Blanchard/Illing, 5. Auflage, Kapitel 7

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 Präsentation transkript:

Blanchard/Illing, 5. Auflage, Kapitel 7 Das AS-AD-Modell Blanchard/Illing, 5. Auflage, Kapitel 7

Überblick Das aggregierte Angebot Die aggregierte Nachfrage Gleichgewicht in der kurzen und mittleren Frist Geldpolitik Fiskalpolitik Ölpreisschocks Schlussfolgerungen PI Internationale Makroökonomik

Das aggregierte Angebot 3-1 Das aggregierte Angebot Wirkung einer Änderung der Produktion auf das Preisniveau: Eine Zunahme der Produktion führt zu einem Anstieg des Preisniveaus. Zu diesem Ergebnis gelangen wir in vier Schritten: 𝑌↑⇒𝑁↑ 𝑁↑ ⇒𝑢↓ 𝑢↓⇒𝑊↑ 𝑊↑⇒𝑃↑ Grundlage: Preissetzung und Lohnsetzung 𝑃= 1+𝜇 𝑊 𝑊= 𝑃 𝑒 𝐹(𝑢,𝑧) PI Internationale Makroökonomik

Die Herleitung der AS-Funktion 𝑃= 𝑃 𝑒 1+𝜇 𝐹(𝑢,𝑧) 𝜇 und 𝑧: exogen 𝑢= 𝑈 𝐿 = 𝐿−𝑁 𝐿 =1− 𝑁 𝐿 =1− 𝑌 𝐿 AS-Funktion: 𝑃= 𝑃 𝑒 1+𝜇 𝐹 1− 𝑌 𝐿 ,𝑧 PI Internationale Makroökonomik

Eigenschaften der AS-Funktion I: Lage 𝑃= 𝑃 𝑒 1+𝜇 𝐹 1− 𝑌 𝐿 ,𝑧 Natürliches Niveau: 𝐹 𝑢 𝑛 ,𝑧 = 1 1+𝜇 PI Internationale Makroökonomik

Die AS-Kurve I PI Internationale Makroökonomik

Eigenschaften der AS-Funktion II: Anstieg des erwarteten Preisniveaus 𝑃= 𝑃 𝑒 1+𝜇 𝐹 1− 𝑌 𝐿 ,𝑧 Ein Anstieg des erwarteten Preisniveaus führt zu einem Anstieg des aktuellen Preisniveaus. PI Internationale Makroökonomik

Anstieg des erwarteten Preisniveaus PI Internationale Makroökonomik

Eigenschaften der AS-Kurve Die AS-Kurve hat eine positive Steigung. Eine Zunahme der Produktion führt zu einem Anstieg des Preisniveaus. Die AS-Kurve verläuft durch Punkt A, in dem gilt: 𝑌= 𝑌 𝑛 und 𝑃= 𝑃 𝑒 . Diese Eigenschaft hat zwei Implikationen: Wenn 𝑌> 𝑌 𝑛 , dann 𝑃> 𝑃 𝑒 . Wenn 𝑌< 𝑌 𝑛 , dann 𝑃< 𝑃 𝑒 . Höhere Preiserwartungen 𝑃 𝑒 verschieben die AS-Kurve nach oben. Eine Reduktion von 𝑃 𝑒 verschiebt die AS- Kurve nach unten. PI Internationale Makroökonomik

Die aggregierte Nachfrage 3-2 Die AD-Funktion Wirkung des Preisniveaus auf die Nachfrage 𝑃↑⇒ 𝑀 𝑃 ↓⇒𝑖↑⇒𝑁𝑎𝑐ℎ𝑓𝑟𝑎𝑔𝑒↓⇒𝑌↓ Achtung: kein mikroökonomischer Substitutionseffekt! Grundlage: Gleichgewicht auf den Güter-, Geld- und Finanzmärkten Gütermarkt IS : 𝑌=𝐶 𝑌−𝑇 +𝐼 𝑌,𝑖 +𝐺 Geldmarkt LM : 𝑀 𝑃 =𝑌𝐿(𝑖) PI Internationale Makroökonomik

Herleitung der aggregierten Nachfragekurve I PI Internationale Makroökonomik

Herleitung der aggregierten Nachfragekurve II PI Internationale Makroökonomik

Herleitung der aggregierten Nachfragekurve III PI Internationale Makroökonomik

Verschiebung der aggregierten Nachfragekurve 𝑌=𝑌 𝑀 𝑃 ,𝐺,𝑇 +,+,− PI Internationale Makroökonomik

Gleichgewicht in der kurzen und mittleren Frist 3-3 AS Relation 𝑃= 𝑃 𝑒 1+𝜇 𝐹 1− 𝑌 𝐿 ,𝑧 AD Relation 𝑌=𝑌 𝑀 𝑃 ,𝐺,𝑇 Das Gleichgewicht hängt von 𝑃 𝑒 ab. 𝑃 𝑒 bestimmt die Lage der AS-Kurve und damit das Gleichgewicht. PI Internationale Makroökonomik

Gleichgewicht in der kurzen Frist PI Internationale Makroökonomik

Der Übergang von der kurzen Frist zur mittleren Frist Im Punkt A: 𝑌> 𝑌 𝑛 ⇒𝑃> 𝑃 𝑒 Die Lohnsetzer werden ihre Erwartungen des künftigen Preisniveaus nach oben revidieren. Erwartungen eines höheren Preisniveaus führen auch zu einem höheren Nominallohn, der wiederum zu einem höheren Preisniveau führt. PI Internationale Makroökonomik

Anpassung in der mittleren Frist Der Anpassungsprozess endet, wenn 𝑌= 𝑌 𝑛 und 𝑃= 𝑃 𝑒 Die Lohnsetzer haben keinen Grund mehr, ihre Erwartungen zu ändern. In der mittleren Frist kehrt die Produktion zu ihrem natürlichen Niveau zurück. PI Internationale Makroökonomik

Expansive Geldpolitik im AS-AD-Modell 3-4 PI Internationale Makroökonomik

Expansive Geldpolitik im AS-AD-Modell II PI Internationale Makroökonomik

Dynamische Effekte einer expansiven Geldpolitik Eine expansive Geldpolitik führt kurzfristig zu einer Produktions- steigerungen. In der mittleren Frist steigen lediglich die Preise. PI Internationale Makroökonomik

Hinter den Kulissen I: kurze Frist Kurzfristig führt die Erhöhung der Geldmenge zu einer Verschiebung der LM-Kurve nach unten. Der Zinssatz sinkt, die Produktion steigt. Würde das Preisniveau nicht ansteigen, so wäre die Verschiebung der LM-Kurve größer – nach LM’’. PI Internationale Makroökonomik

Hinter den Kulissen II: mittlere Frist Über die Zeit steigt das Preisniveau, die reale Geldmenge sinkt und die LM- Kurve kehrt zu ihrer ursprünglichen Lage zurück. In der mittleren Frist bleiben die reale Geldmenge, der Zinssatz und die Produktion unverändert. PI Internationale Makroökonomik

Die Neutralität des Geldes Ein Anstieg der nominalen Geldmenge in der mittleren Frist hat keine Auswirkungen auf das Produktionsniveau oder den Zinssatz. Quantitätstheorie Geldmenge bestimmt das Preisniveau PI Internationale Makroökonomik

Restriktive Fiskalpolitik im AS-AD-Modell 3-5 PI Internationale Makroökonomik

Restriktive Fiskalpolitik im AS-AD-Modell II PI Internationale Makroökonomik

Restriktive Fiskalpolitik im AS-AD-Modell III Eine Senkung des Budgetdefizits führt zunächst zu einem Fall der Produktion. Im Zeitverlauf kehrt die Produktion auf ihr natürliches Niveau zurück. PI Internationale Makroökonomik

Abbau des Budgetdefizits, Produktion und Zinssatz I: kurze Frist Durch den Produktionsrückgang sinkt das Preisniveau und damit steigt die reale Geldmenge. Die LM-Kurve veschiebt sich nach LM’. Sowohl die Produktion, als auch der Zinssatz sind niedriger als vor der restriktiven Fiskalpolitik. PI Internationale Makroökonomik

Abbau des Budgetdefizits, Produktion und Zinssatz II: mittlere Frist Die LM-Kurve verschiebt sich weiter nach unten, bis die Produktion ihr natürliches Niveau erreicht hat. Der Zinssatz ist geringer als vor dem Abbau des Budgetdefizits. Das Preisniveau ist geringer als vor dem Abbau des Budgetdefizits. PI Internationale Makroökonomik

Abbau des Budgetdefizits in der mittleren Frist Die Zusammensetzung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage hat sich durch den Abbau des Budgetdefizits verändert. IS Relation: 𝑌 𝑛 =𝐶 𝑌 𝑛 −𝑇 +𝐼 𝑌 𝑛 ,𝑖 +𝐺 ⇑ ⇓ PI Internationale Makroökonomik

Ölpreisschocks 3-6 Realer Rohölpreis, 1960-2005 Im Laufe der siebziger Jahre kam es zu einem starken Anstieg der Rohölpreise, gefolgt von einem Fall im Laufe der achtziger und neunziger Jahre. PI Internationale Makroökonomik Quelle: EIA Short-Term Energy Outlook, 2014

Crude Oil Prices PI Internationale Makroökonomik Quelle: WTRG Economics

Auswirkungen eines Anstiegs der Rohöl-preise auf die natürliche Arbeitslosenquote PI Internationale Makroökonomik

Der Anpassungsprozess I: kurze Frist 𝑃= 𝑃 𝑒 1+𝜇 𝐹 1− 𝑌 𝐿 ,𝑧 PI Internationale Makroökonomik

Der Anpassungsprozess II: mittlere Frist PI Internationale Makroökonomik

Die Auswirkungen eines Anstiegs der Rohölpreise Daten für Deutschland 1973 1974 1975 Veränderung des BIP-Deflators (%) 6,6 7,3 5,5 Wachstum des BIP (%) 5,8 0,1 -1,3 Arbeitslosenquote (%) 0,8 1,3 2,3 Die Kombination aus negativem Wachstum und hoher Inflation oder auch Stagnation in Verbindung mit Inflation wird Stagflation genannt. PI Internationale Makroökonomik

Fallstudie 3.3: Angebotsschock Hoher Ölpreis heizt Inflation an … die "üppige Ölpreiserhöhung im heurigen Herbst „werde die Inflation ziemlich sicher nach oben treiben…“ …Schuh: "Für die Notenbanker in Europa wird es ein Dahintanzen auf des Messers Schneide ein" – denn sie müssten die Zinsen anheben, weil der selbst gesetzte Grenzwert von maximal zwei Prozent Inflation im Euroraum überschritten werden könnte, während gleichzeitig die Konjunktur ins Stocken gerät…“ Der Standard vom 14.12.2007 PI Internationale Makroökonomik

Angebotsschock: Auswirkungen im AS-AD-Modell P AS2 AS1 AS0 P2=Pe2 P1 P0=Pe Reallohn, W/P 1 1+ 𝜇 0 PS0 AD0 1 1+ 𝜇 1 Y Yn0 PS1 Yn1 LM1 (M/P2) i IS WS LM0 (M/P0) i1 un0 un1 Arbeitslosenquote, u i0 Yn1 Yn0 Y

Angebotsschock: Nachfragepolitische Antwort AS2 AS3 P2=Pe2 Durch restriktive Geldpolitik verschiebt sich die LM und die AD-Kurve nach links. Der Output sinkt in der kurzen Frist weiter (auch unter sein neues niedrigeres Outputniveau 𝑌 𝑛 1 ) auf Y. Da Y unter dem neuen natürlichem Output Yn1 liegt passt sich mittelfristig das Preisniveau an und die LM-Kurve verschiebt sich wieder nach rechts. P3 P4=Pe4 AD0 AD1 Y Y Yn1 i LM2 (M/P3) LM1 (M/P2) = LM3(M/P4) i1 IS Y Y Yn1 PI Internationale Makroökonomik

Angebotsschock: Auswirkungen des Ölpreisschocks Fortsetzung Seite 1 […] Dass sich ein Ölpreisrekord nicht mehr so desaströs auf die Wirtschaft in Westeuropa auswirke wie noch im vorigen Jahrzehnt, habe, so Schuh, mehrere Gründe: Erstens wirke der hohe Euro-Kurs dämpfend, da Öldeals in Dollar fakturiert werde. Zweitens hätten die Unternehmen gelernt, mit hohen Ölpreisen umzugehen, und durch Effizienzsteigerungen hohe Energie- und Rohstoffpreise verkraften zu können […] Durch technischen Fortschritt, Strukturwandel, höhere Bedeutung des Dienst- leistungssektors haben die Auswirkungen des Ölpreises an Bedeutung verloren. Im AS-AD-Modell wird der BIP-Deflator verwendet und nicht der VPI. Ölpreis schlägt sich stärker auf VPI durch (Importe, Verbrauchsgüter enthalten) da im BIP- Deflator nur inländische Güter enthalten sind. Der Ölpreis schlägt sich hier nur in den Vorprodukten durch. Diskussion: Welcher Preisindex wird bei den Lohnverhandlungen verwendet? PI Internationale Makroökonomik Quelle: Der Standard, 14.12.2007

Fallstudie 3.1: EU-Wettbewerbspolitik Preisdiktat der Russen im Visier EU-Wettbewerbshüter vermuten, dass EU-Gaskonzerne mit der russischen Gazprom ein Preiskartell gebildet haben. In einer akkordierten Aktion rückten am Dienstag Brüsseler Ermittlungsbeamte und nationale Wettbewerbshüter aus, um Büros von Erdgas-Unternehmen in zehn EU- Ländern auf den Kopf zu stellen – so auch in Österreich. Die Unternehmen haben womöglich gegen Wettbewerbsrecht verstoßen, lautet der Vorwurf. [...] Vor allem die russische Gazprom steht im Fokus der Ermittlungen. Sie soll ihre Marktmacht missbrauchen und den Wettbewerb durch Preisdiktat behindern. Ein Viertel des in Europa verbrauchten Gases stammt aus Russland. Druck gegenüber Moskau aufzubauen, die Langzeitlieferverträge der Gazprom aufzuweichen, dürfte das Kalkül hinter der aktuellen Aktion sein. Aber auch heimischen Unternehmen droht Ungemach. „Sie sind nicht nur die frommen Lämmer, sondern haben eventuell auch kräftig beim Marktmissbrauch mitgewirkt“, ergänzt Keznickl von der BWB. PI Internationale Makroökonomik Quelle: Kurier, 29.09.2011

Fallstudie 3.1: EU-Wettbewerbspolitik Einige Fragen: Von welchen Parametern hängt die Marktmacht von Unternehmen üblicherweise ab? Welche Rolle spielt Wettbewerb auf makro-ökonomischer Ebene? Welche Wettbewerbsformen kennen Sie? Welche wird in unserem Modell unterstellt? Warum könnte due EU bestrebt sein, den Wettbewerb zu erhöhen? Wie wirkt sich eine (eventuelle) Durchsetzung höheren Wettbewerbs in unseren Modellen aus? PI Internationale Makroökonomik

Erhöhung des Wettbewerbs in der EU: Arbeitsmarkt Reallohn W/P 𝑃= 𝑃 𝑒 Effekte: Höherer Wettbewerb → geringerer Preisaufschlag µ der Unternehmen Natürliche AL.-quote sinkt Natürlicher Output steigt Von Unternehmer gezahlter Reallohn steigt → Beschäftigung steigt PS’ PS WS’ uN’ uN AL.-quote u PI Internationale Makroökonomik

Erhöhung des Wettbewerbs in der EU: AS-AD-Modell Preisniveau P AS AS’ 1. 2. AS’’ A A’ P=Pe0 B P’ C P’’=Pe1 AD YN0 Y’ YN1 Produktion Y PI Internationale Makroökonomik

Erhöhung des Wettbewerbs in der EU: AS-AD-Modell Effekte und Anpassungen im Detail: Kurze Frist: Geringere Marktmacht Höhere natürliche Produktion ( 𝑃 𝑒 0 konstant) Geringere Marktmacht 𝜇 → geringere Preise (AS nach unten) 𝑃↓⇒ 𝑀 𝑃 ↑⇒𝑖↓⇒𝑌↑ 𝑌 𝑁 0 ⇒ 𝑌 ′ ;𝑃𝑢𝑛𝑘𝑡 𝐵 Mittlere Frist: Anpassung 𝑷 𝒆 In Punkt B: 𝑃 ′ < 𝑃 𝑒 0 Verhandlungsparteien senken 𝑃 𝑒 (AS‘ nach unten) Arbeitsmarkt: 𝑃 𝑒 ↓⇒𝑊↓⇒𝑃↓ Güter-/Geldmarkt: 𝑃↓⇒ 𝑀 𝑃 ↑⇒𝑖↓⇒𝑌↑ Bis 𝑌= 𝑌 𝑁 1 ; 𝑃 ′′ = 𝑃 𝑒 1 (Punkt C) PI Internationale Makroökonomik

Schlussfolgerungen 3-6 Die kurze Frist und die mittlere Frist Produktion Zinssatz Preisniveau Expansive Geldpolitik ↓ (klein) Keine Änderung Abbau des Budget-defizits Ölpreis-anstieg PI Internationale Makroökonomik

2. Schocks und Übertragungsmechanismen Produktionsschwankungen (häufig als Konjunkturzyklen bezeichnet) Die Volkswirtschaft wird in unregelmäßigen Abständen von Angebotsschocks und Nachfrageschocks getroffen. Jeder Schock hat dynamische Auswirkungen auf die Produktion und auf die einzelnen Komponenten der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Diese dynamischen Auswirkungen werden als Übertragungsmechanismen eines Schocks bezeichnet. PI Internationale Makroökonomik

Key Terms aggregate supply relation - Aggregiertes Angebot aggregate demand relation - Aggregierte Nachfrage neutrality of money - Neutralität des Geldes stagflation - Stagflation Output fluctuations - Outputschwankungen business cycles - Konjunkturzyklen shocks propagation mechanism PI Internationale Makroökonomik

Fallstudie Mindestlöhne

Überblick Mindestlöhne in Europa – speziell in Österreich und Deutschland Mindestlöhne im AS-AD-Modell PI Internationale Makroökonomik

Einführung Mindestlohn Mindestlohn für alle Branchen? Karl-Josef Laumann, Vorsitzender Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) „Ich bin für eine tariforientierte Lohnuntergrenze. Es gibt in vielen Branchen und Regionen tarifvertragsfreie Zonen. Vor allem dort unwürdige Niedriglöhne. [...]“ Ursula Engelen-Kefer, Ex-DGB-Vize, SPD „Bei sieben Milionen Niedriglöhnern und 1,5 Millionen „Working Poor“ muss ein solches Instrument her. [...]“ Wolfgang Franz, Vorsitzender der fünf Wirtschaftsweisen „Was nützt den Arbeitnehmern ein Mindestlohn, den sie nicht bekommen, weil der Arbeitsplatz dann vernichtet wird. Denn ein hoher flächendeckender Mindestlohn kostet Hunderttausende von Arbeitsplätzen vor allem im Bereich gering qualifizierter Arbeit, also im Problembereich der Arbeitslosigkeit. Also: Hände weg vom Mindestlohn.“ PI Internationale Makroökonomik Quelle: €uro am Sonntag, 17.09.2011

Einführung Mindestlohn Salzburger Nachrichten vom 29.09.2007 Er ist ein wortgewaltiger Lobbyist der deutschen Arbeitgeber. Vor kurzem war Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände auf Einladung der Hypo in Salzburg: …SN: Ein heißes Thema in Deutschland ist derzeit der Mindestlohn. Hundt: Die Arbeitgeber und die Wirtschaft lehnen jede Form gesetzlich Verordneter Mindestlöhne grundsätzlich ab, weil sie im Endeffekt Arbeitsplätze kosten… Welche Auswirkungen haben Mindestlöhne auf die „natürliche“ Arbeitslosenrate (Preissetzungsgleichung, Lohnsetzungsgleichung) ? PI Internationale Makroökonomik Quelle: Salzburger Nachrichten, 29.09.2007

Übersicht Mindestlöhne in Europa Mindestlöhne in den EU Mitgliedstaaten und der Türkei, Juli 2008, in € Im Juli 2008 haben 20 der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn, der von monatlich112 € (Bulgarien) bis 1.610 € (Luxemburg) reicht (Mindestlohn in der USA war 652 €) In allen Ländern liegt der Mindestlohn zwischen 29% und 50% der durchschnittlichen Bruttomonats-verdienste in der Industrie und im Dienstleistungssektor In Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in den skandinavischen Ländern gab es bis 2008 keinen von der jeweiligen Regierung festgelegten Mindestlohn, da ein größerer Wert auf die Tarifautonomie gelegt wird (Kollektivverträge als Hauptmechanismus der Mindestlohnregulierung) PI Internationale Makroökonomik Quelle: Eurostat, Statistics in focus 105/2008

Die Mindestlohndebatte in Deutschland und Österreich In Österreich gibt es ab dem 1. Jänner 2009 innerhalb der Kollektivverträge zwischen Wirtschaftskammer und den zuständigen Branchenverbänden bzw. Gewerkschaften einen Mindestlohn in Höhe von 1000 € Brutto/Monat 14 Mal (=ungefähr 8,17 €/Stunde) (ausgenommen Lehrlinge und Praktikanten) Diese Regelung berücksichtigt jedoch nicht atypische Dienstverhältnisse (freie Dienstnehmer und Werkvertragsnehmer), die nicht durch eine Tarifregelung erfasst werden Ein gesetzlich geregelter Mindestlohn ist somit unwahrscheinlicher geworden Deutschland In Deutschland gibt es keinen allgemeinen, für alle Arbeitsverhältnisse gültigen, gesetzlichen Mindestlohn, sondern nur verbindliche Mindestlöhne für einzelne Branchen und Berufe. Branchen mit einer Tarifbindung von mindestens 50 Prozent können so tarifliche Mindestlöhne innerhalb des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes beantragen. Dieser Branchen-Mindestlohn kommt nach derzeitiger Rechtslage nur im Baugewerbe, in der Gebäudereinigung und für Briefdienstleister in Betracht (zwischen 6,58 € und 12,50€/Stunde). In Zukunft wird das Mindestarbeitsbedingungengesetz eine Festlegung von Mindestentgelten für Wirtschaftszweige, in denen eine Tarifbindung von weniger als 50% herrscht, ebenfalls ermöglichen PI Internationale Makroökonomik

Übersicht über die makroökonomischen Auswirkungen Man kann zwei Effekte unterscheiden: Stärkung der Verhandlungsposition → Erhöhung der natürlichen Arbeitslosenrate, Senkung des natürlichen Outputs. Umverteilung zu Niedrigverdienern → höhere durchschnittliche Konsumneigung → höhere aggregierte Nachfrage. Diese beiden Effekte werden auf den folgenden Folien genauer betrachtet… PI Internationale Makroökonomik

Auswirkungen im Arbeitsmarktmodell mit Lohn- und Preissetzungskurven Eine Erhöhung des Mindestlohns verbessert die Verhandlungsmacht. Dadurch verschiebt sich die Lohnsetzungsgleichung nach oben. Erst bei einer höheren natürlichen Arbeitslosenrate gleichen sich die Verteilungsansprüche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wieder aus. PI Internationale Makroökonomik

Auswirkungen im AS-AD-Modell (ohne Nachfrageeffekt) Erhöhung des Anspruchslohns (Stärkung der Verhandlungsposition) - Erhöhung der natürlichen Arbeitslosenrate, Reduktion des natürlichen Outputs Anpassungsprozess: nach der Reform beginnt der Output kontinuierlich auf das natürliche Niveau zu fallen, die Arbeitslosigkeit steigt kontinuierlich an PI Internationale Makroökonomik

Auswirkungen im AS-AD-Modell (ohne Nachfrageeffekt) Wie schon erwähnt führt eine Erhöhung des Mindestlohns zu einem geringeren natürlichem Output: Yn=> Yn‘. Durch die Erhöhung der Sammelvariablen z erhöht sich auch das aktuelle Preisniveau: AS=>AS‘. Die Erwartungen werden an das höhere Preisniveau angepasst und die AS‘ Kurve verschiebt sich weiter nach oben bis sich die Erwartungen wieder an das aktuelle Preisniveau angepasst haben (AS‘‘). PI Internationale Makroökonomik

Anpassungsprozess im AS-AD (ohne Nachfrageeffekt) Ab dem Zeitpunkt der Einführung von Mindestlöhnen fällt der Output im Zeitverlauf, bis das neue natürliche Outputniveau 𝑌 𝑛 ′ (bei höherer Arbeitslosigkeit) erreicht ist. PI Internationale Makroökonomik

Anpassungsprozess im AS-AD (ohne Nachfrageeffekt) Ab dem Zeitpunkt der Einführung von Mindestlöhnen steigt die Arbeitslosenrate an, bis 𝑢 𝑛 ′ erreicht ist. PI Internationale Makroökonomik

Auswirkungen im AS-AD-Modell mit Berücksichtigung des Nachfrageeffektes Durch die Erhöhung der Mindestlöhne profitieren vor allem niedrige Einkommen. Aus empirischen Studien weiß man, dass niedrige Einkommen eine höhere Konsumquote besitzen. Daher kommt es zu einem Anstieg der durchschnittlichen Konsumquote. Die IS-und die AD-Kurve verschieben sich nach rechts. Kurzfristig wird also der Output erhöht und die Arbeitslosigkeit geht zurück. Mittelfristig fällt der Output aber wieder auf sein neues niedrigeres natürliches Niveau zurück. Wie lang dies dauert hängt nicht zuletzt von der Zinsreagibilität der Investitionsnachfrage ab (Investitionsfalle!). PI Internationale Makroökonomik

Einführung Mindestlohn und Nachfrageeffekt: AS-AD-Modell P AS0(z0, P0e) Durch den Anstieg der aggregierten Nachfrage verschieben sich die IS und die AD-Kurve nach rechts. Die Volkswirtschaft bewegt sich vom ursprünglichen natürlichem Output 𝑌 𝑛 0 Yn0 nach 𝑌 1 P1 B A P0=P0e AD1 AD0 Yn0 Y1 Y i LM1 (M/P1) i1 B i0 A IS1(c1) IS0(c0) PI Internationale Makroökonomik Yn0 Y1 Y

Einführung Mindestlohn und Nachfrageeffekt: AS-AD-Modell P AS1(z1, P0e) AS0(z0, P0e) Durch die Erhöhung der Sammelvariablen z erhöht sich auch das aktuelle Preisniveau: 𝐴𝑆 0 ⇒ 𝐴𝑆 1 C P2 B A P0=P0e AD1 AD0 Yn1 Yn0 Y2 Y i LM2 LM1 C LM0 i2 B i0 IS1 A IS0 PI Internationale Makroökonomik Yn1 Yn0 Y2 Y

Einführung Mindestlohn und Nachfrageeffekt: AS-AD-Modell AS2(P1e) P D AS1(P0e) P3=P1e Mittelfristig kehrt die Volkswirtschaft zu ihrem neuen niedrigeren natürlichem Output 𝑌 𝑛 1 zurück. AS0(P0e) C B A P0=P0e AD1 AD0 Yn1 Yn0 Y i D LM2 LM1 C i2 B LM0 i0 IS1 A IS0 PI Internationale Makroökonomik Yn1 Yn0 Y

Auswirkungen im AS-AD-Modell mit Berücksichtigung des Nachfrageeffektes PI Internationale Makroökonomik

Auswirkungen im AS-AD-Modell mit Berücksichtigung des Nachfrageeffektes PI Internationale Makroökonomik