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Städtebauliche Leitbilder

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Präsentation zum Thema: "Städtebauliche Leitbilder"—  Präsentation transkript:

1 Städtebauliche Leitbilder
Problem: Gründerzeitstadt Antwort 1: „Stadt aufs Land tragen“ Antwort 2: „Land in die Stadt bringen“ Problem Suburbanisierung Edge City Zwischenstadt New urbanism Thomas Morus: Utopia S. 80: „...die Gebäude sind schmuck und bilden mit der Vorderfront eine zusammenhängende Reihe in einer Straßenbreite von fünfzehn Fuß. An der Hinterseite der Häuser liegen große Gärten, die ganze Länge der Straße entlang, an die wieder die Rückseite anderer Straßen stößt. Kein Haus, das nicht, wie vorneheraus die Straßenthür, so nach hinten ein Pförtchen in den Garten hätte. Diese Thüren sind zweiflügelig, mit einem leichten Druck der Hand zu öffnen, und gehen dann auch von selber wieder zu und lassen Jedermann ein, denn Privateigenthum gibt es ja nicht. Denn selbst die Häuser vertauschen sie alle zehn Jahre durchs Loos. Diese Gärten halten sie hoch. Darin haben sie Weinberge, Früchte, Kräuter, Blumen, von solcher Pracht und Pflege, daß ich nirgends mehr Ueppigkeit und Zier gesehen habe. Ihr Eifer in dieser Art Gärtnerei entspringt nicht nur bloß dem Vergnügen, sondern auch einemWettstreite der Straßen untereinander in Bezug auf die Pflege der einzelnen Gärten und sicherlich ist in der ganzen Stadt nichts Nützlicheres und Angenehmeres für die Bürger zu finden. Der Gründer der Stadt scheint denn auch auf nichts mehr Sorgfalt verwendet zu haben, als auf diese Gärten. Und richtig heißt es, Utopus selbst habe von allem Anfang diese Gestalt und Anlage der Stadt vorgesehen. Thomas Campanellas ,,Sonnenstaat" 1 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

2 Ausgangspunkt Gründerzeit
Reichsgründung, Geld Bevölkerungsexplosion Zuwanderung vom Land Spekulation Mindesthofflächen: 1853: 28 m² 1887: 60 m² 1892: 80 m² Behausungsziffer Berlin 1930: "Weltrekord" 76 EW/Gebäude Max. Dichte: EW/km² Max. Dichte West-Berlin 1987: Friedenau EW/km² Kreuzberg EW/km² Leitbilder Entstehungsimpuls Was unterscheidet ein Leitbild von einem planerisch ab­geleiteten Zielsystem? Vielleicht soviel wie ein Vorurteil von einer Auseinandersetzung! Und doch läßt sich feststellen, daß die Stadtplanung der letzten 100 Jahre ihr wichtigstes Steuerungsprinzip in den epochalen städtebaulichen Leitbildern hatte; hier quasi der Pla­nungsprozeß seine pragma­tischste Wendung in der Konstituierung der jeweiligen kol­lektiven Absichten nahm, die das Gesicht der Stadt in diesem Jahrhundert prägten. Und keineswegs auf so friedlich harmonische Weise, wie der Wohlklang des Wortes "Leitbild" suggeriert. Sei­ner Definition nach ist es ein Kampfbegriff: denn sein Hauptentstehungsimpuls ist immer der beklagenswerte Mißstand, der die Menschen einer Berufsgruppe von eigenen, individuellen Leitvorstellungen in den Konsens über ein gemeinsames Leitbild trieb und treibt. So genial wie einfach ist es, weil Problemwahrnehmung (Analyse) und Handlungskonzept auf eine knappe Formel, das eingängige Klischee, ein Bild eben gebracht wird (Licht, Luft, Sonne), und es bei der Ausgestaltung großen Freiraum läßt, solange der kleinste gemeinsame Nenner gewahrt bleibt. Nach der peniblen Konzeption ihrer Protagonisten (z.B. Ebenezer Howard, die Gartenstadt), die bis zur Festlegung von Einzelhei­ten (Siedlungsgröße, Einwohnerzahl und Anzahl der Bäcker geht, Zuordnung der Funktionen) fragt keiner mehr, wenn sich das Leitbild erst einmal etabliert hat. Gemessen an der 6000-jährigen Stadtgeschichte weisen sie in ih­rem Totalansatz aber keiner­lei überdauernden Theoriegehalt auf, obwohl die Architekten und Stadtplaner ihre Ideen für die end­gültige Lösung der Probleme ihrer Stadt auffassen mochten. Nein, ihr Wirkungsfeld war begrenz­ter und ihre Stadtplanung nicht viel mehr als eine Negation des Bestehenden. Der Bezug zum Negativ­vorbild ist unmittelbar und in den Entwürfen lassen sich die Über­berkompensationen der problematisierten Mißstände ablesen. Stadtplanug als Antithese. Aus dem 4. Hinterhof-Quergebäu­de wird eine von Sonne, Wind und Grünfläche umflutete Wohn­zeile oder sogar ein Einfamilien­haus im Grünen mit dem Subsistenzbeet im Vorgarten. Es ist allerdings kaum vorstellbar, daß die radikale Loslösung von einer über Jahrhunderte ge­wachsenen Stadtstruktur alleine das Werk von Städtebaukritikern und sozialreformerischen Archi­tekten gewesen wäre. Ihre Konzepte fanden Wiederhall in der sprunghaft angestiege­nen Stadt­bevölkerung. Aber wer war diese zunehmende Stadtbevölkerung? Sie setze sich nicht etwa aus den Ge­burtenüberschüssen der angestammten Stadtbürgerschaft zusam­men, son­dern aus der enormen Zuwanderung der landflüchtigen Bau­ern, Knechte, des Gesindes, die in den Städten Arbeit such­ten.[i] Was sie mitbrachten, war nicht nur ihre Arbeitskraft: vor allem eine Vorstellung von Woh­nen, die sie aus den dörflichen und kleinstädtischen Ursprüngen her gewöhnt waren. Das Einfamilien­haus, den Garten, Eigentum an beidem, die überschaubare Dorfge­mein­schaft oder Nachbarschaft. Eine Bevölkerungsdichte, der man kommunikativ gewachsen war. Die Wohnwünsche dieser heimatlos ge­wordenen Landbevölkerung konnte in den dunk­len Hin­terhöfen der Gründerzeitstadt nie ihre Erfüllung finden. Dennoch - auch ohne eine Kraft des Dreiklassenwahlrechtes quasi sich selbst regierende Haus-und Grundbesitzerschaft, ohne 2., 3., 4. Hinterhof und feuchten Souterrain - hätte die ländliche Herkunft dieser Menschen den Nährboden für die Gartenstadtidee oder einen aufgelockerten Siedlungsbau abgegeben. So sehr die bauliche Ordnung der Gründerzeit­stadt von dem Profitinteresse der Haus- und Grund­besitzer bestimmt war (Berlin hielt bei der sog. Behausungziffer den "Weltrekord" mit 75.9 Menschen pro Gebäude[1]) und sie sich ihre Ergebnisse später zu recht als Mietskasernen, dem "Masssengrab für die Volkswohl­fahrt"(Damaschke, Füh­rer der Bo­denre­formbewegung 1913)[2] beschimp­fen lassen mußte, so sehr kann man dem darauf be­zugnehmen­den Leitbild-Städtebau, der im Ergeb­nis ein Siedlungsbau war, sowohl beim Garten­stadtideal wie auch bei der "gegliederten und aufge­lockerten Stadt" die einseitige Maxi­mie­rung gesunder Wohnverhältnisse nachsagen. Maximierung, im Gegensatz zur Optimierung, deckt nach kurzer Zeit nur wieder neue, schwerwiegende Defizite auf, die von der nächsten Leitbildgeneration aufgegriffen wer­den. Ursprünglich haben zwei Faktoren - die Bevölkerungsexplosion in den Städten während der indu­striellen Expansion und das Auto als neues Verkehrsmittel - dafür gesorgt, daß der Städtebau aus sei­nem historischen Entstehungsprozeß gelöst und zum Experimentier­feld für Modellbauer und Straßenbauingenieure wurde. Die Such­bewegung im Umgang mit der Gründerzeitstadt hat von Ebenezer Howard (1897) bis Jane Jacobs (1961) in nur 80 Jahren einen Leitbildzyklus durch­laufen: Berlin ist Kampfplatz um das dominierende städtebauliche Leitbild. (Zuletzt Mitte 90er Jahre: "Architekturdebatte". Berlin ist als Austragungsort epochaler Wenden im Städtebau auserkoren. Der Ort, wo Stadt auf die Spitze getrieben wurde (Übermaß), und in einer Gegenreaktion sich am weitesten davon abgestoßen wurde, um dann in vielen Suchbewegungen schließlich an alte Stadtbautraditionen anzuschließen. (Leitbildzyklus) Der Nährboden für diese immerneue Erfindung von dem, was Stadt ist und heißt und braucht, ruht in den Fundamenten der Gründerzeit. Nur wenige Großstädte haben seinerzeit ein vergleichbar stürmisches Wachstum erlebt. Und nur äußerlich wurde der millionenfache Zugewinn an Menschen in den historisch überlieferten Bauformen verarbeitet, an die jetzt wieder anzuknüpfen gilt. Innerlich war es in vielen Quartieren eine bis auf den letzten Quadratmeter Grundstücksfläche ausgereizte Überbauung, dritte, vierte Hinterhöfe von der Art eines Lichtschachtes (1853: 28 m² Freifläche, ab m², ab m²); die kapitalistische Variante zur "Lösung der Wohnungsfrage". Berlin hielt bei der sog. Behausungsziffer den "Weltrekord" mit 76 Menschen pro Gebäude. Maximale Dichte: EW/km² (Burkhard Hofmeister, Berlin West, S. 212); Maximum West-Berlin 1987: in (raten lassen) Friedenau EW/km² (1987) Kreuzberg EW/km² Schlafbursche, Schlafleute (75 % alleinstehende Männer) (Tag- und Nacharbeiter teilen ein Bett), Untermieter (85 % alleinstehende Männer) 1910: 45 % aller Wohnungen Hinterhofwohnungen, 3,3 % in Kellern „kleine ...in ewige Nacht getauchte Höfchen“ Kolonienamen im Wedding: „Elend“, „Sorge“ Stadthygiene Verelendung und ländliche Herkunft (die abstehenden Ohren des Schlesiers) Nährboden [1] Hegemann, Werner, Das steinerne Berlin, Berlin 1930, S. 333 [2] Bodenschatz, Harald, Die Mietskasernenstadt in der Kritik des 20. Jahrhunderts, S.19, in: Stadt­erneue­rung Berlin, Erfahrungen, Beispiele, Perspek­tiven, Hrsg.: SenBau­Wohn, Berlin 1990 [i]. Zu dieser Zeit entstand entstand im Volksmund der folgende Spruch: Warum haben die Schlesier abstehende Ohren? Weil der Pfarrer bei der Taufe seinen Täufling an den Ohren aus dem obersten Kirchenfenster hängt und sagt: "Da, mein Kind, da liegt Berlin, da mußte dir dein Geld verdien." 2 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

3 Gründerzeit Schlafbursche, Schlafleute (75 % alleinsteh. Männer)
Untermieter (85 % alleinstehende Männer) 1910 Berlin: 45 % Hinterhof-Wohnungen 3,3 % Kellerwohnungen „kleine ...in ewige Nacht getauchte Höfchen“ Kolonienamen: „Elend“, „Sorge“ „Massengrab für die Volkswohlfahrt“ (Damaschke, Führer Bodenreformbewegung 1913) 3 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

4 Gründerzeit Berlin: Helmholtzplatz (Pankow)
„Meyer‘s Hof“, Ackerstraße 132 Ackerstraße 132/133, Meyers Hof (ursprünglich Meyerische Hof; Schreibweise über Hofeinfahrt: „Meyer‘s Hof“): sechs Höfe, bis zu 2100 Einwohner, 257 Wohnungen, traditionelle „Berliner Mischung“: „Noch vor Bauvollendung wurde das Gebäude von wohnungssuchenden Mietern gestürmt und in Besitz genommen. Eine schlechte Mieterschaft nistete sich ein, und als der jetzige Besitzer im Jahre 1878 das Grundstück übernahm, war es in der kurzen Zeit völlig verwahrlost. Von der Mieterschaft, die der Besitzer Herr Otto Meyer jetzt antraf, gab er mir einige drastische Schilderungen. Miete zahlten überhaupt nur die wenigsten, und die sich nur auf das Nichtzahlen beschränkten, waren eigentlich noch die besseren Elemente. Einzelne gingen noch viel weiter. Einer der Mieter, von Beruf Töpfer, hatte die Kachelöfen seiner Wohnung abgerissen und verkauft. Ein anderer handelte mit Weihnachtsbäumen, er hatte den Fußboden seines Zimmers aufgebrochen und die Bretter zu Baumstützen und Unterlagen zersägt …“ „Fünf Cigarrenmacher, eine Grünkramhandlung, die 13. Volksküche, eine Bildhauerwerkstatt, drei Mostrichfabriken, das Vereinslokal der Methodisten-Gemeinde, eine Nudelfabrik, die «Erste Berliner Wäschenäherei», eine Knopf-Fabrik, ein Bierverlag, ein Depot der Straßenreinigung, eine Filzplattenfabrik, eine Honigkuchen-Fabrik, eine Pantoffelfabrik, eine Cylinderputzer-Fabrik, eine Reisekoffer-Fabrik, eine Bindfadenhandlung, eine Kesselschmiede, eine Glasbuchstaben-Fabrik, eine Schirmstockfabrik, drei Sackhandlungen, eine Haarnadelfabrik, eine Kochschule des Zweigvereins des Vaterländischen Frauenvereins, eine Papiertüten-Handlung, eine Waschanstalt, eine Cartonfabrik, eine Bürstenhölzer-Fabrik, eine Perlmuttschleiferei, eine Kammfabrik, eine Badeanstalt, eine Gänsehandlung, ein Instrumentenmacher, eine Ladenkassenfabrik, eine Eierkognak-Fabrik, ein Metallfaden-Lampenwerk, eine Milchverdampfung, eine Blumendünger-Fabrik, eine Hutfabrik und schließlich eine Sarghandlung …“ „Den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs fielen dann mehrere Trakte der Anlage zum Opfer, lediglich das Vorderhaus an der Ackerstraße und das erste Hinterhaus blieben erhalten. Anfang der 1960er-Jahre wurde der Bezirk Wedding, ebenso wie die übrigen Teile des alten Wilhelminischen Mietskasernengürtels, Gegenstand umfassender Sanierungsanstrengungen, die überwiegend von der Degewo organisiert wurden. Das Gelände von Meyers Hof kam dabei 1965 in den Besitz der Alexandra-Stiftung und in der Folge kam es nach und nach zur Entmietung wohnten noch 42 Mietparteien in den 82 Wohnungen; am 17. Oktober 1972 schließlich wurde der noch bestehende Rest des Blocks gesprengt. An die Stelle der alten Mietskaserne trat eine moderne Wohnbebauung. Heute erinnert vor Ort nichts mehr an dieses Symbol des Berliner Mieterelends im ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „"Wer nie bei Siemens-Schuckert war / bei AEG und Borsig, / der kennt des Lebens Jammer nicht, / der hat ihn erst noch vor sich." Der zentrale Punkt dieses Geschichtsstückes, das ich hier - wie gesagt - in steinernen Zeugnissen noch gesehen habe zu einer Zeit, die ich für mich immer noch Gegenwart nenne, war Meyer's Hof; hochberühmt unterdessen in der Kulturgeschichte, vor allem durch den zweiten Band des epochalen und ultimativen Werks meines Freundes Johann Geist: Geschichte des Berliner Mietshauses, drei Bände (das ich nach wie vor in die Handbibliothek aller wünsche, die über und in Berlin etwas zu sagen haben). Meyer's Hof verschwand erst in den 70er Jahren aus der Ebene der gegenständlichen Sichtbarkeit, die exemplarische Mietskaserne in Plus und Minus. Sechs Hinterhöfe, fast Bewohner, Ackerstraße 132/133. Ich sehe noch die Wolken, die aufstiegen, als hier gesprengt wurde, was das 19. Jahrhundert hinterlassen hatte. Manche spendeten Beifall, andere blickten betroffen und hatten das Gefühl, dass hier der Senat oder die BRD oder die SPD oder die DEGEWO oder werweißwer nicht nur die neue Zeit größstädtischer Wohnkultur vorbereiteten, sondern auch die alte Zeit gefühllos beendeten. Denn in diesen Mietskasernen der Ackerstraße gab es eben nicht nur Elend, sondern es gab auch eine eigenartige, originelle, von den Bücherschreibern wenig zur Kenntnis genommene Arbeiterkultur, der kein Fontane entstanden ist wie den Bürgern, die jenseits der Bahn ihre Geschäfte machten und ihre Gefühle pflegten. Gegenüber von Meyer's Hof die sogenannte Schrippenkirche, eine christliche Initiative zur Milderung von Obdachlosigkeit und Not. Auch fort, verschwunden bis auf eine porzellanerne Gedenktafel, die niemandem etwas sagt, der nicht schon alles weiß.“ KUDER, T.: Städtebauliche Leitbilder - Begriff, Inhalt, Funktion und Entwicklung, gezeigt am Beispiel der Funktionstrennung und -mischung. Dissertation. Berlin 2001, S. 141 4 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

5 Gründerzeit 5 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

6 Leitbildzyklus 1900 - 1980 2. Land(schaft) in die Stadt holen
1. Stadt aufs Land tragen 2. Land(schaft) in die Stadt holen Skizze links: 6 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“ © Marco Dresen

7 Städtebauliche Leitbilder
Antwort 1: „Stadt aufs Land tragen“ Thomas Morus „Utopia“ von 1516: „Kein Haus, das nicht, wie vorneheraus die Straßenthür, so nach hinten ein Pförtchen in den Garten hätte.“ „Gartenstadt“ (Ebenezer Howard, 1898): „der vielleicht erfolgreichste Werbebegriff der modernen Stadtbaugeschichte“ (Bodenschatz, Jahrbuch Stadterneuerung 2002). Gartenstadt Werkssiedlung Stadtrandsiedlung Kleinsiedlung Eigenheim verdichtete Eigenheimsiedlung (RH, Hammer-Grundst.) Verstädternde Überformung: Geschoss-WE, Stadtvilla Thomas Morus: Utopia, von 1516, S. 80: „...die Gebäude sind schmuck und bilden mit der Vorderfront eine zusammenhängende Reihe in einer Straßenbreite von fünfzehn Fuß. An der Hinterseite der Häuser liegen große Gärten, die ganze Länge der Straße entlang, an die wieder die Rückseite anderer Straßen stößt. Kein Haus, das nicht, wie vorneheraus die Straßenthür, so nach hinten ein Pförtchen in den Garten hätte. Diese Thüren sind zweiflügelig, mit einem leichten Druck der Hand zu öffnen, und gehen dann auch von selber wieder zu und lassen Jedermann ein, denn Privateigenthum gibt es ja nicht. Denn selbst die Häuser vertauschen sie alle zehn Jahre durchs Loos. Diese Gärten halten sie hoch. Darin haben sie Weinberge, Früchte, Kräuter, Blumen, von solcher Pracht und Pflege, daß ich nirgends mehr Ueppigkeit und Zier gesehen habe. Ihr Eifer in dieser Art Gärtnerei entspringt nicht nur bloß dem Vergnügen, sondern auch einem Wettstreite der Straßen untereinander in Bezug auf die Pflege der einzelnen Gärten und sicherlich ist in der ganzen Stadt nichts Nützlicheres und Angenehmeres für die Bürger zu finden. Der Gründer der Stadt scheint denn auch auf nichts mehr Sorgfalt verwendet zu haben, als auf diese Gärten. Und richtig heißt es, Utopus selbst habe von allem Anfang diese Gestalt und Anlage der Stadt vorgesehen. Thomas Campanellas ,,Sonnenstaat" 7 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

8 Gartenstadt „autarke Gartenstadt“
Ebenezer Howard, Garten cities of tommorow 1898 „autarke Gartenstadt“ EW: 6 Städte je EW, Zentralstadt: EW (soziale Stadt) Boden kommunal - Bodenreformdiskussion Wohndichte: EW/ha (bzw. 37 Häuser/ha) Mindestdichte sozial/ökon. nötig Siedlungsfläche: ha ‘Nutzungsringe’: 1. Kern: öffentl. Einrichtg. 2. Zentralpark 3. Fachgeschäfte 4. Wohngebiete mit Gärten m breite 'Grand Avenue' mit Schule, Spielplatz, Kirche trennt Wohngebiete von Gewerbegebieten (ähnlich in Satellitenstädten) 'Ringbahn' für Gewerbegebiete Gartenstadt (Ebenezer Howard, Garten cities of tommorow 1898 Entdichtung: Raumnutzungskonzept: Sechs kleinere durchgrünte Städte mit Einwohnern umgaben in einem polyzentrischen System eine Zentralstadt mit Einwohnern, die sogenannte Soziale Stadt', und bildeten so ein Stadtsystem für Einwohner. Grund und Boden kommunal. Bodenreformdiskussion (nicht nur Auswirkungen, auch Ursache der Mietskasernenstadt angehen) Folie Mindest- und Maximalwohndichte: 200 bis 220 EW je Hektar (bzw. 37 Häuser je Hektar) Mindestdichte: sozial und ökonomisch nötig, Maximaldichte: hygienisch und wohnumfeldbezogenen geboten Fläche Zentralstadt: ca Hektar ein Fünftel insgesamt beanspruchte Siedlungsfläche: ha Gliederung durch ‘Nutzungsringe’. Im Kern: öffentliche Einrichtungen wie Rathaus, Museen, Theater und Bibliothek, umschlossen von Zentralpark, daran weiterer Ring mit Fachgeschäften, gefolgt von Wohngebieten mit Gärten. Eine 150 Meter breite 'Grand Avenue' mit Schulen, Spielplätzen und religiösen Einrichtungen trennte Wohngebiete von Ring der Gewerbegebiete der Industrie. Zone Gewerbegebiete sollte durch 'Ringbahn' erschlossen werden. Zentralstadt umgeben mit Grüngürtel Siedlungsstruktur in Funktionsringen auch für Vorstädte. Mit 'Funktionsgebieten' zum ersten Mal Gliederungselemente der Stadt definiert und eine Entlastung der Kernstadt in Form einer Suburbanisierung und polyzentrischen Ausrichtung angestrebt.“ 8 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

9 Gartenstadt „selektive Rezeption“, fragmentarische Vorstadt
Letchworth 1903, Welwyn 1920, Hellerau b. Dresden 1908, Berlin: Falkenberg b. Grünau 1914 (Genossenschaft), Staaken 1917, Frohnau 1908, Dahlem 1909, Zehlendorf 1912, Tempelhofer Feld 1920, Lindenhofsiedlung 1921 (Schöneberg); nach dem II. Weltkrieg: New Towns Act 1946 und 1964, Gartenstädte rund um London „selektive Rezeption“, fragmentarische Vorstadt Gartenstadt Staaken Berlin-Spandau Architekt: Paul Schmitthenner, „Geschichten voller Poesie“ (Karl Kiem) „Wie im Märchen“ Die in verschiedenen europäischen Ländern gegründeten Gartenstadtgesellschaften verstanden sich häufig als Gegenposition zum ungehinderten und stark verdichteten Wachstum der Industriegroßstädte. Das Hauptaugenmerk richteten sie weniger auf gesellschaftsstrukturelle als auf stadtstrukturelle Veränderungen. Eine konsequente Umsetzung des gesamten Howardschen Konzeptes, wurde bisher nirgendwo erreicht. (http://irpud.raumplanung.uni-dortmund.de/irpud/pro/struktur/ber41.pdf) „selektive Rezeption des Gesamtkonzeptes der Gartenstadt hat dazu geführt, daß unter der Bezeichnung 'Gartenstadt' auch Strukturen realisiert wurden, die zu den Prinzipien der Umweltverträglichkeit gelegentlich sogar im Gegensatz stehen. Zum einen wurde die Idee der „autarken Gartenstadt“ nicht mehr wie bei Howard im gesamtstädtischen Kontext betrachtet, sondern als fragmentarische Gartenvorstadt ohne Arbeitsplätze fehlinterpretiert. Zum anderen wurde der Begriff 'Gartenstadt' in neuerer Zeit herangezogen, um eine disperse Siedlungsentwicklung in automobilabhängigen peripheren Einfamilienhausgebieten zu rechtfertigen.  Deutsche Gartenstadtgesellschaft 1902, Architektur der Stadt Berlin , Nicolai S. 35, 36) (Letchworth 1903, Welwyn 1920, Hellerau b. Dresden 1908 (Industriesiedlung), Falkenberg b. Grünau 1914 (Genossenschaft), Staaken 1917 von Schmidthenner (Fabriksiedlung), außerdem: Frohnau 1908, Dahlem 1909 Jansen, Tempelhofer Feld 1911, Zehlendorf 1912 vgl. Architektur der Stadt Berlin , Nicolai S Ideal und Praxis: statt Neugründung radiale Vorortbildung, Achsenkonzepte s. Schumacher „Die englische Gartenstadtbewegung [Bearbeiten] Die englische Gartenstadtbewegung organisierte sich in der „Garden City Association“ (Gartenstadtgesellschaft), die schließlich großflächig Land in der englischen Grafschaft Hertfordshire ankaufte und ab 1903 im Sinne der Bewegung bebaute: so entstand die Gartenstadt Letchworth gelang die Gründung der zweiten englischen Gartenstadt Welwyn Garden City. Nach dem 2. Weltkrieg folgten Dutzende staatlich gegründeter englischer New Towns rund um London.“ „The garden city movement is an approach to urban planning that was founded in 1898 by Ebenezer Howard in England. Garden cities were to be planned, self-contained communities surrounded by greenbelts, and containing carefully balanced areas of residences, industry, and agriculture. Ebenezer Howards Three Magnets diagram, 1898 Copyright status This was published in the book Tomorrow: A Peaceful Path to Real Reform in 1898, and so is now out of copyright. ... Ebenezer Howard (29 January 1850 [1]–May 1, 1928[2]) was a prominent British urban planner Ebenezer Howard (29 January 1850 [1]–May 1, 1928[2]) was a prominent British urban planner. ... Inspired by the Utopian novel Looking Backward, Howard published To-morrow: a Peaceful Path to Real Reform in 1898 (reissued in 1902 as Garden Cities of To-morrow), organized the Garden City Association in 1899, and founded two cities in England: Letchworth Garden City in 1903, and Welwyn Garden City in (Letchworth is commonly referred to as such, and Welwyn called by its complete name or abbreviated slightly as Welwyn Garden.) Both designs are durable successes and healthy communities today, although not a complete realization of Howard's ideals. See Utopia (disambiguation) for other meanings of this word Utopia, in its most common and general meaning, refers to a hypothetical perfect society. ... Looking Backward: is a utopian novel by Edward Bellamy, a lawyer and writer from western Massachusetts, and was first published in The Town and Country Planning Association is Englands oldest environmental charity. ... Arms of Letchworth Urban District Council Letchworth, officially Letchworth Garden City, is a town in Hertfordshire, England. ... Not to be confused with Welwyn. ... Howard's successor as chairman of the Garden City Association was Sir Frederic Osborn, who extended the movement into regional planning. [1] Sir Frederic James Osborn (1885-?) was a leading member of the UK Garden city movement and was chairman of the Town and Country Planning Association. ... The idea of the garden city was influential in the United States (in Pittsburgh's Chatham Village; Sunnyside, Queens; Radburn, New Jersey; Jackson Heights, Queens; the Woodbourne neighborhood of Boston; Garden City, New York; and Baldwin Hills Village in Los Angeles) and in Canada in ( Kapuskasing, Ontario, Walkerville, Ontario). The first German garden city, Hellerau, a suburb of Dresden, was founded in The concept was drawn upon for German worker housing built during the Weimar years, and again in England after World War II when the New Towns Act triggered the development of many new communities based on Howard's egalitarian vision. The garden city movement also influenced the British urbanist Sir Patrick Geddes in the planning of Tel-Aviv, Israel. Contemporary town planning charters like New Urbanism and Principles of Intelligent Urbanism find their origins in this movement. Today,there are many garden cities in the world. Most of them, however, exist as just Dormitory suburbs, which completely differ from what Howard wanted to create.“ Karl Kiem: Die Gartenstadt Staaken als Prototyp der modernen deutschen Siedlung 9 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

10 Stadtrandsiedlungsbewegung
„Schrei nach Siedlung“: Stadt aufs Land tragen, Dorfstädte bilden, landgerichteter Städtebau Werksiedlung , industrielle Randwanderung: Borsig/Tegel; Kunheim/Niederschöneweide; Spindler/Spindlersfeld; AEG/Hennigsdorf; Schwarzkopf/Wildau; Bahn/Seddin, Elstal Stadtrandsiedlung (Berlin: Parzellen im Umland) Kleinsiedlung, vorstädtische (Umsiedlung Arbeitslose: 3. Brüningsche Notverordnung 1931; Flüchtlinge, Aussiedler, Übersiedler im Nachkriegsdeutschland, BauNVO) Eigenheim verdichtete Eigenheimsiedlung (RH, Hammer-Grundstück) Verstädternde Überformung: Geschoss-WE, Stadtvilla Stadtrandsiedlungsbewegung – -         Schrei nach Siedlung, -         Werksiedlungsbau, -         Kleinsiedlung: Werkswohnungsbau und industrielle Randwanderung 1890/1925: Borsig in Tegel; Kunheim in Niederschöneweide, Spindler in Spindlersfeld; AEG in Hennigsdorf, Schwarzkopf (Lokomotivbau) in Wildau, Eisenbahnersiedlungen an großen Verschiebebahnhöfen (Seddin, Elstal ) vgl. Karl-Heinz Hüter: Der Siedlungsbau im Land Brandenburg vom Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, MSWV Hrsg., S. 14f. Die Stadt auf das Land tragen, Dorfstädte bilden, landgerichteter Städtebau (außerhalb Groß-Berlins: Parzellen) Kleinsiedlung: Ausweg aus der Massenarbeitslosigkeit (3. Brüningsche Notverordnung 1931: Programm zur Förderung der Kleinsiedlung: Umsiedlung von 2 Mio. Arbeitslosen an den Stadtrand; nach BauNVO Größe und Art unterhalb der Grenze des landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetriebes: m² Grundstücksfläche, nach dem Krieg vor allem für Flüchtlinge aus dem ländlichen Gebieten des Osten gedacht) Entstehung der Siedlung, Die Entstehung der Speckwegsiedlung (Bericht anläßlich des 60 Jährlgen bestehens) Das Speckweg-Gebiet zwischen Waldhof und Käfertal bestand aus Gestrüpp und zum Teil wild wachsenden Spargeläckern, die stark verunkrautet waren. Daß es sich nahezu ausnahmslos um unebene Sandböden handelte, zeugen die Flurbezeichnungen wie zum Beispiel Auf dem Sand, Im Sandfeld, Sandgewann und Krummgewann. Bevor die Speckweg-Siedlung aufgebaut wurde, standen in der Oberen Riedstraße Behelfsheime für sozial schwächere Bürger, im Volksmund als „ Benz Baracken „ bekannt, die später abgerissen und durch Wohnblöcke ersetzt wurden. In den zwanziger Jahren bis 1931 herrschte in Deutschland eine große Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenunterstützung vieler Bürger reichte gerade noch zum Überleben. Um sich zunächst eine kleine Nebeneinnahme zu verschaffen, bewarben sich Bürger um ein kleines Stück Land zur Kleintierhaltung und für den Gartenbau. Die Stadt verpachtete Gelände vom Waldhof aus gesehen rechts des Speckwegs in der Größe von 600 bis 2000 qm zum Preis von 5 Pfennigen pro qm und Jahr. Während der lange anhaltenden Wirtschaftskrise begannen viele Gartenbesitzer eine kleine Nothütte aus Holz zu erstellen. Diese bewohnten sie bis zur Fertigstellung ihres Hauses. Es durften also zunächst sogenannte Notwohnungen mit Kleintierhaltug errichtet werden, wobei eine Unterkellerung nicht gestattet wurde. Ende des Jahres 1933 bezog der erste Siedler sein selbst erstelltes Häuschen im Kleinen Anfang. Ab dem Jahre 1933 fanden viele wieder eine Arbeitsstelle. Der Wunsch nach einem eigenen Siedlerhäuschen war ungebrochen und so begann unter entscheidender Mithilfe des Bauwilligen, seiner Familie und auch mit Nachbarschaftshilfe eine rege Bautätigkeit. Ein Lageplan aus dem Jahre 1933 läßt erkennen, daß zum Beispiel im Kleinen Anfang nur noch drei Grundstücke frei waren, wärend bei allen anderen bereits Häuser eingezeichnet und somit geplant waren . In den anderen Straßen gab es große Baulücken. Früher zogen sich zwei Rheinarme durch das ganze Gebiet . Deshalb liegen manche Anwesen tiefer als andre . Man mußte nicht tief graben , um auf Kies zu stoßen. Dieser wurde zum Bauen verwendet . Die Backsteine wurden mit dem Leiterwagen zum Teil von der Rheinau und Neckarau geholt. Natürlich zu Fuß . Die ersten Siedler waren richtige Pioniere. Erst 1953 wurde die Siedlung an das Städtische Wasserwerk und an die Kanalisation angeschlossen . Zuvor hatten sie eigene Brunnen und Jauchegruben. Die Straßen waren lange nicht befestigt und bei jedem Regen gab es Überschwemmungen und kleine Seen. Den Kindern gefiel dies sehr. Fast jede Siedlerfamilie hatte Kleintiere. Hasen, Hühner, Enten, Puten manchmal auch Schafe und sogar ein Schwein. Heute ist das in den Siedlungen nicht mehr erlaubt . Erste Geschäfte zur Versorgung mit Grundnahrungsmittel siedelten sich an. Die Metzgerei Guttruff(heute Dahler) und Roos, die Bäckerei Lauser, Kolonialwaren Klingenstein (heute C.Bohn), Milchgeschäfte Dietrich, Karl und Feindel. Die Kartoffelhändler zogen mit dem Pferdewagen durch die Siedlung und boten ihre Waren an. Wollte man in die Stadt mußte man zu Fuß auf den Waldhof oder nach Käfertal gehen, um mit der Straßenbahn sein Ziel zu erreichen. Geheizt wurde mit Holz, Kohle und Koks, sofern vorhanden . Die Siedlergemeinschaft Speckweg trat nach der Gründung des Deutschen Siedlerbundes 1934 mit ca. 90% der Siedler dem neuen Dachverband bei. „Gartenstadt der vielleicht erfolgreichste Werbebegriff der modernen Stadtbaugeschichte überhaupt“ (Bodenschatz Jahrbuch Stadterneuerung 2002). 10 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

11 Städtebauliche Leitbilder
Antwort 2: „Land(schaft) in die Stadt holen“ Reformwohnungs-, Gewerk- und Genossenschaftsbau (seit 1890) Charta von Athen 1933/1942: Moderne und funktionale Stadt, vertikale Stadt ( ) Gegliederte und aufgelockerte Stadt, Stadt in der Landschaft ( ) Urbanität durch Dichte (1960–75), Sozialistischer Wohnkomplex ( ) Autogerechte Stadt ( ) Flächensanierung ( ) Behutsame Stadterneuerung ( ) Ökologischer Städtebau (Leitbild-Spreizung) Freiflächensicherung, Begrünung, Entsiegelung (GVZ, BFF) kritische Rekonstruktion Stadtumbau 11 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

12 Reformwohnungsbau Stadtgrundriss respektiert
Genossenschafts-, Gewerkschaftsbau: Alfred Messel: (Blockrandbebauung) Riemers Hofgarten: Blockkernbebauung ohne Hinterhäuser, „Fassade“ auch hinten Rüdesheimer Platz 1905 Wohnungsbaugenossenschaften Reformwohnungsbau, Genossenschafts-, Gewerkschaftsbau seit 1890: Sickingenstraße Alfred Messel für Berliner Spar- und Bauverein: Das richtige Maß für das alte Bild der Stadt finden: Blockrand und Hofgebäude in großzügigerer Anordnung, teilweise Öffnung des Blockrandes für Eingangssituation. Im Wedding dem Leitbild-Städtebau zum Opfer gefallen. („Versöhnungsprivatstraße“ Hussiten-/Strelitzstraße Wedding , Baugenossenschaft Vaterländischer Bauverein) „Alte“ Umweltbewegung (Motiv: Verwüstungen des Landschaftsbildes durch um sich wuchernde Industrie): Naturschutz-, Heimatschutzbewegung, Lebensreform um 1900, deutsches Zentrum: Berlin; Berliner Zentrum: Neue Gemeinschaft (Architektur der Stadt S. 33 Naturheilkunde, Ernährungsreform, Vegetarismus, Wassertherapie, Licht-Luft-Therapie, Kleiderreform, Schrebergarten (Daniel Gottlob Moritz Schreber, Lebensreformer): naturgemäßes Leben durch Übersiedlung aufs Land: Friedrichshagen am Müggelsee „Natureinsamkeit bei brausender Weltstadt“, Kolonie Eden bei Oranienburg) Riemers Hofgarten: Der von dem Maurermeister Wilhelm Ferdinand August Riehmer in mehreren Bauabschnitten zwischen 1881 und 1899 errichtete Hofgarten verwirklichte schon vor 100 Jahren den Traum vom ruhigen, beschaulichen Wohnen inmitten der Großstadt. Um einen parkartigen, verkehrs- und lärmberuhigten Innenhof gruppierte Riehmer 18 fünfgeschossige Wohnhäuser, die durch eine Privatstraße erschlossen werden. Straßen- und Hoffassaden wurden gleich aufwendig gestaltet und variieren nur mit ihrem Entstehungsjahr, von sparsameren spätklasszistischen zu reicheren Formen der Renaissance. Das berüchtigte Berliner Hinterhaus ist dem Hofgarten fremd. Wer den Block zwischen York-, Großbeeren-, Hagelberger Straße und Mehringdamm auf den Straßen des Hofgartens durchwandert wird die Schönheit und Ruhe des Hofraumes wie einen Urlaub von der Hektik der Straße empfinden. In den 80er Jahren wurde anstelle des kriegszerstörten linken Seitenflügels der Yorkstraße 85/86 willkürlich ein moderner Neubau in den Hofgarten eingefügt, der die Einheit der schönen, schon seit 1953 denkmalgeschützten Anlage beeinträchtigt Adresse: Yorkstr , Hagelberger Str. 9 und 12, Großbeerenstr Verbindung: U 6, U 7 Mehringdamm; Bus 119, 140, 219    Der Rüdesheimer Platz wurde um 1905 von Georg Haberland unter ästhetischen Aspekten und angeregt durch die reformerischen Ideen aus der englischen Architektur geplant. Um einen einheitlichen und trotzdem einen individuellen Charakter der Bebauung zu erhalten, hat er für die Fassaden einen einzigen Architekten, Paul Jatzow, verpflichtet, während die Geschosse durch weitere Architekten geplant wurden. Georg Haberland war der Investor und Geschäftsführer der Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten, Sohn von Salomon Haberland, Mitglied der Wilmersdorfer Gemeindeverwaltung und Berliner Stadtverordneter. Die Wohnsiedlung gilt als vorbildliche Frühform aufgelockerter Bauweise im Grünen. So prägen die um 1910 im englischen Landhausstil errichteten Wohnhäuser den gesamten Stadtplatz durch ihre Fassaden, Giebel und auch die Vorgärten, die sogenannten „Gartenterrassen“. 12 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

13 Riemers Hofgarten: 13 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

14 Berliner Bauordnung 1925 Drei Quartiere unterschiedlicher städtebaulicher Konzeption: Blockkernbebauung: Friedenau: kein historischer Dorfkern, sondern Neugründung nach Deutsch-Französischem Krieg 1871 (daher der Name „Friedenau“). „Wenige Monate nach der Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1871 trat infolge des Zuzuges von über Menschen eine so empfindliche Wohnungsnot ein, dass die Bautätigkeit bald auf den weiteren Umkreis der Hauptstadt übergriff.[2] Der am 9. Juli 1871 ins Leben gerufene Landerwerb- und Bauverein auf Actien erwarb zwischen 1871 und 1875 insgesamt 550 Morgen Land des Ritterguts Deutsch-Wilmersdorf, um dort einen Villenvorort zu gründen ... Im Jahr 1874 wurde der Bebauungsplan vom damals zuständigen Landkreis Teltow amtlich anerkannt und Friedenau zur selbstständigen Landgemeinde dieses Landkreises erhoben hatte Friedenau 1104 Einwohner in 258 Haushalten.[3] Im Jahr 1912 waren es bereits rund 43.000 Menschen, die sich hier niedergelassen hatten.“ Blockrandbebauung mit Hofbildung durch Seitenflügel Rheinisches Viertel (Rüdesheimer Platz) von Paul Jatzow u.a. „Rund um den Rüdesheimer Platz entstand als einer der wichtigsten Beiträge zum Wohnungsbau in Berlin vor dem Ersten Weltkrieg eine ‚Gartenterrassenstadt‘ ... in Anlehnung an englische Landhäuser mit Fachwerk und Putzverzierungen gestaltet“ (Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989, S. 103) „Vor den Häusern liegen nicht die üblichen eingezäunten Vorgärten,sondern zehn Meter tiefe, leicht ansteigende Grünflächen, die sogenannten Gartenterrassen ... vielfach sind die durch die Seitenflügel gebildeten Höfe offen geblieben. Jatzow versuchte, Stilelemente des englischen Landhausbaus auf die vier- bis fünfgeschossige Wohnbebauung zu übertragen. Fachwerk, vielgestaltige Dachformen, verschieferte Erker, Rosenspaliere und Sprossenfenster zielten auf die Interpretation des Landhauses ab. Durch die Verwendung typischer Materialien wie Biberschwanzziegel und dunkelgelb eingefärbten Putz wurde dieser Eindruck verstärkt. “ „Die Bebauung mit einem einheitlichen und trotzdem individuellen Baustil gilt als vorbildliche Frühform aufgelockerter Bauweise im Grünen.“ Blockrandbebauung ohne Seitenflügel (Großhöfe) Südwestkorso mit Künstlerkolonie Berlin: „Die Wohnblocks der Künstlerkolonie entstanden im Rahmen des städteplanerischen Konzepts der „Gartenstadt“, das schon vor dem Ersten Weltkrieg entstanden und 1911 bis 1915 um den Rüdesheimer Platz herum realisiert worden war. Dieses Siedlungskonzept stellte mit dem Verzicht der Hofbebauung eine bewusste Alternative zu den „Mietskasernen“ dar.“ Nach dem Muster der preußischen Einheitsbauordnung von 1919 entstand die Bauordnung Berlins. Sie trat am 1. Dezember 1925 in Kraft. : Stadtbaurat Martin Wagner (SPD) macht Berlin zum städtebaulichen Reformzentrum Deutschlands. Bau von Geschäftshäusern und Stadtteilzentren; zahlreiche Wettbewerbe. Großsiedlungen in Britz (Hufeisensiedlung), Zehlendorf (Onkel Toms Hütte), Charlottenburg (Siemensstadt), Reinickendorf (Weiße Stadt), Prenzlauer Berg (Wohnstadt Carl Legien). Architekten: B. u. M. Taut, H. u. W. Luckhardt, O. R. Salvisberg, E. Mendelsohn, H. Häring, L. Mies van der Rohe u. a. 14 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

15 Charta von Athen 1933 „Luft, Licht und Sonne“
4. Kongress CIAM auf Schiff Patris II in Griechenland, Resolutionsentwurf Le Courbusier ( ): vier Schlüsselfunktionen des Städtebaus: Wohnen (Angelpunkt), Arbeiten, Erholen, Fortbewegen Städte Bild des Chaos: Trennung Funktionen, Aufräumen Ausdruck privater Interessen, Mobilisierung des Eigentums Aufreihung der Häuser an Verkehrsstraßen muss aufhören getrennte Wege für Fußgänger und Automobil (§ 62), Corbusiers Ausruf Schnelligkeit des Verkehrs: Höhendifferenz für durchgehende Fahrt, Flyover (§ 61) größere Distanz zwischen Kreuzungen, (§ 54: m) Sonne gegen Tuberkolose, 2 Stunden jede Wohnung/Tag, Nordlage von Wohnungen verdammen. (§ 26 und 62) Herausgabe 1942: 95 Artikel (vgl. 95 Thesen Luthers) Rechts: Illustration der Charta von Athen, Zeichnung v. Le Corbusier zur Planung f. Mainz Section du Plan von 1947 Corbusiers Ausruf, Charta von Athen 1933: Aufräumen und Ordnen. Großes Vorbild Henry Ford (Trennung und Zergliederung von komplexer handwerklicher Arbeit hin zu Fließbandarbeit ab 1913) Funktionstrennung (Industrie, Gewerbe und Verzahnung von Wohnen und Gewerbe in Gründerzeitquartieren: Blockkerngewerbe, Kreuzberger Mischung) Raumüberwindung „Bereiten wir die Städte auf die bevorstehenden Funktionen der neuen Geschwindigkeit vor, die einfache Geschwindigkeit (Fußgänger oder Pferd) ist zur zwanzigfachen Geschwindigkeit (mechanischer Transport) geworden. Revolution!“ Begeisterung ging so weit, dass er nicht nur Häuser entwarf, sondern auch Kleinwagen. Er setzte schließlich durch, dass der gesamte Kongress das Auto als Grundlage des städtischen Massenverkehrsmittel akzeptiert hat. Quelle: Thilo Hilpert Hrsg.: Le Corbusiers “Charta von Athen”, Texte und Dokumente, Braunschweig 1988 Le Corbusier ein Autonarr wie Frank Lloyd Wright: „Mit der automobil ausgelebten Stadtbeweglichkeit werden aber nicht nur urbane Gesundheitsrisiken reduziert. Zugleich finden damit zwei alte Träume der Moderne ihr unrühmliches Ende: die "autogerechte Stadt" einerseits - und andererseits die Vorstellung einer Vorstadt als Lebensraum im Gegensatz zur Stadt als Arbeitswelt. Niedergeschrieben ist die räumliche Trennung übrigens in der "Charta von Athen", also in jener Gründungsurkunde der Moderne, die vor allem von den Ideen Corbusiers inspiriert war - ein Autonarr wie Wright.“ Alle Räder stehen still - Erst Feinstaub, jetzt Verkehrslärm - Die EU beerdigt den Moderne-Traum der "autogerechten Stadt" GERHARD MATZIG SZ vom Städte liefern Bild des Chaos, Ausdruck der Aneinanderreihung privater Interessen Aufreihung der Häuser an Verkehrsstraßen muss aufhören getrennte Wege für Fußgänger und Automobil (§ 62) größere Distanz zwischen Kreuzungen, (§ 54: m) Mobilisierung des Eigentums als Voraussetzung eines geplanten Baues der Städte Herausgabe 1942: 95 Artikel (vgl. 95 Thesen Luthers) Trennung der Funktionen, Aufräumen, Schnelligkeit des Verkehrs: Höhendifferenz für durchgehende Fahrt, Flyover (§ 61) Sonne: Tuberkolose verbreitet sich da, wo keine Sonne hinkommt. Sonne auch im Winter mindestens 2 Stunden täglich in jede Wohnung, sonst keine Baugenehmigung. Sonne einführen gebieterischste Aufgabe, Nordlage von Wohnungen verdammen. (§ 26 und 62) 15 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

16 Moderne und funktionale Stadt (1918-1933)
Hilbersheimer: Die Hochhausstadt (1924) Anlehnung in Corbusiers Ville Contemporaire Weiteres Bsp.: Entwurf für Überplanung der Friedrichstadt, Berlin Moderne und funktionale Stadt ( ) Courbusier o       Ersatz flacher, dichter Bebauung durch punktförmige, hohe, weiträumige Bebauung o       unabhängige Fußgängerwegesysteme o       vertikale Gartenstadt, (Terrassen auf den Dächern, Gärten in den Etagen) o       Funktionstrennung Raumschiffe, Wohnmaschinen, Großkörper, Bsp. Courbusier Haus am Olympiastadtion (500 Wohnungen) Ein Haus so groß wie eine Kleinstadt Corbusiers Ausruf, Charta von Athen 1933: Aufräumen und Ordnen. Großes Vorbild Henry Ford (Trennung und Zergliederung von komplexer handwerklicher Arbeit hin zu Fließbandarbeit ab 1913) Funktionstrennung (Industrie, Gewerbe und Verzahnung von Wohnen und Gewerbe in Gründerzeitquartieren: Blockkerngewerbe, Kreuzberger Mischung) Raumüberwindung „Bereiten wir die Städte auf die bevorstehenden Funktionen der neuen Geschwindigkeit vor, die einfache Geschwindigkeit (Fußgänger oder Pferd) ist zur zwanzigfachen Geschwindigkeit (mechanischer Transport) geworden. Revolution!“ Begeisterung ging so weit, dass er nicht nur Häuser entwarf, sondern auch Kleinwagen. Er setzte schließlich durch, dass der gesamte Kongress das Auto als Grundlage des städtischen Massenverkehrsmittel akzeptiert hat. 16 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

17 Moderne und funktionale Stadt (1918-1933)
Le Corbusier Vertikale Stadt ( EW/ha) Ville contemporaine 1922 plan voisin 1925 (Zentrum von Paris) Ville radieuse, 1930 Vertikale „Gartenstadt“: Terrassen auf Dächern, Gärten auf Etagen Ville contemporaine 1922: Der Plan basiert auf folgenden Grundsätzen: 1. Entlastung des Zentrums 2. Erhöhung der Bevölkerungsdichte 3. Vermehrung der Verkehrsmittel 4. Vermehrung der Grünflächen. Im Zentrum der Bahnhof mit Plattform  für die Landung der Lufttaxis. Bevölkerungsdichte: a) Wolkenkratzer: Bewohner pro Hektar b) Stadtwohnungen in Zahnschnittform  . Jedes Fenster geht auf die Grünflächen: 300 Bewohner pro Hektar c) Geschlossene Wohnblocks auf Stadtgebiet: 305 Bewohner je Hektar. Die starke Wohndichte vermindert die Entfernungen und beschleunigt den Verkehr.[8] 17 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

18 Moderne und funktionale Stadt (1918-1933)
Vertikale Stadt: Im Hansaviertel kein Platz: Corbusierhaus (1958) 530 WE, "Unité d'habitation, Typ Berlin" Ein Haus mit so viel Menschen wie eine Kleinstadt „Die Ferienwohnung für ca. 4 Personen in der 8. Innenstraße kann jederzeit von Ihnen gebucht werden“ Etagenflur: 10 ca. 130 Meter lange Innenstraßen „vertikale Stadt“: Corbusierhaus,  wurde im Rahmen der Interbau (Internationale Bauausstellung) errichtet. Mit dem Bau der "Unité d'habitation, Typ Berlin" wurde die dritte derartige Wohnanlage, nach Marseille und Nantes errichtet. Da das Gebäude im Rahmen des sozialen Wohnungsbau finanziert wurde, musste Le-Corbusier von seiner entwickelten Idee und Modulbauweise abweichen und eine Deckenhöhe von 2,50 statt 2,26m zulassen. Als auch die geplanten infrastrukturellen Einrichtungen, entgegen dem ursprünglichen Entwurf wegfielen, führte das zur Distanzierung Le-Corbusiers, das er mit den Worten:  "Ein Gestell für Flaschen„ ausdrückte. Le Corbusier plante in Berlin eine Unité d'Habitation (Wohneinheit), die er in ähnlicher Weise bereits zuvor in Marseille und Nantes-Rezé und später in Briey en Forêt und Firminy verwirklicht hat. Le Corbusiers Entwurf unterschied sich von den Entwürfen der anderen Architekten vor allem in der Größe. Für ein Gebäude dieser Größe war im Hansaviertel kein angemesserer Bauplatz vorhanden. So wurde entschieden das Corbusierhaus weit außerhalb des Hansaviertels gegenüber des Olympiastadions zu erbauen. Insgesamt verfügt das Haus über 530 Wohnungen: 173  1-Zimmerwohnungen mit ca. 34 qm Wohnfläche   267  2-Zimmerwohnungen mit ca. 66 qm Wohnfläche   85  3-Zimmerwohnungen mit ca. 106 qm Wohnfläche   4  4-Zimmerwohnungen mit ca. 145 qm Wohnfläche   1  5-Zimmerwohnung mit ca. 170 qm Wohnfläche „Mit Ausnahme der 1-Zimmerwohnungen erstrecken sich alle Wohnungen über zwei Geschosse, die 3- und 4-Zimmerwohnungen reichen dabei von der Ost- bis zur Westseite. Die Wohnungen werden über 10 ca. 130 Meter langen Innenstraßen (rues intérieures) erschlossen. Die Innenstraßen sind über eine Aufzugsgruppe mit dem Foyer verbunden, das den Bewohnern als Eingangshalle und Treffpunkt dient. Zur Versorgung der Bewohner wurde ein größeres Ladengeschäft zwischen den Stützen des Erdgeschosses gestellt. Dank eines rationellen Bauablaufes und der Verwendung von vor Ort in einer Feldfabrik hergestellten Betonfertigteilen wurde das Wohnhochhaus in einer Bauzeit von nur 18 Monaten errichtet. Während der Planungs- und Bauphase wurden auf Wunsch des Bauherrn Änderungen an den ursprünglichen Plänen Corbusiers vorgenommen. Die seinerzeit geltenden Bestimmungen des sozialen Wohnungsbaus ließen u.a. Gemeinschaftseinrichtungen auf dem Dach, eine Ladenzone in der 4. Innenstraße und die Anwendung der von Corbusier entwickelten Maßeinheit, dem Modulor, nicht zu. 1979 wurden die Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Die Eigentümergemeinschaft ist seitdem bestrebt, das Erbe Corbusiers zu erhalten und wo nötig auch wieder herzustellen. Text an der Ostfassade des Gebäudes: In diesem senkrechten Dorf aus 2000 Bewohnern sieht man nicht seinen Nachbarn hört man nicht seinen Nachbarn man ist eine Familie "In natürlicher Umgebung" Sonne Raum Grünes Das ist die erreichte Freiheit: 1. auf der Ebene der Zelle 1. der Einzelne 2. die Familiengruppe 3. das Heim 2. auf der Ebene der sozialen Gruppe. Es ist der Vorteil des gemeinsamen Service der die individuelle Freiheit bestätigt: Unzertrennliche Partner: Der Einzelne - Die Gemeinschaft“ „Ein bisschen Alltagskultur wäre genau das Heilmittel, das dem krankenden Haus bekommen würde. Die Arztpraxen, Blumen- und Gemüseläden, die nach und nach wegen zu hoher Mieten aus der vertikalen Stadt verschwanden, hinterließen nicht bloß den Baukünstler mit Fliege, Hornbrille und dem bürgerlichen Namen Charles-Édouard Jeanneret verärgert zurück. Sie hinterließen auch Narben.“Himmelhoch jauchzend, im Flure betrübt, Zu Besuch in Le Corbusiers "Wohnmaschine„, Von Annabelle Seubert; Tsp, , 18 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

19 Gegliederte, aufgelockerte Stadt, Stadt in der Landschaft (1940-1960)
Theorie: (Göderitz, Rainer, Hoffmann) Verbindung von Bauwerk und Landschaft Egalitäre Vorstellungen, sozialreformerisch: Jeder einen Balkon Zeilenbau Jeder besonnt, auch im Winter Abstand zwischen Zeilen: 5 H (14 ° Sonnenwinkel in Berlin) Problem Abstand zwischen Zeilen: Winterzenit 23,5 ° s.B (Differenz zu BB 52,5 °+23,5°=76°, Sonnenwinkel: 14°) Herbstzenit,Frühjahrszenit: 0° (Differenz zu BB 52,5 °, Sonnenwinkel: 37,5°) Sommerzenit 23,5 ° nB (Differenz zu BB 29°, Sonnenwinkel: 61°) Berlin 52,5 ° n.B. Abstandsmaß 5 H im Winter - in Berlin), BauOB zulässiger Abstand 0,8 H (0,4 H bis Straßenmitte), vorher 2 H (1H) 10 m = 50 m Abstand (flächensparendes Bauen?) 22 m (Berliner Traufhöhe): 110 m Abstand 19 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

20 Gegliederte, aufgelockerte Stadt, Stadt in der Landschaft (1940-1960)
Hierarchie Nachbarschaft Stadtzelle (= vier Nachbarschaften mit je EW) Stadtbezirk (autark, zentralörtliche Funktion (Einkauf, Verwaltung = 3-4 Stadtzellen) Stadtteil: (= 3 Stadtbezirke) Franz Fürst, Ursus Himmelbach, Petra Potz, Leitbilder der räumlichen Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert – Wege zur Nachhaltigkeit? Berichte aus dem Institut für Raumplanung, 41, Gegliederte, aufgelockerte Stadt, Stadt in der Landschaft ( ): Stadt und Quartiere so strukturiert, daß sie selbständige Einheiten bilden und die täglichen Aktivitäten hauptsächlich zu Fuß erreicht werden können. (Ausweisung von Versorgungseinrichtungen des täglichen Bedarfs in jedem Quartier). Komplexer werdende Gesellschaft entwickelt Bedürfnisse und sozialräumliche Verflechtungen, denen diese Art der räumlichen Organisation nicht mehr gerecht wird. (erhöhtes Verkehrsaufkommen) 20 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

21 Gegliederte, aufgelockerte Stadt, Stadt in der Landschaft (1940-1960)
Praxis Phase Wiederaufbau (bis Mitte 1950er) (Einhaltung historischer Grundriss, wg. TI) zweite Hälfte 1950er Wohngebiete nach Leitbild Nachbarschaftseinheiten EW 3- bis 4-geschossige Zeilen um eine Grundschule, Ladenzentrum Problem: Rigorose Trennung, Verkehrswachstum (Pendler), Verödung, Monotonie, Anonymität, Auslastung leistungsfähiger ÖPNV-Systeme/soziale Infrastruktur Praxis: Die Phase des Wiederaufbaus (bis etwa 1960) frühe Phase Wiederaufbau bis Mitte 50er Jahre durch quantitative Wohnungspolitik gekennzeichnet: Wiedererrichtung der zerstörten Wohnungen - vorwiegend im engen Rahmen des sozialen Wohnungsbaus - und der Arbeitsstätten ermöglicht Rückkehr der kriegsbedingt aufs Land verdrängten Bevölkerung und Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen. Zügiger Wiederaufbau der Städte - meist unter weitgehender Einhaltung des historischen Siedlungsgefüges (Grund u.a.: die technische Infrastruktur war oftmals unversehrt geblieben) - eine Voraussetzungen für ungeahnte Wirtschaftsentwicklung. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre entstehen in großer Zahl monofunktionale Wohngebiete, nach dem Prinzip der gegliederten und aufgelockerten Stadt angeordnet zu Nachbarschaftseinheiten mit bis Einwohnern. Vorherrschend sind drei- bis viergeschossige Wohnzeilen, gruppiert um eine Grundschule und ein kleines Ladenzentrum als tragende Infrastrukturelemente (vgl. Borchard 1979, S. 341). Rigorose räumliche Trennung der Grundfunktionsbereiche Wohnen, Arbeiten, Versorgen und Erholen Negative Folgen: beginnende Zersiedlung, stetiges Anwachsen der Pendlerströme. Mit dem Verkehr steigen gerade diejenigen Umweltbelastungen, denen die Wohnbevölkerung entfliehen wollte (vgl. Borchard/Köhl et al. 1988, S. 211). Zum anderen "Verödung " und zunehmende Anonymität der monotonen Wohnsiedlungen. 21 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

22 Berlin - Interbau 1957 22 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

23 Urbanität durch Dichte (1960 – 1975)
Lösung der Probleme der „Gegliederten und aufgelockerten Stadt“/„Stadt in der Landschaft“ Konzept: Wohngebirge mit Großformen Rückwendung zum baulich gefassten Raum Verdichtung Rückgewinnung urbanen Lebens, städtische Lebensform 23 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

24 Urbanität durch Dichte (1960 – 1975)
Märkisches Viertel, Berlin 24 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

25 Urbanität durch Dichte (1960 – 1975)
An Stadträndern bis Anfang 1970er Jahre: Großwohnsiedlungen extrem hoher Dichte Märkisches Viertel, Berlin Gropiusstadt, Berlin Steilshoop, Hamburg Neu-Perlach, München Chorweiler, Köln Dichte: 151 bis mehr als 550 Ew/ha 25 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

26 Sozialistischer Wohnkomplex (1960-1989)
Berlin, Hellersdorf 26 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

27 Autogerechte Stadt (1960-1975)
Eingriffe in Stadtkörper (vgl. Charta von Athen) Stadtautobahn kreuzungsfreie Stadtstraße: Tunnel (Bundesallee); Fly-over (Bierpinsel), kreuzungsfreie Abbiegespuren: Einschleifung Straßenverbreiterung, Mittelstreifen Lietzenburger Str. (Brandwände); Hohenstaufenstraße, Martin-Luther-Straße Trennung Fußgänger/Straßenverkehr (Unterführungen: Bsp. ICC, Brücken, keine Rücksicht beim Abbiegen nötig) Trennung Erschließung/Bebauung, anbaufreie Straßen Lange Baublocks, weniger Kreuzungen/ Querverkehr Berlin: Tangentenplan (NKZ), FNP 1965 Buchanan-Bericht 1963: notwendiger, beliebiger Verkehr, will Gesellschaft Entwicklung mitmachen? Lit. Reichow, Die autogerechte Stadt, 1954. Deutscher Städtetag 1965: „Straßen für die Städte – Jetzt muss gehandelt werden!“ Expressway durch Boston Titelbild 15. Heft Neue Schriften des DST, Stuttgart 1965 Entfernungspauschale und Raumordnung, ISR Projektbericht Nr. 31, S. 30 Zitiert nach: Beyme et al.1992, S. 27. „Mit der Entwicklung getrennter Systeme wurde auch im Erschließungsdenken die Konsequenz aus dem Gedanken der Funktionstrennung gezogen. Die Siedlungsplanung integrierte das Auto durch einen eigenen Verkehrsweg und gab damit das jahrtausendealte Konzept der gemischten und angebauten Straße auf“ Eingriffe in den vorhandenen Stadtkörper, (Ideen siehe Charta von Athen, Praxis mit Beginn der Massenmotorisierung) o       Bau von Stadtautobahnen, o       kreuzungsfreie Stadtstraßen: Tunnel Bundesallee; Fly-over Bierpinsel, o       kreuzungsfreie Abbiegespuren: Einschleifung o       Straßenverbreiterungen Lietzenburger (Brandwände); unvollständig Hohenstaufenstraße, Martin-Luther-Straße o       Trennung von Fußgänger und Straßenverkehr (Fußgänger-Unterführungen Bsp. ICC, Brücken) keine Rücksicht beim Abbiegen nötig o       Lange Baublocks, weniger Kreuzungen und Querverkehr Das Auto und das Eigenheim als die zentralen gesellschaftlichen Leitbilder „Der 1965 veröffentlichte Bericht einer von der Bundesregierung mit der Untersuchung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden beauftragten Kommission von Sachverständigen mündete in eine Entschließung des Deutschen Städtetages im selben Jahr, vom Bund umfängliche finanzielle Soforthilfen zum Ausbau der lokalen Straßenverkehrsnetze zu fordern. Auf dem Titel der zu diesem Anlass seitens des DST herausgegebenen Broschüre mit dem Titel: „Straßen für die Städte – Jetzt muss gehandelt werden!“ prangte ein Foto des Expressway in Boston, einer mehrstöckigen Autobahn mit insgesamt zwanzig Fahrspuren.“ Entfernungspauschale und Raumordnung, ISR Projektbericht Nr. 31, S. 30 Buchanan-Bericht 1963: Britische Regierung beauftragt Kommission unter Vorsitz von Colin Buchanan, Bilanz der bisherigen Stadtverkehrsplanung aufzustellen und Vorschläge für neue Planungskonzepte zu entwickeln. Bericht (Buchanan 1963): "Sicher zu sein, sich jederzeit sicher zu fühlen, keine Angst zu haben, daß dem Ehegatten oder den Kindern ein Verkehrsunfall zustößt, sind sicher Grundvoraussetzungen eines zivilisierten Lebens. Gegenüber diesem Maßstab ... lassen die vom Kraftverkehr geprägten Lebensbedingungen in unseren Städten viel zu wünschen übrig." Und: "... der Verkehrslärm entwickelt sich zu einem Hauptstörfaktor, der den Lebensgenuß in den Städten erheblich beeinträchtigt, die Vorzüge von Wohngegenden weitgehend zerstört. Und: "Die in Aussicht stehenden großstädtischen Verkehrsmengen und die zu ihrer Bewältigung erforderlichen Maßnahmen und Anstrengungen sind so gewaltig, daß die Gesellschaft sich sehr ernsthaft fragen muß, bis zu welchem Punkt sie diese Entwicklung mitmachen will. Darin liegt die Hauptfrage des sogenannten städtischen Verkehrsproblems". Buchanan unterscheidet als einer der ersten zwischen dem sogenannten notwendigen Autoverkehr (Wirtschafts- und Geschäftsverkehr) und dem beliebigem Autoverkehr. Da ein Großteil der Verkehrsprobleme seiner Meinung nach aus der extremen Zunahme des beliebigen Verkehrs resultiert, solle dieser konsequent begrenzt werden. Weiterhin macht er den Vorschlag einer umfeldabhängigen Kapazitäts- und Geschwindigkeitsbegrenzung. Für schützenswerte Bereiche ("Environment-Zonen") schlägt er drastische Restriktionen vor. Die Qualität des Straßenraumes für Fußgänger und Aufenthalt solle hier absoluten Vorrang haben. Buchanan zeigt Notwendigkeit, städtische Verkehrsplanung und kommunale Flächennutzungsplanung zu koordinieren. Interessant ist, daß eine intensivere Diskussion über eine "integrierte Verkehrsplanung" erst in jüngerer Zeit und somit erst zwei Jahrzehnte nach Veröffentlichung des Buchanan-Reports in Praxis und Wissenschaft auflebt. 27 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

28 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Kahlschlagsanierung“ (Licht, Luft, Sonne und Grün „Säulenheiligen“) Berlin: 1. Stadterneuerungsprogramm 1963 Wedding: Brunnenstraße/Ackerstraße; Neukölln, Kreuzberg, Charlottenburg EW WE 7.600 Betriebe 450 ha Modernisierung von Denkmälern bereitet Schmerzen: Der Lesesaal der Senatsbibliothek (Sebi): alte Holzstühle und Tische werden durch moderne Möbel ersetzt Altbaumodernisierung: ausgefachte und mit Zierleisten versehene Holztüren und Fenster werden durch Plastiktüren und Fenster ersetzt. Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Entstuckung in Berlin: „Das erste nachweislich entstuckte Haus in Berlin war das Gebäude der Hausleben- Versicherung in der Dorotheenstraße, von dem Erich Mendelsohn 1920 den Dekor entfernen ließ. Die spätesten Beispiele sind unmittelbar vor der Wende von 1989 durchgeführte Sanierungen in Ost-Berlin.“ Entstuckungsprogramme? Weimarer Zeit, Nachkriegszeit, welche gesellschaftlichen Strömungen führten seit den 60er Jahren nach und nach zum Ende der Entstuckung? Entstuckung (zuweilen auch Abstuckung) ist die vorsätzliche Beseitigung von Stuckornamenten an Gebäuden. Von etwa 1920 bis 1975 wurde, vorwiegend in Deutschland, vor allem von Fassaden und in Innenräumen aus der Gründerzeit der als häßlich und "lügnerisch" empfundene Gipsstuck-Dekor abgeschlagen. Fassaden oder Zimmerdecken wurden anschließend meist glatt verputzt. Die theoretischen Grundlagen für die Entstuckung wurden vor dem 1. Weltkrieg gelegt. Aus den Kreisen der kunstgewerblichen und architektonischen Reformbewegung um Adolf Loos, Hermann Muthesius oder Paul Schultze-Naumburg wurde bereits um 1900 massive Kritik an den industriell gefertigten Dekorelementen in Stilformen der Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko oder Klassizismus geübt, mit denen in der Gründerzeit die Architektur nobilitiert wurde. Vor allem der Stuck an Mietshäusern wurde als Verschleierung elender sozialer Verhältnisse gebrandmarkt. In einer mit moralischen Argumenten geführten Debatte wurde die historistische Stuckfassade zunehmend abqualifiziert. Als erster absichtsvoll vom Baudekor befreiter Bau kann jedoch ein Industriebau gelten: Peter Behrens ließ 1911 von der erst wenige Jahre zuvor errichteten "Alten Fabrik für Bahnmaterialien" der AEG in der Voltastraße in Berlin-Wedding den in Klinkerformsteinen ausgeführten Dekor entfernen. Entstuckung und Neues Bauen [Bearbeiten] Mit der aktiven Beseitigung des Dekors im größeren Stil wurde jedoch erst in den 1920er Jahren in Berlin begonnen. Pioniere der Entstuckung waren dort Architekten des Neuen Bauens wie Erich Mendelsohn oder die Brüder Hans und Wassili Luckhardt, aber auch ältere Architekten wie Peter Behrens oder Richard Riemerschmid. Einige ihrer Fassadenumgestaltungen waren gestalterisch durchaus bemerkenswert und wurden als eigenständige Bauten der jeweiligen Architekten wahrgenommen. Von Berlin breitete sich die Entstuckung, befördert durch befürwortende Artikel in den wichtigsten Architekturzeitschriften, als städtebauliches Leitbild in ganz Deutschland aus. Entstuckung und "Entschandelung" im Dritten Reich [Bearbeiten] In der Zeit des Nationalsozialismus lebte das Leitbild Entstuckung fort und wurde nun vor allem für Kleinstädte und Dörfer propagiert. Als Teil der so genannten "Entschandelung" wurde nun der Versuch gemacht, ganze Straßen, Plätze und Ensembles vom Dekor des späten 19. Jahrhunderts zu befreien. Eine zentrale Rolle kam bei diesen Bemühungen dem Architekten und Heimatschützer Werner Lindner zu. Höhepunkt in den 1950er Jahren [Bearbeiten] Ihren quantitativen Höhepunkt erreichte die Entstuckung jedoch erst nach 1945, als in fast allen deutschen Städten den Formen der Gründerzeit der Kampf angesagt wurde. Allein in Berlin-Kreuzberg, einem der größten Gründerzeitviertel Europas, wurde bis 1979 von etwa Häusern der Stuck abgeschlagen. Ende der Entstuckung seit den 1960er Jahren [Bearbeiten] Seit den frühen 1960er Jahren begann sich Kritik gegen die Entstuckung zu regen. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Erscheinen des polemischen Bildbandes "Die gemordete Stadt" des Publizisten Wolf Jobst Siedler und der Fotografin Elisabeth Niggemeyer im Jahr 1964 zu. Seit den 1970er Jahren wurde die Gründerzeit zunehmend von der Denkmalpflege, aber auch in der breiten Öffentlichkeit wieder entdeckt. In der Folge wurden sogar zahlreiche entstuckte Fassaden rekonstruiert und die Entstuckung vielerorts untersagt. Literatur [Bearbeiten] Hans Georg Hiller von Gaertringen: Fort mit Schnörkel, Stuck und Schaden. Die Entstuckung Berlins im 20. Jahrhundert. In: BerlinLabor (Hg.): Berlin-Forschungen junger Wissenschaftler, Bd. 1. Berlin: Verlag für Wissenschaft und Forschung 2005, ISBN Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Entstuckung“ Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) Architektur Wohnungsgesellschaft lässt Stuck zertrümmern Die Zeit, in der Stuck von Berliner Häusern geschlagen wurde, ist eigentlich vorbei. Doch in Schöneberg liegen Mieter mit der kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Berlin (WIR) im Rechtsstreit, weil die WIR ein Haus entstucken will. Im April ist Verhandlungsbeginn - aber seit Dienstag wird wieder Stuck abgerissen. Alt und neu: So wie hier im Prenzlauer Berg wünschen sie viele Berliner die Sanierung alter Häuser. Foto: Zentralbild Von Sebastian Eberle Der Lärm ist ohrenbetäubend. Als Heinz Jirout aus der Tür des eingerüsteten Mietshauses an der Schöneberger Zietenstraße tritt, fallen keine zwei Meter neben ihm große Brocken Stuck auf den abgesperrten Bürgersteig. Eine riesige Staubwolke umweht Jirout, der fassungslos den Arbeitern auf dem Baugerüst zuschaut, wie sie mit ihren Pressluftmeißeln die letzten noch verbliebenen Stuckteile von der einst prachtvoll verzierten Fassade des um 1900 erbauten Hauses schlagen. "Das ist eine ganz große Sauerei", sagt Heinz Jirout. "Mir ist vollkommen unverständlich, wie man mit dem wertvollen kulturellen Erbe so umgehen kann". Der Zorn des Architekten, der seit 1990 in der Zietenstraße Nummer 15 lebt, richtetet sich gegen den Hauseigentümer: Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Berlin (WIR), ein Tochterunternehmen der Gewobag. Der Ärger der Mieter in den Häusern Zietenstraße 15 und 17 begann im Frühling 2007, als vor den Fenstern der Bewohner ein Baugerüst aufgestellt wurde. "Wir konnten uns nicht erklären, was hier vorgeht", sagt Heinz Jirout. Als in der benachbarten Schwerinstraße an einem ebenfalls der WIR gehörenden Gebäude die Stuckfassade abgeschlagen wurde, schrillten bei den Mietern in der Zietenstraße die Alarmglocken. "Damals hatten wir das Gespräch mit der WIR gesucht. Uns wurde erklärt, dass sich die Fassade unseres Hauses in einem irreparabel schlechten Zustand befände", so Jirout. Da der auf Altbausanierung spezialisierte Architekt die Darstellung der Wohnungsbaugesellschaft anzweifelte, überlegte Jirout zusammen mit den anderen Hausbewohnern, was sie zur Rettung ihrer Fassade unternehmen könnten. Die Mieter entschlossen sich, einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Der erwirkte wenig später eine einstweilige Verfügung gegen die Entfernung des Stucks vor dem Amtsgericht Schöneberg. Die WIR wollte diese Entscheidung des Gerichts jedoch nicht anerkennen und legte im August Einspruch gegen das Urteil ein. Im April soll es nun zur Verhandlung vor dem Landgericht kommen. Die Baustadträtin ist entsetzt aber machtlos "Seitdem war Stille", erinnert sich Heinz Jirout. Doch seit zwei Wochen wird am Gerüst wieder gearbeitet. Jirout und die anderen Mieter ahnten nichts Gutes. Als der 46-Jährige am vergangenen Dienstagnachmittag seine Wohnung betrat seien plötzlich die Fenster zugenagelt gewesen "und die Bude war dunkel", so Jirout. Seitdem meißeln die Bauarbeiter kräftig. Die Fassade ist bereits fast vollständig ihrer Zierde beraubt. "Die wollten vor der Gerichtsverhandlung wohl Tatsachen schaffen" glaubt der gebürtige Wiener: "Was weg ist, ist weg." Dieser Einschätzung widerspricht der Sprecher der Gewobag, Volker Hartig: "Da wir eine Vorwegnahme des Gerichtsverfahrens vermeiden wollten, haben wir zuvor die einzelnen Stuckteile abgeformt, um eine spätere Rekonstruktion zu ermöglichen, falls das Gericht gegen uns entscheiden sollte". Das Urteil habe jedoch nicht abgewartet werden können, da ein längeres Stehenlassen des Baugerüsts die Wohnqualität der Mieter erheblich gemindert hätte. "Bevor wir das Gerüst abbauen, müssen wir aber die schadhafte Stuckfassade entfernen. Denn die Sicherheit der Mieter und Besucher hat für uns allerhöchste Priorität", so Hartig. Ein Gutachten habe ergeben, dass die Fassade eine "Gefahr für die Verkehrssicherheit" darstelle. Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne), die Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) vertritt, zeigte sich "entsetzt" über die Arbeiten, gegen die sie "keine rechtliche Handhabe" besitze. Sie hoffe jedoch, dass sich die WIR an eine im vergangenen Jahr mit dem Bezirk getroffene Verabredung hält. "Die Vereinbarung war, wenn Stuck noch einmal entfernt werden sollte, muss er wiederhergestellt werden". Ob die WIR dieser Forderung im vollen Umfang nachkommen muss, wird das Gericht entscheiden. Stand: Donnerstag, 7. Februar 2008, 22:00 Uhr  http://www.morgenpost.de/content/2008/02/08/berlin/ html 28 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

29 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ (Berlin-Wedding, Hussitenstraßen, Nähe „Meyer‘s Hof“, Ackerstraße) Reise durch die Stile und Zeiten: Hussitenstraße: Romanische Fassade Romanischer Hof Altmärkischer Hof Nürnberger Hof Renaissancehof (Barockhof Moderner Hof) Strelitzer Straße: Jugendstil-Fassade Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 29 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

30 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 30 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

31 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Reste des Romanischen Hofes Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 31 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

32 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 32 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

33 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Altmärkischer Hof, Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 33 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

34 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Nürnberger Hof Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrh. Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 34 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

35 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Nürnberger Hof Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrh. Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 35 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

36 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Nürnberger Hof Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrh. Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 36 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

37 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Nürnberger Hof Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrh. Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 37 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

38 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
„Versöhnungsprivatstraße“ Renaissancehof, Barockhof, Moderner Hof? „Da war der Kaiser Wilhelm an der Wand dran, da war‘n Gemälde dran - und dann ham‘ses abgerissen. Da war es sehenswert und mit einmal war es nicht mehr sehenswert, da wurd‘es abgerissen.“ Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, FAB-Verlag Berlin 1988, S. 52 Vaterländischer Bauverein erbaut 1903/04 Wohnanlage „Versöhnungsprivatstraße“ zwischen Hussitenstraße und Strelitzer Straße. Anlage mit 250 WE, 5 Läden, eine Bibliothek, ein Hospiz, einen Kinderhort, einen Saalbau und eine Badeanstalt, Wohnungen für alleinstehende Frauen. Architekt Georg August Louis Schwartzkopff 6 Höfe mit fünfstöckigen Gebäuden, Mauerwerksbauten, z.T. verputzt, mit Werkstein verblendet oder in Fachwerk ausgeführt. Mit historischen Stilformen die Geschichte Berlins „ikonologisch veranschaulichen“: Romanischer Hof (Berlin als Fischerdorf im 12. Jahrhrdt.), Altmärkischer Hof (gotische Bürgerstadt), Nürnberger Hof (kurfürstliche Residenzstadt 16 Jhrdt), Renaissance-Hof (Residenzstadt 17. Jhrdt), Borock-Hof (königliche Residenzstadt), Moderner Hof (Kaiserstadt der Gründerjahre) Vgl. Hans Reuther, Die große Zerstörung Berlins, Ullstein S. 122. Der kaisertreue Vaterländische Bauverein hatte mit der genossenschaftlichen Wohnanlage von 1903/04 eine „Aussöhnung der Klassen“ im Sinn: „In der Versöhnungs-Privatstraße sollten sich die verfeindeten Klassen, ‚Arbeiter und Beamte‘ im Zentrum der Arbeiterhochburg Weddings versöhnlich begegnen.“ (S. 47) „Zwischen 1970 und 1980 fielen im Rahmen der Sanierung ... nach und nach drei guterhaltene Wohnhäuser der berühmten „Versöhnungs-Privatstraße“ der Abrissbirne zum Opfer. Die Abriß-Entscheidung ging auf den Sanierungsträger „Vaterländischer Bauverein“ zurück, der die genossenschaftliche Wohnanlage selbst mit großem Stolz im Jahr 1903/04 als erstes eigenes Bauvorhaben errichtet hatte. Obwohl eine bauliche Notwendigkeit für die Abräumung nicht bestand, zögerte die Baugenossenschaft nicht, eine ‚Totaloperation‘ an ihrem Wohnkomplex vorzunehmen, der bei Experten seit langem den Ruf eines ‚sozialhistorischen Denkmals von hohem Rang‘ erworben hatte“. „Höchste Priorität hatte damals die ‚Schaffung moderner Wohn- und Lebensverhältnisse‘“ (S. 46) „Zwischen der Hussitenstraße 4–5 und der Strelitzer Straße 43 errichtete der Bauherr ‚die schönen und behaglichen Wohnungen inmitten der Stadt, nahe den Arbeits- und Dienststätten in einer Privatstraße, die aus aneinanderstoßenden Gartengrundstücken besteht.‘ (aus: Grundsteinlegungs-Urkunde). „Die Höfe wurde nach den jeweils dargestellten Zeitepochen benannt. Beginnend an der Hussitenstraße, ergab sich folgende Reise durch die Stile und Zeiten: Die Romanische Straßenfront an der Hussitenstraßen [seit dem II. Weltkrieg nicht mehr bewohnt, 1955 abgerissen]. Der Romanische Hof mit Rosengarten: Berlin als armseliges Fischerdorf im 12. Jahrhundert. Der Altmärkische Hof mit Hohenzollerngarten: Berlin als Bürgerstadt im 14. und 15. Jahrhundert. Der Nürnberger Hof mit Elisabethgarten: Berlin als kurfürstliche Residenz des 16. Jahrhunderts. Der Renaissancehof mit Friedrich-Wilhelm-Garten: Berlin als brandenburgisch-preußische Residenz im 17. Jahrhundert. Jugendstil-Fassade an der Strelitzer Straße. Jeweils ohne Abbildung: Der Barockhof mit Friedrichgarten: Berlin als preußische Königsstadt. Der Moderne Hof mit Wilhelmsgarten: Berlin als Kaiserstadt des 19. Jahrhunderts.“ (S. 48 f.) Literatur: Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, S. 46 – 53, FAB-Verlag Berlin, 1988. Martin Wörner: Architekturführer Berlin, S. 257, Reimer 1989 Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) 38 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

39 Macht der Moderne: Flächensanierung 1963-1980
Ornament und Verbrechen 1908 Modernisierung Entstuckung 1920 – 89 „Unfähigkeit zu Trauern“ nach 1945? Adolf Loos: Ornament und Verbrechen 1908 Hans Georg Hiller von Gaertringen: Fort mit Schnörkel, Stuck und Schaden" - Die Entstuckung Berlins im 20. Jahrhundert, in: BerlinLabor (Hrsg.): Berlin-Forschungen junger Wissenschaftler Nr. 1, ISBN , 200, Timo Strauch: Entstuckung. Zum Schicksal des Stucks am Berliner Miets- und Geschäftshaus. Peter Bürger: „Die Echtheit der alten Steine, Neue Zürcher Zeitung, Adolf Loos: Ornament und Verbrechen 1908 „Ornament ist vergeudete Arbeitskraft und dadurch vergeudete Gesundheit ... Heute bedeutet es auch vergeudetes Material, und beides bedeutet vergeudetes Kapital ... Der moderne Mensch, der Mensch mit den modernen Nerven, braucht das Ornament nicht, er verabscheut es.“ (Adolf Loos, Ornament und Verbrechen, 1908) "der moderne mensch, der sich tätowiert, ist ein verbrecher oder ein degenerierter. es gibt gefängnisse, in denen achtzig prozent der häftlinge tätowierungen aufweisen. die tätowierten, die nicht in haft sind, sind latente verbrecher oder degenerierte aristokraten. wenn ein tätowierter in freiheit stirbt, so ist er eben einige jahre, bevor er einen mord verübt hat, gestorben." (Adolf Loos, Ornament und Verbrechen,1908) Jugendstil Namensgeber der Bewegung, die in Deutschland zuvor als Art Nouveau oder als Yachting Style bezeichnet wurde, war die künstlerische Wochenzeitschrift Die Jugend, die erstmalig im Mai 1896 in München erschien. Expressionismus: ab 1914 Modernisierung von Denkmälern bereitet Schmerzen: Der Lesesaal der Senatsbibliothek (Sebi): alte Holzstühle und Tische werden durch moderne Möbel ersetzt Altbaumodernisierung: Türblätter, Türklinken, Lichtschalter, abgehängte Stuck-Decken. Ausgefachte und mit Zierleisten versehene Holztüren und Fenster werden durch Plastiktüren und Fenster ersetzt, oder zu modernen Türen umgestaltet, verblendet. Entstuckung in Berlin: „Das erste nachweislich entstuckte Haus in Berlin war das Gebäude der Hausleben-Versicherung in der Dorotheenstraße, von dem Erich Mendelsohn 1920 den Dekor entfernen ließ. Die spätesten Beispiele sind unmittelbar vor der Wende von 1989 durchgeführte Sanierungen in Ost-Berlin.“ Entstuckungsprogramme? Weimarer Zeit, Nachkriegszeit, welche gesellschaftlichen Strömungen führten seit den 60er Jahren nach und nach zum Ende der Entstuckung? Entstuckung (zuweilen auch Abstuckung) ist die vorsätzliche Beseitigung von Stuckornamenten an Gebäuden. Von etwa 1920 bis 1975 wurde, vorwiegend in Deutschland, vor allem von Fassaden und in Innenräumen aus der Gründerzeit der als häßlich und "lügnerisch" empfundene Gipsstuck-Dekor abgeschlagen. Fassaden oder Zimmerdecken wurden anschließend meist glatt verputzt. Die theoretischen Grundlagen für die Entstuckung wurden vor dem 1. Weltkrieg gelegt. Aus den Kreisen der kunstgewerblichen und architektonischen Reformbewegung um Adolf Loos, Hermann Muthesius oder Paul Schultze-Naumburg wurde bereits um 1900 massive Kritik an den industriell gefertigten Dekorelementen in Stilformen der Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko oder Klassizismus geübt, mit denen in der Gründerzeit die Architektur nobilitiert wurde. Vor allem der Stuck an Mietshäusern wurde als Verschleierung elender sozialer Verhältnisse gebrandmarkt. In einer mit moralischen Argumenten geführten Debatte wurde die historistische Stuckfassade zunehmend abqualifiziert. Als erster absichtsvoll vom Baudekor befreiter Bau kann jedoch ein Industriebau gelten: Peter Behrens ließ 1911 von der erst wenige Jahre zuvor errichteten "Alten Fabrik für Bahnmaterialien" der AEG in der Voltastraße in Berlin-Wedding den in Klinkerformsteinen ausgeführten Dekor entfernen. Entstuckung und Neues Bauen [Bearbeiten] Mit der aktiven Beseitigung des Dekors im größeren Stil wurde jedoch erst in den 1920er Jahren in Berlin begonnen. Pioniere der Entstuckung waren dort Architekten des Neuen Bauens wie Erich Mendelsohn oder die Brüder Hans und Wassili Luckhardt, aber auch ältere Architekten wie Peter Behrens oder Richard Riemerschmid. Einige ihrer Fassadenumgestaltungen waren gestalterisch durchaus bemerkenswert und wurden als eigenständige Bauten der jeweiligen Architekten wahrgenommen. Von Berlin breitete sich die Entstuckung, befördert durch befürwortende Artikel in den wichtigsten Architekturzeitschriften, als städtebauliches Leitbild in ganz Deutschland aus. Entstuckung und "Entschandelung" im Dritten Reich [Bearbeiten] In der Zeit des Nationalsozialismus lebte das Leitbild Entstuckung fort und wurde nun vor allem für Kleinstädte und Dörfer propagiert. Als Teil der so genannten "Entschandelung" wurde nun der Versuch gemacht, ganze Straßen, Plätze und Ensembles vom Dekor des späten 19. Jahrhunderts zu befreien. Eine zentrale Rolle kam bei diesen Bemühungen dem Architekten und Heimatschützer Werner Lindner zu. Höhepunkt in den 1950er Jahren [Bearbeiten] Ihren quantitativen Höhepunkt erreichte die Entstuckung jedoch erst nach 1945, als in fast allen deutschen Städten den Formen der Gründerzeit der Kampf angesagt wurde. Allein in Berlin-Kreuzberg, einem der größten Gründerzeitviertel Europas, wurde bis 1979 von etwa Häusern der Stuck abgeschlagen. Ende der Entstuckung seit den 1960er Jahren [Bearbeiten] Seit den frühen 1960er Jahren begann sich Kritik gegen die Entstuckung zu regen. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Erscheinen des polemischen Bildbandes "Die gemordete Stadt" des Publizisten Wolf Jobst Siedler und der Fotografin Elisabeth Niggemeyer im Jahr 1964 zu. Seit den 1970er Jahren wurde die Gründerzeit zunehmend von der Denkmalpflege, aber auch in der breiten Öffentlichkeit wieder entdeckt. In der Folge wurden sogar zahlreiche entstuckte Fassaden rekonstruiert und die Entstuckung vielerorts untersagt. Literatur [Bearbeiten] Hans Georg Hiller von Gaertringen: Fort mit Schnörkel, Stuck und Schaden. Die Entstuckung Berlins im 20. Jahrhundert. In: BerlinLabor (Hg.): Berlin-Forschungen junger Wissenschaftler, Bd. 1. Berlin: Verlag für Wissenschaft und Forschung 2005, ISBN Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Entstuckung“ Eine Altstadt muss man lange wiegen Lang verwahren wie ein Kind Weil in ihr verborgen liegen Dinge die gewesen sind Rätsel die nach Lösung suchen Kälte die nach Wärme schrie Menschen die den Krieg verfluchten Liebe Krankheit Poesie Häuser die sich leicht verneigen Häuser die von Zwietracht sprechen Häuser die uns Freundschaft zeigen Häuser die zusammenbrechen Trinker die nach Gleichheit suchten Dichter die nach Freiheit riefen Oft auch um ihr Leben liefen Häuser die vom Tod erzählen Häuser die die Zeit besiegen Häuser die sich fast vermählen Und sich in den Armen liegen Menschen die ums Leben kamen Menschen die die Welt verlachten Menschen die in Gottes Namen Neuen Mut und Hoffnung machten Eine Altstadt muss man lang verwahren Lange wiegen wie ein Kind Da auch wir in wenigen Jahren Alte Menschen sind. (aus: Mainz. Gesichter einer Stadt. Texte von Hans Dieter Hüsch. Fotos von Pierre Ferrenbach, Werner Huthmacher, Sascha Kopp und Peter Seidel. Herausgegeben von Bertram Schmidt – Friderichs. Mainz 1993, S. 47.) Architektur Wohnungsgesellschaft lässt Stuck zertrümmern Die Zeit, in der Stuck von Berliner Häusern geschlagen wurde, ist eigentlich vorbei. Doch in Schöneberg liegen Mieter mit der kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Berlin (WIR) im Rechtsstreit, weil die WIR ein Haus entstucken will. Im April ist Verhandlungsbeginn - aber seit Dienstag wird wieder Stuck abgerissen. Alt und neu: So wie hier im Prenzlauer Berg wünschen sie viele Berliner die Sanierung alter Häuser. Foto: Zentralbild Von Sebastian Eberle Der Lärm ist ohrenbetäubend. Als Heinz Jirout aus der Tür des eingerüsteten Mietshauses an der Schöneberger Zietenstraße tritt, fallen keine zwei Meter neben ihm große Brocken Stuck auf den abgesperrten Bürgersteig. Eine riesige Staubwolke umweht Jirout, der fassungslos den Arbeitern auf dem Baugerüst zuschaut, wie sie mit ihren Pressluftmeißeln die letzten noch verbliebenen Stuckteile von der einst prachtvoll verzierten Fassade des um 1900 erbauten Hauses schlagen. "Das ist eine ganz große Sauerei", sagt Heinz Jirout. "Mir ist vollkommen unverständlich, wie man mit dem wertvollen kulturellen Erbe so umgehen kann". Der Zorn des Architekten, der seit 1990 in der Zietenstraße Nummer 15 lebt, richtetet sich gegen den Hauseigentümer: Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Berlin (WIR), ein Tochterunternehmen der Gewobag. Der Ärger der Mieter in den Häusern Zietenstraße 15 und 17 begann im Frühling 2007, als vor den Fenstern der Bewohner ein Baugerüst aufgestellt wurde. "Wir konnten uns nicht erklären, was hier vorgeht", sagt Heinz Jirout. Als in der benachbarten Schwerinstraße an einem ebenfalls der WIR gehörenden Gebäude die Stuckfassade abgeschlagen wurde, schrillten bei den Mietern in der Zietenstraße die Alarmglocken. "Damals hatten wir das Gespräch mit der WIR gesucht. Uns wurde erklärt, dass sich die Fassade unseres Hauses in einem irreparabel schlechten Zustand befände", so Jirout. Da der auf Altbausanierung spezialisierte Architekt die Darstellung der Wohnungsbaugesellschaft anzweifelte, überlegte Jirout zusammen mit den anderen Hausbewohnern, was sie zur Rettung ihrer Fassade unternehmen könnten. Die Mieter entschlossen sich, einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Der erwirkte wenig später eine einstweilige Verfügung gegen die Entfernung des Stucks vor dem Amtsgericht Schöneberg. Die WIR wollte diese Entscheidung des Gerichts jedoch nicht anerkennen und legte im August Einspruch gegen das Urteil ein. Im April soll es nun zur Verhandlung vor dem Landgericht kommen. Die Baustadträtin ist entsetzt aber machtlos "Seitdem war Stille", erinnert sich Heinz Jirout. Doch seit zwei Wochen wird am Gerüst wieder gearbeitet. Jirout und die anderen Mieter ahnten nichts Gutes. Als der 46-Jährige am vergangenen Dienstagnachmittag seine Wohnung betrat seien plötzlich die Fenster zugenagelt gewesen "und die Bude war dunkel", so Jirout. Seitdem meißeln die Bauarbeiter kräftig. Die Fassade ist bereits fast vollständig ihrer Zierde beraubt. "Die wollten vor der Gerichtsverhandlung wohl Tatsachen schaffen" glaubt der gebürtige Wiener: "Was weg ist, ist weg." Dieser Einschätzung widerspricht der Sprecher der Gewobag, Volker Hartig: "Da wir eine Vorwegnahme des Gerichtsverfahrens vermeiden wollten, haben wir zuvor die einzelnen Stuckteile abgeformt, um eine spätere Rekonstruktion zu ermöglichen, falls das Gericht gegen uns entscheiden sollte". Das Urteil habe jedoch nicht abgewartet werden können, da ein längeres Stehenlassen des Baugerüsts die Wohnqualität der Mieter erheblich gemindert hätte. "Bevor wir das Gerüst abbauen, müssen wir aber die schadhafte Stuckfassade entfernen. Denn die Sicherheit der Mieter und Besucher hat für uns allerhöchste Priorität", so Hartig. Ein Gutachten habe ergeben, dass die Fassade eine "Gefahr für die Verkehrssicherheit" darstelle. Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne), die Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) vertritt, zeigte sich "entsetzt" über die Arbeiten, gegen die sie "keine rechtliche Handhabe" besitze. Sie hoffe jedoch, dass sich die WIR an eine im vergangenen Jahr mit dem Bezirk getroffene Verabredung hält. "Die Vereinbarung war, wenn Stuck noch einmal entfernt werden sollte, muss er wiederhergestellt werden". Ob die WIR dieser Forderung im vollen Umfang nachkommen muss, wird das Gericht entscheiden. Stand: Donnerstag, 7. Februar 2008, 22:00 Uhr  http://www.morgenpost.de/content/2008/02/08/berlin/ html Neue Zürcher Zeitung, „Die Echtheit der alten Steine Peter Bürger Deutschland streitet über den Wiederaufbau historischer Gebäude. Seit dem Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dresdner Frauenkirche gibt es in Deutschland eine Debatte über die Legitimität von Rekonstruktionen. Die meisten Fachleute nehmen eine ablehnende Haltung ein, obwohl es auch Argumente für die Rekonstruktion gibt. Die erfolgreiche Wiedererrichtung der Dresdner Frauenkirche hat in Deutschland das Bedürfnis nach der Rekonstruktion von im Zweiten Weltkrieg zerstörten, symbolisch bedeutenden Bauten sowie der Wiederherstellung alter Stadtteile erneut geweckt. Sie hat aber auch eine lebhafte Debatte um die architektonische Legitimität solcher Rekonstruktionen ins Leben gerufen. Dabei stehen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite findet man die Vertreter von Initiativen, die leidenschaftlich für die Rekonstruktion eines Bauwerks eintreten, auf der andern die Mehrheit der Architekten, Kunstwissenschafter und Denkmalpfleger. Obsoleter Radikalismus In den meisten Äusserungen der Rekonstruktionsgegner kehrt das Argument wieder, es handle sich bei den Rekonstruktionen letztlich um Täuschungen. Die neu errichteten Bauten gäben nur vor, historische Bauwerke zu sein. Dadurch werde aber beim Betrachter der Sinn für das echte historische Denkmal und dessen Geschichtlichkeit untergraben. Besonders fatal seien Rekonstruktionen, bei denen man sich aus Kostengründen oder aufgrund des Nutzungskonzepts auf die Fassade beschränke, einen blossen «Fassadismus» betreibe. Zumindest auf den ersten Blick wirkt das Argument überzeugend. Wo das Authentische der Täuschung entgegengesetzt wird, ist die Versuchung gross, sich auf die Seite des Echten zu schlagen. Aber was kann das im Bereich der Architektur bedeuten? Dass man sich noch heute in der Rekonstruktionsdebatte auf Georg Dehios Satz «konservieren, nicht restaurieren» aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts beruft, zeigt einen eigentümlichen Mangel an geschichtlicher Reflexion an. Für Dehio war Echtheit an das Material gebunden, die alten Steine. Aber nach dem, was der Bombenkrieg der Jahre angerichtet hat, die Vernichtung der baulichen Substanz fast aller deutschen Städte, kann man die Echtheit nicht mehr am Material festmachen, sondern muss die Kategorie neu bestimmen, und zwar von der Form her. Die Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche kann, obwohl sie nur wenige Spolien des alten Baus enthält, als authentisches Gebäude des Barock gelten, weil sie den alten Formgedanken hat wiedererstehen lassen. Problematisch ist aber auch der Gegenbegriff der Fiktion; im architekturtheoretischen Diskurs lässt sich hinter ihm unschwer Adolf Loos' Kritik am Ornament ausmachen. Diese beruht auf der Vorstellung eines gradlinigen geschichtlichen Fortschritts, die wir nicht mehr teilen. Der Purismus von Loos gehört einer Moderne an, die sich die Reinheit des jeweiligen Mediums zum Ziel gesetzt hat, dabei beeindruckende Entdeckungen gemacht hat, aber letztlich in eine Sackgasse geraten ist. In der Architektur ist dies die Vernachlässigung der ästhetischen und lebenspraktischen Bedürfnisse der Menschen. Inzwischen hat die Postmoderne das Ornament rehabilitiert. Hinter dem Argument, Rekonstruktionen stellten Geschichtsfiktionen dar, verbirgt sich also ein heute obsoleter Radikalismus der klassischen Moderne. Gegen ihn ist unter anderem daran zu erinnern, dass nicht nur Hegel, sondern auch sein Antipode Nietzsche im Schein ein wesentliches Moment der Wirklichkeit gesehen haben. Selbst Gropius hat bei seinem Dessauer Meisterhaus, das Modellcharakter hatte, den Einsatz von Fiktionen keineswegs verschmäht. Er hat zwei bautechnisch notwendige Stützpfeiler mit Spiegelglas umkleidet und sie dadurch unsichtbar gemacht. Auch der Vorwurf, es gehe den Befürwortern von Rekonstruktionen nur um die Befriedigung nostalgischer Bedürfnisse, gehört in den Kontext eines ungebrochenen Modernismus. Vergangenen Epochen nachzuhängen, ist an und für sich noch keine tadelnswerte Einstellung; sie wird es erst, sobald der Kritiker die eigene Gegenwart hypostasiert. Hinzukommt, dass die Beschleunigung geschichtlicher Veränderungen, die wir im Zeichen der Globalisierung erleben, geradezu notwendig Rückwendungen hervortreibt. Die Welt können wir nicht verändern, aber vielleicht die Stadt, in der wir leben, mitgestalten. Nun räumen jedoch inzwischen die meisten Kritiker der Rekonstruktion selbst ein, dass es eine verständliche Enttäuschung über die moderne Architektur gibt, über «ihre Traditionsfeindlichkeit, ihren Mangel an identitätsstiftender Kraft, ihre ästhetische Belanglosigkeit». Trotzdem folgt die Argumentation nach wie vor den Linien eines dogmatisch festgehaltenen Modernismus. Dieses Moment von Verstocktheit dürfte letztlich auf die im kollektiven Bewusstsein der Deutschen eingesenkte Unfähigkeit zurückgehen, die Vernichtung fast aller deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg als kulturelle Katastrophe anzuerkennen. Die Rekonstruktionsdebatte rührt an eine Wunde, die seinerzeit verleugnet werden musste, um das Weiterleben möglich zu machen. Winfried G. Sebald hat in seinem Essay «Luftkrieg und Literatur» aus dieser Einsicht die These entwickelt, dass «die erstaunliche Fähigkeit der Selbstanästhesierung» einen «bis heute nicht zum Versiegen gekommenen Strom psychischer Energien» habe entstehen lassen, der «die Deutschen in den Jahren nach dem Krieg fester aneinander band und heute noch bindet als jede positive Zielsetzung». In der Tat haben Beobachter aus dem Ausland übereinstimmend berichtet, dass die Deutschen sich in den Trümmern bewegten, als seien diese immer schon ihre Umwelt gewesen. Deblockierung der Debatte Man fragt sich, ob das Verlangen nach Rekonstruktionen, das in letzter Zeit oft so vehement hervorbricht, nicht ein Anzeichen dafür ist, dass viele Menschen in Deutschland anfangen, sich die äusseren und inneren Verheerungen, die der Bombenkrieg mit sich gebracht hat, einzugestehen. Die Unversöhnlichkeit aber, mit der viele Architekturtheoretiker sich dagegen wehren, würde nicht nur einem festgehaltenen ästhetischen Modernismus geschuldet sein, sondern vor allem auch der Verdrängung dessen, was im Zweiten Weltkrieg – durch eigene Schuld - mit den Deutschen und ihrem Land geschehen ist. Die Blockierung der Debatte liesse sich wohl nur überwinden, wenn die Fachleute sich für eine historische Reflexion öffneten und bereit wären, auch die Möglichkeit eigener Verhärtungen mitzubedenken. Sie müssten zum andern das Scheitern der durchschnittlichen modernen Architektur, die das Bild unserer Städte bestimmt, ernst nehmen, dessen Ursachen nachgehen und von daher Konzepte eines Urbanismus entwickeln, der traditionelle Bautypen einbezieht, ohne sie zum bloss spielerischen Beiwerk zu erniedrigen.“ Benedikt Goebel: Tsp , S. 25: In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg war der Verlust der (Innen-)Städte sogar moralisiert worden: Das deutsche Volk habe sie „nicht mehr verdient“ (Walter Dirks). Gegenteiliger Standpunkt: Adrian von Buttlar „Denkmalpflege statt Attrappenkult - Warum wir auf "authentische" Rekonstruktionen verlorener Baudenkmäler verzichten sollten. TU-intern Nr. 12/2010, 39 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

40 Behutsame Stadterneuerung (1980-1990)
Wegbereiter 60er Jahre Jane Jacobs (Journalistin): „Tod und Leben amerikanischer Städte“ 1961/63 (Mannigfaltigkeit: Mischung, kurze Baublocks, EW-Dichte, alte Gebäude) Wolf Jobst Siedlers und Elisabeth Niggemeyers "Die gemordete Stadt" (1964) Alexander Mitscherlich "Die Unwirtlichkeit unserer Städte - eine Anstiftung zum Unfrieden" (1965) Rudolph Hillebrecht: "War alles falsch"? (StadtBauwelt 1965, Heft 8) Jane Jacobs (Journalistin): Tod und Leben amerikanischer Städte, Gütersloh 1963, S.9 (1961/63) "... Angriff auf die landläufige Stadtplanung und den landläufigen Umbau der Städte"[1] durch Jane Jacobs. Leitvorstellung der "Mannigfaltigkeit", die sich durch o       Funktionsmischung, o       kurze Baublocks, o       Bevölkerungskonzentration und o       alten Gebäudebestand von alleine einstellt, Plädoyer für Rückkehr zum Gründerzeitstädtebau. Rudolph Hillebrecht nach dem Erscheinen des Buches stellvertretend für viele ratlose Städtebauer:   Wolf Jobst Siedlers und Elisabeth Niggemeyers "Die gemordete Stadt" (1964) Alexander Mitscherlichs "Die Unwirtlichkeit unserer Städte - eine Anstiftung zum Unfrieden" (1965) konnten dem Unbehagen am modernen Städtebau einen Namen geben und begannen zugleich mit der "Rehabilitierung" gründerzeitlicher Stadtstrukturen. [1]  Jacobs, Jane, Tod und Leben großer amerikanischer Städte,Gütersloh 1963, S.9 40 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

41 Behutsame Stadterneuerung (1980-1990)
Wegbereiter 70er Jahre Josef Paul Kleihues, 1973: „Tabu Gründerzeit muss durchbrochen werden“, „Stellenwert des Berliner Stadtbildes muss erkannt werden.“ Erste geschlossene Blockrandbebauung am Vinetaplatz (Sanierungsgebiet Brunnenstraße, Wedding) Harry Ristock 1975: Kurskorrektur Sanierung: „subtiler“ Probleme lösen Denkmalschutzjahr Wiederentdeckung der historischen Stadt, “Revitalisierung der Innenstädte”, „A future for our past“, Stuck und Mietskaserne wieder hoffähig Hausbesetzerbewegung (1978): erhalten um jeden Preis Berliner Linie, Richard von Weizsäcker 1981: „Instandsetzung vor Modernisierung, Modernisierung vor Sanierung, also vor Abriss und Neubau“ Behutsame Stadterneuerung ( ) 2. Stadterneuerungsprogramm: 29 Verdachtsgebiete mit EW, IBA-Alt und IBA-Neu: historischer Stadtgrundriss (Ritterstraße-Nord) Jane Jacobs (Journalistin): Tod und Leben amerikanischer Städte, 1961/63, "... Angriff auf die landläufige Stadtplanung und den landläufigen Umbau der Städte"[1] durch Jane Jacobs. Leitvorstellung der "Mannigfaltigkeit", die sich durch o       Funktionsmischung, o       kurze Baublocks, o       Bevölkerungskonzentration und o       alten Gebäudebestand von alleine einstellt, Plädoyer für Rückkehr zum GründerzeitMaistädtebau.  [1] Jacobs, Jane, Tod und Leben großer amerikanischer Städte,Gütersloh 1963, S.9 Rudolph Hillebrecht nach dem Erscheinen des Buches stellvertretend für viele ratlose Städtebauer:  "War alles falsch"? (StadtBauwelt 1965, Heft 8 Wolf Jobst Siedlers und Elisabeth Niggemeyers "Die gemordete Stadt" (1964) Alexander Mit­scherlichs "Die Unwirtlichkeit unserer Städte - eine Anstiftung zum Unfrie­den" (1965) konnten dem Unbehagen am modernen Städte­bau einen Namen geben und began­nen zugleich mit der "Rehabili­tie­rung" gründerzeitlicher Stadt­strukturen. Josef Paul Kleihues, 1973: „Das Tabu Gründerzeit muss durchbrochen werden, der ästhetische und baugeschichtliche Stellenwert des Berliner Stadtbildes muss endlich erkannt werden.“aus: Bolery/Hartmann in: Berlin-Atlas zu Stadtbild und Stadtraum, 1973, S. 63 f., zitiert nach: 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, Hrsg. Bezirksamt Wedding von Berlin, FAB-Verlag, Berlin 1988, S. 68. Kleihues baut erste geschlossene Blockrandbebauung am Vinetaplatz (Sanierungsgebiet Brunnenstraße, Wedding) Harry Ristock 1975: Kurskorrektur in der Sanierungspolitik: „subtiler“ als in der Vergangenheit kommunale Probleme lösen, Äußerung im DeGeWo-Sanierungsspiegel, zitiert nach: 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, Hrsg. Bezirksamt Wedding von Berlin, FAB-Verlag, Berlin 1988, S. 68. Denkmalschutzjahr 1975 Bonn, 06. August 1974 Inhalt I. Grundlagen - Wozu Europäisches Denkmalschutzjahr ? - Warum Denkmalschutz und Denkmalpflege ? - Was soll geschützt werden? - Wie lassen sich Schutz und Erhaltung erreichen? II. Ziele und Aufgaben des Nationalkomitees III. Maßnahmen und Anregungen des Nationalkomitees - A Stärkung des Bewusstseins - B Verbesserung der Voraussetzungen - C Verbesserung in der Ausbildung und Verstärkung der Forschung - D Koordination aller Kräfte „I. Grundlagen Wozu Europäisches Denkmalschutzjahr ? Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 steht unter dem Motto: "Eine Zukunft für unsere Vergangenheit". Dieses Jahr sollte Anlass dazu sein, das Verständnis der Öffentlichkeit zu wecken und Grundlagen für eine neue Politik zu schaffen, die den Erhaltungsgedanken stärker als bisher zum Anliegen aller Beteiligten macht. Es gilt, jeden einzelnen Bürger ebenso zu aktivieren wie die öffentliche Hand, die Wirtschaft und die Wissenschaft, und sie dazu anzuspornen, mehr als bisher auf dem Gebiet der Erhaltung historischer Bauten, Ensembles und Kulturlandschaften zu leisten. Denkmalschutz wird dabei in umfassendem Sinne verstanden – als Mittel zur Erhaltung und Erhöhung der Qualität unserer gebauten Umwelt. Warum Denkmalschutz und Denkmalpflege ? Die Erhaltung historischer Bausubstanz und gewachsener Strukturen wird mehr und mehr zu einer Existenzfrage für jede Gemeinschaft. Sie verdeutlicht das historische, politisch-soziale und geistige Selbstverständnis des Menschen und trägt wesentlich zur Individualität von Siedlungsstrukturen bei. Die Unverwechselbarkeit des Bildes von Stadt und Land ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Bindung des Bürgers an seine Gemeinde und für ein intaktes kommunales Leben. Auch die Anziehungskraft unserer Städte für den Fremden liegt weitgehend in der Einmaligkeit des Stadtbildes begründet. Es geht darum, den Menschen vor dem Verlust eines seiner wichtigsten Lebenselemente zu schützen, denn das Weiterbestehen überkommener Bauten und städtebaulicher Strukturen gibt oft den Ausschlag dafür, dass das Gefüge einer Gemeinde sozial, wirtschaftlich und kulturell unversehrt bleibt. Wo diese Bauten und Strukturen niedergerissen werden oder durch entstehende Umbauten ihr Gesicht verlieren, gerät deshalb das gemeindliche Leben in Gefahr. Die Aufgabe des Erhaltens gewinnt überragende Bedeutung in der Welt von heute, die gekennzeichnet ist durch tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, durch wachsende Mobilität der Bevölkerung, zunehmende Rationalisierung und durch die normierende Wirkung der Technik, die auch die Architektur erfasst hat. Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Verbrauch und Neuproduktion eingestellt ist und dadurch vielfach verlernt hat, Werte und Mängel ihrer Umwelt richtig einzuschätzen. Zu keiner Zeit haben sich Projekte und Bauten so rasch als änderungsbedürftig und als volkswirtschaftliche Fehlinvestitionen erwiesen wie heute. Was soll geschützt werden? Denkmalschutz will das Ganze: Er gilt nicht nur Einzelheiten und nicht nur dem Doku-mentarischen, sondern will Fülle und Vielfalt unserer Lebensbereiche erhalten – das Ineinander von Gegenwart und Vergangenheit, das Sichtbarbleiben der Geschichte, die in uns und unserer Umwelt wirkt. Gegenstand des Denkmalschutzes ist das Einzelobjekt und das Ensemble, die Straße und der Platz. Schutzwürdig kann ein ganzer Stadtbereich, ja eine ganze Stadt sein, wobei auch einfachster historischer Hausbestand über die Stadtqualität mitentscheidet. Auch Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts müssen heute geschützt werden, und über den Umgebungsschutz kann auch die Kulturlandschaft zum Gegenstand des Denkmalschutzes werden. Wie lassen sich Schutz und Erhaltung erreichen? Ein dauernder Schutz kann nur erreicht werden, wenn bedrohte Einzelobjekte und En-sembles einer ihnen gemäßen Nutzung zugeführt werden. Denkmalschutz heißt ja nicht nur im musealen Sinn zu konservieren, sondern heißt vor allem, im Rahmen moderner Stadtentwicklungspolitik unser historisches Erbe in das Leben von heute zu integrieren, damit menschlicher Maßstab und Qualität unserer Umwelt auch für die Zukunft erhalten bleiben. Dazu ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten und Betroffenen notwendig; denn die Erhaltung unseres baulichen Erbes ist eine Verpflichtung für jeden von uns, mit seinen Mitteln den historischen Bestand zu schützen. Wichtige Aufgaben erwachsen vor allem den für das Bauen und Planen Verantwortlichen. Der Städtebau muss den Erhaltungsgedanken als eigenes Anliegen aufgreifen und darf dabei nicht an den Grenzen der "Erhaltungsbereiche" stehen bleiben. Oft entscheiden Maßnahmen außerhalb dieser Bereiche über den Erfolg der Erhaltungsbemühungen, wie z. B. die Bereitstellung von Ausweichgelände für Nutzungen, die mit historischen Baustrukturen nicht in Einklang zu bringen sind. Das Deutsche Nationalkomitee sieht in Übereinstimmung mit dem Internationalen Or-ganisationskomitee eine der vordringlichsten Aufgaben unserer Generation darin, der gefährlichen Bedrohung unseres historischen Erbes Einhalt zu gebieten. Es sieht Möglichkeiten, diesem Ziel näher zu kommen in vier Bereichen: A.  Die Einsicht jedes Einzelnen in die Notwendigkeit der Erhaltung des überkommenen Bestandes muss gestärkt und die Initiative des Bürgers geweckt werden.   B.  Die rechtlichen, finanziellen, organisatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Lösung der Probleme müssen verbessert werden.   C. Durch Forschung und Dokumentation müssen die Gegebenheiten überschaubar, die Probleme sichtbar gemacht und Wege zu ihrer Lösung gezeigt werden.   D. Die Kräfte müssen zusammengefasst, alle Bemühungen müssen koordiniert werden. A  Stärkung des Bewusstseins 1. Das Nationalkomitee wird "Handreichungen" für Parlamente, Behörden, Kirchen, Medien der Meinungsbildung, Architekten, Eigentümer historisch wertvoller Gebäude und die breite Öffentlichkeit herausgeben, die in allgemein verständlicher Form über die Ziele des Europäischen Denkmalschutzjahres 1975 und über die Möglichkeiten einer umfassenden Erhaltungspolitik unterrichten.   2. Das Nationalkomitee wird sich darum bemühen, dass ein Veranstaltungsprogramm durchgeführt wird, das sich vor allem an Kreise außerhalb der Fachwelt wendet und Kontakte zwischen fachlich vorgebildeten und anderen Beteiligten fördert. Es sollte darauf hingewirkt werden, dass sich alle dafür geeigneten Fachtagungen mit dem Europäischen Denkmalschutzjahr befassen. Das Nationalkomitee wird an die Organisationen der Wirtschaft, der Arbeitnehmer und der Berufsgruppen eine Empfehlung richten und sachgerechte Vorschläge machen.    3. Das Nationalkomitee appelliert besonders an die Städte, Gemeinden und Kreise, über das bisher Geleistete hinaus den Grundgedanken des Europäischen Denkmalschutzjahres aufzunehmen und in diesem Jahr durch besondere Programme die Bürgerschaft an die Probleme des Denkmalschutzes, der Denkmalpflege und der Stadtentwicklung heranzuführen.     4. Das Nationalkomitee appelliert an die Kirchen, ihr Erbe zu erhalten und zu pflegen. Denn gerade im kirchlichen Raum wird deutlich, wie sehr sich Gegenwart und Vergangenheit begegnen.    5. Das Nationalkomitee schlägt Bund und Ländern vor, einen nationalen Wettbewerb "Denkmalschutz im Städtebau" unter den Städten und Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland ins Leben zu rufen und unterbreitet ihnen ein Programm dafür. Es ruft Körperschaften, Vereine und Verbände auf, Wettbewerbe über vorbildliche Leistungen privater Investoren zu veranstalten.    6. Das Nationalkomitee wird im Jahr 1975 eine große Wanderausstellung über Probleme und Leistungen des Denkmalschutzes ausrichten.   7. Das Nationalkomitee fordert die zuständigen Behörden in Bund und Ländern auf, Leit- und Beispielprojekte besonders zu fördern.    8. Das Nationalkomitee wird sich an der Formulierung und Verbreitung einer "Europäischen Charta" zur Erhaltung und Wiederbelebung des kulturellen Architekturgutes beteiligen und in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO-Kommission eine Veröffentlichung "Historische Städte – Städte für morgen" herausgeben.   B Verbesserung der Voraussetzungen 1. Das Nationalkomitee appelliert an die zuständigen Behörden von Bund und Ländern, die bestehenden einschlägigen Vorschriften (z. B. auf dem Gebiet der Städtebauförderung) mehr als bisher im Sinne des Erhaltungsgedankens anzuwenden. Es bittet Bund und Länder, bei den laufenden Gesetzgebungsvorhaben die Erhaltung der überkommenen Bausubstanz in stärkerem Maße als bisher zu berücksichtigen. Dies gilt besonders für die Novellierung des Bundesbaugesetzes, den Erlass eines Modernisierungsgesetzes und die Überprüfung der Steuergesetzgebung. Dabei sollten Steuervergünstigungen für den Erwerb, die Erhaltung und die Modernisierung wertvoller Altbausubstanz geschaffen werden. Das Nationalkomitee wird konkrete Vorschläge zum Erlass neuer Schutzvorschriften machen. Es wird ferner die Änderung von Vorschriften anregen, die dem Erhaltungsgedanken zuwiderlaufen.   2. Das Nationalkomitee hält es für erforderlich, dass den Schutzgesichtspunkten auch in der Raumordnung, in der Landesplanung und vor allem in der Stadtentwicklungsplanung sowie in der fachlichen Planfeststellung Rechnung getragen wird. Es empfiehlt, bei der Vergabe von Bundes- und Landesmitteln und bei der Vergabe von Mitteln aus den Gemeinschaftsaufgaben zu prüfen, ob solche Zuschüsse nicht in erhöhtem Maße auch dem Erhaltungsziel nutzbar gemacht werden können. Dies gilt z. B. auch für die regionale Wirtschaftsförderung. Vielfach sind die bezeichneten Ziele nur zu erreichen, wenn sie aus verschiedenen Haushaltsansätzen gefördert werden. Hierauf sind die Richtlinien abzustellen. Zugleich erwartet das Nationalkomitee, dass die öffentliche Förderung von Maßnahmen vermieden wird, die sich für den Denkmalschutz und den Erhaltungsgedanken nachteilig auswirken. Bisher bestehende Hindernisse im Rahmen der Kreditpolitik sollten abgebaut werden.     3. Das Nationalkomitee bittet Bund und Länder ergänzend darum, auch das Normwesen den Notwendigkeiten des Bestandsschutzes anzupassen. Das Nationalkomitee appelliert an Bund und Länder, in höherem Maße als bisher Mittel für die Erhaltung, Wiederherstellung und Belebung historischer Substanz bereitzustellen, und zwar nicht nur für Einzelobjekte, sondern auch für Ensembles und erhaltenswerte Bereiche. Einen gleichen Appell richtet das Nationalkomitee an die Städte, Gemeinden und Kreise.    4. Der Ausbau des Verkehrswesens von Schiene, Wasser und Straße bringt erhöhte Gefahren für die bebaute Umwelt mit sich. Das Nationalkomitee appelliert an die zuständigen Verkehrsverwaltungen, im Rahmen ihrer eigenständigen Planung in verstärktem Maße auf den Erhaltungsgedanken Rücksicht zu nehmen und vor allem historische Stadtgebiete durch Ortsumgehungen zu schonen. Die Zuschussrichtlinien - insbesondere für die Verteilung von Straßenbaumitteln - in dieser Richtung zu überprüfen.    5. Das Nationalkomitee regt an, ein Programm zur erhaltungskonformen Wirtschaftsförderung historischer Städte von geringerer Zentralität ausarbeiten zu lassen. Hierfür bieten sich in besonderer Weise die Mittel aus dem ERP-Programm an.     6. Das Nationalkomitee appelliert an die Städte und Gemeinden, für Neubauvorhaben in historischen Bereichen alle Möglichkeiten auszuschöpfen, alternative Lösungen zu gewinnen. Hierzu empfiehlt sich vor allem die Veranstaltung von Wettbewerben.    7. Das Nationalkomitee erwartet von den Ländern, dass sie die Arbeitsfähigkeit der für die Bau-, Kunst- und Bodendenkmalpflege zuständigen Behörden wesentlich verbessern. Dies gilt sowohl für den personellen Bereich, wie auch hinsichtlich der Behördenorganisation und der inneren Ausstattung.   C Verbesserung in der Ausbildung und Verstärkung der Forschung 1. Das Nationalkomitee wird Vorschläge ausarbeiten lassen, wie Probleme des Denkmalschutzes in verstärktem Maße in die Schul-, Hochschul- und Erwachsenenbildung aufgenommen werden können. Es wird ferner Vorschläge für die Verbesserung der praktischen Ausbildung (vor allem im Bauhandwerk) vorbereiten.    2. Das Nationalkomitee fordert die für die Ausbildung für den höheren technischen Verwaltungsdienst zuständigen Behörden auf, die Denkmal- und Kulturlandschaftspflege in verstärktem Maße in den Zulassungs-, Ausbildungs- und Prüfungsbestimmungen zu verankern.   3. Das Nationalkomitee regt an, die Forschung zur Stadterhaltung und Stadtentwicklung zu verstärken. Dies gilt insbesondere für die Forschung über Ausmaß und Ursachen der Veränderung von Bauten, Straßen, Plätzen und Ortsteilen von geschichtlicher, künstlerischer und städtebaulicher Bedeutung. Hierbei sollten auch städtebauliche Fehlentwicklungen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht untersucht werden. Eine breite Publizität für diese wissenschaftlichen Ergebnisse wäre erwünscht.    4. Das Nationalkomitee regt eine Untersuchung über alternative Möglichkeiten zur Gründung von Stiftungen für baulichen Kulturbesitz an. D Koordination aller Kräfte 1. Das Nationalkomitee ruft alle Bürger unseres Landes auf, in ihrem jeweiligen Lebensbereich mitzuhelfen, dass die Ziele des Europäischen Denkmalschutzjahres verwirklicht werden. Es bittet auch die Gesellschaften, Vereine, Stiftungen und sonstige juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts, sich diesem Appell nicht zu verschließen.   2. Das Nationalkomitee erwartet von Bund, Ländern und kommunalen Gebietskörperschaften eine engere Zusammenarbeit auf den Gebieten des Denkmalschutzes, der Denkmalpflege und der Stadtentwicklungspolitik. Diese Zusammenarbeit sollte sich auch auf die Kirchen erstrecken. Das Nationalkomitee hält es für erforderlich, dass die kommunalen Behörden und die zuständigen staatlichen Stellen in stärkerem Maße als bisher zusammenarbeiten und dafür bessere personelle und sachliche Voraussetzungen schaffen.    3. Die Erhaltung der Bausubstanz liegt im besonderen Interesse der Gemeinden. Das Nationalkomitee hofft, dass diese Einsicht in die denkmalpflegerischen Belange auch in der Kommunalpolitik den ihr gebührenden Rang erhält. Die Möglichkeiten der Gemeinden sind besonders vielfältig. Sie reichen von der Aufstellung der Bebauungspläne bis hin zu den Ausnahmeregelungen. Gerade sie können auch in rechtlicher Hinsicht Einzelobjekte besonders wirksam schützen und mit neuen Funktionen erfüllen.    4. Das Nationalkomitee bittet die kommunalen Spitzenverbände, für die Bauverwaltungen der Städte, Kreise und Gemeinden spezielle Fortbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Die vorhandenen Fortbildungsinstitutionen, vor allem auf dem Gebiet des Städtebaus, sollten für die Mitarbeiter in den Bauverwaltungen entsprechende Fortbildungsmöglichkeiten anbieten.   5. Das Nationalkomitee bittet die Wirtschaft, insbesondere die Bauwirtschaft, und die Architekten bei der Entwicklung neuer Elemente und Verfahren mehr als bisher auf die differenzierten Bedürfnisse eines modernen Städtebaus Rücksicht zu nehmen, der in der Lage bleiben muss, seiner Aufgabe zur Erhaltung der gewachsenen Substanz Rechnung zu tragen.   6. Die Entwicklung und Pflege von Verfahren für die Bauerhaltung wird auch in Zukunft eine der besonderen Aufgaben des Handwerks sein. Soweit erforderlich, sind hier gezielte Förderungsmaßnahmen einzuleiten, wenn nur auf diesem Wege spezielle Handwerke erhalten bleiben können; denn gut ausgebildete Facharbeitskräfte sind für alle Erhaltungsarbeiten die unabdingbare Voraussetzung.   7. Die eben geschilderten Aufgaben gelten in gleicher Weise für die Bauforschung. Das Nationalkomitee befürwortet die Einrichtung eines fachübergreifenden Instituts für erhaltende Stadterneuerung an einer deutschen Universität.   8. Die Erhaltung unseres Kulturgutes ist und bleibt eine Aufgabe von europäischem Rang. Sie sollte auch in Zukunft, nach Ablauf des Denkmalschutzjahres, in enger Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern fortgesetzt werden. Dies gilt nicht nur für den Erfahrungsaustausch, sondern auch z. B. für die Gewinnung geeigneter Facharbeitskräfte.   9. Bei der wissenschaftlichen Inventarisierung und Dokumentation ist in Deutschland manches erreicht worden. Bei der Fortführung der Arbeit in diesem Bereich sollte besonders Gewicht auf die Erfassung von Ensembles und Erhaltungsbereichen gelegt werden, weil sich so am einfachsten ein vorläufiger Schutz gegen Abbruchmaßnahmen erreichen lässt.   10. Das Nationalkomitee fordert die zuständigen Ministerien auf, die organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für die zügigere Durchführung der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten zu schaffen.     11. Das Nationalkomitee wird sich für das Denkmalschutzjahr um eine Koordinierung der Vorhaben, Aktivitäten und Veranstaltungen aller für den Aufgabenbereich des Komitees bedeutsamen Gruppen und Institutionen bemühen. Es bittet diese Gruppen und Institutionen seinerseits um eine aktive Mitarbeit, damit das Europäische Denkmalschutzjahr auch in unserem Land zu einem Erfolg wird.“ o       Partizipation ( ) o       Hausbesetzerbewegung 1978: erhalten um jeden Preis o       Behutsame Stadterneuerung: Wohnanlage Ritterstraße Nord markiert Wende in der Berliner Baupolitik der Nachkriegszeit (Architekturführer Berlin 1989, S. 157) 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding, Bezirksamt Wedding von Berlin, FAB Verlag 1988, Berlin 41 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

42 ökologischer Städtebau 1990 (Leitbild-Spreizung)
Mikroökologisch makroökologisch: neue Naturschutz- und Umweltbewegung: 1969 Mondlandung; 1972 Meadows „Grenzen des Wachstums“; 1974 Ölkrise, Club of Rome,1978 Treibhaustheorie, Global 2000, Überbevölkerung; 1979 Die Grünen Hin zur Natur: „mehr Bäume“/Stadt als Landschaft (ökolog. Kreisläufe): Freiflächensicherung Begrünung Entsiegelung (GVZ, BFF) Ökologisch Bauen: Bio-, Solararchitektur Siedlungsbau, Zeilen (Südausrichtung, Belüftung, Biotopverb.) Leitbildwechsel Städtebau: weg von zuviel Natur („Abstandsgrün“), „Luft, Licht und Sonne“. Zurück zum hist. Stadtgrundriss/ europäische Stadt, kritische Rekonstruktion: „mehr Häuser“: verdichtet, durchmischt geschlossener Baublock Minimierung Entfernung Auto als Ökologiefeind Nr.1, "Ökologie der Zeit„, Flächenfraß in Außenräumen bremsen Bsp. Potsdam Kirchsteigfeld Umweltschutzbewegungen in Deutschland [Bearbeiten] In Deutschland ist zwischen der "ersten Umweltbewegung" (Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert) und der "zweiten Umweltbewegung" (ca. 1970er–1980er Jahre) zu unterscheiden. Die "erste Umweltbewegung" hat ihre Wurzeln in der Naturromantik, in der Heimatschutzbewegung, der Lebensreformbewegung und in der aus der Anthroposophie hervorgegangenen Biologisch-dynamische Landwirtschaft(1924). Die "zweite Umweltbewegung" ist eine der sog. neuen sozialen Bewegungen. Eine der ältesten Initiativen war die Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet (BUZO), 1971 aus dem Widerstand gegen die Expansionspläne der Erdölraffinerien in Karlsruhe-Knielingen von Hans-Helmut Wüstenhagen gegründet, dem späteren Vorsitzenden des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). - In Tübingen entstand unmittelbar nach dem am 26. November 1970 gehaltenen Vortrag "Überleben im Atomzeitalter" von Professor Harald Stumpf, Institut für Theoretische Physik, das Komitee für Umweltschutz, neben dem sich kurz darauf der von Hartmut Gründler gegründete Bund für Umweltschutz etablierte. - Bedeutsam für die anwachsende "zweite Umweltbewegung" waren die aus 21 Gruppierungen bestehenden Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen, die sich in der Auseinandersetzung um Industrieanlagen bei Marckolsheim gebildet hatten, im gewaltlosen Kampf um das Atomkraftwerk Wyhl letztlich siegreich waren und die erste größere Basis des später 600 Bürgerinitiativen umfassenden BBU bildeten. Mikroökologisch: mehr Grün in die Stadt: radikalen Bruch im Fortschrittoptimismus. (Gerade noch den Mond erobert) o    Umweltbewegung: Meadows Grenzen des Wachstums 1972, Ölkrise 1974, Club of Rome, Treibhausszenario 1978, Global 2000, Die Grünen 1979 o    Ökologisch orientierte Stadtentwicklung ( ) Biotopflächenfaktor, Grünvolumenzahl Nase vorn: erste Auftraggeber für ökologische Bauprojekte Anfang der 80er Jahre nicht Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften, sondern Gemeinschaften umweltbewusster Zahnärzte, Rechtsanwälte, Wirtschaftsberater, „die mit ihren Autos und Bausparverträgen zusammenkommen und beschließen, etwas ganz anderes zu machen,“ als die gewöhnlichen Eigenheimbauer. Begriff zuerst „besetzt“. Daher verstand jeder unter ökologischem Bauen das Niedrigenergiehaus mit aktiver und passiver Sonnenenergienutzung neben einem großen Teich, der dem Temperaturausgleich für die heiße und kalte Jahreszeit diente, in soviel wie möglich Natur. 1. ökologischer Siedlungsbau , "Gartenstadt" - Solararchitektur (Niedrigenergiehaus) - Baubiologie (Lehmbau, Fachwerk) - Naturnähe (Garten zur teilw. Selbstversorgung) - Gemeinschaft, Nachbarschaft 2. ökologischer Siedlungsbau innerhalb der Stadt, "gegliederte und aufgelockerte Stadt" mit Zeilenbau - zur optimalen Sonnennutzung durch Südausrichtung der Baukörper - zur Durchlüftung (stadtklimatische Barrierenwirkung von geschlossenen Baublöcken) - die Überlassung der Abstandsflächen durch heimische Tier- und Pflanzenarten. 3. die Stadt als Landschaft - Natur hat auch in der Stadt ordnende Kraft mehr vegetationsbestandene Freiräume in dem "Felsökosystem" Stadt „Wildnis Stadt“; „Landschaftsarchitektur als Städtebau“ makroökologisch: mehr Häuser: Zurück zum historischen Stadtgrundriss:   Vertreter der Innenentwicklung haben es schwerer, sich ökologisch zu profilieren:  verdichtete, durchmischte, historische Stadt, Innenentwicklung mit geschlossenem Baublock als vorherrschendem Baukörper - zur Minimierung der funktionalen Entfernungen (Auto als Ökologiefeind Nr.1) "Ökologie der Zeit" - damit der Flächenfraß in den Außenräumen gebremst werden kann o       Innenstadtentwicklung (seit 1980) o       Nachhaltig orientierte Stadtentwicklung (seit 1990) o       Berlin: Kritische Rekonstruktion, historischer Stadtgrundriss, Architekturdebatte, Hochhausdebatte1995: o       kompakte Stadt Bsp. Potsdam Kirchsteigfeld Hauptkonflikt nicht fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für ökologische Belange ist, sondern der "innerfamiliäre" Streit darüber, ob ökologischer Stadt­umbau eher Bäume pflanzen oder eher Häuser bauen heißt.   Zähes Ringen um Dachgeschoßausbau, Brachflächen- und Baulückennutzung, Nachverdichtung von 50er-Jahre-Siedlungen und Blockschließung (Bsp. Winterfeldplatz, Skalitzer Str. in Berlin). “Innerfamiliärer“ Streit um Blockrandschließung, Brache, Dachgeschossausbau 42 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

43 Kritische Rekonstruktion
1. Netz aus Straßen u. Plätzen, kurze Baublöcke vernetzter öffentlicher Raum (Orientierung). Gegenteil: Sackgassen und Erschließungsschleifen 2. Blockbebauung Bebauung an Straßenflucht: immissionsschützend wirtschaftlich: Lagequalität städtebaulich: Raumbildung sozial: Zutrittsbarriere, gestuftere Raumfolge Sicherheit: beobachtete Räume: Straße, Hofbereich (Kinder) Zu den wichtigsten Merkmalen der kritischen Rekonstruktion zählt dabei: Straßenraster, kurze Baublöcke, Städtische Plätze: das Straßensystem als vernetzter öffentlicher Raum, wo Orientierung leichtfällt, statt Sackgassen und Erschließungsschleifen Blockrandbebauung: keine Trennung von Verkehr und Nutzung; Bebauung entlang der Straßenfluchtlinie, Straße zur Bündelung aller Fortbewe-gungen ist das städtische Medium für Handel und Dienst-leistung; ohne engen räumlichen Zusammenhang von Straße und Bebauung keine Stadt möglich; Zutrittsbarriere zu Block-innenbereichen, Trennung in öffentliche und halböffentliche Räume Parzelle: kleinste städtebauliche Einheit: das Grundstück von 500-1 000 m², Sicherung der Kleinteiligkeit von Architektur und Nutzung funktionelle Mischung: enge Nachbarschaft aller Nutzungen, insbesondere von Wohnen und Arbeiten, zur Vermeidung von langen Wegen, zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit durch Tag- und Nachtbevölkerung, zur Vermeidung von verödeten Stadträumen; Ausgangspunkt: Haus und Parzelle Traufhöhe: Berliner Traufhöhe 22 m Dichte der Bebauung: Mit steigender Dichte höhere Rentabilität aller Infrastrukturaufwendungen: Be- und Entwässerung, Elektrizität, Gas, ÖPNV, Erschließung; bessere Versor-gung mit Gütern und Dienstleistungen im Nahbereich (höhere Kaufkraft auf Fläche bezogen), Erreichen eines städtischen Ausstattungsniveaus immissionsschützend: beruhigte Blockinnenbereiche (Verkehrslärm), Abgas wirtschaftlich: Bündelung aller Fortbewegungen schafft Lagequalität für Handel und Dienstleistung; städtebaulich: Raumbildung; sozial: Zutrittsbarriere zu Blockinnenbereichen, gestuftere Raumfolge, differenzierte Zugangsberechtigungen: öffentlich (Straße), halb-öffentlich (Hofwege), halb-privat (Hofgarten) „Allmende“ der Hausgemeinschaft; kontrollierte Räume schaffen Sicherheit sowohl zur Straße (Fenster sind die Augen der Stadt) als auch nach innen (spielende Kinder im Blick) 43 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

44 Kritische Rekonstruktion
3. Parzelle „Zelle der Stadt“, kleinste städtebauliche Einheit: m² m Straßenfront Kleinteiligkeit (Form und Inhalt) 4. Einwohner- und Bebauungsdichte Rentabilität Infrastruktur: Be-/Entwässerung, Elektrizität, Gas, ÖPNV, Erschließung Entfernung: Einzelhandel, DL, Schulweg GFZ München 1995: MI-Gebiete von 1,6-2,5 BauNVO: WA, MI =1,2; MK =3,0 3. Parzelle: kleinste städtebauliche Einheit: das Grundstück von 500-1 000 m², m Straßenfront; Kleinteiligkeit von Architektur und Nutzung („langer Jammer“: 700 m langes Wohnhaus im Märkischen Viertel) 4. Einwohner- und Bebauungsdichte Mit steigender Dichte höhere Rentabilität aller Infrastrukturaufwendungen: Be- und Entwässerung, Elektrizität, Gas, ÖPNV, Erschließung; bessere Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen im Nahbereich (höhere Kaufkraft auf Fläche bezogen), Erreichen eines städtischen Ausstattungsniveaus (GFZ München 1995: MI-Gebiete von 1,6-2,5) BauNVO: WA, MI =1,2; MK =3,0) 44 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

45 Kritische Rekonstruktion
5. Traufhöhe Berliner Traufhöhe 22 m, Firsthöhe m 6. Funktionsmischung Vermeidung langer Wege extremer Nachfragespitzen verödeter Stadträume öffentliche Sicherheit: Tag- und Nachtbevölkerung 5. Traufhöhe Berliner Traufhöhe 22 m, Firsthöhe m (5 Geschosse + DG, heute 7 Geschosse +DG), Grenze für Bruttogeschossflächen (Gleichheitsgrundsatz) 6. Funktionsmischung Vermeidung langer Wege, extremer Nachfragespitzen monofunktionaler Gebiete (Bsp. Parkplatz) (geringere Einwohnerdichte ggü. artreinem Baugebiet gleicher Baudichte) verödeter Stadträume öffentliche Sicherheit: Tag- und Nachtbevölkerung 45 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

46 Berlin Planwerk Innenstadt 1997
Rezeption durch Berliner Grüne: Verdichtung im Planwerk fanatisch durchexerziert Grün- und Freiflächen nach Gutdünken verplant Sucht nach geschlossener Bebauung und historisierender Rekonstruktion hat Blick für zeitgemäße Bedürfnisse und auch für ökologischen Ausgleich getrübt Franziska Eichstädt-Bohling, Stachlige Argumente 2/97 Rezeption durch Berliner Grüne: Die Verdichtung ist im Planwerk weitgehend undifferenziert und geradezu fanatisch durchexerziert worden. Grün- und Freiflächen sind nach Gutdünken und ohne Begründung verplant worden. Die Sucht nach geschlossener Bebauung und nach historisierender Rekonstruktion hat offenbar jeden Blick für zeitgemäße Bedürfnisse und auch für ökologischen Ausgleich getrübt. Franziska Eichstädt-Bohling, Stachlige Argumente 2/97: 46 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

47 Gefahren der kritischen Rekonstruktion
Was macht eine eng angebaute Straße zur Straßenschlucht ? Was verleiht einer Blockrandbebauung jene Schwere, Monumentalität, ein belastendes steinernes Gesicht? 6 Prinzipien für zeitlosen Städtebau: Häuser maßvoll bauen, auf Parzelle Blockränder individualisieren Straßenräume statt Schluchten Stadtplätze statt Freiflächen Großgrün nicht aus Prinzip - mit Bedacht Material - Steine setzen statt asphaltieren Eine Antwort auf diese Fragen kann einem ein Spaziergang durch verschieden alte Stadtquartiere geben. Zuerst durch die engen geschwungenen Gassen eines mittelalterlichen Stadtkerns - Spandau, Köpenick, oder aus dem Interregio einmal in Wittenberg, Naumburg, Weimar und Erfurt aussteigen. In lebendiger Folge reihen sich trauf- oder giebelständig 1-5 geschossige Bürgerhäuser aneinander, der Geradeausblick verliert sich nicht im Unendlichen der schnurgeraden Straßenflucht, sondern trifft zumeist auf eine Hausfassade im Schwung der Straße. (Bildbeispiel) Die Straßen können so eng sein, wie sie wollen, man fühlt sich nicht erdrückt oder eingeschüchert. Gerade das muntere Auf und Ab der Haushöhen verhindert ein optisches Zusammenschmelzen zu einer großen Baumasse. Die Häuser überschreiten nur ausnahmsweise ein vertrautes Maß. Eingereiht in den geschlossenen Blockrand ist doch jedes Haus zugleich ein Ausdruck bürgerlichen Selbstbewusstseins. Danach in die Arbeiterquartiere Moabits, des Wedding und Kreuzbergs, dahin, wo kein Erker und kein Balkon und kein Schaudach die Fassaden gliedert, kein Giebel mehr die Traufseite durchbricht wie in den bürgerlichen Vierteln. Hier fällt die Unterscheidung schon schwer. Bis an die Oberkante von 22 m wurden die Wände nach immer demselben Muster fünfgeschossig hochzogen an den streng geometrischen Straßenfluchten. Straßen-Schluchten. Allein mithilfe verschiedener "Handschriften" beim Stuck, den versetzten Gesimsen und den Fensterverdachungen, werden aus der geschlossenen Bebauung vage Anfang und Ende einer Hausfront ablesbar. Die Straßen sind großzügiger in der Breite bemessen - Gebäudehöhe zu Straßenbreite = 1 zu 1 bis 1 zu 1/2 - und doch wirkt es subjektiv enger. Die Stadt zeigt hier schon ein versteinertes Gesicht. Der Blick prallt auf Wände, nicht mehr auf Einzelhäuser. Auch Straßenbäume können daran nicht viel ändern. Dann zu dem Gebiet rund um die Friedrichstraße. Dort haben sich einst große Institutionen, Ministerien, Reichsämter, Universität, gleich ganzer Blöcke bemächtigt. Sie stehen dort, hineingezwungen in das enge Straßenraster, monumental, wie aus einem Stück gehauen, einander gegenüber. Nicht ausnahmsweise in einem ansonsten kleinteiligen Gebäudebestand, sondern regelmäßig Block gegen Block. Zu allem Unheil selten mit einem Erdgeschoß, sondern mit Hochparterre. Der Tod jeder Geschäftigkeit auch hier im Herzen der Stadt. Den Gesteinsmassiven fehlt die Bodenhaftung, sie sind der Straße entrückt. Man möchte nicht zwischen diesen Blöcken hindurchgehen. Was das Haus als ganzes in seinen Proportionen verlangt - wuchtiges Portal, derbe Quaderung der Sockelzone, dicke Säulen in Kollossalordnung - verträgt die Straße nicht. Eine erdrückende Schwere lastet auf dem Raum. Hier stimmt der städtebauliche Rahmen nicht mehr. Diese Riesen brauchen die "Schloßfreiheit", den Vorplatz oder den überbreiten Prachtboulevard zur stadtverträglichen Einordnung. Schließlich hin zum Grazer Damm. Dort kann man feststellen, wie Blockrand und Traufhöhe nicht instande sind, Stadt zu erzeugen. Allenfalls Siedlung. Ob das anders wäre, wenn die Erdgeschosse für Läden geöffnet würde und sich Büros und Praxen in die Etagen mischen dürften? Die langen Enden in der Nürnberger Str. (Tauentzienpalast) und in der Emser Str. am Ludwigkirchplatz verfügen über eine Ladenzone im Erdgeschoss. Hier mag Stadt funktionieren, und doch lässt sich die Verödung des Straßenbildes in Metern ununterbrochener Häuserfront messen. Berlin droht zur Zeit die eben nur halbherzige "historische Rekonstruktion", Traufhöhe und Blockrand zwar, aber nicht Parzelle. Maßhalten in der Höhe, aber nicht in der Breite. In diesem Kompromiß zwischen Investoren und Stadt könnte einer der kapitalen Fehler des Stadtaufbaus liegen. Aus diesen Beobachtungen ist man geneigt, Prinzipien abzuleiten, die bei der Rückwendung zum historischen Stadtgrundriß nicht vernachlässigt werden sollten. Sie werden hier als Thesen zur Diskussion gestellt: 47 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

48 Das Haus maßvoll bauen Das einzelne Haus sollte eine Breite und Höhe nicht überschreiten, die außer Verhältnis zum Straßenraum bzw. Platzraum steht und die nicht seiner gesellschaftlichen Bedeutung entspricht. Das Grundstück, die Parzelle ist das Maß, ist die Regel. Der Begriff Parzelle (v. lat.: particula Teilchen) bezeichnet in der Vermessung ein kleines Stück Land zur landwirtschaftlichen Nutzung oder als Bauland, heute in der Regel als Flurstück bezeichnet, gilt als kleinste Buchungseinheit des Grundbesitzes im Liegenschaftskataster bzw. im Grundbuch. einen Kleingarten. in der Informatik die durch die Programmiersprache Brainfuck geprägte Bezeichnung für ein Element (Zelle) des Speicherarrays. Der Datentyp variiert hierbei je nach Interpreter bzw. Compiler umfasst aber in der Regel einen Zahlenumfang größer als ein Byte. 1. Proportionalität, jedes Haus hat sein Maß - Das einzelne Haus sollte eine Breite und Höhe nicht überschreiten, die außer Verhältnis zum Straßenraum bzw. Platzraum stehen und die nicht seiner gesellschaftlichen Bedeutung entsprechen. Das Who-is-Who oder auch Wer-gilt-was-in-der-Stadt, das die Bürgerschaft über die Jahrhunderte mit der Lage und Größe von Bauplätzen entschieden hat - Kirche, Markt, Residenz, Rathaus, Gericht, Theater hoben sich aus dem Bild der alten europäischen Stadt heraus - eine solche, klare Bedeutungsordnung sucht man derzeit vergeblich. Noch heute kann man an vielen Ecken in Berlin eine katholische von einer evangelischen Kirche schon von weitem unterscheiden. Im protestantischen Preußen wurde den evangelischen Gemeinden der Stadt das Privileg zuerkannt, ihre Gotteshäuser freizustellen umgeben von großzügigen Plätzen (Südstern), während in der Regel katholische Kirchen sich in den Blockrand (Bsp. Yorckstraße bei den Yorckkinos; Kolonnenstraße) einreihen mußten. Nach einem Jahrhundert der Vergesellschaftung ist die alte Ordnung durcheinandergebracht. Vom Handwerk zur Industrie, vom Einzelbauherrn zur Wohnungsbaugesellschaft, vom Schreibbüro zur Monopolverwaltung, von der Agentur zum Versicherungskonzern: entweder die Einheiten wuchsen schneller, als deren gesellschaftliche Bedeutung oder die gesellschaftliche Bedeutung ist von Grund auf neu bestimmt worden. Ergebnis: Die Stadt hat aufgehört, von den Bedeutungsunterschieden zwischen einem Wohnhaus und einem Rathaus, zwischen einer Repräsentanz und einem Verwaltungshaus zu erzählen. Das Rote Rathaus, das einst stolz den Selbstbehauptungswillen der Bürgerschaft neben dem Machtzentrum der Hohenzollernfürsten ausdrückte, wird heute in den Schatten gestellt vom Fernsehturm und den Wohn- und Geschäftshäusern am Platzrand. Großsiedlungen erzählen die Geschichte einer sozialdemokratischen oder sozialistischen Zeit und ihrer jeweiligen Wertepräferenzen: alles für den Werktätigen, alle Macht dem Volk.. - Das Grundstück, die Parzelle ist das Maß, ist die Regel. Dieses Maß sollte gelten, weil es zur "Tradition der guten Stadt" gehört. Was nützt ein ehrlicher zeitgenössischer Städtebau, der die realen Interessen und Machtverhältnisse darstellt, wenn die von Konzernen, Großverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften, Immobilienfonds projektierten Areale seelenlose Geschoßflächenproduktionen sind, zu denen keiner mehr hinflaniert, die unwiederbringlich Straße um Straße für den Stadtbummler verloren sind. 48 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

49 Blockrand nicht gleich Blockrand
Rezepte gegen Monumentalität in der Blockrandbebauung: Individualität des Hauses fördern, visuelle Blockbildung verhindern Jedes Haus sollte klar unterscheidbar gegenüber seinen Nachbarn sein. Städtische Dichte muss nicht nur am Blockrand eingelöst werden „Tod und Leben“ der Straße hat viel mit der Häuserbreite an der Straßenfront zu tun. Von den schmalen einachsigen Häusern ab zwei Meter Breite hin zu den dreispännigen Fronten mit bis zu zehn Fensterachsen auf 36 Metern reicht die Spannbreite von Haustypen, die einen Straßenabschnitt beleben können. Was viel breiter ist, dient dem städtischen Leben auf der Straße kaum noch. Die Erlebnisvielfalt nimmt deutlich ab, Verödung beginnt. Irgendwann ist es nur noch ein „Langer Jammer“. (Beispiele: Kochstraße/Ecke Friedrichstraße bis zum TAZ-Gebäude, dahinter „reißt der Faden“; Oranienstraßen zwischen Luckauer und Manteuffel im Vergleich zum Abschnitt zwischen Axel-Springer-Straße und Luckauer Straße. - Alle Möglichkeiten des Aus-der-Reihe-Tanzens sollten zur Brechung der Block-Monumentalität, zur Widerspiegelung bürgerlichen Eigensinns unterhalb einer definierten Toleranzgrenze willkommen sein. 2. Die Individualität des Hauses fördern, visuelle Blockbildung verhindern - Jedes Haus sollte klar unterscheidbar gegenüber seinen Nachbarn sein. Bei geschlossener Blockbebauung mit festgelegter Traufhöhe kommt es besonders auf die Variationen in der Dachzone an. Zusätzlich können neben gestalterischen Unterscheidungs-merkmalen wie Farbe und Fassadengliederungselementen vor allem der horizontale Versatz der Geschosse gegenüber den Nachbarhäuseren durch wechselnde (Erd-)Geschoßhöhen individualisierend wirken. Eine Unterschreitung der Geschoßhöhe sollte nicht pauschal als ungenutztes Potential gewertet werden, das durch Aufstockung auszuschöpfen ist, solange sich das nur von der Anzahl der Geschosse oder der Geschoßhöhe nicht einfügt, ansonsten aber in seinem formalen Aufbau alles hat, was man sich von einen Haus wünscht. - Städtische Dichte muß nicht nur am Blockrand eingelöst werden. Die Gebäudehöhe ist das klarste Unterscheidungsmerkmal, Kleinteiligkeit, Lebendigkeit im Stadtbild werden wesentlich durch das Auf und Ab in der Höhenlinie wahrgenommen. Die Traufhöhe sollte als Obergrenze verstanden werden, jenseits dessen eine wirtschaftliche Nutzung in Form von Geschoßflächen nicht mehr zulässig ist. Aber sie muß doch nicht als Linie diktiert werden, an der die Dachrinne zu montieren ist. Mannigfaltige Formen sind denkbar, die diesen städtebaulichen Rahmen durchstoßen können, ohne zu stören: Dachreiter, Eckturm, Attika, Steildach mit Gauben und Vor- und Rücksprüngen, das waren schon die Mittel, mit denen in den besseren Stadtlagen die Häuser aus dem Einerlei der Fünfgeschossigkeit herauswuchsen, der Schaugiebel, um sich in der vertikalen Betonung der eigenen Hausachse vom Nachbar abzusetzen. Ein städtebaulicher Absolutismus, der rigoros die Traufkante und das Staffelgeschoß unterm Dach vorschreibt: im Modell sieht das sehr ordentlich aus, aber für eine wirklich lebendige Stadt viel zu ordentlich, viel zu steril. Gute Anschauung für eine wohltuende Auflockerung des Prinzips "Blockrandbebauung" finden sich in der Fasanenstraße (Literaturhaus, Bankhaus Löbbecke: freistehende Stadtvillen zwei-, dreigeschossig, trotzen dem Verwertungskalkül und öffnen den Raum zum Blockinneren. In der Knesebeckstraße 74/75 zeigt die "geplante" Blocköffnung eines Mietshauses auf ganzer Länge bis zur Traufhöhe die Variation zum Thema. 49 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

50 Straßenräume Räume statt Schluchten: Straßen krümmen oder abwinkeln,
gerade Straßen zu Sichtachsen auf herausragende Bauwerke (z. B. Kirchen) oder Landschaftselemente machen (Bsp. Potsdam, Brandenburger Str.) Straßenbreite bewusst planen: Enge und Weite mit je eigenen Qualitäten Enge: zieht einen hinein (Kapillareffekt), Geborgenheit, als Vorbereitung auf Platzöffnung Weite: Macht- und Prachtentfaltung: Allee, Boulevard, Prachtstraße, Prospekt In Stadterweiterungsgebieten und Neubaugebieten sollte bei der Planung des Straßennetzes ein streng geometrisches Straßenraster vermieden werden. Der Nachteil von schnurgeraden Straßen mit Blockrandbebauung ist: die Bebauung längs der Straßenflucht bildet keinen Raum, sondern eine nach hinten und vorne offene Schlucht. Der Betrachter fühlt sich eingezwängt. Geschwungene oder abgewinkelte Straßenverläufe sind dagegen raumbildend. Am Ende der Sichtachse stößt der Blick in der Straßenkrümmung auf eine Hausfront, auf eine Fassade. Damit ist der Raum geschlossen. Ansichten im Vorbeifahren werden möglich. Unterschied von „Sichten“ und „Sichtachsen“ (Stichwort „Hinterachse“: Straße bzw. Schneise bildet Verbindungselement zwischen Betrachter und Bauwerk bzw. Landschaftselement. Bsp.: Brandenburger Straße - „Broadway“ - in Potsdam bildet Achse zwischen den Endpunkten Brandenburger Tor und Peter-Pauls-Kirche auf der anderen Seite. Analogie zu „Unter den Linden“ in Berlin mit Brandenburger Tor auf der einen Seite und Stadtschloss auf der anderen? 50 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

51 Straßenräume 51 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“
In Stadterweiterungsgebieten und Neubaugebieten sollte bei der Planung des Straßennetzes ein streng geometrisches Straßenraster vermieden werden. Der Nachteil von schnurgeraden Straßen mit Blockrandbebauung ist: die Bebauung längs der Straßenflucht bildet keinen Raum, sondern eine nach hinten und vorne offene Schlucht. Der Betrachter fühlt sich eingezwängt. Geschwungene oder abgewinkelte Straßenverläufe sind dagegen raumbildend. Am Ende der Sichtachse stößt der Blick in der Straßenkrümmung auf eine Hausfront, auf eine Fassade. Damit ist der Raum geschlossen. Ansichten im Vorbeifahren werden möglich. 51 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

52 Stadtplätze - Sehen und Gesehenwerden
Aus der Enge in die Weite: Für das eigentliche Platzerlebnis sorgen die zuführenden Straßen: die Erfahrung von Enge. Ohne den Kontrast von der Enge der zuführenden Straßen zu der Öffnung und Weite eines Platzes fehlt einem für das Platzangebot eigentlich der Sinn. Fotos: Sergey Ashmarin Bühne: Für das, was den Ort so anziehend macht, Öffentlichkeit erzeugt, ihn zur "Bühne", zum Forum macht, müssen eine ausreichende Fluktuation von Passanten und tausend Fensteröffnungen, die "Logenplätze" in der Bebauung am Platzrand sorgen. In Sichtweite! „Il Campo – Der schönste Platz der Welt“ 4. Plätze zum Sehen und Gesehen werden Stadtplätze sind kein Produkt aus Länge mal Breite. Sie sind nicht einfach nur freie Fläche. Hier muß städtische Fläche gefaßt, hier muß ein Rahmen gebildet und aus dem Verhältnis von Gebäudehöhe der einrahmenden Bebauung zur Fläche ein Raumgefühl erzeugt werden. Für das, was den Ort so anziehend macht, Öffentlichkeit erzeugt, ihn zur "Bühne", zum Forum macht, müssen eine ausreichende Fluktuation von Passanten und tausend Fensteröffnungen, die "Logenplätze" in der Bebauung am Platzrand sorgen. In Sichtweite versteht sich.[1] Im Kern ist bei einem Stadtplatz, im Unterschied zu einem Vorplatz, die Fläche nicht auf das Haus bezogen, sondern umgekehrt: die Häuser "machen Platz", sie bilden dicht gedrängt einen "Kreis" um den Raum, dem höchstes öffentliches Interesse zukommt. Wann wird am Winterfeldplatz endlich der Platzrand geschlossen? Und am Prager Platz? Und ein Zweites macht das Platzerlebnis aus: die Erfahrung von Enge. - Ohne den Kontrast von der Enge der zuführenden Straßen zu der Öffnung und Weite eines Platzes fehlt einem für das Platzangebot eigentlich der Sinn. Wer über die breiten Linden läuft, wozu braucht der noch mehr Platz? Bebelplatz, Lustgarten, Marx-Engels-Platz, Marx-Engels-Forum, Alexanderplatz, das ist pure "Platzverschwendung". Der Gendarmenmarkt dagegen, was für eine wohltuende Öffnung aus dem ansonsten relativ engen Straßenraum. Enge und Weite verhalten sich dabei wie Regel und Ausnahme. [1] "Am liebsten hockte ich dann auf der Gartenmauer und schaute dem Leben und Treiben auf dem Albertplatz [in Dresden] zu. Die Straßenbahnen, die nach der Altstadt, nach dem Weißen Hirsch, nach dem Neustädter Bahnhof und nach Klotzsche und Hellerau fuhren, hielten dicht vor meinen Augen, als täten sie's nur mir zuliebe. Hunderte von Menschen stiegen ein und aus und um, damit ich etwas zu sehen hätte. Lastwagen, Kutschen, Autos und Fußgänger taten für mich, was sie konnten. Die zwei Springbrunnen zeigten ihre Wasserkünste. Die Feuerwehr ratterte, mit ihrem Hornsignal und glockenläutend, vorbei. Schwitzene Grenardiere kehrten, singend und im Gleichschritt, von einer Übung in der Kaserne zurück. Eine königliche Equipage rollte vornehm übers Pflaster. Eisverkäufer in weißer Uniform verkauften an der Ecke Waffeln für fünf und für zehn Pfennige. Ein Bierwagen verlor ein Hektoliterfaß, und die Neugierigen kamen gelaufen. Der Albertplatz war die Bühne. Ich saß zwischen Jasmin und Bäumen, in der Loge und konnte mich nicht satt sehen." Erich Kästner: "Als ich noch ein kleiner Junge war", Zürich 1957 (Quelle: s.u. Kapitel 13, S. 164f.) Foto: Guido Haeger 52 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

53 Stadtplätze statt Freiflächen
Lucca Nicht freie Fläche, Raum!: kein Produkt aus Länge mal Breite, nicht einfach nur freie Fläche: städtische Fläche fassen, einen Rahmen bilden, auf richtiges Verhältnis von Gebäudehöhe der einrahmenden Bebauung zur Fläche achten, damit Raumgefühl entsteht. 53 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

54 Stadtplätze statt Freiflächen
Piazza dell'anfiteatro Häuser „machen Platz“: Im Kern ist bei einem Stadtplatz, im Unterschied zu einem Vorplatz, die Fläche nicht auf das Haus bezogen, sondern umgekehrt: die Häuser "machen Platz", sie bilden dicht gedrängt einen "Kreis" um den Raum, dem höchstes öffentliches Interesse zukommt. 54 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

55 Stadtplätze 55 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

56 Stadtplätze 56 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

57 Stadtplätze 57 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

58 Stadtplätze 58 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

59 Großgrün mit Bedacht in dichter Stadt
59 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

60 Großgrün mit Bedacht in dichter Stadt
60 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

61 Großgrün mit Bedacht in dichter Stadt
61 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

62 Großgrün mit Bedacht in dichter Stadt
Großkroniger Straßenbaum? Häuser sind Baukunstwerke! Contra: Stadtbaukunst braucht kein „Feigenblatt“. Fassade will sich zeigen, nicht verdeckt sein (... man stellt sich im Wohnzimmer auch keinen Fikus vor den Rembrandt). (Geschäftsstraßen brauchen sichtbare Fassaden als Werbeflächen) Plätze ohne Bäume: Bebelplatz, Pariser Platz, Gendarmenmarkt, Walter-Benjamin-Platz Straßen ohne Bäume: Friedrichstraße, Brandenburger Str, Mittelstraße Pro: Ein „Schleier“ weckt Neugierde. Bäume zur Hälfte des Jahres unbelaubt. Sie bringen die Jahreszeiten in die Straße Alternative: kleinvolumige, schmalkronige Zierbäume (Akazie, Robinie, Mandelbaum, Zierkirsche, Magnolie) „Schleier“: Der sichtbare Teil weckt Neugierde auf das Verdeckte, versteckte Ideale Straßenbäume zeichnen sich durch hohe Abgasbelastbarkeit aus, sie wurzeln tief, haben eine robuste Borke und bilden wenig Totholz. Typische Straßenbäume sind z. B. Linden, Kastanien, Platanen und Ginkgo. Die Kosten für einen Straßenbaum liegen bei Großabnehmern wie den Kommunen bei etwa 450 bis 600 Euro je nach Baumart. In Deutschland verlangt die DIN beim Pflanzen eine offene Fläche von mindestens 6 m² und eine durchwurzelbare Fläche von mindestens 16 m². Zierbäume Deutsche Namen - alphabetisch sortiert Amberbaum Blauglockenbaum Deutsche Pyramiden-Eiche Eberesche Essigbaum Fächerblattbaum Feldahorn Florenz-Magnolie Goldregen Goldulme Japanischer Fächerahorn Judasbaum Himalayabirke Katsurabaum/Lebkuchenbaum Kugel-Ahorn Kugelakazie Kupfer-Birke Loebner-Magnolie Hohe Nelkenkirsche Roter Schlangenhaut-Ahorn Säulen-Hainbuche Schneekirsche Sternmagnolie Tulpenbaum Tulpenmagnolie Vogelkirsche Winterlinde Zierapfel Everste 62 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

63 Großgrün mit Bedacht in dichter Stadt
Hinterhofbegrünung ohne Großbäume: Licht wichtiger als Schatten 63 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

64 Shared Space – wider den Schilderwald
Verkehrsprojekt Bohmte hat Deutschlands erstes Zentrum ohne Schilder Keine Ampel, kein Stoppschild, kein Halteverbot: Bohmte in Niedersachsen ist offiziell die erste Gemeinde Deutschlands, in deren Zentrum kein Verkehrshinweis mehr steht. Außer rechts vor links gilt hier nur noch: bitte Rücksicht nehmen. Bohmte - Seit Samstag ist das niedersächsische Bohmte bei Osnabrück offiziell die erste deutsche Gemeinde ohne Verkehrsschilder im Zentrum. EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering übergab den umgebauten Abschnitt der vielbefahrenen Durchgangsstraße dem Verkehr. DPA Hinweisfreies Bohmte: Das einzige Schild sagt, dass sich alle lieb haben sollen Bohmte hatte sich als eine von sieben Gemeinden aus fünf EU-Staaten am EU-Projekt "Shared Space" beteiligt, bei dem alle Verkehrsteilnehmer den Straßenraum gleichberechtigt nutzen. Die Bürger feierten den Tag mit einem Straßenfest. Der Verzicht auf Verkehrsschilder, Ampeln, Fußgängerinseln und andere Barrieren schaffe zwischen den Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern gegenseitige Rücksicht und erhöhe die Sicherheit im Straßenverkehr, sagte Pöttering. "Rücksicht, Nachsicht und Vorsicht im Umgang miteinander ist besonders im Straßenverkehr unabdingbar." Das Projekt sei aber nicht nur ein Zeichen intelligenter und mutiger Verkehrspolitik, sondern auch guter europäischer Zusammenarbeit. Bohmte verspricht sich unter anderem mehr Sicherheit von dem Verzicht auf Schilder und andere Verkehrszeichen sowie dem Rückzug auf die Prinzipien rechts vor links und Rücksichtnahme. Die Gemeinde baute einen rund 450 Meter langen Abschnitt der Durchgangsstraße für mehr als zwei Millionen Euro um. Habe man früher jährlich 40 bis 45 Unfälle verzeichnet, sei es seit der inoffiziellen Verkehrsfreigabe am 19. Mai noch nicht einer gewesen, sagte Bürgermeister Klaus Goedejohann. Bürgersteige und Verkehrsinseln wurden eingeebnet, Fahrbahnmarkierungen entfernt, die Verkehrsschilder und eine zentrale Ampelanlage abgebaut. Die Fläche wurde bis an die umliegenden Privathäuser, die Geschäfte und die Kirchentreppen heran rot gepflastert. Auch die Fläche eines Hotelbiergartens wurde einbezogen, so dass ein Platz entstand. Gerillte weiße Steine fungieren als Blindenleitsystem. Das Ortsbild habe gewonnen, man passiere den Ortskern jetzt schneller, obwohl man langsamer fahre, lobten andere Festredner. Nun hofft die Gemeinde, einen weiteren Abschnitt der Landesstraße umgestalten zu können. Einwohner sind überwiegend froh Die Bohmter kommentierten die Umgestaltung froh bis abwartend. "Das ist ein Versuch, etwas Neues. Man muss sehen, ob sich's bewährt", sagte Rainer Hortmeyer, die zwölfjährige Müdje fand es zunächst "komisch". Die Sorgen in der Bevölkerung um die Sicherheit seien Zustimmung gewichen, sagte hingegen Geschäftsfrau Ulrike Broermann: "Es ist schön mit anzusehen, wie viel Rücksicht genommen wird." Schuhhändler Stephan Busch lobte die Notwendigkeit von Kompromissbereitschaft. Auch freute er sich über mehr Laufkundschaft. Autofahrer beispielsweise stoppten für einen schnellen Besuch vor der Tür. Pastor Stephan Schwegmann freute sich, das Bohmte nun einen zentralen Ort habe. "Shared Space ist ja nicht nur ein Verkehrskonzept, sondern es hat etwas mit Leben, Begegnung und Kommunikation zu tun." Manche wüssten noch nicht so recht, wie sie sich verhalten sollten, sagte Werner Ortmann. Aber das sorge ja gerade für Vorsicht. Von Imke Zimmermann, AP ADFC Radwelt 4/2008 64 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

65 Material! (Natur-)Steine setzen statt asphaltieren
Formate von Natursteinpflaster Steinplatten: Platten größer als Großsteinpflaster. Größen bis in den Meter-Bereich. Für Beläge von Gehwegen oder großen Flächen verwendet. (in Berlin „Schweinbäuche“ genannt) Großsteinpflaster: Die für Großsteinpflaster gängigen Größen sind 13/15, 15/17 und 17/19 cm. Es sind damit Würfel in den Abmessungen 14 x 14 cm, 16 x 16 cm und 18 x 18 cm gemeint. Die Kantenlänge variiert dabei um +/- 1 cm, da Natursteine nicht ganz exakt gebrochen werden können. In der Größensortierung 13/15 cm gibt es also Steine, die genau 14 x 14 cm groß sind, aber auch solche, die bis 13 x 15 cm messen. Kleinpflaster: Kleinpflaster wird meist mit Hartmetallkeilen gebrochen. Gebräuchlich sind die Größen 9/11, 8/10, 8/11, 7/9, und 7/10 cm. Die Steine sind auch hier annähernd quadratisch, mit Abmessungstoleranzen nach unten und oben. Von der Größensortierung 9/11 cm werden etwa 100 bis 110 Steine pro Quadratmeter benötigt. Mosaikpflaster: Das Mosaikpflaster, die kleinste Pflastergröße, wird heute im Maschinenschlag hergestellt. Üblich sind die Größen 6/8, 5/7, 4/6 und 3/5 . Bei der Kantenlänge 5/7 cm kommen etwa 270 bis 290 Steine auf einen Quadratmeter. Kieselsteinpflaster: Mit Kieselsteinpflaster können Aussparungen geschlossen oder ein Ornament gebildet werden. Findlinge: Findlinge sind von Flüssen weit transportierte und somit runde Steine. Sie werden mindestens 1/3 in den Boden eingegraben. Ihre eigentliche Wirkung erzielen diese Steine erst ab 80 cm Größe. Schotter/Splitt: Locker liegender Belag aus maschinell klein gebrochenen Natursteinen ungleichmäßiger Abmessung. Die kleineren Abmessungen (Splitt) von 2/5 bzw. 5/8 mm Sortierung werden auch als Ausgleichsschicht oder Bett für größeres Pflaster benutzt. Das gröbere Material (Schotter) wird zum Auffüllen oder auch als Deckschicht z. B. für die Befestigung von Feldwegen benutzt. Lit.: Jörg Niendorf, Spur der Steine, unterwegs auf Berliner Straßenpflaster, FOYER - Journal für Stadtentwicklung, 8/2001, S. 14 Katzenkopfpflaster 65 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

66 Material! (Natur-)Steine setzen statt asphaltieren
                Viele Innenstädte in Brandenburg heute attraktiver als ihre Partnergemeinden in den alten Ländern: „Einen ostdeutschen Marktplatz erkennt man am Granitpflaster, wo im Westen nur Betonverbundsteine verbaut wurden“ Reinhold Dellmann, Minister für Infrastruktur und Raumordnung des Landes Brandenburg, MOZ, „Knochenstein“ Betonstein 66 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

67 Material! Steine setzen statt asphaltieren
Begegnung zweier Paare („offene“ Gangart): 4 x 0,75 = 3.00 m 67 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

68 Material! Steine setzen statt asphaltieren
68 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

69 Stadtumbau - Abschied von der Platte
Berlin, Luisenblock, Baujahr 1990: Die Zeit Nr. 35, 2005 Nichts wie weg - nichts wie hin, von Wolfgang Büscher "Man muss sich den Abriss eines Stadtviertels so vorstellen: Es wird entmietet, ausgeweidet bis nur noch der nackte Korpus steht, nackte Platte mit Tür- und Fensterlöchern, die wird erst grob zertrümmert und dann fein gemahlen. Am Ende ist es ein großer Haufen Betonmehl.„ Stadtumbauprogramm Für Maßnahmen des Stadtumbaus stellt der Bund allen neuen Ländern im Rahmen der Städtebauförderung in den Jahren 2002 bis 2009 insgesamt 941,6 Mio. € zur Verfügung. Hiervon entfallen knapp 17 % auf das Land Brandenburg. Im Programmjahr 2004 stehen im Land Brandenburg insgesamt 60 Mio. € (Bundes-, Landes- und kommunale Mittel) zur Verfügung, die auf fünf Jahre gestreckt werden. Die Stadtumbau-Mittel des Bundes sind zu 50 % für Rückbaumaßnahmen einzusetzen, eine gleich hohe Komplementierung durch das Land ist zwingend. Der Abrisszuschuss beträgt 60 €/m² und wird als Pauschale ausgereicht. Aufgrund der dringenden Bedarfe bei der Wohnungswirtschaft wurden im vergangenen und in diesem Jahr Mittel des Aufwertungsteils zu Gunsten des Wohnungsabrisses umgeschichtet. Insgesamt können in Brandenburg Wohnungen abgerissen werden. Der andere Teil der Bundesmittel wird zur Förderung von Aufwertungsmaßnahmen eingesetzt. Hier greift die übliche Drittelfinanzierung, d. h. Land und Kommune müssen die Bundesmittel jeweils in gleicher Höhe komplementieren. Förderfähig sind u. a. die Anpassung der städtischen Infrastruktur, die Aufwertung des vorhandenen Gebäudebestandes und die Verbesserung des Wohnumfeldes. Das gesamte Finanzierungsvolumen für das Land Brandenburg beläuft sich für den Programmzeitraum 2002 bis 2009 auf rund 238,5 Mio. € (Bundes-, Landes- und kommunale Mittel). Zusätzlich wurden durch Bund und Länder für die Jahre 2002 bis 2004 insgesamt 153,3 Mio. €, also jährlich 51,2 Mio. € für die Förderung der innerstädtischen Wohneigentumsbildung in innerstädtischen Altbauquartieren zur Verfügung gestellt. In Anlehnung an die Eigenheimzulage werden Modernisierungszuschüsse vergeben, die bis zu € pro Jahr bzw. bis zu € pro Wohnung für 8 Jahre betragen können. Über das Programm Stadtumbau Ost hinaus werden fallweise auch Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Stadtumbau aus anderen Programmen der Städtebauförderung finanziert. Zuletzt geändert am: "Am Ende ist es ein großer Haufen Betonmehl“ (s. Notizen) 69 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

70 Städtische Auswege aus der Mietskasernenstadt Vorstadtbebauung: „Villen- und Landhauskolonie“
Berlin–Friedenau EW/km², 165 EW/ha (1987) „Vater Rhein und Mutter Spree - Bonner Zuzügler in Friedenau Auffällig viele Staatsdiener mit Familienanhang aus Bonn haben nach dem Zuzug nach Berlin ihre Bleibe in Friedenau gefunden. Carstenn und Born konzipierten 1873 Friedenau als Gartenvorstadt. Der grüne Charme und die hohe Wohnqualität haben die Bonner überzeugt und ihnen den Umzug nach Berlin schmackhafter gemacht. Damit hat Friedenau einen Beitrag geleistet zur geschmeidigen Umsetzung des Hauptstadtvertrages. Vieles hier erinnert die Zugezogenen an die Bonner Altstadt. Genau wie in Poppelsdorf wippen die Petunien vom Balkon, Sonnenblumen finden ihren Platz im Vorgarten und Kastanien prasseln im Herbst nicht anders als im Bonner Stadtteil auf die Autos nieder, wobei die Friedenauer Parkplatzsuche die eingeübten Poppelsdorfer Suchstrategien nicht einrosten lässt. Die in Bonn zurückgelassene Altbau-Zimmerhöhe mit Deckenstuck findet sich in Friedenau wieder und für die Kinder gibt es fabelhafte Schulen gleich um die Ecke, denen zu wünschen ist, dass sie bald in Ganztagsschulen umgewandelt werden.“ 70 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

71 Gründungsjahr: 1871 (Ende des Dt.-franz. Krieges „Friedenau“)
Städtische Auswege aus der Mietskasernenstadt Vorstadtbebauung: „Villen- und Landhauskolonie“ Berlin-Friedenau: Gründungsjahr: 1871 (Ende des Dt.-franz. Krieges „Friedenau“) Gründer: J.A.W.v. Carstenn Größe: 141 ha Als Landhauskolonie für Mittelschicht geplant, tatsächlich mehr und mehr mit Mietshäusern bebaut, Burkhard Hofmeister, Berlin West, Darmstadt 1990, S. 193ff. Carstenn-Figuren Miniatur-Graphik: „Carstenn-Figur“ aus Straßen u. Plätzen 71 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

72 Erfolgsgeheimnis Friedenau: 1. Vorgartenzone 3-6 m
Städtische Auswege aus der Mietskasernenstadt Vorstadtbebauung: „Villen- und Landhauskolonie“ Erfolgsgeheimnis Friedenau: 1. Vorgartenzone 3-6 m (bürgerschaftlicher Wettbewerb um den schönsten Vorgarten) 2. Kaum Hinterhäuser, dafür Seitenflügel, (Raumbildung mit Nachbargrundstück) 3. Wechsel von geschlossener halboffener, offener Bebauung 72 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

73 Städtische Auswege aus der Mietskasernenstadt Städtebau ohne „Leitbild“: Bremer Haus
BauO 1841: Verbot von Hinterhäusern ohne Straßenanbindung Einfamilien-Reihenhaus Vorgartenzone Niveauunterschied Straßen/Garten 73 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

74 Leitbilder Leitbildgeschichte:
Vergleich Schwarzpläne (Stadt der Architektur, Berlin S. 385) Stadtpläne 1:10.000 Leitbildzyklus zweigeteilt: in die Vertikale und Horizontale Leitbild = ideell oder ideologisch? (Versuch und Irrtum im Umgang mit Gründerzeit) 74 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

75 Leitbild und Dichte 75 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

76 Edge City (Joel Garreau)
Autobahnauffahrten und Punkte hoher Erreichbarkeit als Kristallisationskerne für suburbanisierende Nutzungen (Wohnen, Einkauf, Büro) Merkmale: 4,5 Millionen m² Bürofläche, m² EH-Fläche Bürohochhäuser, eingeschossige Malls Einzugsbereich: EW in 15-Min-Auto-Isochrone Einheitlich geplant und developed: 'Corporate Identity'. Privaten Betreibergesellschaft. USA: > 100 Edge Cities (suburbane Zentren) Edge City: Gruppierung von Nutzungen aus den drei Suburbanisierungsphasen der Nachkriegszeit (Wohnen, Einkauf , Büro ab 1980) um Autobahnauffahrten und andere Punkte hoher Erreichbarkeit nach einem bestimmten Muster . Merkmale: 4,5 Millionen m² Bürofläche, m² Einzelhandelsfläche. Bürohochhäuser, eingeschossige Malls Einzugsbereich: Viertel Million EW innerhalb einer 15-Minuten-Auto-Isochrone Einheitlich geplant und developed: 'Corporate Identity'. In vielen Fällen als Einheit von Developer-Unternehmen geplant und realisiert. Verwaltung des Gebietes unter Führung einer privaten Betreibergesellschaft. USA: über hundert suburbane Zentren, die Garreaus Definition von Edge City entsprechen. 76 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

77 Zwischenstadt (Sieverts 1997)
Bewertungsschere Fachwelt (kompakte europäische Stadt) und suburbanisierender Mittelschicht (Hölle oder Himmel) 2/3 Bautätigkeit außerhalb kompakter Stadt bessere Gestaltung von Zwischenstadt (Suburbia). funktionelle Anreicherung: Nivellierung von Dichte und Funktionen über gesamte Stadtregion Zwischenstadt als Entwicklungsmuster anerkennen Dominanz von 'Suburbs' und 'Technourbs', Leitbilder dezentrale Konzentration und Funktionsmischung laufen an realer Entwicklung vorbei Bsp. Neues Orts-Zentrum Eggersdorf (Wohnvorort von Berlin) Thomas Sieverts, Zwischenstadt zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, 1997 Zwischenstadt „Zwischenstadt zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land“ (Sieverts 1997): Reaktion auf Bewertungsschere zwischen Fachwelt (Leitbild: kompakte europäische Stadt) und suburbanisierender Mittelschicht (Hölle oder Himmel): 2/3 der Bautätigkeit außerhalb der kompakten Stadt. Konzentration aller Kräfte auf bessere Gestaltung von Zwischenstadt (Suburbia). Bsp. Neues Orts-Zentrum von Eggersdorf (Wohnvorort von Berlin) funktionelle Anreicherung. Tendenz: gleichmäßige Verteilung von verschiedenen Nutzungen über die gesamte metropolitane Region in niedrigverdichteten Gebieten. Forderung: Zwischenstadt als räumliches Entwicklungsmuster anerkennen. Faktische Dominanz von 'Suburbs' und 'Technoburbs', Leitbilder der dezentralen Konzentration und der Funktionsmischung laufen an der realen Entwicklung der Siedlungsstruktur vorbei, sind daher kontraproduktiv (Sieverts, 1997, 66f.;Venturi, 1998, 57). 77 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

78 New urbanism (USA) Neue Vorstädte
...”is the revival of our lost art of place-making, and promotes the creation and restoration of compact, walkable, mixed-use cities...” THE PRINCIPLES OF NEW URBANISM, Neue Vorstädte städtebaulich geplant, developed Nutzungsmischung, soziale Mischung, Dichte, architektonische Vielfalt Histor. Stadtgrundriss, Zentrum, fußgängerfreundlich, ÖPNV, Reduktion PKW, offene Stadt (keine gated community) Schmuckplätze statt Einfacherschließung In Deutschland: Potsdam Kirchsteigfeld Lit.: Harald Bodenschatz, Jahrbuch Stadterneuerung 2002 „Walkability” wikipedia Next Slum by Christopher B. Leinberger New urbanism (USA): Neue Vorstädte städtebaulich geplant, developed, die sich von den üblichen Suburbs unterscheiden. Nutzungsmischung, soziale Mischung, größere bauliche Dichte, architektonische Vielfalt. Historischer Stadtgrundriss, Zentrum, Fußgängerfreundlichkeit. ÖPNV, Reduktion PKW, offene Stadt (keine gated community, durch Tore verschlossene Wohnanlage), Kampf gegen den Zerfall der Gesellschaft, Nachbarschaft stimulieren, Anlage von Straßen, Plätzen, Grünanlagen, Schmuckplätzen, statt Einfacherschließung: Potsdam Kirchsteigfeld (Bodenschatz Jahrbuch Stadterneuerung 2002) 78 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

79 Modernistin contra Traditionalist
Christine Edmaier: „Das Beliebige weglassen“ Christoph Kohl: „Jenseits aller Reduktion“ Deutsches Architektenblatt 06/2008, Quelle: Deutsches Architektenblatt 6/2008 79 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

80 Rekonstruktion – Großer Markt Wesel
Deutsches Architektenblatt 04/09, S. 24f. Gotik statt Nachkrieg – Wesel will sein historisches Marktbild wiederhaben. Örtliche Architekten machen mit. Deutsches Architektenblatt 04/09, S. 24f. 80 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

81 Rekonstruktion – Großer Markt Wesel
„Präsentationen vor Hunderten Weselern brachten spontanen Applaus“ Deutsches Architektenblatt 04/09, S. 24f. Gotik statt Nachkrieg – Wesel will sein historisches Marktbild wiederhaben. Örtliche Architekten machen mit. Deutsches Architektenblatt 04/09, S. 24f. Bürgerinitiative Historisches Rathaus sammelte 1,1 Mio. Euro Spenden. Gemeinsam mit Zuschüssen von Bund und Land steht die Finanzierung der Rathausfassade von „Wir sind keine Rekonstruktionsfreaks, die jedes alte Haus wiederhaben wollen“, sagt Vorstandsmitglied der BI Dagmar Ewert-Kruse. Gestaltungssatzung soll Rahmen für Weiterentwicklung der gegenüberliegenden Häuserfront setzen. DVD mit animierten Bildern zur Visualisierung der „Ideen zur Weiterentwicklung“ brachte spontanen Applaus. 81 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

82 Rekonstruktion – Großer Markt Wesel
Gotik statt Nachkrieg – Wesel will sein historisches Marktbild wiederhaben. Örtliche Architekten machen mit. Deutsches Architektenblatt 04/09, S. 24f. Deutsches Architektenblatt 04/09, S. 24f. 82 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

83 Altstädt- (T)Räume Frankfurt/M
„Wiedererrichtung der 1943/44 zerstörten Frankfurter Altstadt ist auf die Agenda gerutscht“ Mäckler: „kleinteilige Parzellierung und eine Architektur der Angemessenheit, deren Materialien und Elemente sich an der Tradition orientiere“ Abriss des Technischen Rathauses, originalgetreuer Wiederaufbau von sechs oder sieben herausragenden Altstadthäusern. Dieter Baretzko beklagte die zahlreichen Abrisse in der Innenstadt und forderte, die stadtbildprägende 50er-Jahre-Architektur als jüngsten Baugeschichtsbestand zu erhalten. Stadtbauwelt 180/2008, S. 5 83 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

84 Rekonstruktion Freudenstadt
600 Gebäude, 95 Prozent der gesamten Innenstadt, wurden am 16./17. April 1945 zerstört. „Wunder von Freudenstadt“ Die „Abgebrannten“ forderten Wiederaufbau ihrer Häuser auf alten Parzellengrenzen. Vertreter der Stuttgarter Schule mit ihrer Heimatschutzarchitektur (Ludwig Schweizer und Paul Schmitthenner) setzen sich gegen vorherrschende, modernistische Fachmeinung durch. Wiederaufbau gilt heute noch als Gesamtkunstwerk Quelle Text und Bild: wikipedia [Bearbeiten] Das Wunder von Freudenstadt Wiederaufgebautes Zentrum „Neues“ Freudenstädter Rathaus „Der neue Stadtplan lehnt sich an die geschichtlichen und natürlichen Begebenheiten an und entwickelt den alten Plan [Schickhardts] mit modernen Mitteln weiter. Damit ist er freilich ein neuer Plan geworden. Aber er berücksichtigt liebgewordene Tradition, vor allem dadurch, daß er nicht nur den großen Marktplatz beibehält, sondern die in ganz Deutschland berühmten, einzigartigen Arkaden. Die Stadt wird ein neues Gesicht und eine neue Atmosphäre erhalten, nachdem das Alte uns unwiederbringlich verloren ist. Aber sie ist nicht nur Neuentwicklung, sondern Fortentwicklung.[28]“ – Ludwig Schweizer Es setzte eine lange Diskussion über den Wiederaufbau der Stadt ein. Modelle einheimischer Architekten sowie renommierter Stadtplaner jener Zeit wurden begutachtet. Es galt, eine ausgewogene Mischung zwischen Tradition und Moderne zu finden. Der Wohnraum sollte beim Wiederaufbau den veränderten Lebensgewohnheiten angepasst werden. Bereits 1945 wurde eine große Zahl unterschiedlicher Pläne (von Paul Heim, Hermann Gabler, Adolf Abel, Paul Schmitthenner und anderen) zum Wiederaufbau vorgelegt. In manchen Konzepten war die Verkleinerung des als übergroß empfundenen Marktplatzes vorgesehen.[A 3] Fraglich war auch der trauf- oder giebelständige Wiederaufbau am Marktplatz. Die „Abgebrannten“ forderten einen Wiederaufbau ihrer Häuser auf den alten Parzellengrenzen. Andererseits waren der zunehmende Verkehr und eine moderne Stadtplanung zu berücksichtigen. Bei den Konflikten setzte sich unter anderem Carlo Schmid vermittelnd ein.[29] Letztendlich konnte sich die traditionelle Minderheit um Ludwig Schweizer und dessen Lehrer Schmitthenner gegen die sonst vorherrschende,[A 4] modernistische Fachmeinung durchsetzen.[30] Beide waren Vertreter der Formensprache der Stuttgarter Schule mit ihrer Heimatschutzarchitektur. Schweizer wurde zum Stadtbaumeister ernannt. Zusammen mit der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Hermann Saam entstand ein detailliertes und einheitlich durchgeplantes Konzept zum Wiederaufbau. Freudenstadt entstand so innerhalb von nur fünf Jahren abermals als Planstadt. Begünstigt wurde der schnelle Wiederaufbau dadurch, dass Freudenstadt neben Friedrichshafen die einzige Stadt im Bundesland Württemberg-Hohenzollern mit derart starken Zerstörungen war und deshalb großzügige Unterstützung erhielt. Die Art und das Ausmaß des ganzheitlichen Freudenstädter Wiederaufbaus sowie das damit verbundene enorme bürgerliche Engagement brachte der Stadt viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. Insbesondere Stimmen aus der DDR lobten das Zurückgreifen auf „nationale Traditionen“[29] als vorbildlich, wohingegen die lokale KPD 1949 als einzige Partei im Stadtrat gegen den traditionellen Wiederaufbau mit Giebelhäusern gestimmt hatte. In Zusammenhang mit dem letztendlich gelungenen Wiederaufbau wird gerne vom „Wunder von Freudenstadt“ gesprochen.[A 5] Er gilt heute noch als Gesamtkunstwerk, das wie in wenigen anderen Städten den Zeitgeist der 1950er Jahre ausdrückt.[29] Daher existiert zur Wahrung des einheitlichen Erscheinungsbildes bis in die Gegenwart eine sehr strenge Gestaltungssatzung für die Innenstadt.[31] Als Stuttgarter Schule werden Stilrichtungen in der Architektur bezeichnet, die von der Architekturabteilung der Technischen Hochschule Stuttgart gelehrt und vertreten wurden ... Diese Schule verwarf den Historismus, vertrat aber trotzdem eine klassisch und konservativ geprägte Bauweise. Die Gestalt eines Bauwerks sollte aus der Konstruktion einer material- und werkgerechten Bauweise, ausgeführt in handwerklichen Traditionen und mit natürlichen Materialien, entstehen. Mit dem Architekturkonzept des Bauhauses konnte sie sich nicht anfreunden, was beispielsweise zu heftiger Kritik an der Weißenhofsiedlung führte. Als Gegenmodell zur Weißenhofsiedlung errichteten 1933 mehrere Mitglieder der Gruppe in Stuttgart die Kochenhofsiedlung. 84 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

85 Rekonstruktion von Münster
91 % der Altstadt durch britische Bomben zerstört. „Auf Drängen der Bevölkerung wurde anders als in vielen anderen deutschen Großstädten ein Teil der historischen Altstadt in den 1950er Jahren ähnlich dem Vorkriegszustand wieder errichtet.“ Text und S/w-Bild: wikipedia Eigene Farbbilder von 2009 „Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs gehörte Münster zu den am stärksten zerstörten Städten Deutschlands. Etwa 91 % der Altstadt und 63 % der gesamten Stadt wurden durch britische Bombenangriffe im Rahmen der Moral Bombing-Strategie zerstört.[14] Auf Drängen der Bevölkerung wurde anders als in vielen anderen deutschen Großstädten ein Teil der historischen Altstadt in den 1950er-Jahren ähnlich dem Vorkriegszustand wieder errichtet.“ „2004 gewann die Stadt den LivCom-Award als lebenswerteste Stadt der Welt in ihrer Kategorie landete Münster beim INSM-Ranking der erfolgreichsten Großstädte Deutschlands auf Platz 2 und ist damit nach INSM-Kriterien die erfolgreichste Großstadt Nordrhein-Westfalens.[2]“ 85 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“

86 Rekonstruktion Rothenburg ob der Tauber
40 % Rothenburgs durch die US-Luftwaffe beschädigt oder zerstört ( ) Nach Kriegsende beteiligten sich die Amerikaner mit Spenden am Wiederaufbau. (Spendertafeln am Wehrgang) Quelle Text und Bild: wikipedia Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 31. März 1945, wurden etwa 40 % der original erhaltenen Bausubstanz Rothenburgs durch den Angriff einer Staffel der 386. Bombardement Group der US-Luftwaffe beschädigt oder zerstört[3]. Der Bombenangriff galt eigentlich einem Öllager im oberfränkischen Ebrach, das aber wegen Vernebelung nicht angegriffen werden konnte, so dass Rothenburg – obwohl ohne militärische Bedeutung – als Ersatzziel angegriffen wurde. Die Zerstörung betraf hauptsächlich den neueren Ostteil der Altstadt, so dass die bedeutendsten Baudenkmäler erhalten blieben. Nach dem Krieg wurden die Gebäude originalgetreu aufgebaut bzw. saniert. Die später befragten Piloten sagten aus, sie hätten nicht geahnt, welche Kulturstadt sie bombardieren würden. Nach Kriegsende beteiligten sich die Amerikaner mit großzügigen Spenden am Wiederaufbau, wie noch heute die Spendertafeln am Wehrgang belegen. Am 17. April 1945 ging der Krieg für die Rothenburger zu Ende, während andernorts drei Wochen lang weitergekämpft wurde. Der damalige US-Hochkommissar für Deutschland, Mc Cloy, erklärte 1950 schriftlich, er habe einen auf Rothenburg geplanten Artillerieangriff durch seine Intervention beim zuständigen General Devers verhindert. McCloy kannte Rothenburg nur aus Erzählungen seiner Mutter, die die Stadt vor dem Krieg besucht hatte und von dem mittelalterlichen Ort schwärmte. 86 TU Berlin, ISR SoSe 2004 „Bodennutzungsplanung II“


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