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Unterschiedliche Staatsziel- und Gerechtigkeitsvorstellungen in Ost- und Westdeutschland Johannes Gutenberg Universität Institut für Politikwissenschaft.

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Präsentation zum Thema: "Unterschiedliche Staatsziel- und Gerechtigkeitsvorstellungen in Ost- und Westdeutschland Johannes Gutenberg Universität Institut für Politikwissenschaft."—  Präsentation transkript:

1 Unterschiedliche Staatsziel- und Gerechtigkeitsvorstellungen in Ost- und Westdeutschland Johannes Gutenberg Universität Institut für Politikwissenschaft Wintersemester 2005/2006 HS: Pol. Kultur in Ost- und Westdeutschland Leitung: Prof. Dr. Falter Referenten: Ursula Quickert und Martin Spengler

2 Einleitung Deutschland einig Vaterland? Die konstitutiven Prinzipien der demokratischen Ordnung werden in Ost- und West gleichermaßen anerkannt (z.B. liberale Grundrechte, pluralistischer Parteienwettbewerb, Rechtsstaat) Zuordnung normativer Prinzipien zur Demokratie (1990) Das gehört unbedingt zu einer Demokratie... NBLABL Differenz NBL-ABL Liberale Grundrechte Presse- und Meinungsfreiheit Religionsfreiheit Reisefreiheit Berufswahl Mittelwert8082-2

3 Doch verbergen sich dahinter nicht völlig andere Vorstellungen hinsichtlich der Staatsziele und der Konzeptionen von Gerechtigkeit?

4 Gliederung Einleitung Einleitung Untersuchungsziele/Forschungsfrage(n) Untersuchungsziele/Forschungsfrage(n) Konzeptspezifikation Konzeptspezifikation Ableitung konkreter Hypothesen Ableitung konkreter Hypothesen Ergebnisse und Erkenntnisse Ergebnisse und Erkenntnisse Kritik Kritik

5 Ziele/Forschungsfragen Determinanten Staatsziel- und Gerechtigkeits- vorstellungen 1990 Staatsziel- und Gerechtigkeits- vorstellungen 1990 Determinanten Entwicklung der Vorstellungen Entwicklung der Vorstellungen

6 Relevanz Ausmaß Verwirklichung der Staatsziel- und Gerechtigkeitsvorstellungen der Bevölkerung Ausmaß Verwirklichung der Staatsziel- und Gerechtigkeitsvorstellungen der Bevölkerung Legitimität des demokratischen Systems Legitimität des demokratischen Systems Legitimität des demokratischen Systems Legitimität des demokratischen Systems Funktionieren institutioneller Arrangements Funktionieren institutioneller Arrangements Vgl. Roller 1996

7 Konzeptspezifikation Werte:= normative Maßstäbe, anhand derer die gesellschaftliche Wirklichkeit beurteilt werden kann; „Konzeptionen des Wünschenswerten Gesellschaftspolitische Werte:= formulieren eine Idealvorstellung für eine gesamte Gesellschaft (z.B. Gleichheit) Wertorientierung := Einstellung zu diesem Wert → höhere Stabilität als Einstellungen (WO sind diesen übergeordnet und strukturieren sie, haben eine zentrale Stellung innerhalb des Überzeugungssystems einer Person) Gesellschaftspolitische Wertorientierungen:= Werte, die eine „Idealvorstellung“ für Gesamtgesellschaft formulieren Überzeugungssystem:= geordnetes System von Einstellungen und Wertorientierungen in den Köpfen der Bürger Vgl. Arzheimer 2005

8 Konzeptspezifikation II Staatszielvorstellungen:= Reihe von spezifischen Vorstellungen von der idealen Ordnung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, deren Durchsetzung vom Staat erwartet wird Staatsziele im Grundgesetz: Art. 1, 20 und 28 => Würde des Menschen, Demokratieprinzip, Sozialstaatsprinzip, Bundesstaatsprinzip, Umweltschutzprinzip, Rechtsstaatsprinzip Zusätzlich werden noch Bildung, Kultur- und Friedensstaatlichkeit, vereintes Europa und gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht genannt. Umstritten sind vor allem die Ausprägungen dieser Prinzipien Vgl. Katz 2002

9 Determinanten Staatsziel- und Gerechtigkeits- vorstellungen 1990 Staatsziel- und Gerechtigkeits- vorstellungen 1990 Determinanten Entwicklung der Vorstellungen Entwicklung der Vorstellungen Kongruenzhypothese : keine gravierenden Unterschiede zwischen den gesellschaftspolitischen Wertorientierungen in Ost und West, der Wertewandel nahm die gleiche Richtung → auch im Osten gab es Modernisierungsprozesse, Kontakt zu demokratischen Werten (persönliche Kontakte, Medien,...) Konservierungshypothese in Ostdeutschland hat kein Wertewandel stattgefunden, Wertorientierungen und Verhaltensmuster sind auf dem Stand der 50er Jahre eingefroren; Grund: haben noch keine Erfahrung mit dem System gemacht (wie die Westdeutschen in den 50ern) Hypothesen

10 Hypothesen II Sozialisationshypothese: Lebensverhältnisse strukturieren die Einstellungen, also haben die Existenzbedingungen in der DDR die politischen Einstellungen der Ostdeutschen geprägt und prägen sie bis heute → Lebensverhältnisse sind insbesondere in der formativen Phase prägend (Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenalter), im Verlauf des weiteren Lebens verändern sie sich kaum noch Situationshypothese: Nicht (nur) die unterschiedliche Sozialisation, sondern auch die nach wie vor sehr unterschiedlichen Lebensverhältnisse verursachen die ungleichen Wertorientierungen der Ost- und Westdeutschen

11 Hypothesen/abgeleitete Erwartungen Konservierungs- Hypothese Kongruenz-HypotheseSozialisations-HypotheseSituations-hypothese Erwartung1990 Realität1990 Erwartung Realität

12 Konservierungs-Hypothese Erwartung1990 Einstellungsmuster im Osten entsprechen denen der 50er Jahren in D.: starke Output-Orientierung, geringe Partizipation, niedrige allg. Systemloyalität (vgl. Falter 1996) Realität1990 Nebeneinander relativ stabiler Input- und Outputstrukturen, Bereitschaft zur Partizipation, hohe Leistungserwartungen (Falter 1996: 283), breite Unterstützung demokrat. Ordnungsvorstellungen (Gabriel 2000: 43) Erwartung Nachholende Entwicklung (schneller?) Realität Hypothese nicht anwendbar

13 Kongruenz-Hypothese Kongruenz- Hypothese Erwartung1990 Gleiche Wertorientierungen in Ost und West Realität1990 Ostdeutsche erwarten sichtlich mehr staatl. Fürsorge und sehen die Gefahren einer solchen Fürsorglichkeit als geringer an (Falter 1996: 293) Erwartung Keine Unterschiede zwischen Ost und West Realität Ostdeutsche befürworten Sozialismus stärker und fordern staatliche Zuständigkeit viel nachdrücklicher ein

14 Sozialisations-Hypothese Sozialisations-Hypothese Erwartung1990 Große Differenzen zw. den Wertorientierungen in Ost und West → ostspezifische Einstellungsmuster Realität1990 Ostdeutsche präferieren Modell des demokratischen Sozialismus Erwartung Differenzen sind nur leicht zurückgegangen, langsame Angleichung Realität Präferenz des Modells des demokratischen Sozialismus (egalitäre Komponente aber nicht so ausgeprägt wie in der Modelldefinition)

15 Situations-HypotheseSituations-Hypothese Erwartung1990 Kaum regionale, sondern gruppenspezifische Unterschiede Realität1990 Regionale Unterschiede bestehen, z.B. größere Systemdistanz, hohe Leistungserwartung an den Staat Kein Einfluss von Arbeitslosigkeit feststellbar Erwartung Kaum regionale, sondern gruppenspezifische Unterschiede Realität Regionale Unterschiede bestehen, z.B. größere Systemdistanz, hohe Leistungserwartung an den Staat Kein Einfluss von Arbeitslosigkeit feststellbar Vgl. Falter 1996

16 Beispiel Die Erwartungen bei bestimmten Werten müssen theoretisch aus den Sozialisationsbedingungen abgeleitet werden. Staatsverantwortung Sozialisations- Hypothesen/Ostspezifisches Einstellungsmuster

17 Hypothesen/Ostspezifisches Einstellungsmuster/ Test Sozialisationshypothese Beispiel 1998 Die Erwartungen bei bestimmten Werten müssen theoretisch aus den Sozialisationsbedingungen abgeleitet werden. Staatsverantwortung

18 Sozialisationshypothese Zusammenhang zwischen Individual- und Aggregatebene bei der Entwicklung der Einstellungen im Osten Erwartung für die Aggregatebene

19 Sozialisationshypothese Zusammenhang zwischen Individual- und Aggregatebene bei der Entwicklung der Einstellungen im Osten Individualebene Ost Aggregatebene

20 minimaler Staat, extensiver Markt minimaler Staat, extensiver Markt Staat handelt illegitim, wenn er seine Macht in irgendeiner Weise zur Herstellung von Gleichheit einsetzt Staat handelt illegitim, wenn er seine Macht in irgendeiner Weise zur Herstellung von Gleichheit einsetzt Gerechtigkeit stellt sich durch den unbehinderten Marktmechanismus und die freiwilligen Transaktionen der Marktteilnehmer von selbst her Gerechtigkeit stellt sich durch den unbehinderten Marktmechanismus und die freiwilligen Transaktionen der Marktteilnehmer von selbst her Dezentraler Staat Dezentraler Staat Libertäres Modell

21 Gerechte Versorgung mit gesellschaftlichen Grundgütern Gerechte Versorgung mit gesellschaftlichen Grundgütern redistributiver Staat / Wohlfahrtsstaat redistributiver Staat / Wohlfahrtsstaat Institutionalisierung gerechter Prinzipien Institutionalisierung gerechter Prinzipien wird von den Westdeutschen präferiert wird von den Westdeutschen präferiert BRD entspricht allerdings einer liberal- libertären Mischform BRD entspricht allerdings einer liberal- libertären Mischform Liberales Modell

22 „kollektive Selbstregierung“: umfassende und direkte Beteiligung der Bürger → Herstellung eines authentischen Gemeinwillens „kollektive Selbstregierung“: umfassende und direkte Beteiligung der Bürger → Herstellung eines authentischen Gemeinwillens setzt eine Identifikation der Bürger mit der Gemeinschaft voraus (Patriotismus) setzt eine Identifikation der Bürger mit der Gemeinschaft voraus (Patriotismus) partikulare Gemeinschaft partikulare Gemeinschaft dezentraler Staat dezentraler Staat Republikanisches Modell

23 Sozio-ökonomische Sicherheit ↔ sozio- ökonomische Gleichheit Sozio-ökonomische Sicherheit ↔ sozio- ökonomische Gleichheit Ergänzung des Privateigentums durch öffentliches Eigentum, gesteuerter Markt Ergänzung des Privateigentums durch öffentliches Eigentum, gesteuerter Markt Ziel: möglichst gleiche Verteilung aller gesellschaftlicher Ressourcen Ziel: möglichst gleiche Verteilung aller gesellschaftlicher Ressourcen Direkte Bürgerbeteiligung Direkte Bürgerbeteiligung Modell des demokratischen Sozialismus

24 verstärkte Partizipationsbereitschaft verstärkte Partizipationsbereitschaft soziale Gleichheit wird höher geschätzt soziale Gleichheit wird höher geschätzt höhere Erwartungen an die Staatstätigkeit, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich höhere Erwartungen an die Staatstätigkeit, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich Annahmen für die Wertorientierungen in einer sozialistischen Politik-Kultur

25 Ergebnisse Partizipationsbereitschaft Wegen der mangelnden Erfahrungen mit Mitwirkungsmöglichkeiten und freien politischen Entfaltungsmöglichkeiten ist mit einer geringen Partizipationsbereitschaft der Ostdeutschen zu rechnen Wegen der mangelnden Erfahrungen mit Mitwirkungsmöglichkeiten und freien politischen Entfaltungsmöglichkeiten ist mit einer geringen Partizipationsbereitschaft der Ostdeutschen zu rechnen Die Partizipationsbereitschaft ist in Ost und West aber ungefähr gleich hoch (vgl. Arzheimer 2000, Falter 1996, Krimmel 2000) Die Partizipationsbereitschaft ist in Ost und West aber ungefähr gleich hoch (vgl. Arzheimer 2000, Falter 1996, Krimmel 2000) Die umfassenden Beteiligungsrituale in der DDR scheinen das Bedürfnis der Menschen nach wirklicher Beteiligung geweckt zu haben Die umfassenden Beteiligungsrituale in der DDR scheinen das Bedürfnis der Menschen nach wirklicher Beteiligung geweckt zu haben

26 Ergebnisse Freiheit und Gleichheit Was ist letzten Endes wohl wichtiger, Freiheit oder Gleichheit? 1992

27 Aufgaben des Staates Staat verantwortlich für Unterstützung der Wirtschaft bei neuen Technologien Unterstützung der Wirtschaft bei neuen Technologien Gleichstellung der Frau Gleichstellung der Frau Vollbeschäftigung VollbeschäftigungErgebnisse Skala 1-4: Auf jeden Fall verantwortlich (4) - Auf keinen Fall verantwortlich (1)

28 Wertorientierungen in einer sozialistischen Politik-Kultur An Hand der eben vorgetragenen Ergebnisse lässt sich zumindest eine Tendenz der Ostdeutschen feststellen, dass sie zu dem Modell des demokratischen Sozialismus zuneigen. An Hand der eben vorgetragenen Ergebnisse lässt sich zumindest eine Tendenz der Ostdeutschen feststellen, dass sie zu dem Modell des demokratischen Sozialismus zuneigen. Diese bestätigt also generell die Sozialisationshypothese, da dieses Modell aus den Sozialisationsbedingungen der DDR abgeleitet wurde. Diese bestätigt also generell die Sozialisationshypothese, da dieses Modell aus den Sozialisationsbedingungen der DDR abgeleitet wurde. → Anpassungsdruck der implementierten Demokratie an das Modell, das die Bürger normativ vorziehen → Anpassungsdruck der implementierten Demokratie an das Modell, das die Bürger normativ vorziehen

29 Leistungsprinzip Gesellschaft, in der man leben möchte... Leistungsprinzip: eine Gesellschaft, in der der Lebensstandard des einzelnen in erster Linie von seiner Leistung abhängt Bedürfnisprinzip: eine Gesellschaft, die dem einzelnen einen gewissen Lebensstandard sichert, auch wenn er weniger leistet

30 Intensität der Sozialleistungen, 1994 Angaben: Prozent. Quelle: Allbus Die Sozialleistungen sollten...

31 Ergebnisse Ostdeutsche befürworten das Leistungsprinzip, lehnen aber die Konsequenzen in Form sozialer Ungleichheit ab und wünschen sich einen starken, redistributiven Staat Ostdeutsche befürworten das Leistungsprinzip, lehnen aber die Konsequenzen in Form sozialer Ungleichheit ab und wünschen sich einen starken, redistributiven Staat Mögliche Erklärung: In der DDR wurden die Werte Leistung, Disziplin und Aufstiegsorientierung mit den Zielsetzungen des egalitären Sozialismus verbunden Mögliche Erklärung: In der DDR wurden die Werte Leistung, Disziplin und Aufstiegsorientierung mit den Zielsetzungen des egalitären Sozialismus verbunden

32 Sozialismus gute Staatsidee Ergebnisse Der Sozialismus ist eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde Stimme überhaupt nicht zu (1) – Stimme voll und ganz zu (5)

33 Erwartete Befürwortung der Idee des Sozialismus der nach 1970 geborenen Ost- und Westdeutschen ohne höheren Bildungsabschluss Erwartete Befürwortung der Idee des Sozialismus der nach 1970 geborenen Ost- und Westdeutschen ohne höheren BildungsabschlussErgebnisse

34 Befürwortung Sozialismus ABL Erwartete Befürwortung der Idee des Sozialismus der nach 1970 geborenen Westdeutschen Erwartete Befürwortung der Idee des Sozialismus der nach 1970 geborenen Westdeutschen

35 Erwartete Befürwortung der Idee des Sozialismus in verschiedenen Befragtengruppen Hohe Befürwortung der Idee des Sozialismus: - nach 1970 geborene Ostdeutsche ohne höheren Bildungsabschluss - gefolgt von zwischen und vor 1940 geborenen Ostdeutschen mit / ohne höheren Bildungsabschluss höheren Bildungsabschluss - Besonderheit 2002: vor 1940 Geborene übertreffen die Jüngeren (Befürwortung war kontinuierlich gestiegen) war kontinuierlich gestiegen) Niedrige Befürwortung: - nach 1970 geborene Westdeutsche ohne höheren Bildungsabschluss ( ) - die nach 1970 geborenen Westdeutschen mit höherem Bildungsabschluss zeigen im Westen die stärkste Zustimmung zum Sozialismus Westen die stärkste Zustimmung zum Sozialismus sind die vor 1940 Geborenen Westdeutschen am kritischsten, die jüngeren unterstützen stärker die Idee des Sozialismus unterstützen stärker die Idee des Sozialismus Determinanten ausgewählter Wertorientierungen und Einstellungen

36 Links-Rechts-SelbsteinstufungErgebnisse Ganz links (1) – Ganz rechts (11) Mittelwert: 5,5

37 Stärkste Links-Orientierung: - nach 1940 geborene Ostdeutsche - vor 1940 geborene Ostdeutsche sind aber stets linker eingestellt als ihre westdeutschen Altersgenossen Stärkste Rechts-Orientierung: - vor 1940 geborene Westdeutsche - in mittlerer Altersgruppe sinkt mit höherer formaler Bildung stark die Rechts-Orientierung - starke Schwankungen in jüngster Kohorte Erwartete Links-Recht-Selbsteinstufung in verschiedenen Befragtengruppen:

38 Erwartete Werte für den Ingelhart-Index in verschiedenen Befragten-Gruppen Postmaterialistische Orientierungen (politische Ziele der „neuen Linken“ → Betonung von Selbst- und Mitbestimmung sowie anderer immaterieller Güter wie eine saubere Umwelt) - Generell tendieren Ostdeutsche stärker zu materialistischen Politikzielen Politikzielen - postmaterialistische Orientierungen steigen mit Grad der formalen Bildung formalen Bildung - am stärksten ausgeprägt bei Westdeutschen, die nach 1940 und 1970 geboren wurden und 1970 geboren wurden - vor 1940 Geborene (insb. Ostdeutsche und Personen ohne höheren Bildungsabschluss) neigen eher zum Materialismus höheren Bildungsabschluss) neigen eher zum Materialismus

39 Stabilität der Wertorientierungen Im Vier-Jahres-Vergleich geben etwa ein Drittel der Befragten identische Antworten Im Vier-Jahres-Vergleich geben etwa ein Drittel der Befragten identische Antworten Im Dreiwellen-Vergleich sind es lediglich rund zehn Prozent → sehr niedrige Stabilität Im Dreiwellen-Vergleich sind es lediglich rund zehn Prozent → sehr niedrige Stabilität Grund: Größenordnung der Veränderungen sind oft trivial Grund: Größenordnung der Veränderungen sind oft trivial „quasistabile Antworten“ → Mehrheit antwortet über Zeitraum von je vier Jahren praktisch unverändert „quasistabile Antworten“ → Mehrheit antwortet über Zeitraum von je vier Jahren praktisch unverändert

40 Ergebnisse Individualauswertung Regionszugehörigkeit ist von größerer Bedeutung als Kohorten-Effekte ► Sozialisation Regionszugehörigkeit ist von größerer Bedeutung als Kohorten-Effekte ► Sozialisation Arbeitslosigkeit hat keinen signifikanten Einfluss Arbeitslosigkeit hat keinen signifikanten Einfluss Unterschiede zeigen sich in allen Altersgruppen Unterschiede zeigen sich in allen Altersgruppen Annäherung zwischen Personen mit höherer formaler Bildung Annäherung zwischen Personen mit höherer formaler Bildung

41 FAZIT Unterschiede, die in den Neunziger Jahren festgestellt wurden, bestehen zum größten Teil heute noch - Sozialisation scheint eine wichtige Rolle beim Zustandekommen der Wertorientierungen zu spielen - breite Unterstützung für demokratische Rechte - Arbeitslosigkeit wirkt sich kaum aus → auch mit Besserung der wirtschaftlichen Lage nähern sich die Einstellungen in Ost und West nicht an → Situationseffekte spielen kaum eine Rolle → sehr langsame Anpassung der politischen Kulturen ist Ost und West (erst mit „Aussterben“ der in der DDR sozialisierten Generationen)

42 Kritik Kritik besteht grundsätzlich aus zwei Schritten, die wir im Folgenden trennen möchten: 1. kognitiver Art, Feststellung inwieweit eine Theorie bestimmte Merkmale aufweist 2.Bewertung: Wie sind diese Merkmale zu beurteilen? Merkmale von Theorien: 1.Klarheit 1.1 Der Begriffe 1.2 Der Struktur 2. Informationsgehalt 3. Menge und die Detailliertheit der erklärten Sachverhalte 4. Anwendungsbereich 5. Beziehung von Wenn- und Dann-Komponente (soweit vorhanden) 6. Bewährungsgrad

43 Kritik Klarheit und Eindeutigkeit der Begriffe (Text 2005) Verhältnis von Wertorientierungen und Einstellungen wird problematisiert. Postmaterialismus, Gleichheit, Freiheit auf der einen und demokrat. Grundorientierungen und Staatsziele auf der anderen. Verhältnis spielt aber in der Untersuchung keine Rolle mehr. Wieso problematisieren? Ideologische Einstellungen werden vage beschrieben Begriff wird nie wieder aufgegriffen. Wozu dient er dann? Bzw. es ist unklar, ob er später benutzt wird. Politische Kultur wird nicht def., es wird nur gesagt ideologische Einstellungen und Wertorientierungen machen Teil davon aus Politische Kultur zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung wird diffus Ideologien strukturieren ganze Reihe politischer Fragen vor. Welche denn und wie? Zwei Unterdimensionen der links-rechts Dimension In der Untersuchung wird nur gesamte abgefragt => Vermischung der Unterdimensionen

44 Kritik Die Klarheit der Struktur der Theorie Wie lautet die forschungsleitende Fragestellung für den Aufsatz, welche Ziele werden verfolgt? Überblick über die Entwicklung?! Dann aber doch Determinanten bestimmter Orientierungen. Der Anspruch erscheint also rein deskriptiv. Inwiefern ist das Regressionsmodell dann doch erklärend zu verstehen? Oder besteht das Ziel darin, die 4 Hypothesen zu testen. Ist das Überblick? Alles wird irgendwie zusammengewürfelt, aber man weiß nie, was denn konkret bezweckt wird. Kapitel Pol. Kultur zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung: Es wird Entwicklung beschrieben seit 2. WK Wird dadurch Erklärungsanspruch erhoben, wenn ja welcher? => Suche nach impliziten Gesetzen. Es bleibt aber vorwiegend bei Beschreibung. Oder werden Hypothesen über die Determinanten der pol. Kultur 1990 abgeleitet? Könnte höchstens für Sozialisationshypothese plausibel sein (siehe Sozialisationshypothese)

45 Konservierungs- Hypothese Kritik „Hypothese stützt sich weniger auf theoretische Überlegungen, als auf die ersten Ergebnisse..“ Damit ist alles gesagt.

46 KongruenzhypotheseKritik Ostdeutschland ähnliche gesellschaftlicheWandlungsprozesse gesellschaftlicheWandlungsprozesseGesellschaftspolitische Wertorientierungen in Ost- und West weitgehend gleich Gesellschaftspolitische Wertorientierungen in Ost- und West weitgehend gleich Es handelt sich in der hier vorgestellten Form um eine Erklärung mit impliziten Gesetzen, die folgendermaßen rekonstruiert werden kann: Gesetz: Wenn Modernisierung der Gesellschaft gemäß Modernisierungstheorie, dann gleiche gesellschaftliche Wertorientierungen Randbed.: Ost-D: Tertiärisierung der Wirtschaft, Wandel Berufsstruktur, Bildungsexpansion… West-D: Tertiärisierung der Wirtschaft, Wandel Berufsstruktur, Bildungsexpansion… Explanandum/Prognose: Gleiche Gesellschaftspolitische Wertorientierungen in Ost- und Westdeutschland Randbedingung

47 SozialisationshypotheseKritik „Def.“ Text: „Die Vermutung, dass die Lebensverhältnisse in der DDR die politischen Einstellungen der Ostdeutschen im Sinne einer eigenen politischen Kultur geprägt haben und bis heute prägen“ Da auch hier die Erklärungsstruktur unklar und deshalb schwer intersubjektiv nachvollziehbar bleibt, rekonstruieren wir das Erklärungsschema wie folgt:

48 SozialisationshypotheseKritikLebensverhältnissePolitischeEinstellungen AkteurPolitischeEinstellung Makroebene Mikroebene

49 SozialisationshypotheseKritikAkteurPolitischeEinstellung3 Ja, wie bildet sich denn die Einstellung? Welche Variablen strukturieren die Einstellung? Nach sozialer Erwünschtheit, die von der ich mir Nutzen verspreche, die ich am häufigsten höre, die die mir kompetente Leute erzählen, was die Medien propagieren oder was die Mama denkt? Die einzige Aussage, die sich findet ist, dass es (wie auch immer) in einer formativen Phase stattfindet

50 Lebensverhältnisse Akteur 2 SozialisationshypotheseKritik Ohne eine Theorie/Gesetz wie sich eine Einstellung bildet, wie/worauf wirken Sozialisationsbedingungen? Selbst wenn er und in einem Schritt ginge, müsste er aussagen, welche Sozialisationsbedingungen sich denn auf welche Einstellung auswirken und wie. 23 Unklarheit => Ad-hoc Erklärungen, Erklärungen mit impliziten Gesetzen

51 Kritik Ad-hoc Erklärung: 1. Gefundene Korrelation wird als Explanandum verwendet 2. Gesetzesaussagen werden nur angedeutet 3. Vorliegen der Anfangsbedingungen wird angenommen bzw. vorausgesetzt Partielle Erklärung:= Explanandum ist nur eines von mehreren Ereignissen, das gemäß des Explanans auftritt

52 Was passiert in der Arbeit? Kritik Ergebnisse werden zunächst deskriptiv präsentiert. Die Struktur/ der Zusammenhang der einzelnen Indikatoren bleibt diffus, da keine stringente Theorie vorhanden ist, die sie vorstrukturiert. Z.B.: Leistungsprinzip als Indikator von was, wie hängt er mit anderen Indikatoren wie z.B. der „Bewertung der Einkommensstruktur“ zusammen? Ad hoc-Erklärungen werden eingeschoben, z.B. S. 296: Korrelation von Region Ost und Fluktuation von Einstellungen wird erklärt über Andeutung eines Gesetzes, das irgendwie mit Transformationsprozessen zu tun hat. Das Vorliegen des Transformationsprozesses wird einfach angenommen.

53 Kritik Die Berechnung des Regressionsmodell Situative Komponente Arbeitslosigkeit, versucht soziales Phänomen aus konkreter Lebenssituation des Einzelnen zu erklären. Leider kommt gerade dabei nichts raus. Formale Bildung: Als Indikator für Sozialisationserfahrungen angesehen, aber welcher Art sind denn diese Sozialisationserfahrungen? Hypothesen, die sich aus einer Theorie ergeben, werden empirisch getestet. Hier fehlen aber jegliche Annahmen darüber, warum sich denn Bildung auf die analysierten Orientierungen auswirken soll. Welche plausiblen Annahmen gibt es denn, wie sich dieser Einfluss auswirkt, also welche Ergebnisse sich aus diesen Annahmen ergeben? Theoretisch denkbar z.B.: Warum: Über Sozialismus wird in der Schule nichts gelehrt oder man versteht es sowieso nicht => gar kein Einfluss Wie: Höhergebildete der DDR vergöttern Sozialismus weil sie so lange indoktriniert wurden. Oder sie hassen ihn, weil sie andere, bessere Staatsformen kennen gelernt haben.

54 Kritik Die Klassiker der Erklärung mit impliziten Gesetzen: Kohorte und Region als erklärende Variablen Klar, auch hier stecken hinter den Aussagen Gesetzesaussagen, die sich auf weitaus konkretere Variablen beziehen, als das eine Region oder Kohorte sein kann. Diese Gesetze müssen etwas mit Sozialisationsprozessen zu tun haben, aber was nur? Auch hier keine expliziten Angaben im Text, nur der Hinweis, dass die formativen Phasen, mal vor und während dem zweiten WK, mal in der DDR bzw. BRD oder im wiedervereinigten Deutschland lag – wieder keine Hypothesen über Warum und Wie des Einflusses. Welches Sammelsurium von Sozialisationserfahrungen hinter diesen Variablen steht, bleibt im Ungewissen.

55 Kritik Welche Erkenntnisse liefert denn der Text? 1.Es gibt Unterschiede in Ost- und West hinsichtlich irgendwelcher Einstellungen. 2.Vielleicht hat es was mit unterschiedlicher Sozialisation zu tun. Na dann...

56 Prost Mahlzeit!


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