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1 Vorlesung Bildungspsychologie I WS 2008/09 PD Dr. Haci-Halil Uslucan Herzlich Willkommen.

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Präsentation zum Thema: "1 Vorlesung Bildungspsychologie I WS 2008/09 PD Dr. Haci-Halil Uslucan Herzlich Willkommen."—  Präsentation transkript:

1 1 Vorlesung Bildungspsychologie I WS 2008/09 PD Dr. Haci-Halil Uslucan Herzlich Willkommen

2 2 1. Überblick: Vorlesungsinhalte Freitag: : Kita als Bildungsinstitution Vorlesung Bildungspsychologie I WS 2008/09 PD Dr. Haci-Halil Uslucan

3 3 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Kitas als Bewahranstalten: historischer Ursprung: Industrialisierung und Urbanisierung; beide Elternteile arbeiten lange Fahrzeiten von der Wohnung zur Arbeit; sich selbst überlassene Kinder (alleine in der Wohnung oder auf der Straße) Kindergärten: diese Situation auffangen und Kinder ordentlich betreuen. (Vgl. Liegle, 2006)

4 4 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Kitas als Bewahranstalten: Historisch: Ausweitung der Kindertageseinrichtungen eine Antwort auf die massenweise Kinderverwahrlosung seit den 40-er Jahren des 19. Jh., aber auch: eine pädagogische Umkehr zu der Konzeption Erziehung statt Arbeit; Kindheit wird so als ein pädagogisches Moratorium verstanden

5 5 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jh. starben im Deutschen Reich etwa 25% aller Neugeborenen (Das erklärt bspw. auch heute noch die hohe Fertilitätsrate in Ostanatolien und in anderen Teilen der Welt). Langsam verbreitet sich die Einsicht: Bildungsprozesse bereits auch im vorschulischen Alter; Kindergarten nicht als eine Aufbewahranstalt, eine Betreuungsanstalt, sondern auch vordringlich eine Bildungsstätte. (Vgl. Löw, 2003)

6 6 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Hintergrundannahme: Besondere Bildsamkeit des Menschen in seiner Frühphase; schicksalhafte Bedeutung früher erfolgter oder versäumter/unterlassener Bildungsbiografien für das spätere Leben.

7 7 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Kindliches Spiel zentrales Medium der Bildung in der vorschulischen Phase Bildung/Selbstbildung im Medium des Spiels, aber auch, wenn Kinder unter sich sind und eine Form der Kinderkultur erzeugen: gemeinsame unabsichtliche Selbstbildung und Selbsterziehung Selbstbildung: sowohl Bildung durch eigene Aktivität, Tätigkeit und Aneignung, aber auch im Sinne der Bildung des Selbst als eine wichtige entwicklungspsychologischen Dimension, als ein Kern der Persönlichkeitsentwicklung.

8 8 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Kindliches Spiel zentrales Medium der Bildung in der vorschulischen Phase Bedeutung des Spiels für die Identitätsentwicklung zentraler Topos des amerikanischen Pragmatismus, insbesondere bei G.H. Mead: Entwicklung der Identität in der Kindheit bei Mead über folgende zwei Stränge: a) Sprache und b) Spiel, wobei das Spiel differenziert wird in b 1) play und b 2) game. Beide Stränge verlaufen parallel und sind keine sukzessiven Stufen; d. h. das Kind spricht und spielt zugleich.

9 9 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Kindliches Spiel zentrales Medium der Bildung in der vorschulischen Phase play: konkrete Rollenübernahme play bezeichnet soziale Spiele, in denen das Kind sich in der Übernahme elementarer Rollen einübt. Es spielt in seiner Imagination sowohl die Rolle des Akteurs als auch die des komplementären Ko-akteurs einer sozialen Handlung. Bspw.: Mutter und Kind und spricht aus den je verschiedenen Perspektiven und Bedürfnislagen auf die Situation; es spielt etwa sowohl die Rolle des hungrigen Kindes wie die der nährenden Mutter.

10 10 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Bildung in der Kita: Kindliches Spiel zentrales Medium der Bildung in der vorschulischen Phase game: organisiertes und mit einem Regelwerk kodifiziertes Gruppenwettkampfspiel Erfordert, auf eine Situation nicht nur aus bestimmten konkreten Perspektiven heraus zu reagieren, sondern aus einer Verschränkung der Perspektiven aller Beteiligten im Spiel, aus der Rolle nicht eines konkreten Anderen, sondern aus der Rolle des verallgemeinerten Anderen (generalized other). Nicht die konkrete Rolle des Einzelnen relevant, sondern seine Funktion, und diese kann prinzipiell von jedem anderen auch ausgefüllt werden.

11 11 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution

12 12 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution

13 13 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Frühe Bildung aus 4 Perspektiven zu thematisieren: 1. Gesellschaft: Ausbau und hohe Qualität der Frühpädagogik kann Humanvermögen sichern und internationale Konkurrenzfähigkeit gewährleisten. 2. Kinder: Anspruch jedes Kindes auf Unterstützung und Anregung seiner Lernfähigkeit und Bildungspotenziale (Rechtsanspruch auf Kitaplatz).

14 14 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Frühe Bildung aus 4 Perspektiven zu thematisieren: 3. Familien: Familie erster und wichtigster Bildungsort; Forderung nach einer engeren Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Kita und der Familie. 4. Professionelle Praxis: Neue Formen der Aus- und Weiterbildung für Fachkräfte; Qualitätsstandards und Evaluationen pädagogischer Fördereinrichtungen. (Vgl. Liegle, 2006)

15 15 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Frühe Bildung aus 4 Perspektiven zu thematisieren: An Bildung bzw. früher Bildung gekoppelte Zielsetzungen nicht immer die Ziele und Bedürfnisse der Kinder; Deutschland braucht mehr Kinder; darin stimmen viele Rentenexperten, Bevölkerungswissenschaftler, Politiker etc. überein; sind das jedoch auch Ziele der Kinder oder werden Kinder hier instrumentalisiert für andere Ziele? Oft Kinder für sog. höhere Ziele instrumentalisiert: Z.B. Wettbewerbsfähigkeit einer Gesellschaft; sind das auch kindliche Bedürfnisse?

16 16 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Frühe Bildung aus 4 Perspektiven zu thematisieren: In der Vorschule: Kind wird fit gemacht für die nächsthöhere Institution, die Grundschule; In der Grundschule: fit für das Gymnasium; Im Gymnasium: fit für die Universität etc. Die jeweils mächtigere Institution diktiert die Anforderungen in den jeweiligen Bildungseinrichtungen. Vielleicht wollen Kinder mehr Spielflächen als straffere Bildungspläne und Curricula. Bildungsoffensiven in erster Linie an den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder ansetzen (Vgl. Liegle, 2006, S. 9).

17 17 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Pädagogische Qualität von Bildungseinrichtungen unter drei Aspekten zu betrachten (Tietze et al., 1998): a)Strukturqualität bzw. Rahmenbedingungen der Einrichtung b) Prozessqualität (wie etwa Kind-Betreuer-Verhältnis etc.) und c) Orientierungsqualität: pädagogische Programmatik.

18 18 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Implizite Annahme von Bildungsansätzen: Die dahinter stehenden Absichten können mit den genannten Mitteln in einer bestimmten Situation und bei einem bestimmten Kind auch erzielt werden. Zwar können Programme bestimmte Wirkungen entfalten, jedoch sind diese Wirkungen manchmal auch programmunspezifisch.

19 19 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Forderung: junge Menschen brauchen keine am Ideal, oder am Durchschnitt orientierte Pädagogik, sondern eine, die auf ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche sowie ihre sozialen und kulturellen Kontexte zugeschnitten sind. Deshalb: pädagogische Programme auch stets auf die impliziten Kindheitsentwürfe hin betrachten, die unausgesprochen mitthematisiert werden (Vgl. Liegle, 2006)

20 20 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Im öffentlichem Diskurs und in der Forschung Institution des Kindergartens bisher historisch wenige beachtet: Martina Löw (2003): doppelte Abwertungsprozesse: 1. Kindergarten ein typischer Frauenbereich, 2. Es handelt sich um Kinder (in der kapitalistischen Logik um nicht-produktive Mitglieder),

21 21 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Wie sieht es bspw. aus, wenn Betroffene selber befragt werden, ob und warum sie einen Kindergarten brauchen: Bei einer Befragung von 50 Kindern im Alter von 4-bis 6 Jahren äußerten diese sich wie folgt: 4 Kinder: Wir brauchen keinen Kindergarten (keine Gründe). 25 Kinder: Ja, wir brauchen einen Kindergarten; (Gründe u.a.: Fahrrad fahren, Bücher lesen, Kochtage machen; den Freund Tim sehen; mehr Freunde bekommen). 9 Kinder: Wir brauchen den Kindergarten, weil die Erwachsenen (bzw. die Eltern) keine Zeit haben und arbeiten gehen. 6 Kinder: Wir brauchen eine Kita, damit wir dort lernen und in die Schule gehen können. Andere: diffuse Antworten (Eltern haben Kopfweh) (Vgl. Liegle, 2006)

22 22 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Wie können generell kindliche Weltdeutungen wissenschaftlich erforscht und rekonstruiert werden? 1. Gezielte Gespräche und Interviews mit den Kindern; 2. Interpretation von Kinderzeichnungen (z.B. Familie in Tieren von Brem-Gräser), sowie projektive Methoden, 3. Auswerten schriftlicher Dokumente, die von Kindern verfasst worden sind. 4. Beobachtung von Kindern und Videoaufzeichnungen, 5. Experimentelle Methoden (z.B. Fremde-Situations-Test zur Erfassung der Bindungsstile), 6. Phänomenologisch orientierte teilnehmende Erfahrung und Begleitung von Kindern. Ein weiterer geisteswissenschaftlicher Zugang: Literarische Berichte:

23 23 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Ein weiterer geisteswissenschaftlicher Zugang: Literarische Berichte: Bedeutung der frühen Kindheit in dem ersten psychologischen bildungsbiografischen Romans von Karl Philipp Moritz sehr deutlich: Ungünstiges Erziehungsmilieu, frühe Vernachlässigung und Traumatisierung und dennoch die Möglichkeit, sich zu bilden, wesentliche Topoi in Moritz` Roman.

24 24 Kindertagesstätte als Bildungsinstitution Über Anton Reiser, dem Protagonisten der Geschichte, der aus einer unglücklichen Ehe hervorgeht, wird berichtet: Unter diesen Umständen wurde Anton geboren, und von ihm kann man mit Wahrheit sagen, daß er von der Wiege an unterdrückt ward. Die ersten Töne, die sein Ohr vernahm und sein aufdämmernder Verstand begriff, waren wechselseitige Flüche und Verwünschungen des unauflöslich geknüpften Ehebandes. Ob er gleich Vater und Mutter hatte, so war er doch in seiner frühesten Jugend schon von Vater und Mutter verlassen, denn er wußte nicht, an wen er sich anschließen, an wen er sich halten sollte, da sich beide haßten und ihm doch einer so nahe wie der andre war. In seiner frühesten Jugend hat er nie die Liebkosungen zärtlicher Eltern geschmeckt, nie nach einer kleinen Mühe ihr belohnendes Lächeln. Wenn er in das Haus seiner Eltern trat, so trat er in ein Haus der Unzufriedenheit, des Zorns, der Tränen und der Klagen. Diese ersten Eindrücke sind nie in seinem Leben aus seiner Seele verwischt worden und haben sie oft zu einem Sammelplatze schwarzer Gedanken gemacht, die er durch keine Philosophie verdrängen konnte.

25 25 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit


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