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Österreich in Zitaten. Österreich ist ein Land, so klein, daß du es mit dem kleinsten deiner Finger auf der Weltkarte verdecken kannst. Und doch besuchen.

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1 Österreich in Zitaten

2 Österreich ist ein Land, so klein, daß du es mit dem kleinsten deiner Finger auf der Weltkarte verdecken kannst. Und doch besuchen viele Menschen aus aller Welt Österreich. Da kommt schon wieder einer! Die Kinderwelt von A bis Z, Stichwort Österreich, Wien 1958 (Menasse 1995:5)

3 Die längste Zeit wurde Österreich gepriesen oder verdammt, aber es kommt darauf an, es zu entdecken. Wer zu ihm vordringen möchte, muss den Zauberwald der Idyllen hinter sich lassen und die sieben Berge der Geschichtslosigkeit überwinden. Dahinter liegt ein Land, das den Verklärern Österreichs nicht gefallen mag und von dem die Verächter überzeugt sind, es wäre gar nicht vorhanden. (Gauß 2001:75)

4 Österreich ist Alpenland. Männer mit Rucksäcken, Pickeln, Schneebrillen bevölkern es, sie trotzen Lawinen und Muren. Den Berg besiegen heißt, sich über den Alltag erheben, das Leben, ja das Land zu bezwingen. Land der Berge, so hebt die Bundeshymne an. Thurnher 1999:160

5 Die westeuropäische Kultur kam aus den unabhängigen Städten. […] Trotz seiner schwach entwickelten Stadtkultur hat Österreich – meistens mit zeitlicher Verzögerung – alle kulturellen Neuerungen und Wandlungen Westeuropas mitvollzogen. Aber eben mit und nicht von sich aus […] Dieses Muster der Übernahme hat sich bis heute erhalten: Keine größere Reform hat es in Westeuropa gegeben, die Österreich nicht mitgemacht hätte. Nur die dazugehörigen Bewegungen, die die Reformen erst angestoßen haben, gehen an dem Land meistens vorbei. Das Neue wurde erlassen, nicht erkämpft, und man merkt es ihm noch lange an. (Mappes-Niediek 2002:20-21) Gesellschaft/Geschichte Viele Redensarten lassen die österreichische Abneigung gegen Menschen erkennen, die anderen ihre Lebensart aufdrängen wollen. So ist die Wendung: Es kommt mir spanisch vor in der Zeit entstanden, als die österreichischen Habsburger Mitglieder des schwermütigen und freudlosen spanischen Hofstaates importiert hatten, die auf der Einhaltung ihrer strengen Etikette bestanden. James 1997:106

6 Das Scharnier zwischen dem Volksleben in Österreich und den Neuerungen aus dem Westen war traditionell der kaiserliche Hof […]. Das üppige [kaiserliche] Mäzenatentum wurde in republikanischer Zeit durch eine großzügige Kulturförderung ersetzt. (Mappes-Niediek 2002:22-23) Gesellschaft/Geschichte Diese internationale, im wesentlichen lateinische, mediterrane und katholische, aristokratische, bürokratische, klerikale, brillante, doch irgendwie wurzellose Zivilisation der gehobenen Klassen lag die ganze Geschichte Österreichs hindurch in Streit mit den viel bescheideneren, eher rückständigen und sprachunfähigen, doch tief im Leben der Dörfer und Städte verwurzelten Elementen, die ihren Ursprung vor der Hochblüte des österreichischen Kaiserreiches hatten. Franz Borkenau: Austria and after. London 1938, S.57

7 Staatlichkeit hat im Habsburgerreich nie in einer Form existiert, mit der die Massen etwas anzufangen wussten. Das Habsburgerreich war kein Staat, sondern ein Reich im Besitz einer Familie. […] Eine Öffentlichkeit, die den Namen wert war, hat es nicht gegeben. Populismus trifft die daraus entstandene österreichische Gefühlslage. Die Wut der Österreicher ist tief, jahrhundertelanges Ducken hat eine spezielle Form der Staatsfeindlichkeit hervorgebracht, unartikuliert, aber aggressiv. Unter der Gemütlichkeit lauert stets die Lust auf eine Hetz. Thurnher 1999: Gesellschaft/Geschichte

8 […] aus dem stets von oben beglückten Volk in Österreich ist, wenn auch mit Verspätung und über einen historischen Umweg, eine Nation entstanden, eine, die von der Geschichte ihrer Entstehung geprägt ist. […] Die österreichische Nation […] ist als murrendes Volk entstanden: immer wieder von fragwürdigen und unverstandenen Reformen aus der Ruhe des täglichen Treibens gebracht, von fortschrittlichen Erlässen und Gesetzen genervt, von ihrem angeblichen Deutschtum und anderen Ideologien belästigt, ständig mit neu zugereisten Nachbarn beglückt, bis der lästige Hof endlich weg war und man befreit ausrufen konnte: Mir san mir! […] Das Volk, als träges, beharrendes Element bisher immer nur der dialektische Widerpart des Hofes, siegte nicht, es blieb nur übrig. […] Das Volk […] agiert nicht, es verweigert sich höchstens. Es hat deshalb auch keine eigene Geschichte und kann folglich auch keine Verantwortung für sie spüren. (Mappes-Niediek 2002:26-27) Gesellschaft/Geschichte

9 Es scheint aussichtslos. Das Bild, das sich die Welt heute von Österreich macht, ist genauso verschroben, wie das österreichische Weltbild selbst. Fast alles, was über Österreich nach [dem] 3. Oktober 1999 […] geschrieben wurde, sowohl in der österreichischen wie auch in der internationalen Presse, ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist – so kann es keine Diskussion mehr über die reale Lage geben, sondern nur noch über die Gefühle, die den jeweiligen Kommentator angesichts der scheinbar gespenstischen Lage beschleichen. Manesse 2000:9 Gesellschaft/Politik

10 Überall auf der Welt bringt man Faschismus wenigstens mit hasserfülltem Gebrüll, mit Straßenterror und Lynchjustiz in Verbindung. In Österreich dagegen gehen Faschismus und Gemütlichkeit gut zusammen. Mappes-Niederdiek 2002:140 Politik In Österreich ist der Faschismus endemisch wie die Pest in Innerasien. Unter Endemie verstehen die Epidemiologen einen nie erlöschenden Durchseuchungszustand in einem bestimmten geographischen Gebiet. In der nördlichen Mongolei und in Transbaikalien bricht immer wieder mal bei Menschen die Pest aus, ab und zu stirbt auch jemand daran. Zur furchtbaren Seuche wird sie aber erst, wenn sie aus ihrem Endemiegebiet ausbricht und auf unzureichend immunisierte Volksmassen trifft. Im toleranten Österreich durfte und darf man Faschist sein. […] Wer nur schwadroniert, wird von der allgemeinen Interesselosigkeit in Schutz genommen und fällt ihr zugleich zum Opfer. Es gibt Sanktionen von oben, aber nicht von nebenan, vom Nachbarn. […] Das Land ist fett; es gibt keine Krise, auch keine moralische. […] Aber die NS-Bewegung ist in Deutschland entstanden. Schon Hitler musste auswandern, damit man ihn ernst nahm. Mappes-Niederdiek 2002:141

11 Politik Es war der Kellner aus unserem Stammlokal, kein Zweifel. Er stand in der Menge und wartete […]. Dann hatten sie das Wirtshaus zugesperrt, und der Kellner verlor seine Arbeit. Nun stand er da, ganz vorne in der Menge. […] Nicht wiederzuerkennen war er […], als unter amerikanischer Beleuchtung und triumphal einsetzender Lautsprechermusik sein Idol die Bühne betrat und zu reden begann. Wutverzerrten Gesichts brüllte er seinen Hass gegen die Ausländer heraus, denen alles geschenkt wird, begeistert schrie er sich heiser gegen die da oben, die lügen und die anständigen und fleißigen kleinen Leute betrügen. Thurnher 1999:123-24

12 Politik Man sollte dabei gewesen sein. Man sollte einmal gesehen haben, was der Demagoge Jörg Haider in den Unauffälligen zum Vorschein bringt, was er aus den Normalen und Gleichmütigen in den Beiseln und Geschäften, den Ämtern, Fabriken und Büros herausholt. Man sollte die Verzweiflung gesehen haben, mit der sie ihre Hoffnung auf ihn setzen. Man sollte dort gewesen sein, um diesen fürchterlichen Landeshauptmann des Feschismus […] richtig einzuschätzen. Thurnher 1999:124

13 Da, wo bei anderen Europäern das Muster von Regierung und Opposition sitzt, haben die Österreicher ein ganz anderes Muster im Kopf: das von unten und oben. Mappes-Niederdiek 2002:52 Wer über das Land etwas lernen oder gar das Phänomen Jörg Haider verstehen will, muss mindestens auf die Ebene der Länder hinabsteigen, dahin, wo sich die meisten Österreicher wirklich zu Hause fühlen. Mappes-Niederdiek 2002:53 Politik spielt zwischen den Polen oben und unten […] In fünf der neun Bundesländer, vor wenigen Jahren noch in sieben, gelten bis heute so genannte Konzentrationsverfassungen: Alle Fraktionen im Landtag müssen entsprechend ihrer Stärke in der Regierung vertreten sein. […] Es gibt auch keine Opposition […] Von oben betrachtet, ist die Opposition eine Randerscheinung, keine Regierung im Wartestand. […] In dem Koordinatensystem, das die Österreicher im Kopf haben, sind Regierung und Opposition auf der vertikalen Achse angeordnet, nicht, wie überall sonst, auf der horizontalen. Mappes-Niederdiek 2002:53-54 Politik

14 Wenn Deutsche und andere Westeuropäer sich die politische Landschaft bildlich vorstellen, erscheint vor ihrem geistigen Auge eine Ebene mit einem Horizont links und einem Horizont rechts. Den Österreichern drängt sich, passend zur alpinen Kulisse, ein anderes Bild auf: das eines Berges mit einem hohen Gipfel, der rechts und links ins Nichts ausläuft. Mappes-Niederdiek 2002:56 Politik lichtung manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern werch ein illtum (Ernst Jandl) [http://www.uni-mainz.de/~pommeren/Buchstabendreher/lechts.html]

15 Über dem Tor zur Zweiten Republik steht in riesigen Buchstaben das Wort Konsens. Der Konsens war das konstituierende Element der Zweiten Republik. Thurnher 1999:43 Politik Die Produktion von Konsens ist der Daseinszweck der Sozialpartnerschaft. Man findet sie […] nicht im Telefonbuch. Sie ist die Grauzone schlechthin, die offiziellste Grauzone der Welt. Thurnher 1999:45

16 Sozialpartnerschaft und Proporzsystem in Österreich sind unter europäischen Politikwissenschaftlern legendär. Der Korporatismus […] sowie die Allgegenwart der politischen Parteien gelten […] als Kehrseite der Stabilität und des sozialen Friedens im Lande. Mappes-Niederdiek 2002:64 Politik Ein besonders exquisiter Aspekt [des] Prinzips [der Konfliktvermeidung] ist die sogenannte soziale Partnerschaft, durch die im Rahmen einer nicht-offiziellen Übereinkunft zwischen allen interessierten Parteien die politische Stabilität in Österreich bewahrt wird. Schwierige Entscheidungen in der Lohn- oder Preispolitik werden von einer Kommission getroffen, die keinerlei demokratische Legitimation besitzt. […] Übereinkünfte werden […] hinter verschlossenen Türen ausgehandelt und dann mittels der Propagandamechanismen der Regierung dem dankbaren Volk zur Kenntnis gegeben. James 1997:92

17 Dieses äußerst wirkungsvolle System, in dem eine Hand die andere wäscht, wird durch einen Mechanismus gestützt, der von echten Systemgegnern schnöde als Parteibücherlpolitik bezeichnet wird. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass wichtige öffentliche Posten proportional zum Stimmenanteil der Parteien im Parlament an ihre Gesinnungsgenossen vergeben werden. Dieses System ist insofern typisch österreichisch, als alle seine Vorteile auch als Nachteile gedeutet werden können und umgekehrt. James 1997:92 Politik

18 Die Österreicher sind seit jeher daran gewöhnt, in allen Lebensbereichen mit Tausenden von kleinlichen Restriktionen belegt zu werden. In entsprechendem Maße ist natürlich jeder Bürger bemüht, unliebsame Einschränkungen zu umgehen. Das Ausfindigmachen der passenden Hintertürln kann man […] als eine Art Nationalsport oder als eine Kunst bezeichnen. James 1997:93 Politik Die Österreicher verbindet eine Hassliebe mit ihrer Bürokratie. Sie können sich einerseits nicht mit der schamlosen Einmischung selbst in ihre privaten Angelegenheiten abfinden, andererseits streben unglaublich viele danach, in den Verwaltungsdienst einzutreten. […] Heutzutage erkennt man pensionierte Staatsdiener an ihrer gleichmäßigen Sonnenbräune, die sie mehreren Pauschalreisen pro Jahr in ferne Länder verdanken. James 1997:95

19 Sozialsystem In Österreich wird die Versorgung und Behandlung kranker Menschen durch die weitgehend beitragsfinanzierten Krankenkassen gewährleistet. Diese residieren in eindrucksvollen Palästen aus Glas und Marmor. […] [Das] Krankenversicherungssystem hat sich erstaunlich gut bewährt, denn bei normalen Problemlagen erfolgt die Konsolidierung direkt, das heißt, es findet sich stets ein Dummer, der zahlt, und letztlich ist das der Steuerbürger. […] James 1997:89-90

20 Die monopolistische und korporativ verkrustete Wirtschaftsstruktur in Österreich ist oft genug unter Beweis gestellt worden und gerät zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Seitdem offizielle Stellen Niki Lauda auch mit schikanösen Maßnahmen nicht daran hindern konnten, eine private Fluggesellschaft zu gründen, zeichnet sich eine Wende zu freierer Marktwirtschaft ab. James 1997:100 Wirtschaft In der Zwischenzeit haben viele österreichische Firmen ihre Produktion nach Tschechien oder nach Ungarn verlegt, wo qualifizierte Arbeitnehmer billig und in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. James 1997:102

21 Österreich ist […] nicht das Land der Beamten, auch nicht das der großen Konzerne und starken Marken, sondern das Land der erfolgreichen Klein- und Mittelbetriebe – ein Umstand, der nicht nur die Wirtschaft, sondern die ganze Kultur prägt. Der typische Unternehmer legt mehr Wert auf seine Stellung in der Gesellschaft seiner Stadt und seines Bezirks als auf seinen Gewinn. Er ist selbst ein Stück Staat, spürt soziale Verantwortung, […]. Das soziale Klima im Lande ist von legendärer Friedfertigkeit. Streiks gibt es nicht, Massenentlassungen sind unbekannt. […] Die Arbeitslosigkeit liegt deutlich niedriger als in jedem anderen westlichen Industrieland […]. Die Produktivität ist sehr hoch, die wenigen alten Industriegebiete haben den Strukturwandel bewältigt. Mappes-Niederdiek 2002:159 Wirtschaft

22 Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern kommt Österreich eine Vorreiterrolle im Umweltschutz zu. Daraus erklärt sich die paradoxe Forderung der EU, dass Österreich den bereits erreichten hohen Standard senken soll […]. Diese Forderung ist in Österreich ganz und gar nicht begeistert aufgenommen worden. Ganz im Gegenteil hat sich die Bevölkerung dafür eingesetzt, dass ein Atomkraftwerk unter ungeheurem Kostenaufwand eingemottet werden soll und das Vorhaben, ein Wasserkraftwerk an der Donau zu errichten, verworfen wurde. James 1997:87 Wirtschaft/Umweltschutz

23 Seit dem 1. Januar 1995 ist Österreich Mitglied der Europäischen Union, und es hat sich in seinen neuen Status in Rekordzeit hineingefunden. […] Österreich kam sich schon immer sehr europäisch vor – viel europäischer als etwa die so eindeutig westliche Schweiz. Mappes-Niederdiek 2002:184 Politik und Kultur: Europa In Österreich aß, badete und dachte man schon europäisch, als der Rest des Kontinents noch ausschließlich national empfand. Mappes-Niederdiek 2002:185 Eine starke katholisch-monarchistische Minderheit hielt schon [in den zwanziger Jahren] ein vereintes Europa für den besten Ausweg. Ihr Wortführer war der Graf Richard Nikolaus von Coudenhove-Kalergi ( ), aber auch die Habsburger selbst fanden die Idee gut. […] Europa war für die österreichischen Föderalisten das Synonym für das Heilige Römische Reich des Mittelalters, dessen Idee als Abendland nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal eine kleine Renaissance erlebte. Mappes-Niederdiek 2002:185

24 Die Österreicher paßten in die Union wie der Schlüssel zum Schloß: Das Volk, dem der Hof abhanden gekommen war, hatte endlich wieder einen Vorgesetzten. Mappes-Niederdiek 2002:188 Politik und Kultur: Europa Für die FPÖ kam die Strafaktion der EU-Partnerstaaten anfangs wie gerufen, denn mit den neuen Chefs in Brüssel hatte auch der Kampf gegen die da oben wieder ein Objekt. […] Perfekt bedient wurde das neue Vater-Sohn-Muster schließlich, als die vierzehn EU-Partner auch noch einen Rat aus drei Weisen bildeten, der Österreichs neue Regierung auf ihre Europaverträglichkeit prüfen sollte. […] Der Bericht empfahl am Ende, die Sanktionen aufzuheben […] Österreich nahm das Urteil hin wie eine Versetzung mit einer Fünf in Religion und schlich zurück in seine Bank. Seither bemüht es sich, nicht zu sehr aufzufallen. […] Vom Lehrkörper werden unterdessen Festigkeit und Gelassenheit erwartet. Mappes-Niederdiek 2002:

25 Die verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber Politik und Ideologie, Stilen und konkurrierenden Wertsystemen hat entschieden ihre angenehmen Seiten. […] In Deutschland beschnuppern Fremde einander wie Hunde nach dem Vorliegen bestimmter Merkmale […]. In Österreich ist das alles egal. Man lebt freier als im konformistischen Deutschland, wo gerade die Nonkonformisten den strengsten Kleider- und Denkvorschriften unterliegen. Mappes-Niederdiek 2002:171 Gesellschaft/Kultur

26 Das Klischee vom österreichischen Gemüts- und Kulturmenschen beruht auf einer Fehleinschätzung, vom Fremdenverkehr gefördert, von der Exportwirtschaft bedauert. Die österreichischen Leistungen in Motorenforschung, Weltraumtechnik und Halbleiterbau sind nicht weniger bedeutend als die aus Kunst und Kultur, aber weniger fremdenverkehrstauglich. Thurnher 1999:223 Gesellschaft/Kultur/Wirtschaft

27 Österreich ist kein ungemütliches Land. Unbehagen entsteht erst aus der Gemütlichkeit, der zähen Fortdauer des Alten. Es ist ein kleines Land. Man entkommt einander nicht. Alte Rechnungen werden immer wieder vor- und nachgerechnet. Eine funktionierende Öffentlichkeit böte Ausweichmöglichkeiten. Wenns einem hier in seinem Rundfunk, […] seiner Zeitung nicht gefällt, kann man nicht in die nächste Stadt ziehen, denn dort gibt es denselben Rundfunk und dieselbe Zeitung. Man muss ins Ausland. Thurnher 1999:103 Gesellschaft/Medien

28 Unklug wäre, wer versuchen würde, gegen die Kronenzeitung zu handeln, bemerkte dazu Franz Vranitzky, freilich in dieser Offenheit klugerweise erst als Altkanzler. […] Wer einem Machthaber [in den Medien] Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Wut auf Kunst zubilligt, ohne zu widersprechen, der darf sich nicht wundern, wenn diese Ressentiments gesellschaftliche Wirkungskraft behaupten. Thurnher 1999:184 In ihren Medien sieht [die Nation] sich selbst ins Gesicht. In Österreich sieht sie in eine dämonische Fratze. […] In keinem Land […] existiert ein Phänomen wie die Kronenzeitung […], ein familiengerechtes Hetzblatt, das der Regierung den Ton angibt. [ …] Kaum irgendwo gibt es regionale Verlagsoligopole von vergleichbar erdrückendem Gewicht […]. Thurnher 1999:176

29 Gesellschaft/Medien Der Erfolg der Kronenzeitung als Zentralorgan der kleinen Leute […] Der direkte Draht, den der Populismus zu den Massen zieht, zielt auf die Errichtung einer emotional unmittelbaren Volksgemeinschaft. Die Einrichtungen einer institutionalisierten Demokratie werden als zu komplex empfunden und abgetan. Wozu der komplizierte Krempel? Die da oben bereichern sich ja doch! Die Großkopferten gehören um einen Kopf kürzer gemacht, endlich mal einer, der sich zu sagen traut, was Sache ist. Thurnher 1999:206

30 Österreicher bilden schon deshalb kaum exklusive Szenen aus, weil sie vorwiegend in Dörfern und Kleinstädten leben. […] In Österreich gibt es fünf Großstädte mit mehr als Einwohnern, in Deutschland sind es 82. […] Früher sorgte schon die Homogenität der bäuerlichen Lebensverhältnisse für den Zusammenhalt. Heute muss dieser natürliche Kitt durch individuelle Toleranz ersetzt werden. Großstädter können einander aus dem Wege gehen, Dörfler und Kleinstädter nicht. Mappes-Niederdiek 2002:172 Gesellschaft/Kultur Der dörfliche Zwang zum Miteinander-Auskommen […] bringt eine angenehme, ungezwungene Höflichkeit hervor. […] Man bleibt freundlich, schimpft nicht bei der Post […] – die halbe Post ist schließlich mit der halben Nachbarschaft verwandt. Mappes-Niederdiek 2002:173 Die dörfliche Toleranz in Österreich kommt aus dem Selbstschutz, nicht aus dem Respekt vor fremden Überzeugungen. Mappes-Niederdiek 2002:174

31 Mit den antiquierten Gesetzen ihrer Kirche […] konnten Österreichs Katholiken leben, solange niemand sie zwang, sich auch dazu zu bekennen. […] Ihre Transformation von einer Säule des Staates in eine radikale Gesinnungsgemeinschaft wollten sich Österreichs Katholiken nicht gefallen lassen. Lieber legten sie sich mit ihren extremistischen Bischöfen an als mit dem common sense. […] Das Kirchenvolksbegehren war keine jugendliche Rebellion, sondern im Gegenteil ein Kraftakt zur Rettung der Harmonie. Mappes-Niederdiek 2002:178 Gesellschaft/Kultur Man soll sonntags in die Kirche gehen, sich aber nichts dabei denken – und wenn doch, dann nicht laut. Dass Österreich katholisch ist, hat für die Einstellungen seiner Bürger wenig zu bedeuten; die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber Ideologien erstreckt sich durchaus auch auf die Religion. Mappes-Niederdiek 2002:179

32 […] an den Resten des Staatskirchentums stößt sich niemand. Die Mehrheit der Österreicher ist nach allen bekannten Zahlen nicht religiös, läßt die katholische Minderheit aber neidlos Hegemonie ausüben. Warum auch nicht? Es hat eh alles nichts zu bedeuten. Mappes-Niederdiek 2002:182 Gesellschaft/Kultur In Österreich erweist man der Kirche nur die schuldige Reverenz, um sie dann zu ignorieren. Mappes-Niederdiek 2002:181 Ein Kerzlschlucker ist ein unerträglich frommer Mitmensch, der (die) keine Messe verpasst. James 1997:103

33 Gesellschaft/Kultur Die Österreicher geben sehr viel auf Bildung. Darunter werden breite Kenntnisse aus den unterschiedlichsten Wissenbereichen, ein souveräner Umgang mit dem kulturellen Besitzstand und eine gewisse persönliche Kultiviertheit des jeweiligen Bildungsträgers verstanden. James 1997:85 Der Kampf um die Kultur, in Österreich Kulturkampf geheißen, geht weder um Kultur noch um Kunst. […] Von langer Hand vorbereitet, versucht [die neue Rechte], den Backlash gegen die dominierende Kulturpolitik der Sozialdemokratie einzuleiten. Thurnher 1999:140 Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit, aber wer aus dem Faulbett üppiger Subventionen heraus den Steuerzahler politisch beschimpft, darf sich nicht wehleidig auf künstlerische Freiheit berufen. Staberl in der Kronenzeitung, zit.n. Thurnher 1999:140

34 Gesellschaft/Kultur Zuallererst soll die Technik natürlich reibungslos funktionieren, gleichzeitig soll sie sich aber auch einem allgegenwärtigen Bedürfnis nach Gemütlichkeit unterordnen. Die modernsten Datenverarbeitungssysteme sind so einfühlsam in restaurierte Adelspaläste integriert, dass man den Eindruck gewinnt, sie seien von Anfang an dort eingeplant gewesen. Die Fahrgäste der hypermodernen Untergrundbahnen können deren Anlagen durch Bauwerke betreten, die von führenden Vertretern der Wiener Sezession gestaltet wurden. […] Das Verhältnis der Österreicher zum Fortschritt ist ebenso ambivalent wie zu allen anderen Lebensbereichen. Sie genießen es, das mit Worten niederzureißen, was ihnen als Ausdruck von Größenwahn erscheint. Auch die Architektur bleibt hiervon nicht verschont. James 1997:83-84 Die Art, wie sich der Aufbau [nach 1945] als Mischung zwischen alt und neu vollzog, ist typisch für Österreich. James 1997:83

35 Gesellschaft/Kultur Granteln und raunzen sind die Grundtonarten der österreichischen, speziell aber der Wiener Sprechweise. Wenn ein Österreicher nicht mehr kritteln darf, ist er so gut wie kastriert, behauptet die Sexpertin und Ratgeberin Gerti Senger. James 1997:104 Ein anschauliches Beispiel des [österreichischen] Pessimismus stammt von dem Futurologen Professor Millendorfer. Er meinte, dass die nächsten fünfzig Jahre glänzende Aussichten für Österreich böten, sofern es der Nation gelingen sollte, die nächsten fünf Jahre zu überleben. James 1997:104

36 Gesellschaft/Kultur Die Österreicher verfügen über eine so gewaltige Palette subtiler, aber deutlicher Schmähungen, dass sie es nicht nötig haben, mit Händen und Armen zu fuchteln, um ihren Äußerungen Gewicht zu verleihen. Diese Unbewegtheit unterstreicht den Eindruck eines gewissen Phlegmas, den sie auf den ersten Blick erwecken. Wer beispielsweise einmal den Bundeskanzler Vranitzky bei einer Pressekonferenz erlebte, könnte glauben, das alles ginge ihn überhaupt nichts an. Bei Partys kann man immer wieder Gäste beobachten, die den ganzen Abend über gedankenverloren auf der Couch sitzen und kaum ein Wort von sich geben. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Zeitgenossen um Anhänger Wittgensteins, die seinen Rat befolgen: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. James 1997:103


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