Ekphrasis (ἔκ-φρασις) (lt. descriptio) ek-phrasein: aussprechen

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Ekphrasis (ἔκ-φρασις) (lt. descriptio) ek-phrasein: aussprechen ► die eigentliche Bildbeschreibung im engeren Sinn ►im weiteren Sinn als literarische Beschreibungskunst, als Antworten von Texten auf Kunstwerke ►Ekphrasis als Verfahren wissenschaftlicher Erkenntnis, als theoretisches Erkenntnisproblem, als Methodenfragen (wie können Erkenntnisobjekte ausrei­chend in Sprache überführt werden?) (G. Boehm/H. Pfotenhauer)

„doppelte Abbildungsstruktur“ (M „doppelte Abbildungsstruktur“ (M. Klarer) „verbal representation of a visual representation“ (W. J. T. Mitchell)

Schildbeschreibung in Homers Ilias (XVIII, 477-608)

Homer malet nämlich das Schild nicht als ein fertiges vollendetes, sondern als ein werdendes Schild. Er hat also auch hier sich des gepriesenen Kunstgriffes bedienet, das Koexistierende seines Vorwurfs in ein Konsekutives zu verwandeln, und dadurch aus der langweiligen Malerei eines Körpers das lebendige Gemälde einer Handlung zu machen. Wir sehen nicht das Schild, sondern den göttlichen Meister, wie er das Schild verfertiget. Er tritt mit Hammer und Zange vor seinen Amboß, und nachdem er die Platten aus dem Gröbsten geschmiedet, schwellen die Bilder, die er zu dessen Auszierung bestimmt, vor unsern Augen, eines nach dem andern, unter seinen feinern Schlägen aus dem Erze hervor. Eher verlieren wir ihn nicht wieder aus dem Gesichte, bis alles fertig ist. Nun ist es fertig, und wir erstaunen über das Werk, aber mit dem gläubigen Erstaunen eines Augenzeugens, der es machen sehen. (Lessing, Laokoon, Buch XVIII)

Weiter schuf er darauf ein Brachfeld, locker und fruchtbar, Breit, zum Dritten gepflügt; und viel der ackernden Männer Trieben die Joch' umher, und lenketen hiehin und dorthin. Aber so oft sie kehrend des Ackers Ende gewannen, Reicht' ein Mann den Becher des herzerfreuenden Weines Jeglichem dar nach der Ordnung; sie wandten sich dann zu den Furchen, Freudiges Muts, das Ende der tiefen Flur zu erreichen. Aber es dunkelte hinten das Land, und geackertem ähnlich Schien es, obgleich von Gold: so wunderbar hatt' er's bereitet. (Ilias XVIII, 541-549)

Philip Rundell, Das Schild des Achill (1821)

Webe-Wettstreit in Ovids Metamorphosen (VI, 5-145)

Correggio, Leda und der Schwan (1531/32)

Rubens, Der Raub der Europa (1628/29)

[…] Europa, die einstmals vom falschen Stiere getäuschte: lebendig erscheinen der Stier und die Wellen; Nach dem Land, dem verlassenen, schaut sie zurück auf dem Bilde, Ruft den Gefährtinnen zu und fürchtet des Wassers Berührung, Das sie bespült: man sieht, wie sie ängstlich die Sohlen zurückzieht. (VI, 102-107)

Simson liegt da mit nackter Brust, das Hemd heruntergezogen, den rechten Fuß schräg in die Höhe gestreckt, die Zehen in wahnwitzigem Schmerz verkrampft. Ein Kriegsknecht, in Helm und Panzer über ihn gebeugt, hat ihm das Eisen ins rechte Auge gestoßen, Blut spritzt auf die Stirn, sein Haar ist kurzgeschoren, unter ihm liegt ein Kriegsknecht, der seinen Kopf dem Eisen entgegenhält. Ein anderer Häscher nimmt den linken Teil des Bildes ein. Er steht mit gespreizten Beinen da, auf Simson zugeneigt und hält in beiden Händen die Hellebarde, auf Simsons linkes Auge, das fest geschlossen ist, gerichtet. Die Hellebarde reicht durchs halbe Bild, Drohung der Blendung, die wiederholt werden wird. Zwei Augen hat Simson wie jeder, vom Häscher, der die Hellebarde hält, sieht man nur das eine, Simsons blutverschmiertem Gesicht und der Vollendung des Auftrags zugewandt. […] Es gibt ein Augenpaar auf dem Bild, das der Blendung zugewandt bleibt und sie nie preisgibt, die Augen Dalilas, die im Triumph enteilt, in einer Hand die Schere, in der anderen Simsons abgeschnittenes Haar. [...] Worauf blickt sie zurück? Auf das geblendete Auge und auf das, das geblendet werden wird. Sie wartet auf das Eisen, das noch einmal zustößt. Sie ist der Wille, durch den es geschieht. Die Männer im Panzer, der mit der Hellebarde sind ihre Handlanger. Sie hat ihm seine Kraft genommen. Sie hält seine Kraft und haßt und fürchtet ihn noch jetzt und wird ihn hassen, solange sie an diese Blendung denkt, und wird, um ihn zu hassen, immer an sie denken. (Elias Canetti: Die Fackel im Ohr [1980])

Rembrandt, Die Blendung Simsons, 1636

Heide Eilert: Das Kunstzitat (1991): „Bezugnahme auf Kunstwerke aller Art als sinnkonstituierendes Element“

Andrea del Castagno, Pippo Spano, um 1450 Heinrich Mann, Pippo Spano (1903/05) Andrea del Castagno, Pippo Spano, um 1450

Villa Carducci-Pandolfini, Florenz

Da stehst du, aufgereckt, die eisernen Beine gespreizt, das riesige Schwert quer darüber in Händen, die aus Bronze sind. Du hast schmale Gelenke, bist leicht, bereit zu Sprung, Jagd, hitzigen Umarmungen und kalten Dolchstößen, zu Wein und zu Blut. In den Lauten deines Namens selbst geschieht ein Pfeifen von geschwungener Waffe und dann ein breiter Schlag. Über deiner breiten Brust wölbt sich Eisen, um deine feinen Hüften kreist ein goldener Gürtel aus dem fröhlichen Blau des Röckchens. Du hast einen kurzen, zweigespitzten Bart, dein Mund steht gewalttätig heraus aus deinem mageren Gesicht, und düsterblonde Locken umzotteln es. Es blickt zurückgeworfen über die Schulter, mit aufgerissenen Augen, wach und furchtbar. Wenn man länger hinsieht, lächelt es. Das Übermaß von grausamer Selbstsicherheit bringt dieses Lächeln hervor, das sich nicht nachweisen läßt, das man nur ahnt, das tief verwirrt, in Grauen stürzt, fesselt, dem man sich widersetzt und das man schließlich verehrt! (13f.)

Leonardo da Vinci, Mona Lisa, ~ 1502-1505

James Montgomery Flagg, Poster, 1917

Er hob die Arme, ließ sie fallen Er hob die Arme, ließ sie fallen. Seine Blicke, irr umherflatternd, trafen in das Gesicht des Pippo Spano. „Du! Was tätest nun du? Erlebtest du einmal eine solche Niederlage? Du bist der Starke, der mich verführt hat. Du warst mein Gewissen. Du bist schuld! Was soll ich tun?“ Pippo Spano lächelte. Sein mondgrelles Lächeln, sein Lächeln aus einem Übermaß grausamer Selbstsicherheit, stürzte in Grauen und fesselte. Es bannte Mario Malvolto. Er befragte es mit all seiner Seele, die Hände faltende, wankend und nach Atem ringend, unter fliegender Hitze und kalten Schweißausbrüchen, zerstört und von Jammer hingerafft – ein steckengebliebener Komödiant. (48)

Die Schauspielerin (1905/10) Einst fuhr sie nach Köln, um in Sankt Gereon eine Statue zu besichtigen, von der er mit Erregung gesprochen hatte. Sie fuhr nur hin, machte der Statue ihren Besuch und kehrte zurück, ohne etwas anderes gesehen zu haben. (77) Sie kämpfte seit gestern mit der Versuchung, in Sankt Gereon jene Statue wiederzusehen, die sie einst um seinetwillen besucht hatte, und ein wenig von der Empfindung zu erbetteln, die er dem Bilde – dem Bilde! – geschenkt hatte. (112) Heinrich Mann, Die Schauspielerin (1905/10)

Mondsichelmadonna, St. Gereon (Köln), um 1430