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1. Motive monastischer Theologie Monastische Theologie -Lectio – meditatio – oratio als Einheit - Statt dem scholastischen „Credo, ut intelligam“ sagen.

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1 1. Motive monastischer Theologie Monastische Theologie -Lectio – meditatio – oratio als Einheit - Statt dem scholastischen „Credo, ut intelligam“ sagen die Mönchstheologen wie Bernhard v. Clairvaux und Wilhelm v. St. Thierry: „Credo, ut experiar.“ -Nicht Erkenntnis, sondern Erfahrung steht im Mittelpunkt monastischer Theologie -Bonaventura: Mystik als „cognitio Dei experimentalis“ -Vergleich Scholastik – Monastik: Gotische Kathedralen – romanische Abteikirchen -Hohe Zeit der monastischen Theologie ist das 11./12. Jh. -Bernhard v. Clairvaux gilt gemeinhin als Vater der Mönchstheologie VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth

2 1. Motive monastischer Theologie a. Die Entstehung monastischer Bildung -Die monastische Bildung und Frömmigkeit geht in ihrem Kern auf Benedikt zurück, näherhin auf seine im 6. Jh. entstandene Regel und die „Vita Benedicti“ Gregors d. Großen -Kloster als „Schule für den Dienst des Herrn“ (RB, Prolog 45) -Lectio divina: Lesung und Meditation (legere = audire) -Apprendre par coeur = auswendig lernen (auch heute noch für das persönliche Gebet der Psalmen eine wichtige Form) -In den benediktinischen Klöstern wurden sowohl das Studium als auch das Gebet gepflegt -Liebe zu Gott als Hauptinhalt (solus amor als Prinzip monastischen Lebens) -Gregor gilt neben Benedikt als zweiter großer Lehrer der monastischen Bildung (schlägt die Brücke vom patristischen Zeitalter zur monastischen Kultur des Mittelalters) -Die Suche nach Gott und die Vereinigung mit Gott sind die großen Themen vom Gregors Mystik und werden auch die großen Themen des Mittelalters sein VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 2

3 1. Motive monastischer Theologie b. Die Quellen monastischer Bildung -Die wichtigsten literarischen Quellen sind die Heilige Schrift, das Studium der Väter, und die Beschäftigung mit der klassischen Kultur -Jean Leclercq: „Verlangen nach dem Himmel“ -Im Kloster verstand man sich als Gemeinschaft, deren Ziel das himmlische Jerusalem ist (Kloster als vorweggenommenes Jerusalem) -„Engelgleiches Leben“ (Vita angelica) - Sehnsuchtsspiritualität – Gabe der Tränen -„Epektase“ (Gregor von Nyssa, Petrus Damiani): „Immer verlangend und immer gesättigt“ -Erste Quelle ist die Hl. Schrift: Es ging den Mönchen darum, den gelesenen Text aus der Bibel durch lautes Lesen und Hören gleichsam auszukosten und wiederkäuend zu meditieren (Lectio, meditatio und ruminatio bilden also eine Einheit) -Geschmack des Textes auskosten, Methode des „Wiederkäuens“ VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 3

4 1. Motive monastischer Theologie b. Die Quellen monastischer Bildung -Einbildungskraft des mittelalterlichen Autors: Die Bilder der Heiligen Schrift (Braut, Lamm, Quelle, Weg, etc.) erzeugen in ihm neue Bilder und lassen ihn so immer tiefer mit allen Sinnen in das Geheimnis Gottes eindringen -Eigentümlichkeit der monastischen Exegese besteht darin, dass der Wortsinn und der sogenannte „mystische Sinn“ nie auseinander gerissen werden (interessant ist dabei auch, dass das AT dabei fast noch eine größere Rolle spielt als das NT) -Das AT wird instrumentalisiert und meist direkt auf das NT, die Erfüllung der Sehnsucht in Jesus Christus, bezogen (inzwischen gibt es in der heutigen Exegese auch wieder Stimmen, die fordern, dass man das AT nicht auf Kosten des NT lesen darf) -Die wichtigsten alttestamentlichen Texte für die monastische Theologie waren die Psalmen, das Buch Ijob und v. a. das Hohelied, in dem das Grundprogramm des monastischen Lebens, die leidenschaftliche Suche nach Gott („quaerere Deum“) am vollendetsten zum Ausdruck kam VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 4

5 1. Motive monastischer Theologie b. Die Quellen monastischer Bildung -Neben die Heilige Schrift tritt als zweite große Quelle der monastischen Spiritualität die Religiosität der Väter -Spiritualität des Ostens: Apophthegmata patrum -Origenes als eine Art unsichtbarer Kirchenvater für die monastische Theologie, weil man in seinen Bibelkommentaren das gleiche Verlangen nach Innerlichkeit spürte wie man selbst es empfand -Dritte Quelle der monastischen Religiosität ist die klassische Kultur (Horaz, Ovid, Vergil) -Vor allem Vergil galt im Mittelalter (noch bei Dante) wegen der Formvollendetheit seiner Verse und der Ankündigung der Geburt eines Knaben als „nicht weit von der Wahrheit entfernt“ (Laktanz), also als quasi-christlich -„Man darf den Einfluss der klassischen Überlieferung auf die monastische Bildung des Mittelalters weder verkleinern noch übertreiben“ (Leclercq) -„monastischer Humanismus“, der sich aber weniger auf die Inhalte als auf die Form bezieht VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 5

6 1. Motive monastischer Theologie c. Die Früchte monastischer Bildung -Zu den Früchten monastischer Bildung gehören zunächst die schriftlichen Werke, welche die Mönche hinterließen. Diese waren weniger theoretischer als praktisch-pastoraler Natur: große Geschichtswerke, Predigten, Reden, Briefe und Sammlungen verschiedener Autoren -Innerhalb der Geschichtsschreibung spielte die Hagiographie eine besondere Rolle (wichtig ist v.a. der Nutzen für die geistliche Lebensführung, nicht die Wahrheit oder Authentizität der Erzählungen) -Hoher Stellenwert der Predigt (bewusst einfach gehalten), Ausdruck der Gottesfreundschaft -Briefe: Trostbriefe, Freundschaftsbriefe (Sinn der Mönche für Humor, Gedanken über die geistliche Freundschaft bei Aelred v. Rielvaux) -Literaturform des Florilegiums: „Ein Büchlein, zusammengestellt aus Worten der Heiligen Schrift und Väterworten, geschrieben besonders für alle, die das kontemplative Leben lieben“ (Johannes v. Fécamp († 1078)) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 6

7 1. Motive monastischer Theologie d. Fazit -Statt reiner Wissenschaft (oder besser: über die Wissenschaft hinaus) setzt die monastische Theologie – allen voran Bernhard – die Heiligkeit: „Nicht das Disputieren begreift, sondern die Heiligkeit.“ -Monastische Theologie als „confessio“, als Akt des Glaubens (Leclercq) -Die Themen monastischer Theologie kreisen immer um zwei große Bereiche: um das Geheimnis des Heils, also die „objektive Seite“ der Beziehung zwischen Gott und Mensch, wie sie in der Heiligen Schrift dargestellt und in der Liturgie gelebt wird; und um die Vereinigung der menschlichen Seele mit Gott, also die „subjektive“ Seite der Gottesbeziehung -Für uns heute ist die Beschäftigung mit monastischer Theologie und Spiritualität nicht nur ein Kennenlernen einer vergangenen christlichen Frömmigkeitsform aus dem Mittelalter (das auch), sondern Impuls für die eigene Spiritualität und die eigene Art und Weise des Theologietreibens. -Es geht darum, Theologie und Spiritualität, Studium und geistliches Leben, Wissenschaft und geistliche Erfahrung wieder zusammenzubringen VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 7

8 Gestalten monastischer Bildung a.Bernhard von Clairvaux ( ) -„Chimäre seiner Generation“ -Kirchenpolitiker, der sowohl im Kampf gegen Gegenpäpste und neue Häretiker stand, als auch (in den Jahren 1146/47) einen neuen Kreuzzug predigte Geboren als Sohn eines frommen burgundischen Ritters von niederem Adel (hochgebildet) Bekehrungserlebnis Eintritt (mit 25 Freunden und 4 Brüdern) in das arme und relativ neue Kloster Cîteaux ein, das 1098 von Robert von Molesmes als Reformkloster gegründet worden war (Bernhard ist somit nicht der Gründer des Zisterzienserordens, doch markiert sein Eintritt einen Wendepunkt in der Geschichte der Zisterzienser) Abt (wir mit zwölf Mönchen zur Gründung von Clairvaux ausgesandt) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 8

9 Gestalten monastischer Bildung a. Bernhard von Clairvaux ( ) -Um 1128: De diligendo Deo -ab 1130: Bernhard wird immer mehr in das religiöse und politische Leben Frankreichs und bald auch ganz Europas involviert -Teilnahme an Synoden; Auseinandersetzung mit Abaelaerd ( † 1142); Kreuzzugspredigten -ab 1135: Beginn der Hoheliedpredigten (Sermones super cantica canticorum) -Papstspiegel De consideratione ad Eugenium papam (Mahnschrift an Papst Eugen III.) -20. August 1153: Öffentlicher Tod, umringt von vielen Äbten und Bischöfen (war schon zu Lebzeiten eine Legende und wurde als Heiliger verehrt) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 9

10 Gestalten monastischer Bildung a. Bernhard von Clairvaux ( ) -Kennzeichen der Mystik Bernhards: Betonung der Erfahrung, Bibelzentriertheit, Christozentrik -Beschreibung einer eigenen mystischen Erfahrung (SC 74,5f): „Ich bekenne, das Wort ist auch zu mir gekommen – in meiner Torheit sage ich das –, und zwar mehrmals. (…) Niemals hat es seinen Eintritt durch irgendwelche Anzeichen kundgetan. (…) Einzig aus der Bewegtheit meines Herzens erkannte ich seine Gegenwart, und an dem Verschwinden der Laster und dem Verstummen der fleischlichen Leidenschaften bemerkte ich seine mächtige Kraft. In dem Aufstöbern und Entlarven meiner geheimen Regungen bewunderte ich die Tiefe seiner Weisheit. (…) Und beim Anblick all dieser Dinge geriet ich in Schrecken über seine Gewalt der Größe.“ -Die Vereinigung mit dem Wort, sprich Gott, geschieht – wenn überhaupt – zu seltener Stunde und ist immer von kurzer Dauer (rara hora, parva mora) -Motiv des Gottgenießens (frui Deo) ist kein Selbstzweck -Ansätze einer Kreuzes- und Nachfolgetheologie im Leiden -4 Hauptwerke: De gradibus humilitatis et superbiae, De diligendo Deo, Sermones super Cantica canticorum, De consideratione ad Eugenium papam VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 10

11 Gestalten monastischer Bildung a. Bernhard von Clairvaux ( ) Über die Stufen der Demut und des Stolzes (De gradibus humilitatis et superbiae) -Antwort auf die Bitte von Gottfried von La Roche, der seinerzeit zugleich mit ihm die Welt verlassen hatte und Gründungsabt von Fontenay war -Christus ist selbst das beste Beispiel der Demut; doch ist die Demut Christi eigentlich ein Ziel, das wir nie ganz erreichen werden -Erkenntnis der eigenen Schwachheit ist ein Gebot der Vernunft -Zwölf Stufen des Stolzes: Erste Stufe ist die Curiositas als Neugier bzw. eitlen Eifer, mehr wissen zu wollen, als die Hl. Schrift und die Tradition vorgeben -Weitere Stufen des Stolzes: oberflächliche Gesinnung, grundlose Heiterkeit, die sich in grundlosem Lachen erweist, Prahlsucht, Eigenbrötelei, Arroganz, Anmaßung, Verteidigung der Sünden, heuchlerische Beichte und Rebellion -Innerklösterliche Probleme (Gebet für einen Ausgetretenen?) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 11

12 Gestalten monastischer Bildung a. Bernhard von Clairvaux ( ) De diligendo Deo -Antwort auf die konkrete Anfrage des päpstlichen Kanzlers Haimerich, wie Gott denn geliebt werden solle: „Ihr wollt also von mir wissen, warum und wie Gott geliebt werden soll. Ich antworte: Der Grund, Gott zu lieben, ist Gott. Das Maß ist, ohne Maß zu lieben“ (DD I, 1). -Vier Stufen der Liebe: sich selbst lieben um seinetwillen; Gott lieben um des Menschen willen; Gott lieben ohne direkte Wünsche oder Forderungen; Gott und sich selbst lieben um Gottes willen -Auf dieser Stufe, die Bernhard mit der unio mystica in Beziehung bringt, ist auch von der „Vergottung“ die Rede: „So erfüllt zu werden heißt, vergottet zu werden. Wie ein kleiner Wassertropfen, in viel Wein gegossen, ganz seine Natur zu verlieren scheint“ (DD X, 28). -Unterschied zwischen Gott und Mensch bleibt bestehen -Die Unio mystica geschieht „zwar selten, aber doch zuweilen; oder auch nur einmal und dies ganz plötzlich, im Zeitraum eines einzigen winzigen Augenblicks“ (DD X, 27) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 12

13 Gestalten monastischer Bildung a. Bernhard von Clairvaux ( ) Hoheliedpredigten -Bernhard begann damit erst um 1135 und schrieb an ihnen bis zu seinem Tod 1153 (Frucht seiner eigenen, jahrelangen Erfahrung mit Gott) -Teilhabe an der Erfahrung, Jubel im Herzen, Braut-Bräutigam -Keine genaue Exegese des Hoheliedes -Immer wieder persönliche, autobiographische Erfahrungen -„Ich scheue mich nicht, zu bekennen, dass auch ich häufig, v.a. zu Beginn meiner Bekehrung, im Herzen hart und kalt und am Suchen war, wen meine Seele lieben wollte“ (SC 14,6). -„Es gibt einen Raum, wo man Gottes in seiner Stille und Ruhe gewahr wird. Das ist nicht der Raum, wo Gott als Richter oder als Lehrer, sondern wo er als Bräutigam begegnet“ (SC 23,15). -Insgesamt kann man die Hoheliedpredigten Bernhards als die reifste Frucht seiner Mystik bezeichnen; Motto und Ziel: „Mein Bemühen geht nicht so sehr dahin, Worte auszulegen, wie Herzen zu erfüllen“ (SC 16,1) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 13

14 Gestalten monastischer Bildung a. Bernhard von Clairvaux ( ) De consideratione ad Eugenium papam -In fünf Büchern gibt Bernhard hier Papst Eugen III. ( ) verschiedene Betrachtungspunkte an die Hand -Selbst- und Gotteserkenntnis -Selbsterkenntnis: „Dass Du erhoben wurdest, können wir nicht verhehlen, aber zu welchem Zweck Du erhoben wurdest, das will bedacht sein. Ich denke nicht: um zu herrschen“ (DC II, 6, 9). -Sorge und Eifer für das Volk; keine Herrschaft, sondern Dienst -Gotteserkenntnis: „Das Geheimnis ist groß, es ist zu verehren, nicht zu durchforschen“ (DC V, 8, 18). -Das Eigentliche lehrt nicht die Theologie, sondern die Erfahrung: „Wir möchten wohl noch weiter nach Dem suchen, der noch nicht hinreichend gefunden ist und nie genug gesucht werden kann. Doch wird er durch Gebet wohl würdiger gesucht und leichter gefunden als durch Reden. So sei denn dem Buch ein Ende gesetzt, aber kein Ende des Suchens“ (DC V, 14, 32) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 14

15 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik -Vielfalt zisterziensischer Spiritualität: „Stimmen von Cîteaux“ -Geboren um 1080 in Lüttich -trat um 1113 zusammen mit seinem Bruder Simon in die Benediktinerabtei Saint-Niçaise bei Reims ein -Bereits 1120 Abt von St. Thierry bei Reims -Begegnung mit Bernard 1124 auf dem Krankenlager (wollte deshalb seine Abtswürde niederlegen und Zisterzienser werden, aber Bernhard wies dieses Ansinnen ab) -In diese Zeit der inneren und äußeren Auseinandersetzung fallen die sehr persönlich gehaltenen Meditationen und Gebete Wilhelms -Gegen den Willen Bernhards trat Wilhelm dann 1135 doch in die zisterziensische Neugründung Signy in den Ardennen ein und wurde einfacher Zisterziensermönch VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 15

16 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik -Wichtige Werke -Orationes meditativae -Hohelied-Kommentar ( ) -Epistola aurea (Brief an die Kartäuser von Mont-Dieu nahe Reims), vollkommener Führer der monastischen Spiritualität -Wilhelm starb am 8. September 1148, 5 Jahre vor Bernhard -Kennzeichen des Lebens Wilhelms: Er wurde von Bernhard und den ersten Zisterziensern von einem scholastischen zu einem monastischen Leben bekehrt -Grundthema der Mystik Wilhelms: Gottebenbildlichkeit des Menschen -Platonisch-neuplatonisches Element -Ästhetisch-kontemplatives Element -Christologisches Element -Familiäres Element -Zirkuläres Element VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 16

17 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik -Die meditativen Gebete Wilhelms sind 13 kurze Texte, die eine Mischung aus Gebet, Meditation, Argumentation, seelsorgerliche Rede und biographischer Erfahrung sind -Ähneln, was die Ergriffenheit des Autors betrifft, in manchem den Bekenntnissen des Augustinus („Theologie der unerfüllten Sehnsucht“) -„Ich bitte dich, schenke denen, die über dich meditieren, schreiben oder sprechen, einen nüchternen Sinn, genaue und treffende Worte! Schenke uns ein Herz, dass in der Sehnsucht nach Dir, Jesus, brennt, damit wir die Schriftstellen verstehen, in denen von dir die Rede ist“ (OM III, 3-4). -Die Sehnsucht nach Gott wird konkretisiert in der Liebe zu Christus -Ähnlich wie bei Bernhard zeigt sich bei Wilhelm ein neuer Typ menschlicherer Frömmigkeit dadurch, dass die Menschheit Jesu, v.a. seine Passion und sein Tod am Kreuz im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen -Wir sollen also den Weg gehen über den, der uns ähnlich ist, über Jesus Christus: „Mach’ mich so wie Jesus“ (OM 10) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 17

18 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik -Kampf mit Gott, Erziehung durch Gott akzeptieren -„Ich werde dir auch weiter tragen helfen, so wie ich es bisher getan habe. (…) Einen Teil Liebe hast Du schon bekommen. Entweder hast Du es nicht gemerkt, oder du bist undankbar. (…) Bist du nicht ganz schön weit gekommen? Hast du nicht bereits eine ganze Menge empfangen?“ (OM XIII, 11) -Geistmystik und unio mystica (die mystische Einigung mit Gott, ist für Wilhelm v.a. eine unitas spiritus, eine Einheit im Geiste): „Unsere Liebe zu Gott ist der Heilige Geist.“ -Intellectus amoris: Wechselseitigkeit von Liebe und Wissen auf der höchsten Stufe der Einheit mit Gott; diese Stufe ist ein reines Geschenk; die Liebe selbst ist die Erkenntnis -Fazit: Wilhelm geht in seiner Spekulation über das Wesen der Einheit bzw. der unio mystica weiter als Bernhard (wohl auch aufgrund seiner theologischen Bildung, die es ihm erlaubte, tiefe Spekulationen über die Trinität anzustellen) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 18

19 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik -„Stimmen von Citeaux“ (Bernard McGinn) sind Zeugen einer Blüte der Mystik im 12. Jh.: Guerric von Igny (um ), Isaak von Stella (um 1100-ca.1175), Aelred von Rievaulx (um ) Guerric von Igny -Belgier, der zuerst als Dozent an der Kathedralschule von Tournai unterrichtete, dann aber 1121 in Clairvaux eintrat und 17 Jahre lang Schüler Bernhards war wurde er zum Abt von Igny (Diözese Reims) gewählt -Überliefert sind v.a. Predigten, in denen er die Festge- heimnisse des Kirchenjahres auf das geistliche Leben der Menschen anwendet -Adventspredigt: „Wirklich auf den Herrn warten: das bedeutet, ihm selbst dann die Treue halten, wenn uns der Trost seiner Gegenwart entzogen ist.“ VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 19

20 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik Guerric von Igny -Christologische Ausrichtung seiner Mystik -Osterpredigt: „Es genügt mir, wenn Jesus lebt! Wenn er lebt, lebe auch ich, denn von ihm hängt meine Seele ab. Er ist selbst mein Leben, er ist selbst mein Genügen. Denn was könnte mir fehlen, wenn Jesus lebt?“ -Lehre von der Gottesgeburt in der Seele -Weihnachtspredigt: „Ihr alle seid Mütter des Kindes, das uns geschenkt ist. Wache also, heilige Mutter, hüte sorgfältig dein Kind, bis Christus ganz in Dir Gestalt annimmt, der dir geboren ist.“ -Ansprache auf das Fest Maria Verkündigung: „Sieh die unaussprechliche Herablassung Gottes und zugleich die unbegreifliche Kraft des Geheimnisses. Er, der dich geschaffen hat, ist nun in dir geschaffen. Als ob es ihm zu wenig wäre, dein Vater zu sein, will er dich auch noch zur Mutter machen.“ VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 20

21 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik Isaak von Stella -Engländer, der zunächst als Hochschullehrer in Frankreich wirkte, bis er 1142 in das Kloster Stella (Diözese Poitiers) Eintrat Abt von Stella legt er sein Amt nieder und zieht sich in eine Art freiwilliges Exil in das kleine Kloster Chateliers auf der Insel Ré vor der Atlantikküste zurück (Todesdatum unbekannt) -Gilt theologisch und politisch unter den Zisterziensern als Außenseiter -Seine Predigten sind deswegen von Bedeutung, weil sie den Menschen als geistlichen Wesen genau in den Blick nehmen („mystische Anthropologie“) -Erkannte die Zwiespältigkeit des menschlichen Herzens: „Jeder von uns ist zugleich sehend und blind, jeder ist auf den Beinen und liegt zugleich am Boden. Wir sind von Grund auf zwiespältig und geteilt“ (28. Predigt) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 21

22 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik Isaak von Stella -„Ich bin als Person ein einziger Mensch. Und doch finde ich in mir zwei Söhne vor, (…) einen Sohn des Menschen und einen Sohn Gottes. Von Natur aus bin ich ein Sohn des Menschen, und in meinem Äußeren ist dieses menschliche Bild zu sehen. Von Gnade aus bin ich ein Sohn Gottes, und in meinem Inneren trage ich sein Bild und Gleichnis“ (27. Predigt) -Ein geistlicher Mensch „kann nicht ständig fliegen; deshalb ist es wichtig, dass er im Stande ist, fest mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen“ (4. Predigt) -Das zweite Charakteristikum der Mystik Isaaks ist die negative Theologie -„Wer niemals das Licht geschaut hat, der hat auch keine Ahnung davon, wie tief die Finsternis sein kann“ (1. Predigt). -„Ich möchte auf keinen Fall einen Gott haben, der sich nach meinem Belieben für mich ändert und von seinem einmal gesprochenen wahren Wort abweicht“ (36. Predigt). -Trotz der negativen Theologie bleibt aber Jesus Christus das Ziel VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 22

23 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik Aelred von Rievaulx -„Bernhard des Nordens“ -Um 1110 geboren Am Hof von David von Schottland Mönch, 1140 Priester, 1142 Novizenmeister Abt in Revesby (Lincolnshire), 1147 Abt in Rievaulx (Diözese York) -hat in England seiner Zeit beträchtlichen geistlichen und politischen Einfluss ausgeübt, und war einer der wenigen Zisterzienser, der auch über rein weltliche Angelegenheiten schrieb -Wichtigste Werke -Speculum Caritatis (Spiegel der Liebe), ein Handbuch für Novizen -De spirituali amicitia (Über die geistliche Freundschaft), einer der populärsten Texte der frühen Zisterzienser Tod in Rievaulx VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 23

24 Gestalten monastischer Bildung b. Wilhelm von St. Thierry und die Zisterziensermystik Aelred von Rievaulx -Bedeutung der brüderlichen Nächstenliebe und der Freundschaft auf dem Weg zur Einigung mit Gott (Ps 133, 1: „Seht, wie lieblich und gut ist es, wenn Brüder in Eintracht beisammen wohnen!“) -Die geistliche Freundschaft (für Aelred immer die Freundschaft unter den Mönchen/Männern im Kloster) ist ein Weg zu Gott -Homoerotische Neigung? -Es geht Aelred mit seiner geistlichen Freundschaft um dasselbe wie Bernhard mit seiner Brautliebe, nämlich um die höchste Form der menschlichen Liebe als Modell für unsere Beziehung zu Gott (Freundschaftsmystik – Brautmystik) -Irgendwann muss man lernen, den Freund loszulassen, um sich ganz in die Arme Jesu zu werfen -Bleibend wichtig ist die Beobachtung, dass das Erfahrungswissen von Gott auf Erden in der Freundschaft verwurzelt ist (neue Dimension im traditionellen Verständnis von Mystik) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 24

25 2. Franziskanische Spiritualität -Franziskus als Gestalt des Mystikers par excellence -Poverello, Stigmatisierung -Franziskanische Spiritualität behandelt aber auch Männer und Frauen, die ihm folgten - Klara von Assisi, Angela von Foligno, Thomas von Celano, Bonaventura -Spiritualität unterscheidet sich von der spezifisch monastischen Spiritualität eines Bernhard von Clairvaux -Franziskus ist in eine Zeit hinein geboren worden, in der spiritualitätsgeschichtlich die Betrachtung der Menschheit und v.a. des Leidens Christi und die Begeisterung für das Heilige Land, die sich in der Kreuzzugsidee zeigte, viele Menschen ergriffen hatte -Ideal ist das unbehauste Leben eines Pilgers und Kreuzfahrers (die Brüder sollen „Pilger und Fremdlinge in dieser Welt“ sein, „dem Herrn in Armut und Demut dienen“ und „voll Vertrauen um Almosen bitten gehen“) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 25

26 2. Franziskanische Spiritualität a.Franziskus – Mystiker und Prophet -war im Hl. Land und in Ägypten bei Sultan Al Malik, um inmitten der Kreuzzugsmentalität für den Frieden zu werben -musste Kompromisse hinsichtlich der Ordensregel eingehen, die sein eigentliches Anliegen etwas verwässerten, aber aufgrund der praktischen Umsetzung bzw. Lebbarkeit der neuen Spiritualität auch verständlich sind – Beispiel: Gemeinsames Stundengebet -Helmut Feld: Papst Gregor IX. als „Totengräber des Franziskus“ -erstens, weil er den Bau der prachtvollen Grabeskirche des Franziskus veranlasste (was sein Armutsideal gleichsam konterkarierte) -zweitens, weil er ihn schon zwei Jahre nach seinem Tod zu den Ehren der Altäre erhob und damit aus Franziskus einen Heiligen unter anderen in der katholischen Kirche machte und so die einzigartige Sprengkraft seines Lebens nahm -drittens, weil er das Testament, das den ursprünglichen Willen des Franziskus enthielt als unverbindlich für den Orden erklären ließ -Unterschied Bullierte Regel (schriftlich bestätigt durch Bulle „Solet annuere“ von 1223) – Nichtbullierte Regel (nur mündlich vom Papst bestätigt, dafür ausführlicher und näher an der franziskanischen Idee) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 26

27 2. Franziskanische Spiritualität a. Franziskus – Mystiker und Prophet Vier Kennzeichen der Spiritualität des Franziskus 1.Minoritas, „Mindersein“, „Minderbrüder“ -Es geht um „das Geringersein der Brüder als alle übrigen Menschen“ -Grundlage seiner Bekehrung war keine geistige oder intellektuelle Erkenntnis, sondern die konkrete Begegnung mit einem Aussätzigen -Sendung zu den Armen, Niedrigen und Ausgestoßenen (mit dieser Sendung sollen die Brüder der Demut und Armut unseres Herrn Jesus Christus nachfolgen) -Am Abend des 3. Oktober 1226, seines Todestages, soll er in seiner geliebten Portiunkulakirche geäußert haben: „Lobet und preiset meinen Herrn, und erweist ihm Dank, und dient ihm mit großer Demut.“ -Das letzte Testament, das von ihm überliefert ist, weist in diesem Zusammenhang auf die brüderliche Liebe, die „Herrin Armut“ und den kirchlichen Gehorsam hin 2.Orientierung am Evangelium -BR, Prolog: „Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.“ -Die ganze Regel ist ein Kommentar zum Evangelium, das sich unschwer auch auf ganz andere Umstände und Lebenssituationen hin übersetzen lässt als die, welche die Regel im Auge hatte VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 27

28 2. Franziskanische Spiritualität a. Franziskus – Mystiker und Prophet 2. Orientierung am Evangelium -Die Orientierung am Evangelium ging bei Franziskus in den letzten Lebensjahren mit der Liebe zum Kreuz einher -Spätsommer 1224: 40 Tage allein mit Fasten und Gebet auf dem Monte Alverna; Empfang der Stigmata -Im Spätmittelalter war die Stigmatisierung des hl. Franz der zwingendste Beweis für seine Sonderstellung als Beispiel Christi -wollte ein „zweiter“ oder „anderer Christus“ werden -„Nackt dem nackten Christus folgen“ (nudus nudum Christum sequi) -Totalidentifikation mit Christus 3. Kirchlichkeit / Katholizität -„Alle Brüder sollen katholisch sein, katholisch leben und reden. Wenn aber einer in Wort und Werk vom katholischen Glauben und Leben abirren sollte und sich nicht bessern würde, soll er aus unserer Bruderschaft gänzlich ausgestoßen werden.“ (NBR, Kap. 19) -Man sieht die Katholizität aber auch daran, dass den Brüdern das Stundengebet auferlegt wird, sie sich einen Generalminister wählen, ein Pfingstkapitel abhalten und sich von den Frauen fernhalten sollen (Einfluss des IV. Laterankonzils von 1215) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 28

29 2. Franziskanische Spiritualität a. Franziskus – Mystiker und Prophet 3. Kirchlichkeit / Katholizität -Trotz Programm einer „Laienspiritualität“ blieb Franziskus zeit seines Lebens eine treuer Sohn seiner Kirche -Einbindung in die Hierarchie durch Weihe zum Diakon (wird z.T. angezweifelt) 4. Schöpfungsliebe / Sonnengesang -Franziskus preist die ganze Schöpfung und versteht sie als Weg zu Gott -Alle Dinge, auch die scheinbar negativen wie der Tod, sind eine Möglichkeit, um Gott zu begegnen -Christliche Schöpfungsmystik (aufpassen, aus dem Sonnengesang nicht einen bloßen Ausdruck diffuser Naturmystik zu machen) -Franziskus geht es im Sonnengesang nicht nur um den Einsatz für Gottes gute Schöpfung, sondern auch um die gläubige Annahme von Krankheit, Sterben und Tod -Franziskus nimmt die ganze Wirklichkeit als seine Brüder und Schwestern an und bringt mit seiner Schöpfungsliebe letztlich zum Ausdruck, dass Gott uns durch die Wirklichkeit umarmt (Konzept einer umfassenden, universalen Welterlösung) -Simone Weil: „Das Beispiel des heiligen Franziskus zeigt, welchen Raum die Schönheit der Welt in einem christlichen Geist einnehmen kann. Nicht nur ist sein Gedicht vollkommene Poesie, sondern sein ganzes Leben war vollkommene tätige Poesie.“ VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 29

30 2. Franziskanische Spiritualität b. Klara von Assisi ( ) -erste Frau, die sich zur Form der Verwirklichung des Evangeliums berufen wusste -Gründerin der „Armen Frauen von San Damiano“ -Im Alter von 19 Jahren empfing sie am 19. März 1212 in der Kirche Santa Maria degli Angeli durch Franziskus den Habit der Armut -Übersiedlung nach San Damiano, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte -das Hauptvermächtnis, das Klara von Franziskus erhalten hatte, waren die Armut, die Erfahrung gegenseitiger Liebe und die gemeinsame Betrachtung des Herrn -Leben der Kontemplation -Armut als Schlüssel zur bräutlichen Vereinigung mit dem armen Christus (ist in diesem Sinne „mystischer“ als Franziskus) -Christus als Spiegel der Armut, Demut und Liebe VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 30

31 2. Franziskanische Spiritualität c. Angela von Foligno ( ) -Ihr franziskanischer Beichtvater, Bruder Arnaldo, hat Angelas Weg der intensiven spirituellen Erfahrung aufgezeichnet -Ursprünglich verheiratet soll sie Gott um den Tod ihrer Verwandten gebeten haben, um „frei“ für die Liebe zu Christus zu sein, welche ihren Höhepunkt in der mystischen Vereinigung mit dem toten Christus im Grab am Karsamstag fand -Zusammenarbeit zwischen einer ekstatischen Frau und einem gebildeten Kleriker -Im sog. Memorial des Arnaldo wird ihre geistliche Pilgerschaft in bis zu dreißig Stufen beschrieben (Angela von Foligno bildet den sog. „Magdalenatypus“, den Fall einer Sünderin, die mit Blick auf den Gekreuzigten und seine Liebe zu einem neuen Leben in Buße hingezogen wurde) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 31

32 2. Franziskanische Spiritualität c. Angela von Foligno ( ) -Angela ging es in ihrem Memorial („einer der ersten und bestimmt längsten und komplexesten Autobiographien des Spätmittelalters“) um die absolute Identifikation mit Christus und seinem Evangelium -Sie will zeigen, wie eine Frau zum zweiten Christus werden kann, in dem sie sich mit dem leidenden Erlöser identifiziert und schließlich in die Dreifaltigkeit einbezogen wird -Sie wird selbst zu einem Sohn Gottes bzw. zum Sohn Christi d. Thomas von Celano -Verfasser der beiden Lebensbeschreibungen des hl. Franz -Erste Lebensbeschreibung: In Greccio wurde das Kind Jesus, das vergessen worden war, „zum Leben erweckt durch seinen Diener Franziskus“ -Zweite Lebensbeschreibung: Liebe des Franziskus zur Passion -Bild von Franziskus, das einerseits von der Demut der Menschwerdung (Geheimnis von Weihnachten) und andererseits von der liebenden Hingabe am Kreuz (Geheimnis der Passion) geprägt ist VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 32

33 2. Franziskanische Spiritualität e. Bonaventura ( ) Wahl zum Generalminister des Ordens Erhebung zum Kardinal -15. Juli 1274: Tod auf dem Konzil von Lyon -Doctor seraphicus, sapientiale Theologie -Definition der Mystik als „cognitio Dei experimentalis“ -Sein bedeutendstes spekulatives und mystisches Werk ist der Traktat Itinerarium mentis in Deum, das er 1259 kurz nach seiner Wahl zum Generalminister geschrieben hat -Die Identifikation mit dem hl. Franziskus (La Verna) und die Liebe zum gekreuzigten Christus sind der Ausgangspunkt dieser Schrift -Der Weg zu Christus führt über sechs Stufen -Eins und Zwei: Über die Gesamtheit aller Dinge hinausgehen (transire) -Drei und Vier: In unseren Geist einkehren (intrare) -Fünf und Sechs uns selbst übersteigen (transcendere) zum ewigen und höchsten Gott VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 33

34 2. Franziskanische Spiritualität e. Bonaventura ( ) -Legenda maior / Vita des hl. Franziskus: Die Nachahmung des Gekreuzigten wird an die Praxis totaler Armut geknüpft -Typisch für Bonaventuras Spiritualität ist die totale Christozentrik (wir sollen den Weg gehen, den Christus selbst gegangen ist) -Bonaventura ist mit der Spiritualität der Wüstenväter vertraut, verbindet diese aber mit dem Armutsideal des Franziskus -Liebe zur Schöpfung: „Wer durch den Glanz der geschaffenen Dinge nicht erleuchtet wird, ist blind; wer von ihrem lauten Ruf nicht aufwacht, ist taub“ (Itin. ment. in Deum). -Bonaventuras Einfluss auf die spätere Theologie und Spiritualität ist nicht hoch genug einzuschätzen (bietet eine alternative Art, Theologie zu treiben, an); ihm ist es gelungen, das Leben des hl. Franziskus sozusagen theologisch umzusetzen (z.B. Theorie des Mitleidens, vgl. J.B. Metz) -Universale Bedeutung franziskanischer Spiritualität („Minderbruder sein im Sinn der Sanftmut und Demut“) VL Spiritualität Mystik des Mittelalters Prof. Dr. Cornelius Roth 34


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