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2. Kapitel Orientierung an der Heiligen Schrift.

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Präsentation zum Thema: "2. Kapitel Orientierung an der Heiligen Schrift."—  Präsentation transkript:

1 2. Kapitel Orientierung an der Heiligen Schrift

2 ● Manche Gebote werden übernommen, andere nicht.
● In der Moraltheologie wird immer wieder auf die Hl. Schrift zurückgegriffen, um ethische Gebote zu begründen. ● Manche Gebote werden übernommen, andere nicht. „Besondere Sorge verwende man auf die Vervollkommnung der Moraltheologie, die, reicher genährt aus der Lehre der Schrift, in wissenschaftlicher Darlegung die Erhabenheit der Berufung der Gläubigen in Christus und ihre Verpflichtung in der Liebe Frucht zu tragen für das Leben der Welt erhellen soll.“ (Dekret über die Ausbildung der Priester „Optatam totius“, Nr. 16)

3 ● Gegen einen steinbruchartigen Gebrauch der Hl. Schrift
● Deutlich wurde Geschichtlichkeit und Kulturbedingtheit ethischer Weisungen in der Bibel. ● Ihnen liegt Menschheitserfahrung zugrunde, nicht direkt von Gott mitgeteilt. ● Aber sie werden in den Glauben an Jahwe eingebunden.

4 1. Glaube und ethisches Handeln im Alten Testament
Ethisch relevante Texte außer dem Dekalog - Bundesbuch (Ex 21,1-23,19) - Deuteronomisches Gesetz (Dtn 12-26) - Heiligkeitsgesetz (Lev 17-26) - rechtliche Regelungen (ius) - sozial-ethische Weisungen (ethos) - kultische Bestimmungen (fas) - Propheten - Weisheitsliteratur

5 1.1 Der Zusammenhang von Recht, Ethos und Glaube: Das Bundesbuch
1.1.1 Die Sammlung kasuistischer Rechtssätze - Ex 21,12-22,16: Kasuistische Rechtssätze. Form: „Wenn …, dann …“ - Mischpatim (Ex 21,18-22,16): Fälle aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Ersatzleistungen nach dem Talionsprinzip (Ex 21,23-25) - Vorangestellt: Rechtssätze mit Todesstrafe (Ex 21,12-17) - In allen Rechtssätzen: Keine Erwähnung Gottes. Ursprünglich profane Texte aus dem Gerichtswesen.

6 Parallelen zu Texten der Umwelt
Codex Hammurabi (Babyl v. Chr.): „Wenn ein Mann die Tochter eines Mannes schlägt und ihr dadurch eine Fehlgeburt verursacht, zahlt er 10 Schekel Silber für ihre Leibesfrucht. Wenn diese Frau stirbt, tötet man seine Tochter.“ (CH §§ 209, 210 ≈ Ex 21,22) „Wenn ein Sohn seinen Vater schlägt, schlägt man seine Hand ab.“ (CH § 195 ≈ Ex 21,15)

7 1. 1. 2 Die Sammlung apodiktischer Grundrechte und
1.1.2 Die Sammlung apodiktischer Grundrechte und ihre Begründung mit dem Erbarmen Gottes Ex 20,20-23,9: Einteilung in drei Abschnitte: - Ex 22,20-26 Humanes Verhalten - Ex 22,27-29 Rechtes Verhalten gegenüber Gott - Ex 23,1-9 Humanes Verhalten

8 Kasuistische Rechtssätze
21,12.17 21,18-22,16 Erste Sammlung: Kasuistische Rechtssätze Zweite Sammlung: Apodiktische Rechtssätze 22,20-26 22,27-29 23,1-9

9 Die Abschnitte zum humanen Verhalten appellieren an die freie Einsicht.
Sind apodiktisch formuliert. Es geht um den rechten Umgang mit dem Recht. Ex 23,1-9: Vor Gericht: Haltung der Neutralität und Unparteilichkeit Ex 20,20-26: Mahnung, Schwache nicht auszunutzen

10 Wichtig: In den Texten wird eine Begründung genannt, warum man so handeln soll:
- Sich in die Situation des anderen versetzen. - Israel soll an die Knechtschaft in Ägypten denken. - Jahwes Erbarmen mit den Schwachen und Armen. Durch die Einführung Jahwes steht hinter der Anrede mit „Du“ nicht mehr der Sippenvater, sondern Jahwe.

11 1. 1. 3 Aussonderungsgebote, Altargesetz, Festkalender
1.1.3 Aussonderungsgebote, Altargesetz, Festkalender und Opfervorschriften als weitere theologische Begründung Erster Rahmen: Ex 21,2-11 und 23,10-12: Zeitrhythmus: „Sechs Jahre … im siebten Jahr“.

12 21,2-11 Aussonderungsgebote 21,12.17 21,18-22,16 Erste Sammlung: Kasuistische Rechtssätze 22,20-26 22,27-29 23,1-9 Zweite Sammlung: Apodiktische Rechtssätze 23,10-12 Aussonderungsgebote

13 Aussonderung macht deutlich:
- Der Mensch hat keine unbegrenzte Verfügungsmacht über andere Menschen und die Natur. - Seine Macht ist durch Jahwe begrenzt. - Die Begrenzung kommt den Armen und Schwachen zugute.

14 Zweiter Rahmen: Ex 20,24-26 (Altargesetz) Ex 23,14-19 (Festkalender, Opfervorschriften) Ex 22,19 (Fremdopferverbot)

15 20,24-26 Altargesetz Aussonderungsgebote 21,2-11 21,12.17 21,18-22,16 Erste Sammlung: Kasuistische Rechtssätze Fremdopferverbot 22,19 22,20-26 22,27-29 23,1-9 Zweite Sammlung: Apodiktische Rechtssätze 23,10-12 Aussonderungsgebote Festkalender Opfervorschriften 23,14-19

16 Macht deutlich: - Nur in geordneter Beziehung zu Jahwe ist geordnete Rechtspflege möglich. - Dem Kult muss Solidarität und Gerechtigkeit entsprechen.

17 1.1.4 Reflexion: Gehören ethische Normen zur Offenbarung?
Rechtssätze und Aufforderung zur Gerechtigkeit sind bereits ohne den Jahweglauben begründet. - Sie sichern den Bestand der Gemeinschaft. - Sie werden durch Sich-Hineinversetzen in den anderen einsichtig. Durch Selbstoffenbarung Jahwes, sein befreiendes Handeln und seine Barmherzigkeit wird eine Begründung gegeben, warum man gerecht handeln soll (Motivation).

18 1.2 Bruderethos und Gottesliebe: Das Gesetzbuch des Deuteronomium
- Das deuteronomische Gesetzbuch (Dtn 12-25) ist eine Weiterentwicklung des Bundesbuchs. 1.2.1 Weiterentwicklung eines humanen Ethos - Sklavenfreilassung: Keine neutrale rechtliche Regelung, sondern der Hörer wird direkt auf seine Mitmenschlichkeit angesprochen. Nicht nur Freilassung, sondern auch materielle Grundlage. Theologische Begründung durch Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten.

19 - Soziale Gesetze (Dtn 24,10-22):
Pfandrecht wird weiter ausgebaut. Konkretisierung der Solidarität mit Armen, Fremden, Witwen und Waisen. Auch hier Begründung durch die Erinnerung an den Exodus. - Darlehnserlass (Dtn 15, ): Man soll helfen, auch wenn die Rückzahlung unsicher ist. - Insgesamt: Haltung des Bruderethos. Sklaven, Arme, auch der Feind werden als „Dein Bruder“ bezeichnet.

20 1.2.2 Die Erinnerung an Jahwes Befreiungstat als Begründung des humanen Ethos
- Theologische Begründung für das Bruderethos: Erinnerung an die Befreiung Israels durch Jahwe aus der Knechtschaft in Ägypten. - Jahwes Handeln soll nicht vergessen werden (Dtn 6,12), sondern stets wach gehalten werden (Dtn 8,2-18). Es geht um erinnernde Vergegenwärtigung. - Aus der Erinnerung an den Exodus soll Israel sich allein an Jahwe binden und keinen anderen Göttern nachlaufen (Dtn 6,13-16). Anweisung zur Zerstörung der fremden Kultstätten und Kultgebräuche (Dtn 12-14).

21 - Israel soll auf Jahwe hören und ihn aus ganzem Herzen lieben (Dtn 6,4f: Schema Israel).
Man soll sich die Weisungen der Tora ganz zu eigen machen, auf sein Herz und seine Seele schreiben (Dtn 11,18-20). - Nicht das Halten der Gebote ist Grund der Zuwendung Jahwes, sondern die Zuwendung Gottes motiviert zum Halten der Gebote. - Das Ziel, warum die Gebote gehalten werden sollen, ist nicht die Prüfung des Gehorsams, sondern das Wohlergehen Israels selbst.

22 Wie lieb ist mir deine Weisung,
ich sinne über sie nach den ganzen Tag. Dein Gebot macht mich weiser als all meine Feinde, denn immer ist es mir nahe. … Mein Herz ist bereit, dein Gesetz zu erfüllen bis ans Ende und ewig. … Darum liebe ich deine Gebote mehr als Rotgold und Weißgold. Darum lebe ich genau nach deinen Befehlen; ich hasse alle Pfade der Lüge. Ps 119, 97f f

23 1.3 Gebote als Bewahrung der geschenkten Freiheit: Der Dekalog
- Zwei Fassungen: Ex 2,2-17 und Dtn 5,6-21. Inhaltlicher Hauptunterschied: Begründung des Sabbatgebots: Dtn: heilsgeschichtlich; Ex: schöpfungstheologisch. - Ursprünglich eigenständiger Text, in Dtn vermutlich ältere Fassung. - Text des Dekalogs ist selbst uneinheitlich. Vermutliche Entstehungsgeschichte: Erste Komposition: 5, ,6-8a.9b.10a. Zweite Redaktion: Ergänzungen in 5, Namensmissbrauchsverbot und Elternverbot. Dadurch konzentrische Form um das Sabbatgebot.

24 Zur Entstehung des Dekalogtextes
Fremdgötter- und Bilderverbot Dtn 5,6-8a.9b-10 Dtn 5,8b-9a Namensmissbrauchsverbot Dtn 5,11 Deuteronomische Redaktion Ursprünglicher Text Sabbatgebot Dtn 5,12-15 Elterngebot Dtn 5,16 Tötung, Ehebruch, Diebstahl Falsches Zeugnis Begehrensverbot Dtn 5,17-21

25 Unterschiedliche Zählweisen:
Katholisch / lutherisch: Fremdgötterverbot Namensmissbrauchsverbot Sabbatgebot Elterngebot Tötungsverbot Ehebruchsverbot Diebstahlverbot Falschzeugnisverbot Begehrensverbot (Frau) Begehrensverbot (Güter) Orthodox / reformiert / anglikanisch Fremdgötterverbot Götzendienstverbot (Bilder) Namensmissbrauchsverbot Sabbatgebot Elterngebot Tötungsverbot Ehebruchsverbot Diebstahlverbot Falschzeugnisverbot Begehrensverbot

26 - Dtn 5,17-21: apodiktische Verbotssätze:
Kurzprohibitive (17-19: Sippenrecht) Kurzprohibitive mit Objekt (5,20: Gerichtssituation) Langverbot mit Objekt (5,21: innere Einstellung) Ohne Bezug zu Gott formuliert. Hinter dem „Du“ verbirgt sich ursprünglich eine menschliche Autorität. - Was verboten ist, ist nicht klar. Es geht um schuldhaftes Töten; was Ehebruch ist, hängt vom kulturellen Kontext ab; Diebstahl ist nicht weiter differenziert. - Kein zeitlos gültiges Naturgesetz. Es werden zentrale Grundgüter genannt, die normative Frage bleibt unbeantwortet.

27 - Die ursprünglich selbständigen rechtlichen und ethischen Weisungen sind im Dekalog in den Kontext des Jahweglaubens einbezogen. Sie erhalten dadurch eine neue Deutung. - Entscheidend ist der Vorspruch (5,6): Selbstvorstellung Jahwes, Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten. Die geschenkte Freiheit ist die materielle und soziale Freiheit.

28 - Von der geschenkten Freiheit her erhalten die Gebote ihre Bedeutung:
- Fremdgötter- und Bilderverbot: Jahwe allein als Gott anerkennen, nichts Geschaffenes verabsolutieren, sonst wird die Freiheit verspielt. - Namensmissbrauchsverbot: Gegen Pervertierung des Namens Jahwes, die dessen befreiende Bedeutung nicht mehr erkennen lässt. - Sabbatgebot: Aussonderungsgebot für Jahwe; Begrenzung der Verfügungsmacht des Menschen; Sozialgesetzgebung; allen soll Freiraum gewährt werden. Die empfangene Freiheit an andere weitergeben. - Elterngebot: Die Freiheit durch die Generationen weitergeben. - Fünf Verbote 5,17-21: Empfangene Freiheit in der Gemeinschaft wahren.

29 - Offenbarungsaussage des Dekalogs sind nicht die einzelnen Verbote und Gebote mit ihrem konkreten Inhalt, sondern besteht in der Selbstoffenbarung Jahwes als Gott, der sich seinem Volk zuwendet und es befreit. - Diese Erfahrung der Zuwendung motiviert das Halten der Gebote. - Vor dem Imperativ der Gebote und Verbote steht der Indikativ der befreienden Zuwendung Gottes.

30 2. Glaube und ethisches Handeln im Neuen Testament
2.1 Das Gebot der Nächsten- und Feindesliebe und die „Goldene Regel“ - Gebot der Nächstenliebe gilt als spezifisch christlicher Beitrag zur Ethik. Ebenso das Gebot der Feindesliebe. - Aber: Weder das Doppelgebot der Liebe noch das Gebot der Feindesliebe ist gegenüber dem AT neu. - Allenfalls Ausweitung in der Verkündigung Jesu. Beispiel: Barmherziger Samariter (Lk 10,30-37); Jesu Verhalten zu den Deklassierten der Gesellschaft. - Insgesamt: Tendenz der Universalisierung des Liebesgebots.

31 -. Spezifische Motivierung durch die Botschaft vom nahe
- Spezifische Motivierung durch die Botschaft vom nahe gekommenen Reich Gottes: Gott will jetzt schon zu den Menschen kommen. Die Menschen sind jetzt schon in die Entscheidung gerufen. Zuwendung Gottes ist dabei die Grundlage, die die Liebe zu Gott und zum Nächsten ermöglicht. Beispiel: Zachäus (Lk 19,1-10). - Gebot der Nächstenliebe trägt für die konkrete Ethik nichts aus. Es geht nur um die Mahnung, überhaupt mitmenschlich zu handeln, nicht darum, worin Mitmenschlichkeit konkret besteht.

32 - Kann hier die „Goldene Regel“ weiterhelfen?
positive Formulierung: Mt 7,12; Lk 6,31 negative Formulierung: Tob 4,15 - Es geht darum, alle Menschen und auch sich selbst unter dasselbe Maß zu stellen und von einem objektiven, vernünftigen, unparteilichen Standpunkt aus zu beurteilen. - ohne Ansehen der Person - gegen Selbstaufopferung - gegen Egoismus

33 2.2 Die Antithesen der Bergpredigt
- Sind sie nicht eine inhaltliche Füllung des Liebesgebots? Sind hier nicht spezifisch christliche Normen greifbar? - Dafür spricht die Form der „Antithesen“ und ihre Radikalität. In allen Forderungen: Normverschärfung und Radikalisierung gegenüber den Torabestimmungen. - Andererseits: Ähnliches findet sich in der rabbinischen Literatur zur Zeit Jesu auch.

34 2.2.1 Erfüllung des Gesetzes – Die bessere Gerechtigkeit
- Vorspruch Mt 5,17-20: Es geht nicht um Abschaffung oder Veränderung der Tora oder um neue und andere Gebote. Die Tora stellt die unaufgebbare Grundlage dar. Aber darüber hinaus Erfüllung des Gesetzes. Was meint „Erfüllung“ oder „größere Gerechtigkeit“? - Interpretation vom jeweiligen Wert her, der hinter den alttestamentlichen Geboten steht:

35 - Erste Antithese: Hinter dem Tötungsverbot steht der Wert „menschliches Leben“. Um diesen Wert zu schützen, ist das Tötungsverbot die Mindestfordeung. Darüber hinaus lässt sich im Vorfeld noch viel mehr tun, um Gewalt bis hin zum Mord zu verhindern. Jesus nennt Beispiele bzw. Modelle, was man noch tun kann.

36 Viele Arten zu töten Es gibt viele Arten zu töten
Viele Arten zu töten Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Selbstmord treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten. Bert Brecht

37 Erste Antithese (Mt 5,21f):
Gebot Wert Nicht beschimpfen Kein Rufmord Kein Hass Versöhnung Du sollst nicht töten! Leben des Menschen

38 Zweite und dritte Antithese (Mt 5,27-32):
Gebot Wert Du sollst nicht ehebrechen! Gelungene Lebensgemein-schaft von Mann und Frau Scheidebrief ausstellen Vierte Antithese (Mt 5,33-37): Keinen Meineid schwören! Wahrhaftigkeit und Vertrauen

39 -. „Erfüllung“ und „größere Gerechtigkeit“ bestehen also
- „Erfüllung“ und „größere Gerechtigkeit“ bestehen also darin, sich nicht nur legalistisch an die Gesetze zu halten, sondern in seinem Handeln an den dahinter liegenden Werten zu orientieren. Erfüllung der Intention und des Sinns der Gebote.

40 2.2.2 Unerfüllbare Utopie? – Das Problem der Radikalität der Antithesen
- Insbesondere die Forderung nach radikalem Gewaltverzicht ist immer wieder als unerfüllbare Utopie bewertet worden.

41 - Aus einem Interview mit Helmut Schmidt:
„Die Idee der Bergpredigt unmittelbar auf die Außenpolitik unseres Staates zu übertragen, kann man leicht bewerten, indem man sie auf den extremen Fall anwendet: Was hätte es dem Frieden genützt, wenn ein ausländischer Staat Hitler oder Stalin auch noch die andere Backe hingehalten hätte? Das sind in ihrer Naivität absurde Vorstellungen, die völlig abstrahieren von der konkreten geschichtlichen Situation. ... Der Irrtum derer, die Waffenlosigkeit predigen, liegt darin, dass sie die Lauterkeit ihrer Motive bereits für den Erfolg halten. Wenn jedoch alle anderen zu Zeiten Stalins so gehandelt hätten, würden sowjetische Divisionen nicht bloß an der Elbe, sondern am Rhein, an der Nordsee oder auf Kreta stehen.“

42 - Tradition versuchte auf verschiedene Weise dies Problem zu lösen:
1) Richtet sich nur an die Vollkommenen; 2) es kommt auf die innere Gesinnung der Liebe an; 3) Internims-Ethik; 4) Gerichtricht über Selbstgerechtigkeit

43 -. In der fünften Antithese geht es um den Wert eines
- In der fünften Antithese geht es um den Wert eines gewaltfreien und friedlichen Zusammenlebens. Wird bereits vom Talionsgesetz angezielt. Verzicht auf Gewalt ist eine weitere, wirkungsvollere Weise zur Gewaltfreiheit beizutragen. - Führt Gewaltverzicht jedoch zu noch mehr Gewalttätigkeit und fördert sie, kann es im Dienst am Wert der Gewaltfreiheit notwendig sein, begrenzte Gewalt einzusetzen. - Sonst wieder rein legalistische (pharisäische) Befolgung einer Vorschrift.

44 Fünfte Antithese (Mt 38-42):
Gebot Wert Keinen Widerstand leisten, auch die andere Wange hinhalten, dem anderen auch den Mantel lassen, auch zwei Meilen mitgehen Auge um Auge, Zahn um Zahn Gewaltfreies Zusammenleben

45 - Analogie in der Durchbrechung des Sabbatgebots.
Gebot kann dann durchbrochen werden, wenn das Halten des Gebots zum Gegenteil dessen führt, was es eigentlich intendiert.

46 Freiraum für alle Menschen und alle Geschöpfe
Gebot Wert Freiraum für alle Menschen und alle Geschöpfe Du sollst den Sabbat heiligen! „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“ (Mk 2,27) Die Übertretung eines Gebots ist dann gerechtfertigt, wenn nur so der Wert geschützt werden kann, den auch das Gebot schützen will.

47 -. Die Weisungen der Antithesen sind keine neuen. Paragraphen,
- Die Weisungen der Antithesen sind keine neuen Paragraphen, sondern Beispiele und Modelle, wie man die Werte schützen kann, die hinter den Geboten stehen und diese begründen. Modelle können ergänzt und weitergeschrieben werden. - Keine Gesinnungsethik, sondern Verantwortungsethik. Antithesen können im alltäglichen Leben und in der Politik eine maßgebliche Rolle spielen. - Sie fördern das eigene Nachdenken und die Wahrnehmung der Realität. Sie motivieren die Vernunft zum eigenständigen, situationsgerechten ethischen Urteilen.

48 3. Welche Relevanz haben ethische Aussagen der Heiligen Schrift für die theologische Ethik?
- Ethische Weisungen (Gesetz) sind – auch wenn sie in der Hl. Schrift enthalten sind – nicht direkte bzw. eigentliche Offenbarung Gottes. Sie sind bereits im Voraus zur Offenbarung erkennbar und begründbar. - In der Hl. Schrift werden sie aber in den Kontext der Offenbarung von Gottes unbedingter Zuwendung (Evangelium) eingebunden. Damit ist für den Menschen eine völlig neue Grundlage (Indikativ) und ein neues Selbstverständnis gegeben, das die Erfüllung des immer schon bestehenden ethischen Anspruchs (Imperativ) ermöglicht.

49 -. Ethische Weisungen sind der Anknüpfungs- und
- Ethische Weisungen sind der Anknüpfungs- und Bezugspunkt der Offenbarung. In der Hl Schrift geht es nicht um die Begründung der Gültigkeit ihrer Weisungen (normative Ethik), sondern darum, den Anspruch einzuschärfen (Paränese), um dann das Evangelium verkünden zu können. - Die Gültigkeit der ethischen Weisungen in der Hl. Schrift muss erst noch durch Vernunft und Erfahrung überprüft werden.

50 Evangelium Offenbarung im eigentlichen Sinn: Selbstmitteilung Gottes Heilige Schrift Offenbarung Gesetz Rechtliche und ethische Normen


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