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Die Risiken der Risikoorientierung oder: Subjektzentrierung als Alternative Prof. Dr. Ralf Bohrhardt www.bohrhardt.de.

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Präsentation zum Thema: "Die Risiken der Risikoorientierung oder: Subjektzentrierung als Alternative Prof. Dr. Ralf Bohrhardt www.bohrhardt.de."—  Präsentation transkript:

1 Die Risiken der Risikoorientierung oder: Subjektzentrierung als Alternative Prof. Dr. Ralf Bohrhardt

2 Handlungsstandards in der bayer. Bewährungshilfe Fokus: Akzeptanz und Wirkung der Implementation stärkere theoretische Reflexion des eigenen Tuns stärkere Wertschätzung in der Justiz Widerstand durch Prozessgestaltung Unbehagen bei Trennung von Hilfe und Kontrolle Forschungsprojekt |

3 Was ich verstanden habe … Risikoorientierung | Worum es geht Gearbeitet wird am Risiko, nicht am Menschen. Im Fokus stehen Defizite, keine Stärken. Der „Proband“ wird zunächst nach forensischen Kriterien in eine Schublade einsortiert. (Dittmann in Recht & Psychiatrie) Gearbeitet wird mit einem psychologischen Modell der extern induzierten Verhaltensänderung. Juristisch verstandene Kontrolle wiegt schwerer als „Hilfe“ und betont den Zwangskontext (Erhöhung von Reaktanz). Die problematische Lebenssituation der Straffälligen wird als „behandelbares“ Unvermögen individualisiert, entpolitisiert, assesed und gemanaged und damit vermeintlich „beherrschbar“.

4 Risiko 2 Risiko 3 Risiko 4 Risiko 1 Risiko 5 Risikoorientierung | Worum es geht Soziale Arbeit “Soziale Arbeit als Profession fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung [...] ihre gesamten Möglichkeiten zu entwickeln, ihr Leben zu bereichern“. (IFSW)

5 Risiko 2 Risiko 3 Risiko 4 These 1 Risiko 5 Risikoorientierung | Worum es geht De-Professionalisierung Das Konzept der ROB stammt aus der verhaltenstheoretisch orientierten Psychologie. Die ROB folgt den Kontrollinteressen der Rechts- und Betriebswirtschaft Soziale Arbeit unterstützt Menschen in der Komplexität und den Widersprüchlichkeiten ihres Alltags. Die Risikoorientierung droht den professionellen Kern Sozialer Arbeit aus der Bewährungshilfe zu verdrängen. Risiko 1

6 Soziale Arbeit als Profession Wertvorstellung Life, Liberty, Happiness  Government Menschen sollen gesund sein. Gesundheitspolitik (ICD, SGB V) Krankenhaus (Versorgung) Medizin Pflege, Soziale Arbeit etc. Präventions- kurse etc. Menschen sollen keine Opfer werden. Kriminalpolitik (StGB, JVG, PolG) Bewährungshilfe (§ 56d StGB) Soziale Arbeit Medizin Psychologie etc. Präventions- kurse etc.

7 Risiko 2 Risiko 3 Risiko 4 Risiko 1 Risiko 5 Risikoorientierung | Worum es geht De-Professionalisierung Eine normative Formalisierung/Manualisierung von Handlungsabläufen unterläuft die professionelle Handlungsautonomie Risiko 2 Bewährungshilfe wird zu einem verwaltungs- bezogenen Ausbildungsberuf (Fallsteuerung) oder einer „Psycho-Therapeutische Assistenz (PTA)“ Kontrollorientierte Deutungsmuster nehmen zu. Mitbestimmunsmöglichkeiten nehmen ab. Die Standardisierung führt zur De-Qualifikation der beruflichen Tätigkeit.

8 Risiko 2 Risiko 3 Risiko 4 Risiko 1 Risiko 5 Risikoorientierung | Worum es geht Nicht umsetzbar! Die notwendige „Behandlungsfrequenz“ ist nicht realistisch. Die Dokumentationsdichte ist auch unter sozialtherapeutischen Gesichtspunkten kontraproduktiv. Eine standardisiert-manualisierte risikoorientierte Bewährungshilfe bliebe unter realistischen Bedingungen reine Wunschvorstellung. Risiko 3

9 Risiko 2 Risiko 3 Risiko 4 Risiko 1 Risiko 5 Risikoorientierung | Worum es geht Prozessverwirrung Die sytematische Trennung von Hilfe und Kontrolle ist weder theoretisch noch praktisch durchzuhalten. Risiko 4 Jede Hilfe beinhaltet immer auch Kontrolle. Kontrolle ohne Hilfe hilft dem Klienten nicht - und wäre entsprechend allenfalls Aufgabe der Polizei. Freiwilligkeit und Motivation schwanken und machen eine kontinuierliche Prozesszuweisung unmöglich. Notwendige Doppeldokumentation von Themen (z.B. Suchtberatung vs. Urinkontrolle)

10 Risiko 2 Risiko 3 Risiko 4 Risiko 1 Risiko 5 Risikoorientierung | Worum es geht Entsolidarisierung Die problematische Lebenssituation der Straffälligen wird als „behandelbares“ Unvermögen individualisiert Risiko 5 Die Delinquenz verursachenden politischen Verhältnisse geraten aus dem Blick (Entpolitisierung) Zunahme staatlicher Repressivität als Folge der Neoliberalisierung unserer Gesellschaft (Garland) Nunmehr operationalisierbare Kontrolle auch der BewährungshelferInnen / spezialisierte Vergütungsklassen Eine risikoorientierte Bewährungshilfe fördert die Entsolidarisierungstendenzen in unserer Gesellschaft.

11 Fokus 2 Fokus 3 Fokus 4 Fokus 1 Fokus 5 Subjektzentrierung | Die Alternative Grundannahme In jedem Menschen steckt, so verschüttet sie auch sein mag, eine Kraft, die ihn von ganz alleine dazu bringt, sich so zu entfalten, dass er ein für sich und seine Umwelt befriedigendes Leben leben wird. Bei vielen Menschen ist diese positive Entfaltungs- kraft durch ungünstige Bedingungen mehr oder weniger eingeschränkt oder in eine für sie abträgliche Richtung gelenkt worden.

12 Fokus 2 Fokus 3 Fokus 4 Fokus 1 Fokus 5 Subjektzentrierung | Die Alternative Resilienz statt Risiko Nicht "behandeln", "erziehen" oder "steuern", sondern Menschen um ihrer selbst willen stark machen; Entfaltungs- und Verwirklichungschancen ermöglichen, anregen und unterstützen Nicht "protektive" Faktoren stärken, sondern Ressourcen zur Selbstentfaltung mobilisieren Nicht Bewährungsauflagen durchsetzen, sondern unterstützen, eigene Ziele entwickeln und erreichen zu können Fokus 1

13 Fokus 3 Fokus 4 Fokus 1 Fokus 5 Subjektzentrierung | Die Alternative Heilsame Beziehungen mit sich im Einklang sein dem Klienten ermöglichen, sich ohne, dass er etwas dafür tun muss, postitiv beachtet und angenommen zu fühlen den Klienten erfahren lassen, dass sich sein Gegenüber in seine Gedanken und Gefühle genauestens hineinversetzt und vielleicht sogar genauere Worte dafür findet, als sie ihm selbst zur Verfügung stehen Fokus 2

14 Fokus 3 Fokus 4 Fokus 1 Fokus 5 Subjektzentrierung | Die Alternative Konstruktive Kontrolle Keine Kontrolle um ihrer selbst willen! Fokus 3 Kontrolle stets so gestalten, dass sie für den Klienten nützlich ist Bei jeder Kontrolle auch Unterstützung anbieten Kontrolle als Kontrolle der eigenen Intervention verstehen

15 Fokus 2 Fokus 3 Fokus 4 Fokus 1 Fokus 5 Subjektzentrierung | Die Alternative Ökologisch arbeiten Das Subjekt in seinen eigenen Sinnbezügen auf seine spezifische Umwelt / Lebenswelt erkennen und achten Nicht nur mit den Klienten, sondern auch mit seiner Umwelt arbeiten (Gemeinwesenorientierung) Positive Zugehörigkeiten mobilisieren (positive peer culture) Meisterschaft ermöglichen / Generosität erleben lassen (Gruppenarbeit, Projekte) Autonomie herstellen (restaurative justice) Fokus 4

16 Fokus 2 Fokus 3 Fokus 4 Fokus 1 Fokus 5 Subjektzentrierung | Die Alternative Repolitisierung Sensibilisierung der Öffentlichkeit und politischer MandatsträgerInnen bezogen auf Fokus 5 die verursachenden Verhältnisse von Delinquenz den gesellschaftlichen Umgang mit Straffälligen den eigenen Berufsstand


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