DER KALTE KRIEG ALS EPOCHE IN GESCHICHTE UND ERINNERUNG (3) MA-VL: HS 2014 Prof. tit. Dr. Markus Furrer.

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 Präsentation transkript:

DER KALTE KRIEG ALS EPOCHE IN GESCHICHTE UND ERINNERUNG (3) MA-VL: HS 2014 Prof. tit. Dr. Markus Furrer

Übersicht Aufbau (neu): 1. Eine „totale“ Auseinandersetzung ( ) 2. Die Teilung der Welt ( ) 3. Eskalation und abruptes Ende in Europa ( ) 4. Hochrüstung Angst vor der Bombe 5. Gesellschaften im Dauerkonflikt 6. Antikommunismus in der Schweiz – Dimensionen und Funktionen 7. Systemkonkurrenz - Kultur und Wirtschaft im Vergleich 8. Stellvertreterkriege in der Dritten Welt – der Kalte Krieg global 9. Von der Entspannung zur Rückkehr der Konfrontation (nach 1978) 10. Gorbatschow und die Auflösung des Sowjetimperiums ( ) 11. Erinnerungen an den Kalten Krieg in der Gegenwart

Ziele Eine „totale“ Auseinandersetzung ( ) Welches ist der Auslöser des Ost-West-Konflikts, wie entwickelt er sich (Höhe- und Tiefpunkte? Wie hingen Dekolonisierung und Kalter Krieg zusammen? Beginn und Verlauf der begrenzten Kooperation zwischen den USA und der UdSSR (wichtigste Punkte) kennen Was führt zum Bruch der Zusammenarbeit und zur Verhärtung der Fronten? Wo lagen die Konfliktherde in militärischer, wirtschaftlicher, geographischer Hinsicht? Welche Funktion hatte die UNO während des Kalten Krieges?

Quellen

Programm: «totale Auseinandersetzung» Grundlagen – Daten und Fakten 2. Der Verlauf des Kalten Krieges 3. Dekolonisierung und Kalter Krieg 4. Was machte die Auseinandersetzung „total“? - „Die Befreiung vom Kommunismus“ - Der Kalte Krieg als globaler Klassenkampf - Krieg der Weltordnung 5. Die Idee der Kollektiven Sicherheit

1. Daten – Fakten – Grundlagen/Geografie Der Bruch der Alliierten Koalition Atlantik Charta 1941 Teheran 1943 Bretton Woods 1944 Dumbarton Oaks 1944 Moskau 1944 Jalta 1945 Potsdam 1945

- Alliierte Kriegskonferenzen und ihre offenen Fragen Atlantik Charta 1941 Inhalt der neuen Ordnung (GB und USA): Selbstbestimmungsrecht der Völker Freiheit des Handels und der Meere Gewaltverzicht Sicherheitssystem zur Wahrung des Weltfriedens Einschränkungen UdSSR: Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts Keine Einschränkung des Handlungsspielraumes durch Mehrheitsbeschlüsse – Vetorecht im Sicherheitsrat

Markieren der Interessensphären: „Dokument“ von 1944: Churchill schrieb die Prozentzahlen und Stalin machte die Haken

z.B.: Konferenz von Jalta, Februar 1945 Lösungen Aufbau der UNO mit Vetorecht für Grossmächte Aufteilung Deutschlands in alliierte Besatzungszonen (USA, UdSSR, GB und F) Viermächtestatus für Berlin Gemeinsame Kontrollbehörde für Entmilitarisierung und Entnazifizierung Offen Westgrenze Polens genaue Organisation der Umsiedlung der Deutschen Frage nach der Selbstbestimmung Interessensphären im Balkan, Dardanellen, Iran, Ferner Osten Kolonialgebiete

z.B.: Konferenz von Potsdam, Juli 1945 Neue Kombination: Churchill, Stalin, Truman USA im Besitz der Atombombe Resultate: „4 Ds“ für Deutschland (Demokratisierung, Denazifizerung, Demilitarisierung und Dezentralisierung)

USAUdSSR Demonstration der Stärke durch A- Waffen  Misstrauen Misstrauen  Vollendete Tatsachen: Westverschiebung Polens und Vertrei- bung der Deutschen Bilanzierend …

- Geografische Dimensionen

- Auf dem Weg in den Kalten Krieg Es kam zu geopolitischen Vorentscheidungen und zur Sicherung von Räumen Ferner kam es zur Sicherung von Ressourcen (Technologisches Know how)

- Entwicklungen

2. Der Verlauf des Kalten Krieges Erste Phase Zweite Phase Dritte Phase Vierte Phase

Zeittafel Erster Weltkrieg erschüttert Kolonialimperialismus 1919Massaker von Amritsar: Beginn der Unabhängigkeitsbewegung in Indien Zweiter Weltkrieg stärkt Forderung nach Unabhängigkeit 1945Ägypten wird unabhängig 1947Indien und Pakistan unabhängig: wechselseitige Massaker 1948Proklamation des Staates Israel 1949Proklamation der Volksrepublik China Vietnamkrieg mit Sieg des kommunistischen Nordvietnam Algerienkrieg 1960,,Jahr Afrikas": zahlreiche Staaten werden unabhängig 1966,,Kulturrevolution" in China 1975Portugiesische Kolonien (Angola, Mosambik, Guinea- Bissao) werden unabhängig 1993Ende der Apartheid in Südafrika 3. Dekolonisierung und Kalter Krieg

Selbstbestimmungsrecht der Völker, 1918 Völkerbundsvertrag „Dekret über den Frieden“, Lenin 1914

Dekolonisierung und Kalter Krieg - Zusammenhang

4. Was machte die Auseinander- setzung „total“?

- „Die Befreiung vom Kommunismus“ Negativbild der britischen Appeasement-Politik Starke antikommunistische Reflexe seit Roosevelts Tod im Westen Totalitarismustheorien (Lenins und Stalins Schriften werden mit „Mein Kampf“ verglichen George F. Kennans „Langes Telegramm“ und als Reaktion Trumans Eindämmungsdoktrin

Der Kalte Krieg als globaler Klassenkampf (Andrey Schdanov, Chefideologe) - allein der Sowjetmarxismus ist gültige Maxime - Lenins These von der Unvermeidlichkeit des Krieges mit dem Kapitalismus wird ausdrücklich bekräftigt - „Zwei-Lager-Theorie“: das „imperialistisch- antidemokratische“ des Westens steht dem eigenen „antiimperialistisch-demokratischen“ unvereinbar gegenüber - Mit der „Zwei-Lager-Theorie“ ist der Kalten Krieg nun von beiden Seiten eröffnet

Krieg der Weltordnung Bereits 1947 tendenziell ein „totaler“ Konflikt James Burnham, amerik. Soziologe und seine These vom Dritten Weltkrieg, in dem man bereits lebe …

Harter Winter 1947 Angst, dass die wirtschaftlichen, sozialen und humanitären Probleme dem Gegner in die Hand spielen könnten Marshallplan (Recovery Program) 5. Juni 1947 Grosse psychologische Wirkung neben den 17 Milliarden Dollar Massives Eingreifen der Amerikaner in den italienischen Wahlkampf 1947 zur Stützung der Christdemokraten gegen die KPI unter Palmiro Togliatelli und die 1,76 Mio Mitglieder Rolle der Kirche in Italien mit dem „Heiligen Krieg“ gegen den „atheistischen Kommunismus“ Herausbildung der CIA in den USA (parallel auch Reorganisation der Geheimdienste in der UdSSR)

5. Die Idee der Kollektiven Sicherheit Völkerbund bis „Atlantik-Charta“ 1942 Washington Pakt „United Nations“ (26 Staaten gegen Achsenmächte) 26. Juni 1945 „Charta der Vereinten Nationen“ UNO als Rechtsnachfolgerin des Völkerbunds

Ähnlichkeiten und Unterschiede Hauptziel Weltfrieden wahren (vgl. Art. 1 der UN-Charta, S. 149) „negativer“ Frieden sowie „positiver“ Frieden (zweiter Aspekt neu im Vergleich zum Völkerbund) Organisation: ähnlich wie bei Völkerbund jedoch mit deutlicherer Trennung zwischen den Kompetenzen des Sicherheitsrates und der Generalversammlung Amt eines Generalsekretärs (neu: perma- nentes Exekutivorgan) Vetorecht der Grossmächte (bildet Macht- realität ab)

Die Entwicklung der UNO in der Nachkriegszeit Von der Siegerorganisation (Aufnahme Österreich 1955, Beitritt BRD und DDR 1973) zur Weltorganisation 1950er bis 1960er Jahre: UNO als Plattform der westlichen Alliierten – UdSSR blockiert mit Veto Ab späte 1960er Jahre: Dritte Welt erhält in der UNO ein Sprachrohr, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen: „Nord-Süd-Konflikt“ Sowjetischer Block und neu dazu gekommene Dritt-Welt-Länder bilden häufig Allianzen: Verschränkungen des Ost-West- mit dem Nord-Süd-Gegensatz Nach 1989/91: Ende des Ost-West-Gegensatzes – neue Ordnung, die abweichendes Verhalten durch Negativsanktionen zu verhindern oder rückgängig zu machen versucht

Bilanz: Die Vereinten Nationen blieben immer nur so stark, wie ihre Mitglieder es wollten, was sich primär am Sicherheitsrat zeigte Die Weltgemeinschaft wurde zum Kampfplatz der Blöcke im Kalten Krieg Ein offensichtlicher Geburtsfehler war die nur indirekte Berücksichtigung der Dritten und Vierten Welt

Literaturhinweise: Basis: Bernd Stöver, Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters , München Weitere Impulse: Dan Diner, Das Jahrhundert verstehen. Eine universalhistorische Deutung, München 1999, Mark Mazower, Die Welt regieren. Eine Idee und ihre Geschichte, München 2013, Zur weiteren Vertiefung: Wilfried Loth, Was war der Kalte Krieg?: berlin.de/roehrigw/lva/ws9596/texte/kk/dhm/was.htmlhttp://userpage.fu- berlin.de/roehrigw/lva/ws9596/texte/kk/dhm/was.html Manfred Görtemaker, Ursachen und Entstehung des Kalten Krieges, Informationen zur Politischen Bildung, H. 245: Siehe auch die Website des Deutschen Historischen Museums: