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Messung wirtschaftlicher Leistung und Wohlfahrt Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL 1 Ziele/Themen -Verständnis von BIP und seiner.

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1 Messung wirtschaftlicher Leistung und Wohlfahrt Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL 1 Ziele/Themen -Verständnis von BIP und seiner Geschichte -Kritik an BIP als Wohlstandsmesser -Verwendung des BIP -Begriffe Wohlstand, Wohlergehen, Lebensqualität -Feministische Kritik am BIP -Alternative Messkonzepte -Youtube: Bruttoinlandsprodukt einfach erklärt (by explainity) 4. Veranstaltung

2 Definition BIP Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL 2 BIP (Bruttoinlandsprodukt): Wert der im Inland hergestellten und auf Markt gehandelten Waren und Dienstleistungen pro Jahr minus Vorleistungen. Unterscheidung: Reales vs. nominelles BIP 3 Betrachtungsweisen/Dimensionen des BIP: -Produktion (wer hat produziert?) -Verwendung (wie wird verwendet?) -Verteilung (wer bekommt das BIP? – Bezahlung der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden, Kapital) In Mitte 70er Wohlstandszunahme parallel zu BIP-Zunahme

3 BIP ($)/Kopf (2014) 3 Luxemburg (1) Polen (52)14,411 Schweiz (4) gesamt: 642 Mrd. sFr Brasilien (61) USA (11)54.369China (80)7.571 Österreich (14)51.433Nigeria* (124)3.300 Deutschland* (17)47.773Bangladesch* (157)1.161 Quelle: World Economic Outlook Database, October 2015, current prices; (Rang) *geschätzt

4 Entwicklung des BIP seit

5 5 Verwendung des BIP (Anteile in %), CH, D, USA Konsumausgaben Bruttoinvestitionen Aussenbeitrag Quellen: Bundesamt für Statistik, Statistisches Bundesamt, United Nations Economic Commission for Europe

6 Entstehung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung er: S. Kuznets entwickelt in USA in Folge der Info-defizite während Grosser Depression ein Konzept für nationale Buchhaltung 1940er: dieses Konzept wird für Umgestaltung hin zur Kriegswirtschaft in USA und GB angewendet 1950er: Einführung offizieller volkswirtschaftlicher Gesamt- rechnung in westlichen Ländern für Wiederaufbau und Massnahmen zur Wachstumsstimulierung => BIP/volkswirtschaftliche Gesamtrechnung war nicht als Wohlstandsmesser konzipiert! Literaturhinweis zu Bedeutung des BIP für OECD: Schmelzer, M. (2016). The hegemony of growth. The making and remaking of the economic growth paradigm and the OECD, Cambridge: Cambridge University Press.

7 Kritik am BIP als Wohlstandsmesser 7 … v.a. wegen grosser Bedeutung für politische und ökonomische Steuerung Kritik: In BIP -gehen wirtschaftliche Tätigkeiten ein, die Lebensqualität senken (Ausgaben für Unfälle, Reparaturen, umweltschädigende Tätigkeiten, …) sowie verbotene Produktionsaktivitäten wie Drogen, Schmuggel und Prostitution (seit Sept. 2014) -gehen nicht wohlfahrtsschmälernde Entwicklungen ein (Umweltverschmutzung, Reduktion von Ressourcenlagern…) -gehen nicht verschiedene wohlfahrtssteigernde Aktivitäten ein (Miliz-, Schwarz-, Hausarbeit etc.)

8 Wohlstand, Wohlfahrt, Lebensqualität 8 Wohlstand: «Mass an Wohlhabenheit, die jemandem wirtschaftliche Sicherheit gibt» (Duden) – weitgehend verstanden als Güterwohl- stand Wohlfahrt: Wohl / Wohlergehen des Einzelnen, der Gemeinschaft (besonders in materieller Hinsicht); früher: öffentliche Fürsorge, Sozialhilfe; Wohlfahrtspflege (Duden) Lebensqualität: durch bestimmte Annehmlichkeiten (wie saubere Umwelt, humane Arbeitsbedingungen, grosszügiges Freizeitangebot) charakterisierte Qualität des Lebens, die zu individuellem Wohlbefinden führt (Duden) Lebensstandard: v.a. verstanden als Mass von Güterwohlstand

9 Feministische Kritik am BIP 9 (Wert der) Arbeit von Hausfrauen geht nicht in BIP ein (ebensowenig Reproduktion der Arbeitskraft (z.B. Marilyn Waring, NZ) ‘ Women and nature share similar treatment in neoclassical economics. They are, variously, invisible; pushed into the background; treated as a “resource” for the satisfaction of male or human needs; considered to be part of a realm that “takes care of itself”; thought of as self- regenerating (or reproductive, as opposed to productive); conceived of as passive; and/or considered to be subject to male or human authority. One would search in vain in the most paradigmatic models of economics for any inkling of where the materials used in production came from, or where the detritus from the production process goes. Similarly, one would search in vain in most descriptions of human agents for a discussion of where economic agents come from, or where they go when they are broken or used up. Nelson, J. (2009), S. 2.

10 10 Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft Bezahlte Arbeit in 2013: 7700 Mio. Std. Medienmitteilung BfS, /01/new/nip_detail.html?gnpID=

11 11 Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft Medienmitteilung BfS, /01/new/nip_detail.html?gnpID= BIP in 2013: Mio. Fr.

12 Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt 12 1.Korrektur des BIP um wohlfahrtssteigernde und –schmälernde Aspekte Beispiele: a) Index of Sustainable Economic Welfare (ISEW) (Daly/Cobb 1989) B) Nationaler Wohlfahrtsindex (Diefenbacher/Zieschank 2009) Aus: Costanza et al S. 136f Vergleich Pro/Kopf-BNP vs. Pro/Kopf-ISEW, Max-Nef 1995.

13 Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt 13 Aus: Costanza et al S. 136f Threshold-Hypothesis «For every society there seems to be a period in which economic growth (as conventionally measured) brings about an improvement in the quality of life, but only up to a point - the threshold point - beyond which, if there is more economic growth, quality of life may begin to deteriorate.» (Max-Neef, 1995, S. 117)

14 Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt 14 Diefenbacher et al. 2013, NWI 2.0, S. 45 Deutschland NWI (Neuer Wohlstandsindex) 20 monetär erfassbare Einzelkomponenten, z.B.: Index Einkommensverteilung Kosten Kriminalität Wert Hausarbeit, Ehrenamt Ersatzkosten durch Verbrauch nicht erneuerbarer Energie Kosten Atomenergienutzung

15 15 Aus: Weimann et al. (2012). Geld macht doch glücklich. Wo die ökonomische Glücksforschung irrt. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 22.

16 Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt 16 1.Korrektur des BIP um wohlfahrtssteigernde und –schmälernde Aspekte 2.Amaturenbrett von Indikatoren (neben BIP weitere nicht monetäre Indikatoren zum ökologischen, gesellschaftlichen, ökonomischen Zustand und Entwicklung ( z.B. Emissionen, Schulbildung, Arbeitslosigkeit etc.) Beispiele: a)Indikatoren der Sarkozy-Commission [7 Dimensionen: Materielles, Gesundheit … Unsicherheit], dt. Enquete-Kommission, b)OECD Better Life Index, c)Wohlstandsquartett [BIP, 80/20-Relation, ökologischer Fussabdruck, Staatsverschuldung]

17 17 Gemeinsinn: Qualität des sozialen Zusammenhalts (Gallup World Poll) Umwelt: Luftverschmutzung, Wasserqualität Gesundheit: Lebenserwartung, Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands ….

18 Aufgabe Wählen Sie 2 Länder, mit denen Sie einigermassen vertraut sind, und vergleichen Sie deren Better life-Index der OECD. Spiegelt dieser Index Ihre Eindrücke wider? Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft 18

19 Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt 19 1.Korrektur des BIP um wohlfahrtssteigernde und –schmälernde Aspekte 2.Amaturenbrett von Indikatoren (neben BIP weitere nicht monetäre Indikatoren zum ökologischen, gesellschaftlichen, ökonomischen Zustand und Entwicklung ( z.B. Emissionen, Schulbildung, Arbeitslosigkeit etc.) 3.Einzelne oder gebündelte soziale oder ökologische Indikatoren Beispiele: a)Human Development Index b)Bhutans Gross National Happiness-Indikator (www.grossnationalhappiness.com/articles/; c)Happy Planet-Index d)Ecological Footprint

20 Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt in der CH 20 * Umweltgesamtrechnung Lit: BFS, Die Umweltgesamtrechnung, Neuchâtel 2008, 16 Seiten * Nachhaltigkeitsindikatoren * Ökologischer Fussabdruck * Schweizer Fussabdrücke gestützt auf planetare Belastbarkeitsgrenzen * Internationale Messungen, z.B. a) EUROSTAT - Indikatoren für nachhaltige Entwicklung b) OECD Better Life Index (s. Folie oben)

21 Exkurs: ambivalente Interpretation von Nachhaltigkeitsindikatoren 21 Lachat et al. 2010, S Der Wandel der Biodiversität von 1900–2010 und prognostizierte Veränderungen bis 2020

22 Verwandte Themen zu Alternative Messkonzepte für wirtschaftliche Wohlfahrt 22 Bedürfnisse der Menschen (Bedürfnisse, Präferenzen, Wohlfahrtsökonomie) Glücks-/Zufriedenheitskonzepte (Wert- und Glücksforschung) Externe (ökologische, soziale) Kosten des Wirtschaftens Wohlstandsmodelle

23 Weiterführende / Zitierte Literatur Binswanger, M. (2006). Die Tretmühlen des Glücks. Freiburg i.B.: Verlag Herder. Costanza, R., et al. (1997). An Introduction to Ecological Economics. Boca Raton, Florida, St. Lucie Press. Diefenbacher, H., et al. (2013). NWI Weiterentwicklung und Aktualisierung des Nationalen Wohlfahrtsindex. Endbericht zum Vorhaben UM Heidelberg / Berlin, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Forschungsstelle für Umweltpolitik. Gertner, J. (2010). The Rise and Fall of the G.D.P. The New York Times. New York. Krausmann, F. et al. (2009). "Growth in global materials use, GDP and population during the 20th century." Ecological Economics 68(10): Lachat, T., et al., (Hg.) (2010). Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900: Ist die Talsohle erreicht? Bern, Haupt Verlag. Murphy, D. J. and C. A. S. Hall (2010). "Year in review—EROI or energy return on (energy) invested." Annals of the New York Academy of Sciences 1185(1): Nelson, J. A. (2009). "Between a rock and a soft place: Ecological and feminist economics in policy debates." Ecological Economics 69(1): 1-8. Weimann, J., Knabe, A., & Schöb, R. (2012). Geld macht doch glücklich. Wo die ökonomische Glücksforschung irrt. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL 23

24 Aufgabe für 5. Veranstaltung (Thema: Wirtschaftswachs- tum und Wachstumskritik) 1)lesen: Seidl, I./Zahrnt, A. (2010): Argumente für einen Abschied vom Paradigma des Wirtschaftswachstums, Metropolis-Verlag, Marburg, S )lesen: Victor, P. (2010). Questioning economic growth. Nature 468: Fragen: 1)Worin sehen Seidl/Zahrnt die Gründe für das Festhalten am Wachstumsparadigma? 2)Worin decken sich die Argumente von Seidl/Zahrnt und Victor, worin nicht? Freiwillig: Debatte in NZZ am zu «Wachstum ohne Ende»: Seidl, I./Zahrnt, A.: «Die Wachstumsgesellschaft ist ein Auslaufmodell» versus Rutz, S./Schwarz, G.: «Wachstum, ein natürliches Phänomen». TED-Talk zum Thema: Robert Gordon: The death of innovation, the end of growth Filme: Wachstum - Was nun? (Sacré croissance) von Marie-Monique Robin (ARTE Doku) Growth busters Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL 24


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