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Vorwärts nach weit – Perspektiven der Sozialpsychiatrie in einer sich wandelnden Gesellschaft Symposium Sozialpsychiatrische Hilfen in Stuttgart – Geschichte,

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Präsentation zum Thema: "Vorwärts nach weit – Perspektiven der Sozialpsychiatrie in einer sich wandelnden Gesellschaft Symposium Sozialpsychiatrische Hilfen in Stuttgart – Geschichte,"—  Präsentation transkript:

1 Vorwärts nach weit – Perspektiven der Sozialpsychiatrie in einer sich wandelnden Gesellschaft Symposium Sozialpsychiatrische Hilfen in Stuttgart – Geschichte, Gegenwart und Zukunft anlässlich des 60. Geburtstags von Dr. Klaus Obert am im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart 1. Grüße aus dem Mekka der deutschen Sozialpsychiatrie 2. Entwicklung und aktuelle Herausforderungen 3. sozialpsychiatrische Grundhaltung und Arbeitsfelder 4. Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft

2 1. Grüße aus dem Mekka der deutschen Sozialpsychiatrie (1) Ein Gedicht von Kurt Schwitters (1919) Die Hannoveraner sind die Bewohner einer Stadt, einer Großstadt. Hundekrankheiten bekommen die Hannoveraner nie. Hannovers Rathaus gehört den Hannoveranern und das ist doch wohl eine berechtigte Forderung. Der Unterschied zwischen Hannover und Anna Blume ist der, dass man Anna von hinten und vorn lesen kann, Hannover dagegen am besten nur von vorne. Liest man aber Hannover von hinten, so ergibt sich die Zusammenstellung dreier Worte: re von nah. Das Wort re kann man verschieden übersetzen: rückwärts oder zurück. Ich schlage die Übersetzung rückwärts vor. Dann ergibt sich also die Übersetzung des Wortes Hannover von hinten: Rückwärts von nah. Und das stimmt insofern, als dann die Übersetzung des Wortes Hannover von vorn lauten würde: Vorwärts nach weit. Das heißt also: Hannover strebt vorwärts, und zwar ins Unermessliche. Anna Blume hingegen ist von hinten wie von vorne: A-N-N-A … (Hunde bitte an die Leine zu führen.) 2

3 3 1. Grüße aus dem Mekka der deutschen Sozialpsychiatrie (2) Ein Denkzettel von Mark Richartz (1971) Ich glaube, das es ganz wichtige Gesichtspunkte sind, die von jedem Sozialpsychiater zu bedenken sind, dass er weiß, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen er arbeitet und die Tatsachen zu erkennen lernt, die Sozialpsychiatrie in den letzten Jahren möglich gemacht hat (…), um einkalkulieren zu können, dass bei einer Veränderung der ökonomischen Lage diese sozialpsychiatrischen Ansätze als ein modischer Firlefanz abgetan werden können und es einen Rückzug der Psychiatrie auf alte Positionen und alte Organisationsmodelle geben kann. Zitat aus einer Rundfunk-Diskussion im NDR und SFB zum Thema Was ist Sozialpsychiatrie?; abgedruckt in: Sozialpsychiatrische Informationen 1972 (Nr. 5) & Psychiatrischen Praxis 2007 ( )

4 1. Grüße aus dem Mekka der deutschen Sozialpsychiatrie (3) Erbe der Medizinischen Hochschule ( ) Dialektiken analysieren und Widersprüche aushalten: Anpassung und Abweichung, Rationalität und Irrationalität, Soziopathie und Normopathie, Hilfs-, Schutz- und Kontrollfunktionen der Psychiatrie Die therapeutische Beziehung zum Zentrum machen: multidisziplinäre Teamkultur, Bezugstherapie mit Zeit für Ich-Du-Begegnung, Raum für Gemeinschaftserfahrungen, Qualifizierung aller Berufsgruppen, Verbindung tiefenpsychologischer und sozialpsychiatrischer Ansätze Wohnortnahe Hilfen systematisch planen und koordinieren: kleinräumige Sektorisierung, ambulant vor stationär, integriert statt spezialisiert, Spielraum statt Standardisierung, Verfahren zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung, Vermeidung von Unter-, Über-, Fehlversorgung 4

5 2. Entwicklung und aktuelle Herausforderungen (1) Meilensteine der Psychiatriereform 1975 Psychiatrie-Enquête des Bundestages: Humanisierung der stationären Behandlung in verkleinerten Kliniken mit regionalem Versorgungsauftrag, Aufbau dezentraler außerklinischer Hilfen 1988 Expertenkommission der Bundesregierung: Bedarfsgerechte Hilfen für chronisch und schwer psychisch erkrankte Menschen in ihrem Lebensumfeld, mit Koordination im regionalen Verbund 1997 Aktion Psychisch Kranke Personenzentrierte Hilfen in der psychiatrischen Versorgung: sorgfältige Erkundung der Fähigkeiten, Beeinträchtigungen und Bedürfnisse der Patienten, systematisches Planungsverfahren bei komplexem Hilfebedarf 2007 UN-Behindertenrechtskonvention: Forderung nach Inklusion und Partizipation aller Menschen eines Gemeinwesens, unabhängig von Art und Umfang eventueller Beeinträchtigungen 5

6 2. Entwicklung und aktuelle Herausforderungen (2) Bilanz 25 Jahre nach der Psychiatrie-Enquete* Reformfortschritte bis 2000 Bettenabbau in Kliniken (>50%) und Verweildauer-Senkung auf Tage 160 psychiatrische Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern Ausbau kommunaler Hilfen, z.B. SpDi, betreute Wohnformen, Übergangsheime, Tages- stätten, Arbeitsrehabilitation Verankerungen im GRG 2000: Soziotherapie, PVPsych und Institutsambulanzen Verbesserungsbedarf Prinzip ambulant vor stationär besser verwirklichen! Früherkennung und Behandlung bei jungen chronisch Kranken voranbringen! Zugang erleichtern für berufl. Rehabilitation, Soziotherapie, amb. Behandlungspflege! Zuständigkeit für BSHG-Hilfen in einer Hand zusammenfassen! Bundesmittel weiter bereitstellen für Versorgungsforschung! *) Kernpunkte der Bundestagsentschließung vom

7 7 2. Entwicklung und aktuelle Herausforderungen (3) Wandel sozialräumlicher Netzwerkbezüge Spezialisierte Beziehungen, die nicht breitflächig unterstützend sind: Menschen müssen unterschiedliche Beziehungen pflegen, um sich eine Bandbreite an Ressourcen sozialer Unterstützung zu sichern Verschwinden traditional dichter, eng gebundener Gemeinschaften: Trend zu dünnen, weitmaschigen Netzwerken mit viel Wechsel, man muss kontinuierlich aktive Beziehungsarbeit leisten Ersatz nachbarschaftlicher Bezüge durch verstreute Netzwerke: moderne Transportmittel und Kommunikationsmedien ermöglichen ihren Nutzern enge Beziehungen über weite Strecken Mehr private Geselligkeit, geringere Bedeutung öffentlicher Räume: Rückgang an Verantwortlichkeit und Bereitschaft zu informeller Hilfe

8 8 2. Entwicklung und aktuelle Herausforderungen (4) Besondere Risiken für psychisch Kranke Individualisierung, Technisierung und Globalisierung bedeuten für psychisch labile Menschen erhöhte Risiken durch die riskante Beschleunigung aller Prozesse und durch starke Normierung des erwarteten Verhaltens. Begrenzte Ressourcen im sozialen Sicherungssystem gefährden psychisch kranke Menschen besonders bei der Rationalisierung und Rationierung von Dienstleistungen sowie bei der Belebung sozialdarwinistischer Haltungen in der Öffentlichkeit. Der Trend zur Evidenzbasierten Medizin auch in der Psychiatrie erhöht für psychisch schwer erkrankte Menschen mit komplexem Hilfebedarf das Risiko, wegen Standardisierung der Leistungen kein Hilfsangebot zu bekommen, und wegen Zentralisierung der Hilfsangebote keinen Zugang dazu zu finden.

9 99 2. Entwicklung und aktuelle Herausforderungen (5) Schwieriger Kontext für die Sozialpsychiatrie Profitdenken greift um sich: Das privatwirtschaftliche Streben nach Umsatzsteigerung, Profitmaximierung und Kostensenkung breitet sich auch im Sozial- und Gesundheitswesen weiter aus. Solidarität nimmt ab: Wirksame gesundheitliche und soziale Hilfen für bedürftige Mitbürger werden immer lückenhafter, weil nicht mehr im notwendigen Umfang solidarisch finanziert. Das soziale Klima wird kälter: Sozialdarwinistische und utilitaristische Einstellungen gerade in den besser gestellten Schichten der Bevölkerung führen zu wachsender Entwertung und Ausgrenzung chronisch psychisch erkrankter Menschen. Fachkräfte werden knapp: Die Arbeit in der Psychiatrie verliert weiter an Attraktivität, der Mangel an Ärzten und Pflegekräften im Gesundheitswesen nimmt insgesamt zu.

10 3. Sozialpsychiatrische Grundhaltung und Arbeitsfelder (1) Pioniere in Dialogfähigkeit und Kontextbezug Eine sozialpsychiatrische Grundhaltung vereinigt folgende Aspekte: Besondere Aufmerksamkeit für die soziale Dimension seelischen Leidens Energisches Eintreten für eine gemeindepsychiatrische Organisation der Hilfen mit Bereitschaft zum kritischen wie selbstkritischen Diskurs über den Versorgungsalltag Immer wieder neues Bemühen um gleichberechtigte Kooperation aller Beteiligten im Dialog mit dem Patienten und seinen Bezugs- personen, im multidisziplinären Team, in der Zusammenarbeit der beteiligten Leistungserbringer und im regionalen Netzwerk der Selbsthilfeinitiativen, Dienste und Einrichtungen, Kostenträger und Behörden, Politik und Öffentlichkeit

11 3. Sozialpsychiatrische Grundhaltung und Arbeitsfelder (2) Horizonterweiterung, Spezialdisziplin, Bewegung Sozialpsychiatrie kann auf verschiedene Art wirksam werden: In der Medizin als ein Aspekt jeder psychiatrischen Tätigkeit lenkt sie die Aufmerksamkeit auf soziale Bedingungen von Entstehung und Verlauf, Therapie und Rehabilitation der Störungen. In der Gemeindepsychiatrie als spezialisierte Disziplin bildet sie eigene Institutionen in Lehre, Forschung, Krankenversorgung und Öffentlichem Gesundheitsdienst. In der Gesellschaft als gesundheitspolitische Bewegung streitet sie für die Rücknahme sozialer Ausgrenzungsprozesse gegenüber psychisch erkrankten Mitbürgern.

12 Herausforderungen Grundhaltung 3. Sozialpsychiatrische Grundhaltung und Arbeitsfelder (3) Erfordernis immer neuer Standortbestimmung 12 Arbeitsfeld Psychiatrie als medizinisches Fach Gemeinde- psychiatrie als Arbeitsfeld spezialisierter Dienste Gesellschaft als Arbeitsfeld der gesundheits- politischen Bewegung EntwicklungPerspektiven

13 der Traum aus den Anfängen der Sozialpsychiatrie sozial- psychiatrischer Kompass ExklusionInklusion Disziplinierung Emanzipation fürsorgliche Belagerung Freiheit zur Verwahrlosung 4. Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft (1) Ausgrenzung bekämpfen! der Albtraum in der Tradition der Anstaltspsychiatrie 13

14 sozial- psychiatrischer Kompass eigenverantwortliche Alltagsbewältigung Fürsorge konstruktive Konfliktverarbeitung FremdhilfeSelbsthilfe Aktion Reflexion Aufklärung 4. Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft (2) Hilfe zur Selbsthilfe geben! 14

15 der Spielraum künftiger Gestaltung sozial- psychiatrischer Kompass Vergangenheit Zukunft Wirklichkeit Möglichkeiten der Schatz unverwirklichter Möglichkeiten der gesetzmäßige Gang der Geschichte die prägende Kraft der bisherigen Ereignisse 4. Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft (3) Spielräume eröffnen! 15

16 16 4. Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft (4) Menschengerechte und qualitativ gute Hilfen* Gegen die einseitig biologistische Sicht auf psychische Erkrankungen: Das Handeln ist darauf ausgerichtet, dass psychisches Leiden mehr- dimensional ist und eingebettet in den gesellschaftlichen Kontext. Gegen eine Diagnostik und Therapie nur nach klinischer Symptomatik: Interesse findet der ganze Mensch mit seinen Stärken und Schwächen, mit seiner Suche nach Lebenssinn und seiner sozialen Eingebundenheit. Gegen eine Konzentration auf profitabel behandelbare, einfache Fälle: Maßstab für die Einhaltung der Menschenrechte ist die bedarfsgerechte Hilfe für schwer & chronisch erkrankte Menschen, ihre Lebensqualität. Gegen ein entpolitisiertes Berufsverständnis der psychiatrisch Tätigen: Jeder professionelle Helfer ist auch Bürger und engagiert sich neben der konkreten Einzelfallhilfe auch gesellschaftspolitisch. *) In Anlehnung an den Einführungstext im Programmflyer zur DGSP- Jahrestagung 2010 Menschenrechte verwirklichen – Gesellschaft gestalten (40 Jahre Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie)

17 zentral und spezialisiert integriert und dezentral HilfsangeboteNetzwerkstrukturen Versorgungsregion (Kommune / Region) ( Einwohner) Teilregion (Sektor) ( Einwohner) Sozialpsychiatrischer Dienst und regionales Netzwerk der wichtigsten gemeindepsychiatrischen Hilfen mit Zuständigkeit für das Gebiet Sozialraum (Gemeinde / Stadtbezirk) ( Einwohner) Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft (5) Hilfesystem auf den Sozialraum ausrichten! Drei-Ebenen-Modell sozialer Infrastruktur

18 18 Konfliktberatung, Begutachtung und kurzfristige Kriseninterventionen ambulante Arbeitstherapie Notfall- Ambulanz (§ 115 SGB V) Universitäts- Poliklinik (§ 117 SGB V) längerfristige Behandlung von Hochrisiko-Patienten Kooperation mit den Einrichtungen der komplementären Versorgung Psychiatrische Institutsambulanz (§ 118 SGB V) 4. Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft (6) Ein Modell: Sozialpsychiatrische Poliklinik (2008) Sozial- psychiatrischer Dienst (NPsychKG) soziotherap. Gruppen (teil-) stationäre Behandlung (PVPsych) Ergotherapie (Heilmittelverordnung) Geschäftsführung der Sektor-Arbeitsgemeinschaft im Sektor 6 des Sozialpsychiatrischen Verbundes der Region Hannover


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