Wer zahlt den Preis für unsere Kleidung?

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 Präsentation transkript:

Wer zahlt den Preis für unsere Kleidung? Made in Bangladesch. Wer zahlt den Preis für unsere Kleidung?

Der globalisierte Handel Historisch hatte die Textilherstellung in Deutschland eine große Bedeutung. Seit den 60er Jahren wird die Produktion immer mehr ins Ausland verlagert, wo die Lohnkosten geringer sind. Über 90% der Textilien in Deutschland werden importiert. Globalisierung meint die zunehmende Vernetzung von Nationen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kommunikation und Kultur. Die Herstellung von Textilien hat in Deutschland eine lange Tradition. Doch Produktionsverlagerungen ins Ausland und die zunehmende internationale Konkurrenz sorgten für den Niedergang der Textilindustrie ab Mitte der 60er Jahre. So waren 1950 allein in Westdeutschland 700.000 Menschen in dieser Branche Beschäftigt, während deren Zahl bis 2007 auf ca. 100.000 Mitarbeiter in Gesamtdeutschland schrumpfte. Die Zahl der Betriebe sank im Zeitraum 1965 bis 2009 von 4.100 auf 768. Über 90% unserer Kleidung wird importiert, v.a. aus China, Bangladesch und der Türkei. Die standardisierten Container (seit den 60er Jahren) sind ein wesentliches Hilfsmittel für die Globalisierung der Wirtschaft. Durch sie konnten die Kosten für weltweiten Transport und damit den globalen Handel enorm reduziert werden. Sinkende Transportkosten machten den weltweiten Handel erst lukrativ.

Der Großteil unserer Kleidung wird in sog Der Großteil unserer Kleidung wird in sog. Billig-Lohn-Ländern hergestellt. Die Lohnkosten machen den geringsten Teil der Kosten eines Kleidungsstückes aus (gerade mal 1%). Unter anderem die Vereinheitlichung der Container möglich nachte es möglich, die Transportkosten auch für alltägliche Produkte so zu verringern, dass sie im Endpreis keine große Rolle mehr spielen. Lohn- und Transportkosten machen den geringsten Teil bei der Textilproduktion aus.

Bedeutung der Textilindustrie für Bangladesch 80% der Export- einnahmen durch den internationalen Verkauf von Kleidung ca. 5000 Fabriken 4 Millionen Beschäftigte, davon sind 85% Frauen Bangladesch ist zweitgrößter Textil- produzent der Welt (nach China) Früher exportierte Bangladesch v.a. landwirtschaftliche Produkte wie Jute oder Tee, erst in den 80er Jahren gewinnt die Textilindustrie (TI) an Bedeutung. Die TI in Bangladesch wuchs seit den 80er Jahren rapide. Warum? Bangladesch konnte lange Zeit unter besonders begünstigten Bedingungen produzieren: Die Welthandelsorganisation (WTO) hat sich zum Ziel gesetzt, Zölle und andere Handelshemmnisse nach und nach abzubauen, um den internationalen Handel zu liberalisieren. Doch mit dem Multifaserabkommen von 1974 wurde ein Großteil des Textil- und Bekleidungshandels Mengenbeschränkungen unterworfen, d.h. Deutschland durfte z.B. nur eine bestimmte Menge an Kleidung aus China importieren. Damit wollte man die heimischen Märkte schützen. Bangladesch aber war von dieser Beschränkung ausgenommen, da man die Wirtschaft des Landes fördern wollte und konnte so als Textilexporteur gegen die Konkurrenz aus China und anderen asiatischen Ländern bestehen. Das führte dazu, dass andere Exportzweige (Jute, Leder) vernachlässigt wurden. Heute ist die Wirtschaft Bangladeschs von der Textilindustrie abhängig. Fast 80% der Exporteinnahmen werden mit Textilien gemacht. Der größte Wettbewerbsvorteil Bangladeschs sind die niedrigen Lohnkosten. In Bangladesch findet ausschließlich die Konfektion von Kleidung statt. Die Rohstoffe müssen importiert werden. Die europäische Union ist der größte Handelspartner des Landes in dieser Branche. Die Produkte können in die EU günstig eingeführt werden. Das "Allgemeine Präferenzsystem" der Union befreit Entwicklungsländer größtenteils von Zöllen.

Eine Chance für die Frauen? Eine Anstellung in einer der Textilfabriken gibt Grund zur Hoffnung: Mit dem eigenen Einkommen die Familien zu unterstützen. Ein eigenständiges Leben führen zu können. Die Stellung der Frauen innerhalb der Familie und der Gesellschaft zu verbessern. 75% der Bangladeschis leben auf dem Land. 30% gelten als extrem arm. Sie haben am Tag weniger als 1,25% US-$ zum Leben zur Verfügung. In Bangladesch sind Frauen in vielen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens benachteiligt. Frauen haben häufig nicht die Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Frauen sind in vielen Bereichen benachteiligt, denn patriarchalische Strukturen begünstigen Männer im öffentlichen und privaten Bereich. Kaum Anteil an Entscheidungsfindungen Beschränkung auf Haushalt und Versorgung der Familie Frauen nehmen wenig am öffentlichen Leben teil Viele Frauen haben kein eigenes Einkommen und sind von ihren Männern abhängig Viele Menschen in Bangladesch leiden unter Armut. 30% gelten als extrem arm. Sie haben selten genügend Land, um ausreichend Nahrung zu produzieren. Viele Männer arbeiten als „Tagelöhner“ (als Landarbeiter, Erntehelfer, Rickschafahrer…). Die Arbeitsmöglichkeiten für Frauen sind auf dem Land sehr beschränkt. Vor allem junge Frauen wandern in die Hauptstadt Dhaka ab. In einer Anstellung in einer der Textilfabriken sehen sie eine große Chance auf ein besseres Leben.

Die meisten Fabriken befinden sich in der Hauptstadt Dhaka oder den Ausläufern der Stadt. Viele junge Frauen kommen vom Land in die Stadt um in einer der Textilfabriken zu arbeiten.

Missstände in der Textilindustrie Kein existenzsichernder Lohn Erzwungene und unbezahlte Überstunden Schikanen und Belästigung am Arbeitsplatz Gesundheitliche Schäden Sicherheitsmängel an und in Gebäuden Gewerkschaftliche Vereinigungen erschwert Der Mindestlohn wurde 2013 auf 5300 Taka (ca. 50 Euro) im Monat erhöht. Dafür arbeiten die Frauen 10-14 Stunden am Tag. Wegen des geringen Lohns sind die Frauen darauf angewiesen, Überstunden zu machen. Oft werden diese aber nicht richtig abgerechnet. Häufig werden Überstunden auch angeordnet, die Frauen werden gezwungen zu bleiben bis ein Auftrag abgearbeitet ist. Arbeitsverträge gibt es selten. Viele Frauen sehen sich der Diskriminierung und sexuellen Belästigung durch ihre meist männlichen Vorarbeiter ausgesetzt. Verheerende Sicherheitsmängel sind leider häufig an den Gebäuden festzustellen. Von der Arbeit tragen die Frauen gesundheitliche Schäden davon. Zwar lockerte die bangladeschische Regierung 2013 die Gesetze, so dass die Bildung von Gewerkschaften nun möglich ist. Doch immer noch wird der Zusammenschluss von Arbeiterinnen erschwert und ist mit großen Risiken für die Frauen verbunden.

Initiativen in Deutschland, wie z. B Initiativen in Deutschland, wie z.B. die Christliche Initiative Romero, machen auf die verheerenden Arbeitsbedingungen aufmerksam. Zahlreiche Medienbeiträge haben die Situation der Näherinnen, v.a. in Bangladesch, in das öffentliche Bewusstsein gerückt.

Unglücke in der Textilindustrie Am 24. April 2013 stürzt in Dhaka ein Gebäude ein, das fünf Textilfabriken beherbergte. 1133 Menschen starben. Viele Gebäude, die Textilfabriken beherbergen, sind eigentlich nicht dafür ausgelegt. Sie halten der Belastung nicht stand. Andere Gebäude sind schnell und ohne ausreichende Kontrollen errichtet worden. Notausgänge sind nicht selten verstellt und Feuerlöscher rar. Sicherheitsschulungen für die Näherinnen nehmen erst seit den jüngsten Katastrophen zu. Am 24. April 2013 stürzten Decken und Wände des Rana Plaza-Gebäudes in Savar, einem Vorort von Dhaka, zusammen. Die Trümmer begruben über 3000 Menschen unter sich, 1133 davon starben. Darüber hinaus brannte nur fünf Monate davor die Fabrik Tazreen ab, was 112 ArbeiterInnen das Leben kostete. Seit 2005 starben mehr als 1700 Beschäftige in der Bekleidungsindustrie Bangladeschs infolge unsicherer Gebäude.

Wessen Verantwortung? Immer neue Trends! Immer günstigere Preise! Die Unternehmen reagieren auf schnell wechselnde Trends und setzen auf häufige Kollektionswechsel. Die Zuliefer-fabriken leiden unter den geforderten kurzen Lieferzeiten. Immer günstigere Preise! Die Preise für Textilien fallen stetig. Der Absatz über sogenannte Textildiscounter wächst. Auch die westlichen Unternehmer und KonsumentInnen tragen mit Verantwortung. Nachhaltig und fair? Ihre soziale und ökologische Verantwortung nehmen die Unternehmen angeblich trotzdem war. Vorsicht vor Schönfärberei! Das Einkaufsverhalten der Konsumenten und Konsumentinnen hat Auswirkungen auf die Produktionsbedingungen.

Was braucht es? Regeln für Unternehmen Bewusstes Konsumieren Lokale Gewerkschaften Existenzsichernde Löhne Öffentlicher Druck Existenzsichernder Löhne: Die Kampagne "Asia Floor Wage" (AFW) strebt einen einheitlichen existenzsichernden Grundlohn ("Living Wage") für die Textilbranche im asiatischen Kontinent an. An diesem "Asiatischen Grundlohn" sollen sich Unternehmen und Politik orientieren. Der von einem breiten Bündnis aus Arbeitsrechtsorganisationen berechnete und auf verschiedene Länder übertragbare „Orientierungswert" erhält zahlreiche Unterstützung von Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen und Gewerkschaften weltweit. Der AFW benutzt das Konzept der Purchaising Power Parity (PPP) bzw. der Kaufkraftparität (KKP) der Weltbank. Dabei handelt es sich um eine fiktive Währung, die auf dem Konsum von Waren und Dienstleistungen beruht und den Vergleich von Lebensstandards in verschiedenen Ländern unabhängig von nationalen Währungen ermöglicht. Ein einheitlicher asiatischer Grundlohn soll verhindern, dass weiteres Lohndumping durch Produktionsverlagerungen an noch günstigere Standorte geschieht.

Die Kampagne für Saubere Kleidung Setzt sich seit 1990 für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein Indem sie Druck auf Unternehmen ausübt. die Politik zur Verantwortung ruft. KundInnen aufklärt. vor Ort Recherchen durchführt. Gewerkschaftliche Aktivitäten in den Produktionsländern unterstützt. Die Kampagne für Saubere Kleidung ist eine in verschiedenen europäischen Ländern aktive Initiative, die sich seit über 20 Jahren für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilbranche einsetzt. Auf der Homepage sind die aktuellen „Eilaktionen“ gelistet, an denen man sich mit einer Unterschrift beteiligen kann. www.sauberekleidung.de 2013 schafft es die Kampagne, 70 Unternehmen dazu zu bewegen, das Abkommen zu Gebäudesicherheit und Brandschutz zu unterzeichnen. Es verpflichtet die Unternehmen, Sicherheitsvorkehrungen in bangladeschischen Fabriken einzuleiten.

Boykott ist keine Lösung! Aktiv werden schon.