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Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 1.Wie lernen Kinder den Wortschatz ihrer Sprache? Kinder lernen die Wörter ihrer Muttersprache,

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1 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 1.Wie lernen Kinder den Wortschatz ihrer Sprache? Kinder lernen die Wörter ihrer Muttersprache, indem sie zunächst Lautketten nachahmen. Auch die Bedeutung wird erst allmählich aufgebaut: Der Weg führt über eine Über-Generalisierung (z. B. „Hund“ für alle Tiere) zur Ausdifferenzierung. Gleichzeitig lernt das Kind mit den Wörtern auch seine Welt kennen, es lernt Konzepte, aus denen später sein „Weltwissen“ wird: z. B. „Frühstück“ (wann „frühstückt“ man, was isst man, was trinkt man, was macht man während des Frühstücks etc.)

2 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ „Weltwissen“: Ein Kind lernt aber nie nur Wörter für Dinge, sondern auch für Konzepte, die kein sichtbares Korrelat in der Wirklichkeit haben – z. B. „Liebe“. Solche Konzepte versteht man oft nur aus Situationen heraus; die Ausprägung solcher Begriffe, solcher Konzepte vollzieht sich also bis ins hohe Alter…

3 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ Ein Kind lernt aber nicht nur Lautketten und die Bedeutung der Wörter. Gelernt und gespeichert werden müssen auch - visuelle Konzepte (Stuhl = Hocker, Sessel, Bank etc.) - grammatische Valenzen - das Schriftbild. So entsteht nach und nach das „mentale Lexikon“: „… der Teil des Langzeitgedächtnisses, in dem lexikalische und konzeptuelle Einheiten abgespeichert sind…. Das Nachschlagen im mL geschieht unbewusst.“ (Koll-Stobbe, 1994)

4 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ Die wichtigste Eigenschaft des „mentalen Lexikons“: Die semantischen Strukturen des Wortschatzes spiegeln sich hier. - Paradigmatische Strukturen und - syntagmatische Strukturen. Der + Hund + beiß+ t + den+ Mann. ….. synt.E EinWolf lieb-dasMädchen DieserDackel erschreck-denPostboten …… ………parad.E. 2. Zur linguistischen Struktur des „mentalen Lexikons“

5 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 2.1. Paradigmatische Strukturen: - Dazu gehören die Wortklassen (Verben, Substantive…etc.) - Der Wortschatz ist in „Wortfeldern“ geordnet, die nach semantischen Merkmalen strukturiert sind. - Auch Synonyme und Antonyme (heiß – kalt) lassen sich ähnlich beschreiben. - Wortskalen sind ebenfalls „Wortfelder“: immer – oft – manchmal… - Ferner: Teil-Ganzes-Beziehungen (Finger-Hand), Homophone, Homonyme, Homographen (Hahn – ‚Wasser‘-Hahn), komplementäre und reversive Beziehungen (tot – lebendig, Eltern-Kinder, anziehen – ausziehen, kaufen – verkaufen…); - Ableitungen, Zusammensetzungen (Wortbildung).

6 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 2.2. Syntagmatische Strukturen: -Wörter verbinden sich zu größeren Einheiten, sie stehen in syntagmatischen Beziehungen: - Phrasen: „Öl ins Feuer gießen“, „jdm. eine Frage stellen“ - Sprichwörter: „Ohne Fleiß kein Preis.“ 2.3. Weitere Aspekte des „mentalen Lexikons“ - konnotative Aspekte: „Atomkraftwerk“ vs. „Kernkraftwerk“ - Mit den Wörtern werden – kulturell gebunden – immer auch visuelleund sensorisch-motorische Vorstellungen gelernt: Für Amerikaner ist z. B. der typische Vogel der Spatz (der Prototyp).

7 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 3. Die Lernaufgabe beim Fremdsprachenerwerb Viele Indizien sprechen dafür, dass sich das fremdsprachliche nicht von dem muttersprachlichen System trennen lässt… = Kein Lernender baut mit dem Erwerb einer neuen Sprache ein neues Weltbild auf. = Wer weiß, was ein „Haus“ ist, wird die Lautkette „house“ ohne Zögern mit seinem Konzept eines „Hauses“ verbinden. Später fällt ihm auf, dass es auch „flats“, „buildings“ und „skyscrapers“ gibt. = Also gibt es beim Fremdsprachenerwerb die gleichen Entwicklungsstufen wie beim Muttersprachenerwerb: Übergeneralisierung und Ausdifferenzierung.

8 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 3. Die Lernaufgabe beim Fremdsprachenerwerb Die Muttersprache und die neue Fremdsprache interagieren also formal und auch inhaltlich. „Der Erwerb eines neuen Wortes der Fremdsprache muss also so erfolgen, dass man an bekannte Strukturen anknüpft und möglichst viele kognitive und affektive Netzwerke aktiviert oder ähnliche schafft.“ (Jürgen Quetz, Der systematische Aufbau eines mentalen Lexikons, in: Johannes P. Timm (Hg.), Englisch lehren und lernen, Berlin 1998, S. 272 – 290)

9 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 4. Wie man neue Wörter im Unterricht einführt Ziel der Vokabeleinführung ist es, den neuen Wortschatz im Langzeitgedächtnis zu verankern. Die Behaltensleistung ist besser, wenn - die zu behaltende Information semantisch verarbeitet wird, - die Information möglichst gut in bereits vorhandenes Wissen eingebunden wird, - die Information möglichst „distinktiv“ gemacht wurde, also nicht nur eingebunden, sondern auch abgegrenzt wurde und so deren individueller Charakter herausgearbeitet wurde.

10 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 4. Wie man neue Wörter im Unterricht einführt 4.1 Visuelle Techniken -Verweise auf wirklich vorhandene Dinge oder auf Bilder oder -mimisch-gestische Verdeutlichungen. Auf diese Weise werden visuelle Netzwerke aktiviert und die Behaltensleistung gesteigert.

11 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 4. Wie man neue Wörter im Unterricht einführt 4.2. Einsprachige verbale Verfahren, die systematische Beziehungen im Wortschatz nutzen - Synonyme, Antonyme - Definitionen und andere logische Ableitungen - Beispiele: „Ein Hund ist ein Tier mit vier Füßen und einem Schwanz. Er bellt.“ „Ein Mensch hat einen Mund, ein Vogel einen Schnabel.“ „schnell : x = groß : klein“ „Hunde, Elefanten und Pferde sind Tiere.“ Teil – Ganzes: „Hand – Finger“

12 Wortschatz Beispiel : Synonyme

13 Wortschatz Beispiel: Antonyme

14 Wortschatz Beispiel: logische Entsprechungen

15 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 4. Wie man neue Wörter im Unterricht einführt 4.3. Ganzheitliche Verfahren -z. B. die Erklärung durch einen typischen Kontext: „Wir waschenunsere Hände mit Wasser und Seife.“ Kontexte fördern die Behaltensleistung durch die Aktivierung der Netzwerke anderer Wörter Verfahren, die implizit die Muttersprache einbeziehen z. B. Verweis auf grafische Ähnlichkeiten (Zoo, Temperatur) oder auf akustische (Haus – house)

16 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 4. Wie man neue Wörter im Unterricht einführt 4.5. Zweisprachige verbale Verfahren: Übersetzung - Schwächere Schüler werden durch strikte Einsprachigkeit des FSU benachteiligt. - Aber: Vorbereitung auf den „Ernstfall“ der Begegnung mit„native speakers“ muss geübt werden! - Vorteil: Eine einsprachige Verständigung über Wortbedeutungen eröffnet eine Chance für ernsthafte Kommunikation über Bekanntes und Unbekanntes.

17 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 5. Übungen zur Festigung des Wortschatzes Wenn das neue Wort im Kurzzeitgedächtnis angelangt ist, muss es vor dem Vergessen geschützt werden. Sinnvolle Wiederholung transportiert das neue Wort bzw. die neuen Wortverbindungen in das Langzeitgedächtnis.

18 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 5. Übungen zur Festigung des Wortschatzes 5.1Übungen zur Festigung formaler Eigenschaften - Übungen zur lautlichen Form - Übungen zur Umsetzung von Schrift in Laute (Minimalpaare, Buchstabensalat, Wörter mit gleicher Betonung sammeln lassen, Kreuzworträtsel, Bingo-Übungen etc.)

19 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 5. Übungen zur Festigung des Wortschatzes 5.2. Übungen zur semantischen Vertiefung - Wort- und Sachfelder sind die linguistischen Resultate solcher Übungen 5.3. Übungen zur Verknüpfung von Vokabeln und Bildmarken - bildgesteuerte Vokabelübungen

20 Wortschatz Beispiel: Wortfelder

21 Wortschatz Beispiel: bildgesteuerte Übung

22 Wortschatz Beispiel: bildgesteuerte Übung

23 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 5. Übungen zur Festigung des Wortschatzes 5.4. Übungen zur Festigung assoziativer und affektiver Verbindungen - Assoziogramme, mind maps um ein zentrales Wort 5.5. Übungen zur Festigung syntagmatischer Beziehungen - Tabelle, cloze-Tests 5.6. Übungen zum Gebrauch von Wörtern im Diskurs - Übungen zur Paraphrasierung, zu Synonymen

24 Wortschatz Beispiel: Lücken-Text

25 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 5. Übungen zur Festigung des Wortschatzes 5.7. Spezielle Gedächtnistechniken, „Eselsbrücken“, Musik - Memotechniken (Bildverknüpfungen etc.) - Wortplakate - post-its auf Gegenstände in der Wohnung kleben - Handlungen ausführen beim Lernen der Wörter (z. B. den Daumen und den Finger reiben für „Geld“ oder „bezahlen“)

26 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 5. Übungen zur Festigung des Wortschatzes 5.8. Lernen der neuen Wörter durch Gebrauch Dies ist die wohl ergiebigste Form der Erweiterung des Wortschatzes, auch wenn sie systematisches Lernen nicht ersetzen kann… - Briefpartnerschaften, -Partnerschaften - Projektarbeiten - Internet-Recherchen (webquests etc.) - ausgiebige Lektüre (dem Sprachstand angemessen) - language awareness-Übungen

27 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 6. Medien für die Wortschatzarbeit zu Hause Der Lehrende erschließt den Schülern, den Kursteilnehmern oder Studierenden sinnvolle Lernmaterialien. Ferner gehört dazu aber auch, dass man im Unterricht effektive Lerntechniken einübt. 6.1 Vokabelteil des Lehrwerks, Vokabelheft, Vokabelkartei, Ringbuch - siehe die Kopie „Die Lernmaschine“ - Wichtig: Im Unterricht eine Verständigung darüber erreichen, wie man über die neuen Wörter Buch führt und mit welchen Lernmitteln man Vokabeln übt!

28 Wortschatz Der systematische Aufbau eines „mentalen Lexikons“ 6. Medien für die Wortschatzarbeit zu Hause 6.2. Smartphone, iPad oder PC als Aufnahmegeräte - für auditive Lerntypen geeignet 6.3. Der Computer ( und das Internet, offline / online): - Vielfalt an Lernprogrammen, auch lehrwerkunabhängige - Internet (online-Wörterbücher, online- Vokabelprogramme wie z. B. „phase 6“ etc.) - Texte, Podcasts und Blogs im Internet etc.

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