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Gewissensbisse. Scheiße, der schon wieder. Ich hab dir gesagt, dass du vorher Bescheid sagen sollst, wenn du kommst.

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Präsentation zum Thema: "Gewissensbisse. Scheiße, der schon wieder. Ich hab dir gesagt, dass du vorher Bescheid sagen sollst, wenn du kommst."—  Präsentation transkript:

1 Gewissensbisse

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3 Scheiße, der schon wieder.

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5 Ich hab dir gesagt, dass du vorher Bescheid sagen sollst, wenn du kommst.

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7 Ich komme doch nur, um ein bisschen zu reden.

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9 Dann auch - ich bin nicht immer verfügbar.

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11 Eigentlich geht es auch ein bisschen darum, einen Ort zum Reden zu haben.

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13 Was ist los?

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15 Es ist - es gab da eine - etwas Schändliches.

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17 Ich habe eine Schandtat gesehen.

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19 Und zwar?

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21 Ich war in diesem Café in der Lord-Byron-Straße, du weißt schon...

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23 ich war dort mit Philippe, dem Drehbuchautor

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25 und dann kam ein Algerier herein,

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27 er war korrekt angezogen, verstehst du,

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29 also keinesfalls reich, aber - aber auch nicht der Typus Algerier, der auf der Straße abhängt.

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31 Er hatte einen kleinen Zettel in der Hand.

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33 Und - er kommt also rein und alle wenden sich von ihm ab, als er ihnen den Zettel hinstreckt.

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35 Niemand hat ihm geantwortet. Also du kennst mich ja, auf keinen Fall rassistisch, im Gegenteil.

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37 Also, ich gehe auf ihn zu, lege ihm meine Hand auf die Schulter

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39 nehme den kleinen Zettel und lese ihn - es war eine Adresse.

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41 Ich kannte die Adresse nicht.

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43 Und ich gehe mit ihm Richtung Tür, schaue hinaus

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45 und sehe direkt gegenüber zwei uniformierte Beamte,

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47 die waren wahrscheinlich auf ihrem Nachhauseweg.

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49 Und ich sage ihm: 'Siehst du diese beiden Männer da, direkt vor uns, sie haben,

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51 sie haben diesen kleinen Straßenführer mit allen Adressen drin

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53 und sie können dir das sagen.

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55 Geh und zeige ihnen deine Adresse und sie werden dir sagen, wo es ist.'

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57 Er bedankt sich bei mir, fast ohne Akzent, verstehst du –

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59 also nicht so mit diesem gerollten R und so, beinahe null Akzent, wirklich fast nichts.

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61 Er überquert die Straße, zu den beiden Beamten, er geht eine Zeit lang neben ihnen her,

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63 und die Bullen tun so, als würden sie ihn nicht sehen.

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65 Vielleicht hat er hat seine Hand auf den Unterarm eines der beiden Bullen gelegt.

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67 Ja, so muss es gewesen sein, einfach um die Aufmerksamkeit des Bullen auf sich zu ziehen,

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69 und dieser dreht sich um und schreit: 'Was soll das, geh mir aus dem Weg!'

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71 und er haut ihm mit der Faust voll in die Fresse, also es war furchtbar!

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73 Der Typ ist nach hinten gekippt und umgefallen,

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75 der andere Bulle hat seinen Schlagstock ausgepackt und hat sich auf ihn gestürzt.

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77 Er war komplett von Sinnen vor Wut!

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79 Und die beiden Bullen hielten ihn so zwischen sich und haben ihn mit Schlägen traktiert,

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81 mit Faustschlägen und Stiefeltritten, mit dem Schlagstock und –

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83 sie haben ihn wirklich halb tot geschlagen, so dass er –

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85 er hat sich irgendwann überhaupt nicht mehr bewegt.

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87 Und in diesem Moment schaut mir einer der Bullen direkt in die Augen, ich konnte nicht –

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89 ich schaute zu, verstehst du, und ich konnte nichts sagen.

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91 Und der Bulle schrie mich an: 'Hey du da, mach dass du wegkommst!'

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93 Er hielt mich wohl für den Kellner des Cafés,

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95 und er schreit mich an: 'Verpiss dich, du hast nichts gesehen,

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97 sonst kriegst du auch noch was auf die Fresse!'

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99 Und da bin ich einfach wieder rein gegangen, verstehst du, ich –

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101 ich konnte nichts sagen, weder zu Philippe noch zu den anderen.

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103 Ich habe meine Jacke genommen,

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105 bin durch das Café hindurch gegangen und auf der anderen Seite wieder raus,

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107 auf die Straße hinaus an der Rückseite, weißt du?

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109 Ich gehe, ich gehe und rauche und rauche und dann –

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111 dann bin ich hier herkommen, verstehst du, aber ich war wirklich –

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113 das war eine – das war wirklich eine Schandtat, verstehst du!

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115 Und er?

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117 Er?

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119 Ja, der Algerier.

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121 Er – naja, ich habe dir ja gesagt, dass er am Boden lag.

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123 Er war – sie haben mir gesagt, ich soll mich verpissen –

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125 er war da und er war – er war blutüberströmt,

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127 ah, aber jetzt, mittlerweile ist – sicherlich gibt es kein Problem,

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129 verstehst du, die Bullen haben sicherlich

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131 einen Krankenwagen gerufen, um –

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133 Du glaubst wirklich, dass sie einen gerufen haben?

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135 Ehrlich gesagt, nein. – Nein, wahrscheinlich nicht die, aber andere –

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137 andere sind später gekommen – die Jungs aus dem Café,

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139 Philippe und die anderen –

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141 oder Leute halt einfach, die auf der Straße vorbeigegangen sind, so wie alle.

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143 Man lässt einen Typen in diesem Zustand ja nicht einfach so auf dem Boden liegen,

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145 also nein... Nein, sicher nicht.

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147 Du schon, hast ihn liegen gelassen.

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149 Na ja, ja, aber ich – ich hab dir doch gesagt,

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151 sie haben mir gesagt, ich soll weggehen, die Bullen.

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153 Sie haben mir gesagt, dass ich mich nicht einmischen soll, und die anderen -

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155 nein, also da sehe ich wirklich nicht das Problem, verstehst du?!

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157 Und ich denke wirklich, dass für ihn – ja –

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159 es sind Leute gekommen, die nicht wussten, dass zuvor diese Sache mit den Bullen war.

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161 Man wird ihn also gefunden haben und dann wird ein Krankenwagen gerufen worden sein.

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163 Nein, mittlerweile ist er sicher – er wird jetzt in einem Krankenhaus sein und –

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165 und – und er wird okay sein, wenn nicht sogar –

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167 besser als sonst, muss man sagen, denn die Algerier in den Bidonvilles, du weißt schon,

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169 das ist nicht gerade ein tolles Leben.

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171 Und in einem Krankenhaus, da ist es ruhig, es ist – nein, das Problem, wenn du so willst,

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173 es – das – das Problem liegt bei mir.

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175 Aha?

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177 Ja, weil – ja, ich – mir hat man – wenn du so willst, ich war komplett immobilisiert,

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179 erstarrt, ich konnte mich nicht rühren und gleichzeitig nicht aufhören, zuzusehen.

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181 Also hier liegt die Dramatik, verstehst du.

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183 Im Grunde bin ich – ich bin im Grunde vergewaltigt worden.

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185 Sie haben mich gezwungen, zuzusehen, einfach so, weil ich mich nicht rühren konnte.

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187 Und da – also das – das – ich bin vergewaltigt worden, sozusagen.

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189 Es bleibt in meinem Kopf, es dreht, es dreht, es nimmt auf, verstehst du.

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191 Ich glaube, ich bin eher – eher eine Kamera als ein Mensch, verstehst du?!

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193 Ja, da bin ich die Richtige, um das zu verstehen

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195 Also, letztlich ist es nicht –

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197 Kamera im Sinn von: Ich habe alles registriert, es aufgenommen, abgedreht, abgedreht –

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199 und ich konnte nicht in Gang kommen dabei, ich war darauf fixiert und nun,

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201 wenn du so willst, ist es – es ist wie ein Keim.

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203 Es wird sich – es wird sich ausbreiten, entwickeln wie im Labor,

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205 wie der Filmstreifen, der aus der Kamera herausgenommen und ins Labor gebracht wird.

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207 Es nimmt auf, es nimmt auf – und dann kommt es heraus und erst dann sieht man das Bild.

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209 Und dann kommt die Wahl. Es gibt Bilder, die bleiben werden, die –

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211 und dann danach – werde ich einen Film machen.

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213 Aber verstehst du, das wird vielleicht – es wird seine Zeit dauern, verstehst du?

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215 Aber ich werde einen Film machen, es soll ein Werk werden,

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217 eine Anklage, ein Schrei!

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219 Wie viel Zeit braucht eine soIche Anklage?

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221 Nun, ich weiß nicht, vielleicht – in fünf Jahren vielleicht

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223 Zehn Jahre?

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225 Nein, fünf Jahre, fünf Jahre, ich denke in –

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227 Dann wird es keinerlei Tragweite mehr haben.

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229 Wie, dann wird es von keinerlei Tragweite mehr sein, aber verstehst du nicht,

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231 ich bin kein Tagesberichterstatter, ich – ich bin nicht –

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233 Du machst also Historienfilme?

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235 Ich mache keine Historienfilme! Historienfilm, das ist mit Kostümen und so, das ist –

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237 ich, ich mache Filme über Dinge, die geschehen, aber – verstehst du –

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239 diese Sache mit den unterschiedlichen Genres ist für uns, na ja, also,

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241 wir brauchen Zeit, damit wir sie verdauen, verstehst du?

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243 Ja. Weißt du, was aus den Dingen wird, die man gut verdaut hat?

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245 Aha, ja – Scheiße. Aha, ja, Scheiße, okay, das ist jetzt bösartig, ne!?

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247 Oder? Daraus wird also Scheiße, sagst du so.

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249 Also, wirst du ihn machen, deinen Film?

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251 Also hör zu, ich werde ihn machen, diesen Film,

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253 aber um ihn sofort zu machen – über das Verhältnis zwischen den Bullen und den Algeriern in Frankreich,

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255 da find ich niemals einen Produzenten.

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257 Wie du willst, dass ich einen Film ohne Produzenten mache?

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259 Aber du wolltest doch einen Kurzfilm über Comics selbst produzieren

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261 Ja gut, aber –

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263 Weil du gesehen hast, dass es sich gar nicht so aufdrängt und dein Film wichtiger ist!

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265 Ja, mein Film, mein Film, mein Film – ich sage dir doch, ich werde ihn machen.

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267 Gut, einverstanden, ich werde ihn machen.

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269 Aber dann – was willst du, dass –

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271 sicher würde ich keinen Produzenten finden und sogar wenn ich einen finden würde –

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273 dann würde ich – dann würde ich vielleicht einen Film machen, ne, aber nicht – nicht –

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275 nein, im Grunde genommen geht es nicht, weil niemand mitmachen würde.

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277 Es ist nicht möglich. Es ist nicht –

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279 Du bist so feige.

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281 Was?

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283 Du bist ein Feigling, du widerst mich an.

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285 Ah, du willst also, dass ich nun sofort einen Film darüber mache?!

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287 Na gut, ich nehme dich beim Wort.

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289 Weißt du eigentlich, was das kosten wird?

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291 Na gut, ich tue es, ich produziere ihn selbst.

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293 Und wenn es Kohle braucht, werde ich sie finden.

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295 Diese Wohnung hier, die ich für dich gekauft habe, werd ich verkaufen.

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297 Genauso das Auto, das ich dir geschenkt habe, und meins verkaufe ich auch, hörst du!?

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299 Und ebenso meine Wohnung und das Landhaus, okay.

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301 Und dann – und dann machen wir den Film, ich werde auch die Techniker finden.

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303 Die Techniker, weißt du, wenn's um aktivistisches Kino geht, kommen sie sofort.

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305 Sie wissen danach nicht, was mit den Filmrollen anzufangen –

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307 und der Film wird schlicht und einfach im Kasten bleiben.

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309 Er wird fertig sein und nicht herauskommen.

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311 Und sogar wenn es mir gelänge, ihn ein paar Kritikern vorzustellen, verstehst du,

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313 sie würden ihn beerdigen, den Film, sie würden nicht über ihn sprechen.

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315 Sie würden sich nicht trauen, in politischer Hinsicht etwas Gutes darüber zu sagen,

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317 und auf der ästhetischen Ebene würden sie ihn abschießen, ihn verreißen.

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319 Sie werden sagen: 'Der Film ist Scheiße, er ist schlecht gemacht.'

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321 Und dann, ich sehe es schon vor mir, wie mein eigener Nachruf, verstehst du:

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323 'Jaja, eine Zeit lang hat er gute Filme gemacht und sich aufs politische Kino verstanden...'

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325 Und dann, in dieser Zeit wäre ich zum geächteten Filmemacher geworden und du, ne –

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327 du würdest wieder in einer Dienstmädchenkammer wohnen

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329 und du würdest mit deinen kleinen Händen auf der Maschine tippen

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331 und für uns beide Geld verdienen – nicht mal als Stenotypistin,

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333 denn du kannst ja keine Stenografie, also Schreibkraft, einfache Schreibkraft, genau.

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335 Und ich – ich wäre der geächtete Filmemacher, toll, ich würde zu Fouquet's gehen

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337 in den Bistros auf den Champs-Élysées,

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339 man würde mich auf einen Drink einladen, du verstehst schon, so unter alten Kollegen.

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341 Und dann – dann – das war's. Der Film kommt nie an die Öffentlichkeit.

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343 Und ich, ich würde zehn Jahre lang keinen Job mehr bekommen.

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345 Willst du das wirklich?

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347 Also hör zu, ich sage dir: Wenn es das ist, was du willst, werde ich es tun.

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349 Ich werde das Risiko eingehen. Aber dann sag es auch – sag Ja! oder Nein!

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351 Also los, sag es! Soll ich oder soll ich nicht?

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353 Nein.

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355 Ich wusste, dass du es verstehen würdest.

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357 Es ist keine Frage des Verstehens.

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359 Sondern einfach, dass ich genauso jämmerlich bin wie du.

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361 Du brauchst mich dabei nicht zu beneiden.

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363 Jämmerlich, jämmerlich, das ist schnell dahingesagt, jämmerlich –

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365 verstehst du, bloß weil ich heute nicht 'Nieder mit den Bullen' auf Film schreibe –

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367 nein, das ist es nicht, du wirst sehen.

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369 Ich gehe nun nach Hause und mach mir ein paar Notizen und dann –

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371 dann wird all das in meinem Kopf reifen.

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373 Es wird reifen und in – in – ich sage dir in fünf Jahren wird es Früchte tragen.

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375 Ich werde einen Film machen. Ich werde einen großartigen Film machen, du wirst sehen.

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377 Ne also, das versprech ich dir.

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379 Du bist nicht verärgert, wenn ich heute Abend nicht bei dir bleibe?

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381 Nein, geh und mach dir deine Notizen.

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383 Ja, ich werde mir Notizen machen. Ich denke – ich denke, das ist nötig.

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385 Und dann diesen Film – ich werde ihn 'Die Schandtat' nennen, verstehst du?!

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387 Ich glaube, 'Die Schandtat', das ist ein guter Titel.

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389 Und warte, es wird ein Ding über – also ich werde die Bullen drannehmen, wirklich,

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391 sie sollen es voll in die Fresse kriegen – ich werde sie anprangern, ich werde sie

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393 Das wird das Them… Nein, das ist doch nicht das Hauptthema,

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395 denn in Wirklichkeit werden die Bullen – auch in fünf Jahren wird es noch Bullen geben,

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397 und sie werden sich zusammentun, um den Film zu verbieten, wenn ich sie zu sehr attackiere,

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399 nein, darum geht es nicht. Ich werde einen Film machen über –

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401 über die Tatsache, dass ich jetzt unmittelbar nichts machen konnte.

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403 Ich werde einen Film über das schlechte Gewissen machen, nichts gemacht zu haben.

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405 Und ich werde ihn – ich werde ihn 'Gewissenbisse' nennen.

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407 Hörst du, das ist doch ein guter Titel, oder: 'Gewissensbisse'?!

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409 Das wird niemandem wehtun.

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411 Ja, vielleicht, aber es ist schließlich trotzdem ein guter Titel.


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