in der Mitte des Textes erscheinen. Ein faszinierendes Experiment hat ein Kind gewagt, in dem es den «Zielsatz» gleich mehrmals im Text verwendete. Im nachfolgenden Aufsatz von Vanessa kommt die interessante Frage auf, warum sie von den Eltern manchmal als zu klein und manchmal wieder als zu gross angesehen wird —je nach Ereignis. Originell ist natürlich, wenn das Kind, das für etwas zu klein ist (z. B. im Europapark nicht auf gewisse Bahnen gehen darf) plötzlich triumphiert, weil sein älteres Geschwister etwas nicht tun darf, da es zu gross dafür ist (z. B. für ein Gokart-Rennen — «Revanchemotto», «Ätsch, du bist zu gross»...) oder wenn ein Kind bei sich selber das «Spannungsverhältnis» erlebt, wenn es an der Schwimmbadkasse noch nicht 6 Jahre sein soll (um noch keinen Eintritt zu bezahlen), anderseits aber an der Wasserrutschbahn das Schild sieht, dass diese erst ab 6 Jahren benützt werden darf. Mögliche Inhalte: Ein Kind muss sich als erwachsen erweisen (jüngeres Geschwister hüten, auf einen Unglücksfall richtig reagieren, der Mutter Arbeiten abnehmen, selber ein Menu kochen. Dass — vor allem bei den Knaben — häufig auch Themen aus dem Bereich des Sportes zum Zuge kommen, versteht sich von selbst. Diskussionen zwischen den Eltern und ihren Kindern haben bei dieser Aufsatzthematik natürlich ihren wichtigen Stellenwert — wobei auch hier entscheidend ist, dass der Zielsatz am richtigen Ort verwendet wird. Die Problematik der Kleingewachsenen kann thematisiert werden, evtl. gar Mobbing, das Nichtangenommenwerden. Wie es der Titel schon antönt: Die Grundthematik ist, dass ein Kind beweisen will, dass die Eltern fälschlicherweise annehmen, es sei zu klein. Vom Aufbau her einige Dramatik verspricht natürlich auch die Vor-aussetzung, dass sich ein Kind falsch einschätzt, etwas zu Riskantes wagt und dabei verunfallt. Aber noch einmal: Selber Erlebtes wirkt meist echter, überzeugender als Erfundenes. Damit du eine Ahnung hast, wie die Themen angepackt werden könnten, folgen hier einige Bei-spiele mit kurzen Kommentaren.

15 ZKMC1 Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 53 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining «Bin ich gross genug oder bin ich zu jung?» — von Vanessa Ich heisse Vanessa und bin fast elf Jahre alt. Ich wohne seit 8 Jahren zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder Matteo in Illnau. Schon seit ich klein war, hörte ich immer wieder Sätze von meinen Eltern wie zum Beispiel «Du bist gross genug, um...» und «Dafür bist du zu jung». Als mein Bruder auf die Welt kam und er dann ein Jahr alt war, wollte ich ihn babysitten. Damals war ich dreieinhalb Jahre alt. Da sagte mein Vater: «Du musst noch warten, du bist viel zu klein dafür.» Dann aber wollte ich — wie mein Bruder auch — im gleichen Zimmer mit meinen Eltern schlafen, aber meine Eltern sagten, ich sei jetzt doch gross genug, um alleine in meinem Zimmer zu schlafen. Daran kann ich mich heute nicht mehr erinnern, aber meine Mutter hat mir erzählt, dass ich das damals nicht verstehen wollte. Als ich in den Kindergarten kam, war ich in den ersten Tagen sehr traurig, und wenn meine Mutter mich dorthin brachte, sagte sie zu mir: «Du bist jetzt ein grosses Mädchen und du musst in den Kindergarten gehen. Nur grosse Mädchen gehen in den Kindergarten.» Aber ich fühlte mich dafür noch gar nicht gross genug! Da meine Mutter arbeiten musste, habe ich den Kindergarten in Effretikon besucht. Der Schulbus hat mich dann vom Kindergarten in die Kinderkrippe gefahren. Ich finde, ich war sehr tapfer, denn ich konnte das ganz alleine, ohne Hilfe von meiner Mutter. Danach kam ich in Illnau in die erste Klasse. Es war wieder ein neuer Einstieg, um neue Kinder kennen zu lernen. Aber ich traute mir das zu, denn ich war gross genug. In den ersten Schultagen merkte ich schnell, dass alle Kinder sich schon vom Kindergarten her kannten, nur ich hatte noch keine Freunde. Und da wollte ich wieder dreieinhalb Jahre alt sein. Ich irrte mich, denn nach wenigen Wochen befreundete ich mich mit Frafflise und Noemi. Wir wurden ganz dicke Freundinnen und machten viel ab. Françoise (ich darf sie Mama nennen) und ich tanzten sehr gerne, und deshalb wollten wir zusammen einen Tanzkurs (Bauchtanzen) besuchen. Momo schlug mir vor, den Kurs in einer Tanzschule in Zürich zu besuchen. Meine Mutter war damit einverstanden und wollte uns mit dem Auto hinbringen. Momo wollte aber mit mir alleine mit dem Zug nach Zürich gehen. Wir waren damals sieben Jahre alt. «Du bist viel zu klein, um alleine mit dem Zug zu fahren», sagte meine Mutter. Sie sagte mir auch, welchen Gefahren wir beiden Mädchen ausgesetzt wären. Darum verstand ich auch meine Mutter. Als ich acht Jahre alt war, gefiel mir das Schminken und ich wollte geschminkt in die Schule gehen. An einem Morgen schminkte ich mich, und ohne etwas meiner Mutter zu sagen, wollte ich aus dem Haus. Meine Mutter fand es schon komisch, dass ich ihr keinen Abschiedskuss gab, so wie immer. Also rief sie mir nach: «Hey, Vanessa, sagst du mir jetzt nicht mehr Tschüss?» Ich dachte: «Mist, sie hat mich erwischt!» Und tatsächlich sagte meine Mutter lachend: «Wasch dir den Farbtopf aus dem Gesicht, du bist noch zu klein, um geschminkt in die Schule zu gehen!» Naja, probieren konnte ich es ja! Ich wusste eigentlich, wie meine Mutter darüber dachte. Immer wieder werde ich von meinen Eltern mit diesen Sätzen genervt. Heute bin ich ein fast zwölfjähriges Mädchen. Da ich älter bin als mein Bruder, muss ich oft auf ihn aufpassen, wenn meine Mutter nicht da ist. Meine Mutter sagt dann immer: «Du bist gross genug, um mit deinem Bruder ein paar Stunden alleine zu sein und um dafür zu sorgen, dass nichts passiert.» Also bin ich dafür gross genug. Wenn ich mit meinen Kolleginnen irgendwo hingehen möchte und dies nicht in Illnau ist, sagen meine Eltern: «Nein, dafür bist du zu jung.» Ich frage mich immer: «Bin ich jetzt gross genug oder zu jung?» Das ist eine wichtige Frage, für die ich nur eine Antwort kenne: ich bin doch gross genug! Auch wenn ich weiss, dass meine Eltern nicht immer meiner Meinung sind.

16 ZKMC1 Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 53 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Kommentar: Ein gut gelungener, sehr ausführlicher Text, den Vanessa da geschrieben hat. Sie hat die Verwirrung, die sich ergibt, weil man einmal als zu klein, ein andermal aber als gross genug betrachtet wird, mit einfachen, aber gut verständlichen Sätzen beschrieben und sich einige reife Gedanken gemacht. Man spürt sofort, dass sie sich bereits vorher mit dieser Problematik auseinandergesetzt hat und nicht erst, als sie das Aufsatzthema las.

17 ZKMC Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 54 Thema 2: In der Küche Dieses Thema kann wohl nur jemand sinnvoll behandeln, der auch bereits einige «Küchenerfahrungen» gesammelt hat. Es gibt natürlich so vieles, das beim Kochen schiefgehen kann: Milch, die überkocht, Backpulver, das vergessen geht, etwas, das verbrennt und fortgeworfen werden muss, worauf kurzfristig etwas Neues improvisiert werden muss, Geschirr, das kaputtgeht, jemand, der sich an der Herdplatte die Finger verbrennt — um nur einige Beispiele zu nennen. Vielleicht schreibt ein Kind auch über eine Familientradition (zum Beispiel am Muttertag gemeinsam mit dem Vater kochen). Einen Text zu diesem Thema zu schreiben, ist nicht ganz einfach, da die Gefahr einer langweiligen Beschreibung vorhanden ist. Die Geschichte muss natürlich einen «roten Faden» haben, einen guten Aufbau: Weshalb ist man in der Küche, was geschieht, was läuft allenfalls schief? Da heute das gemeinsame Abwaschen dank Geschirrspüler nicht mehr «in» ist, kommt der gemeinsame, soziale Aspekt der Küchenarbeit häufig zu kurz. Vielleicht entdeckt ein Kind, das zu einer Küchenarbeit verknurrt wird, plötzlich seine Begeisterung fürs Kochen, fürs Backen etc. Beachte beim Schreiben den Auftrag: «Beschreibe ausführlich, was du hier tust und wie du dich dabei fühlst.» Die Erwartungen sind also ziemlich klar formuliert — und nicht ganz ein-fach zu erfüllen. Thema 3: Aus dem Leben eines Gegenstandes Natürlich macht es Spass, wenn du einen möglichst originellen Gegenstand auswählst und ihn einige Abenteuer erleben lässt. Nutz doch die Chance, einen Gegenstand auszuwählen, der dir vertraut ist und über den du einige Details zu erzählen weisst. Beachte die drei Bedingungen: 1. Ich-form (versuch, diese konsequent durchzuziehen), 2. typisch (der Gegenstand muss also etwas für ihn «Typisches» erleben, es darf nicht allzu weit hergeholt wirken), 3. passender Titel, ohne dabei den Gegenstand zu nennen. Hier einige Beispiele: Die Sammlung von Edith Ich bin sehr stolz auf mich, denn sie benützt mich die ganze Zeit. Für eine Reinschrift: wen benützt sie wohl? — Natürlich mich! Und meine Nase ist immer schön spitz. Einfach das Beste. Und immer nimmt sie mich nach Hause. Natürlich nimmt sie auch die anderen Stifte, aber benützen tut sie mich! Als sie eine Bank für die Barbies basteln will, nimmt sie das Etui hervor und sucht bei all den Stiften jemanden — und der bin ich. Sie findet mich schlussendlich, nimmt mich in die Hand, misst die Barbie-Bank ab und macht ein Strichchen dort, wo es sein muss. Als sie mich spitzt, da merke ich, dass ich nur noch 1 cm gross bin. Nun bekomme ich Angst. Als sie mich nochmals spitzt, bin ich nur noch 5 mm lang. Da nimmt sie mich und trägt mich. Ich weiss genau, wohin: Sie trägt mich in den Mülleimer. Aber nein! Sie läuft am Mülleimer vorbei und legt mich in eine Glasflasche. Dort hat es auch so kleine Bleistifte, wie ich einer bin. Sie hat also eine Bleistiftsammlung. Kommentar: Ediths Text ist etwas gar kurz ausgefallen, aber die drei Bedingungen sind auf ideale Weise erfüllt worden. Da im Titel der Gegenstand ja nicht genannt werden darf, entwickelt sich fast eine Art Ratespiel aus dem Thema. Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining4 2008

18 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 55 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Vom dicken Braunen zum dünnen Weissen — von Rinor Hallo, ich bin ein Baum im Regenwald wie viele andere und war soeben aufgewacht. Ich schaute um mich und sah, dass viele Nachbarn von mir im Regenwald umfielen. Ein Baum nach dem anderen fiel um. Erst spät merkte ich, dass ich langsam kippte. Es dauerte nicht lange und ich knallte auf den Bo-den. Männer fingen plötzlich an, mich zu zerteilen. Jetzt gab es drei Teile von mir. Meine Teile und die von einigen Nachbarn wurden auf einem grossen Lastwagen untergebracht. Die Männer fuhren mit uns ab und ich schlief bald wieder ein. Ich öffnete langsam meine Augen und sah, dass wir nicht mehr fuhren, sondern stillstanden und uns in einem Gebäude befanden. Die Menschen trugen einen Stamm nach dem anderen von mir mit aller Kraft zu einer Maschine, dann schoben sie alles hinein. Als ich wieder aus der Maschine herauskam, war ich nicht mehr dick und braun, sondern dünn und weiss. Jetzt wurde ich zusammen mit 99 Regenwaldnachbarn, die jetzt auch dünn und weiss waren, eingepackt. Wieder wurden wir wegtransportiert, diesmal zu einem Elektronikladen. Da kam eine Familie und kaufte ein Gerät. Dort konnte man mich reintun, dann kam ich wieder raus und es stand irgendetwas auf mir. Und uns nahmen sie dazu. Als wir bei der Familie zu Hause waren, steckte mich der Junge in die Maschine. Als ich rauskam, standen Ländernamen auf mir und zuoberst stand WM-Spielplan Auf mir standen auch Resultate wie zum Beispiel Südafrika—Mexiko 1:1 und Frankreich—Uruguay 0:0. In der nächsten Nacht kam der Junge zu seinem Schreibtisch, wo ich lag, und schrieb wieder Zahlen auf mich wie Südkorea—Griechenland 2:0, Argentinien—Nigeria 1:0 und England—USA 1:1. Ich denke, es wird etwa einen Monat lang so weitergehen. Ich freu mich schon auf die vielen anderen Resultate. Kommentar: Keine Frage — Rinor ist ein grosser Fussballfan. Seine Grundidee (aus einem Baum wird ein Papier) ist gut, aber am Schluss wirkt natürlich die Auflistung von Resultaten etwas gar langweilig. Punkto Wortwahl wäre noch einiges zu verbessern, sind doch häufig recht einfache Formulierungen zu finden. Der Stolze — von Simon Ich bin der stolze Quarter in Barack Obamas Portemonnaie. Ich will euch die ganze Geschichte von Anfang an erzählen. Also: Ich lag so schön im Portemonnaiemünzfach des amerikanischen Präsidenten und döste vor mich hin. Dann geschah ein Missgeschick. Plötzlich machte jemand das Portemonnaie auf. Ich wurde vom grellen Sonnenlicht geblendet. Vor lauter Schreck verlor ich das Gleichgewicht und fiel hinaus. Ich knallte auf den Boden und kugelte in einen Abflussspalt. Danach plumpste ich einem Strassenpenner auf den Kopf Er nahm mich von seinem Kopf herunter und sagte: «Endlich habe ich auch mal Glück.» Er steckte mich in seinen Hosensack und lief zum Marktplatz. Er merkte leider nicht, dass er ein Loch in der Tasche hatte und ich hinauskugelte und davonrollte. Als ich am Strassenrand endlich stehen blieb, nahm mich ein kleiner Junge auf und sagte zu seiner Mutter: «Mama, schau mal, ich habe einen Quarter gefunden.» «Gut, mein Junge», gab die Mutter zurück. Der Junge steckte mich zuhause in ein Sparschwein, das leider in der Nacht von der Katze vom Tischchen runtergeworfen wurde und in tausend Stücke zersprang. Zum Glück verletzte ich mich dabei nicht. Die Katze nahm mich in ihren Mund und lief mit mir durchs Katzentörchen hinaus. Sie schlich mit mir eine weite Strecke, doch dann liess die Katze mich fallen, weil sie eine Maus gesehen hatte. Ich fräste die steile Strasse hinunter, bis ich an einem Hafen stehen blieb. Ich verbrachte die ganze Nacht dort. Doch am Morgen hörte ich ein lautes Krähen. ……………………………

19 ZKM© Aufnahmeprüfungen Gymnasien, Deutsch 56 Deutsch Aufgaben Sprachprüfung Aufbautraining Ich wurde von einer Möwe gepackt und mitgerissen. Sie stieg immer höher und höher und liess mich dann schnurstracks fallen. Ich fiel und fiel und schlug hart auf dem Boden auf Mich nahm eine Hand auf und eine Stimme sagte: «Wen haben wir denn da?» Ich erkannte die Stimme sofort wieder: Es war Barack Obama. Er legte mich in sein Portemonnaie. Nun war ich wieder der stolze Quarter in Barack Obamas Portemonnaie. So: Das wäre meine Geschichte! Kommentar: Simon hat sich da eine originelle, vielleicht etwas gar dick aufgetragene fantasievolle «Rundreise» ausgedacht. Dass ihm «Quarter» ein Begriff ist, «verkauft» er gleich auch noch mit diesem Text. Sinnvoll ist natürlich, wenn man dann auch noch die Namen richtig zu schreiben weiss. Wenn dialektgefärbte Ausdrücke vorkommen («Ich fräste die steile Strasse hinunter...»), dann musst du dir die Frage stellen, ob du diese Wörter nicht durch andere, deutsche Ausdrücke ersetzen kannst (raste, düste, sauste...) Wenn du wirklich aus einem dich überzeugenden Grund bei der Dialektversion bleiben willst, so setze diesen Ausdruck zumindest zwischen Anführungs-und Schlusszeichen. Dann kann man kaum etwas dagegen einwenden. Gerade noch mal davongekommen — von Florian Klopf klopf klopf, klopf und schon bin ich einsatzbereit. Hoffentlich bekomme ich bald meinen ersten Auftrag. Oh, ich habe mich gar noch nicht vorgestellt. Ich bin eine neue Postkutsche im Wilden Westen. Da kommen zwei Männer, ein grosser, der den Boss spielt, und ein kleiner. Sie machen endlich eine Fahrt mit mir. Nun sind wir aus dem Dorf herausgekommen. Die Fahrt verläuft bis jetzt ruhig. Am Abend habe ich sogar gehört, wie der Boss zu dem anderen Mann sagte, dass sie eine grosse Ladung Goldbarren in die Grossstadt bringen müssen. Wenn ich reden könnte, würde ich jetzt beten, dass wir im Kupfercanion nicht von Indianern überfallen werden. «Oh nein! Nicht der Kupfercanyon!», denke ich, denn dieser ist sehr berüchtigt. «Halt! Da ist et-was», flüstert der Boss zum kleinen Mann. Und schon regnet es Pfeile. Eindeutig kein erfrischender Regen. Schnell hüpfen meine beiden Kutscher in meinen Innenraum. Von dort aus schiessen sie auf die heranrasenden Indianer. «Uga, uga, uga! Nehmt die Bleichgesichter gefangen», ruft der Indianer- häuptling. Ich versuche, nicht hinzusehen. Die Pfeile, die sich in mein schönes Holz bohren, tun weh. Meine beiden Führer müssen sich ergeben. Doch da höre ich auf einmal Schüsse. Eine Banditenbande kommt angerannt. «Die Goldbarren bekommen wir, uga», sagt der Indianerhäuptling. «Was? Goldbarren? Die bekommen natürlich wir», erwidert der Banditenchef Und schon gehen die Indianer und die Banditen aufeinander los. Im ganzen Kampfgetümmel gibt mein Boss den Pferden die Sporen und wir rasen aus dem Canyon. Da ist mir fast mein Herz in die Hose gerutscht. Wieder zu Hause angekommen, flicken mein Boss und der kleine Mann meine schmerzenden Pfeillöcher. Jetzt heisst es ausruhen. Hoffentlich werde ich bald wieder so ein spannendes Abenteuer erleben! Kommentar: Florian hat eine lange, äusserst fantasievolle, originelle Geschichte geschrieben. Man spürt, dass er sich für den Wilden Westen interessiert und sehr belesen ist. Die direkten Reden verleihen dem Ganzen noch zusätzliches Leben.


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