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Die historische Entwicklung literaturwissenschaftlicher Methoden 10. Strukturalismus.

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Präsentation zum Thema: "Die historische Entwicklung literaturwissenschaftlicher Methoden 10. Strukturalismus."—  Präsentation transkript:

1 Die historische Entwicklung literaturwissenschaftlicher Methoden 10. Strukturalismus

2 Les chats von Charles Baudelaire 1962 Roman Jakobson und Claude Lévi-Strauss Les amoureux fervents et les savants austères Aiment également, dans leur mûre saison, Les chats puissants et doux, orgueil de la maison Qui comme eux sont frileux et comme eux sédentaires. Amis de la science et de la volupté, Ils cherchent le silence et lhorreur des ténèbres; LErèbe les eût pris pour ses coursiers funèbres, Sils pouvaient au servage incliner leur fierté. Ils prennent en songeant les nobles attitudes Des grands sphinx allongés au fond des solitudes, Qui semblent sendormir dans un rêve sans fin; Leurs reins féconds sont pleins détincelles magiques, Et des parcelles dor, ainsi quun sable fin, Etoilent vaguement leurs prunelles mystiques.

3 Die formale Beschreibung Erèbe – fils de Chaos, frère de la Nuit Sonett in klassischen Alexandrinern (6 + 6 Silben) aBBa CddC eeFgFg a) zwei Reimpaare dürfen nicht aufeinander folgen b) der eine Reim männlich, der andere weiblich c) am Ende der aufeinander folgenden Strophen Wechsel männlich-weiblich Reime = noms 8 Substantive und 6 Adjektive männliche Einzahl, weibliche Mehrzahl Vierzeiler: männliche Substantive, weibliche Adjektive außer ténèbres 1. Dreizeiler Substantiva 2. Adjektive sans fin – sable fin

4 Gegensätze und deren Ausgleich 3 Hauptsätze je ein Vierzeiler und die beiden Dreizeiler arithmetische Reihe der Zeitwortformen: 1. aiment; 2. cherchent, eût pris; 3. prennent, sont, étoilent Nebensätze: 1. qui sont; 2. sils pouvaient; 3. qui semblent a) Gegensatz zwischen zwei Strophen mit zwei Reimen und einer Strophe mit drei Reimen syntaktische Parallelen: eine Relativkonstruktion mit qui männliches Substantiv in der Mehrzahl (chats, sphinx) Einheit der beiden Dreizeiler aufgegeben chats als complément direct und sphinx als Attribut nicht sehr parallel

5 Der semantische Aspekt Subjekte des 1. Vierzeilers und des 1. Dreizeilers belebte Wesen Subjekte der anderen Strophen unbelebte Wesen Diagonalbeziehungen in den äußeren Strophen: belebte Wesen im ersten Vierzeiler (amoureux, savants : chats) und unbelebte im zweiten Dreizeiler (reins, parcelles : prunelles) in den inneren Strophen: ein belebtes Subjekt (ils = chats) und ein unbelebtes Objekt (attitudes) 2. Vierzeiler: Oppositionen grammatikalisch alternierend (ils = chats : silence, horreur; Erèbe : les = chats) a) die ersten 6 Verse b) das zentrale Reimpaar c) die letzten 6 Verse

6 Der phonetische Aufbau inhaltliche Argumente die ersten 6 Verse – Verhältnis zu den Katzen die letzten 6 Verse – Erscheinungsbild der Katzen Nasallaute (allein 6 in Vers 11) Anlaut der chats Non seulement le mot chats ne réapparaît plus au cours du poème, mais même la chuintante initiale / ς / ne revient que dans un seul mot: 6/ il ςerς. /. Elle désigne, avec redoublement, la première actions des félins. Cette chuintante sourde, associée au nom des héros du sonnet, est soigneusement évitée par la suite.

7 Pietro Bembo Petrarca: Canzoniere I, 1 Voi chascoltate in rime sparse il suono v k sc lt t nr m sp rs ls n v k nr m sp rs sc lt t ls n Voi chin rime sparse ascoltate il suono Prose della volgar lingua. Libro Secondo, VIII 1 = inalzante; 2 = cadente bei Version 2 eine ungünstige Verteilung chinato e cadente Wechsel von Einzel- und Doppelkonsonanten in der Version 1

8 Eine Art Parodie Les astucieux truands et les clochards pépères Aiment également, dans leur mûre saison, Les rats glissants et mous, orgueil de la prison Qui comme eux sont miteux et comme eux réfractaires. Gilbert Durand: Les chats, les rats et les structuralistes das gleiche Ergebnis wie mit dem Original Grundprinzipien – Übertragung von sprachwissenschaftlichen Modellen auf die Poetik Die größte linguistische kodierte Einheit ist gleichzeitig die kleinste poetische Einheit: der Text

9 Die Struktur Beziehungen, Verkettungen, Verbindungen Verständniszusammenhang im Gegenstand selbst textinterne Relationen nach Art eines Kristalls Eiffelturm oder Golden Gate-Bridge Inhalt nur Zugeständnis an die literarische Tradition und an die Erwartungen der Leser Ästhetik = gesetzmäßig geordnete Beziehung der Bauelemente verborgene Grundmuster der Tiefenstruktur Universalien der Menschenkultur – Gesetze der Kristallbildung Kombinationsmechanismen mit immer anderen Paradigmata Syntagma = Anordnung zu sinnvollen Ketten Paradigma = in einer Position einsetzbare Wörter

10 Die strukturale Literaturwissenschaft Umkehrungen, Übertragungen und Verwandlungen Mechanismen dieser Transformationen binäre Definitionen Parallelität oder Opposition Wiederholung des Gleichen oder antithetische Transformation vom Inhalt losgelöste Kombinatorik a-historische funktionale Logik Jauß – inhaltsleere Gedankenspielerei Die Kluft zwischen Struktur und Ereignis, synchronem System und Geschichte wird bei Lévi-Strauss absolut, der hinter den Mythen allein noch die Tiefenstruktur des geschlossenen synchronen Systems einer funktionalen Logik sucht.

11 Ein Beispiel Äquivalenzen und Transformationen ganz bestimmter Effekt Strophe von Jean Cocteau: Odile rêve au bord de lîle, Lorsquun crocodile surgit; Odile a peur du crocodile Et, lui évitant un ci-gît, Le crocodile croque Odile. Analyse der Sinnrelationen Konstruktion einer zweiten Ebene sinngerichtete Tiefenstruktur

12 Alltagssprache Achse der Selektion (Äquivalenzen = Paradigmata) s1o1 s2p1o2 s3p2o3 s4o4 Achse der Kombination (Syntagmata) produzierte Sätze: s1+p1+o1: Le ciel + brille + de lumière. s2+p2+o2: Le firmament + est plein + de la vaste clarté. s1+p2+o1: Le ciel + est plein + de lumière.

13 Poetische Sprache R. Jakobson: Die poetische Funktion überträgt das Prinzip der Äquivalenz von der Achse der Selektion auf die Achse der Kombination. s1+p1+o1 s2+p2+o1s1+p3+o5 s1+p2+o3s2+p2+o4+o3.. poetischer Text = ausgewählte Kombination Le firmament est plein de la vaste clarté; Tout est joie, innocence... (Victor Hugo: Les Contemplations I/4)

14 Funktionen und Strukturen Märchenerzählung (V. Propp: Morphologie du conte, 1970) 1 éloignement-absence; 2 interdiction-prohibition; 3 transgression-violation; 4 interrogation; 5 information; 6 tromperie; 7 complicité involontaire; 8 méfait; 9 mandement; 10 départ; châtiment; 31 mariage. Krimi (Cl. Bremond: Logique du récit, 1973) 1. Rätsel 2. Nachforschung – Aufklärungstätigkeit {2.1. Prüfung der Indizien – Beobachtungen 2.2. Erstellen einer Hypothese – Schlussfolgerungen [ Erstellen eines Tests Durchführung des Tests Testerergebnis positiv] 2.3. Hypothese überprüft} 3. Rätsel gelöst. Möglichkeit von Schleifen wegen blinder Motive

15 F. Ruloff-Häny: Liebe und Geld, Held und Heldin lieben sich, aber jeder der beiden glaubt, dass der andere ihn nicht liebe. 2a. Sie lieben sich, aber er glaubt, dass sie ihn nicht liebe. 2b. Sie lieben sich, aber sie glaubt, dass er sie nicht liebe. 2c. Variation zu 2a: Sie glaubt, ihn nicht lieben zu dürfen. 2d. Variation zu 2b: Er glaubt, sie nicht lieben zu dürfen. 3a. Er glaubt, die ihn treu Liebende nicht zu lieben, erkennt aber schließlich ihren wahren Wert. 3b. Sie glaubt, den sie treu Liebenden nicht zu lieben, erkennt aber schließlich seinen wahren Wert. 4a. Erst liebt er die Falsche, dann die Richtige (diese hat unterdessen treu auf ihn gewartet). 4b. Erst liebt sie den Falschen, dann den Richtigen. 4c. Variation zu 4a: Der Frauenheld, der die wahre Liebe kennen lernt. Erst liebt er falsch, dann liebt er richtig....

16 Paradigma und Syntagma Alfred de Musset 1833 an George Sand: Quand je mets à vos pieds un éternel hommage Voulez-vous quun instant je change de visage? Vous avez capturé les sentiments dun cœur Que pour vous adorer forma le Créateur. Je vous chéris, amour, et ma plume en délire Couche sur le papier ce que je nose dire. Avec soin, de mes vers lisez les premiers mots Vous saurez quel remède apporter à mes maux.

17 Ein anderes Syntagma Kombinationskette der klassischen Paarreime aaBBccDD wahre Botschaft in einem anderen Syntagma Akrostichon – Beginn der Verszeilen untereinander George Sand: Cette insigne faveur que votre cœur réclame Nuit à ma renommée et répugne à mon âme.


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