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1 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät BGB II Vorlesungsfolien (Teil A) Schuldrecht AT weiter.

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1 1 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät BGB II Vorlesungsfolien (Teil A) Schuldrecht AT weiter

2 2 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Foliensätze … Stichpunkte zur Orientierung Kein Skript Kein Lehrbuchersatz Zur Vorlesung aktualisiert

3 3 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Stoffübersicht: 3 Themenblöcke A.Schuldrecht AT (ohne Leistungsstörungsrecht) B.Kaufrecht C.Weitere Vertragstypen

4 4 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Veranstaltungsstruktur und Termine Montag 1. DSVorlesung Montag 2. DSFallbesprechung Dienstag 1. DSVorlesung Mi-FrNacharbeit und Falltraining Mo-FrAG AbschlussklausurMo, Uhr Besprechung AbschlussklausurDi, DS

5 5 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Hinweise zur Abschlussklausur Anmeldung Zur Klausur mitbringen Lichtbildausweis Gesetzestext (Printversion, jungfräulich) Papier + Schreiber Ok: Essen, Trinken, Handy (ganz aus!) Nicht ok: Computer, Rechtsbeistand, Haustiere, Lehrbücher, Spickzettel, Wörterbücher usw. Besprechung (Anwesenheitslisten für Remo) Remonstration (14 Tage) schriftlich mit Begründung

6 6 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Reden Sie mit uns! Prof und Mannschaft In der Vorlesung Nach der Vorlesung Sprechstunde: montags ab 13 Uhr (LS Meyer) auch direkt:

7 7 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Literaturhinweise 1.In jeder Vorlesung: BGB (n.F.) (Text) 2.Zur Nacharbeit am Wichtigsten: BGB (Text) 3.Lehrbuch Schuldrecht AT: wie gehabt 4.Lehrbuch Schuldrecht BT1: Fortsetzung? oder Wechsel? 5.Zusätzlich (zweites Standbein): Materialmix Medicus, Grundwissen zum Bürgerlichen Recht/ Musielak, Grundkurs BGB Köhler/Lorenz PdW Schuldrecht I/II Mal ein Aufsatz, mal ein Urteil Mal bei Harke reinschauen (auch Campuslizenz) Skript, Karteikarten o.ä.

8 8 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Gliederungsübersicht Themenblock A: Schuldrecht AT (ohne Leistungsstörung) I.Entstehung von Schuldverhältnissen II.Inhalt von Schuldverhältnissen III.Erlöschen der Leistungsflicht IV.Rückabwicklung V.Beteiligung Dritter

9 9 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät I.Entstehung von Schuldverhältnissen 1.Vertragliche Schuldverhältnisse 2.Besonderheiten bei der Verwendung von AGB 3.Besonderheiten bei Verbraucherverträgen 4.Gesetzliche Schuldverhältnisse

10 10 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldverhältnisse Zur Erinnerung: Der Grundfall G S Leistungspflicht des S (§ 241 I) Schutz- und Rücksichtnahmepflichten G und S (§ 241 II) Normalfall im Vertrag (z.B. Kauf, Miete, Werk, Dienst): V K gegenseitige Leistungspflichten Relativität der SchuV (Schuldvertrag/dinglicher Vertrag)

11 11 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Die klassische Einteilung Schuldverhältni s vertraglich gesetzlich Kauf Darlehen Schenkung Miete usw. GoA Delikt Ungerechtfertigte Bereicherung

12 12 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 1.Vertragliche Schuldverhältnisse Vertrag … 2 WE: Verwirklichung des rechtl. Gestaltungswillens Vertragsfreiheit - Abschluss (Grenze: Kontrahierungzwang) - Inhalt (Grenzen insb. §§ 134, 138, §§ 307 ff, AGG) Instrument des beiderseitigen Interessenausgleichs (Richtigkeitsgewähr) Vom Einzelvertrag zur unsichtbaren Hand

13 13 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 1.Vertragliche Schuldverhältnisse Vertrag vorvertragliche SchuV (§ 311 II, III) Unentgeltliche Verträge (zB §§ 516, 662) Gefälligkeitsverhältnis Einseitige Rechtsgeschäfte (zB § 657)

14 14 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 2. Besonderheiten bei der Verwendung von AGB Standardisierung vs. systematische Benachteiligung AGBG – Klausel-RL – §§ Regelungsstruktur (Falle § 310) AGB in der Fallprüfung - Klausel einschlägig? - Sind §§ 305 ff. (modifiziert) anwendbar? - Sind AGB einbezogen? - Inhaltskontrolle - Rechtsfolgen

15 15 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Anwendbarkeit (§ 310) FamR/ErbR/GesR, § 310 IV(-) ArbR: Kollektiv (-), Individual modifiziert, § 310 IV AGB gegenüber Verbraucher (+), erweitert, § 310 III AGB gegenüber Unternehmern usw.: § 310 I => nicht 305 II, III, 308, 309 (Fehlerquelle!)

16 16 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät AGB? (§ 305 I 1) Vorformulierte Vertragsbedingungen für Vielzahl von Verträgen (Ausn. § 310 III Nr. 2) Verwender stellt (bei Verbrauchervertrag vermutet, § 310 III Nr. 1

17 17 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Einbeziehung Gegenüber Verbrauchern: § 305 II Hinweis Verschaffung Mögl. zumutbarer Kenntnisnahme Einverständnis (idR konkludent) Gegenüber Unternehmern: Kennen(müssen) + Mögl. d. Kenntnisnahme Einverständnis (idR konkludent) Kollidierende AGB (BGH NJW 1991, 1606) Sonderfälle (§ 305a)

18 18 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Vorrang der Individualabrede (§ 305b) Konkret Vereinbartes (Beweis!) verdrängt AGB Auch konkludent, auch nachvertraglich Auch bei Schriftformklausel Ggf.: Vertretungsmacht? Überraschende Klauseln (§ 305c I) Überraschung nach Inhalt/Stellung? Maßstab: Durchschnittsadressat Rechtsfolge: nicht Vertragsbestandteil

19 19 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Missverständliche Klauseln (§ 305c II) Objektive Auslegung (Ausnahme § 310 III Nr.3) Auslegungszweifel gegen Verwender (scheinbar) kundenfeindlich kundenfreundlich Rechtsfolgen bei Unwirksamkeit usw. (§ 306) Vertrag bleibt wirksam (Abs.1, Grenze Abs.3) Rest-AGB bleiben ggf. Statt AGB-Klausel dispositives Recht Keine geltungserhaltende Reduktion

20 20 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Inhaltskontrolle von AGB AGB? Einschlägig? Vertragsinhalt? Zwingendes Recht als vorrangige Grenze Kontrolle nach § 309 (Verbraucher) Kontrolle nach § 308 (Verbraucher) Kontrolle nach § 307

21 21 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Beispiele Für leicht fahrlässiges Fehlverhalten unserer Mitarbeiter haften wir höchstens bis zu Euro Das Zeitschriftenabonnement hat eine Laufzeit von 18 Monaten. Es verlängert sich jeweils um diese Zeit, sofern es nicht 6 Wochen zuvor per Einschreiben gekündigt wird. Verbrauchsgüterkauf: Importware! Unsere Gewährleistungsfrist beträgt 15 Monate.

22 22 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät § 307 BGB Generalklausel + alleiniger Maßstab bei AGB gegenüber Unternehmern Transparenzgebot Vergleich mit dispositivem Recht Gefährdung des Vertragszwecks (insb. Kardinalpflichten) BGHZ 89, 363; BGH NJW 2006, 47

23 23 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 3. Besonderheiten bei Verbraucherverträgen a) Hintergrund und Begriff Unionsrechtlicher Hintergrund Fn => RL (zB EUR-LEX) Vorrang des Unionsrechts Richtlinienkonforme Auslegung Auslegungsmonpol des EuGH (zB EUR-LEX, curia)

24 24 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Verbrauchervertrags-RL zB Hauttürgeschäfte (1985) => VRRL (2012) Fernabsatz (1997) => VRRL (2012) Missbräuchliche Klauseln (1993) Verbraucherkredit (1997 => 2008) Verbrauchsgüterkauf (1999) Verbraucherrechte-RL (2011) BGB zB §§ 13 f, 241a, 312 ff, 355 ff. §§ 474 ff, 491 ff

25 25 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Die wichtigsten Schutzinstrumente Informationspflichten Widerrufs- und Rückgaberecht Zwingendes Recht Verbandsklagen (UKlaG)

26 26 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Begriff Verbrauchervertrag (§ 310 III) Verbraucher (§ 13) und Unternehmer (§ 14) Überwiegender Vertragszweck Zuordnung: selbständige berufliche Tätigkeit (+/-) Die §§ 312 ff BGB nF im Überblick Die VRRL als Hintergrund Neureglung gilt ab Gestaffelter Anwendungsbereich (§312 BGB nF)

27 27 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät b) Allgemeine Vorschriften (§ 312a BGB nF) Information am Telefon (§ 312a I) Information im stationären Handel (§ 312a II => Art. 246 EGBGB nF) Kataloge der Informationspflichten Ausn: Info aus Umständen, alltägliche Bargeschäfte Beweislast (§ 312k II) Sanktionen Zusatzentgelte (§ 312a III-V) Vertragserhaltung (§ 312a VI)

28 28 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät c) Verträge außerhalb von Geschäftsräumen und im Fernabsatz (§§ 312b-312h BGB nF) Grundgedanke und Entwicklung Direktmarketing B2C-Vertrag in Sondersituation Haustür/auswärts Fernabsatz Haustür- und Fernabsatz-RL (1985/87) HtWG + FernAbsG => §§ 312 BGB aF VRRL => §§ 312b ff BGB nF.

29 29 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Verträge außerhalb von Geschäftsräumen (§ 312b) Verbrauchervertrag Außerhalb von Geschäftsräumen (§ 312b I Nr. 1, II) Gleichgestellte Verträge (§ 312b I Nr. 2-4) Ausnahmen (§ 312)

30 30 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Fernabsatzvertrag (§ 312c) Verbrauchervertrag Vertragsschluss ausschließlich per Telekommunikationsmittel (Abs. 2), Innerhalb Fernabsatzorganisation. Ausnahmen (§ 312)

31 31 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Informationspflichten (§§ 312d-312f BGB nF) Der informierte Verbraucher als Leitbild Vorvertragliche Informationen (§ 312d BGB nF => Art. 246a §§ 1-4 EGBGB) Katalogangaben (§ 1) + Modalitäten (§ 4) Sanktionen insb.: § 312e, § 360 III Dokumentation (§ 312f) Dauerhafter Datenträger (§126b S. 2 BGB nF) Information Overload: Der informierte Verbraucher als Trugbild

32 32 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Widerrufsrecht (§ 312g => §§ 355 ff BGB nF) Verbraucherschutz durch Probe + Bedenkzeit Vertrag wirksam aber Gestaltungsrecht Widerrufsrecht (§ 312g I) Ausnahmen (§ 312g II) Widerrufsfrist (§§ 355 II, 356) 14 Tage ab Warenerhalt/Vertragsschluss Dienstleistungen und Infofehler Ausübung (§§ 355 I, ) Rechtsfolgen: §§ 355 III, 357

33 33 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Kündigung und Kündigungsvollmacht (§ 312h BGB nF) Unbestellte Leistungen (§ 241a BGB nF) Unternehmer leistet an Verbraucher ohne Bestellung Kein Vertrag Keine gesetzlichen Ansprüche (insb. § 812, § 823, auch § 985) Ausn.: Erkennbare Irrläufer

34 34 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät d) E-Commerce (§ 312i-312j BGB nF) Allg. Bestellmodalitäten (§ 312i) Korrekturmöglichkeit Infopflicht + AGB-Speicherung Bestellbestätigung Annahme! Verbrauchervertrag (§ 312j) Zusatzinfo (Abs. 1 und 2) Button: Zahlungspflichtig bestellen (Abs. 3) Zur Neuregelung: Wendehorst, NJW 2014, 577

35 35 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 4. Gesetzliche Schuldverhältnisse Die wichtigsten gesetzlichen Schuldverhältnisse Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA, §§ 667 ff.) Ungerechtfertigte Bereicherung (§§ 812 ff.) Deliktsrecht (§§ 823 ff.) Die wichtigsten Verbindungslinien Anspruchskonkurrenz Rückabwicklung unwirksamer Verträge Vertragliche Haftungsmilderung im Deliktsrecht

36 36 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldrecht AT II. Inhalt von Schuldverhältnissen 1.Parteivereinbarung und einseitige Bestimmung 2.Inhaltskontrolle (auch von AGB) 3.Leistungsort und -zeit und andere Modalitäten 4.Gattungsschuld und Geldschuld 5.Zurückbehaltungsrecht und Zug-um-Zug-Leistung

37 37 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 1.Parteivereinbarung und einseitige Bestimmung Parteivereinbarung Leistungspflichten (§ 241 I) o Hauptleistungspflicht o Nebenleistungspflicht Rücksichtnahmepflichten (§ 241 II) auch Änderung (§ 311 I) Ergänzung o Dispositives Recht o Ergänzende Vertragsauslegung o Treu und Glauben

38 38 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Einseitige Bestimmung durch eine Partei (§§ 315 f.) Fälle Rahmen und Maßstab: Parteivereinbarung im Zweifel nach Billigkeit Ausübung durch WE (bindend) unbillige Bestimmung Spezifikationskauf (§ 375 HGB)

39 39 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Bestimmung durch einen Dritten (§§ 317 ff.) Fälle Rahmen und Maßstab: Parteivereinbarung im Zweifel nach Billigkeit (§ 317 I) Anfechtung durch Parteien (§ 318) Offenbar unbillige Bestimmung (§ 319 I) Bestimmung nach freiem Belieben (§ 319 II)

40 40 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 2. Inhaltskontrolle Grenzen der Parteivereinbarung Zwingendes Recht o §§ 134, 138, AGG o Beispiel: § 311b II, IV o Halbzwingend z.B. §§ 312k, 475 Richterliche Angemessenheitskontrolle zB § 343 (anders § 348 HGB)

41 41 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 3. Leistungsort und -zeit und andere Modalitäten Leistungsort (§ 269) Materielle und prozessuale Bedeutung (§ 29 ZPO) Parteivereinbarung (Hol-, Schick-, Bringschuld, Abs. 3) Bestimmung nach den Umständen (Natur d. SchuV) Im Zweifel Holschuld (Abs.1) BGH NJW 2003, 3341; S. Lorenz, JuS 2004, 105; Grüneberg in Palandt, § 269 Rn 12

42 42 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Leistungszeit (§ 271) Parteivereinbarung Gesteigerte Bedeutung der Leistungszeit relatives Fixgeschäft (§ 323 II Nr. 2) absolutes Fixgeschäft (§ 275 I) Bestimmung nach den Umständen Im Zweifel sofort (Abs.1) Im Zweifel sofortige Erfüllbarkeit (Abs.2)

43 43 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Besondere Leistungsmodalitäten Teilleistungen (§ 266) Leistung durch Dritte (§ 267) Persönliche Leistungspflichten (Vereinbarung, Natur des SchuV, §§ 613, 664 usw.) Dritter leistet mit Fremdtilgungswillen Erfüllung (§ 362) (+ Regress aus Vertrag/GoA)

44 44 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 4. Gattungsschuld und Geldschuld Stückschuld – Gattungsschuld (§ 243 I) Mittlere Art und Güte (§ 243 I, § 360 HGB) Beschaffungspflicht des Schuldners (Ausnahme: Vorratsschuld) Konkretisierung (§ 243 II)

45 45 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Beispiel: Hobbyfilmer K bestellt bei Versandhändler V im Internet einen Camcorder DV Panasonic NV-DS 38 EG zum Preis von 999 Euro. V verpackt und adressiert das Gerät ordnungsgemäß und übergibt es einem Paketdienst. Dort kommt das Gerät abhanden. Hat K einen Lieferanspruch, wenn a)eine Bringschuld vereinbart ist? b)eine Schickschuld vereinbart ist? Zum Weiterknobeln: Bringschuld oder Schickschuld? Wie sieht es mit der Zahlungspflicht des K aus? Vgl. BGH NJW 2003, 3341

46 46 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Besonderheiten bei Geldschulden Geld hat man zu haben Zahlungsart, -zeit und -ort nach Parteivereinbarung Sonst: Bargeld, §§ 271, 270 (Qual.) Schickschuld oder (mod.) Bringschuld? Traditionelle Sicht Zahlungsverzugs-RL + EuGH NJW 2008, 1935 Kosten + Verlustrisiko: Zahlungsschuldner Verzögerungsrisiko: Zahlungsschuldner Gerichtsstand: Wohnsitz/NL d. Schuldners Martens, JuS 2014,

47 47 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 5. Zurückbehaltungsrecht und Zug-um-Zug-Leistung Grundgedanken Risiken des Vorleistenden Karl kauft bei V ein Ledersofa und meint Erst die Ware dann das Geld!; V will erst liefern, wenn er das Geld erhalten hat. Karl und Ingo trennen sich. Ingo will das Sofa nicht herausgeben, solange Karl ihm nicht seine Hälfte der letzten Miete zahlt. Schur JuS 2006, 673

48 48 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Einrede des nicht erfüllten Vertrages (§§ ) Gegenseitiger Vertrag Gegenleistung im Synallagma Fälligkeit der Gegenleistung Schuldner vertragstreu, nicht vorleistungspflichtig LeistungsverweigerungsR Kein Verzug usw. Verurteilung zur Leistung Zug um Zug (§ 322) Vorleistungspflicht: Unsicherheitseinrede (§ 321)

49 49 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Das allgemeine Zurückbehaltungsrecht (§§ 273, 274) Kein Synallagma aber Konnexität Fälligkeit und Durchsetzbarkeit des Gegenanspruchs Kein Ausschluss (zB § 570, § 393 analog, § 242) Zurückbehaltungsrecht Kein Verzug usw. Verurteilung zur Leistung Zug um Zug (§ 274) Sonderfälle Herausgabe eines Gegenstandes (§ 273 II) EBV (§ 1000) Kaufmännisches Zurückbehaltungsrecht (§ 369 ff. HGB)

50 50 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldrecht AT III. Erlöschen der Leistungspflicht 1.Erfüllung 2.Aufrechnung 3.Kündigung, Vertragsaufhebung und Erlass

51 51 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 1.Erfüllung (§ 362) Bewirken der Leistung an (empfangszuständigen) Gläubiger an Dritten § 362 II § 185 Schuldnerschutzvorschriften (zB § 407, § 793, § 370) Mehrere Forderungen: Tilgungsbestimmung (§§ 366 f) Leistung an Erfüllungs statt (§ 364 I) Leistung erfüllungshalber (vgl. § 364 II) S. Lorenz, JuS 2009, 109; Petersen, Jura 2010, 281; Looschelders/Erm, JA 2014, 161

52 52 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 2. Aufrechnung (§§ 387 ff) Bedeutung der Aufrechnung Aufrechnungslage Gegenseitige gleichartige Forderungen Gegenforderung durchsetzbar Hauptforderung erfüllbar Aufrechnungserklärung

53 53 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 2. Aufrechnung (II) Aufrechnungsverbote vertraglich (Grenzen: § 309 Nr. 3, § 556b II 1, § 242) Hauptforderung beschlagnahmt (§ 392) Hauptforderung aus vorsätzlichem Delikt (§ 393) Hauptforderung unpfändbar (§ 394) Kontokorrent (§§ 355 ff HGB) Coester-Waltjen, Jura 2003, , 391 S. Lorenz, JuS 2008, 951

54 54 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 3. Kündigung, Vertragsaufhebung und Erlass Dauerschuldverhältnisse enden … … mit Fristablauf … mit Kündigung Kündigung Kündigungsrecht (Vertrag/Gesetz) ordentlich/außerordentlich Kündigungserklärung Beendigung ex nunc (u.U. Herausgabe)

55 55 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Ordentliche Kündigung idR ohne Grund idR mit Kündigungsfrist Außerordentliche Kündigung Sonderregeln (Vertrag oder zB §§ 490, 543, 569, 626, 723) Subsidiär: § 314 Wichtiger Grund (reguläre Beendigung unzumutbar) Fristsetzung/Abmahnung

56 56 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Vertragsaufhebung Aufhebungsvertrag (formfrei) Vertragsbeendigung Erlass (§ 397) Erlassvertrag (formfrei) Forderung erlischt (Verfügung) Negatives Schuldanerkenntnis (§ 397 II)

57 57 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldrecht AT IV. Rückabwicklung 1.Die Rückabwicklungssysteme §§ 346 ff und 812 ff. 2.Rücktritt 3.Widerruf von Verbraucherverträgen

58 58 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 1.Die Rückabwicklungssysteme §§ 346 ff. und 812 ff. Übersicht §§ 346 ff. Übersicht §§ 812 ff. Einschränkungen des Entreicherungseinwandes -§§ 818 IV, 819 -Saldotheorie

59 59 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 2. Rücktritt (§§ 346 ff.) - Übersicht Rücktrittsrecht Rücktrittserklärung Kein Ausschluss Erlöschen der Leistungspflichten Rückgewährschuldverhältnis Untergangsgrund und Anspruchsgrundlage Sonderregeln: § 651i, §§ 1298 ff., §§ 2293 ff.

60 60 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Rücktrittsfolgen Rückgewähr der Leistungen in natura (§ 346 I) Zinsen und andere Nutzungen Wertersatz bei Unmöglichkeit (§ 346 II) Nach der Natur des Erlangten (Nr. 1) Verbrauch, Veräußerung usw. (Nr. 2) Verschlechterung oder Untergang (Nr. 3) Ermittlung des Wertersatzes (§ 346 II 2) Vorrang der Parteibewertung Korrektur bei Mangel und Darlehen Korrektur bei Schnäppchen des Verursachers?

61 61 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Rücktrittsfolgen (II) Ausschluss des Wertersatzanspruchs (§ 346 III) Mangel zeigt sich bei Verarbeitung usw. (Nr. 1) Untergang usw. vom Gläubiger zu vertreten (Nr. 2) Untergang usw. trotz eigenüblicher Sorgfalt (Nr. 3) Nur Bereicherungsausgleich (S. 2) Nicht gezogene Nutzungen und Verwendungen (§ 347) Schadensersatz (§ 346 IV, §§ 280 ff.)

62 62 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 3. Widerruf (§§ 355 ff. BGB nF) Widerrufsrecht bei bestimmten Verbraucherverträgen Neuregelung zum (VRRL) Widerrufsfrist (§§ 355 II, 356 II-IV, 356a ff.) Ausübung des Widerrufsrechts (§§ 355 I, 356 I) Umwandlung in Rückgewährschuldverhältnis

63 63 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Abwicklung der Rückgewähr (§§ 355 III, 357 ff.) Rücksendung der Ware Kosten trägt idR V Gefahr trägt U: U Rückzahlung Lieferkosten (Hinweg): U trägt Basistarif Wertersatz bei Verschlechterung (§ 357 VIII) Dienstleistungen: Wertersatz (§ 357 IX)

64 64 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldrecht AT V. Beteiligung Dritter 1.Verträge zugunsten Dritter 2.Schutzwirkung zugunsten Dritter 3.Abtretung 4.Schuldübernahme und Vertragsübernahme 5.Gesamtschuld

65 65 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 1.Vertrag zugunsten Dritter (§§ 328 ff) V (Versprechender) E Versprechens-Empfänger D Dritter VzD (Deckungsverhältnis) Valuta- verhältnis Vollzugs- verhältnis

66 66 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät V (Versprechender) E Versprechens-Empfänger D Dritter VzD (Deckungsverhältnis) Valuta- verhältnis Vollzugs- verhältnis Sonderfall § 331: Kein § 2301 i.Zw. VerfügungsR E bis zum Tod D erwirbt Leistungsrecht mit Es Tod Kondiktion bei Mangel im Valutaverhältnis § Versicherungs-AGB: Änderung der Bezugsberechtigung

67 67 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 2. Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter SchuV (§ 311) mit Rücksichtnahmepflichten (§ 241 II) zugunsten Dritter Voraussetzungen Leistungsnähe des Dritten Einbeziehungsinteresse des Gläubigers Erkennbarkeit für Schuldner Schutzbedürftigkeit des Dritten Rechtsfolge: Schutzpflichten + SchE (§§ 280 I, 241 II) Pinger/Behm, JuS 2008, 675

68 68 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 3. Die Abtretung - Überblick Die Forderung als Wirtschaftsgut Verfügungen: Verpfändung und Übertragung Forderungsverkauf Sicherungszession Inkassozession (statt Einziehungsermächtigung) Der Abtretungsvertrag (§ 398): Alt- und Neu-Gläubiger Schuldnerschutz Abtretung anderer Rechte (§ 413) Lorenz, JuS 2009, 891; Schreiber, Jura 2007, 266

69 69 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Abtretung G Alt-Gläubiger (Zedent) S Schuldner E Erwerber Neu-Gläubiger Zessionar Forderung § 398

70 70 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Voraussetzungen der Abtretung Abtretungsvertrag - Bestimmbarkeit der Forderung (BGH NJW 2011, 2713) - Form Vorausabtretung künftiger Forderungen Verfügungsbefugnis des Abtretenden - grds. kein gutgläubiger Erwerb (JuS 2010, 857) - Mehrfachabtretung

71 71 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Globalzession und verlängerter EV G S Bank Forderung Globalzession Lieferant Verlängerter EV

72 72 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Voraussetzungen der Abtretung Abtretungsvertrag - Bestimmbarkeit der Forderung (BGH NJW 2011, 2713) - Form Vorausabtretung künftiger Forderungen Verfügungsbefugnis des Abtretenden - grds. kein gutgläubiger Erwerb (JuS 2010, 857) - Mehrfachabtretung Übertragbarkeit der Forderung - Veränderung des Leistungsinhalts - Pfändung und Kontokorrent - Vertragliche Abtretungsverbote (AGB, § 354a HGB)

73 73 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Rechtsfolgen der Abtretung Forderungsübergang Sicherungsrechte und Vorzugsrechte (§ 401) Nebenpflichten des Abtretenden

74 74 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldnerschutz Einwendungen - gegen die Forderung (§ 404) - gegen die Abtretung Aufrechnung (§ 406) Leistung an den Altgläubiger (§ 407 I) - Tilgung, wenn S gutgläubig - Neu-Gl. Alt-Gl. § 816 II Mehrfachabtretung (§ 408) Coester-Waltjen, Jura 2004, 391; Haertlein, JuS 2007, 1073

75 75 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Schuldnerschutz bei Mehrfachabtretung G S E2E2 Forderung 2. Abtretung (geht ins Leere) E1E1 1. Abtretung (wirksam)

76 76 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 4. Schuldübernahme und Vertragsübernahme Vertragliche Schuldübernahme (§§ ) Vertrag G-Ü (§ 414) Vertrag S-Ü + Zustimmung G (§ 415) Einwendungen und Sicherungsrechte (§§ 417 f.) Vertragsübernahme Grigoleit/Herresthal, Jura 2002, 393 G S Ü Schuldübernahme

77 77 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 5. Gesamtschuld Kontext: Mehrheit von Schuldnern und Gläubigern (§§ ) Teilschuld + Teilgläubigerschaft (§ 420) Gesamtschuld (§ 421) Gesamtgläubigerschaft (§ 428) Mitgläubigerschaft (§ 432) Gemeinschaftliche Schuld

78 78 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 5. Gesamtschuld Hauptfälle der Gesamtschuld -Gemeinschaftlicher Vertrag (§ 427) -Unteilbare Leistung (§ 431) -Gesellschafterhaftung -Mehrfache Haftpflicht (§ 840) -Schuldbeitritt Tatbestand (insb. Gleichstufigkeit) Rechtsfolgen -Erfüllung (§ 422) -Sonstige Gesamtwirkung (§§ 423 f.) -Einzelwirkung (§ 425) G S1S1 S2S2

79 79 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät 5. Gesamtschuld: Innenausgleich (§ 426) Ausgleichsanspruch (§ 426 I) -Anteile nach Vertrag -§ 840 II, III -§ 254 analog (§ 17 StVG) -ArbG/ArbN Legalzession (§ 426 II) Zerres, Jura 2008, 726 G S1S1 S2S2 Innen- ausgeich

80 80 Prof. Dr. Justus Meyer, Juristenfakultät Gestörte Gesamtschuld BGHZ 103, 338 Haftungsprivilegierung: - Vertraglich - §§ 690, 708, 1359, §§ 104 f. SGB VII Lösung 1: Kein Regress Lösung 2: Regress wie bei Gesamtschuld Lösung 3: Anspruchskürzung G S1S1 S2S2 Innen- ausgeich? Haftungsprivileg


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