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Rassismuskritische Perspektiven auf Sprachpraxen und Migrationsgesellschaft Wien 30.11.2010 Dr. Claus Melter Universität Innsbruck.

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1 Rassismuskritische Perspektiven auf Sprachpraxen und Migrationsgesellschaft Wien Dr. Claus Melter Universität Innsbruck

2 Wissenschaft erforscht nicht nur das, was und warum bestimmte Phänomene so sind, wie sie einer bestimmten Perspektive sind oder zu sein scheinen, sie erzeugt ausdrücklich oder indirekt durch Themensetzungen, Erklärungen, Begriffe und Konzepte auch immer das Bild einer Gesellschaft wie sie ihrer Meinung nach ist, sein sollte oder könnte.

3 Die Aufgabe der Wissenschaft ist Erkenntnis. Erkenntnis muss immer mit sozialer Verantwortung verbunden sein. Die Aufgabe der Wissenschaft ist – so meine Position - das Gewinnen von Erkenntnissen in Verbindung mit dem Ringen um und Streben nach gerechteren Verhältnissen sowie der machtkritischen Reflexion beider Tätigkeiten

4 1.Einleitung: Was meint rassismuskritische Perspektiven? 2.Ein Verständnis von Rassismus 3.Normative und faktische Funktionen des Bildungssystems 4.Rassismuskritische Perspektiven auf Sprachpraxen 5.Rassismuskritische bildungsbezogene Empfehlungen

5 1. Einleitung: Was meint rassismuskritische Perspektiven?

6 Analytisches Grundmodell Sozioökonomische materielle Position von Klassen Ressourcen und Schichten Macht Ungleicher Zugang zu sozialer Wertschätzung Diskriminierende Unter- scheidungen auf der Bildung Grundlage von Personen- kategorien und Gruppen- Beruflichen klassifikationen Karrieren „Perspektivischer Dualismus: Verknüpfung und Interdependenz beider Ebenen, es sind jedoch keine „aufeinander reduzierbare Formen sozialer Privilegierung und Benachteiligung.“ (Scherr 2010: 36)

7 There should be no step behind intersectionality Most studies are empirically poor Ann Phoenix Ethnisierung, Gender sowie Klassen-/Schichtzugehörigkeit zusammen und zusammenhängend denken

8 Sozioökonomische materielle Position von gegenderten Ressourcen und ethnisierten Schichten und Klassen Bildung Ungleicher Zugang zu berufliche Karrieren Diskriminierende Unter- scheidungen mit dem Mittel Macht Gender- und Class-bezogener, natio-ethno-kultureller soziale sowie rassialisierender Wertschätzung Zugehörigkeitszuschreibungen und Staatsangehörigkeitsbezogener Verfahrenspraxen RK - P. Macht- und herrschaftskritisches interdependentes analytisches Grundmodell

9 Bei Rassismuskritik geht es darum, eine Perspektive, ein Analysemodell vorzustellen, um in bestimmter Weise auf die Praxis zu schauen und sie zu analysieren - und möglicherweise anzustreben, sie zu verändern. Diskriminierung und Rassismus sind schwierige Themen. Niemand will diskriminiert werden oder gehört bekommen, (möglicherweise) diskriminiert zu haben. Und es geht nicht vor allem darum, anklägerisch Schulen und LehrerInnen individuell Rassismus oder Diskriminierung als Delikt nachzuweisen. Es geht um die Frage, ob und wie welche praktizierten Unterscheidungen, Verfahren und Handlungspraxen systematisch zu Benachteiligungen führen und ob und wie dies verändert werden soll und kann.

10 Rassismuskritik Die Begriffe ethnische Diskriminierung und vor allem Rassismus sind insbesondere in Österreich und Deutschland umstritten. Es besteht im „postnationalsozialistischen Deutschland“ (Messerschmidt) und in Österreich die Schwierigkeit, erfahrungsbezogen, sachlich und lösungs-orientiert über Rassismus zu sprechen. Die wenigen Debatten zu Rassismus drehen sich oft um die Frage, ob dieser tatsächlich praktiziert wird, und selten darum, wie dieser systematisch z.B. in Bildungsinstitutionen und auf dem Arbeitsmarkt oder rechtlich (z.B. im Asylrecht) minimiert werden kann

11 Rassismuskritik und Pädagogik In Österreich und Deutschland gibt es noch wenig rassismuskritische Strategien, Konzeptionen (Ausnahmen: Bausteine zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit; Spurensicherung u.a.), Übungen und Erfahrungen von rassismuskritischer Praxis Es gibt oft normative Vorstellungen, wie rassismuskritische oder diversity orientierte Pädagogik sein sollte, und wenig Evaluation/ Praxisforschung ambitionierter Projekte oder Schulversuche in rassismuskritischer Perspektive Entwickelte rassismuskritische Theorie und große Schwierigkeiten bei der Übertragung und Umsetzung der Theorie in die Praxis.

12 2. Ein Verständnis von Rassismus

13 Ständig gefragt werden, Phänomene Sorge um Aufenthaltstitel haben müssen Woher kommst du? Österreich Von MitschülerInnen, LehrerInnen,KollegInnen,Vorgesetzten als „fremd“, „anders“, nicht dazugehörig behandelt werden (und diskriminiert werden). Nur als RepräsentatntIn einer Kultur/Religion gesehen werden Ständige Trennung in „Einheimische“ und „Ausländer/innen“ Als potentieller Gewalttäter/Macho oder als unterdrückt angesehen werden Nicht wertgeschätzt werden Qualifikationen werden nicht / Lehrende haben wenig Leistungs- schwer anerkannt/nostrifiziert erwartung in Migrationsgeanderte Geringere Chancen in Schule Nicht in alle Diskos reinkommen und auf dem Arbeitsmarkt häufigere Polizeikontrollen Negativberichterstattung in Ständige Verschärfung Den Medien über „AusländerInnen“ Asyl- und Fremdenrecht Körperliche Übergriffe, Sich fragen (müssen), ob etwas rassistisch gemeint ist Beleidigungen, abwertende Blicke Wahlerfolge offen rechtsextremer/ rassistischer Parteien

14 Wie kann das Zusammenspiel dieser Phänomene benannt werden? Möglicherweise macht eine theoretische Fassung in einem Konzept auch keinen Sinn. Ergebnisse einer „natürlichen Angst vor dem Fremden“, ist es Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Xenophobie, Rechtsextremismus oder Rassismus?? Welche Begriffe beinhalten welche Erklärungen, Theorien und Konsequenzen

15 Stereotype : vereinheitlichende Konstruktion von Gruppen, verallgemeinernde Zuschreibungen in Bezug auf Eigenschaften und Fähigkeiten Vorurteile: vereinheitlichende Konstruktion von Gruppen, verallgemeinernde Zuschreibungen in Bezug auf Eigenschaften und Fähigkeiten und negative Wertung Diskriminierung/ Ausgrenzung: vereinheitlichende Konstruktion von Gruppen, verallgemeinernde Zuschreibungen in Bezug auf Eigenschaften und Fähigkeiten, negative Wertung und ausgrenzende Handlung Diskriminierungspraxen, die systematisch praktiziert werden, können zu Herrschaftsverhältnissen führen Rassismus, Sexismus, Disablism, ausgrenzende Klassenverhältnisse, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus, Antiziganismus

16 Rassismus verstanden Nicht nur als „falsches Vorurteil“ Nicht nur als Problem individueller Haltungen Nicht als „natürliche Angst vor dem Fremden“, da „Fremde“ und „Eigene“ immer neu konstruiert werden Nicht nur als Problem benachteiligter, irre geleiteter, manipulierter Gesellschaftsteile Nicht nur kapitalistisches Ablenkungsmanöver Sondern auch historisch überdauernde Erzählung und natio-ethno-kulturelles und an „Rase“-Konstruktionen anschließende machtvolle Einteilungspraxis vorwiegend „weißer“ europäischer Mehrheiten, mit dem Effekt, Privilegien zu behalten und als „anders“ definierte Gruppen auszubeuten, zu benachteiligen, prekär leben zu lassen oder gar zu töten

17 Elemente einer Rassismusdefinition Von Personen hergestellte, gesellschaftlich veränderbare Machtverhältnisse. Diese beziehen sich - im Wechselverhältnis und in Verwobenheit zu Machtverhältnissen wie Kapitalismus und Sexismus - auf zugeschriebene Gruppenzugehörigkeiten zu konstruierten ‚Kulturen‘,,Ethnien‘‚ ‚Rassen‘ oder Nationen Zuweisung von angeblich unveränderlichen Eigenschaften, Handlungspraxen und Einstellungen zu Gruppen(angehörigen) Hierarchisierung der Gruppen gemäß dem eigenen Privilegienerhalt oder zur Erlangung von mehr Macht Systematisch ausgrenzende oder benachteiligende Handlungen gegenüber der als „ethnisch anders“ definierten“ Gruppe

18 3. Normative und faktische Funktionen des Bildungssystems

19 Schulsystem als sozialer und beruflicher Platzanweiser Ethnische und klassenbezogene Schichtung auch reproduziert durch hierarchisierte Schulformen und Schulabschlüsse. Es handelt sich um ein Selektionssystem im Kapitalismus, der nicht mehr alle benötigt, aber eine Hierarchisierung der Gruppen, eine generelle Leistungsbereitschaft und dies mittels der Ideologie der Selbstverantwortung und der Meritokratie (Mythos der leistungsgerechten Behandlung und gleicher Möglichkeiten aller) mit ihrer und unserer eventuell widerständigen Unterstützung realisiert

20 Normativer Auftrag des Erziehungssystems: Gleiche Förderung aller SchülerInnen (Chancengerechtigkeit statt Chancengleichheit) Gesellschaftliche Funktion: Reprduktion der Schichtung entlang nationaler/ ethnischer/ geschlechtsspezifischer/ rassialisierender/ einkommensbezogener Kriterien Wessen und welche Erziehung für welche SchülerInnen? Ist Benachteiligung und Ausgrenzung wirklich unerwünscht?

21 Nationaler gesamtgesellschaftlicher Rahmen Ebene der Bundesländer, Kommunen und Gemeinden Ebene der gesamten Schule Ebene der Schulklassen/ des Unterrichts EinzelschülerIn und Familie Beteiligte: Schulverwaltung, Schulleitungen, LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen, LehrerInnenausbildung, außerschulische Bildung, Gesetze und Erlasse Welche Ebenen beeinflussen Ein- und Ausgrenzungen in Schulen?

22 „Diskriminierungsgelegenheiten“ Sprachliche Förderung Kindergarten/ Vorschule Zulassung zur Einschulung Überweisung auf andere Schulform Individuelle und gruppenbezogene Förderung in der Klasse (u.a. Sprache) Akzeptanz Sprachenvielfalt – Vernetzung in Gemeinden Individuelle Elternarbeit – Kooperation Elterngruppen Information über Schulsystem und Fördermöglichkeiten Schulleitbild, Schulregeln und deren Anwendung Leistungsbeurteilung und individuelle Lernplanung

23 Wohnumfeld Einkommensverhältnisse Bildungsstand der Eltern Chancengerechte Schule für alle? Einzugsgebiet der Schule Sprachfähigkeiten im Deutschen und anderen Sprachen Formen institutioneller Diskriminierung Ungleiche Aufenthaltstitel und BürgerInnenrechte Individuelle Lernplanung und Förderung?

24 4. Rassismuskritische Perspektiven auf Sprachpraxen

25 Sprache und Bildung sind wichtig, sie verhindern jedoch keine rassistische Diskriminierung im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt. Sie erhöhen jedoch Erfolgschancen und die Möglichkeit, sich zu artikulieren, sich bei Bedarf zu wehren

26 Alle Sprachen sind in ihrer Herkunft, von ihren Worten und Wortbedeutungen international Wir sprechen alle nationalsprachliche Mischsprachen und zudem kontextspezifisch anders. Unterrichtsbezogene Verständigung ist wichtig, und kann auch mehrsprachig und gemischtsprachlich erfolgen

27 Die Spracherwerbsforschung besagt, dass das Erlernen der Erstsprache in Schrift und Sprechpraxis sowie Grammatik und Syntax für den Erwerb einer Zweit- und Drittsprache förderlich ist. Eine die ganze Schulzeit begleitende Sprachförderung ist hilfreich – für alle, also auch HerkunftsösterreicherInnen (funktionaler Analphabetismus – sinnverstehendes Lesen - ca. 20 Prozent in Österreich).

28 Neo-Linguizismus - verstanden als Negativstellung und Abwertung von Minderheitensprachen - „ist – zusammengefasst - durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet (…): Der Neo-Linguizismus argumentiert mit Geboten statt Verboten („Wir halten uns alle daran Deutsch zu sprechen“). Der Neo-Linguizismus argumentiert mit dem Nutzen für die Andern, für die „Beherrschten“ („Es ist für die Jugendlichen gut, auf dem Schulhof Deutsch zu sprechen“).

29 Der Neo-Linguizismus sieht den Einbezug der „sprachlich Anderen“ programmatisch vor; sie werden nicht schlicht exkludiert, sondern durch eine bestimmte Sprachen ausschließenden Inklusion ihrer Disposition beraubt („Die Kinder sollen mit Türkisch keine Zeit verlieren, sondern lieber Deutsch lernen“). Der Neo-Linguizismus arbeitet nicht mit den Bildern der „Sonnentheorie“; Deutsch wird nicht als die glänzende Krönung dargestellt, aber auf eine bestimmte Weise zum unerreichbaren Standard erhoben, die der sprachlichen Realität nicht entspricht („Es müssen Briefe geschrieben werden, auch wenn im Alltag alles per SMS erledigt werden kann“). Der Neo-Linguizismus ignoriert die multilingiale Realität der Gesellschaft und verkennt die Potenziale verschiedener Sprachen („German only“).“ (Dirim 2010: 109)

30 Wie das Schul- und Bildungssystem so ändern, dass es sich für eine breite Bildung und Förderung aller Gruppen in der Gesellschaft zuständig sieht und diesen Anspruch realisiert?

31 5. Rassismuskritische bildungsbezogene Empfehlungen

32 Perspektive institutionelle Diskriminierung auf Schul- und Bildungssystem anwenden: Sprachliche Förderung Kindergarten/ Vorschule Zulassung zur Einschulung -Abschaffung von Schulformen-Überweisung auf andere Schulform Individuelle und gruppenbezogene Förderung in der Klasse (u.a. Sprache) Akzeptanz Sprachenvielfalt – Vernetzung in Gemeinden Individuelle Elternarbeit – Kooperation Elterngruppen Information über Schulsystem und Fördermöglichkeiten Schulleitbild, Schulregeln und deren Anwendung Leistungsbeurteilung und individuelle Lernplanung

33 Wahrnehmung der Perspektiven und Unterstützung derjenigen, die im Alltag Rassismuserfahrungen machen Kenntnis ausgrenzender Gesetzgebung Qualifizierung in Ausbildungen in Bezug auf rassismuskritische Haltung und Kompetenz und auf Sprachförderung Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus Auseinandersetzung mit institutionellen und persönlichen Konflikten und Vermeidungsstrategien Auseinandersetzung mit institutioneller Diskriminierung und Machtverhältnissen in der Schule Auseinandersetzung mit ambitionierten Schulprojekten

34 Qualität in multikulturellen Schulen QUIMS Kantonales Schulentwicklungsprojekt Zürich Schulen mit hohem Anteil eingewanderter SchülerInnen Verbesserung Lernprozesse in der Schule Verbesserung Lernprozesse in der Familie Angepasste Lernbeurteilung und Förderplanung Förderung Sprache der Eltern und des Deutschen Bessere Förderkompetenzen der LehrerInnen Markt- und Wettbewerbsmechanismen nicht im Vordergrund

35 Bausteine von QUIMS Zürich Verstärkung der Leistungsförderung Verstärkung der Sprachförderung Angepasste Lernbeurteilung und Leistungsförderung Einbezug und Mitwirkung der Eltern Schul- und familienergänzende Lernanregungen Schulkultur der Anerkennung

36 Ein Beispiel: Raum für Sprechen über Rassismuskritik: Örtliches, zeitliches, inhaltliches Setting und Themen festlegen Halber bis ganzer Tag, In oder außerhalb der Einrichtung (verhandelbar) Auseinandersetzung als Prozess und Dialog Ziel, alle auf gleichem/ähnlichem Wissensstand bzw. auf Grundverständnis einigen: gemeinsames Kernverständnis von Rassismus, alle finden es relevant, sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen Wort „Rassismus“ aussprechen, ohne das alle zusammenzucken Sensibilisieren, rasismuskritischer Raum notwendig Gemeinsame Definition Einverständniserklärung/Teamentscheid; Selbstreflexion und Aussage zu Parteilichkeit

37 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

38 Analytisches Grundmodell Sozioökonomische materielle Position von Klassen Ressourcen und Schichten Macht Ungleicher Zugang zu sozialer Wertschätzung Diskriminierende Unter- scheidungen auf der Bildung Grundlage von Personen- kategorien und Gruppen- Beruflichen klassifikationen Karrieren „Perspektivischer Dualismus: Verknüpfung und Interdependenz beider Ebenen, es sind jedoch keine „aufeinander reduzierbare Formen sozialer Privilegierung und Benachteiligung.“ (Scherr 2010: 36)

39 Qualität in multikulturellen Schulen QUIMS Kantonales Schulentwicklungsprojekt Zürich Schulen mit hohem Anteil eingewanderter SchülerInnen Verbesserung Lernprozesse in der Schule Verbesserung Lernprozesse in der Familie Angepasste Lernbeurteilung und Förderplanung Förderung Sprache der Eltern und des Deutschen Bessere Förderkompetenzen der LehrerInnen Markt- und Wettbewerbsmechanismen nicht im Vordergrund

40 Bausteine von QUIMS Zürich Verstärkung der Leistungsförderung Verstärkung der Sprachförderung Angepasste Lernbeurteilung und Leistungsförderung Einbezug und Mitwirkung der Eltern Schul- und familienergänzende Lernanregungen Schulkultur der Anerkennung

41 Ein Beispiel: Raum für Sprechen über Rassismuskritik: Örtliches, zeitliches, inhaltliches Setting und Themen festlegen Halber bis ganzer Tag, In oder außerhalb der Einrichtung (verhandelbar) Auseinandersetzung als Prozess und Dialog Ziel, alle auf gleichem/ähnlichem Wissensstand bzw. auf Grundverständnis einigen: gemeinsames Kernverständnis von Rassismus, alle finden es relevant, sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen Wort „Rassismus“ aussprechen, ohne das alle zusammenzucken Sensibilisieren, rasismuskritischer Raum notwendig Gemeinsame Definition Einverständniserklärung/Teamentscheid; Selbstreflexion und Aussage zu Parteilichkeit

42 Rassismuskritische pädagogische Haltung Aufgrund der Kritik an antirassistischen Ansätzen wurde der Begriff der „rassismuskritischen pädagogischen Perspektive“ (Mecheril 2004, S. 206) entwickelt. Deren Grundzüge lauten: - mehr (Verteilungs- und Repräsentations-) Gerechtigkeit - Rassismuskritisches Auftreten/ Performanz - Vermittlung von Wissen über Rassismus - Thematisierung von Zugeh ِ örigkeitserfahrungen - Reflexion rassistischer Zuschreibungsmuster - Dekonstruktion binärer Schemata. (vgl. Mecheril 2004, S. 206)

43 Differenzieren und ergänzen lassen sich folgende Aspekte - Wahrnehmung von und Kommunikation über Rassismuserfahrungen, - Auseinandersetzung mit emotionalen Aspekten von Rassismuserfahrungen als Angehörige der Mehrheitsgesellschaft und als Personen, die Zielscheibe von Rassismen sind, - Auseinandersetzung mit aufenthaltsrechtlichen Fragen und institutionellem Rassismus und Rassismus auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem - Auseinandersetzung mit der eigenen Positionierung und zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit, - Vermittlung von Wissen über die Konstruktion von Weißsein und Schwarzsein - Auseinandersetzung mit Privilegien und Ausgrenzung.

44 Es „muss“ in rassismuskritischer Perspektive eine Kernaufgabe werden, mit anderen Institutionen zu kooperieren und gemeinsame Förderkonzepte zu entwerfen und umzusetzen. Es braucht ein kommunales Gesamtkonzept. Im Widerstand gegen Rassismus/Ungerechtigkeit oft Erfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wie damit umgehen, dass Ungerechtigkeit praktiziert wird und ich alleine wenig machen kann? Wie gehen AdressatInnen mit Rassismus um? Was stärkt AdressatInnen? Reflektieren des möglichen Scheiterns von Veränderungsansätzen. Wie mit eigener Ohnmacht als BeraterIn umgehen? Was stärkt mich?

45 Sprechen und Zuhören, Gelegenheiten und Rahmenbedingungen Schaffen, Ziele und Strategien überlegen bezüglich Rassismus und Rassismuserfahrungen Sich Informieren, Interesse zeigen, Sich thematisch positionieren Diskriminierung/Ausgrenzung, Rassismus zum Thema machen Gesprächsmöglichkeiten anbieten, nicht erzwingen Anerkenntnis der Möglichkeit von Ausgrenzung/Rassismus und der damit verbundenen Erfahrungen, Emotionen, Gefühle, Umgangsweisen Nachfragen Eigene Gedanken, Gefühle, Reaktionen wahrnehmen und versuchen selbstkritisch und reflektiert und pädagogisch professionell (parteilich/ nicht parteiisch) damit umzugehen. Situation und Interessen der Gesprächspartnerin/des Gesprächspartners gemeinsam klären Gemeinsam Ziele und Handlungsstrategien entwickeln

46 Migrationssensible und rassismuskritische Ausrichtung der Verwaltungspolitik und der Personalentwicklung BürgerInnenorientierte Vergabe von Migrationssensible und Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen rassismuskritische Orientierung pädagogischer Ausbildungen Förderung und Mitbestimmung von Migrationssensible Eingewanderten und Herkunftsdeutschen Fortbildungen für MitarbeiterInnen Migrationssensible und rassismuskritische Soziale Arbeit Gemeinwesenorientierung und Vernetzung Migrationssensible und benachteiligungskritische Öffnung von Kindertagesstätten. Jugendhilfe und Schule Überprüfung Zielgruppenadäquate Handlungsbedarf Orientierung und Strategien Verbesserung der Sprachfähigkeiten der Beteiligten/ einfacher Zugang zu Sprachfördermöglichkeiten in Deutsch und Herkunftssprachen Öffentliche Sichtbarmachung der migrationssensiblen und rassismuskritischen Orientierung Methodenvielfalt in der Sozialen Arbeit

47 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

48 Wer kann von BeraterInnen/PsychologInnen/ LehrerInnen/PädagogInnen bei einer oftmals auf Anpassung und Ausgrenzung ausgerichteten Politik, Bei einem auf Selektion angelegtem Schulsystem, bei nicht migrationssensibel und nicht rassismuskritischen ausgerichteten Lehrplänen, Beratungssettings, Ausbildungen und Curricula, bei nicht migrationssensibel geöffneten und nicht rassismuskritischen Schulen, Ausbildungen, Studiengängen, Fortbildungen und Einrichtungen sowie deren Personalpolitik und deren Konzeptionen, bei nicht migrationssensibel und nicht rassismuskritischen Supervisionen und Teamberatungen ernsthaft migrationssensibel und rassismuskritischausgerichtetes sowie Institutionen selbstreflexives Handeln erwarten?

49 Systematische, beabsichtige Benachteiligung im Bildungssystem, Unterscheidung Ethnizität, Einkommensverhältnisse Verantwortungsdelegation Schule will sich nicht ändern, das sollen SchülerInnen und Eltern Es muss gesellschaftliches Projekt werden, etwas gegen Diskriminierung in Bildungssystem und auf Arbeitsmarkt zu schaffen. Es muss Kernaufgabe der Institutionen werden, Ungerechtigkeiten auszugleichen bzw. zu vermeiden

50 Es muss Kernaufgabe werden, mit anderen Institutionen zu kooperieren und gemeinsame Förderkonzepte zu entwerfen und umzusetzen. Es braucht ein kommunales Gesamtkonzept. Im Widerstand gegen Rassismus/Ungerechtigkeit oft Erfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wie damit umgehen, dass Ungerechtigkeit praktiziert wird und ich alleine wenig machen kann? Wie gehen Jugendliche damit um?

51 Kommunales Antidiskriminierungs- büro Anerkennungspraxen von (Aus- )Bildungsabschlüssen Fachhochschule, Schulen, Arbeitsamt, Ausländerbüro Wahlrecht für Eingewanderte Partizipationsrechte von Eingewanderten Integrationsbeirat Auseinandersetzung mit Institutioneller Diskriminierung im Bildungsbereich Umsetzung der Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in der Stadt (z.B. Zugang zu Diskotheken) Partizipations- und Antidiskriminierungsperspektive in Bezug auf Integration Interkulturelle Öffnung von Verwaltung und Sozialen Regeldiensten Kompetenzerhöhung und Quotierungen Mehrsprachigkeit in Verwaltung und Bildung Ziele, Kriterien, Zuständigkeiten, Partizipationsregelungen und Zeitpunkte Liberaler Umgang bei der Vergabe von Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis

52 Interventionsmöglichkeiten gegen Rassismus Person, die Rassismus erlebt, kontaktieren Sach- und Beziehungsebene wechseln Nachfragen Mit eigener Meinung argumentieren Dazwischen-Treten Eigene Unsicherheiten und Ängste Ängste vor Konfrontation und Beziehungsabbrüchen

53 Was tun gegen institutionelen Rassismus Zuhören, wenn Jugendliche darüber berichten Sich über Rechtsfragen informieren Nachfragen und Dokumentieren ZeugInnen dazu holen Gegenseite die Möglichkeit zur Darstellung geben (z.B. schriftlich) Sich als Institution interessiert und gegenüber Rassismus solidarisch zeigen Eventuell Jugendlichen bei Gespräch begleiten oder Öffentlichkeit organisieren (Klassenkonferenz, Infoabend, Podiumsdiskussion)

54 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

55 Wie können wir vom „Wissensschatz“ anderer Kulturen lernen? Gedanken zum Thema Interkulturalität Ist der Begriff Interkulturalität noch zeitgemäß? Begriffliche Weiterentwicklung? Wodurch abgelöst? Verhältnis Begriff Interkulturalität zu Diversity? „Multikulturelle“ Gesellschaft? Gibt es in einer Gesellschaft viele Kulturen? Welche Vor- und Nach-teile hat es kulturelle Traditionen von SchülerInnen zu thematisieren?


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