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Ausbildung und Kompetenzerwerb Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann.

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Präsentation zum Thema: "Ausbildung und Kompetenzerwerb Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann."—  Präsentation transkript:

1 Ausbildung und Kompetenzerwerb Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann

2 Gliederung  Lehren und Lernen am Fall: Ein Blick in den Ausbildungsalltag  Praxeologisches Kompetenzverständnis  Kompetenzmodell  Professionelle Haltung: Die Arbeit am Fall und die Methode der Dilemma-Situationen  Die Einheit von Theorie und Praxis Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 2

3 Eine Situation aus dem Praxisalltag Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 3

4 Arbeit am Fall – Komparation Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 4

5 Kompetenz als performatives Konstrukt  Kompetenz als normatives Konstrukt: Einschätzung von Kompetenz beruht auf normativen (begründeten) Übereinkünften  Kompetenz als performatives Konstrukt: Akteure stellen in Interaktions- und Aushandlungsprozessen die kompetente Bewältigung von Situationen her  Kompetenzen sind Handlungsdispositionen, die sich in der handlungspraktischen Bewältigung von Situationen – auf der Ebene der Performanz – dokumentieren Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 5

6 Kompetenz als kontextrelatives, dynamisches und perspektivisches Konstrukt Kompetenz erweist sich  in der Suche nach fall- und situationsadäquaten Passungen,  in der Fähigkeit, Perspektiven verschiedener Akteure einzubeziehen,  in der Einbeziehung und Nutzung von Rahmenbedingungen und Handlungsspielräumen,  im eigenständigen und divergenten Denken,  in der Begründung professionellen Handelns auf der Grundlage von theoretischem, methodischem und reflektiertem Erfahrungswissen  in einem selbst-reflexiven Umgang mit den eigenen, biografisch geprägten Deutungsmustern und Handlungsorientierungen Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 6

7 Grundlegend: Kompetenzorientierung Definition: Kompetenzen sind „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“. F. E. Weinert (2001): Leistungsmessungen in Schulen, Weinheim, S. 27f. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 7

8 Praktisches Wissen = professionelle Kompetenz?  (Professionelle) Kompetenz auf der Ebene des praktischen Handelns ist mehr als die – möglichst ideale – Umsetzung / Anwendung des expliziten, potentiell verfügbaren Wissens und Könnens  (Professionelle) Kompetenz beruht auf implizitem, handlungsleitendem Erfahrungswissen  Professionelle Kompetenz setzt Wissen über praktisches Wissen voraus Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 8

9 Kompetenz aus einer praxeologischen Perspektive Praxisbegriff:  soziales Handeln beruht auf habitualisierten Erfahrungs- und Wissensstrukturen  habituelle Orientierungen treffen in der sozialen Praxis immer wieder auf irritierende und ‚fremde‘ Erfahrungs- und Wissensstrukturen  Wenn (konjunktives) Verstehen auf der Grundlage von ‚tacit knowledge‘ (Polanyi) nicht gelingt, ist kommunikative Verständigung und eine reflexive Klärung der jeweiligen Habitus (Bourdieu) erforderlich  → Verantwortung der Professionellen Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 9

10 Kompetenz aus einer praxeologischen Perspektive Die doppelte Frage nach dem WIE:  Welches kompetente Verhalten findet sich in der Praxis (WAS?)  WIE wird diese vorgefundene Qualität von Kompetenz von den interagierenden Akteuren hergestellt?  Welche habituellen Strukturen haben zu eben dieser situativen Herstellungspraxis geführt, die in welchen Erfahrungszusammenhängen erworben wurden? (WIE der Genese des Habitus) Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 10

11 Kompetenz aus einer praxeologischen Perspektive  Handlungspraxis in ihrer Eigenlogik und der ihr zugrundeliegenden generativen Mustern verstehen und erklären  Daran anschlussfähige Frage des Pädagogisch-Normativen: Welche Qualität von Kompetenz ist aus wessen Perspektive und wie begründet anzustreben?  Professionelle Kompetenz dokumentiert sich auf der Ebene der Performanz in realen Handlungssituationen und in realen (Selbst-) Reflexionssituationen Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 11

12 Schlussfolgerungen für die Ausbildung  Orientierung an der Bewältigung konkreter beruflicher Handlungs- und Anforderungssituationen – Verzahnung der Lernorte Hochschule und Praxis  Erfahrungswissen muss in reflektiertes Erfahrungswissen transformiert werden  Professionelles Handeln muss prinzipiell ‚begründbar‘ sein  Didaktische Lehr-Lern- und Prüfungsformate müssen konsequent kompetenzorientiert sein I. Nentwig-Gesemann & H. von Balluseck (2008): Wissen, Können, Reflexion – die Verbindung von Theorie und Praxis in der Ausbildung von ErzieherInnen. In: Sozial Extra – Zeitschrift für Soziale Arbeit, 3/4, S Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 12

13 Kompetenzmodell – Frühpädagogik Fröhlich-Gildhoff, Nentwig-Gesemann & Pietsch 2011: Kompetenzorientierung in der Qualifizierung frühpädagogischer Fachkräfte. München. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 13

14 Kompetenzdimensionen: Professionelle Haltung und Selbstreflexivität  Forschender Habitus: methodisch fundierte Fallarbeit und Reflexionskompetenz  Biografizität und reflektierter Umgang mit der eigenen Standortverbundenheit  Ambiguitäts- / Ambivalenztoleranz und Dilemmabewältigung  Integratives Theorie-Praxis-Verständnis Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 14

15 Forschender Habitus „Einsozialisierung in einen forschungsorientierten professionellen Habitus“ (Friebertshäuser 1996, 76) als Professionalisierungsziel  forschungsmethodisch fundiertes und kontrolliertes Fremdverstehen (Eigen- und Fremdpraxis)  fallrekonstruktive Basiskompetenzen (den Fall / die Situation rekonstruieren und verstehen)  Vom Besonderen auf Allgemeines schließen können (systematische Generalisierung)  das Allgemeine zum Verstehen des Besonderen nutzen (den Fall ‚verorten‘) können I. Nentwig-Gesemann, K. Fröhlich-Gildhoff, H. Harms & S. Richter 2011: Professionelle Haltung – Identität der Fachkraft für die Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren. München. I. Nentwig-Gesemann 2008: Rekonstruktive Forschung in der Frühpädagogik. In: H. v. Balluseck: Professionalisierung der Frühpädagogik. Opladen, S Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 15

16 Reflexionskompetenz Durch forschende Zugänge gewonnenes reflektiertes Erfahrungswissen ermöglicht Fachkräften  in komplexen Situationen spontan und reflektiert zu handeln, nicht auf ‚Rezeptwissen’ zurückzugreifen;  nach divergenten, fall- und situationsadäquaten Lösungen für neue Herausforderungen zu suchen;  in der Handlungsplanung bzw. auch nachträglich Handeln (prinzipiell) begründen zu können Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 16

17 Biografizität und reflektierter Umgang mit der eigenen Standortverbundenheit Durch Reflexion und forschende Zugänge gewonnenes biografisches Wissen (Biografizität) ermöglicht Fachkräften  die eigenen (biografisch geprägten) Erfahrungen und Orientierungen nicht unreflektiert als Maßstab für professionelles Handeln zu nutzen  die Perspektivität des eigenen (biografisch geprägten) Standortes zu reflektieren N. Neuss 2009: Biographisch bedeutsames Lernen. Empirische Studien über Lerngeschichten in der Lehrerbildung. Opladen. I. Nentwig-Gesemann & N. Neuss 2011: Professionelle Haltung von Fachkräften. In: N. Neuß (Hg.): Grundwissen Krippenpädagogik. Berlin, S Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 17

18 Ambiguitäts-/Ambivalenztoleranz und Dilemmabewältigung  Situationen und Handlungsanforderungen im (früh-) pädagogischen Alltag sind nur begrenzt vorhersehbar und planbar  Professionalität verbindet Routinehandeln in ‚typischen‘ Alltagssituationen und die Bewältigung von herausfordernden, dilemmatischen Situationen  Professionelle Praxis ist reflektierte Praxis und unterliegt einer Begründungsverpflichtung Verbindung eines „wissenschaftlich-reflexiven Habitus“ mit einem „praktisch-pädagogischen Habitus“ (Helsper 2001, 12). Helsper, Werner (2001): Praxis und Reflexion – die Notwendigkeit einer „doppelten Professionalisierung“ des Lehrers. In: Forschen lernen, 1. Jg., Heft 3, S Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 18

19 Dilemmabewältigung  Situation kann nicht ohne Weiteres mit bisherigen Handlungsroutinen bewältigt werden  Akteur befindet sich in einem inneren – kognitiven oder emotionalen – Konflikt  Ursachen: Rollen- und Orientierungsrahmeninkongruenzen verschiedener Akteure; eigene Orientierungen können nicht enaktiert werden; fehlendes fachliches Wissen und unzureichendes methodisches Handlungsrepertoire  Ausgehend von emotionaler Aktivierung und der Erfahrung von Differenz stellen sich Kernfragen der professionellen und biografischen Entwicklung → Ausgangspunkt für Lernprozesse K. Meyer-Drawe (2008): Diskurse des Lernens. München. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 19

20 Reflexion der eigenen Haltung: Dilemma-Situationen Die Chancen des Dilemmas  systematische Einbeziehung von dilemmatischen Handlungssituationen in die Ausbildung  Bearbeitung von Kernfragen der aktuellen professionellen und biografischen Entwicklung  Dilemma-Situationen erhöhen die Offenheit zur Selbstreflexion, sind aber mit einer erhöhten Verletzlichkeit und der Gefahr der Abwehr verbunden → Reflexionsprozesse über dilemmatische Situationen müssen von DozentInnen professionell angeleitet und begleitet werden K. Fröhlich-Gildhoff, I. Nentwig-Gesemann & S. Pietsch (2011): Kompetenzorientierung in der Qualifizierung frühpädagogischer Fachkrfäfte. WiFF-Expertise. München. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 20

21 Methode der Dilemma-Situationen Aufgabenstellung:  Beschreiben Sie möglichst detailliert eine konkrete praxisbezogene Entscheidungs- und Handlungssituation mit ‚Dilemmacharakter’, die Sie selbst erlebt bzw. beobachtet haben.  Analysieren Sie den Verlauf der Situation, entwickeln Sie mehrere Lesarten, beziehen Sie die Perspektiven der verschiedenen Akteure ein, entwerfen sie retrospektiv andere Handlungsmöglichkeiten, begründen Sie getroffene Entscheidungen  Setzen sie den konkreten Einzelfall in Beziehung zu theoretischem Wissen sowie zu anderen Fällen und Situationen.  Beziehen Sie Ihre eigene biografische Entwicklung ein und stellen Sie dar, welche Fragen und Herausforderungen sich für Sie persönlich aus der Handlungssituation ergeben. I. Nentwig-Gesemann, K. Fröhlich-Gildhoff & S. Pietsch (2011): Kompetenzentwicklung von FrühpädagogInnen in Aus- und Weiterbildung. In: Zeitschrift Frühe Bildung, Heft 0. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 21

22 Methode Dilemma-Situationen: Auswertungsmöglichkeiten  Individuelle Erfassung von Kompetenz bzw. Kompetenzentwicklung  Grundlage für Feedback- und Entwicklungsgespräche im Studienverlauf  Gruppenbezogene Erfassung von Kompetenz bzw. Kompetenzentwicklung, z.B. zur Seminar- oder Studiengangsevaluation →Auswertung mit einem standardisierten Auswertungsraster →Auswertung mit einem rekonstruktiv-interpretativen Zugang, z.B. der Dokumentarischen Methode I. Nentwig-Gesemann, K. Fröhlich-Gildhoff & S. Pietsch (2011): Kompetenzentwicklung von FrühpädagogInnen in Aus- und Weiterbildung. In: Zeitschrift Frühe Bildung, Heft 0. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 22

23 Ebene der Situationsbeschreibung (Praxis des Handelns) Ich hockte mich auf die Knie und sagte: „Ich nehme jetzt deine Decke zur Seite und dann setzt du dich erst einmal hin.“ Als ich die Decke in der Hand hatte, schrie er laut: „Neiiiiiiiiiiiiin“ und strampelte wild um sich. Ich setzte mich wieder an seine Seite und probierte, ihn mit beiden Händen hochzuheben, um ihn auf meinen Schoß zu setzen. Aber er schrie wieder laut los, verkrampfte Arme und Beine und weinte sehr. Ich setzte ihn auf sein Bett. Er ließ sich nach hinten fallen. Ich saß ungefähr 30 Sek. neben ihm und überlegte, was ich tun könnte. Ich sprach nochmals beruhigende Worte zu ihm und dass wir jetzt aufstehen müssen. Er drehte sich von mir weg. Im Anschluss sagte ich zu ihm: „So ich nehme dich jetzt auf den Arm und dann gehen wir zusammen ins Bad.“ Er reagierte nicht. Als ich ihn dann nahm, strampelte er mit viel Kraft los, zog an meinen Haaren und schrie mehrmals „Neiiiiiiiiiiiin, Neiiiiiiiiiiiin“. Als wir im Bad ankamen, strampelte er so sehr, dass ich probierte ihn langsam auf den Boden zu stellen. Sein Erzieher sagte zu mir: „Er beruhigt sich gleich.“ Also Leon im Bad stand, drehte er sich um und lief schreiend zurück in den Schlafraum. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 23

24 Ebene der Reflexion (Praxis des Reflektierens) Ich denke, es ist richtig, einem Kind verbal alle Schritte zu erklären, die man vor hat. Leider brachten aber meine einfühlsamen Worte nicht viel. Das wiederholte Wegdrehen von mir deute ich nicht als eine persönliche Abneigung, sondern als eine Überforderung des Kindes. Er wollte nicht aufstehen und ich probierte mit allen Mitteln ihn dazu zu bewegen. Ich denke, umso mehr ich auf ihn einredete, desto mehr Abneigung mir gegenüber entstand. Ebenfalls auffällig war, dass die einzige verbale Reaktion „Nein“ war. Das liegt aber vermutlich daran, dass er verbal noch nicht viel mehr kommunizieren kann. Außerdem hat Leon beinahe täglich Schreikrämpfe und Wutausbrüche, wenn ihm etwas nicht gefällt. Trotzdem denke ich, müsste es auch andere Lösungswege geben. Ich hätte zum Beispiel auch sein Kuscheltier nutzen können, um in näheren Kontakt mit ihm zu treten Auch hätte ich weiter auf die Vesper eingehen und ihm deutlich machen können, dass er viel essen muss, wenn er groß und stark werden will. Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, mit ihm in die Kuschelecke im Nachbarzimmer zu gehen, ihn erstmal zu beruhigen und in Ruhe wach werden zu lassen. Die doch beste Lösung für mich ist es, seinen Bezugserzieher zu holen. Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 24

25 Nutzen für eine kompetenzorientierte Ausbildung  Systematische Analyse einzelner und individueller Situationen – Arbeit ‚nah am Fall‘  Responsives Vorgehen: individuelles, ressourcenorientiertes und passgenaues Feedback  Erkenntnisgenerierung über den Fall hinaus: Befreiung vom unmittelbaren Handlungsdruck und Erarbeitung prototypischer Fälle  Systematische Einbeziehung von ‚typischen’ pädagogischen Handlungssituationen in die Ausbildungspraxis Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 25

26 Professionalität durch wissenschaftlich fundiertes Wissen und Methodenkenntnis Pädagogische Fachkräfte müssen verfügen  über wissenschaftlich fundiertes, fachliches Wissen und Methodenkenntnis,  über die lernmethodischen Kompetenzen, sich neues Wissen zeitnah und lebenslang selbst erschließen zu können  über eine kritische Einschätzungsfähigkeit, welches Wissen und welche Methoden jeweils gegenstandsangemessen und qualitativ hochwertig sind Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 26

27 Professionelle Haltung durch die systematische, methodisch fundierte und komparative Arbeit an und mit Fällen  Situationen und Erlebnisse werden auf der Grundlage von Beobachtungsprotokollen oder Videosequenzen rekonstruiert und analysiert  Gruppe ermöglicht eine multiperspektivische Herangehensweise und mehrere ‚Lesarten‘  Fachkraft ist vom unmittelbaren Handlungsdruck befreit, kann sich ‚fremd‘ machen und die Situation ‚von außen‘ betrachten  Gezielter Zugriff auf theoretische Wissensbestände trägt zum Verstehen und zur Analyse des Falles bei  Gedankenexperimentell entwickelte Handlungsoptionen erweitern das eigene Repertoire Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 27

28 Grundlegendes zum Verhältnis von Praxis und Theorie in der Pädagogik  Theorie und Praxis stehen nicht in einem Widerspruch, sondern in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander  Professionelle pädagogische Praxis ist nicht angewandte Theorie im Sinne der Realisierung von etwas zuvor Geplantem (Praxis als Technik)  Pädagogische Theorie ist eine „Theorie aus der Praxis und für die Praxis“ (Bollnow 1978)  Pädagogische Theorie ‚erhellt‘ die Praxis, indem sie den Wissenshorizont des Pädagogen erweitert, damit eine nicht an den Common-Sense gebundene Analyse von Erziehungswirklichkeit ermöglicht und begründetes pädagogisches Handeln fundiert Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 28

29 Grundlegendes zum Verhältnis von Praxis und Theorie in der Pädagogik  Professionelle Praxis zeigt sich in einer „Anpassungsfähigkeit an nicht Prognostizierbares“ (Elbers u.a. 1975): Geistesgegenwart und Offenheit für Unvorhergesehenes und die Nutzung des produktiven Potenzials von „Störungen“ (Praxis als Kunst)  In der „nachträglichen Besinnung“ (Bolnow 1978) über Praxis und unter Hinzuziehung von Theoriewissen entsteht für das zukünftige pädagogische Handeln praxisrelevante Theorie: Theorie aus der Praxis und für die Praxis (Praxis als reflektierte Praxis) „Diese Mitte zwischen Planung und Zufall zu finden, ist das spezifische Können des Lehrers. Und insofern dieses Können systematisch ausgebildet ist, bezeichnen wir es als eine Kunst.“ O. F. Bollnow 1978: Theorie und Praxis in der Lehrerbildung. In: Z. f. Päd., 15. Beiheft, S Elbers et al. 1975: Schlüsselqualifikationen – ein Schlüssel für die Berufsausbildungsforschung. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, H. 4, S ) Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 29

30 Professionalität durch ‚meisterhafte‘ Erfahrungskontexte  Bereitstellung eines individuellen und gemeinschaftlichen Lern- und Bildungskontextes im Sinne eines Erfahrungsraums:  Die ‚Kunst‘ pädagogischer Praxis kann nicht ‚vermittelt‘, sondern nur über das Selbst-Tun, das Üben und das durch einen Experten (‚Meister‘) begleitete Reflektieren erlernt werden. „Der Meister zeigt nicht, wie es der Anfänger machen muss. Er gibt keine Anweisungen und führt keine nachzuahmenden Muster vor. Er hilft vor allem in der immer lebendigen kritischen Besinnung, er durchdenkt mit dem Anfänger gemeinsam, was gelungen und was mißlungen ist und woran das Gelingen und Mißlingen gelegen hat“ (Bollnow 1978) Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 30

31 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ausbildung und Kompetenzerwerb/ Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann/ 31


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