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VO GEDICHTE 4: Gedicht und Kommunikation Ludwig Tieck (1773-1853): Glosse (1816)

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1 VO GEDICHTE 4: Gedicht und Kommunikation Ludwig Tieck ( ): Glosse (1816)

2 Ludwig Tieck ( )

3 Liebe denkt in süssen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen. 5 Wenn im tiefen Schmerz verloren Alle Geister in mir klagen, Und gerührt die Freunde fragen: »Welch ein Leid ist dir geboren?« Kann ich keine Antwort sagen, 10 Ob sich Freuden wollen finden, Leiden in mein Herz gewöhnen, Geister, die sich liebend binden Kann kein Wort niemals verkünden, Liebe denkt in süssen Tönen. 15 Warum hat Gesangessüsse Immer sich von mir geschieden? Zornig hat sie mich vermieden, Wie ich auch die Holde grüße. So geschieht es, dass ich büße, 20 Schweigen ist mir vorgeschrieben, Und ich sagte doch so gern Was dem Herzen sei sein Lieben, Aber stumm bin ich geblieben, Denn Gedanken stehn zu fern. 25 Ach, wo kann ich doch ein Zeichen, Meiner Liebe ewges Leben Mir nur selber kund zu geben, Wie ein Lebenswort erreichen? Wenn dann alles will entweichen 30 Muß ich oft in Trauer wähnen Liebe sei dem Herzen fern, Dann weckt sie das tiefste Sehnen, Sprechen mag sie nur in Thränen, Nur in Tönen mag sie gern. 35 Will die Liebe in mir weinen, Bringt sie Jammer, bringt sie Wonne, Will sie Nacht sein, oder Sonne, Sollen Glückessterne scheinen? Tausend Wunder sich vereinen: 40 Ihr Gedanken schweiget stille, Denn die Liebe will mich krönen, Und was sich an mir erfülle Weiß ich das, es wird ihr Wille Alles, was sie will, verschönen.

4 Glosse, Glosa Dezime: a b a c d c

5 Liebe denkt in süssen Tönen, a Denn Gedanken stehn zu fern, b Nur in Tönen mag sie gern b Alles, was sie will, verschönen. a abba = umarmender Reim

6 Liebe denkt in süssen Tönen, a Denn Gedanken stehn zu fern, b Nur in Tönen mag sie gern b Alles, was sie will, verschönen. a = weiblicher Reim = männlicher Reim frz. grand (m.), grande (f.)

7 Liebe denkt in süssen Tönen, = Trochäus =

8 Liebe denkt in süssen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen. figura etymologica

9 Liebe denkt in süssen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen. Epanalepse

10 Durch und durch Wir sind alle nur für kurz hier eingefädelt, aber das Öhr hält man uns seither fern, [Anadiplose] uns Kamelen.

11 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer. (Gen 1,1f.) Die alle könnens nicht wissen, Nur Eine kennt meinen Schmerz: Sie hat ja selbst zerrissen, Zerrissen mir das Herz. (Heinrich Heine, Und wüßtens die Blumen) (vgl. W. Groddeck, Reden über Rhetorik, S. 122)

12 Liebe denkt in süssen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen. 5 Wenn im tiefen Schmerz verloren Alle Geister in mir klagen, Und gerührt die Freunde fragen: »Welch ein Leid ist dir geboren?« Kann ich keine Antwort sagen, 10 Ob sich Freuden wollen finden, Leiden in mein Herz gewöhnen, Geister, die sich liebend binden Kann kein Wort niemals verkünden, Liebe denkt in süssen Tönen. 15 Warum hat Gesangessüsse Immer sich von mir geschieden? Zornig hat sie mich vermieden, Wie ich auch die Holde grüße. So geschieht es, dass ich büße, 20 Schweigen ist mir vorgeschrieben, Und ich sagte doch so gern Was dem Herzen sei sein Lieben, Aber stumm bin ich geblieben, Denn Gedanken stehn zu fern. 25 Ach, wo kann ich doch ein Zeichen, Meiner Liebe ewges Leben Mir nur selber kund zu geben, Wie ein Lebenswort erreichen? Wenn dann alles will entweichen 30 Muß ich oft in Trauer wähnen Liebe sei dem Herzen fern, Dann weckt sie das tiefste Sehnen, Sprechen mag sie nur in Thränen, Nur in Tönen mag sie gern. 35 Will die Liebe in mir weinen, Bringt sie Jammer, bringt sie Wonne, Will sie Nacht sein, oder Sonne, Sollen Glückessterne scheinen? Tausend Wunder sich vereinen: 40 Ihr Gedanken schweiget stille, Denn die Liebe will mich krönen, Und was sich an mir erfülle Weiß ich das, es wird ihr Wille Alles, was sie will, verschönen.

13 abba aabbbbaabaccddccccddaabbbbaabaccddccccddcdccd

14 Wilhelm Heinrich Wackenroder ( )

15 Weht ein Ton vom Feld herüber, Grüß ich immer einen Freund, Spricht zu mir: was weinst du Lieber? Sieh, wie Sonn die Liebe scheint: Herz am Herzen stets vereint Gehn die bösen Stunden über. Liebe denkt in süssen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen. Drum ist ewig uns zugegen Wenn Musik mit Klängen spricht Ihr die Sprache nicht gebricht Holde Lieb auf allen Wegen, Liebe kann sich nicht bewegen, leihet sie den Odem nicht.

16 Sophie Bernhardi-Tieck ( )

17 Blumen, ihr seyd stille Zeichen,a Die aus grünem Boden sprießenb Düfte in die Lüfte gießenb So das Herz zur Lieb erweichen.a Dennoch mögt ihr nicht erreichena So das Herz, den Schmerz versöhnen,c Enden alles Leid und Stöhnenc Daß ihr könntet als Gedankend In den grünen Blättern schwanken:d Liebe denkt in süßen Tönen. [...]c

18 Wollt' ich meine Liebe sprechen, Ach! als Botin meiner Klagen Sollte meine Hand nicht wagen Bunte Blumen abzubrechen. Still laß' ich die Dornen stechen, Wag' die süßen Schmerzen gern, Denn mir scheint kein günst'ger Stern, Drum will ich nicht Worte hauchen, Mag auch nicht Gedanken brauchen, Denn Gedanken stehn zu fern. Blumen, Worte und Gedanken, Manche Sehnsucht mögt ihr stillen, Manchen holden Wunsch erfüllen, Manches Herz mag wohl euch danken. Träume, süß, wie mich umwanken, Denen bleibt ihr ewig fern; Sie regiert ein andrer Stern. Selbst der Purpurglanz der Rosen Ist zu matt der Liebe: kosen Nur in Tönen mag sie gern. Hätt' ich zarte Melodien, Sie als Boten wegzusenden, Würde bald mein Leid sich enden, Und mir alle Freude blühn. Holde Liebe zu mir ziehn Würd' ich dann mit süßen Tönen, Meinen Bund auf ewig krönen: Denn mit himmlischen Gesängen Kann Musik in goldnen Klängen Alles, was sie will, verschönen.

19 August Wilhelm Schlegel ( )

20 Worte sind nur dumpfe Zeichen Die Gemüther zu entziffern; Und mit Zügen, Linien, Ziffern Mag man Wissenschaft erreichen. Doch aus den ätherschen Reichen Läßt ein Bild des ewig Schönen Nieder zu der Erde Söhnen Nur in Licht und Ton sich schicken: Liebe spricht in hellen Blicken, Liebe denkt in süßen Tönen. [...]

21 Liebe stammt vom Himmel oben, Und so lehrte sie der Meister, Welchen seine hohen Geister In derselben Sprache loben. Denn beseelt sind jene Globen, Strahlend redet Stern mit Stern, Und vernimmt den andern gern: Wenn die Sphären rein erklingen. Ihre Wonn' ist Schau'n und Singen, Denn Gedanken stehn zu fern. Stumme Zungen, taube Ohren, Die des Wohllauts Zauber fliehn, Wachen auf zu Harmonie'n, Wenn sie Liebe neu geboren. Memnons Säule, von Auroren Angeschienen leis' und fern, Haucht so aus dem starren Kern Ihre Sehnsucht aus in Liedern, Und der Mutter Gruß erwiedern Nur in Tönen mag sie gern. Musik ist die Kunst der Liebe Músik = Tonbeugung In der tiefsten Seel' empfangen, Aus entflammendem Verlangen Mit der Demuth heil'gem Triebe. Daß die Liebe selbst sie liebe, Zorn und Haß sich ihr versöhnen, Mag sie nicht in raschen Tönen Bloß um Lust und Jugend scherzen: Sie kann Trauer, Tod und Schmerzen, Alles, was sie will, verschönen.

22 Friedrich Schlegel ( )

23 Süße Liebe denkt in Tönen, Denn Gedanken stehn zu ferne, Nur in Tönen mag sie gerne alles. was sie will, verschönen.

24 Wenn sich neue Liebe regt, a Alles die Gefühle wagen,b Die man, ach, so gerne hegt,a Laß mich fühlen, doch nicht sagen,b Wie die Seele sich bewegt.a Wird sie jemals sich beschränken? Sich in Lust und Leid zu senken, Kann sie nimmer sich entwöhnen? Doch was soll das eitle Denken? Süße Liebe denkt in Tönen. Wenn die Nachtigallen schlagen, Hell die grüne Farbe brennt, Will ich, was die Blumen sagen Und das Auge nur erkennt, Leise kaum mich selbst befragen. Wenn ich wandl' auf stiller Flur, Still verfolgend die Natur, Und sie fühlend denken lerne, Folg' ich den Gefühlen nur, Denn Gedanken stehn zu ferne. Wer es je im Herzen wagte, Zu dem Aether zu entfliehen, Den der Himmel uns versagte, Denkt in leisen Phantasieen, Was er nie in Worten sagte. Worten ist es nicht gegeben, Unsre Seele zu beleben; Nah' sich ahnden schon das Ferne, Lächelnd weinen, lieben, leben Nur in Tönen mag sie gerne. Wenn sich süß Musik ergoßen, Darf er der Gesang nur wagen, Und in Wohllaut hingegoßen Leise zu der Laute sagen, Daß im Wohllaut wir zerfloßen. Wenn man den Gesang nur kennte, Ihn den Schmerzen nicht mißgönnte, Würden sie sich leicht versöhnen, Und die schöne Liebe könnte Alles, was sie will, verschönen.

25 Ludwig Uhland ( )

26 Schönste! Du hast mir befohlen Dieses Thema zu glossieren; Doch ich sag es unverhohlen: Dieses heißt die Zeit verlieren, Und ich sitze wie auf Kohlen. Liebtet ihr nicht, stolze Schönen! Selbst die Logik zu verhöhnen, Würd ich zu beweisen wagen, Daß es Unsinn ist zu sagen: Süße Liebe denkt in Tönen. Zwar versteh ich wohl das Schema Dieser abgeschmackten Glossen, Aber solch verzwicktes Thema, Solche rätselhaften Possen Sind ein gordisches Problema. Dennoch macht' ich mir, mein Stern! Diese Freude gar zu gern. Hoffnungslos reib ich die Hände, Nimmer bring ich es zu Ende, Denn Gedanken stehn zu fern. Laß, mein Kind, die span'sche Mode! Laß die fremden Triolette! Laß die welsche Klangmethode Der Kanzonen und Sonette! Bleib bei deiner sapph'schen Ode! Bleib der Aftermuse fern Der romantisch süßen Herrn! Duftig schwebeln, luftig tänzeln Nur in Reimchen, Assonänzeln, Nur in Tönen mag sie gern. Nicht in Tönen solcher Glossen Kann die Poesie sich zeigen; In antiken Verskolossen Stampft sie besser ihren Reigen Mit Spondeen und Molossen. Nur im Hammerschlag und Dröhnen Deutschhellenischer Kamönen Kann sie selbst die alten, kranken, Allerhäßlichsten Gedanken, Alles, was sie will, verschönen.

27 Spondeus: Molossos:

28 Ein gereimtes Gedicht ist […] ein eng verbundenes Ganze, in welchem die gereimten Worte getrennt oder näher gebracht, durch längere oder kürzere Verse auseinander gehalten, sich unmittelbar in Liebe erkennen, oder sich irrend suchen, oder aus weiter Ferne nur mit der Sehnsucht zu einander hinüber reichen; andre springen sich entgegen, wie sich selbst überraschend, andre kommen einfach mit dem schlichtesten und nächsten Reim unmittelbar in aller Treuherzigkeit entgegen. Ludwig Tieck, Vorrede zu Die altdeutschen Minnelieder (1803)


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