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Über Kreativität und den Wandel zur Wissenskunst – eine Gratwanderung Dr. habil. Gertrud Kamper, Berlin.

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Präsentation zum Thema: "Über Kreativität und den Wandel zur Wissenskunst – eine Gratwanderung Dr. habil. Gertrud Kamper, Berlin."—  Präsentation transkript:

1 Über Kreativität und den Wandel zur Wissenskunst – eine Gratwanderung Dr. habil. Gertrud Kamper, Berlin

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3 3 Was ist mit Kreativität gemeint? Wovon sprechen wir hier überhaupt? Definitonen in den Wörterbüchern Welche Auffassungen über Kreativität dominieren in der westlich- abendländischen Kulturtradition? Wieso sprechen wir gerade jetzt so häufig über Kreativität?

4 4 Zeitgebundenheit, Kontext, Wörterbücher Caveat genesis (griech.) creatio (lat.) Schöpfung, erschaffen (dt.) Kreativität aus dem anglo-amerikanischen creativity creativity ursprüngl. Übersetzung für (griech.) poietis (= Urheber) Grundbedeutung: Etwas machen, erzeugen, entstehen lassen Betonung auf dem Ver- anlassen des ersten Ent- stehens durch einen Gott / eine göttliche Kraft Achtung: Stark dualistische und paternalistisch-dominierte Tradition der Wörterbücher – und zwar nicht reflektiert

5 5 Annahmen über Kreativität 1 Immanenz – die kreative Welt (älteste Auffassungen, vor-patriarchal) Transzendenz – der kreative Geist-Gott (Antike u. Christentum, paternalistisch-dominant)

6 6 Annahmen über Kreativität 2 Die Emanzipation des kreativen Menschen (Neuzeit, immer noch paternalistisch-dominant) Renaissance – Wissenschaft = 2. Schöpfung mit dem Verstande gemacht – Malerei = 2. Schöpfung mit der Phantasie gemacht – Erkennen als geistiges Nachvollziehen, Nachschöpfen Aufklärung u. Gegenbewegungen – Gott = unbewegter Beweger, göttl. Uhrmacher, ansonst mechan. Gesetze – Idealismus (kreativer absoluter Geist) – Sturm u. Drang, dt. Klassik, Romantik (göttlicher Funke im Originalgenie) Soziologische Perspektive (Hans Joas) – kreative Aspekte menschl. Handelns in Handlungstheorien Ausdruck (Herder), Produktion (Marx), revolution. Handeln (Marx), Leben (europ. Lebensphil., Schopenhauer, Nietzsche, Bergson, Simmel, Dilthey), situierte Kreativität (USA Pragmat. - W. James, Charles Pierce, George Herbert Mead, John Dewey) Psychologische Kreativitätstheorien – oft synonym für Kreativitätsforschung – Leistungs- u. Produktivitätsaspekte dominieren – creativity als Ergänzung zu intelligence (IQ-Faktor) – Faktoren, Ebenen, Stufen – Genie u. Wahnsinn – Tests und Trainings – psychoanalyt. Ansätze

7 7 Annahmen über Kreativität 3 Anything goes? – oder: Die aktuelle Übergangssituation Space Age und New Age – Raumfahrer u. EsoterikerInnen Schöpferkraft von außen Chaos und System Kreativität als grundlegendes Systemprinzip immanent Grenzwissenschaften – Naturwissenschaftler-Philosophen u. Kulturell Kreative neue kosmologische Entwürfe, Universum u. jedes einzelne Element kreativ

8 8 Zus.fassung: Annahmen zu Kreativität - Qualität ständiger Selbst-Erneuerung wie Selbstveränderung (Schaffung von Neuem) - Grundcharakteristikum der Welt (Mikro- bis Makro-Kosmos) - Vorstellungen einer allgemeinen Schöpfungs- kraft der Welt im westlich-abendländischen Denken (zumindest die meiste Zeit) - Im Dualismus allerdings in abstrakt-geistiger Weise (Transzendenz) - Aber auch, v.a. im trad.-wissenschaftl. Denken: Auffassung einer nicht-kreativen, linear-kausalen, materiellen Welt

9 9 Krisen, Chaos, Möglichkeiten, Stabilisierung

10 10 Metapher für den sensiblen Punkt: Ein Schmetterling am Amazonas schlägt mit den Flügeln und in Honkong gibt es einen Taifun

11 11 Die z.Zt. plausibelste Definition (dynamisch-systemisch und chaos-theoretisch inspiriert) : Kreativität Kreativität – Bezeichnung für die Eigenschaft von Systemen, sich aus sich selbst heraus so zu verändern, daß etwas Neues entsteht (Autopoiese) in Kontexten, in Wechselwirkung mit anderen, eben- falls dynamischen Systemen – aber eben doch aus sich selbst heraus (Autopoiese) erhaltend-erneuernde Kreativität ständige, kontinuierliche Veränderung – erhaltend-erneuernde Kreativität sprunghaft Bi- oder Polyfurkation wirklich Neues eher sprunghaft – aus Situationen der Bi- oder Polyfurkation Kein Anhalten, kein Zurück, kein Aussteigen – welche Äste möglicher Entwicklung sind aktuell?

12 12 Bifurkation Bifurkation

13 13 Wieso Kreativität jetzt? Zeit des Umbruchs 20. Jhdt. und Beginn 21. Jhdt. allgemein als Zeit des Umbruchs, der beschleunigten Veränderung, der Krise erlebt von den Menschen des westlichen Zivilisationskreises – wie erleben das Angehörige anderer Kulturkreise? Vergleich mit der Renaissance Vergleich mit der neo-lithischen Revolution Das Ausmaß an relativer Verselbständigung der Menschen gegenüber der Natur wie das Ausmaß ihrer Manipulation läßt ein Überwinden der dualistischen Struktur notwendig und möglich erscheinen

14 14 Diskurse über menschliche Kreativität sind oft allgemein und meist geht es um Hoffnung – selten wird gefragt: Inhalte von Veränderungen? Ziele von Kreativität? Ethische Dimension? Wer soll / will was warum wozu und wohin kreieren? Welche Auswirkungen hat menschliche Kreativität im Gesamtzusammenhang der verschiedenen, komplexen Systeme? å Risiko-Diskurs, Verantwortungs-Diskurs

15 15 Plausible Annahme: Plausible Annahme: Die häßlichen Seiten und Folgen (individuell wie global) der westlichen Art, das eigene Leben erfreulicher machen zu wollen, hängen direkt und indirekt mit der geistigen Orientierung unseres Handelns zusammen – und zwar wesentlich mit: Dualismus die Struktur des Symbolsystems unserer westlichen Zivilisation also eine Voraussetzung unseres DenkensWissenschaft wesentlich dualistisch (Bacon & Descartes) die säkulare Religion unserer Zivilisation

16 16 Netz Dualismen Netz aufeinander bezogener und sich gegenseitig verstärkender Dualismen Nicht jede Unterscheidung, Dichotomie, Polarität etc. ist ein Dualismus – (Hierarchie) Dualismus Geist - Materie Mensch - Natur Kultur - Natur Mann - Frau Geist - Körper Herr - Knecht/Sklave Spiritualität - Sexualität zivilisiert - wild rein - befleckt seelisch - fleischlich licht - dunkel stark - schwach göttlich - irdisch etc. pp.

17 17 Dualismus die Struktur des Symbolsystems alles Andere - hat keinen eigenen Wert/ Existenzberechtigung, muß den mastern nützen die beiden Pole schließen einander aus - es gibtkeine kontinuierlichen Übergänge nur A zählt, alles Andere hatkeine eigene Qualität, sondern ist nur non-A die Angehörigen der macht-habenden Gruppe setzen sich alsHerren-und-Meister über alle Anderen und alles Andere einer hierarchisch organisierten Gesellschaft

18 18 Gertrud Kamper, Platon lesen, 1999

19 19 Wissenschaft bestimmte Art und Weise,eine bestimmte Art und Weise, Erkenntnisse zu gewinnen, u.a. MethodenfragenErkenntnisse zu gewinnen, Wissen zu erzeugen (auswählend, begrenzt) u.a. Methodenfragen Institutionen, Personen, u.a. Methodenfragenvielfältige Gesamtheit von Institutionen, die zu diesem Zweck unterhalten werden und von Personen, die sich zu diesem Zweck einem bestimmten Regelwerk unterwerfen u.a. Methodenfragen Kontext immer in Wechselwirkung mit / im Kontext von konkreten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, militärischen, techni- schen, religiösen, politischen Bedingungen

20 20 Eine drastische Reduktion der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten und -notwendigkeiten Eine drastische Reduktion der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten und -notwendigkeiten Wissenschaft politisch durchgesetzt Wissenschaft vor ungefähr 400 Jahren entwickelt und politisch durchgesetzt unabhängig von der Beziehung objektiv nur Erkenntnisse, die als unabhängig von der Beziehung zwischen Erkennendem und Objekt der Erkenntnis gelten, seien verläßlich objektiv u.a. Methodenfragen u.a. Methodenfragen primäre Qualitäten nur primäre Qualitäten (meßbar, mathematisierbar) gelten als wissenschafts-würdig Wissen und Wert Erkenntnis und Urteil/Bedeutung, Wissen und Wert sollen nichts miteinander zu tun haben - Wiss. vorgeblich wertfrei und unparteiisch

21 21 Wissenschaft offizielle und dominierende Modell, = zur Zeit das offizielle und dominierende Modell, die Welt zu betrachten, zu verstehen, zu interpretieren extrem dualistisch-hierarchisch = extrem dualistisch-hierarchisch – wird absolut gesetzt, Monopol auf Wahrheit – Reduktion des ganzen Organismus auf Körper, Abwertung des Körpers als bloßer Träger von Informationen (Genen etc.) säkulare Religion = unsere aktuelle säkulare Religion als Handlungsorientierung mitverantwortlich für Konflikte und Krisen – alltäglich, lebensweltlich, künstlerisch etc.– Nicht-wissenschaftl. Arten des Erkennens und Wissens – alltäglich, lebensweltlich, künstlerisch etc.– verschwanden nicht vollständig – aber un-wissenschaftlich abgewertetverwissenschaft- licht sie wurden als un-wissenschaftlich bezeichnet - damit gleichzeitig abgewertet und wo möglich verwissenschaft- licht oder ersetzt.

22 22 Aufmüpfen gegen dualistischen und beschränkenden Charakter – Wieso jetzt? Natur schlägt zurück - Natur schlägt zurück - wir leiden langsam selbst unter den von uns ver- ursachten Veränderungen. z.B. Klima-Katastrophen, Wald- sterben, BSE, Allergien etc. leiden auch seelisch Viele Menschen leiden auch seelisch unter den Auswirkungen der wiss. Auffassung der Welt. z.B. Entfremdung, Sinnverlust etc. Komplexität der Welt Die aktuellen Wissenschaften von der Komplexität der Welt (Quantentheorie, Chaos-forschung, Biologie etc.) widersprechen einer Weltsicht, die einem herkömmlich beschränkten, wissenschafts-orientierten Weltbild folgt, immer deutlicher.

23 23 Gertrud Kamper, Die Wissenschaft erhebt sich, 1999

24 24 Wirklich jetzt? KreativitätKreativität ist heute ein oft angesprochenes Thema (auch außerhalb von Künstlern und Werbewirtschaft) herkömmlicher Wissenschaft Angemessenheit herkömmlicher Wissenschaft und ihrer Methoden als Weise des Erkennens und der Orientierung wird in Frage gestellt (noch am Rande des Betriebs, aber hoch-karätig) Nähern wir uns einem sensiblen Punkt im Prozeß? Oder baut sich bereits das Chaos auf? Wie wirken die Schläge unserer Schmetterlingsflügel?

25 25 Eine Welt nach dem Dualismus? liegen bereits vor? Wie und wohin Welche Vorschläge, Ideen, Forderungen für eine nicht-dualistische Art und Weise, Erkenntnisse zu gewinnen und Wissen zu erzeugen liegen bereits vor? Wie und wohin könnte, möchte, sollte Wissenschaft weiter- oder zu etwas Neuem entwickelt werden?

26 26 Anarchistische oder dadaistische Erkenntnistheorie, demokratisch legitimierte Wissenschaft (Paul FEYERABEND) Wissenschaft der Qualitäten, raffinierte und subtile Partizipation (Brian GOODWIN) Differenz statt Spaltung, Ordnung statt Gesetz, Respekt statt Herrschaft (Evelyn FOX KELLER) - GAIA - Die Erde ist ein Lebewesen (LOVELOCK/MARGULIS) - Wahrnehmen als radikale Partizipation (David ABRAM) - Tiefe Ökologie (HARDING/NAESS) - Öko-Psychologie (John SEED) Vorschläge für eine neue Ethik - Eine ganzheitliche Ethik für die Natur (ANDREAS-GRIESEBACH) - Eine Ethik biosphärischer Systeme (Ervin LASZLO) Tugendethik und eine nicht-dualistische Vernunft (Val PLUMWOOD) Erzählende Wissenschaft und neue Rationalität, das Kunstwerk als Symbol des Universums (Ilya PROGINE) Arbeitsstellen für nicht-dualistische Erkenntnisgewinnung 1

27 27 Revolution des Wahrnehmens, der Imagination, der Vorstellungskraft (Lucy GOODISON) Für emotionale Vernunft - gegen Irrationalität (Carola MEIER-SEETHALER) Sinnliche oder affektive Wissenschaft, Balance der Traditionen (Morris BERMAN) Das weibliche Prinzip rückfordern - die reduktionistische Wissenschaft überwinden (Vandana SHIVA) Erweiterte multikulturelle Wissenschaft (Susantha GOONATILAKE) Post-cartesianische Kunst, heilende Kunst (Suzi GABLIK) Der Leib, ökologische Naturästhetik und alternative Naturwissenschaften, ethikrelevante Wissenszugänge zur Natur (Gerhard BÖHME, Hartmut BÖHME u.a.) Eine leibphilosophische Perspektive - Spüren und bildbewußtes Erkennen (Annegret STOPCZYK) Arbeitsstellen für nicht-dualistische Erkenntnisgewinnung 2

28 28 z. B. Natur, Mensch in Natur Ein gemeinsames Muster in den Überlegungen zur Veränderung z. B. Natur, Mensch in Natur IN und nicht gegenüber neue Selbstpositionierung des Menschen IN und nicht gegenüber der Natur - Mensch als Teil des Ganzen Menschen WIE Naturabhängig UND frei,Menschen WIE Natur als abhängig UND frei, als determiniert UND unvorhersagbar, beide mit Subjektivität und Handlungsmächtigkeit Natürlichkeit / LeiblichkeitNatürlichkeit / Leiblichkeit des Menschen ganz selbstverständlich - wesentliche Rolle der Sinne, Affekte, Emotionen LeibLeib als differenziertere und reichere Vorstellung denn der Körper aus dem Geist-Körper-Dualismus Ko-EntwicklungKo-Entwicklung der Menschen mit ihren Mit-Welten (nicht Umwelten) å Anerkennung eigener Eingebundenheit in die Systeme Diskurse über Nicht-Wissen, Unsicherheit und Fehlertoleranzen å Folgen für Methoden-Diskurse

29 29 z. B. Erkenntnis Ein gemeinsames Muster in den Überlegungen zur Veränderung z. B. Erkenntnis die große Illusiondie große Illusion eines außer-weltlichen und außer- körperlichen Standpunkts, einer distanzierten und objektiven Erkenntnis aufgeben partizipativen und subjektiven Charakterpartizipativen und subjektiven Charakter allen Erkennens anerkennen Beteiligung der WeltBeteiligung der Welt an den menschlichen Erkenntnis- prozessen anerkennen Intuition, Leiblichkeit, Gefühle zu verläßlichen Methoden entwickelnIntuition, Leiblichkeit, Gefühle zu verläßlichen Methoden entwickeln Qualitative MerkmaleQualitative Merkmale der Welt interessieren mindestens so sehr wie die quantitative Dimension Neue VernunftNeue Vernunft - Rationalität und Emotionalität, nicht mehr polar und hierarchisch gegenübergestellt, verändern ihre Bedeutung åVeränderung von Methoden

30 30 The Frontier between Art and Science (Beograd 2000) z.B.Visuelle Mathematik z.B. Visuelle Mathematik

31 31 Vorschlag: WissensKUNST Auf welchen Begriff könnte die anzustrebende neue Art und Weise der Erkenntnisgewinnung und Wissenserzeugung gebracht werden? Bloß andere, ganzheitliche etc. Wissenschaft??? Ein eigener, ein wesentliches Merkmal treffender Name für eine neue Qualität ist sinnvoll (vgl. Dampfschiff oder Dampfer - und nicht motorgetriebenes Schiff ohne Segel)

32 32 Überlegung Wissenschaftbeschränkende ReduktionWissenschaft - selektive, beschränkende Reduktion der verschiedenen Merkmale ganzheitlicher menschlicher Erkenntnisprozesse Kunstverschiedene der anderen MerkmaleKunst - übernahm verschiedene der anderen Merkmale (leiblich-mimetisch-sinnliche Ausrichtung, Betonung von Beziehung und Bedeutung, Intuitives, Emotionales, Einfühlung, Spannung zwischen dem Konkreten, Einzelnen und dem Allgemeinen etc.) Künsteauch reduziert/beschränkt, aber anders die Künste wurden auch reduziert/beschränkt, aber anders

33 33 Überlegung - Fortsetzung Vieles von dem, was heute für die Ver- änderung von Wissenschaft angeregt/ver- langt wird, entspricht dem, was damals bei der Trennung der Kunst zugeordnet wurde (Wieder)Verbindung Eine (Wieder)Verbindung von Wissenschaft- lerInnen und KünstlerInnen könnte evtl. den Weg gangbar machen Wissenschaft WIE Kunst würden sich beide in solchen Prozessen selbst laufend verändernWissenschaft WIE Kunst würden sich beide in solchen Prozessen selbst laufend verändern Eine bloße Addition beider würde allerdings einiges außen vor lassen - bspw. die ethische Seite und das veränderte NaturverständnisEine bloße Addition beider würde allerdings einiges außen vor lassen - bspw. die ethische Seite und das veränderte Naturverständnis

34 34 Kreativität und Wissenskunst Versuch über eine Entwick- lungsrichtung von Wissen- schaft und deren Bedeutung für eine neue Pädagogik Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang 2003 Und auch unter: berlin.de/kamper kreativität und wissenskunst pdf-Dateien

35 35 Gertrud Kamper, Gratwanderung 3, 2001 Vielen Dank für Ihre Aufmerk- samkeit!

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37 37 Immanenz – die kreative Welt (älteste Auffassungen, vor-patriarchal) JägerInnen und SammlerInnen - Urvertrauen in die Welt - vermutl. magische Praktiken - vermutl. keine Götter etc. Bauern und Bäuerinnen - aus Chaos, Unordnung, Urelementen - entstand Kosmos, Ordnung, Welt - Bilder des Gebärens, Eierlegens etc. - mit der Zeit Personifizierung der Kräfte

38 38 Ungefähre Proportionen der Entwicklungszeit vor etwa J. Jetztmenschen vor etwa J. Beginn Neolithikum vor etwa J. Durchsetz. Patriarchat vor etwa J. Beginn Christianis. vor knapp 500 Jahren wissenschaftliche Revolution

39 39 Transzendenz – der kreative Geist-Gott (Antike u. Christentum, paternalistisch-dominant) Verwalter u. Krieger, Sklavinnen u. Sklaven - creativity vs. The Creator - Gebären/Frauen nicht mehr als schöpferisch - Ideen, geistige Prinzipien jenseits der Welt - creatio ex nihilo - Kreative als Erneuerer u. Ruhestörer - rein geistiger, sprachgewaltiger Gott mit Autorität WEIL Schöpfer Christen u. Christinnen - Verschärfung der Logos-Linie - rein lineare Vorstellung

40 40 Die Emanzipation des kreativen Menschen 1 (Neuzeit, immer noch paternalistisch-dominant) Renaissance - Wissenschaft = 2. Schöpfung mit dem Verstande gemacht - Malerei = 2. Schöpfung mit der Phantasie gemacht - Erkennen als geistiges Nachvollziehen, Nachschöpfen Aufklärung u. Gegenbewegungen - Gott als unbewegter Beweger, göttlicher Uhrmacher, ansonst mechanische Gesetze - Idealismus (kreativer absoluter Geist) - Sturm u. Drang, dt. Klassik, Romantik - göttlicher Funke im Originalgenie

41 41 Die Emanzipation des kreativen Menschen 2 (Neuzeit, immer noch paternalistisch-dominant) Soziologische Perspektive (Hans Joas) kreative Aspekte menschl. Handelns in Handlungstheorien - Ausdruck (Herder) - Produktion (Marx) - revolution. Handeln (Marx) - Leben (europ. Lebensphil., Schopenhauer, Nietzsche, Bergson, Simmel, Dilthey) - situierte Kreativität (USA Pragmat. - W. James, Charles Pierce, George Herbert Mead, John Dewey) Psychologische Kreativitätstheorien - oft synonym für Kreativitäts- forschung - Leistungs- u. Produktivitäts- aspekte dominieren - creativity als Ergänzung zu intelligence (IQ-Faktor) - Faktoren, Ebenen, Stufen - Tests und Trainings - Genie u. Wahnsinn - psychoanalyt. Ansätze

42 42 Anything goes? – oder: Die aktuelle Übergangssituation Space Age und New Age – Raumfahrer u. EsoterikerInnen - Cybergodfather u. Cyborg vs. Kosmische Weisheit - cannibalizing vs. sacralizing - Schöpferkraft von außen Chaos und System Kreativität als grundlegendes Systemprinzip Grenzwissenschaften – Naturwissenschaftler-Philoso-phen u. Kulturell Kreative - neue kosmologische Entwürfe - Universum u. jedes einzelne Element kreativ - Unterscheidung Materie - Geist verliert an Bedeutung

43 43 Dualismus Netz – als Netz aufeinander bezogener und sich gegenseitig verstärkender Dualismen – Struktur des Symbolsystems ist die Struktur des Symbolsystems einer Gesellschaft, in der die Macht - die materielle wie die Definitions-Macht - bei einer relativ kleinen Gruppe liegt. Herren-und-Meister (master) Die Angehörigen dieser Gruppe setzen sich politisch, ökonomisch, militärisch, spirituell, intellektuell als Maß aller Dinge, als Herren-und-Meister (master) über alles Andere und alle Anderen. hierarchischen Beziehungen In diesen hierarchischen Beziehungen wird das Andere sowohl beherrscht und ausgebeutet als auch abgewertet, ausgegrenzt und einverleibt.

44 44 Innerhalb dieser Struktur, das Andere als Unteres untertan, in dieser Wahrnehmung, in dem dadurch orientierten Han- deln gilt es als vernünftig und richtig, daß das Andere als Unteres untertan, unterworfen und minderwertig sei: Die Natur der Kultur Die Frau dem Mann Der Leib dem Intellekt, dem Geist Die Primitiven den Zivilisierten (die Barbaren den Griechen) Die Besiegten den Siegern (die Kolonisierten, die Sklaven ihren Herren) macht Euch die Erde untertanwissenschaftliche Begründungen Für die Selbstermächtigung macht Euch die Erde untertan sind zu jeder Zeit auch wissenschaftliche Begründungen formuliert worden.

45 45 Wissenschaft offizielle und dominierende Modell, Wissenschaft = zur Zeit das offizielle und dominierende Modell, die Welt zu betrachten, zu verstehen, zu interpretieren extrem dualistisch - hierarchisch = extrem dualistisch - hierarchisch – wird absolut gesetzt, Monopol auf Wahrheit – nichts hat eigenen Wert gegenüber der Wiss., das Andere wird nach Belieben genutzt – Geist, Intellekt, Information getrennt von Materie, wet-ware, Trägersubstanz etc. – Information etc. wertvoller als Körper etc. Reduktion des ganzen Organismus auf Körper, Reduktion des Körpers auf Informationen (Gene, Gehirnmuster etc.) säkulare Religion = unsere aktuelle säkulare Religion – als Handlungs- orientierung mitverantwortlich für Konflikte und Krisen

46 46 Aberglaube ist der Glauben jener, die (an) etwas Anderes glauben als wir! Und der Rest? Nicht-wissenschaftliche Arten des Erkennens und Wissens - alltäglich, lebensweltlich, künstlerisch, ältere Traditionen heimischen Ursprungs und aus anderen Kulturen, Reformbewegungen etc. Aber dieses Erkennen und Wissen wurde als un-wissenschaftlich bezeichnet - damit gleichzeitig abgewertet verschwanden nicht vollständig und es wurde nach Möglichkeit verwissenschaftlicht oder ersetzt.

47 47 Aufmüpfen gegen dualistischen und beschränkenden Charakter – Wieso jetzt? Natur schlägt zurück - Natur schlägt zurück - wir leiden langsam selbst unter den von uns verursachten Veränderungen. z.B. Klima- Katastrophen, Waldsterben, BSE, Allergien etc. leiden auch seelisch Viele Menschen leiden auch seelisch unter den Auswirkungen der wissenschaftlichen Auffassung der Welt. z.B. Entfremdung, Sinnverlust etc.

48 48 Wieso jetzt? 2 Schritt für Schritt müssen die Grundannahmen bzw. die ursprünglich aufgestellten Regeln aufgegeben werden. Schritt für Schritt müssen die Grundannahmen bzw. die ursprünglich aufgestellten Regeln aufgegeben werden. Komplexität der Welt Die aktuellen Wissenschaften von der Komplexität der Welt (Quantentheorie, Chaos- forschung etc.) zeigen: Die herkömmlichen, wissenschaftlichen Grundannahmen treffen nur für einen sehr eng begrenzten Bereich zu (und nur, wenn man es nicht zu genau nimmt). Nähern wir uns einem sensiblen Punkt im Prozeß? Oder baut sich schon das Chaos auf? Wie wirken die Schläge unserer Schmetterlinsflügel?

49 49 Auf der Suche nach einem roten Faden Auf der Suche nach einem roten Faden Ein gemeinsames Muster in den Überlegungen zur Veränderung Zusammengefaßt geht es hauptsächlich um Veränderungen des Wissenschaft Selbstverständnisses von Wissenschaft Erkennen des Verständnisses von Erkennen Selbstverständnisses des Menschen des Selbstverständnisses des Menschen Ethik des Verständnisses von Ethik Emotionen der den Emotionen zugestandenen Bedeutung Kunst und Wissenschaft des Verhältnisses von Kunst und Wissenschaft

50 50 z. B. Ethik ALLE anderen Menschen UND die NaturALLE anderen Menschen UND die Natur (Mitwelt der Menschen) in die Lehre vom rechten Tun einbeziehen Pflichtethik TugendethikPflichtethik (orientiert an abstrakten Prinzipien) mit einer Tugendethik (Sorge und Rücksichtnahme als Bedürfnis von Menschen) ergänzen Einfühlung, kultivierenEinfühlung, Mitgefühl, Empathie und Emotionen anerkennen und kultivieren Illusion einer wertfreien Wissenschaft, Die Illusion einer wertfreien Wissenschaft, der Trennung von Wissen und Bedeutung aufgeben Wissensproduktion verantwortenWissensproduktion verantworten, Wissenszugänge zur Welt erarbeiten, für welche Ethik von Anfang an relevant ist


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