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Der Islam in der deutschen Literatur 5 Dreimal Mahomet: Goethe contra Voltaire Heinrich Detering, WS 2015/16.

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Präsentation zum Thema: "Der Islam in der deutschen Literatur 5 Dreimal Mahomet: Goethe contra Voltaire Heinrich Detering, WS 2015/16."—  Präsentation transkript:

1 Der Islam in der deutschen Literatur 5 Dreimal Mahomet: Goethe contra Voltaire Heinrich Detering, WS 2015/16

2 Der Islam in der deutschen Literatur: Hendrik Birus

3 Le fanatisme ou Mahomet le prophète. Tragédie par M. de Voltaire Uraufführung in Lyon, 1742 in Paris, danach verboten, 1745 Papst Benedikt XIV. gewidmet, 1751 Wiederzulassung: gegen den Islam, gegen die katholische Kirche, gegen Protestantenverfolgungen, gegen den „religiösen Fanatismus“ überhaupt. 5 Akte, in Alexandrinerversen.

4 Goethes abmildernde als indirekter Kommentar Auftragsübersetzung – zur Frz. Revolution.

5 Gotthold Ephraim Lessing (Pfarrersohn aus Kamenz, Sachsen 1729 – Braunschweig 1781) Bibliothekar in Wolfenbüttel „Liebhaber der Theologie“ Das Nathan-Drama als letzter Beitrag zu Debatte mit Pastor J. M. Goeze.

6 Saladin (Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub, arabisch صلاح الدين يوسف بن أيوب kurdisch سەلاحەدینی ئەییووبی), erobert Jerusalem 1187.

7 Religion auf Lessings Theater: Symmetrie – und Linearität 1. Akt: religiöser Weltbürgerkrieg in Jerusalem 2. Akt: Saladins aufgeklärter Islam – als dritte monotheistische Offenbarungsreligion 3. Akt: Nathans Ringparabel über Offenbarungsreligionen und Sittlichkeit als Vernunftwahrheit 4. Akt: das korrumpiert-unaufgeklärte Christentum des Patriarchen vs. Saladins zur sittlichen (und pluralistisch-dialogischen) Vernunftreligion geläuterten Islam 5. Akt: religiös-humane Weltversöhnung, die interreligiöse Menschheitsfamilie

8 Lessings vs. Voltaires Familie: Verwandtschaften des Blutes und der liebenden Wahl

9 Seht den Felsenquell Freudehell Wie ein Sternenblick! Über Wolken Nährten seine Jugend Gute Geister Zwischen Klippen im Gebüsch. Jünglingsfrisch Tanzt er aus der Wolke Auf die Marmorfelsen nieder Jauchzet wieder Nach dem Himmel Durch die Gipfelgänge Jagt er bunten Kieseln nach, Und mit frühem Führertritt Reißt er seine Bruderquellen Mit sich fort. → Johann Wolfgang Goethe Mahomets Gesang (1772/73)

10 Drunten werden in dem Tal Unter seinem Fußtritt Blumen Und die Wiese Lebt von seinem Hauch. Doch ihn hält kein Schattental Keine Blumen Die ihm seine Knie umschlingen Ihm mit Liebesaugen schmeicheln Nach der Ebne dringt sein Lauf Schlangewandelnd. Bäche schmiegen Sich gesellig an Nun tritt er In die Ebne silberprangend Und die Ebne prangt mit ihm Und die Flüsse von der Ebne Und die Bäche von Gebürgen Jauchzen ihm und rufen: Bruder! →

11 Bruder nimm die Brüder mit Mit zu deinem Alten Vater Zu dem ewgen Ozean Der mit ausgespannten Armen Unser wartet Die sich ach vergebens öffnen Seine Sehnenden zu fassen Denn uns frißt in öder Wüste Gierger Sand Die Sonne droben Saugt an unserm Blut Ein Hügel Hemmet uns zum Teiche! Bruder! Nimm die Brüder von der Ebne Nimm die Brüder von Gebürgen Mit zu deinem Vater mit. →

12 Kommt ihr alle! – Und nun schwillt er Herrlicher, ein ganz Geschlechte Trägt den Fürsten hoch empor Und im rollenden Triumphe Gibt er Ländern Namen, Städte Werden unter seinem Fuß Unaufhaltsam rauscht er über Läßt der Türme Flammengipfel Marmorhäuser eine Schöpfung Seiner Fülle hinter sich. Zedernhäuser trägt der Atlas Auf den Riesenschultern, sausend Wehen über seinem Haupte Tausend Segel auf zum Himmel Seine Macht und Herrlichkeit.

13 Und so trägt er seine Brüder Seine Schätze seine Kinder Dem erwartenden Erzeuger Freudebrausend an das Herz. Zuerst veröffentlicht im Göttinger Musenalmanach 1774 als Gesang.

14 Gang des Gedichts: der Fluss von der Quelle zur Mündung die Verse von ungeregelten zu gleichmäßig- vierhebigen Trochäen Weg des Propheten von Mekka nach Medina – als angedeuteter Entwicklungsgang Weg des Schreibers selbst vom „Sturm und Drang“ zur Klassik Drei Themen-Kreise: Mahomet und Allah Fluss und Ozean / Himmel Genie und Natur Nähe und Distanz zu Goethes großen Sturm-und-Drang-Hymnen (Wandrers Sturmlied, Ganymed, An Schwager Kronos) – und zu Fausts Rede vom Wassersturz

15 Der junge Goethe studiert den Islam Erste Koran-Studien 1771/72, nach der deutschen Übersetzung Die türkische Bibel des Frankfurters David Friedrich Megerlin (dem „elenden Machwerk“) und Ludovico Marracios arabisch-lateinischer Ausgabe (1698/1721). Gleichzeitig Studien zu Mohammeds Leben nach Jean Gagnier, La vie de Mahomet (1732). Herbst 1772 – Frühjahr 1773 Ausarbeitung von Teilen eines Mahomet- Dramas, spätestens Sommer 1774 Abbruch des Projekts. Im selben Jahr der Gesang im Göttinger Musenalmanach Aufnahme des Gesangs in die Schriften, u. d. T. Mahomets Gesang erinnernder Bericht über das Drama am Ende des 14. Buchs von Dichtung und Wahrheit.

16 Aus Dichtung und Wahrheit, 14. Buch: Nach der Rheinreise mit Lavater und Basedow …wurde der Gedanke rege, daß freilich der vorzügliche Mensch das Göttliche, was in ihm ist, auch außer sich verbreiten möchte. Dann aber trifft er auf die rohe Welt, und um auf sie zu wirken, muß er sich ihr gleichstellen; hierdurch aber vergibt er jenen hohen Vorzügen gar sehr, und am Ende begibt er sich ihrer gänzlich. Das Himmlische, Ewige wird in den Körper irdischer Absichten eingesenkt und zu vergänglichen Schicksalen mit fortgerissen. … Weil ich nun aber alle Betrachtungen dieser Art bis aufs Äußerste verfolgte und über meine enge Erfahrung hinaus nach ähnlichen Fällen in der Geschichte mich umsah, so ent- wickelte sich bei mir der Vorsatz, an dem Leben Mahomets, den ich nie als einen Betrüger hatte ansehn können, jene von mir in der Wirklichkeit so lebhaft angeschauten Wege, die anstatt zum Heil, vielmehr zum Verderben führen, dramatisch darzustellen. Ich hatte kurz vorher das Leben des orientalischen Propheten mit großem Interesse gelesen und studiert, und war daher, als der Gedanke mir aufging, ziemlich vor- bereitet.

17 Das Ganze näherte sich mehr der regelmäßigen Form, zu der ich mich schon wieder hinneigte, ob ich mich gleich der dem Theater einmal errungenen Freiheit, mit Zeit und Ort nach Belieben schalten zu dürfen, mäßig bediente. Das Stück fing mit einer Hymne an, welche Mahomet allein unter dem heiteren Nachthimmel anstimmt. Erst verehrt er die unendlichen Gestirne als eben so viele Götter; dann steigt der freundliche Stern Gad (unser Jupiter) hervor, und nun wird diesem, als dem König der Gestirne, ausschließliche Verehrung gewidmet. Nicht lange, so bewegt sich der Mond herauf und gewinnt Aug‘ und Herz des Anbetenden, der sodann, durch die hervortretende Sonne herrlich erquickt und gestärkt, zu neuem Preise aufgerufen wird. Aber dieser Wechsel, wie erfreulich er auch sein mag, ist dennoch beunruhigend, das Gemüt empfindet, daß es sich nochmals überbieten muß; →

18 Diese Hymne hatte ich mit viel Liebe gedichtet; sie ist verloren gegangen, würde sich aber zum Zweck einer Kantate wohl wieder herstellen lassen und sich dem Musiker durch die Mannigfaltigkeit des Ausdrucks empfehlen. Man müßte sich aber, wie es auch damals schon die Absicht war, den Anführer einer Karawane mit seiner Familie und dem ganzen Stamme denken, und so würde für die Abwechselung der Stimmen und die Macht der Chöre wohl gesorgt sein. es erhebt sich zu Gott, dem Einzigen, Ewigen, Unbegrenzten, dem alle diese begrenzten herr- lichen Wesen ihr Dasein zu verdanken haben.

19 Mahomet Feld. Gestirnter Himmel Mahomet (allein) Teilen kann ich euch nicht dieser Seele Gefühl. Fühlen kann ich euch nicht allen ganzes Gefühl. Wer, wer wendet dem Flehen sein Ohr? Dem bittenden Auge den Blick. Sieh er blinket herauf Gad der freundliche Stern [d. i. der Jupiter]. Sei mein Herr du! Mein Gott. Gnädig winkt er mir zu! Bleib! Bleib! Wendst du dein Auge weg. Wie? liebt ich ihn, der sich verbirgt? Sey gesegnet o Mond! Führer du des Gestirns. Sei mein Herr du mein Gott! Du beleuchtest den Weg. Laß! Laß! Nicht in der Finsternis! Mich! Irren mit irrendem Volk. Sonn dir glühenden weiht sich das glühende Herz. Sei mein Herr du mein Gott! Leit allsehende mich. Steigst auch du hinab herrliche! Tief hüllet mich Finsternis ein. Hebe liebendes Herz dem Erschaffenden dich! Sei mein Herr du! mein Gott! Du allliebender du! Der die Sonne den Mond und die Stern schuf, Erde und Himmel und mich.

20 Koran, 6. Sure, 74-79: Als Abraham zu seinem Vater Azar sprach: „Nimmst du Standbilder dir zu Göttern? Siehe, dich und dein Volk sehe ich in klarem Irrtum!“ So zeigten wir Abraham die Herrschaft über die Himmel und die Erde, damit er zu den Überzeugten [den Gläubigen] gehöre. Als die Nacht über ihn hereinbrach, sah er einen Stern und sprach: „Das ist mein Herr!“ Als er aber unterging, da sprach er: „Ich liebe nicht die Untergehenden!“ Als er den Mond aufgehen sah, da sprach er: „Das ist mein Herr!“ Als er aber unterging, da sprach er: „Wenn mich mein Herr nicht leitet, gehöre ich zu den Menschen, die vom Wege abirren.“ Und als er die Sonne aufgehen sah, da sprach er: „Das ist mein Herr, denn das ist größer!“ Als sie aber unterging, da sprach er: „Mein Volk, ich habe nichts zu schaffen mit dem, was ihr beigesellt. Siehe, ich wende mich, als wahrer Gläubiger, Dem zu, der die Himmel und die Erde erschaffen hat. Und ich bin keiner von den Beigesellern.“

21 Halima (seine Pflege Mutter zu ihm) Mahomet. Mahomet Halima. O daß sie mich in diesen glückseligen Empfindungen stören muß. Was willst du mit mir Halima. [Vgl. Faust / Wagner!] Halima Ängstige mich nicht lieber Sohn, ich suche dich von Sonnen Untergang. Setze deine zarte Jugend nicht den Gefahren der Nacht aus. Mahomet Der Tag ist über dem Gottlosen verflucht wie die Nacht. Das Laster zieht das Unglück an sich, wie die Kröte den Gift, wenn Tugend unter eben dem Himmel gleich einem heilsamen Amulett die gesundeste Atmosphäre um uns erhält. Halima So allein auf dem Felde, das keine Nacht für Räubern sicher ist. Mahomet Ich war nicht allein. Der Herr, mein Gott hat sich freundlichst zu mir genaht. Halima Sahst du ihn. Mahomet Siehst du ihn nicht? an jeder stillen Quelle, unter jedem Blühen- den Baum begegnet er mir in der Wärme seiner Liebe. Wie dank ich ihm er hat meine Brust geöffnet, die harte Hülle meines Herzens weggenom- men, daß ich sein Nahen empfinden kann. [→ Legende]

22 Halima Du träumst! Könnte deine Brust eröffnet worden sein, und du leben. Mahomet Ich will für dich zu meinem Herren flehen daß du mich ver- stehen lernst. Halima Wer ist dein Gott Hobal oder Al Fatas. Mahomet Armes, unglückliches Volk das zum Steine [der noch heidni- schen Kaaba] ruft ich liebe dich, und zum Ton [dem töneren Götzenbild] sei du mein Beschützer. Haben sie ein Ohr fürs Gebet, haben sie einen Arm zur Hülfe. Halima Der in dem Stein wohnt, der um den Ton schwebt vernimmt mich, seine Macht ist groß. Mahomet Wie groß kann sie sein? es stehn dreihundert neben ihm [in Mekka], jedem raucht ein flehender Altar. Wenn ihr wider eure Nachbarn betet, und eure Nachbarn wider euch, müssen nicht eure Götter wie kleine Fürsten deren Grenzen verwirrt sind, mit unauflöslicher Zwie- tracht sich wechselsweise die Wege versperren. Halima Hat dein Gott denn keine Gesellen. Mahomet Wenn er sie hätte könnt er Gott sein?.

23 Halima Wo ist seine Wohnung? Mahomet Überall. Halima Das ist nirgends. Hast du Arme den ausgebreiteten zu fassen. Mahomet Stärkere brennendere als diese, die für deine Liebe dir danken. Noch nicht lange daß mir ihr Gebrauch verstattet ist. Halima, mir war‘s wie dem Kinde das ihr in enge Windlen schränkt, ich fühlte in dunkler Einwickelung Arme und Füße, doch es lag nicht an mir mich zu befreien. Erlöse du mein Herr, das Menschengeschlecht von seinen Banden, ihre innerste Empfindung sehnt sich nach dir. Halima (vor sich) Er ist sehr verändert. Seine Natur ist umgekehrt, sein Verstand hat gelitten. Es ist besser ich bring ihn seinen Verwandten jetzo zurück, als daß ich die Verantwortung schlimmer Folgen auf mich lade. Goethe in „Dichtung und Wahrheit“, 1814: Nachdem sich also Mahomet selbst bekehrt, teilt er diese Gefühle und Gesinnungen den Seinigen mit; seine Frau und Ali [sein Schwiegersohn] fallen ihm unbedingt zu. Im zweiten Akt versucht er selbst, heftiger aber Ali, diesen Glauben in dem Stamme weiter auszubreiten. Hier zeigt sich Bestimmung und Wider- setzlichkeit, nach Verschiedenheit der Charaktere.

24 Der Zwist beginnt, der Streit wird gewaltsam, und Mahomet muß ent- fliehn. Im dritten Akt bezwingt er seine Gegner, macht seine Religion zur öffentlichen, reinigt die Kaaba von den Götzenbildern; weil aber doch nicht alles durch Kraft zu tun ist, so muß er auch zur List seine Zuflucht nehmen. Das Irdische wächst und breitet sich aus, das Göttliche tritt zu- rück und wird getrübt. Im vierten Akt verfolgt Mahomet seine Eroberun- gen, die Lehre wird mehr Vorwand als Zweck, alle denkbaren Mittel müssen benutzt werden; es fehlt nicht an Grausamkeiten. Eine Frau, deren Mann er hat hinrichten lassen, vergiftet ihn. Im fünften [Akt] fühlt er sich vergiftet. Seine große Fassung, die Wiederkehr zu sich selbst, zum höhe- ren Sinne, machen ihn der Bewunderung würdig. Er reinigt seine Lehre, befestigt sein Reich und stirbt.... Alles, was das Genie durch Charakter und Geist über die Menschen vermag, sollte dargestellt werden, und wie es dabei gewinnt und verliert. Mehrere einzuschaltende Gesänge wurden vorläufig gedichtet: von denen ist allein noch übrig, was überschrieben Mahomets Gesang unter meinen Gedichten steht. Im Stücke sollte Ali, zu Ehren seines Meisters, auf dem höchsten Punkte des Gelingens diesen Gesang vortragen, kurz vor der Umwendung, die durch das Gift geschieht.

25 Ali: Seht den Felsenquell Freudehell, Wie ein Sternenblick! Fatema: Über Wolken Nährten seine Jugend Gute Geister, Zwischen Klippen Im Gebüsch. Ali: Jünglingsfrisch Tanzt er aus der Wolke Auf die Marmorfelsen nieder, Jauchzet wieder Nach dem Himmel. Fatema: Durch die Gipfelgänge Jagt er bunten Kieseln nach. Ali: Und mit festem Führertritt Reißt er seine Brüderquellen Mit sich fort.

26 Fatema: Drunten werden in dem Tal Unter seinem Fußtritt Blumen, Und die Wiese lebt von Seinem Hauch. Ali: Doch ihn hält kein Schattental, Keine Blumen, Die ihm seine Knie‘ umschlingen, Ihm mit Liebesaugen schmeicheln; Nach der Ebne dringt sein Lauf Schlangewandelnd. Fatema: Bäche schmiegen Sich gesellschaftlich an ihn; Und nun tritt er in die Ebne Silberprangend. Ali: Und die Ebne prangt mit ihm! Und die Flüsse von der Ebne, Fatema: Und die Bächlein von Gebirgen Jauchzen ihm, und rufen: Beide: Bruder! / Bruder, nimm die Brüder mit!

27 Fatema: Mit zu deinem alten Vater, Zu dem ewgen Ozean, Der, mit weitverbreit‘ten Armen Unsrer wartet, Die sich, ach! vergebens öffnen, Seine sehnenden zu fassen. Ali: Denn uns frißt, in öder Wüste, Gierger Sand; die Sonne droben Saugt an unserm Blut; Ein Hügel Hemmet uns zum Teiche. Bruder! Nimm die Brüder von der Ebne! Fatema: Nimm die Brüder von Gebirgen! Beide: Mit zu deinem Vater! mit!

28 Ali: Kommt ihr alle! / Und nun schwillt er herrlicher; (Ein ganz Geschlechte / Trägt den Fürsten hoch empor;) Triumphiert durch Königreiche; Gibt Provinzen seinen Namen; Städte werden unter seinem Fuß! Fatema: Doch ihn halten keine Städte, Nicht der Türme Flammengipfel, Marmorhäuser, Monumente Seiner Güte, seiner Macht. Ali: Zedernhäuser trägt der Atlas Auf den Riesenschultern; sausend Wehen, über seinem Haupte, Tausend Segel auf zum Himmel Seine Macht und Herrlichkeit. Und so trägt er seine Brüder, Fatema: Seine Schätze, seine Kinder, Beide: Dem erwartenden Erzeuger Freudebrausend an das Herz!

29 Zweimal Mahomet: Goethe contra Voltaire Mahomet als Betrüger – oder als Inbegriff des „Genies“ Religion als Mittel zum Zweck der Selbsterhöhung und Macht – oder als reinste Erscheinungsform der Kunst i. S. d. Genieästhetik Politik als Ziel – oder als Verfälschung und Entfremdung des (wiederzufindenden) kunst-religiösen Ursprungs „Islam“ i. w. S. als Grundform allen monotheistischen Glaubens

30 …und ein unerwarteter Schüler von Goethes Mahomet Thomas Mann: Joseph und seine Brüder, Bd. 2: Der junge Joseph (1931/32)

31 Wie Abraham Gott entdeckte Um es vor Gott und den Menschen zu irgendwelcher Ansehnlichkeit und Bedeutung zu bringen, war es nötig, dass man die Dinge – oder wenig- stens ein Ding – wichtig nahm. Urvater hatte die Frage unbedingt wichtig genommen, wem der Mensch dienen solle, und seine merkwürdi- ge Antwort darauf war gewesen: ‚Dem Höchsten allein.’ Merkwürdig in der Tat! Es sprach aus der Antwort ein Selbstgefühl, das man fast hof- färtig und überhitzt hätte nennen können. … Es fing damit an, dass Abram dachte, der Mutter Erde allein gebühre Dienst und Anbetung, denn sie bringe Früchte und erhalte das Leben. Aber er bemerkte, dass sie Regen brauche vom Himmel. Also sah er sich an dem Himmel um, sah die Sonne in ihrer Herrlichkeit, Segens- und Fluchgewalt und war auf dem Punkt, sich für sie zu entscheiden. Da jedoch ging sie unter, und er überzeugte sich, sie könne also nicht wohl das Höchste sein. Also blickte er auf den Mond und die Sterne – auf diese sogar mit besonderer Neigung und Hoffnung. …

32 Ja, dies mochte die List Gottes gewesen sein, der in Abiram sich zu verherrlichen und sich durch ihn einen Namen zu machen gedachte, dass er durch seine Mondliebe ersten Widerspruch und Unruhe in ihm erregt, sie zu eigenen Zwecken benutzt … hatte. … „Es wäre unschicklich für mich, den Menschen, ihnen [den Himmels- körpern] zu dienen und nicht vielmehr dem, der über sie gebietet.“ Und Abrahams Sinn lag der Wahrheit an so inständig-kummervoll, dass es Gott den Herrn aufs tiefste rührte und er bei sich sprach: „Ich will dich salben mit Freudenöl mehr denn deine Gesellen!“ So hatte Abraham Gott entdeckt aus Drang zum Höchsten, hatte ihn lehrend weiter ausgeformt und hervorgedacht und allen Beteiligten eine große Wohltat damit erwiesen: dem Gotte, sich selbst und denen, deren Seelen er lehrend gewann. … Schon richtig, dass Abram die Eigenschaf- ten Gottes mit Hilfe der eigenen Seelengröße ausmachte – ohne diese hätte er sie nicht aus-zumachen und zu benennen gewusst, und sie wären im Dunkel geblieben. Darum blieb Gott aber doch ein gewaltig Ich sagendes Du außer Abraham und außer der Welt. Er war im Feuer, aber nicht das Feuer …

33 Von Mahomet zum Divan: Goethe, in Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des „West-östlichen Divan“ (1819) Mahomet Da wir bei unsern Betrachtungen vom Stand- punkte der Poesie entweder ausgehen oder doch auf denselben zurückkehren, so wird es unsern Zwecken angemessen sein, von genann- tem außerordentlichen Manne vorerst zu erzählen, wie er heftig behauptet und beteuert: Er sei Prophet und nicht Poet [69, 40f.], und daher auch sein Koran als göttliches Gesetz und nicht etwa als menschliches Buch, zum Unterricht oder zum Vergnügen, anzusehen. Wollen wir nun den Unter- schied zwischen Poeten und Propheten näher andeuten, so sagen wir: Beide sind von einem Gott ergriffen und befeuert, der Poet aber vergeudet die ihm verliehene Gabe im Genuss, um Genuss hervorzubringen, Ehre durch das Hervorgebrachte zu erlangen, allenfalls ein bequemes Leben. Alle übrigen Zwecke versäumt er …

34 Der Prophet hingegen sieht nur auf einen einzigen bestimmten Zweck; solchen zu erlangen, bedient er sich der einfachsten Mittel. Irgendeine Lehre will er verkünden und, wie um eine Standarte, durch sie und um sie die Völker versammeln. Hiezu bedarf es nur, dass die Welt glaube; er muss also eintönig werden und bleiben, denn das Mannigfaltige glaubt man nicht, man erkennt es. – Der ganze Inhalt des Korans, um mit wenigem viel zu sagen, findet sich zu Anfang der zweiten Sura und lautet folgendermaßen: „Es ist kein Zweifel in diesem Buch. Es ist eine Unter- richtung der Frommen, welche die Geheimnisse des Glaubens für wahr halten, die bestimmten Zeiten des Gebets beobachten und von demjeni- gen, was wir ihnen verliehen haben, Almosen austeilen; und welche der Offenbarung glauben, die den Propheten vor dir herabgesandt worden, und gewisse Versicherung des zukünftigen Lebens haben: Diese werden von ihrem Herrn geleitet und sollen glücklich und selig sein. Die Ungläu- bigen betreffend, wird es ihnen gleichviel sein, ob du sie vermahnest oder nicht vermahnest; sie werden doch nicht glauben. Gott hat ihre Herzen und Ohren versiegelt. Eine Dunkelheit bedecket ihr Gesicht, und sie werden eine schwere Strafe leiden.“

35 Und so wiederholt sich der Koran Sure für Sure. Glauben und Unglauben teilen sich in Oberes und Unteres; Himmel und Hölle sind den Bekennern und Leugnern zugedacht. Nähere Bestimmung des Gebotenen und Ver- botenen, fabelhafte Geschichten jüdischer und christlicher Religion, Amplifikationen aller Art, grenzenlose Tautologien und Wiederholungen bilden den Körper dieses heiligen Buches, das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von neuem anwidert [widrig ist], dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt. Worin es daher jedem Geschichtsforscher von der größten Wichtigkeit bleiben muss, sprechen wir aus mit den Worten eines vorzüglichen Mannes [Jacob Golius, 1656, zit. nach George Sales Einleitung zu seiner Koran-Übersetzung]: „Die Hauptabsicht des Korans scheint diese gewe- sen zu sein, die Bekenner der drei verschiedenen, in dem volkreichen Arabien damals herrschenden Religionen, die meistenteils vermischt untereinander in den Tag hinein lebten und ohne Hirten und Wegweiser herumirrten, … in der Erkenntnis und Verehrung des einigen, ewigen und unsichtbaren Gottes… zu vereinigen und sie alle zu dem Gehorsam des Mahomet, als des Propheten und Gesandten Gottes, zu bringen …“

36 Nun wünscht’ ich aber, dass nichts den ersten guten Eindruck des gegenwärtigen Büchleins hindern möge. Ich entschließe mich daher, zu erläutern, zu erklären, nachzuweisen, und zwar bloß in der Absicht, dass ein unmittelbares Verständnis Lesern daraus erwachse, die mit dem Osten wenig oder nicht bekannt sind. Dagegen bedarf derjenige dieses Nachtrags nicht, der sich um Geschichte und Literatur einer so höchst merkwürdigen Weltregion näher umgetan hat. Er wird vielmehr die Quellen und die Bäche leicht bezeichnen, deren erquickliches Nass ich auf meine Blumenbeete geleitet. – Am liebsten aber wünschte der Verfasser vorstehender Gedichte als ein Reisender angesehen zu werden, dem es zum Lob gereicht, wenn er sich der fremden Landesart mit Neigung bequemt, deren Sprachgebrauch sich anzueignen trachtet, Gesinnungen zu teilen, Sitten aufzunehmen versteht. Man entschuldigt ihn, wenn es ihm auch nur bis auf einen gewissen Grad gelingt, wenn er immer noch an einem eigenen Akzent, an einer unbezwinglichen Unbiegsamkeit seiner Landsmannschaft als Fremdling kenntlich bleibt. …

37 Damit aber alles, was der Reisende zurückbringt, den Seinigen schneller behage, übernimmt er die Rolle eines Handelsmanns, der seine Waren gefällig auslegt und sie auf mancherlei Weise angenehm zu machen sucht; ankündigende, beschreibende, ja lobpreisende Redensarten wird man ihm nicht verargen. Zuvörderst also darf unser Dichter wohl aussprechen, dass er sich, im Sittlichen und Ästhetischen, Verständlichkeit zur ersten Pflicht gemacht, daher er sich denn auch der schlichtesten Sprache, in dem leichtesten, fasslichsten Silbenmaß seiner Mundart befleißigt und nur von weitem auf dasjenige hindeutet, wo der Orientale durch Künstlichkeit und Künstelei zu gefallen strebt. Das Verständnis jedoch wird durch manche nicht zu vermeidende fremde Worte gehindert, die deshalb dunkel sind, weil sie sich auf bestimmte Gegenstände beziehen, auf Glauben, Meinungen, Herkommen, Fabeln und Sitten. Diese zu erklären heilt man für die nächste Pflicht und hat dabei das Bedürfnis berücksichtigt, das aus Fragen und Einwendungen deutscher Hörenden und Lesenden hervorging.

38 Ein angefügtes Register bezeichnet die Seite, wo dunkle Stellen vorkommen, und auch wo sie erklärt werden. Dieses Erklären aber geschieht in einem gewissen Zusammenhang, damit nicht abgerissene Noten, sondern ein selbständiger Text erscheine, der, obgleich nur flüchtig behandelt und lose verknüpft, dem Lesenden jedoch Übersicht und Erläuterung gewähre. Möge das Bestreben unseres diesmaligen Berufes angenehm sein! Wir dürfen es hoffen: Denn in einer Zeit, wo so vieles aus dem Orient unserer Sprache treulich angeeignet wird, mag es verdienstlich erscheinen, wenn auch wir von unserer Seite die Aufmerksamkeit dorthin zu lenken suchen, woher so manches Große, Schöne und Gute seit Jahrtausenden zu uns gelangte, woher täglich mehr zu hoffen ist.


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