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Hormonell Aktuell, 29 Oktober 2011 Rechtliche Probleme in der Reproduktionsmedizin Christoph Brezinka Innsbruck.

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Präsentation zum Thema: "Hormonell Aktuell, 29 Oktober 2011 Rechtliche Probleme in der Reproduktionsmedizin Christoph Brezinka Innsbruck."—  Präsentation transkript:

1 Hormonell Aktuell, 29 Oktober 2011 Rechtliche Probleme in der Reproduktionsmedizin Christoph Brezinka Innsbruck

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3 Wenn Sie bei Gericht erscheinen… …als Zeuge/Zeugin …als Sachverständige(r) Achten Sie auf Ihre Kleidung! Herren: KEIN Trachtenanzug KEIN Jeans-Schlabberlook Damen KEIN Pippi- Langstrumpf-Look KEIN gewagtes, gestyltes Kleid ! Wie zum Begräbnis der Erbtante !

4 Kaum etwas beschäftigt Ärzte so sehr, kaum etwas prägt ihr Denken und Handeln so nachhaltig, wie Gerichtsurteile in Arzthaftungsverfahren

5 In der Konsequenz haben Urteile und Urteilsbegründungen massiven Einfluss auf das ärztliche Handeln – wesentlich mehr als Lehrbücher und Leitlinien, vielfach ersetzt das Urteil dann die Leitlinie und das Lehrbuchkapitel

6 Auch wenn man meint, alles richtig gemacht zu haben, es wird geklagt! Auch wegen Jahrzehnte zurückliegender Fälle! Jährlicher Anstieg Beschwerden Patientenanwaltschaften um 30%! Auch Sie und Ihre Kollegen werden demnächst geklagt!

7 Vor Gericht und auf hoher See sind wir immer in Gottes Hand

8 Hinter 90% aller Klagen steht ein Arzt, der die Patientin mit „um Gottes Willen, was haben die denn da mit ihnen gemacht, da müssen sie klagen, da kriegen sie ein Geld!“ anstiftet

9 Jede diagnostische Technik - Harnstic, Blutdruck, Waage oder Doppler hängt davon ab ob sie in der richtigen Situation eingesetzt wird ob aus ihrem Einsatz die richtige Konsequenz gezogen wird

10 Deutliche Verlagerung der Klagen - weg vom Vorwurf der fehlerhaften Geburtshilfe mangelhafte Beratungs- und Aufklärungspflicht fehlerhafte pränatale Diagnostik fehlerhafte Mitteilung von Befunden Versäumnisse in der Schwangerenbetreuung

11 Im Klagefall wird das Gericht feststellen ob.... Diagnoseaufklärung und Warnpflichten ebenso wie „begleitende Sorgfaltspflichten“ erfüllt wurden „ultra posse nemo tenetur“ Schadenersatz nur bei Kausalität, Sorgfaltswidrigkeit und Verschulden Ch.Kopetzki

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13 Der Chirurg unterscheidet sich vom Messerstecher nur durch die Aufklärung! Dr.Franzki, Präsident des OLG Celle

14 Aufklärung …soll Patientin in die Lage versetzen, die Tragweite ihrer Einwilligung zu überblicken Um so wichtiger, je weniger dringlich der Eingriff/die Verschreibung!

15 Woher sollen wir wissen, auf was wir aufklären sollen ? Welche Risiken müssen wir speziell erwähnen ? Was sind „typische Risiken“ ?

16 OGH „Frage der Typizität ist eine Rechtsfrage, keine Tatfrage“

17 „ Typische Komplikation“ Nicht die Häufigkeit einer bestimmten Komplikation in Prozent Risiko haftet speziell dem geplanten Eingriff an

18 „ Typische Komplikation“ Risiko ist auch bei Anwendung größter Sorgfalt und einwandfreier Durchführung nicht ganz sicher zu vermeiden Eintreten des Risikos würde den nicht informierten Patienten überraschen, weil er nicht damit rechnet

19 „ Euch kriegt man eh nur über die mangelnde Aufklärung!“ Richter

20 Auch der dümmste und faulste Anwalt wird alles versuchen, die klagende Patientin so zu coachen, dass sie vor Gericht stereotyp wiederholt: “Niemand hat mich aufgeklärt”

21 “ Niemand hat mir die Konsequenzen und die möglichen Defizite von Diagnostik und Therapie erklärt” “Hätte man mir das erklärt, so hätte ich mich anders entschieden”

22 Die Unzufriedenheit nimmt zu.... Wer bei einer minimalen Irritation den maximalen Leidensdruck empfinden kann, ist ein wahrhaft moderner Mensch Prof.Berg, DGGG

23 Einwilligung ist keine rechstgeschäftliche Vereinbarung Wirksamkeit einer Einwilligung braucht lt BGH keine Unterschrift und keinen Austausch von Dokumenten. "vertrauensvolles Gespräch ohne bürokratischen Formalismus“ Aber: Einwilligung in und bewußtes Ablehen von invasiver und nicht-invasiver Pränataldiagnostik schriftlich dokumentieren !

24 Beispiele für vom OGH und BGH als „typisch“ erkannte Risiken Recurrensparese nach Struma-OP Deutschland BGH VI ZR 225/ Apallisches Syndrom in Folge Herz-OP 3 Ob 562/84 ; Durchtrennung ductus choledochus bei Gallen-OP ( Inzidenz lt SV 0,25%) 4 Ob 509/95 ;

25 Beispiele für vom OGH und BGH als „typisch“ erkannte Risiken Übertragung HCV/HIV durch Bluttransfusion (Inzidenz 1 auf 7 Mio) Deutschland, zitiert bei Weissauer 1995 Peronäuslähmung nach Varizen-OP 2 Ob/505/96, Ruptur der a vertebralis bei chiropraktischem Eingriff (Inzidenz lt Beklagter 0,0005% - 1 auf ) 4 Ob 335/99p

26 Beispiele für vom OGH als „typisch“ erkannte Risiken Ösophagusperforation bei Magen-OP 4 Ob 1690/ Nachblutung nach Nasenseptum-OP (Inzidenz lt SV 2,6%) 7 Ob 233/01s Näseln“ nach Tonsillektomie 6 Ob 318/00h

27 Beispiel für vom OGH als „inherente“, „spezifisch anhaftend“ erkannte Risiken Darmperforation bei Colonoskopie (Inzidenz lt SV 0,32%) 4 Ob 132/06z ; Dammriss III° bei Vaginalgeburt mit Lageanomalie des Kindes 7 Ob 299/03a Kompartmentsyndrom durch Lagerungsschaden 8 Ob 113/09i

28 „ Typische Komplikation“ Nicht die Häufigkeit einer bestimmten Komplikation in Prozent Risiko haftet speziell dem geplanten Eingriff an

29 „ Typische Komplikation“ Risiko ist auch bei Anwendung größter Sorgfalt und einwandfreier Durchführung nicht ganz sicher zu vermeiden Eintreten des Risikos würde den nicht informierten Patienten überraschen, weil er nicht damit rechnet

30 Gynäkologische Arzthaftungsverfahren: Vorwurf des fehlerhaften Tumorscreenings Bei Infektionen Vorwurf der mangelnden Hygiene und/oder Antibiotikaprophylaxe Vorwurf der „exzessiven“ Operation Vorwurf Weiterbestand Inkontinenz Vorwurf der mangelnden Aufklärung in allen Varianten

31 Wo wird derzeit am ehesten geklagt ? 1.Nicht erkannte Eileiterschwangerschaft 2.Thrombose unter Kontrazeption 3.Kinderwunsch/Schlechter Ausgang einer IVF Schwangerschaft 4.Geburt eines Kindes mit Fehlbildung nach „normalem“ Ultraschall/NT Test

32 Wo wird derzeit am ehesten geklagt ? 1.Nicht erkannte Eileiterschwangerschaft 2.Thrombose unter Kontrazeption 3.Kinderwunsch/Schlechter Ausgang einer IVF Schwangerschaft 4.Geburt eines Kindes mit Fehlbildung nach „normalem“ Ultraschall/NT Test

33 DatumEreignis Details Frau Holzer sucht ihren Facharzt, Dr.Möller, in München auf Wegen Kinderwunsch wird Clomiphen verschrieben Im Österreich-Urlaub sucht Frau Holzer mit Schmerzen und vag Blutung die Ambulanz des KH St.Wendelgard auf Dr.Peroni macht Ultraschall, verschreibt Mexalen bei Diagnose Dysmenorrhoe Frau Holzer bei Tagung in Hannover, zunehmende Unterbauchschmerzen Muss auf der Heimfahrt nach Kollaps notfallmässig aus dem Zug geholt und ins Krankenhaus eingeliefert werden Operation einer Eileiterschwangerschaft mit Resektion des Eileiters

34 Gutachterliche Beurteilung: a) die Anamnese durch die Ambulanzschwester, auf die sich der Arzt verließ…. Erfolgte glaubhaft im für die Patientin fast unverständlichen „österreichischem Dialekt“ Erfolgte mit von der Patientin als distanzlos empfundenen Duzen Frage nach Geschlechtsverkehr wurden offenbar unter Verwendung eines der Patientin nicht bekannten lokalen umgangssprachlichen Ausdrucks für Kohabitation gestellt

35 Gutachterliche Beurteilung: b) die Untersuchung durch Dr.Peroni Im Ultraschall Menstruations-typisches cavum uteri gesehen, unauffällige Adnexe, keine freie Flüssigkeit Keine Frage gestellt, warum kein Schwangerschaftstest, kein Verdacht auf Abortus oder EU

36 Die Nicht-Durchführung des Schwangerschaftstests entsprach nicht dem zu erwartenden Standard in einem österreichischen Bezirkskrankenhaus, welches ambulant eine Patientin mit Blutung und Schmerzen nach Amenorrhoe versorgt

37 Organisationsverschulden Der Arzt hat die Pflicht zu sachgerechter Organisation und Koordination der Behandlungsabläufe

38 Typisches Organisationsverschulden: Patientin wird nach Ultraschallbefund mit Verdacht auf ektope Schwangerschaft von der Sekretärin heimgeschickt, der Befund folgt per Post

39 Wo wird derzeit am ehesten geklagt ? 1.Nicht erkannte Eileiterschwangerschaft 2.Thrombose unter Kontrazeption 3.Kinderwunsch/Schlechter Ausgang einer IVF Schwangerschaft 4.Geburt eines Kindes mit Fehlbildung nach „normalem“ Ultraschall/NT Test

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41 LG Graz als Berufungsgericht 8C 201/07i (2008) Gesunde, normalgewichtige 23-jährige Nicht- raucherin mit blander Anamnese bekommt Pille verschrieben Monate später nach 5 Tagen Durchfall Wadenvenenthrombose und Lungenembolie homozygoter Defekt des Faktor V (Leiden) mit aktivierter Protein C (APC)-Resistenz festgestellt

42 LG Graz als Berufungsgericht 8C 201/07i (2008) Klage…..nicht gegen den/die für den Durchfall verantwortlichen..(Gurkenhändler??),sondern… …gegen die Ärztin, die die Pille verschrieben hatte Aus dem Urteil: Ärztin hat….“ihre Aufklärungs- pflicht verletzt, da sie nicht darauf hingewiesen hatte, dass es die Möglichkeit gab, zur Abklärung der Thrombosegefahr einen APC-Resistenztest durchführen zu lassen“

43 „ Da die Klägerin, wenn sie über die Möglichkeit der Durchführung eines APC-Resistenztests aufgeklärt worden wäre, von der Einnahme der Pille Abstand genommen hätte, haftet die Beklagte grundsätzlich auch für die Folgen der unterlassenen Aufklärung“.

44 Das Berufungsgericht „ je weniger der Eingriff aus der Sicht eines vernünftigen Patienten vordringlich oder gar geboten ist“ Pillenverschreibung ist wie „wenig dringlicher Eingriff “ Ärztin hätte beim ersten Beratungsgespräches über die Pille hinsichtlich des wesentlich erhöhten (sic!) Risikos einer Thromboseerkrankung aufklären müssen.“

45 Wo wird derzeit am ehesten geklagt ? 1.Nicht erkannte Eileiterschwangerschaft 2.Thrombose unter Kontrazeption 3.Kinderwunsch/Schlechter Ausgang einer IVF Schwangerschaft 4.Geburt eines Kindes mit Fehlbildung nach „normalem“ Ultraschall/NT Test

46 „ Der Spiegel“ beschrieb das Asherman-Syndrom 2003 als „ein Gebärmutterleiden, das selten vorkommt, kaum erkannt und fast immer falsch behandelt wird “

47 Das Asherman Syndrom Asherman-Syndrom nach Joseph G. Asherman ( ) benannt, der 1948 das Ausbleiben der Regel nach einer Verklebung des Uterus beschrieb(Asherman, 1948). Auch als Fritsch-Syndrom oder Fritsch-Asherman- Syndrom bekannt, da Heinrich Fritsch ( ) das selbe Zustandsbild bereits 1894 beschrieben hatte (Fritsch, 1894). Asherman JG (1948). Amenorrhoea traumatica (atretica). J Obstet Gynecol Br Commonwealth 84: Fritsch H (1894). Ein Fall von völligem Schwund der Gebärmutterhöhle nach Auskratzung. Zentralbl Gynakol 18:

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51 Was ist ein Asherman-Syndrom ? sieben verschiedene, sich widersprechende Klassifikationssysteme Keine Definition allgemein akzeptiert keines der einzelnen Klassifikationssysteme ist validiert große Zahl Behandlungstechniken ohne kontrollierte vergleichende Studien Erfolge in Fertilität und Wiederauftreten der Menstruation nach Behandlung sind nicht standardisiert sondern rein deskriptiv und daher schwer vergleichbar (Deans and Abbott, 2010)

52 GynäkologInnen bei denen jede dritte Patientin ein Asherman-Syndrom hat GynäkologInnen, die es in ihrem ganzen Berufsleben gerade ein- oder zweimal diagnostiziert haben (Dan et al, 2008) Viele der operativen Eingriffe zur Therapie des Asherman-Syndroms finden im Rahmen von ambulanten tageschirurgischen Operationen statt Mit Zunahme des tageschirurgischen Angebots in den letzten Jahren rapider Anstieg der Asherman-Diagnosen

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54 Bei entsprechend präpariertem Anwalt…. ….einem Gutachter, der selbst fest an das Asherman-Syndrom glaubt …bestehen hohe Erfolgschancen für eine Klage wegen Amenorrhoe nach Abortcurretage/ Abrasio/hysteroskopischer OP Infertilität nach manueller Plazentalösung

55 Infektiöse Komplikationen nach IVF, Literatur Komplikationen der niederländischen und finnischen IVF-Programme, 6 von 2495 Frauen mit IVF wurden kurz nach der Punktion wegen entzündlicher Komplikationen stationär aufgenommen Roest J, Mous HV, Zeilmaker GH, and Verhoeff A (1996). The incidence of major clinical complications in a Dutch transport IVF programme. Hum Reprod Update 2: Ähnliche Zahlen bei IVFs Klemetti R, Sevon T, Gissler M, and Hemminki E (2005). Complications of IVF and ovulation induction. Hum Reprod 20:

56 Kleinserien und Kasuistiken: drei Frauen mit Peritonitis nach IVF-Punktion, alle drei hatten ausgeprägte Endometriose (Younis et al, 1997). Younis JS, Ezra Y, Laufer N, and Ohel G (1997). Late manifestation of pelvic abscess following oocyte retrieval, for in vitro fertilization, in patients with severe endometriosis and ovarian endometriomata. J Assist Reprod Genet 14: Versehentlich bei IVF in vorbestehende Pyosalpinx punktiert mit Peritonitis als Folge Kihaile P, Misumi J, and Utsunomiya T (2003). Peritonitis after a ruptured left pyosalpinx in a patient undergoing in vitro fertilization. Fertil Steril 79:

57 Zum Vorwurf der fehlenden Antibiotikaprophylaxe am Tag der Follikelpunktion Gutachten: Eine Antibiotikaprophylaxe ist schon deshalb nicht klinischer Standard, weil Antibiotika potenziell teratogen (schädlich für den Embryo) sind und gerade in der empfindlichsten Phase des gerade entstehenden neuen Lebens nur mit äußerster Zurückhaltung zur Anwendung kommen dürfen.

58 Wo wird derzeit am ehesten geklagt ? 1.Nicht erkannte Eileiterschwangerschaft 2.Thrombose unter Kontrazeption 3.Kinderwunsch/Schlechter Ausgang einer IVF Schwangerschaft 4.Geburt eines Kindes mit Fehlbildung nach „normalem“ Ultraschall/NT Test

59 Klagen nach Geburt von Down-Kind: „hätte die Ärztin eine richtige NT-Messung durchgeführt, wäre sicher etwas aufgefallen und wir hätten die Geburt des Kindes verhindern können“

60 Schwangere.…… Arzt klärt über Amniocentese, CVS und Ultraschall auf Patientin hat Angst vor Fehlgeburt Will „nur“ die Nackenfaltenmessung Lehnt nach „normaler“ Nackenfaltenmessung auch den angebotenen Organschall in der 20 SSW ab Es kommt zur Geburt eines Kindes mit Down- Syndrom

61 Der Anwaltsbrief „Von Beginn an war für meine Mandantin klar, dass sie das Kind nur bekommen wollte, wenn es gesund ist.“ „Nach den ihr erteilten Informationen ging meine Mandantin davon aus, dass es sich bei der NT-Messung nicht nur um eine Risikoermittlung, sondern um die Möglichkeit handelt, ein Down-Syndrom definitiv auszuschließen“.

62 Die typische Situation bei Gericht: Arzt: „Die Patientin hatte so große Angst vor einer Fehlgeburt, dass sie jegliche invasive Diagnostik ablehnte und mir auch erklärte, sie würde aus einem ungünstigen Befund keine Konsequenz ziehen“ Patientin: „Ich habe dem Arzt von Anfang an gesagt, dass die Schwangerschaft nicht geplant war und ich sie nur fortsetzen werde, wenn das Kind ganz sicher gesund ist“

63 Tip für Ärzte: Überlegen Sie sich gut, ob Sie die NT-Messung in Ihr „Programm“ aufnehmen Haben Sie die Zeit, die Geduld, das Gerät und die notwendige Dokumentation? Tun Sie es nur, wenn Sie den FMF-Kurs und die Zertifizierung haben Ein Großteil der Schwangeren erlebt die Nackenfaltenmessung als einen protektiven Abwehrzauber, egal was Sie erklären !

64 Vorsicht bei NT-Messung „light“ Nur mal schnell drüber schauen, ob es eh in Ordnung ist…. Messung nach pi mal Daumen ohne Referenztabelle Verzicht auf Biochemie und weitere Abklärung weil es Patientin eigentlich ablehnt

65 Mit Übernahme des Ideengebäudes und des Instrumentariums des Pränatalscreenings…… ….. wird der Arzt in den Augen der Gerichte zum Wächter, der persönlich verantwortlich ist, daß nur perfekte Wunsch- Kinder zur Geburt kommen!

66 Ultraschall bei mangelnder Qualifikation…. …..„Stufe 1 Organschall“ …. ….Religiös/weltanschaulich motiviertes „gar nicht erst auf Fehlbildung schauen“ oder „Fehlbildungsverdacht nicht mitteilen“ ….Psychosozial motiviertes „die Patientin nicht mit einem Verdacht beunruhigen und lieber in ein paar Wochen noch einmal kontrollieren“… ……ist bei Klagen für die ärztliche Seite eine sehr schlechte Ausgangsposition!

67 bis wann darf ich die Patientin beunruhigen? ab wann muß ich die Patientin über potentielle Risiken, die sich z.B.aus dem grenzwertigen Ultraschallbefund ergeben, informieren? der psychosoziale und forensische Grenzwert im Hinterkopf des Arztes

68 Der bestehende oder vermutete Zwang zur Horror-Aufklärung Die Gerichte wollen, dass Sie aufgeklärt werden ? Ich werrrrde Sie aufklären !

69 Neu hinzugekommen: Die Klage nach Uterusruptur...auch am nicht-voroperierten Uterus möglich …z.B. in Adenomyosisherden

70 Fall 1) Bekannte tief infiltrierende Adenomyose: Pat wird spontan schwanger, zunächst problemlose Vaginalgeburt, unauff CTG Bei den Presswehen fällt Hebamme auf, dass Kopf plötzlich „weiter oben und hinten ist“, ordnet dem Assistenten eine MBU an, diese pH 6,80 Bei Aktusectio Kind mit pH 6,78 und Base Excess -24 geboren Uterusruptur vom obersten Anteil der Vagina entlang der linken Uteruskante hinauf. Durch diesen Riss linke arteria uterina ausgerissen Roche M, Ibarrola M, Lamberto N, Larranaga C, and Garcia MA (2008). Spontaneous hemoperitoneum in a twin pregnancy complicated by endometriosis. J Matern Fetal Neonatal Med 21:

71 Fall 2) 1999 Endometriose-Diagnose 2000 Sectio 2007 erneute Schwangerschaft, Vaginalgeburt mit Kiwi- Vakuum und kräftigem Mit-Kristellern Kind: Knabe,3240g, 51 cm, pH 7,15 Apgar 6/10/10 Pat klagt nach Partus über Schulterschmerzen, bekommt Auskunft, sie sei verkrampft, bekommt Sportgel zum Einreiben Wg Hb-Abfall von Wochenstation aus CT, dabei Blut im Bauch. Hysterektomie: Alte Sectionarbe bland, aber Blutung aus Adenomyoseherd im Fundus, keine eigentliche Ruptur

72 Und wenn es einmal wirklich passiert ist ….

73 Sie bekommen einen Brief von einem Anwalt…ein Kind, bei dessen Mutter Sie vor drei Jahren einen Ultraschall in der Schwangerschaft gemacht haben, wurde mit einer Behinderung geboren. Hätten Sie die Behinderung im Schall entdeckt, hätte die Frau das Kind abtreiben können. Sie sollen für sämtliche Pflegekosten, Therapien, Hilfsmittel, Delfintherapie in Florida, Verdienstentgang der Eltern, die sich nun full time um das Kind kümmern müssen, aufkommen

74 In der Praxis: Sofort alles, was zu diesem Patientenkontakt vorliegt, kopieren! Elektronisch gespeicherte Ultraschallbilder auf DVD extra sichern. Eigene Versicherung informieren Anwalt, Berufsrechtsschutzversicherung informieren.

75 Im Spital: Gesamte Dokumentation auf Papier kopieren und elektronisch sichern! Sofort Einwilligungserklärungen/ Patientenaufklärung (so hoffentlich vorhanden) einscannen

76 Im Spital - Fehler vermeiden: Keine Zusammenstellung hochsensibler Dokumente durch lustlose Assistenten, die zum Famulanten delegieren …… Gerade in Ultraschall- Fällen dürfen nur äußerst sachkundige Mitarbeiter mit der Suche nach Dokumenten betraut werden

77 Richtiger Umgang mit Fehlern Keine standrechtlichen Schnellgerichtsverfahren gegen ärztliche Mitarbeiter im Gang vor den Patientenzimmern!

78 Wann war die Patientin an der Abteilung, wer hat sie gesehen, was wurde im Ultraschall foto- dokumentiert, gibt es evtl Videobänder/DVDs oder Videoclips ? Wenn Diskrepanzen durch falsch eingestellte Ultraschalluhren, dann gleich auf diese hinweisen ! Zum Entkräften Betrugsvorwurf gleich 3 weitere am selben Tag geschallte Frauen „anbieten“ Besser gleich auf richtige Einstellung achten!

79 Dann die gesammelten Fakten auf den Tisch und die Beteiligten um den Tisch versammeln - Was liegt vor, wie ist die Dokumentationslage, kann sich noch jemand an den Fall erinnern und ein Gedächtnisprotokoll verfassen?

80 80. Bei Gericht Ruhig und sachlich bleiben Nicht angeödet-gequält- herablassend auf Fragen von Richter, Anwalt, Gutachter antworten Keine Schriftstücke oder Ultraschallbilder hervorziehen, die der eigene Anwalt nicht kennt Nicht aggressiv mit Anwälten oder dem Sachverständigen streiten

81 Medienmanagement Geht nur in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Trägers Nicht der hübschen, verständnisvollen Journalistin sein Herz ausschütten! „Maulkorb“ für Beteiligte ärgert Journalisten, kann sehr nützlich sein

82 Verdrängung Verdrängung ist der wohl bekannteste Abwehr- mechanismus, ein psychischer Vorgang, mit dem unangenehme Vorstellungen ins Unbewusste abgeschoben werden. Gerald Mackenthun 1997 Widerstand und Verdrängung

83 Und noch was – in der ganzen Zeit: Hände weg vom Alkohol! Größte Vorsicht mit Psychopharmaka!! Keine Scheu mit Psychiater oder Psychologen zu reden, sich jemand Neutralen vermitteln lassen! Ärzte haben 4 mal höhere Selbstmordrate als Normalos! Bereit sein zu zahlen – für Anwalt, für Psychologen

84 Und wenn alles abgeschlossen ist – nicht das große Schweigen, das große Tuscheln Gerüchte und Getuschel vergiften die Atmosphäre an einer Abteilung auf Jahre. Klare und sachliche Schlussbesprechung, die unter dem Motto steht „was können wir davon lernen“.

85 Drei Tips Qualifizierten, strukturierte Medizin betreiben Zu jedem Zeitpunkt Kontext und Limits der Diagnostik (z.B. Schall) und Therapie (z.B. Pille oder Clomifen) kommunizieren und dokumentieren Vorsicht mit „Organschall light“

86 Arzthaftungsurteile als darwinistische Auslesemechanismen Einen erwischt es – viele andere haben einen Nutzen davon und können sich in ihrem Biotop weiterdifferenzieren

87 Problem der zunehmend Gerichts- Sachverständigen – zentrierten Medizin Einzelne, immer wichtiger werdende Gutachter können ihre persönlichen Vorlieben bei der Methodenwahl fördern und gleichzeitig Personalpolitik machen Der mühsame Weg über Leitlinien und Empfehlungen muss nicht mehr begangen werden, das erledigt das Gericht

88 Was wir fordern müssen: In den eigenen Reihen: Keine Berufspolitik per Gutachten („wer bei mir keinen Kurs gemacht hat, den hau ich in die Pfanne“)

89 Was wir fordern müssen: Gegenüber der Justiz: Mehr Vorsicht bei der Übernahme ganzer Passagen „wie es sein soll“ aus Gutachten in Urteilen. Mehr Wissen um die berufspolitischen Eigeninteressen von Sachverständigen

90 Die Juristen als die natürlichen Feinde der Ärzte ??

91 Die Ärzte, die über Gutachten mit gut platzierten Urteilen die wirtschaftlichen und berufspolitischen Interesse ihrer Gruppe sehr gut durchzusetzen wissen ??

92 „ Vor Schelme, die den Mantel der Justiz gebrauchen, um ihre üble Passiones auszuführen, vor diesen kann sich kein Mensch hüten, die sind ärger wie die gröbsten Spitzbuben, die in der Welt sind“ Friedrich II 1778 Friedrich II. von Preussen ( ))

93 Danke für Ihre Aufmerksamkeit

94 Und einen schönen Ausklang !


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