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Pathologischer PC/Internet-Gebrauch Krankheitsbild Diagnostische und therapeutische Hinweise Dr. Petra Schuhler Psychosomatische Fachklinik Münchwies Ein.

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Präsentation zum Thema: "Pathologischer PC/Internet-Gebrauch Krankheitsbild Diagnostische und therapeutische Hinweise Dr. Petra Schuhler Psychosomatische Fachklinik Münchwies Ein."—  Präsentation transkript:

1 Pathologischer PC/Internet-Gebrauch Krankheitsbild Diagnostische und therapeutische Hinweise Dr. Petra Schuhler Psychosomatische Fachklinik Münchwies Ein Unternehmen der Aktiengesellschaft 20. Jahrestagung Fachverband Glücksspielsucht e.V Hamburg

2 Pathologischer PC/Internet- Gebrauch gamen - chatten - surfen Krankheitsbild und Merkmale der Patientengruppe Krankheitsbild und Merkmale der Patientengruppe Charakteristik des medialen Angebots Charakteristik des medialen Angebots Diagnostische Hinweise Diagnostische Hinweise Psychotherapeutisches Vorgehen Psychotherapeutisches Vorgehen

3 On-line-Rollenspiele - Faszination bei MMORPG 3 Kernfiguren: Tank

4 On-line-Rollenspiele Healer

5 On-line-Rollenspiele Damage dealer

6 3 Skilltrees, aus denen das virtuelle Ich erschaffen werden kann On-line-Rollenspiele

7 Spielszenen World of Warcraft

8

9 Spielszenen Ego Shooter

10

11 Zeichnungen Angriffsplan in pseudo - militärischer Szenerie

12 Zeichnungen Selbstbildnis als Sniper mit Nachtsichtbrille

13 On-line - Rollenspiele Hochkonzentriert: ein kleiner Fehler kann alles zerstören Hochkonzentriert: ein kleiner Fehler kann alles zerstören Echte Gefühle: weinen, schreien, jubeln, sich freuen, trauern Echte Gefühle: weinen, schreien, jubeln, sich freuen, trauern Ziel: Abenteuer und Sieg Ziel: Abenteuer und Sieg Charaktere: gut und böse, können Witze machen Charaktere: gut und böse, können Witze machen In-group-Sprache: noob imba gratz In-group-Sprache: noob imba gratz

14 Sprache der Spiele Aggro-Management – Bedrohungskontrolle, um healer die Arbeit zu erleichtern Aggro-Management – Bedrohungskontrolle, um healer die Arbeit zu erleichtern Gilde – eigenes chat, Gildenhaus, eigene Farben und Rüstungen (3 – mehrere Hundert Spieler) Gilde – eigenes chat, Gildenhaus, eigene Farben und Rüstungen (3 – mehrere Hundert Spieler) Aggro - oft Warnruf, oft auch Synonym für hate Aggro - oft Warnruf, oft auch Synonym für hate

15 Merkmale Immersion

16 Immersion

17 Merkmale Immersion Immersion Zeitvergessenheit Zeitvergessenheit Telepräsenz Telepräsenz Flow-Erleben Flow-Erleben

18 Merkmale Beziehungserleben kann kontrolliert werden, ist steuerbar, eindeutiger, macht weniger Angst Beziehungserleben kann kontrolliert werden, ist steuerbar, eindeutiger, macht weniger Angst Passung zwischen innerem Bedürfnis und medialem Angebot Passung zwischen innerem Bedürfnis und medialem Angebot Zeit ist unbegrenzt Zeit ist unbegrenzt

19 Bindung Erkunden, entdecken, erobern – aber von einem sicheren Hafen aus John Bowlby

20 Nähe-Motiv und Antwort

21 Explorationsmotiv und Antwort

22 Funktionalität Unsichere Bindungsorganisation erfährt passagere Beschwichtigung zum Preis hoher Risiken Unsichere Bindungsorganisation erfährt passagere Beschwichtigung zum Preis hoher Risiken Narzisstische Regulierung gelingt: Egozentrierung, Phantasien von Macht, Stärke und Schönheit Erfüllung vom Traum von der vollkommenen Liebe Narzisstische Regulierung gelingt: Egozentrierung, Phantasien von Macht, Stärke und Schönheit Erfüllung vom Traum von der vollkommenen Liebe

23 Funktionalität Stereotyp idealisierende Darstellung des virtuellen Ichs Stereotyp idealisierende Darstellung des virtuellen Ichs Selektive Selbstdarstellung Selektive Selbstdarstellung Mediennutzung als Fluchtort erlaubt Abkehr von belastender Realität Mediennutzung als Fluchtort erlaubt Abkehr von belastender Realität

24 Funktionalität Schutz und Geborgenheit Schutz und Geborgenheit Explorationsfreude, Kontrollkompetenzerleben Explorationsfreude, Kontrollkompetenzerleben Konsequenzenarme Abfuhr aggressiver Regungen Konsequenzenarme Abfuhr aggressiver Regungen

25 Langfristige negative Folgen Reduzierung der sozialen Kontakte Reduzierung der sozialen Kontakte Berufliche Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenz beeinträchtigt Berufliche Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenz beeinträchtigt Depressive Verarbeitung nach Wiederauftauchen Depressive Verarbeitung nach Wiederauftauchen körperliche, psychische und soziale Schäden körperliche, psychische und soziale Schäden teufelskreisartige Automatisierung der teufelskreisartige Automatisierung der Online-Aktivität Online-Aktivität

26 Krankheitsmodell Identifikatorischer Sog Identifikatorischer Sog Imaginative und projektive Prozesse Imaginative und projektive Prozesse Aufladung eines Selbstideals Aufladung eines Selbstideals Abfuhr starker negativer Affekte Abfuhr starker negativer Affekte Verkennung von Illusion und Realität mit dem Ergebnis, dass Illusion präferiert wird Verkennung von Illusion und Realität mit dem Ergebnis, dass Illusion präferiert wird

27 Pathologischer PC/Internet- Gebrauch Diagnostische Leitlinie: PC-Aktivität ist Teil des Identitätserlebens geworden Cave: Differenzialdiagnosen? Paraphilie,pathologisches Glücksspielen oder Kaufverhalten, Symptomatik im Rahmen einer z.B. schizotypischen Persönlichkeitsstörung Diagnose ICD 10-F 68.8

28 Diagnostische Kriterien... Immersionserleben Störung intrapsychischer und interaktiver Funktionen Exzessive Nutzung mit mehr als 30 Std./ wöchentlich (schul-berufsfremd)

29 ...Diagnostische Kriterien Ich-Syntonie Dysfunktionale Suche nach Erleben von Sicherheit, Nähe Kontrolle, Macht, Erfolg, Explorationsfreude Geht in Symptome über (soziale Phobie, Depressionen)

30 Pathologischer PC/Internet- Gebrauch ICD 10 F68.8 N = 82 PatientInnen

31 Pathologischer PC/Internet- Gebrauch ICD-10 F 68.8 Patientengruppe (seit 1999) N = 82 Patientengruppe (seit 1999) N = 82 Männer : Frauen 6 : 1 Männer : Frauen 6 : 1 Durchschnittsalter: 33 Jahre Durchschnittsalter: 33 Jahre

32 Pathologischer PC/Internet- Gebrauch ICD-10 F 68.8 Arbeitslosenquote: 45,2 % Arbeitslosenquote: 45,2 % Hohe psychische Komorbidität Hohe psychische Komorbidität Starke Beeinträchtigung der beruflichen Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenz Starke Beeinträchtigung der beruflichen Leistungsfähigkeit und Alltagskompetenz

33 Komorbidität Depressive Störungen Depressive Störungen Persönlichkeitsstörungen Persönlichkeitsstörungen Soziale Phobien Soziale Phobien Abhängigkeitserkrankungen Abhängigkeitserkrankungen

34 Therapieziele auf integrativ-verhaltenstherapeutischer und interaktioneller Grundlage

35 Therapieziele Selbstwertregulierung und Empathiefähigkeit in der Realität Selbstwertregulierung und Empathiefähigkeit in der Realität Reale Beziehungen schätzen lernen Reale Beziehungen schätzen lernen Alternative imaginative Kräfte und Phantasie entfalten Alternative imaginative Kräfte und Phantasie entfalten Körperselbst und Sinneswahrnehmung stärken Körperselbst und Sinneswahrnehmung stärken Analyse und Neubewertung der realen Beziehungserfahrungen Analyse und Neubewertung der realen Beziehungserfahrungen

36 Therapieziele Abbau der Präferenz der Illusion Abbau der Präferenz der Illusion Ambivalenzreduktion ( Ich-Syntonie und starke emotionale Bindung an PC- Welt) Ambivalenzreduktion ( Ich-Syntonie und starke emotionale Bindung an PC- Welt) Motivation zum funktionalen Gebrauch des PC Motivation zum funktionalen Gebrauch des PC Rückfallprophylaxe Rückfallprophylaxe

37 Beziehungs- und Selbstwertregulation Klinisches Interview auf bindungstheoretischer Grundlage Verständnis der Selbst- und Beziehungsregulation Therapeutische Intervention mit Initialcharakter

38 Methoden Reflexion der Beziehungserfahrungen und Selbstwertregulation in virtueller und realer Welt Reflexion der Beziehungserfahrungen und Selbstwertregulation in virtueller und realer Welt Erkundung der Interdependenzen und Analyse der Funktionalität Erkundung der Interdependenzen und Analyse der Funktionalität Stärkung der imaginativen Kräfte außerhalb der PC-Welt Stärkung der imaginativen Kräfte außerhalb der PC-Welt

39 Methoden Interaktionelle Gruppentherapie im hier und jetzt Interaktionelle Gruppentherapie im hier und jetzt Körperwahrnehmung Körperwahrnehmung Erfahrungslernen ermöglichen Erfahrungslernen ermöglichen Psychoedukation Psychoedukation Nicht-konfrontative Motivierungsstrategien Nicht-konfrontative Motivierungsstrategien

40 Therapeutisches Vorgehen Nicht-konfrontative Motivierungsstrategien Nicht-konfrontative Motivierungsstrategien

41 Die Kontaktmöglichkeiten vervielfältigen sich Was macht das PC/ Internet -Spielen attraktiv ? Die Welt wird größer und weiter, auch ganz anders (historische, fiktive Welten) Ich kann in mehr als eine andere Haut schlüpfen

42 Raus aus den Zwängen Wird um seiner selbst Willen ausgeführt Mal ganz abschalten Wiederholen macht den Meister Die Welt vergessen können Der Phantasie freien Lauf lassen Unsere wichtigsten Lebens- erfahrungen basieren auf Wiederholung Das Spielen lebt von Wiederholungen Spielen

43 Ich bin heute etwas hektisch, aber das tue ich mit Bedacht Mache viele Fehler und lerne daraus Vereinzelte Fehler sind Lernchancen, häufige Fehler ein Kündigungsgrund Aktivitätssteigerung bis zu einem lustvoll erlebten Höhepunkt Probleme können spielerisch durchdacht und bewältigt werden Spielhandlungen haben nicht so ernste Folgen wie das Handeln im wirklichen Leben Spielen

44 Wann wird aus dem Spiel ein Problem? Nicht mehr zu integrieren in Alltag

45 Wann verlieren Spiele die positive Funktion ? Verdrängen die Lebenswirklichkeiten Gaukeln Erfolge nur vor

46 Ausbau der Erlebnisfähigkeit Sinneskanäle Visuell Visuell Olfaktorisch Olfaktorisch Akustisch Akustisch Taktil Taktil

47 Therapeutisches Programm stellt den pathologischen PC-Gebrauch in den Fokus der therapeutischen Arbeit stellt den pathologischen PC-Gebrauch in den Fokus der therapeutischen Arbeit richtet sich auf Selbstwertregulierung und Interaktionskompetenz in der Realität richtet sich auf Selbstwertregulierung und Interaktionskompetenz in der Realität

48 Therapieziele Abbau der dysfunktionalen Selbstheilungs- und Beziehungssuche Abbau der dysfunktionalen Selbstheilungs- und Beziehungssuche Rückdrängung des Immersionserlebens Rückdrängung des Immersionserlebens Ambivalenzreduktion Ambivalenzreduktion funktionaler Gebrauch des PC (Ampelmodell) funktionaler Gebrauch des PC (Ampelmodell) Rückfallprophylaxe Rückfallprophylaxe

49 Therapieziele reale Beziehungen schätzen lernen reale Beziehungen schätzen lernen alternative imaginative Kräfte und Phantasie entfalten alternative imaginative Kräfte und Phantasie entfalten Körperselbst und Sinnerwahrnehmung stärken Körperselbst und Sinnerwahrnehmung stärken

50 Multimodales Therapiekonzept

51 Therapieergebnisse Wiedererlangung der beruflichen Leistungsfähigkeit: 90% Wiedererlangung der beruflichen Leistungsfähigkeit: 90% Günstige Prognose: 60 % der Fälle Günstige Prognose: 60 % der Fälle

52 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit


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