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Zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Lehren aus der Vergangenheit Dr. Sebastian Braun (Institut für Weltwirtschaft) 4. Februar 2016.

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Präsentation zum Thema: "Zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Lehren aus der Vergangenheit Dr. Sebastian Braun (Institut für Weltwirtschaft) 4. Februar 2016."—  Präsentation transkript:

1 Zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Lehren aus der Vergangenheit Dr. Sebastian Braun (Institut für Weltwirtschaft) 4. Februar 2016

2 2 Überblick 1.Arbeitsmarktintegration in der Vergangenheit: Sechs Thesen 2.Flüchtlinge heute: Günstige Rahmenbedingungen und große Herausforderungen 3.Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Handlungsoptionen

3 These 1: Die Integration in den Arbeitsmarkt braucht Zeit.

4 4 #1 Heimatvertriebene in Westdeutschland: Arbeitslosenquote von Vertriebenen und Nicht-Vertriebenen, Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung

5 5 #1 Heimatvertriebene in Westdeutschland: Unterschiede zwischen Vertriebenen und Nicht-Vertriebenen, 1971: Erste Generation Quelle: Bauer/Braun/Kvasnicka (2013)

6 6 Quelle: IAB (2015) #2 Flüchtlinge in Deutschland, 2013: Beschäftigungsquote von Zuwanderern im Zeitverlauf, nach Zugangsweg in Prozent

7 7 #3 Flüchtlinge in DK, GB, S, 2000er Jahre Beschäftigungsquoten im Zeitverlauf Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen braucht auch in anderen europäischen Ländern Zeit (IAB, 2015). In Schweden dauerte es ab dem Zuzug länger als fünf Jahre bis die Hälfte der Flüchtlinge in Beschäftigung war. In Dänemark waren fünf Jahre nach Anerkennung 63 Prozent der Flüchtlinge in Beschäftigung oder Ausbildung. In Großbritannien war 21 Monate nach Anerkennung rund die Hälfte der Flüchtlinge in Beschäftigung.

8 8 #4 Flüchtlinge in europäischen OECD-Ländern, 2008 Beschäftigungsquoten im Zeitverlauf Quelle: EU Labour Force Survey 2008

9 These 2: Weibliche Flüchtlinge sind zunächst deutlich seltener beschäftigt als männliche Flüchtlinge.

10 10 #1 Flüchtlinge in Deutschland, 2014 Geschlechterspezifische Beschäftigungsquoten Stichprobe: Asylberechtige und anerkannte Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Sri Lanka, Syrien im Alter von Jahren. Über alle Herkunftsländer hinweg sind 49,8% der Männer, aber nur 11,5% der Frauen erwerbstätig. Nicht-erwerbstätig sind 49,9% der weiblichen und 7,0% der männlichen Flüchtlinge. Frauen aus dem Irak (65,7%) und Syrien (62,9%) sind zu fast zwei Dritteln nicht auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Quelle: BAMF (2016)

11 11 #2 Flüchtlinge in GB, S, 2000er Jahre Beschäftigungsquoten im Zeitverlauf (in Prozent) SchwedenGroßbritannien Jahre seit Zuzug MännerFrauenMonate seit Anerkennung MännerFrauen Quelle: IAB (2015)

12 These 3: Flüchtlinge üben häufig Tätigkeiten mit geringem bis mittlerem Qualifikationsniveau aus. Auch Höherqualifizierte sind zunächst oft unterhalb ihres Bildungsniveaus beschäftigt.

13 13 Vor der Flucht Nach der Flucht Quelle: Stat. Monatshefte Schleswig-Holstein (1950) #1 Heimatvertriebene in Schleswig-Holstein: Berufliche Umschichtung

14 14 #2 Flüchtlinge in Deutschland, 2013/4 Lohnniveau und Tätigkeitsbereiche Von Flüchtlingen aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Sri Lanka, Syrien am häufigsten genannte Tätigkeitsbereiche (BAMF, 2016): Gastronomie: insbesondere Küchenhilfe. Verpackung, Lagerung, Logistik und Transport: insbesondere Lagerarbeiter, Gabelstaplerfahrer, Lastkraftwagenfahrer, Paketbote. Reinigung: insbesondere Gebäude-, Glas-, Industriereinigungs- tätigkeiten, Reinigung von Fahrzeugen und Textilien. Herstellung und Verkauf von Lebensmitteln: Bäcker, Konditoren, Metzger, Imbissverkäufer.

15 15 Das Durchschnittseinkommen von vollzeiterwerbstätigen Flüchtlingen ist im ersten Zuzugsjahr gut 25% niedriger als das von anderen Migranten, nach 15 Jahren immer noch um 15% (IAB, 2015). Quelle: BAMF (2016) #2 Flüchtlinge in Deutschland, 2013/4 Lohnniveau und Tätigkeitsbereiche

16 16 Für die USA kommen Cortes (2004) sowie Cortes und Chin (2014) zu günstigeren Ergebnissen: Das Jahreseinkommen von in die USA gekommenen Flüchtlingen liegt zunächst 10 Prozent unter dem von anderen Zuwanderern. Bereits im Jahr 1990 übertrifft das Jahreseinkommen von Flüchtlingen das anderer Zuwanderer um 24 Prozent. Der relative Einkommenszuwachs hält auch in den 1990er und 2000er Jahren an. #3 Flüchtlinge in den USA, Jahreseinkommen

17 These 4: Es gibt—zumindest kurzfristig—einen Konflikt zwischen Aufnahmeleistung und Integration. Dagegen dürften auch bei weiter steigenden Flüchtlingszahlen einheimische Arbeitskräfte kaum vom Arbeitsmarkt verdrängt werden.

18 18 #1 Heimatvertriebene in Westdeutschland: Vertriebenenanteil und Arbeitslosenrate der Vertriebenen, 1950

19 19 #2 Zuwanderer in D, DK, GB, IT, NL, NO, US: Ethnische Konzentration und Bildungs-/Arbeitsmarkterfolg Hohe ethnische Konzentration kann die Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern erschweren (IAB, 2015). Integration wird insbesondere durch ethnische Netzwerke mit niedrigem Bildungsniveau behindert. Ethnische Netzwerke mit hohem Bildungsniveau können dagegen Anreize für Aus- und Weiterbildung stärken. Eine hohe Konzentration von Zuwandererkindern, insbesondere aus bildungsfernen Familien, kann die Schulleistungen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund beeinträchtigen (Jensen, 2015).

20 These 5: Die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Land kann bestenfalls eine kurzfristige Lösung sein.

21 21 Quelle: Pfeil (1958) Die Unterbringung der Heimatvertriebenen auf dem Land, fern ab der industriellen Zentren Deutschlands, erschwerte die wirtschaftliche Integration. Viele Heimatvertriebene kehrten Schleswig-Holstein daher den Rücken. In den 1950er Jahren verlor das Land über 10% seiner Bevölkerung. #1 Heimatvertriebene in Westdeutschland: Erwerbslosigkeit Heimatvertriebener 1950, nach Siedlungsregion

22 These 6: Da vielen Flüchtlingen der Weg ins Heimatland versperrt ist, äußern viele eine dauerhafte Bleibeabsicht. Diese langfristige Perspektive erhöht wiederum die Anreize, in Humankapital zu investieren.

23 23 #1 Flüchtlinge in Deutschland, 2014 Bleibeabsicht nach ausgewählten Herkunftsländern (in %) Quelle: BAMF (2016)

24 Flüchtlinge heute: Günstige Rahmenbedingungen und große Herausforderungen

25 25 Günstige Rahmenbedingungen: Geringe Arbeitslosigkeit Quelle: Bundesagentur für Arbeit Arbeitslosenquote in Deutschland im Jahresdurchschnitt von 1995 bis 2015

26 26 Günstige Rahmenbedingungen: Demografischer Wandel Altersstruktur in Deutschland, Quelle: Statistisches Bundesamt (2015)

27 27 Günstige Rahmenbedingungen: Schwarze Null Quelle: Deutscher Bundestag (2015) Ausgaben und Einnahmen nach dem Finanzplan des Bundes von 2009 bis 2019 (in Milliarden Euro) Jüngste Prognosen des IfWs gehen davon aus, dass die jährlichen Gesamtausgaben bei Milliarden Euro liegen (IfW, 2015).

28 28 Große Herausforderungen: Geringe berufliche Bildung Gemeldete erwerbsfähige Personen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach beruflicher Bildung, Juni 2015 Quelle: IAB (2015)

29 29 Große Herausforderungen: Lebenssituation nach ausgewählten Herkunftsländern (%) Quelle: IAB (2015) Quelle: BAMF (2016)

30 30 Steuer-Transferbilanz in 2012 geborener Kinder ausländischer Eltern, nach wirtschaftlicher Integration Summe der bis an das Lebensende gezahlten Steuern und Beiträge abzüglich der in Anspruch genommenen Sozialleistungen. Gegenwartswert unter Annahme einer Diskontrate von 3% pro Jahr. Quelle: Bonin (2014).

31 Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Handlungsoptionen

32 32 Erste Generation 1.Schnelle Schaffung von Rechtssicherheit 2.Qualifikation, Spracherwerb, Kontakte Koordination von Arbeitsvermittlung und Betreuung; Erfassung beruflicher und sprachlicher Kenntnisse Qualifikationsfeststellung und Anerkennung beruflicher Qualifikationen Kürzere und praktisch orientierte Ausbildungsangebote oftmals besser geeignet als dreijährige Vollausbildung Maßgeschneiderte Sprachkurse so früh wie möglich Kontakte zur einheimischen Bevölkerung so früh wie möglich (dezentrale Unterbringung, Zivilgesellschaft) 3.Keine weitere Erhöhung des Mindestlohns 4.Aussetzung von Beschäftigungsverbot und Vorrangprüfung

33 33 Ein Blick nach Finnland Finnland führte 1999 ein Integrationsprogramm für arbeitslose Zuwanderer ein, darunter viele Flüchtlinge. Kern des Programms waren bedarfsgerechte Sprachkurse und andere Trainingsprogramme. Mit Erfolg: Das Programm erhöhte das Gesamteinkommen der Teilnehmer/innen in den 2000er Jahren um 47% und verringerte die Höhe der Sozialleistungen um 13%. Die Integrationsangebote des Bundes reichen bisher jedoch nur für einen Bruchteil der Flüchtlinge. Quelle: Sarvimäki und Hämäläinen (2015)

34 34 Zweite Generation Die Integrationschancen der Flüchtlingskinder sind ungleich besser. Der tägliche sprachliche Austausch mit Kindern ohne Migrationshintergrund ist hier die wichtigste Integrationsmaßnahme. Deshalb sollten möglichst alle Kleinkinder frühkindliche Einrichtungen besuchen. Gerade Zuwandererkinder nehmen frühkindlichen Bildungsangeboten aber nur selten wahr (Cornelissen et al. 2015). Langfristig erscheint es sinnvoll, allen Kindern ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Platz in einer Betreuungseinrichtung anzubieten. Auch Grundschulkinder sollten von Anfang an in die normalen Regelklassen integriert werden, mit begleitenden Sprach- und Unterstützungsmaßnahmen.


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