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Entstehen in Abhängigkeit III Paticcasamuppâda Der dritte Talk in der Mahabodhi Buddhistischen Begegnungsstätte Lindenfels Christoph Lübbert 18. Mai 2009.

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1 Entstehen in Abhängigkeit III Paticcasamuppâda Der dritte Talk in der Mahabodhi Buddhistischen Begegnungsstätte Lindenfels Christoph Lübbert 18. Mai 2009 © 2007 Dr.C.Lübbert - elektronische Weiterverwendung nicht ohne Zustimmung des Autors

2 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 2 Übersicht über alle Talks Vorwort (9.5.09) –Zur Einstimmung und der Sichtweise Entstehen in Abhängigkeit I (9.5.09) –Abhängigkeiten in der Automatik der Leiderzeugung Entstehen in Abhängigkeit II ( ) –Praktische Anwendung: Achtsamkeit statt Schuldzuweisungen Entstehen in Abhängigkeit III ( ) –Keine Spur hinterlassen: Erste Ahnung, was mit Unwissenheit einerseits und Weisheit andererseits wirklich gemeint ist. Quellen: –Alle Zitate sind dem Dreikorb (Tipitaka ={Suttapitaka, Vinayapitaka, Abhidhamma- pitaka} ), und zwar hauptsächlich aus dem Suttapitaka, dem Korb (pitaka) der Lehrreden (sutta) des Buddha, entnommen. Nummerierung nach PTS

3 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 3 Teil III – Entstehen in Abhängigkeit – Keine Spur hinterlassen Yesam° sannicayo natthi, ye pariññâtabhojanâ suññato animitto ca vimokkho yesam° gocaro âkâseva sakuntânam° gati tesam° durannayâ (Dhammapada 92) Wer nichts anhäuft und weise in der Aufnahme jeglicher Nahrung ( bhojana ) ist, wessen Ziel das Leere ( suññato ), die bedingungslose Freiheit ( vimokkho ) ist, der hinterlässt, so wie ein Vogel ( sakunta ) in der Luft, keine Spur ( kamma ). Rückschau auf Paticcasamuppâda Teil I und II Folgenden Fragen wollen wir uns im heutigen Teil III annähern: Was ist mit Weisheit ( Gegenteil zu Unwissenheit) gemeint? Welches sind die Herzensmerkmale der Weisheit? Wo verbergen sich spirituelle Fallen? Was heißt das: keine Spur hinterlassen?

4 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 4 ich und mein III – Rückschau auf Teil I (Automatik der dukkha-Erzeugung in Unwissenheit) avijja Verblendung sankhârâ Geistesaktivitäten viňňâna Bewusstsein nâma-rûpa Geist-Körper-System salâyatana 6 Sinnesgrundlagen phassa Kontakt vedanâ Bewertung (+,-,0) tanhâ Verlangen upâdâna Anklammern bhava Entstehen, Reifen jâti Zutagetreten dukkha Leid, Unzufriedenheit anicca Vergänglich, prozesshaft anatta substanzlos ohne Selbst leer anatta Substanzlos, ohne Selbst, leer

5 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 5 III – Rückschau auf Teil II (praktischer Teil) Schritt 1: Leid als Chance; aus Dukkha lernen ich und mein avijjâ Verblendung sankhârâ Geistesaktivitäten viňňâna Bewusstsein nâma-rûpa Geist-Körper-System salâyatana 6 Sinnesgrundlagen phassa Kontakt vedanâ Bewertung (+,-,0) tanhâ Verlangen upâdâna Anklammern bhava Entstehen, Reifen jâti Geburt, Zutagetreten Dukkha-Fall Leid, Gekränktheit, Unzufriedenheit anicca anatta Keine Schuldzuweisungen, keine Rachegefühle, keine Beschönigungen, keine Vertuschungen, kein Selbstmitleid !! Damit wäre der Lerneffekt von dukkha zunichte, und alles ginge von vorne los; avijjâ bliebe unverändert !

6 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 6 III – Rückschau auf Teil II (praktischer Teil) Schritt 2: Achtsamkeit bei den Anfängen ich und mein avijjâ Verblendung sankhârâ Geistesaktivitäten viňňâna Bewusstsein nâma-rûpa Geist-Körper-System salâyatana 6 Sinnesgrundlagen phassa Kontakt vedanâ Bewertung (+,-,0) tanhâ Verlangen upâdâna Anklammern bhava Entstehen, Reifen jâti Geburt, zutage Treten dukkha Leid, Unzufriedenheit Bei einem Anlass / Kontakt ( phassa ) sich der (vorbe- wussten) Bewer- tung ( vedanâ ) bewusst zu werden versuchen ( schwer! ) oder, wenn möglich, das Ereignis gar nicht bewerten ( sehr schwer! ) anicca anatta

7 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 7 III Rückschau – Verbliebene Fragen (1) Warum sagt man, dass upâdâna (Festhalten / sich Verbeißen / Bean- spruchung) in jedem Fall unvermeidlich zu einer dukkha-Situation (von Unzulänglichkeit bis Desaster) führt? –Das wurde bezweifelt, besonders in dem Fall, dass ein Festhalten an einem Vorsatz / einem Konzept / einem Wunsch guten Erfolg hat, d.h. zu einer Befriedigung, ja sogar zur Verbesserung einer Situation führen kann. Antwort: –Mit upâdâna ist immer eine von Verblendung (avijjâ) geprägte Steigerung eines (ebenfalls unreflektierten) Verlangens (tanhâ) gemeint. Upâdâna hat daher stets die Eigenschaft, auch und gerade nach einer vorläufigen Befriedigung, mehr zu wollen. (Wer das nicht wahrhaben will, macht sich schlicht was vor). –Die Befriedigung ist unbeständig (anicca), wie alles bedingt Entstandene. Endlos dauernde Befriedigung gibt es nicht! –Dann kommt unweigerlich mehr, mehr!, weil upâdâna nach Befriedigung nie abnimmt, sondern, durch sie genährt und gestärkt wird. Den krassesten, am leichtesten verständ- lichen Fall nennt man Sucht – und die ist stets mit dukkha verbunden. –Upâdâna kann dann höchstens durch Eintreten eines deftigen Desasters gestoppt werden, und das ist dukkha (aus dem man, falls man daraus klug geworden ist, lernen kann). Das ist nicht pessimistisch, - das ist halt so (der Wirklichkeit gemäß, wie Buddha sagt)

8 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 8 III Rückschau – Verbliebene Fragen (2) Was hat anicca (Unbeständigkeit) / anattâ (Substanzlosigkeit) mit avijjâ und dukkha zu tun? –anicca / anattâ – diese 2 Begriffe standen im Teil I und II auf vielen Folien, ohne dass direkt und ausführlich darauf eingegangen wurde. Antwort: –Wir versuchten zu vermitteln, dass dukkha nicht durch Unbeständigkeit und Substanz- losigkeit der Dinge erzeugt wird, sondern dadurch, dass unser Ich-Geist an Dingen hängt / festklammert, womit er ständig übersieht, dass alles, ausnahmslos alles, was bedingt entsteht, prozesshaft ist (Buddha hatte dafür die Worte unbeständig(anicca) und substanzlos(anattâ), also nicht ewig) - einschließlich unserem eigenen Geist-Körper- System und dem damit einhergehenden Ich-Gefühl. –Dass also die ich-und-mein Vorstellung, die ja naturgemäß alles erworbene Gut festhalten und alles Unangenehme fernhalten will, der eigentliche Grund dafür ist, dass wieder und wieder Stress, Unzufriedenheit, Sorge, Angst usw., kurz dukkha, entsteht. Denn Klammern geht immer über die Zeit hinaus, der ein Wunschobjekt zugemessen ist. –Ablassen von Klammern (upâdâna) ohne dukkha ist unmöglich. –Dukkha kommt nicht von anicca/anatta sondern von der unwissenden und daher klammernden Einstellung zu Ich-und-Mein.

9 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V1.0 9 III Rückschau – Verbliebene Fragen (3) Ist also das Ego etwas Verwerfliches? Antwort: NEIN – SO EIN UNSINN! –Auf so eine Idee könnten vielleicht fehlgeleitete ehemalige Katholiken kommen, die ihr Heil nun in der unverstandenen Lehre Buddhas suchen, weil sie mit dem westorientalischen Sünde-Prinzip nicht fertiggeworden sind. –Die Individualisierung der Menschheit – sie begann vielleicht in der Jungsteinzeit (vor ca – 7000 Jahren) und hatte ihren ersten Höhepunkt um die Zeit, in der Homer, der Buddha, die griechischen Vorsokratiker, Sokrates und die großen chinesischen Weisen des Dao lebten (6. – 4. Jh. vC.) – war ein bedeutender und folgenschwerer Entwicklungsschritt. –Sie hat uns den Ackerbau, die Bildung von Stadtstaaten, später Imperien und Nationen, die Naturwissenschaften und das Industrie- und vor kurzen das Informationszeitalter beschert. –Damit entstand und wuchs das sogenannte Bewusstsein (viññâna) von der Trennung zwischen Innen und Außen. Also das Prinzip der Dualisierung. –Die Projektion von Individualität und Bewusstsein nach außen führte zu den Hochreligionen und den prä-spirituellen, personalisierten Instanzen (Götter, Dämonen, Engel,...) –und bald zur bislang extremsten dualistischen Abstraktion: dem Ego auf der einen Seite und dem einen außerweltlichen Gott auf der anderen Seite. –All das ist ein natürlicher und großartiger Prozess der Evolution des Kosmos, der weitergehen und sich selbst zur nächsten Stufe transzendieren wird. –Es geht nicht darum, das Ego zu verwerfen, sondern es zu transzendieren und es so in eine höhere Bewusstseinsstufe zur integrieren. Buddha war der Erste, dem das in unübertroffener Weise gelungen ist – bereits vor 2 ½ tausend Jahren, nach 6 Jahren Askese, in nur 3 Nachtwachen.

10 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Was ist mit Weisheit gemeint? (1) Weisheit wächst, je weniger Spuren wir in unserem Geist hinterlassen. Sie ist voll ausgebildet, wenn alle Spuren – sowohl von schlechten als auch guten Erlebnissen – verschwunden sind, und wenn neue – gute und schlechte – Erlebnisse keinen nennenswerten Einfluss mehr auf unseren Geist haben. Das sieht aus wie ein Paradox: –Für gewöhnlich meint man, Weisheit wächst durch Zunahme von Erfahrung und Wissen. Denn wie sollten wir uns besser verhalten, ohne aus Erfahrung gelernt zu haben. –Es scheint auf den ersten Blick auch einigem zu widersprechen, was wir in den Talks I und II gesagt haben. Zum Beispiel Dukkha als Chance; aus Leiderfahrung lernen. In Buddhas Sutren aber finden sich viele Stellen, die besagen, dass Unwissenheit abnimmt und Weisheit zunimmt durch Leerwerden von Vorstellungen und Konzepten, durch Leerwerden von der ich-und-mein- Vorstellung.

11 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Was ist mit Weisheit gemeint? (2) Wird man also weise, wenn man gar keine Erfahrungen mehr macht und gar kein Wissen mehr sammelt? Nein, natürlich nicht. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man weiß, was mit Spuren hinterlassen gemeint ist: –Es sind die Spuren, welche die unreflektierte ich-und-Mein-Vorstellung ins Zentrum des Bewusstseins stellen; –Spuren, welche die Vorstellung verfestigen, ich-und-mein – und damit zugleich die aus dem Ich-Geist gesehene Außenwelt – seien das Ende der Fahnenstange, das man im Leben einsehen kann. –Für solche Spuren hat Buddha das (schon vor ihm vorhandene) Wort Karma (pâli: kamma = Tat) benutzt und es auf geistige, ich-bezogene Absichten verfeinert. So einfach ist es nun aber wieder nicht: –Wenn man sich etwa vornimmt Ich will – wenigstens gegen Ende meines Lebens – weise geworden sein!, dann wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit das Gegenteil erreichen. –Denn dann hat man den Vorsatz, weise zu werden, zu einer Ego-Sache gemacht, also zu etwas, das wieder Spuren hinterlässt! Das kann sogar in die Katastrophe führen, es kann zur Lebenslüge werden: Eine spirituelle Falle (wir kommen darauf zurück).

12 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Die Herzensmerkmale der Weisheit (1) Weisheit, rein intellektuell, ist keine! Zum Wachsen von Weisheit (paññâ) gehört das Wachsen der vier Herzensmerkmale (der göttlichen Verweilzustände brahmavihâra) –Mettâ – nicht-begrenzte Liebe –Karunâ - nicht-begrenztes Mitgefühl –Muditâ – nicht-begrenzte Mitfreude –Upekkhâ – Ausgeglichenheit / Gleichmut Sie wachsen, wenn zum Beispiel –Dosa und lobha – kurz: tanhâ (Hass/Abneigung und Begierde) –Kurûratta (Gefühllosigkeit / Grausamkeit) –Patigha und issâ (Groll und Neid) –Vicikicchâ / Kankhâ (Zweifel / Unruhe) abnehmen. Das sind ja alles Merkmale, die aus der unreflektierten ich-und-mein-Zentriertheit kommen.

13 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Die Herzensmerkmale der Weisheit? (2) Das Wachsen von Weisheit erkennt man am besten aus dem Wachsen dieser vier Herzensmerkmale (oben) und dem Abnehmen der ego-zentrierten Eigenschaften (Beispiele unten). Intellektuelles Wissen trägt dagegen viel weniger zur Weisheit bei. Die Herzensmerkmale kann man zwar versuchen, in der Meditation zu entwickeln durch Anstrengung (vâyâma), Achtsamkeit (sati) und Sammlung (samâdhi), wirkungsvoller aber wachsen sie in der tätigen sozialen Praxis des Alltags. Dass sie wirklich aufkeimen, dazu bedarf es etwas anderem; etwas das man nicht herstellen kann; etwas für das man sich öffnen kann, für das man bereit ist: Es ist der Blitz der Einsicht. Er kommt unerwartet. Er ist nicht erzwingbar. Er vergeht wieder, aber er nimmt ein wenig von den Spuren des Geistes weg und gibt Raum für die Vier Herzensmerkmale. Sie treten in diesem Augenblick von allein auf, ohne eigenes Zutun.

14 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Wo verbergen sich spirituelle Fallen? (1) Ohne wenigstens einen solchen Blitz können Weisheit und die Vier Herzensmerkmale mettâ, karuna, muditâ, upekkhâ nicht wirklich aufkommen. Ohne den Blitz simuliert man sie auf der Ethik-Ebene (sila). Daran ist nichts Falsches, aber das ist nur eine Vorstufe. Man muss sich bewusst sein, dass es dann zwar nicht unheilsame aber doch ich- bezogene Bemühungen bleiben. Sie (die Simulation) hat noch nichts mit Weisheit zu tun. Ins Unheilsame verkehren sich solche Bemühungen, wenn man sich einredet, man würde die Vier Herzensmerkmale mit ihnen erzeugen! – Das ist eine spirituelle Falle, eine Selbsttäuschung, die üble Folgen haben kann, wenn man es nicht erkennt.

15 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Wo verbergen sich spirituelle Fallen? (2) Eine weitere spirituelle Falle kann nach so einem Einsichtsblitz auftreten: Man meint, es endlich geschafft zu haben, man ist stolz darauf: Ich hatte meinen Blitz der Einsicht (ein typisches ich-und-mein- Phänomen!). Das ist ein fataler spiritueller Unfall! Wenn man dann genau hinschaut, ist nichts von den Vier Herzensmerk- malen übrig geblieben, also alle Weisheit wieder futsch!! Erwartet man ihn (den Blitz), arbeitet man (z.B. in der Meditation) auf ihn hin, macht man ihn zu einem Wunschobjekt, so geschieht genau das Gegenteil: Man durchläuft den ganzen Apparat des ich-haften Bedingungskreises (paticcasamuppâda – Talk I). Über vedanâ, tanhâ, upâdâna... bis dukkha. Und mettâ, karuna, muditâ, upekkhâ bleiben aus.

16 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Wo verbergen sich spirituelle Fallen? (3) Tanhâ ist dann das Verlangen nach Einsicht Upâdâna ist dann das Festhalten an der Erinnerung des Einsichtsblitzes Dukkha ist die Ungeduld, Enttäuschung und Resignation darüber, dass er nicht mehr eintritt. Man hat wieder Spuren gelegt. Daher: Wenn man mal so einen kleinen Einsichtsblitz gehabt hat, sage man sich: VERGISS ES, VERGISS ES UND TU DEINE NÄCHSTE ARBEIT IN FRIEDEN.

17 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Keine Spur hinterlassen (1) Vergiss es und tu deine nächste Arbeit in Frieden: Fährt man aber geduldig, mit Vertrauen fort, Anstrengung, Achtsamkeit und Sammlung zu üben – in Meditation und sozialer Alltagspraxis, –ohne dem vergangenen Einsichtsblitz nachzuhängen, –ohne ihn zu erwarten, –ohne ihn zu einem Wunschobjekt zu machen So mag er wiederkommen, immer häufiger, immer klarer... Aber es können Wochen, Monate, Jahre darüber vergehen. In der Zwischenzeit bemühe man sich um mettâ (Liebe) und karuna (Mitgefühl) auf ethischer Basis (sila), und wisse, dass dies Simulationen sind. Das Üben ethischen Verhaltens ist absolut notwendig, aber keineswegs hinreichend zur Annäherung an Weisheit.

18 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Keine Spur hinterlassen (2) All das nicht, weil es jemand (Gesellschaft / Kirche / Gott oder irgendeine andere äußere Instanz) gebietet, sondern weil es für das Individuum und somit fürs Ganze heilsam ist; die Transzendierung auf die nächste Entwicklungsstufe fördert. Schließlich noch einmal: Was heißt es Keine Spuren hinterlassen? – und zwar weder gute noch böse Spuren, sondern eben überhaupt keine. – Das ist Verschwinden: –Verschwinden der ich-und-mein Zentrierung –Verschwinden der ich-und-mein Vorstellung Spuren entstehen durch Festhalten (upâdâna), Festhalten entsteht durch Verlangen (tanhâ), Verlangen entsteht durch Bewertung (vedanâ), wenn man nicht aufpasst. Bewertet wird das Wahrgenommene beim Kontakt (phassa), Kontakt ist ermög- licht durch die 6 Sinnesgrundlagen (salâyatana), Sinnesgrundlagen sind unver- zichtbarer Teil des Geist-Körper-Systems (nâma-rûpa), und dieses ist untrennbar verbunden mit dem geistigen Gesamt-Zustand (Bewusstsein, viññâna), der fortwährend genährt und verändert wird durch Geistesaktivitäten (sankhârâ).

19 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V III Keine Spur hinterlassen (3) Wenn diese in Unwissenheit (avijjâ) erfolgen, kommt diese ganze Kette zustande, die wegen avijjâ letztendlich als leidbehaftet erscheint. Diese Spuren reifen (langsam oder schnell, bhava), treten schließlich zu Tage (jâti) als leidbehaftete Phänomene (dukkha). Die Leidbehaftetheit ist mit dem Klammern (upâdâna) völlig unvermeid- lich. Wers nicht glaubt, ist von Weisheit (pañña) noch weit entfernt. Wer es weiß, ist einen Millimeter weiter, und dukkha verliert seine Schärfe. Das ist kurz noch einmal die gesamte Aussage des Paticcasamuppâda. Keine Spur hinterlassen. Unverhofft trifft dich der Blitz. Es gibt keine Garantie. Niemand hilft dir dabei. Buddha ist tot, nur seine Lehre lebt (dhamma). Mit dhamma musst du es ganz alleine tun. Wenn dus ge- schafft hast, kommt die echte Liebe (mettâ) von selbst, ohne dein Zutun. Ich danke Euch sehr

20 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V Abkürzungen & Referenzen zum Palikanon (1) A Anguttara-Nikáya – Angereihte Sammlung (Teil des SP) AP Abhidhamma Pitaka (Korb der Höheren Lehrreden – scholastische Philosophie, später als Buddha) Abh.S Abhidhammattha-Sangaha D Dígha-Nikáya – Sammlung der längeren Lehrreden (Teil des SP) Dhp Dhammapada Dhs Dhammasanganí It Itivuttaka K Kommentar zum Anguttara-Nikáya (Manorathapúraní) Kath Kathávatthu – strittige Themen (Teil des AP) KhN Khuddaka-Nikâya (Teil des SP) Kom Kommentar M Majjhima-Nikáya – Mittlere Sammlung (Teil des SP) Mil Milinda-Pañhá, MNid Mahá-Niddesa MvMahá-vagga (Teil des VP)

21 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V Abkürzungen & Referenzen zum Palikanon (2) PPâli Patth Patthána Pts Patisambhidá-Magga PTS Pali Text Society, London Pug Puggala-Paññatti Skr Sanskrit S Samyutta-Nikáya – Sammlung der Gruppierten Lehrreden (Teil des SP) SPSuttapitaka (Korb der Lehrreden) SnK Kommentar Buddhagosas zum Sutta-Nipáta (Paramattha- jotiká) Snp Sutta-Nipáta Thag Theragáthá Ud Udána Vibh Vibhanga Vis Visuddhi-Magga VPVinayapitaka (Korb der Ordensregeln) Yam Yamaka

22 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V Verwendete Quellen (1) Einige Lehrreden aus dem Pâli-Kanon zur Bedingten Entstehung: Sutta Pitaka / Khuddaka-Nikâya / Sutta-Nipáta: –Snp III,12 Sutta Pitaka / Majjhimanikaya: –M9 – Rechte Einsicht –M11 – Löwengebrüll (kleines Sutta) –M18 – Honigkuchen Sutta –M38 – Vernichtung des Durstes (großes Sutta) Sutta Pitaka / Dighanikaya: –D14 – Mahāpadāna Sutta, Offenbarung –D15 – Mahānidāna Sutta, Abkunft Sutta Pitaka / Samyuttanikaya: –S12 – Nidāna-Samyutta –S22 – Khandha-Samyutta Vinaya Pitaka / Mahâvagga: –Mv1.1 – am Ufer des Flusses Nerañjara bei Uruvelâ

23 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V Verwendete Quellen (2) Weitere verwendete Pâli-Text-Quellen: Sutta Pitaka: –Majjhima Nikâya, M2, Sabbāsava Sutta (Alle Anwandlungen) –Khuddaka Nikâya / Dhammapada (insges. 423 Verse) –Khuddaka Nikâya / Udâna (Aphorismen) Ud.1.3 –Anguttara Nikaya / Kâlâma Sutta, A.III.66 Pâli Chanting (translated by Ven. Âchârya Buddharakkhita) –Dhamma Vandanâ –Sakala Buddhâ pûjâ

24 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V Verwendete Quellen (3) Übersetzungen von Texten des Pâli-Kanons ins Deutsche: Tipitaka – der Pâli-Kanon des Theravâda-Buddhismus. Fast vollständige Sammlung (Deutsch) aller drei Pitakas. Unterschiedliche Übersetzer. Im Internet: seit 1998 ca HTML- Seiten mit URLs u. Fußnoten, implementiert von Wolfgang Greger (Thailand) Kurt Schmidt: Buddhas Reden Majjhimanikaya – die Lehrreden der Mittleren Sammlung des buddhistischen Pâli- Kanon. In kritischer, kommentierter Neuübertragung. W. Kristkeitz Verlag, 1989 Nyânatiloka: Buddhistisches Wörterbuch Pâli – Deutsch, Verlag. Beyerlein & Steinschulte; 5. Auflage, 1999 T.W.Rhys Davids / W. Stede: Pâli-English dictionary –Reprint: Motilal Banarsidass, Delhi 2003

25 (c) C. Lübbert, 05/2009Paticcasamuppâda III, V Verwendete Quellen (4) Verwendete Sekundärliteratur zum Thema: Anagarika Govinda: Die Dynamik des Geistes Die psychologische Haltung der frühbuddhist. Philosophie u. ihre systematische Darstellung nach der Tradition des Abhidhamma. Verlag O.W. Barth, 1992 Nyânatiloka: Das Wort des Buddha Systemat. Kurz-Übersicht der Lehre; v. Autor ausgewählte u. übersetzte Pâlikanon-Texte. Buddhist. Handbibliothek. Vlg. Christiani, Konstanz, 1989, neu erschienen (ab ca. 2001) im Vlg. Beyerlein & Steinschulte Nyânaponika: Geistestraining durch Achtsamkeit Buddhist. Handbibliothek. Vlg. Beyerlein & Steinschulte; 8. Auflage, 2000 Buddhadasa Bhikkhu (Thailand): Kernholz des Bodhibaums Suññata verstehen und leben, 1994 Hrsg. der Deutschen Fassung: Buddhistische Gesellschaft München e.V., 1999 Buddhadasa Bhikkhu (Thailand): Kalamasutta, hilf! 1988 Buddhadasa Bhikkhu (Thailand): Anattâ und Jâti Dhammadûta (Zeitschrift), Jahrgang 10, Nr. 1 – Mai 2006; Hrsg. Vijayâ (Dr. Helmtrud Rumpf) Ajahn Chah (Thailand): A Taste of Freedom Selected Dhamma Talks, - printed in Taipei / Taiwan, 1994


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