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Wintersemester 2010/2011 Arbeitsrecht I Professor Dr. Wolfhard Kohte VorsR.amBAG Prof. Klaus Bepler.

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1 Wintersemester 2010/2011 Arbeitsrecht I Professor Dr. Wolfhard Kohte VorsR.amBAG Prof. Klaus Bepler

2 2 4. Die Betriebsverfassung 4.1Rechtstatsachen Die Betriebsverfassung und die vergleichbare Ar- beitnehmerrepräsentanz im Bereich des öffent- lichen Dienstes, die Personalvertretung, sowie die besonderen Arbeitnehmervertretungen für einige Beschäftigtengruppen und Branchen (Schifffahrt, Flugverkehr) werden vom Gesetz- geber als der Normalfall angesehen (§ 1 BetrVG:.. werden Betriebsräte gewählt.), der aber in der Betriebswirklichkeit regional und auf die Branchen bezogen ganz unterschiedlich verbrei- tet.

3 3 4. Die Betriebsverfassung 4.2Standort Koalitions-, Tarifvertrags- und Arbeitskampfrecht befas- sen sich mit der Gewährleistung und der (Rahmen-)Re- gelung einer historisch in der Gesellschaft gewachsenen Ordnung, in der mit dem Ziel des Ausgleichs der indivi- duellen Ungleichgewichtslagen im Arbeitsleben aus über- betrieblicher Sicht Arbeitsbedingungen geschaffen wer- den, die in die einzelnen Arbeitsverhältnisse hineinwirken und mit Wahrscheinlichkeit sozial und wirtschaftlich an- gemessen sind. Die Teilnahme an dieser Ordnung setzt grundsätzlich die freie Entscheidung der Teilnehmer des Arbeitslebens voraus, sich durch Beitritt zu den System tragenden Organisationen hieran zu beteiligen.

4 4 4. Die Betriebsverfassung 4.2Standort Mit der Betriebsverfassung geht es demgegen- über um eine Teilhabestruktur, die sicherstellen soll, dass auf der Ebene, in der das tägliche Ar- beitsleben stattfindet, in der arbeitsteiligen Or- ganisation des Betriebes, die Interessen der Ar- beitnehmer in den sie betreffenden Angelegen- heiten entsprechend einer vom Gesetzgeber vor- gegebenen Gewichtung angemessen beteiligt werden. Alle Arbeitnehmer des Betriebes sind in einer Art Zwangsgemeinschaft Teil dieses Systems.

5 5 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick Für ein solches betriebliches Teilhabesystem braucht es eine Festlegung des räumlich-organisatorischen Rah- mens, in dem es stattfindet, eine Festlegung des räumlich-organisatorischen Rah- mens, in dem es stattfindet, die Schaffung und Organisation des die Arbeitnehmer repräsentierenden Organs, durch das die Teilhabe verwirklicht wird, und die Schaffung und Organisation des die Arbeitnehmer repräsentierenden Organs, durch das die Teilhabe verwirklicht wird, und Regeln über die Bildung und Geschäftsführung dieses Organs im Einzelnen Regeln über die Bildung und Geschäftsführung dieses Organs im Einzelnen = §§ 1 – 73 b, 114 – 118 (sog. formelles Be- triebsverfassungsrecht)

6 6 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick Von zentraler Bedeutung ist das sog. materielle Betriebsverfassungsrecht (§§ 74 – 113 BetrVG), in dem festgelegt ist, nach welchen Regeln und mit welchen Instrumenten die Teilhabe im Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verwirklicht wird, und nach welchen Regeln und mit welchen Instrumenten die Teilhabe im Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verwirklicht wird, und in welchen betrieblichen Zusammenhängen und dort jeweils in welcher Intensität Teilhaberechte bestehen. in welchen betrieblichen Zusammenhängen und dort jeweils in welcher Intensität Teilhaberechte bestehen. Abschließend bewehrt das BetrVG einzelne be- triebsverfassungsrechtliche Pflichten durch Straf- und Bußgeldbestimmungen (§§ 119 f. BetrVG).

7 7 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick Im formellen Betriebsverfassungsrecht werden etwa die folgenden Fragen beantwortet: Wo findet betriebliche Mitbestimmung statt [§§ 1, 3, 4]? Wo findet betriebliche Mitbestimmung statt [§§ 1, 3, 4]? Wer ist teilnehmender Arbeitnehmer [§§ 5, 7 S. 2]? Wer ist teilnehmender Arbeitnehmer [§§ 5, 7 S. 2]? Wie setzt sich der Betriebsrat zusammen, und wie und für welche Amtszeit wird er gewählt (WO!) [§§ ]? Wie setzt sich der Betriebsrat zusammen, und wie und für welche Amtszeit wird er gewählt (WO!) [§§ ]? Wie, unter welchen Bedingungen hat der Betriebsrat seine Geschäfte zu führen und welche Unterstützungspflichten hat der Arbeitgeber [§§ 26 – 46, auch §§ 2, 74, 78, 78a]? Wie, unter welchen Bedingungen hat der Betriebsrat seine Geschäfte zu führen und welche Unterstützungspflichten hat der Arbeitgeber [§§ 26 – 46, auch §§ 2, 74, 78, 78a]? Wann, wie und mit welchen Aufgabenstellungen sind Gesamt- und Konzernbetriebsrat sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen zu bilden [§§ 47 – 73 b]? Wann, wie und mit welchen Aufgabenstellungen sind Gesamt- und Konzernbetriebsrat sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen zu bilden [§§ 47 – 73 b]?

8 8 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick Die materiellen Mitwirkungswege und Mitwir- kungsrechte sind im Gesetz im einzelnen auf- gezählt; diese Aufzählung ist aber nur abschlie- ßend, soweit es um durchsetzbare Rechtsan- sprüche auf Teilhabe geht. Freiwillig können die Betriebsparteien jedes im Betrieb als regelungs- bedürftig eingeschätzte Thema regeln. Sie ha- ben dazu grundsätzlich das für alle Betriebsan- gehörigen normativ wirkende Gestaltungsmittel der Betriebsvereinbarung [§ 77 Abs. 4].

9 9 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick Da sich mithin die Betriebsparteien im Grundsatz jeder Materie des Arbeitsverhältnisses und des Verhältnisses der Arbeitsverhältnisse zueinander annehmen und dort gestaltend wirken können, stellt sich die Frage nach dem Verhältnis zu den anderen Akteuren [§ 2] und Gestal- tungsmitteln des Arbeitslebens: Im Verhältnis zwischen Betriebsvereinbarung und Individual- vertrag gilt das Günstigkeitsprinzip entsprechend. Im Verhältnis zwischen Betriebsvereinbarung und Individual- vertrag gilt das Günstigkeitsprinzip entsprechend. Im Verhältnis zum Tarifvertrag gilt grundsätzlich und praktisch umfassend (Ausn.: § 112 Abs. 1 Satz 4) der Vorrang des Tarif- vertrags(-systems!). Im Verhältnis zum Tarifvertrag gilt grundsätzlich und praktisch umfassend (Ausn.: § 112 Abs. 1 Satz 4) der Vorrang des Tarif- vertrags(-systems!). > Betriebsverfassung soll die gelebte Tarifautonomie nicht stören, zu ihr nicht in ein Konkurrenzverhältnis treten.

10 10 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick TarifvertragBetriebsverfassung Freiwillige Beteiligung Zwangsverband Arbeitskampf mögl. [§74 Abs. 1] Friedenspflicht Überbetriebliche Akteure betriebliche Akteure normative Regelungsmacht normative Regelungsmacht Höhere Angemessenheits- wahrscheinlichkeit > Vorrang

11 11 4. Die Betriebsverfassung 4.3Überblick Das materielle Betriebsverfassungsrecht gestal- tet die Teilhaberechte des Betriebsrats ganz unterschiedlich aus. Sie reichen von echten Mitbestimmungsrechten [zB § 87], deren Existenz die betreffende Maßnahme ohne Zustim- mung des Betriebsrats ausschließt [> §§ 87 Abs. 2, § 76] echten Mitbestimmungsrechten [zB § 87], deren Existenz die betreffende Maßnahme ohne Zustim- mung des Betriebsrats ausschließt [> §§ 87 Abs. 2, § 76] über an Fristen und bestimmte Gründe gebundene Zustimmungsverweigerungsrechte [§ 99 Abs. 4!!, § 103 Abs. 2] und über an Fristen und bestimmte Gründe gebundene Zustimmungsverweigerungsrechte [§ 99 Abs. 4!!, § 103 Abs. 2] und Anhörungsrechte [§ 102 Abs. 5!] bis hin zu bloßen Anhörungsrechte [§ 102 Abs. 5!] bis hin zu bloßen Beratungs- und Unterrichtungsansprüchen. Beratungs- und Unterrichtungsansprüchen.

12 12 4. Die Betriebsverfassung 4.4Mitbestimmung in sozialen Angelegen- heiten [§ 87] Der Arbeitgeber kann in den in § 87 Abs. 1 auf- gelisteten Angelegenheiten keine Maßnahmen ergreifen, wenn dem der Betriebsrat nicht zuge- stimmt hat oder dessen Zustimmung durch die Einigungsstelle (Regelungsstreit!) ersetzt worden ist, es sei denn, es gibt eine für den Betrieb geltende gesetzliche oder tarifliche Regelung hierzu [§ 87 Abs. 1 Eingangssatz; Verhältnis zu § 77 Abs. 3]?

13 13 4. Die Betriebsverfassung 4.4Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten [§ 87] Praktisch besonders wichtige Mitbestimmungsrechte, die stets kollektive, nicht auf die einzelne Person bezogene Maßnahmen betreffen, bestehen bei: Nr. 1 Regelungen des Ordnungsverhaltens, des Zusammenlebens im Betrieb; nicht des Arbeitsverhaltens! Nr. 1 Regelungen des Ordnungsverhaltens, des Zusammenlebens im Betrieb; nicht des Arbeitsverhaltens! Nr. 2., 3 Regelungen zur Verteilung der betrieblichen Arbeitszeit und deren vorübergehende Verlängerung oder Verkürzung; Nr. 2., 3 Regelungen zur Verteilung der betrieblichen Arbeitszeit und deren vorübergehende Verlängerung oder Verkürzung; Nr. 6 Regelungen zur Überwachung der Arbeitnehmer durch technische Einrichtungen; Problem der Eignung zur Überwachung! Nr. 6 Regelungen zur Überwachung der Arbeitnehmer durch technische Einrichtungen; Problem der Eignung zur Überwachung! Nr. 10 Regelungen zur betrieblichen Lohngestaltung; es geht um Si- cherstellung der Verteilungsgerechtigkeit, nicht um die absolute Lohn- höhe; in die Regeln zur Wahrung der Verteilungsgerechtigkeit kann aber auch eingegriffen werden durch disproportionale Reduzierung der Lohnhöhe. Nr. 10 Regelungen zur betrieblichen Lohngestaltung; es geht um Si- cherstellung der Verteilungsgerechtigkeit, nicht um die absolute Lohn- höhe; in die Regeln zur Wahrung der Verteilungsgerechtigkeit kann aber auch eingegriffen werden durch disproportionale Reduzierung der Lohnhöhe. Bei Verletzung des Mitbestimmungsrechts: Theorie von der Wirksamkeits- voraussetzung; Unterlassungsanspruch des Betriebsrats! Auch: Beweisver- wertungsverbot??

14 14 4. Die Betriebsverfassung 4.5Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten [§§ 90 ff, insbes. 99] Bei den in § 99 Abs. 1 genannten personellen Einzelmaßnahmen Einstellung (<> Vertragsschluss) Einstellung (<> Vertragsschluss) Eingruppierung und Umgruppierung (Rechtskontrolle) Eingruppierung und Umgruppierung (Rechtskontrolle) Versetzung (eigener Begriff: § 95 Abs. 3) Versetzung (eigener Begriff: § 95 Abs. 3) hat der Arbeitgeber ab einer bestimmten Mindestgröße des Be- triebes (> 20 Köpfe) die Pflicht, den Betriebsrat zu unterrichten und um seine Zustimmung zu bitten. Der Betriebsrat kann – hierbei an Fristen gebunden und auf be- stimmte Gründe hierfür beschränkt – seine Zustimmung zu dieser Maßnahme verweigern. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall die Maßnahme nur durch- führen, wenn er erreicht hat, dass das Arbeitsgericht die Zustim- mung des Betriebsrats ersetzt (Rechtstreitigkeit: Ja/Nein). Besonderes Eilverfahren: § 100!

15 15 4. Die Betriebsverfassung 4.6Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten [§§ 102, 103] Vor Ausspruch von Kündigungen aller Art ist der Betriebsrat unter Angabe der für den Arbeitgeber maßgeblichen Kündigungs- umstände anzuhören; er soll bei der Willensbildung des Arbeitge- bers, ob eine Kündigung ausgesprochen werden soll, mitwirken. Der Betriebsrat soll den Betroffenen anhören. Er kann durch einen fristgebundenen [§ 102 Abs. 2] Widerspruch gegen die Absicht zu kündigen, deren Ausspruch nicht verhindern. Er kann aber, wenn er sich bei seinem Widerspruch auf bestimmte Gründe stützen kann [§ 102 Abs. 3], für den Gekündigten einen Anspruch auf vorläufige Weiterbeschäftigung begründen [§ 102 Abs. 5], mit dessen Hilfe die Schaffung vollendeter Tatsachen verhindert werden soll. Wird der Betriebsrat allerdings überhaupt nicht oder nicht ordnungs- gemäß beteiligt, ist die Kündigung unwirksam [§ 102 Abs. 1 Satz 2] Sonderbeteiligungsrecht bei Massenkündigungen: § 17 KSchG!

16 16 4. Die Betriebsverfassung 4.6Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten [§§ 102, 103] Will der Arbeitgeber ein Betriebsratsmitglied oder einen anderen der in § 103 genannten Funktionsträger der Be- triebsverfassung fristlos kündigen, ist das Mitwirkungs- recht des Betriebsrats um der Sicherung der Funktions- fähigkeit der Betriebsverfassung willen verstärkt: Der Arbeitgeber darf seine Absicht nur umsetzen, wenn der Betriebsrat der beabsichtigten fristlosen Kündigung zugestimmt hat oder das Arbeitsgericht die Zustimmung des Betriebsrats hierzu ersetzt hat (Rechtsstreit Ja/Nein).

17 17 4. Die Betriebsverfassung 4.7Mitwirkung des Betriebsrats bei Betriebs- änderungen [§§ 111 ff.] 1. Vor geplanten Betriebsänderungen [§ 110 Satz 3] hat der Ar- beitgeber den Betriebsrat hierüber rechtzeitig und umfassend zu unterrichten und mit ihm über die Durchführung zu beraten. 2. Er hat einen Interessenausgleich über das Ob, Wann und Wie der Betriebsänderung zu versuchen bis hin zu einer Anrufung der Einigungsstelle. Das Zustandekommen eines Interessen- ausgleichs ist aber nicht Voraussetzung für die Durchführung seines unternehmerischen Plans. 3. Unabhängig davon kann der Betriebsrat, wenn es zur Betriebs- änderung kommt, ggfls. Unter Einschaltung der Einigungsstelle einen Sozialplan erzwingen, mit dessen Hilfe die wirtschaftlichen Nachteile der Arbeitnehmer aus der Betriebsänderung ausge- glichen oder gemildert werden sollen [§ 112 Abs. 3].

18 18 4. Die Betriebsverfassung 4.7 Mitwirkung des Betriebsrats bei Betriebsänderungen [§§ 111 ff.] Führt der Arbeitgeber eine Betriebsänderung iS § 111 durch, ohne zuvor einen Interessenaus- gleich versucht zu haben, oder weicht er bei der Durchführung von einem vereinbarten Interes- senausgleich ab, schuldet er den Betroffenen nach § 113 einen Nachteilsausgleich. Mit diesem Anspruch wird auch betriebsverfassungswidriges Verhalten sanktioniert.


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