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Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Dr. Heinz Rüegger MAE Fachtagung: Interkulturelle Seelsorge Zürich, 14. Juni 2010.

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1 Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Dr. Heinz Rüegger MAE Fachtagung: Interkulturelle Seelsorge Zürich, 14. Juni 2010

2 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 1. Zur Fragestellung Ich verstehe die Fragestellung meines Vortrags so: Wie gehen wir in einer seelsorglichen Beziehung mit Unterschieden - der Kultur (Sprache, Bildung, Lebensformen), - der Ethik (Vorstellungen des Gebotenen/Verbotenen), - der Theologie (religiöse Vorstellungen) oder - der Spiritualität (Ausprägung der Glaubenspraxis) um, die eine Fremdheit zwischen den in der seelsorg- lichen Interaktion verbundenen Gesprächspartnern darstellen.

3 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 2. Erfahrungsbereiche von Fremdheit in der Seelsorge Sudanesisch-muslimische Patienten in unserem Spital Patientenautonomie bei Patienten aus Kollektivkulturen Umgang mit Demenzkranken: Demenz als „Zivilisation zweiter Ordnung“ (Th.Klie) Beratung bzgl. Abtreibung eines Trisomie 21-Föten Beratung bei sexualethisch divergenten Positionen Begleitung einer jüdischen Heimbewohnerin

4 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Seelsorge (Kasualien) bei bewusst Nichtglaubenden Begleitung einer Heimbewohnerin (Chrischona- Mitglied) durch eine liberal-feministische Seelsorgerin  Die Frage des Umgangs mit Fremdem stellt sich nicht erst im Kontakt mit Ausländern + Gläubigen fremder Religionen. Sie ist für Seelsorge in einer pluralistischen Welt, im volkskirchlichen Rahmen und an öffentlichen Institutionen alltäglich relevant.

5 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3. Sechs Punkte zum Umgang mit der eigenen Identität in der seelsorglichen Begegnung mit Fremden Ich verstehe Seelsorge ganz formal und allgemein als einen Dialog über existenzielle Fragen im Dienste der Identitätsfindung, der Lebensorientierung und Lebensgestaltung. Dabei unterscheide ich - kerygmatisch-spirituelle Seelsorge (Glauben) - weisheitlich-philosophische Seelsorge (Lebenskunst) - psychologisch-therapeutische Seelsorge (Gesundheit)

6 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3.1 Sich der Fremdheit des andern bewusst werden, seine Alterität respektieren In einer postmodernen gesellschaftlichen Situation des strukturellen Pluralismus und Individualismus wird besonders deutlich, was grundsätzlich immer gilt: Mein seelsorgliches Gegenüber ist ein Anderer, eine von mir Unterschiedene, mir letztlich Fremde – wieviel uns auch gemeinsam verbinden mag. (Sir 33,11) Das hilft zur Abwehr vereinnahmender, unter das eigene Ich subsumierender Tendenzen der Seelsorgenden, gerade in Beziehungen mit sozialem Gefälle.

7 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Dieses Anderssein ist vorerst nicht zu werten, sondern einfach als Phänomen ernst zu nehmen. Das bedingt, dass ich mir die Partikularität meiner eigenen Wurzeln und Prägungen bewusst mache. Die andere Person bleibt, auch wenn sie mir zum ‚Nächsten‘ wird – eine Fremde! Christoph Schneider-Harpprecht spricht deshalb von der notwendigen „Hermeneutik des Unverständnisses“.

8 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3.2 Versuch, den andern in seiner Selbstdeutung zu verstehen Voraussetzungen solch empathischen Verstehens sind: - Gemeinsamkeiten des Menschseins (‚Schnittmenge‘), die trotz bleibender Fremdheit Verstehen und Nähe ermöglichen; - ein Interesse am andern um seiner selbst willen.  Es geht darum, das Gegenüber von seinen Voraus- setzungen her nach seiner Selbstdeutung zu verstehen. Wertungen von eigener Prägung der Seelsorgenden her müssen vorerst eingeklammert bleiben.

9 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Seelsorge als eine Art Gastfreundschaft (Rolf Zerfass): dem anderen Zeit, Zuwendung, Wohlwollen, Akzeptanz gewähren. In der Medizinethik steht dafür das Fundamentalprinzip der Patientenautonomie und die Aufgabe des Eruierens des mutmasslichen Patientenwillens. Das hat nichts zu tun mit einer postmodernen Gleich- Gültigkeits-Toleranz, sondern - mit dem Willen, Fremde und Fremdes zu verstehen - und mit der Bereitschaft, eigene Wertungen vorerst einmal einzuklammern. Das ist oft nicht leicht!

10 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3.3 Das eigene Anderssein bewusst wahrnehmen Ein solches Zugehen auf Fremde - in Akzeptanz von deren Alterität und - im Versuch, sie unter Einklammerung eigener Wertungen nach ihrer Selbstdeutung zu verstehen, führt auf Seiten der Seelsorgenden zur bewussten Wahrnehmung der eigenen Prägung, des eigenen Andersseins. Daran können sich drei Reaktionsweisen anschliessen, die – je nach Situation und Konstellation – alle angemessen oder unangemessen sein können.

11 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3.4 Modell „kulturbestätigende Seelsorge“ Hier wird der in 3.2 beschriebene Schritt des Versuchs, die Selbstdeutung des andern zu verstehen, normativ weiter geführt im Versuch, dem anderen zu helfen, seine Identität, seinen Weg, seine Orientierung im Rahmen seiner eigenen Kultur/Theologie/Ethik zu klären. Bei grosser Übereinstimmung kann die Seelsorgerin das ‚von innen‘ (bzgl. des gemeinsamen Bezugs- systems) tun. Bei grösserer Fremdheit wird sie es als Gesprächspartnerin ‚von aussen‘ tun.

12 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Dabei können durchaus Elemente der eigenen Tradition/Position/Wertorientierung eingebracht werden, von denen die Seelsorgende annimmt, dass sie mit dem Deutungshorizont des Gegenübers kompatibel sind. Seelsorge in öffentlichen Institutionen in einem pluralistischen gesellschaftlichen Kontext wird auf weite Strecken diesem Modell folgen. Grundannahme: Breites Feld gemeinsamer Verständi- gungsmöglichkeit (trans-kulturell, inter-religiös).

13 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Dies gilt v.a. für die Perspektive einer weisheitlich- philosophischen Seelsorge, wohl auch für eine psychologisch-therapeutische Seelsorge. Hier dominiert das paulinische Prinzip aus 1Kor 9,19- 23: den Juden ein Jude werden, den Griechen ein Grieche; allen alles werden. Grundstossrichtung: Ich helfe dem andern, seinen Weg und seine Identität gemäss seinem eigenen kulturellen Bezugsrahmen klarer zu erkennen. Grenze: Wo ich einen Aspekt der Kultur des andern als schädlich bewerte.

14 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3.5 Modell „kulturvariierende Seelsorge“ Hier geht es um die Problematisierung gewisser Aspekte der kulturellen Identität des anderen in der Absicht, von der eigenen Position/Prägung/Kultur/ Wurzeln der Seelsorgenden her eine alternative Option ins Spiel zu bringen und die bisherige Kultur des andern zu verändern. Das Anderssein des Seelsorgenden wird – kultur- sensibel, unaufdringlich, aber selbstbewusst – als Chance zur Veränderung des Gegenübers eingebracht.

15 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Die Begegnung mit dem Fremden bekommt (u.a.) den Charakter der Herausforderung und Auseinander- setzung. Hier gewinnt das paulinische Prinzip Bedeutung: allen alles werden, „damit ich einige gewinne“ (κερδαινειν), wobei nicht primär Einverständnis gesucht wird: das Evangelium, für das Paulus sein Gegenüber gewinnen will, ist für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit (1Kor 1,23f).

16 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Dieser Aspekt prägt insbesondere die kerygmatisch- spirituelle Seelsorge, die im landeskirchlichen Mainstream der Seelsorge heute eher marginal geworden sein dürfte – jedenfalls in Begegnungen mit Fremden. Dabei ist die Chance und Legitimität ebenso wie die Grenze und Problematik des verkündigend- missionarischen Anspruchs im Auge zu behalten. Dies geschieht nur dort, wo auch der folgende Aspekt zum Tragen kommt (Pkt. 3.6)!

17 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 3.6 Modell „lernbereite Seelsorge“ Aus der Erfahrung mit dem Fremden, Anderen kommt es zu einer Infragestellung gewisser Aspekte meiner eigenen Identität/Überzeugung/Kultur mit der Folge, dass ich mich in meiner eigenen (kulturellen, spirituellen, ethischen) Prägung verändern lasse. Seelsorge im Zeichen von Herausforderung und Auseinandersetzung muss die Bereitschaft der Seelsorgenden einschliessen, sich selbst verändern zu lassen.

18 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden 4. Seelsorge als Begegnung mit Fremden unter der Annahme der Geistesgegenwart Gottes Interkulturelle Seelsorge geschieht unter der Annahme der Transzendenz Gottes gegenüber jeder Kultur/ Religion (= kritisches Moment). Interkulturelle Seelsorge geschieht unter der Annahme, dass Gott an und durch alle Menschen/Religionen/ Kulturen handeln kann (= konstruktives Moment).

19 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Interkulturelle Seelsorge sieht den konkreten Anderen in seiner Alterität als jemand an, an dem und durch den Gott handelt – ubi et quando visum est Deo. Darum sind im Umgang mit den eigenen Wurzeln in der Begegnung mit Fremden immer alle drei Reaktions- weisen als Möglichkeit offen zu halten: - Einklammerung, um den andern in seiner Prägung zu bestätigen; (3.4) - Einbringen des Eigenen und Problematisierung von Fremdem (3.5); - Veränderung von Eigenem durch die Begegnung mit dem Fremden (3.6).

20 H. Rüegger, Unsere eigenen kulturellen und ethischen Wurzeln im Umgang mit Fremden Besten Dank für die Aufmerksamkeit!


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