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All is Vanity von Charles Allan Gilbert, 1892. Das Sonett (A.W. Schlegel, 1800) Zwei Reime heiß' ich viermal kehren wieder Und stelle sie, geteilt, in.

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1 All is Vanity von Charles Allan Gilbert, 1892

2 Das Sonett (A.W. Schlegel, 1800) Zwei Reime heiß' ich viermal kehren wieder Und stelle sie, geteilt, in gleiche Reihen, Daß hier und dort zwei, eingefaßt von zweien, Im Doppelchore schweben auf und nieder. Dann schlingt des Gleichlauts Kette durch zwei Glieder Sich freier wechselnd, jegliches von dreien. In solcher Ordnung, solcher Zahl gedeihen Die zartesten und stolzesten der Lieder. Den werd ich nie mit meinen Zeilen kränzen, Dem eitle Spielerei mein Wesen dünket Und Eigensinn die künstlichen Gesetze. Doch wem in mir geheimer Zauber winket, Dem leih' ich Hoheit, Füll' in engen Grenzen Und reines Ebenmaß der Gegensätze. Sonett:  Alexandriner 6 Hebungen mit Zäsur in der Mitte  2 Quartette + 2 Terzette  Reimschema, oft abba cddc eef ggf abba abba cdc dcd  Quartette: Einführung, Antithetik  Terzette: Fazit, Verallgemeinerung

3 Thränen des Vaterlandes (Andreas Gryphius, anno 1636) Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret! Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun Das vom Blutt fette Schwerdt, die donnernde Carthaun Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret. Die Türme stehn in Glutt, die Kirch ist umgekehret. Das Rathhauß ligt im Grauß, die Starcken sind zerhaun, Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, Ist Feuer, Pest, und Tod, der Hertz und Geist durchfähret. Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt. Dreymal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flutt, Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen, Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth, Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

4 Thränen des Vaterlandes (Andreas Gryphius, anno 1636) Wir sind doch nun mehr gantz, ja mehr denn gantz ver hee ret! Der frech en Völk er Schar, die ras en de Po saun Das vom Blutt fette Schwerdt, die donn ern de Car thaun Hat all er Schweiß und Fleiß und Vor rath auff ge zehr et. Die Türme stehn in Glutt, die Kirch ist umgekehret. Das Rathhauß ligt im Grauß, die Starcken sind zerhaun, Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, Ist Feuer, Pest, und Tod, der Hertz und Geist durchfähret. Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt. Dreymal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flutt, Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen, Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth, Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen. ABBAABBACCDEEDABBAABBACCDEED U - U - U - | U - U - U - U Sonett:  Alexandriner 6 Hebungen mit Zäsur in der Mitte  2 Quartette + 2 Terzette  Reimschema, oft abba cddc eef ggf abba abba cdc dcd  Quartette: Einführung, Antithetik  Terzette: Fazit, Verallgemeinerung

5 Thränen des Vaterlandes (Andreas Gryphius, anno 1636) Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret! Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun Das vom Blutt fette Schwerdt, die donnernde Carthaun Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret. Die Türme stehn in Glutt, die Kirch ist umgekehret. Das Rathhauß ligt im Grauß, die Starcken sind zerhaun, Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, Ist Feuer, Pest, und Tod, der Hertz und Geist durchfähret. Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt. Dreymal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flutt, Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen, Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth, Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen. 1 Einführung 2-8 Bildhafte Beschreibung des Krieges und seiner physischen und psychischen Folgen in allen Bereichen des Lebens (lyrisches Wir inmitten des Geschehens) 9-11 Betonung von Zeit, Dauer, Bezug Titel Schlussfolgerung durch das lyrische Ich : Schlimmer noch ist der Verlust des Seelenheils

6 Thränen des Vaterlandes (Andreas Gryphius, anno 1636) Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret! Der frechen Völker Schar, die rasende P OSAUN Das vom Blutt fette S CHWERDT, die donnernde C ARTHAUN Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret. Die T ÜRME stehn in Glutt, die K IRCH ist umgekehret. Das R ATH HAUß ligt im Grauß, die S TARCKEN sind zerhaun, Die J UNGFERN sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, Ist Feuer, Pest, und Tod, der H ERTZ und G EIST durchfähret. Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt. D REYMAL SIND SCHON SECHS J AHR, als unser Ströme Flutt, Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen, Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth, Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen. Binnenreim Klimax Hyperbel Personifikation Allegorie Bruch des Metrums S YMBOLE Z AHLENSYMBOLIK (666 = A NTICHRIST ) Anlehnung an Johannes-Offenbarung („Apokalypse“)

7 Formale Analyse:Formale Analyse:  Strenge Sonett-Form, (fast) komplett eingehalten  Viele Rhetorische Figuren, insbesondere bildhafte Sprache, Personifikation, Hyperbel, Klimax  Ausgeprägte Symbolik, Verweis auf Bibel/Apokalypse  Motiv der Vergänglichkeit (z.B.: Zeit, Blut, Träne rinnt)  Antithetik (Welt, Krieg, wir, laut  Seele, Schatz, ich, leise)  Argumentativer Aufbau (wie Statement), der sich zu einem prägnanten Fazit hin steigert  Negative Gesamtaussage, Hinwendung zum Jenseits (Vanitas mundi  Memento mori)

8 Thesen zu Thränen des VaterlandesThesen zu Thränen des Vaterlandes  Das barocke Leitmotiv der Vergänglichkeit durchdringt auch dieses Sonett, inhaltlich wie formal. Die ebenfalls typische Antithetik ist weniger ausgeprägt, aber vorhanden.  Die emotionale Wirkung des Gedichts wird betont durch den Kontrast zwischen der formalen Strenge des Gedichts und den chaotischen Zuständen, die es beschreibt.  Aufbau und viele Stilmittel des Gedichts zielen auf eine konsequente Übersteigerung der Schrecken des Krieges, auch um die abschliessende Folgerung besser zur Geltung zu bringen.  Der Wandel vom lyrischen „wir“ zum „ich“, von einer beschreibenden zu einer kommentierenden Instanz, betont sowohl die abschliessende Aussage als auch die Hilflosigkeit der in solchen Umständen gefangenen Menschen. Hinweis: Diese Thesen gehören zum Textimmanenten Interpretationsverfahren – unter Einbeziehung des literaturgeschichtlichen Hintergrunds.

9 Weitere Thesen (andere Interpretationsverfahren)  Das Gedicht lehnt sich subtil an die Johannes-Offenbarung des alten Testaments an und verweist damit auf die christliche Vorstellung einer bevorstehenden Apokalypse. (Intertextualität)  Der extrem pessimistische Tenor eigentlich aller Gryphius-Gedichte hängt mit den vielen persönlichen Verlusten im Leben des Autors zusammen. (Biografisches Verfahren)  „Thränen des Vaterlandes“ ist eine Überarbeitung eines ursprünglich „Trauerklage des verwüsteten Deutschland“ benannten Gedichts desselben Autors. Die Neufassung ist flüssiger, abstrakter und insgesamt übersteigerter, was die Intention des Autors verdeutlicht. (Textgenese)  Die ausgeprägte Symbolik des Gedichts fordert das Kunstverständnis (im barocken Sinn) des Lesers heraus. (Rezeptionsästhetik)  „Thränen des Vaterlandes“ ist eines der bekanntesten deutschen Anti- Kriegsgedichte. (Wirkungsgeschichte)

10 Ein gutes Gedicht (Günter Fritsch, 2007) Ein gutes Gedicht, gibt dem Wort Gewicht, den Gedanken Gestalt, der Sprache Gewalt. Ein gutes Gedicht, spiegelt Schatten und Licht, klingt wohl und vertraut, geht unter die Haut. Ein gutes Gedicht, hat vielfältig' Gesicht, liebt der Worte Spiel, hat Charakter, Profil. Ein gutes Gedicht, macht es sich nicht zur Pflicht, leere Blätter zu füllen, allein um des Reimes willen.

11 Interview mit Anton G. LeitnerInterview mit Anton G. Leitner Gedichte leben aus dem Spannungsverhältnis zwischen Inhalt und Form. Es gibt seit der Antike bestimmte Stilmittel, um den Fluss der Worte zu beschleunigen oder zu bremsen. Der Zeilenbruch, die strukturierende Einteilung und Gliederung eines Textes in einzelne Verse, spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Ein Dichter, der sein Handwerk beherrscht, kann über die Form den Klang seiner Lyrik steuern und damit auch die Präsentation des Inhalts. Inhalte lassen sich mit Bildern und Vergleichen veranschaulichen. Bisweilen können aus der überraschenden Kombination von Wörtern, die verschiedenen Sinnzusammenhängen entstammen, sogar neue Vorstellungswelten entstehen. Allerdings wirkt ein formvollendetes Gedicht, das keine inhaltliche Substanz besitzt, leer und belanglos. Wenn ein Dichter nichts zu sagen hat, soll er nicht darüber schreiben, sondern besser schweigen. Und wer etwas zu sagen hat und dies gerne in Gedichtform ausdrücken möchte, sollte sich doch bitteschön das entsprechende Rüstzeug aneignen, also Lyrik lesen, lesen, und nochmals lesen. Das Sprichwort »In der Kürze liegt die Würze« verleitet offensichtlich viele Menschen zu der irrtümlichen Annahme, es sei nichts einfacher, als ein Gedicht zu schreiben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Es ist nichts schwieriger, als mit wenigen Worten einen Text zu zaubern, der ›ewige Themen‹ wie Liebe oder Tod neu beleuchtet und lautlich perfekt, wohlklingend vermittelt. [...] Ich denke, ein gutes Gedicht ist auch daran zu erkennen, dass es ohne große Worte auskommt. Es braucht kein Pathos. Durch seinen Inhalt erfrischt es den Geist, durch seinen Klang und Rhythmus umschmeichelt es die Ohren. Und mit jedem Lesen erschließt sich eine neue Facette. In einem sehr guten Gedicht ist die Sprache so verdichtet, dass man kein einziges Wort mehr hinzufügen und kein einziges Wort mehr wegnehmen kann, ohne das gesamte Sprachkunstwerk zu zerstören. Ein schlechtes Gedicht erkennt man daran, dass es eine allzu ›verbrauchte‹ Sprache verwendet. Diese kann unsere Fantasie nicht stimulieren, weil sie weder lebendig ist, noch geheimnisvoll. Ein Gedicht, das uns keine Rätsel aufgibt, offenbart auch keine Geheimnisse. Quelle:

12 Raoul Schrott, woran erkennt man ein gutes Gedicht?Raoul Schrott, woran erkennt man ein gutes Gedicht? Eine schwierige Frage. Das Problem mit Literatur und mit der Poesie im speziellen ist – dass es keine Regeln gibt, die auf alles anwendbar wären. Im Grunde genommen funktioniert alles als Gedicht, wenn es gut gemacht ist. Ich glaube, das grundsätzlichste Kriterium für mein ästhetisches Verständnis ist, dass schlechte Gedichte immer das sagen, was sie meinen, während es bei den guten Gedichten zwischen den Zeilen steht. Das heißt also, die überwiegende Anzahl von Gedichten, die man als „schlecht“ bezeichnet, sagt immer: Ich bin traurig, mir geht es heute schlecht, warum kommst du nicht zu mir, ich sehn mich so nach dir. Ein gutes Gedicht verpackt das in Bilder, gibt diesem Abstrakten etwas Konkretes. Ein gutes Gedicht verwendet selten abstrakte Begrifflichkeiten, weil abstrakte Begrifflichkeiten diejenigen sind, die sich am schnellsten verändern. Begriffe wie „Wahrheit“, „Heimat“, „Jugend“. All das sind unanschauliche und für ein Gedicht deshalb relativ wenig taugliche Begriffe, weil das was ein Gedicht tun kann, ist, diese abstrakten oder diffusen Emotionen in konkreten Bildern zu binden. Quelle:

13 Ein gutes Gedicht im BarockEin gutes Gedicht im Barock Ganz allgemein versteht man im Barock Kunst als Handwerk, „kunstvoll“ bedeutet damals so viel wie „gekonnt“, „gut gemacht“. Ein „gutes“ Gedicht entsteht also aus der gekonnten Variation tradierter Motive und normativer Formen (z.B. Sonett). Wichtig sind insbesondere Symbole, Metaphern, Allegorien, etc., die sich vermittels des (Kunst-)Verstandes des Lesers entschlüsseln lassen. Aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds (30-jähriger Krieg, Pest, Glaubensspaltung) wird sich ein Barock-Gedicht aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Thema der Vergänglichkeit (Stichwort „Vanitas“, Diesseits/Jenseits, Antithetik) beschäftigen.

14 Aufgabe  Analysieren sie eine weiteres Barock-Sonett 1.vgl. formale Vorgaben Sonett 2.Zusammenfassung Aufbau (Antithetik?) 3.Rhetorische Figuren, stilistische Auffälligkeiten 4.Motive? Symbole? Bezug Religion?  Formulieren sie Thesen zur Deutung ihres Sonetts (Sie können sich an den bereits besprochenen orientieren)

15 Es ist alles eitel Andreas Gryphius ( ) Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn, Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden; Was itzundt prächtig blüth, sol bald zutreten werden; Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein; Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein. Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden. Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn. Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn? Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten, Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind, Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't! Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten.

16 Es ist alles eitel Andreas Gryphius ( ) Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn, Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden; Was itzundt prächtig blüth, sol bald zutreten werden; Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein; Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein. Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden. Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn. Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn? Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten, Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind, Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't! Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten. ABBAABBACCDEEDABBAABBACCDEED Sonett:  Alexandriner 6 Hebungen mit Zäsur in der Mitte  2 Quartette + 2 Terzette  Reimschema, oft abba cddc eef ggf abba abba cdc dcd  Quartette: Einführung, Antithetik  Terzette: Fazit, Verallgemeinerung

17 Es ist alles eitel Andreas Gryphius ( ) Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn, Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden; Was itzundt prächtig blüth, sol bald zutreten werden; Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein; Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein. Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden. Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn. Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn? Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten, Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind, Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't! Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten. 1 Einführung Vanitas 2-9 Argumentation 2-4 Zivilisation 5-7 Unbelebte Natur 8-9 Abstrakta (Ruhm/Glück) 10 Rhetorische Frage Zusammenfassung Vergleiche als Fazit der Auswegslosigkeit 14 Pointierter Schluss

18 Es ist alles eitel Andreas Gryphius ( ) Du siehst, wohin du siehst, nur ei telkeit auf er den. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo ietzundt st ädte st ehn, wi rd eine Wi ese seyn, Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden; Was itz undt prächtig blüth, sol bald zutreten werden; Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein ; Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein. Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden. Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn. Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn? Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten, Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind, Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't! Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten. Repetitio Personifikation Vergleich Metapher (Anti-)Klimax Anapher Allegorie Alliteration Chiasmus Synekdoche

19 Es ist alles eitel Andreas Gryphius ( ) Antithetik, Kontraste, Parallelkonstruktion Bezug Bibel: »Es ist alles eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?« Bibel, AT, Prediger 1.2ff. Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein ; Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn, Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden; Was itzundt prächtig blüth, sol bald zutreten werden; Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein ; Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein. Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden. Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn. Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn? Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten, Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind, Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't! Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten.

20 Es ist alles eitelEs ist alles eitel 1.Thema?  Krieg Schlesien, Vergänglichkeit alles Irdischen, Glaube 2.Beispiele der Vergänglichkeit?  Städte, Pflanzen, der Mensch, Erz, Marmor, Glück, Ruhm 3.Beispiele “ewige” Werte?  Glaube, Liebe, Gerechtigkeit, Zufriedenheit, Hilfsbereitschaft, Ehrfurcht 4.Formale Gegensätze?  Die strenge Form (Einteilung, umarmender Reim) eines Sonetts gegenüber dem Chaos des Krieges.

21 Abend Andreas Gryphius ( ) Der schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn / Und führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen Verlassen Feld und Werck / Wo Thir und Vögel waren Traurt itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit verthan! Der Port naht mehr und mehr sich / zu der Glider Kahn. Gleich wie diß Licht verfil / so wird in wenig Jahren Ich / du / und was man hat / und was man siht / hinfahren. Diß Leben kömmt mir vor als eine Renne-Bahn. Laß höchster Gott mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten / Laß mich nicht Ach / nicht Pracht / nicht Lust / nicht Angst verleiten! Dein ewig-heller Glantz sey vor und neben mir / Laß / wenn der müde Leib entschläfft / die Seele wachen Und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen / So reiß mich aus dem Thal der Finsternüß zu dir.

22 An sich Paul Fleming ( ), 1636 Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren! Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid, Vergnüge dich an dir, und acht es für kein Leid, Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen. Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren, Nimm dein Verhängnis an, lass alles unbereut. Tu, was getan sein muss, und eh man dirs gebeut. Was du noch hoffen kannst das wird noch stets geboren. Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke Ist sich ein jeder selbst. Schau alle Sachen an: Dies alles ist in dir. Lass deinen eitlen Wahn, Und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke. Wer sein selbst Meister ist, und sich beherrschen kann, Dem ist die weite Welt und alles untertan.

23 Vergänglichkeit der Schönheit Christian Hoffman von Hoffmannswaldau Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen / Der liebliche corall der lippen wird verbleichen; Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand / Der ugen süsser blitz / die kräffte deiner hand / Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen / Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen / Tilget endlich tag und jahr als ein gemeines band. Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden / Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden / Denn opfert keiner mehr der gottheit deiner pracht. Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen / Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen / Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

24 Menschliches Elende Andreas Gryphius ( ), 1637 Was sind wir Menschen doch! ein Wonhauss grimmer Schmertzen? Ein Baal des falschen Glücks / ein Irrliecht dieser Zeit / Ein Schauplatz aller Angst / unnd Widerwertigkeit / Ein bald verschmelzter Schnee / und abgebrante Kertzen / Diss Leben fleucht darvon wie ein Geschwätz und Schertzen. Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes kleid / Und in das Todten Buch der grossen Sterbligkeit Längst eingeschrieben sind; find uns auss Sinn' und Hertzen: Gleich wie ein eitel Traum leicht auss der acht hinfält / Und wie ein Strom verfleust / den keine Macht auffhelt; So muss auch unser Nahm / Lob / Ehr und Ruhm verschwinden. Was itzund Athem holt; fält unversehns dahin; Was nach uns kompt / wird auch der Todt ins Grab hinzihn / So werden wir verjagt gleich wie ein Rauch von Winden.

25 An die Welt Andreas Gryphius ( ) Mein oft bestürmtes Schiff, der grimmen Winde Spiel, Der frechen Wellen Ball, das schier die Flut getrennet, Das über Klipp' auf Klipp' und Schaum und Sand gerennet, Kommt vor der zeit an' Port, den meine Seele will. Oft, wenn uns schwarze Nacht im Mittag überfiel, Hat der geschwinde Blitz die Segel schier verbrennet! Wie oft hab' ich den Wind und Nord und Süd verkennet! Wie schadhaft ist der Mast, Steu'rruder, Schwert und Kiel. Steig aus, du müder Geist! Steig aus! Wir sind am Lande! Was graut dir für dem Port? Jetzt wirst du aller Bande Und Angst und herber Pein und schwerer Schmerzen los. Ade, verfluchte Welt. Du See voll rauher Stürme: Glück zu, mein Vaterland, das stete Ruh' im Schirme Und Schutz und Frieden hält, du ewiglichtes Schloß!

26 Ich empfinde fast ein Grawen Martin Opitz ( ), 1624 Ich empfinde fast ein Grauen, Daß ich, Plato, für und für Bin gesessen über dir; Es ist Zeit hinaus zu schauen Und sich bei den frischen Quellen In dem Grünen zu ergehn, Wo die schönen Blumen stehn, Und die Fischer Netze stellen. Wozu dienet das Studieren Als zu lauter Ungemach? Unterdessen läuft der Bach Unsers Lebens, das wir führen, Ehe wir es inne werden Auf sein letztes Ende hin; Dann kommt ohne Geist und Sinn Dieses alles in die Erden. Holla, Junger, geh und frage, Wo der beste Trunk mag sein, Nimm den Krug und fülle Wein. Alles Trauern, Leid und Klage, Wie wir Menschen täglich haben, Eh' uns Clotho fortgerafft, Will ich in den süßen Saft, Den die Traube gibt, vergraben. Kaufe gleichfalls auch Melonen Und vergiß des Zuckers nicht; Schaue nur, daß nichts gebricht. Jener mag der Heller schonen, Der bei seinem Gold und Schätzen Tolle sich zu kränken pflegt Und nicht satt zu Bette legt; Ich will, weil ich kann, mich letzen. Bitte meine guten Brüder Auf die Musik und ein Glas; Nichts schickt, dünkt mich, nichts sich baß, Als gut Trank und gute Lieder. Lass' ich gleich nicht viel zu erben, Ei, so hab' ich edlen Wein; Will mit andern lustig sein, Muß ich gleich alleine sterben.

27 Diskussion  Fragen zur Epoche des Barock?  Argumente für/gegen diese Thesen (bezogen auf ihr Sonett): 1)Die Unruhe der Zeit wird formal gebändigt in einer strengen, geschlossenen Form (Sonett), wodurch die Absage an weltliche Werte besonders hervorgehoben wird. 2)Der Aufbau des Gedichts ist argumentativ, er führt zu einer negativen Schlussfolgerung. 3)Die Antithetik spielt eine zentrale Rolle im Aufbau des Gedichts. 4)Symbolik und bildhafte Sprache sind herausstechende Merkmale des Gedichts. 5)Das Gedicht nimmt Bezug auf die Bibel / auf ein deutlich christlich- religiöses Weltbild. 6)Das Gedicht hat ein deutlich in Erscheinung tretendes lyrisches Ich. 7)Das Gedicht spricht den Leser emotional wenig an.

28 Beispielfragen  Fassen sie die Argumentation in Sonett X zusammen. (Eigene Worte, kurze Sätze)  Beschreiben sie die Funktion des Lyrischen Ich in Gedicht X.  Identifizieren und erklären sie ein Symbol / eine Metapher / eine Allegorie in Gedicht X.  »Barocke Lyrik richtet sich an den (Kunst-)Verstand des Lesers, nicht an sein Gefühl.« Nehmen sie begründet Stellung zu dieser Aussage.  Formulieren sie eine textimmanente / intertextuelle /... These zu Gedicht X.  »Das barocke Leitmotiv der Vergänglichkeit durchdringt auch dieses Sonett, inhaltlich wie formal.« Formulieren sie zwei gute Argumente, mit denen sich dieser These unterstützen lässt.  »Barocke Sonette kommen immer zu einem negativen, lebensverneinenden Fazit.« Nehmen sie begründet Stellung zu dieser Aussage.  »Die strengen formalen Vorgaben, denen die Lyrik des Barock zu folgen hat, verhindern jegliche Kreativität auf Seiten des Dichters.« Nehmen sie begründet Stellung zu dieser Aussage.

29 Johann Michael Eder: Memento Mori

30 Kriegsbedingter Bevölkerungsrückgang (in %) Von 1618 bis 1648 verringerte sich die Bevölkerung im Deutschen Reich um ein Drittel von ca. 15 Millionen auf ca. 10 Millionen Einwohner.


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