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Fiktionalität und Poetizität Lutz Rühling: „Fiktionalität und Poetizität“, in: Heinz Ludwig Arnold/Heinrich Detering (Hg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft,

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1 Fiktionalität und Poetizität Lutz Rühling: „Fiktionalität und Poetizität“, in: Heinz Ludwig Arnold/Heinrich Detering (Hg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft, München Was unterscheidet einen literarischen Text von einem nicht-literarischen? Welche Funktion hat die Fiktion (das Fiktive) innerhalb der Faktualität der Historie, sind Historiker auch nur Geschichtenerzähler? Sind alle literarischen Texte zugleich auch fiktional? Kommen Darstellungen von erfundenen Figuren, Gegenständen, Ereignissen auch in anderen Kunstgattungen vor?

2 Merkmale fiktionaler Texte Käte Hamburger ( ): »Die Logik der Dichtung« (1957, erweiterte Neufassung 1968), Die Erzählprosa sei "der einzige Ort, wo die Ich- Originität (oder Subjektivität) einer dritten Person als einer dritten dargestellt werden kann" (S. 79) Das sogenannte »epische Präteritum« bedeutet, dass »das Präteritum seine grammatische Funktion, das Vergangene zu bezeichnen«, verliere : ("Morgen war der gefürchtete Dritte", H. v. Kleist, Die Marquise von O...). "Aber am Vormittag hatte sie den Baum zu putzen. Morgen war Weihnachten." (Alice Berend:Die Bräutigame der Babette Bomberling, 1915)

3 Kleist, Die Marquise von O... In M., einer bedeutenden Stadt in Oberitalien, ließ die verwitwete Marquise von O., eine Dame von vortrefflichem Ruf und Mutter zweier wohlerzogener Kinder, durch die Zeitungen bekanntmachen, daß sie, ohne ihr Wissen, in andere Umstände gekommen sei, daß der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle; und daß sie, aus Familienrücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten. [Graf F., der sie vor Vergewaltigung durch russische Soldaten beschützte, ist Vater ihres Kindes. Da er sie aber schon vor der Annonce heiraten wollte, kann sie sich mit seiner zweiten Werbung nicht abfinden und weigert sich zuerst ihn zu heiraten]

4 Vom Vater verbannt Wenige Tage danach erhielt der Kommandant, mit Bezug auf diesen Zeitungsartikel, einen Brief von der Marquise, in welchem sie ihn, da ihr die Gnade versagt wäre, in seinem Hause erscheinen zu dürfen, auf eine ehrfurchtsvolle und rührende Art bat, denjenigen, der sich am Dritten morgens bei ihm zeigen würde, gefälligst zu ihr nach V. hinauszuschicken. folgende Antwort: "Wenn die Frau Marquise von O. sich, am 3ten Uhr morgens im Hause des Herrn von G., ihres Vaters, einfinden will, so wird sich derjenige, den sie sucht, ihr daselbst zu Füßen werfen."

5 Mit dem Vater versöhnt Nun war, beim Anbruch des nächsten Tages, die allesentscheidende Frage, wer nur, in aller Welt, morgen um 11 Uhr sich zeigen würde; denn morgen war der gefürchtete Dritte des Monats. Vater und Mutter, und auch der Bruder, der sich, mit kargen aber aufrichtigen Worten bei der Marquise entschuldigt hatte und in den neuen alten Bund aufgenommen ward, stimmten unbedingt, falls die Person nur von einiger Erträglichkeit sein würde, für die Vermählung; alles, was irgend möglich war, sollte geschehen, um die Marquise glücklich zu machen.

6 Jochen Vogt: Aspekte erzählender Prosa Hans Giebenrath, Unter Rad, 1906, S.20: „Am Ende begann er wieder einmal, die Unregelmäßigen herzusagen, aber zu seinem tödlichen Schrecken wusste er fast nichts mehr. Alles rein vergessen! Und morgen war Landexamen! eine ausgeprägt subjektive Figurenperspektive + das zukünftige Datum

7 Fiktional vs. fiktiv ??? eine bestimmte Darstellungsweise, bei der das Dargestellte nicht existiert, ??? eine bestimmte Existenzweise von Gegenständen (im formalen Sinne), die in der realen Welt nicht existieren Wie änderte sich der Statur von Mythen? Gelten sie als fiktional oder faktual? „Der Mensch kann sich Dinge,welche nicht wirklich sind, vorstellen, als wenn sie wirklich wären“ (Hegel) Es gibt fiktive Gegenstände nur in dem Sinne, daß es Beschreibungen von Gegenständen gibt, die es nicht gibt.

8 Fiktional vs. fiktiv Bertolt Brechts Erzählung »Der verwundete Sokrates«, erzählt eine Episode aus Platons »Symposion« nach: die Schlacht bei Delion Und als endlich die Feinde mit schallendem Kampfesgeschrei angreifen, bleibt dem Philosophen nichts anderes zu tun, als das Weite zu suchen. Wie es aber so dreht und wendet, läuft er blindlings in ein Dornengestrüpp, und spürt sogleich den ersten Dorn im Fuß. Und als „der kämpfende Knäuel (…) sich auf wenige Schritte genähert hatte, saß der Philosoph auf dem Hintern zwischen zwei Dornensträuchern, hilflos dem Feind entgegenblickend“.

9 Der verwundete Sokrates, Geschichten vom Herrn Keuner Und plötzlich, den Schmerz im Fuß nicht mehr aushaltend, fängt er an zu brüllen und brüllt und brüllt, genauer: er hört sich brüllen, denn „alles war besser, als diesen Schmerz im Fußballen noch ein einziges Mal zu spüren“. Und da ergreift er das Schwert, das er aufgehoben hat, um den Dorn herauszuschneiden, und schwingt es im Kreise und erwischt prompt einen feindlichen Perser. Und „die Perser hatten sich auf das Gebrüll hin zur Flucht gewandt“ [...] Und „als dann Xanthippe den Fuß badete und den Dorn auszog, sagte sie übellaunig: `Es hätte eine Blutvergiftung werden können.´“

10 Wie fiktional ist die Geschichte? Distanziert-parodisierend erzählt Brecht eine Geschichte, die stoffliche Anregung von Georg Kaisers Stück "Der gerettete Alkibiades" (1920) erhielt. Beide gehen auf eine Episode im Kapitel XXXVI des "Symposions" von Plato zurück, worin Alkibiades die Heldentaten des Sokrates im Kriege, vor allem in der Schlacht bei Delion im Jahre 424 v.Chr., erzählt.

11 Platon, Symposion Der Mühe wert war es ferner, meine Freunde, den Sokrates zu sehen, als das Heer sich nach der Schlacht bei Delion auf der Flucht befand. Ich war nämlich gerade bei derselben als Reiter, er aber als Schwerbewaffneter tätig. Wie also sich alle bereits zerstreut hatten, befand er sich noch Seite an Seite mit Laches auf dem Rückzuge.... daß es einem jeden auch schon aus der Ferne klar werden mußte, er werde einen heißen Kampf zu bestehen haben, wenn er diesen Mann angreifen wollte. Deshalb kam er denn auch unversehrt davon samt seinem Gefährten; denn in der Regel pflegt man die nicht anzugreifen, welche sich also gerüstet zeigen, sondern die zu verfolgen, die kopflos davonfliehen.


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