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Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 126 Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff Universität Passau WS 2012/13 f(k) k y, s. y s. f(k)

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1 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 126 Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff Universität Passau WS 2012/13 f(k) k y, s. y s. f(k) (n+ )k s. y* c* k* y* 5. Kurzfristige Schwankungen

2 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 127 Pflichtlektüre: Keynes, J.M. (2008), On Air – Der Weltökonom am Mikrofon der BBC. S Mankiw, N. G. (2003), Macroeconomics. 5. Aufl. S McDowell, M. et al. (2006), Principles of Economics, S Taylor, J.B. und A. Weerapana (2009), Economics, 6. Aufl., S

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4 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 129 Wachstum und Konjunktur Gemäß Wachstumstheorie ist mit einem stetigen Wachstum des BIP zu rechnen. Aufgrund technologischen Fortschritts kann dies ein wenig schwanken, wird aber eher einen stetigen Trend aufweisen. Tatsächlich wird aber beobachtet, dass Phasen des Aufschwungs und Phasen der Rezession, also unterdurchschnittlichen Wachstums, auftreten. Manchmal fällt sogar das Inlandsprodukt. Mit dem Inlandsprodukt schwankt auch die Beschäftigung und Arbeitslosigkeit eines Landes. Es existieren auch Depressionen, besonders schwerwiegende Rezessionen. Diese periodischen Entwicklungen werden Konjunkturzyklus genannt. Wie ist ein solches Auftreten von Schwankungen zu erklären?

5 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 130 Bruttoinlandsprodukt Deutschland Niveau, Quartalszahlen, indexiert (2005=100), Wachstum gegenüber Vorjahresquartal : Früheres Bundesgebiet; ab 1991: Gesamtes Bundesgebiet. Datenquelle: International Financial Statistics, IWF

6 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 131 Potentielles Inlandsprodukt Langfristig wird die Produktion durch das Wachstum der Einsatzfaktoren und den technischen Fortschritt bestimmt, also durch die Angebotsseite einer Volkswirtschaft determiniert. Dieses Niveau der Produktion nennen wir auch das potentielle Inlandsprodukt oder die Vollbeschäftigungsproduktion. Gesamtwirtschaftliche Nachfrage Kurzfristig wird die Produktion entscheidend von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bestimmt. Deren Niveau kann vom potentiellen Niveau abweichen. Während eines Booms erhöhen Firmen die Produktion, um die zusätzliche Nachfrage zu befriedigen. In einer Rezession wird die Produktion dagegen reduziert, um eine hohe Lagerhaltung zu vermeiden.

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8 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 133 Sektoren der Wirtschaft Für die Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage müssen die Sektoren der Wirtschaft einzeln untersucht werden: Private Haushalte Unternehmen Investoren Öffentliche Haushalte Ausland Rückkopplung Kein Sektor ist alleine verantwortlich für die Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Vielmehr beeinflussen die Aktionen eines jeden Sektors die Nachfrage der anderen Sektoren. Dabei ergibt sich oftmals eine positive Rückkopplung: Geben die privaten Haushalte viel Geld aus, wollen die Produzenten viel produzieren und können dann hohe Einkommen verteilen. Investoren sind dann zuversichtlich bezüglich zukünftiger Erträge und steigern ihre Investitionen. Dies verstärkt den Boom. Die gegenteilige Entwicklung stellt sich in der Rezession ein.

9 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 134 Konsum Versetzen Sie sich in Ihre zukünftige Lage im Arbeitsleben. Nach Ihrem Bachelorabschluss fangen Sie als freier Mitarbeiter bei einer mittelständischen Firma an und beziehen ein regelmäßiges Nettojahreseinkommen nach Steuern von Sie sind nicht sozialversichert und besitzen keine relevanten Vermögensobjekte. Beachten Sie hierzu die weitere Beschreibung auf Ihrem mobilen Endgerät! Welchen Anteil Ihres Einkommens werden Sie sparen für die Altersvorsorge? ________% Interaktives

10 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 135 Konsum Sie erhalten zusätzlich zu ihrem regelmäßigen Einkommen eine Zahlung von Bitte schätzen Sie ab, wie sie diese verwenden werden. Beachten Sie hierzu die weitere Beschreibung auf Ihrem mobilen Endgerät! Den folgenden Anteil werde ich für kurzlebige Konsumgüter verwenden, (Feier, Urlaub, Kleidung) _______% Den folgenden Anteil werde ich für langlebige Konsumgüter verwenden, (Auto, Musikinstrument, Spülmaschine) _______ % Den folgenden Anteil werde ich sparen, (Bankkonto, Staatsanleihen, Aktien) _______ % Sonstiges_______ % Interaktives

11 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 136 Konsumfunktion Diese positive Rückkopplung lässt sich insbesondere bei den privaten Haushalten vermuten. Für die Konsumentscheidung können viele Einflussgrößen relevant sein (Vermögen, Steuerzahlungen, das zu erwartende Lebenseinkommen …). Im Rahmen der absoluten Einkommenshypothese von Keynes (1936) wird dem laufenden Einkommen eine zentrale Rolle zugewiesen: C = C(Y) Hierbei wird argumentiert, dass ein Anstieg des Einkommens sowohl zu einem Anstieg des Konsums als auch einem Anstieg der Ersparnis führt. Absolute Einkommenshypothese In linearisierter Form gilt: C = a + cY, mit a>0, autonomer Konsum c, marginale Konsumquote, mit 0

12 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 137 Kritik der Keynesianischen Konsumfunktion Konsum wird nur in ein Verhältnis gesetzt zu einer anderen endogenen Variablen, nämlich dem Einkommen. Das Einkommen hängt ab vom Verhalten aller anderen Wirtschaftssubjekte einer Volkswirtschaft. Damit wird aber eine Zirkularität geschaffen, ohne eine solide Basis für individuelles Verhalten zu begründen. Eine Mikrofundierung erfordert dagegen, menschliches Verhalten als Optimierungskalkül herzuleiten. Eine solche Herleitung würde konstatieren, dass Zinsen und das zukünftig erwartete Einkommen wichtige Bestimmungsgrößen sind. Ein Einfluss des gegenwärtigen Einkommens wird überschätzt, da beide Größen vom technischen Fortschritt getrieben werden. Zur Verteidigung Das Verhalten anderer Wirtschaftssubjekte ist so bestimmend, dass rationale Erwägungen wie das zukünftige Einkommen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Zinsen sind empirisch unbedeutend als Bestimmungsgrößen des Konsumverhaltens. Wettstreit der Lehrmeinungen

13 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 138 Ersparnis Die private Ersparnis, S, ist die Differenz zwischen Einkommen und privatem Konsum: S = Y – C. Es folgt in linearisierter Form: S = Y – a – cY = –a + sY; s=1-c Hierbei ist s die marginale Sparquote (0 < s < 1). Für den einzelnen Haushalt ist die Ersparnis nun nicht mehr identisch zur Investition, im Gegensatz zum Wachstumsmodell.

14 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 139 C,S Y 45° C = a+cY a Y0Y0 -a-a S = -a+(1-c)Y Y1Y1 S>0

15 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 140 Produktionsplanung Für die Produktion lässt sich ebenfalls eine positive Rückkopplung vermuten. Die Produzenten planen die Produktion, Y, kurzfristig in Höhe der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, Y=Y D. Diese Annahme unterstellt, dass unterausgelastete Produktionskapazitäten verfügbar sind (Im Gegensatz zu obigem Cartoon).

16 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 141 Überauslastung und Unterauslastung Sofern zusätzliche Nachfrage auftritt, können Unternehmen die Maschinen länger laufen lassen und Arbeitskräfte zu Überstunden auffordern. So können Unternehmen eine zusätzliche Nachfrage befriedigen. Bei fehlender Nachfrage ergibt sich hingegen Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit sowie eine Unterauslastung der Kapazitäten. Fehlende Preisanpassung Wir unterstellen dabei, dass eine zusätzliche Nachfrage nicht die Inflation erhöht. Solche Rückwirkungen werden wir erst später betrachten. Die Inflation und das Preisniveau sind daher im Rahmen der Modellierung konstant (z.B. aufgrund von Menukosten).

17 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 142 Einkommen Aus einer erhöhten Produktion entstehen zusätzliche Einkommen, die an die Haushalte ausgeschüttet werden (von einbehaltenen Gewinnen sehen wir hierbei ab). Haben die Haushalte daher den Konsum gesteigert, so erhalten sie auch ein entsprechend höheres Einkommen, mit dem sie den erhöhten Konsum finanzieren können. Investitionen Auch die Investitionen können von positiver Rückkopplung angetrieben werden. Hiervon wollen wir hier der Einfachheit halber absehen. Wir unterstellen stattdessen, dass Investoren in einem vorgegebenen Ausmaß Investitionsgüter (netto) nachfragen, I=I. Damit lautet die gesamtwirtschaftliche Nachfrage Y D =C+I. Reale Planung Alle Größen wie Konsum und Produktion werden hierbei real geplant. Der Konsumplan bezieht sich also nicht auf eine nominale -Größe, sondern auf (gewichtete) Mengen an Konsumgütern. Eine Verdoppelung des Preisniveaus würde diesen Konsumplan nicht ändern.

18 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 143 Das Gütermarktmodell (1) Y=Y D (2) I=I (3) C=a+cY (4) Y D =C+I

19 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 144 Zusammengefasstes Modell: Multiplikator autonome Komponenten

20 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 145 Geplante Größen In dem Modell existieren Verhaltenshypothesen über geplante Größen. Diese sind die Produktion, die Nettoinvestition und der geplante Konsum (Y, I, C). Bei diesen Größen werden die Pläne auch realisiert. Ungeplante Größen Es gibt aber außerhalb des Gleichgewichts ungeplante Investitionen (Lagerinvestitionen). Bei dem Ungleichgewicht, Y > Y D ergibt sich ein ungeplanter Lageraufbau. Bei Y < Y D folgt ein ungeplanter Lagerabbau. Bei dieser Größe können Plan und Realisierung also voneinander abweichen.

21 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 146 Y,Y D C, I Y C=a+cY a 45° I=I P ^ Y S(Y 1 ) I Y1Y1 Y D =C+I a+I IUIU Einkommens-Nachfrage-Diagramm (Keynessches-Kreuz)

22 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 147 Ersparnis und Investition Das Gütermarktgleichgewicht lässt sich auch dadurch graphisch abtragen, dass die gesamtwirtschaftliche Ersparnis der Nettoinvestition gegenübergestellt wird. Für die Ersparnis gilt die Definitionsgleichung S=Y-C. Ferner gilt Y-C=Y D -C=C+I-C=I Damit gilt insgesamt die (alternative) Gleichgewichtsbedingung: S=I

23 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 148 S, I Y S=-a+sY -a I P ^ Y

24 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 149 Störungen des Gleichgewichts Wie verändert sich das Gleichgewicht als Reaktion auf exogene Störungen? Hierzu werden zwei Gleichgewichte miteinander verglichen. Ein solcher Vergleich zweier Ruhezustände wird komparativ-statische Analyse genannt. Wie die Anpassung dabei verläuft, wird dabei nicht behandelt. Exogene Änderung der Investitionen Sofern die Investitionen ansteigen, dI, können wir die Gleichung total differenzieren: Ceteris Paribus Sofern sich der autonome Konsum nicht ändert, gilt da=0. Eine solche Konstanz nicht näher betrachteter Variablen wird als ceteris paribus- Annahme bezeichnet. Es folgt dann:

25 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 150 Y,Y D, C, I Y 45° I=I 0 Y D =a+cY+I 0 I=I 1 dIdI P0P0 ^ Y0Y0 P1P1 ^ Y1Y1 dY (>dI) Y D =a+cY+I 1 dIdI

26 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 151 Quasi-dynamische Analyse Der Multiplikatorprozess kann mit Hilfe einer quasi-dynamischen Analyse beschrieben werden. Hierfür wird die Anpassung in einzelne Multiplikatorrunden zerlegt für die angenommen wird, dass die Anpassung nicht sofort erfolgt, sondern eine gewisse Zeit benötigt. Es ergibt sich dann folgende Wirkungskette: I S Y C (Sickerverlust)

27 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 152 Darstellung im Kontenrahmen Produktionskonto AbschreibungenKonsum EinkommenInvestitionen Einkommenskonto KonsumEinkommen Ersparnis Vermögensänderungskonto InvestitionenAbschreibungen Ersparnis

28 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 153 Variation des autonomen Konsums Eine andere Störung ergibt sich bei einer Variation des autonomen Konsums. Haushalte könnten die Ersparnis erhöhen durch eine Absenkung von a. Der Multiplikator hierzu lautet: Dies entspricht einer Verschiebung der Nachfragekurve im Einkommens- Nachfrage-Diagramm nach unten. Alternativ kann eine Darstellung im S/Y- Diagramm vorgenommen werden.

29 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 154 S, I Y S=-a 0 +sY I=I P1P1 ^ Y1Y1 ^ Y0Y0 P0P0 S=-a 1 +sY -da da < 0

30 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 155 Sparparadoxon Die Graphik und Berechnung zeigen das sogenannte Sparparadoxon: Der einzelwirtschaftliche Versuch, die Ersparnis zu erhöhen, scheitert im gesamtwirtschaftlichen Kontext. Klugheit des Individuums - Tragödie des Systems Einzelwirtschaftlich halten wir einen Menschen, der hinreichend spart, für weise und vorausschauend. In einer Krise wünschen sich viele eine Rückkehr zu solchen Tugenden. Aber dieses Kalkül verschlimmert die Krise, die Produktion bricht weiter ein und nicht einmal die Ersparnis nimmt gesamtwirtschaftlich zu. Dieser Zusammenhang wird auch fallacy of composition genannt, also der Irrtum, aus der Summe einzelwirtschaftlicher Kalküle auf makroökonomische Zusammenhänge zu schließen.

31 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 156 Ersparnis, Investition und Zins Bestimmungsgröße für die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist allein die Investition. Das erstaunliche Ergebnis ist, dass nicht etwa das Zinsniveau zu einem Gleichgewicht zwischen Investitionen und Ersparnis beiträgt. Eine jede Investition verschafft sich durch die Multiplikatorrunden die zu ihrer Durchführung notwendige Ersparnis. Das Inlandsprodukt treibt die Ersparnis auf die Höhe der durchgeführten Investitionen. Bereits in der ersten Multiplikatorrunde wird dies erreicht. Alle durch den Multiplikator induzierten Konsumgüterkäufe übertragen die Ersparnistätigkeit nur auf andere Schultern. Es gibt keine Knappheit an Ersparnissen Dies impliziert, dass Ersparnisse keine Restriktion für die Durchführung von Investitionen darstellen. Wir können also nicht vermuten, dass eine denkbare Knappheit an Ersparnissen die Durchführung einer Investition behindern könnten. Investitionen benötigen keine vorhandenen Ersparnisse, die sich z.B. in Form von Sparguthaben bei Banken angesammelt haben. Es reicht vielmehr aus, dass eine Bank eine Bürgschaft für die Durchführung einer Investition ausstellt. Die Finanzierungsmittel entstehen dann automatisch mit der Durchführung der Investition.

32 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 157 Solidität der Bank oder des Bankensektors Eine zum Sparparadoxon ähnliche Logik ergibt sich in einer Finanzkrise für den Bankensektor. Einzelne Banken halten wir für solide, wenn sie relativ zu ihren teilweise riskanten Anlagen hinreichend Reinvermögen besitzen. Gehen die Kurse ihrer Anlagen herunter, so vermindert sich ihr Reinvermögen. Daher sollten sie durch Verkäufe ihre Bilanz verkürzen. Diese Maßnahme hilft aber nur der einzelnen Bank. Alle anderen Banken werden durch die Verkäufe und dadurch sinkenden Vermögenspreise noch stärker in die Krise gestürzt. Der Versuch einzelner Banken, die Risiken ihrer Geschäftstätigkeit durch Verkäufe von Finanzvermögen zu verringern, scheitert im gesamtwirtschaftlichen Kontext.

33 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 158 Welches sind die wichtigsten Konjunkturindikatoren für Deutschland? Der ifo-Geschäftsklimaindex (ifo-GK) beruht auf einer Befragung des ifo-Instituts (München) von über 7000 Unternehmen in Deutschland, gemäß ihrer Einschätzung der Geschäftslage sowie nach ihrer Erwartung für die nächsten 6 Monate (ifo-GE).ifo-Geschäftsklimaindex Die ZEW-Konjunkturerwartungen basieren auf einer Befragung von 400 Finanzmarktexperten (270 Fachleute von Banken und 50 von Versicherungen, 40 Analysten von Kapitalanlagegesellschaften und 40 Vertreter von Industrieunternehmen) des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.ZEW-Konjunkturerwartungen

34 Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff Folie 159 Der Earlybird-Indikator wird seit 2001 in der Wirtschaftswoche publiziert und seit 1991 von der Commerzbank erstellt. In diesen Index gehen die folgenden (standardisierten) Einzelreihen ein: 1) Der kurzfristige Realzins, d.h. 3-Monats-Euribor bereinigt um den Preisanstieg der Lebenshaltungskosten ohne Energie, negative Wirkung. 2) Jahresdifferenz des realen Außenwerts einer fiktiven D- Mark, berechnet von der Deutschen Bundesbank, negative Wirkung. 3) Der Einkaufsmanagerindex (NAPM) für das verarbeitende Gewerbe in den USA, positive Wirkung. Weitere Indikatoren wie der Handelsblatt-Frühindikator oder der Konjunkturindikator der FAZ berücksichtigen zusätzliche Größen wie die Einzelhandelsumsätze, den Auftragseingang des verarbeitenden Gewerbes, den Aktienindex oder die Entwicklung der Stellenangebote.Konjunkturindikator der FAZ


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